Die sollen weg!

Die Prostitution in Gebiet rund um die Kurfüstenstraße ist alt. Die Beschwerden darüber sind es auch.

Bereits um 1885 gab es dort die ersten „Amüsierbetriebe“.

„Es sind Mädchen, die alle Unarten des Berliner Kleinbürgertums an sich haben, fast stets geschmacklos gekleidet sind, die sich anbieten, nicht (…) warten, bis sie angesprochen werden, sondern sich mit „Komm mit, Schatz!“, „Kleener, komm doch!“ aufdrängen und auch gelegentlich roh schimpfen.“

So beschreibt der Journalist Hans Ostwald die Situation im Jahre 1907.

Die Prostitution und die damit einhergehenden Problematiken sind also schon seit Anbeginn ihrer Existenz im Gebiet zwischen Bülow-, Potsdamer- und Kurfürstenstraße ein Thema, mit dem sich Anwohner und Kommunalpolitiker beschäftigen. Warum also erfährt die Straßenprostitution in der Kurfürstenstraße grade jetzt wieder mehr Aufmerksamkeit als sonst?

Laut Monika Nürnberger, Leiterin der Einrichtung Olga, die für diesen Beitrag befragt wurde, „liegt es auf der Hand, dass durch die Investitionen im Viertel eine Verdrängung stattfindet.“ Olga ist ein Kontaktladen für drogenabhängige Prostituierte, der seit 1987 versucht den Frauen eine Anlaufstelle zu bieten und das Viertel und seinen Wandel seitdem beobachten durfte.

In den letzten Jahren habe man laut Nürnberger eine deutliche Veränderung in dem Viertel bemerken können. Läuft man nur wenige Meter durch den Kiez, wird deutlich, worum es geht. An vielen Ecken wird neu gebaut, werden Fassaden renoviert, bewerben Immobilienprojekte ihre Produkte. Hier passiert das, was an so vielen Orten in Berlin passiert. Der Wohnraum wird knapp, der bestehende wird aufgewertet. Davon bleibt auch der Bezirk Tempelhof-Schöneberg nicht verschont. Und der Bezirk Mitte erst recht nicht. Und genau hier könnte das Problem liegen. Die Grenze zwischen diesen beiden verläuft in der Kurfürstenstraße. Und für die Bezirksregierung Mitte sei die Kurfürstenstraße, wie Nürnberger es formuliert: „vielleicht die einzige Schmuddelecke“.

Bezirksbürgermeister von eben jenem Bezirk, Herr Stefan von Dassel, grauer Maßanzug, Woody-Allen Brillengestell, scheint Schmuddelecken nicht zu hoch zu schätzen. Zumindest macht es ganz den Eindruck, als hätte er die Kurfürstenstraße gerne ohne Prostituierte. So forderte der Grünen-Politiker vor knapp einem Jahr, die Straße zur Sperrzone zu erklären. Frau Nürnberger ist amüsiert.

„Das hat man früher schon einmal probiert. Zwei Mal täglich ist die Polizei vorbei gekommen, hat Platzverweise erteilt, die Prostituierten an den Wannsee gefahren. Die haben sich ein Ticket gekauft, sind zurückgekommen und haben weitergearbeitet.“

Die Prostituierten an der Kurfürstenstraße haben einiges an Problemen. Manche erfahren Gewalt durch Freier, durch Zuhälter, kommen aus armen Verhältnissen, sind wohnungslos oder drogenabhängig. In harten Fällen sind sie Opfer von Menschenhandel oder Zwangsprostitution. Nun kommt also ein weiteres Problem dazu. Sie sollen weg. Dabei hat das Nebeneinanderherexistieren mit den Bewohnern bisher funktioniert. Nürnberger will noch einmal betonen: „Es gibt wirklich wenige Leute, die sich beklagen! Und dann sind da ja auch noch die Stillen. Die, die sich nicht beschweren.“ Meistens allerdings sind die, die sich beschweren lauter, als die, die es nicht tun.

