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unterwegs an der Potsdamer Straße – Berlin

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In der Ferne – Nahes entdecken

Juli 31st, 2010 · Potse goes World, Potsevolk

Es begab sich auf meiner kürzlichen Radtour durch die Lausitz entlang des Fürst-Pückler-Weges, das ich in einem Wald nahe Bad Liebenwerda auf die Brikettfabrik Luise stieß, die älteste ihrer Art in Europa. Ich hielt an und genoss eine Führung mit einem ehemaligen Arbeiter, der uns kenntnisreich durch die leeren Hallen, ja sogar bis in das Ofenrohr nahm. Dabei durfte ich nebenbei erfahren, dass energetisch betrachtet Brikettfabriken Strom sehr viel effizienter als Kraftwerke produzieren und dass es heute nur noch zwei ihrer Art in Deutschland gibt.

Hier die Luise:

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Doch was ich eigentlich erzählen wollte. Sinnierend stand ich an der Kasse, als mein Blick auf eine Ankündigung fiel. Gespielt werden sollte, so der Zettel in gelb, Dick und Doof, ganz live und improvisiert begleitet. Nun kenn ich ja, den Stummfilmpianisten hier aus dem Quartier, und so nahm ich, rein interessehalber, den Zettel in die Hand, um ihm zu erzählen, wer denn dieser Kunst noch so landauf und landab nachgeht. Da lese ich

musikalisch interpretiert vom Pianist Stephan von Bothmer Berlin

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(auf dem hier abgebildeten Plakat ist sein Name nicht erwähnt.)

“Hey, Stephan,” sprach ich vor mich hin und schrieb ihm einen Postkarte. Denn während er ja weiß, dass er dort spielt, kann er ja nicht wissen, dass ich es weiß.

P.S. er war schon mehrmals dort und die freundliche Frau an der Kasse hat total von ihm geschwärmt

Mit dem fröhlichen Gefühl “ach, ein bisschen zu Hause hier”, radelte ich weiter nach Doberlug-Kirchhain. Dieser Ort hat nicht nur einen besonderen, ohrklingelnden Namen, sondern ist bekannt durch sein Weißgerbermuseum, das in anschaulicher Weise die Jahrhunderte alte, nun verstorbene Tradition des dortigen Gerbens erzählt, welches auch noch ein Besonderes war.

Vor einem der Museumsgebäude stehend, weckte ein kleines Plakat meine Aufmerksamkeit. Nein, nicht das Plakat sondern ein Name

Evelyn Klam - Ausstellung - Weißgerbermuseum - Doberlug-Kirchhain

Evelyn Klam

“Hallo, Evelyn”, sagte ich leise vor mich hin, “du also auch hier, der potse-Kiez ist ja mächtig in der Lausitz unterwegs.”

Wer Evelyn noch nicht kennt, hat nun die Wahl. Nach Doberlug-Kirchhain fahren und dann auf jeden Fall außer dem Museum und der Ausstellung auch die wunderschöne Zisterzienserkirche besuchen.

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Oder hier in Tiergarten-Süd in die Pohl 11 – die U-Bahn Bögen – gehen. Dort im Bogen 7 ist Evelyn Klam arbeitstechnisch zu Hause. Sie bietet Kurse an, man kann sich bei ihr wunderbar inspirieren lassen.

Eine Spezialität von Evelyn Klam sind übrigens Urnen. Was wiederum den Bogen zum morgigen Artikel schlägt. ……

Doch erst noch ein paar Eindrücke von der Ausstellung.

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WM an der Potse – Die Trophäe

Juli 13th, 2010 · WM 2010 an der Potse

Spanien

Nachdem die SpanierInnen sich trunken gefeiert haben, in Deutschland, in Spanien und weltweit, ist der Sieg der spanischen Mannschaft jedoch noch nicht vergessen und will auch an der Potsdamer Straße seine Beachtung finden.

WM an der Potse – Die Trophäe

Eine Tour entlang der Potsdamer Straße für eine Gruppe

In der Gruppe sind mindestens fünf SpanierInnen

Kontaktieren Sie mich unter potseblog /@/ wosnitza-berlin.de und wir machen einen Termin aus.

Ich freue mich darauf, die Welt der Potsdamer Straße durch spanische Augen zu betrachten.

Spanien

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Spieltag 25 – WM an der Potse

Juli 11th, 2010 · WM 2010 an der Potse

Der Gewinner bekommt die

potse – Trophäe

erstmal alles gute für das Endspiel

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Spieltag 24 – WM an der Potse

Juli 10th, 2010 · Potsevolk, WM 2010 an der Potse

Uruguay

Uruguay

Alles oder nichts
Seien wir ganz ehrlich, wir wollen gar nicht so nah dran an die Uruguayer, also die deutsche Mannschaft soll schon gute Mann-Deckung machen, aber uns soll sie sie vom Hals halten, deshalb ein paar Schritte aus dem Kiez hinaus ins Montevideo am Viktoria-Luise-Platz, das mit der uruguayanischen Hauptstadt so viel zu tun hat, wie die uruguayanische Mannschaft mit dem dritten Platz bei der WM.