Und diese Anwohner möchte Herr von Dassel gerne besonders deutlich hören. In Form einer Anwohnerumfrage, die an 6.100 Haushalte geschickt wurde, wollte von Dassel gerne herausfinden, was die Anwohner im Kiez stört. Er erfährt nur die halbe Wahrheit. Denn genau genommen wurde nur der halbe Kiez befragt. Die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Frau Angelika Schöttler, hat sich geweigert die Anwohnerumfrage mitzutragen.

„Von Dassel habe die Anwohner mit der ausformulierten Umfrage vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Fragen seien so gefasst, dass es geradezu eine Einladung an die Leute sei, sich für Restriktion auszusprechen, lässt sie sich in einem Artikel der taz zitieren. Möchte Herr von Dassel vielleicht herausfinden, das die Anwohner etwas stört? Etwas ganz Bestimmtes?

Etwa 1.100 der befragten Haushalte haben den Fragebogen beantwortet. Aus akademischer Perspektive eine hervorragende Beteiligung, wie der verantwortlich Soziologe von der Universität Potsdam, Herr Döring, befindet. Und auch Herr von Dassel darf sich freuen. Denn die Ergebnisse können als Legitimation seines Aktionismus gelesen werden.

Kot überall! Schrecklich! Ansprache von Passanten durch Prostituierte! Ungeheuerlich! Öffentlicher Vollzug von sexuellen Handlungen! Grauenvoll! Bei der Vorstellung der Ergebnisse können wutentbrannte Anwohner kaum an sich halten. Und stimmen ein, in die Symphonie des Untergangs.

Auf die Frage nach den „Stillen“, denen, die schon Frau Nürnberger im Gespräch nicht unerwähnt lassen wollte, antwortet Döring etwas bemerkenswert Richtiges. „Am Ende hat derjenige eine politische Stimme, der sie nutzt!“ Das weiß auch Herr von Dassel. Und versucht sich auf der von ihm initiierten Veranstaltung am vergangenen Montag mit denen zu solidarisieren, die hier ihre Stimme genutzt haben. Um die Stimmung aufzulockern und seinen eigenen Unmut über bürokratische Hürden zum Ausdruck zu bringen, gibt von Dassel noch eine Anekdote aus den Tiefen der kommunalpolitischen Bürokratie zum Besten.

Vor Kurzem, auf der Suche nach restriktiven Maßnahmen die Idee eines Durchfahrtsverbotes verfolgend, wurde er belehrt. Ein Durchfahrtsverbot würde an dieser Stelle nichts verändern, denn die Straße wäre für Anlieger frei. Und derjenige, der mit einer Prostituierten Sex anbahnen möchte, hat rein rechtlich betrachtet ein „Anliegen“; dürfte die entsprechende Straße aus juristischer Perspektive also befahren. Die Prostituierten ebenso als Anlieger zu betrachten, deren Situation es zu verbessern gälte, kommt von Dassel derweil nicht in den Sinn. Mit den Prostituierten über ihre Lage und Möglichkeiten der Verbesserung zu sprechen sei nicht praktikabel wegen zu hoher Fluktuation.

Gegen Ende des Gesprächs mit Frau Nürnberger sagt diese noch etwas Wichtiges. „Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass nur weil Dinge verboten werden, sie nicht aufhören zu existieren.“ Auch das weiß Herr von Dassel. Er hätte es nur gern, würden die Dinge woanders existieren. Am besten dort, wo er nicht regiert.

Von Gastblogger Philip

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität.

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Ein ornithologischer Spaziergang entlang der Potsdamer Straße

Die Potsdamerstraße, die B1, ist eine der Hauptverkehrsstraßen von Berlin. Sie ist Tag und Nacht stark befahren und Menschen strömen über die Bürgersteige. Das Licht der Straßenlaternen und Leuchtreklamen erleuchten die Straße ständig. Man denkt bei diesen Eigenschaften nicht an einen Ort, an dem es möglich ist Natur zu entdecken.

Doch 225 Bäume stehen unmittelbar an der Potsdamer Straße, unzählige Weitere befinden sich in unmittelbarer Nähe. Begrünte Mittelstreifen und Innenhöfe, sowie umliegende Grünflächen bilden den ständigen Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten.

Der Spaziergang beginnt am Potsdamer Platz. Bereits im S-Bahnhof wird man vom deutlichen Tschilpen der Haussperlinge begrüßt. Touristen zeigen größtes Erstaunen darüber, dass diese kleinen Vögel, auch im Untergrund unterwegs sind. Die zutraulichen Tiere scheinen regelrecht vor den Kameras zu posieren und erweichen das Herz der Touristen derart, dass Brotstücken und Pommes als Futter angeboten werden. Beides kein geeignetes Futter. Kleine weiße Kotkügelchen auf den Rolltreppen der S-Bahn verraten, dass die Spatzen hier regelmäßig zu Gast sind. Weiterlesen

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Alice

Alice ist die Kurzform des deutschen Namens Adelheid, der „von edlem Stand, von edlem Wesen“ bedeutet. Wir sitzen uns auf einer edlen metallisch schwarzen Klappsitzbank im 5. Oberbeschoß eines Lehrgebäudes an der Spree, gegenüber. Alice, ganz in schwarz gekleidet, erzählt mir, dass sie gerade von ihrem Nebenjob aus der IT-Abteilung eines Berliner Museums kommt. Dort ist sie seit einiger Zeit, etwa drei Jahren, mit dem Ausbau einer Wissensplattform beschäftigt. Die Plattform soll den Wissensaustausch unter den MitarbeiterInnen, wie auch den Zugriff auf interne Daten im Museum ermöglichen.

Informatik, studiert sie jedoch nicht, sondern Gartenbauwissenschaften, wofür sie mit dem Kurs Onlinejournalismus noch Punkte sammeln will. Beim Verfassen von Artikeln werden ihre persönlichen Interessen, wie bspw. Baudenkmäler, die Themensuche beeinflussen. So könne sich Alice, mit ihren Kenntnissen der Biologie, vorstellen über das unscheinbare aber durchaus faszinierende Biotop einer Mauerritze auf der Potsdamer Straße zu schreiben und somit einen vielseitigen Einblick in eine kleine Welt voller Wunder, die vielen Menschen zunächst entgeht, zu geben. Wir können gespannt sein, welche Pflanzenarten es geschafft haben sich dem rauen Großstadtklima an der Potsdamer Straße zu widersetzen. Doch hier soll nicht zu viel verraten werden, denn Alice wird das alles noch für euch aufschreiben. Gerne per Hand, wenn sie gerade vor Ort ist. Das fällt ihr leichter. Und später dann am Laptop, wenn zusätzliche Recherche im Internet nötig ist. Da ist es natürlich einfacher Buchstabenkombinationen wie „Hypogymnia physodes“ (Blasenflechte) zu kopieren.

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Kurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Centers an der Humboldt Universität

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The WOOD GROUSE – BOOKS / PEOPLE / PLACES

Der kleine, aber feine Laden von Peter befindet sich in der Kulmerstr. 20a und ist eine Symbiose aus Fachbuchhandel und ungezwungenem Café.

Im Oktober 2015 eröffnete das Fachgeschäft zunächst ohne Café, im Oktober 2017 kam das kleine Café von Arno dann als Kooperation mit dazu. Beide sind zufrieden mit den entstandenen Synergieeffekten.

Der Buchhandel hat sich auf Architekturliteratur spezialisiert, im Café von Wood Grouse Coffee bekommt man zudem fairen und sehr guten Café dessen Ursprung in Afrika liegt. Weiterlesen

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Lena Brauns Barbiche – ein Erfolgsrezept

„Es gibt zwar ein Rezept für einen gelungenen Abend, aber man kann die Bestandteile nicht selbst bestimmen wie bei einem Cocktail“, sagt Lena Braun. Es ist Donnerstagabend, die Vernissage zur Ausstellung „Enchanté et Merveilleux“ im Kunstraum Barbiche steht unmittelbar bevor. „Man weiß nicht, wer wann hier eintrifft. Je nachdem ist es zu Beginn, als würde noch etwas fehlen, etwa Eis oder Ingwer – die Veranstaltung schmeckt noch nicht. Aber irgendwann erfüllt diese besondere Atmosphäre den Raum und alles läuft von selbst.“

Die Kuratorin wirkt ruhig und konzentriert während sie Hand an die letzten Details für den Abend legt. Das Barbiche ist in warmes Licht getaucht, auf den dunklen Holztischen flackern Kerzen, Musik spielt und in der Luft hängt der sanfte Vanilleduft von Räucherstäbchen. „Viele Gäste fühlen sich hier sofort zu Hause. Sie bleiben stundenlang, tauschen sich aus, ohne zu bemerken, wie die Zeit vergeht“, beschreibt Lena Braun den Alltag im Barbiche, welches an den verwinkelten Wänden und über dem kleinen Bartresen Kunstobjekte zeigt.

Das Barbiche bietet damit einen Raum, in dem sich die Betrachter auf die ausgestellten Werke einlassen können. Sie werden zum Dialog eingeladen über das, was sie hier sehen und erleben – in geschützter Atmosphäre. „Wenn ich hier provoziere, dann durch Qualität“, lächelt Lena Braun. Fast alle der im Barbiche ausstellenden Künstler sind Meisterschüler. Aktuell sind Werke von Lilly Grote, Elfi Mikesch und Wolfgang Brückner zu sehen.

Ein Bild hat es Lena Braun besonders angetan:

‚Want to take a Ride?‘ heißt das Werk. „Die weibliche Heldin wird in all ihrer Stärke und Selbstbewusstheit und Schönheit dargestellt, ohne dass dies thematisiert wird. Ich mag die Selbstverständlichkeit des Bildes“, erklärt die Kuratorin, die selbst auch Künstlerin ist.

 

 

Lena Brauns Ausstellungen präsentieren oft Werke von Künstlerinnen mit besonderen Lebenswegen: „Es ist mir wichtig, Künstler und Werk nicht zu trennen. Ich will sie und ihre Einstellung zum Leben kennen.“

Die Ausstellungen werden zudem von den äußeren Einflüssen der Potsdamer Straße beeinflusst. Doch genau so wollen auch die Besucher von dem, was in der Galerie zu sehen ist, beeinflusst werden: „Das Barbiche gibt eine positive Energie weiter, die Leute sehen das hübsche Sachen hier möglich sind.“ Und positive Energie strahlt auch die Kuratorin selbst aus. „Ich wurde schon mit einem hohen Energielevel geboren, aber um immer wieder neue Projekte umzusetzen, muss man ständig Energie aus dem ziehen, was ist. Man braucht Leichtigkeit“, sagt Lena Braun. Obwohl das Barbiche seine Türen erst vor kurzem geöffnet hat, plant sie bereits in Gedanken die Eröffnung eines „Barbiche Retreat“, einer kleinen Oase für gemeinsame Workshops am Rande von Berlin.

Die Lebenskünstlerin blickt nie zurück, sie schaut immer nach vorn. Um für den aktuellen Abend Gäste anzulocken, beschreibt Lena Braun eine kleine Tafel am Galerieeingang. Die Kreide ist fast aufgebraucht, doch das bringt Lena Braun nicht aus dem Konzept. „Ich brauche mehr Lidschatten“, wendet sie sich anderen wichtigen Dingen zu. Mit ihrem glänzenden Schal und dem stilvollen Gewand verleiht sie dem Raum durch ihren Auftritt ebenso viel Glamour wie all die schillernden Kronleuchter zusammen. Im Barbiche wird das Flair der Potsdamer Straße als frühere Flaniermeile wieder lebendig. „So wie hier ging es früher in Berlin überall zu“, raunt mir ein Gast im sich langsam füllenden Raum zu. In den Gläsern perlt Sekt, wir stoßen an. Nicht einmal 20 Minuten nach Beginn der Vernissage ist das Barbiche von Menschen und Gesprächen dicht gefüllt. Lena Brauns Rezeptur für einen gelungenen Abend hat sich einmal mehr bewährt.

 

 

 

Von Gastbloggerin Nora

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität.

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Nora

Nora, examinierte Jura-Studentin an der Humboldt-Universität zu Berlin, genießt ihre letzten immatrikulierten Tage. Ihre Begeisterung für Logik, Gesetze und Sprache, verhalf ihr zu einem erfolgreichen Studium. In Kürze beginnt ihr neuer Job in einer Anwaltskanzlei. So wird sie die Wartezeit zu ihrem Referendariat überbrücken.
In ihrer beruflichen Zukunft möchte sie in einer beratenden Funktion tätig sein, denn sie bevorzugt es konstruktiv zu arbeiten, um die Probleme des gesellschaftlichen Zusammenlebens logisch zu hinterfragen und Konflikten entgegenzuwirken. 
  
Bereits seit 7 Jahren ist Nora journalistisch tätig. Als studentische Hilfskraft begann sie für das ,,Anwaltsblatt‘‘ zu schreiben. Vorwiegend berichtete sie über Perspektiven für die Jugend und den Berufseinstieg im Bereich der Anwaltschaft. Auch Recherche und Berichterstattung zu dem Themenfeld ,,Legal Tech‘‘, gehörte zu ihren Aufgaben.
Neben ihren beruflichen Qualitäten, manifestiert sich Noras kreative Seite in ihrem Interesse für die Kunst. Sie hat einen Blick für Details und die schönen Dinge des Alltags. Das erklärt auch ihre Leidenschaft für die Fotografie. Bevorzugte Motive sind Gebäude und Ausschnitte der Natur. Menschen werden hauptsächlich aus der Ferne abgelichtet.
 Außerdem hat Nora eine Vorliebe für klassische Literatur. Besonders die französische Autorin Amelie Nothomb, die sich durch ihre Darstellung von bizarren Situationen und den Kontroversen zwischen Stereotypen auszeichnet, regt sie zum Nachdenken an. 
   
Auch in Zukunft möchte Nora ihrem journalistischen Interesse weiter nachgehen. Sie sieht ihre Stärke im Fragen und Hinterfragen und ist offen für die Erschließung unerwarteter Kenntnisbereiche.  Meinungsverteidigung gehört ebenso dazu, wie die kritische Beleuchtung der eigenen Ansicht. In diesem Zusammenhang nennt Nora das Zitat ,,man kann von allem und jedem lernen, nur nicht von sich selbst.‘‘

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Café der Fragen

«Was ist das für ein Ort?», fragte sie kurz darauf und blickte dann zum Café. «Lassen Sie ihn mich so beschreiben: Es ist ein seltsamer, ungewöhnlicher kleiner Ort, der Ihr Leben wahrscheinlich für immer verändern wird.» (John Strelecky, Wiedersehen im Café am Rande der Welt)

Das Wort „Café“ bedeutete für mich ein gemütlicher Ort, in dem ich mit einem Kaffee und einem Sandwich an einem kleinen runden Tisch für 2 Personen sitze und ein spannendes Buch lese. Meine erste Assoziation war vor allem immer das Essen und Trinken. Nun hat ein Café im Gebiet der Potsdamer Straße meine Sicht verändert. Weiterlesen

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Oleksandra

†ist 18 Jahre alt / in Kiew in der Ukraine geboren/ vor 2 Jahren nach Berlin gezogen/ wollte mehr Sicherheit und weniger von der schwierigen Lebenssituation/ ihre Familie lebt noch in Kiew/ ihre Eltern besuchen sie einmal im Monat in Berlin/ studiert Kunstgeschichte und Geschichte im 1. Semester/ möchte ihr Zweitfach zu Medienwissenschaften wechseln/ wohnt in Pankow/ fährt Auto/ liebt es, ihren Freunden aus Kiew ihren Bezirk Wilhelmsruh zu zeigen/ mag die vielen kleinen Cafés in Berlin und Flohmärkte/ ihr gefällt die Ähnlichkeit zwischen Berlin und Kiew bezüglich der Größe, der Mobilität und den multikulturellen Menschen/ Berlin könnte für sie etwas sauberer sein/ in der Umgebung der Warschauer Straße ist es ihr zu unruhig/ macht Yoga/ hat 12 Jahre getanzt/ hat eine Zeit als Hundesitter gearbeitet/ ihr vielen Reisen führten sie durch fast ganz Europa / ihre Lieblingsreiseziele sind Skandinavien, die USA und Städte wie Amsterdam und Venedig/ will unbedingt nach Australien reisen/ 
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Zero Waste? Nichts Neues für Harb GmbH!

 Leben ohne Abfall. Das zunächst utopisch klingende Konzept, erfreut sich langsam aber stetig, wachsender Beliebtheit. Darüber freut man sich bei Harb, dem Geschäft für Delikatessen und Feinkostartikel aus dem Libanon und dem vorderen Orient, an der Potsdamer Staße. Denn hier hat das Unverpackte schon seit Jahrzehnten System.

In der Natur können wir einen immerwährenden Zyklus beobachten: Alle Ressourcen werden von den Organismen verwertet, wodurch ein produktiver, lebensschaffender Kreislauf gewährleistet wird. 

Genau diese Philosophie versuchen die Anhänger der Zero-Waste-Bewegung in ihren Alltag zu integrieren. Abfälle industrieller Art, insbesondere Plastik, werden vermieden. Ob Second-Hand-Kleidung, Kompost, oder natürliche Kosmetika und Reinigungsmittel, für jede Lebenslage wird eine umweltfreundliche Alternative gefunden. Die Abfallreduktion und die Vermeidung von Energieverschwendung haben höchste Priorität. Als Ziel gilt es, die bestehende Wegwerfgesellschaft zu hinterfragen und umzuwälzen. 

Was in der Umsetzung problematisch erscheint, ist einfacher als gedacht. Die Bewegung ist auf dem Vormarsch und zahlreiche Online-Blogs geben Tipps und Anregungen wie jeder seinen Lebensstil wandeln kann, um die Rohstoffverschwendung zu boykottieren. 

Was kann ich tun? 

Plastiktüten, Kaffeebecher, Obstnetze – wer kennt es nicht? In der Eile vergisst man den Jutebeutel und greift doch auf die Schnelle zur Plastiktüte. Auch der Koffeindurst wird oft unbedacht im To-Go-Becher gestillt. Reflektiert man den eigenen Tagesablauf, so lassen sich zahlreiche Beispiele für die allgegenwärtige Rohstoffverschwendung finden. 

Jeder kann dazu beitragen, dass auf die weltweite Problematik aufmerksam gemacht wird. Mit kleinen Schritten, beispielsweise bei dem Kauf von unverpackten Lebensmitteln, werden große Fortschritte gemacht. Die nun vermehrt entstehenden Unverpackt-Läden haben sich darauf spezialisiert Lebensmittel ausschließlich ohne Verpackung anzubieten. Alternativ nimmt man seine Glasbehälter oder Tupperware von Zuhause mit und lässt sich Getreidegüter, Müsli, Obst oder Gemüse abwiegen und abfüllen. 

Harb GmbH 

Was als neues Konzept momentan vermehrt Anklang findet, hat bei Harb GmbH seit jeher Tradition. Das Familienunternehmen an der Potsdamerstraße 93 ist bekannt für seine bunte Vielfalt an orientalischen Spezialitäten und der erstklassigen Kundenberatung. Als Exporthandel im Jahr 1984 von Adib Harb gegründet, stieg der gebürtige Libanese bald darauf in den Einzelhandel ein. Mittlerweile wird das Geschäft von seinem Sohn Oliver Harb und seiner Tochter Theresa Harb mit viel Herz weitergeführt. 

Betritt man das farbenfrohe Geschäft mit der hohen Decke und der hellen Räumlichkeit, ist man zunächst gefesselt von der Auswahl an verschiedensten Gütern. Ob Süßes aus dem Süden, Textilien, Wasserpfeifen oder landestypisches Porzellan – das Sortiment lässt keine Wünsche offen.

Was mir jedoch ins Auge springt, sind die prall gefüllten röhrenartigen Behälter an der Wand. Sie beinhalten eine breite Auswahl an Getreidearten, Hülsenfrüchten, Nüssen und weiteren Köstlichkeiten. Daneben steht eine große Waage, der Kunde kann so sein präferiertes Lebensmittel abwiegen und in einem mitgebrachten Behälter füllen – ganz ohne Verpackung! Was momentan als Zero Waste Konzept Popularität gewinnt, ist für das Harb GmbH-Team alt bewährte Gepflogenheit. ,,Unsere Stammkunden nutzen dieses Angebot seit es den Laden gibt und legen kontinuierlich Wert auf die Möglichkeit der Selbstabfüllung.“ erklärt mir Theresa Harb. Es hat also nichts mit einem ökologischen Trend zutun, sondern mit einer langen Tradition. 

Getreide und Hülsenfrüchte zum Abfüllen

Ein System welches wir durchaus in Anspruch nehmen sollten, wenn man bedenkt, dass ein deutscher Durchschnittsbürger im Jahr 37 Kilogramm Plastikmüll produziert. 8 Millionen Tonnen dieses Rohstoffes landen jährlich in den Weltmeeren. Mikroplastik wird also zwangsweise von Fischen gefressen und gelangt so wieder auf unsere Teller. Ein Kreislauf wider der Natur. 

Auch das umweltfreundliche Harb-Team legt Wert auf den Schutz der Ressourcen und begrüßt die verpackungsfreie Variante.  Wenn sie also das nächste mal Begierde nach den schmackhaften Leckereien von Harb GmbH verspüren, denken sie doch mal darüber nach einen Behälter einzustecken. Der bahnbrechende Aufwand lohnt sich. Für die Umwelt und für das eigene Gewissen.

Von HU-Gastbloggerin Betty

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Betty

Alles außer gewöhnlich

„Es fällt mir schwer, Entscheidungen zu treffen“, lacht Betty. Zum Glück! Denn so kann Betty offen an Neues herangehen und sich die Zeit nehmen, herauszufinden, was sie wirklich begeistert. „Ich wollte ursprünglich Archäologie studieren und habe mich im letzten Moment doch für Geschichte und europäische Ethnologie entschieden“, erzählt die Anfang-Zwanzigjährige.  Eine Wahl, die ihr im vergangenen Semester Anregung für eine mögliche berufliche Zukunft gegeben hat. Der Kurs „Filmische Erinnerungen“ mit Fokus auf Rumänien und den Holocaust hat die Studentin berührt: „Die gezeigten Filme waren krass, die Interviews gingen einem sehr nahe.“ Für Betty ist es dabei interessant, wie Menschen international und authentisch über ein Thema diskutieren. Sie könnte sich vorstellen, später selbst einmal im Bereich der Erinnerungspolitik zu arbeiten. „Meine vielleicht größte Stärke ist, dass ich sehr gut zuhören kann. Man kann mir Dinge anvertrauen“, sagt Betty. Eine Fähigkeit, die für den Beruf unerlässlich ist und die die Studentin mit den wachsamen braunen Augen ihr Gegenüber schon nach wenigen Augenblicken spüren lässt.

Doch nicht nur für ihre Karriere lässt Betty sich inspirieren. Im Seminar „Florentinische Historiographie“ wurde ihre Neugier auf die Stadt Florenz geweckt. Und Betty zögert nicht, ihrem Wissensdurst nachzugehen: „Ich möchte noch in diesen Semesterferien dorthin reisen und die Stadt entdecken. Vielleicht fahre ich sogar allein, um schnell und zielgerichtet alles zu sehen.“

Wenn sie selbst gerade nicht verreist, folgt Betty in literarischen Werken anderen Reisenden. Am liebsten liest sie Seefahrtsgeschichten. In ihrem Studienort Berlin stillt Betty ihre Lust auf Neues zudem in Museen, die moderne Kunst ausstellen oder aber mit wechselnden Sportarten. Derzeit reizt sie besonders das Bouldern, also das Klettern an Felswänden. „Dieser Sport ist fordernd“, sagt Betty. „Man muss mit dem Kopf voll dabei sein.“ Als nächsten Schritt möchte sie hinaus in die Natur und sich an natürlichen Felsen versuchen. Eines ist sicher: Wenn Betty eine Entscheidung trifft, scheut sie die damit verbundenen Herausforderungen nicht – und diese dürfen auch gern außergewöhnlich sein.

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Kurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Centers an der Humboldt Universität.

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