Deutschland

Bundesrepublik Deutschland

Auf gut Glück
ich freue mich, denn aus völliger Ermangelung von Entscheidungskriterien, und auch Ermangelung eines Krake-Pauls für die Entscheidungsfindung, wen ich nun für dieses Spiel vorstelle, gab ich bei Google – Auf gut Glück die Begriffe “Bundesrepublik Deutschland” und “Potsdamer Straße” ein und erhielt die Antwort “Potsdamer Straße kompakt“, also ein Projekt, dass Menschen aus aller Welt dazu einlädt, die Potsdamer Straße und ihre Vielfalt kennen zu lernen, ein Salut an die Nationalmannschaft und den potsekiez, ein gutes Omen für den Dritten Platz.

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1 Jahr potseblog – Party mit POTSENACHBARSCHAFT

Juli 10th, 2010 · Potsdamer Straße, Potsevolk

Vor genau einem Jahr – am 10. Juli 2009 – erblickte der potseblog das virtuelle Licht der Welt.

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Dieses kleine Jubiläum möchte ich mit meinen NachbarInnen feiern. Nicht mit denen im direkten Gebiet um die Potsdamer Straße, denn diese kommen ja schon seit einem Jahr unter den potselinks zusammen.

Ich lade meine geographischen NachbarInnen ein, also blogs,die über einen Kiez in direkter Nachbarschaft, in Berlin-Mitte oder der Nachbarschaft von Berlin-Mitte und Berlin-Schöneberg berichten. (Verlinkung in der Linkliste rechts)

Berlin Street
BI Gasometer
Das gemeine Wesen
Grossbeerenstrasse – Kreuzberg 61
Kiez und Kneipe
Kiez, Kiez – Hurra !
Kieznetz
Kreuzberg Blogging
Kultur-Café
Landwehrkanal Blog
Moabit Street
MoabitOnline
Nächste Ausfahrt Wedding
Rixdorfer Kunstnetz
Rote Insel Schöneberg
Soldiner Strasse
Winterfeldtmarkt Schöneberg
Wrangelstraße Blog

Die Party soll eine Gelegenheit zum Kennen lernen sein. Ich würde mich freuen, wenn daraus in der Zukunft eine fruchtbare Verlinkung und Vernetzung wird.

Alle Eingeladenen dürfen auch gerne die Nachbar/innen mitbringen, die ich noch nicht kenne. Oder sich auch gerne selbst einladen und bemerkbar machen.

Und im Übrigen: als Geschenke an diesem Jahrestag sind mir Kommentare, Anregungen, Ideen, Bemerkungen sehr willkommen.

Viel Spaß beim Fest im Web.

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Spieltag 23 – WM an der Potse

Juli 7th, 2010 · Potsevolk, WM 2010 an der Potse

Spanien

Spanien

Quinta 35
Es gibt mindestens 35 wichtige Gründe, sich den Namen dieses Restaurants in der Winterfeldtstraße zu merken, zwei der wichtigsten gelten für den Ausgang des Spiels heute abend: wenn Spanien gewinnt gehn wir trösten, wenn Deutschland gewinnt gehn wir feiern, denn entweder sind die vielen Tapas, das leckere Bier und die schöne Umgebung bei Quinta 35 ein echter Trost nach verlorenem Spiel für Deutschland, oder das Ambiente ist ein Genuß für eine opulente Feier, bei der die Fußballgegner freundlichst mit einbezogen werden können.

Deutschland

Bundesrepublik Deutschland

Israelis für Deutschland bei der WM 2010
“Alles Gute für heute Abend,” sagte Oriana zum Schluss unseres Telefonat. Sie wird das Fußballspiel in Tel Aviv in einer Kneipe gucken. Jeder dritte Israelis hofft auf Deutschlands WM Sieg, das hatte sie mir schon gestern erzählt und in den letzten Wochen hatten wir immer wieder die deutschen Spiele diskutiert, neben den Arbeitsbesprechungen, die wir auch zu machen hatten, auch Israels Botschafter in Berlin, Yoram Ben-Zee, denkt dass Deutschland Chancen auf einen Sieg hat, und in der Frankfurter Rundschau kommentierte Jossi Sarid: “Der Charme der deutschen Mannschaft liegt in ihrer ethnischen und kulturellen Vielfalt. Sie gibt ihr Kraft.Das Team repräsentiert das deutsche Volk wie auch alle Bewohner Deutschlands” – so wie an der Potse.


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Spieltag 22 – WM an der Potse

Juli 6th, 2010 · Potsevolk, WM 2010 an der Potse

Uruguay

Uruguay

okay, okay, Menschen aus Uruguay scheint es an der Potsdamer Straße nicht zu geben. Wer auch immer noch jemanden überzeugendes findet, wird von mir in das potse-Buch-der-Rekorde aufgenommen, wird wirklich gefeiert, doch bei meinen Recherchen konnte ich auch keine virtuelle Botschaft von Uruguay finden, ja die Konsulate sind im Netz, doch in Montevideo war ich ja nun schon und hab dort das Mozart Requiem gesungen, übrigens mit den vocal-concerstisten, die jetzt auch hier zu Hause sind, ein von mir jetzt mühsame erstellte Verbindung zur WM an der potse, also Uruguay echt unauffindbar, wie sind die eigentlich so weit gekommen?

Niederlande

Niederlande

Kadó

rettet die WM-potse-Show, Lakritze isses, die nicht nur aus Holland in die Graefestraße ins Stammgeschäft, sondern seit 1996 auch wöchentlich auf den Winterfeldtmarkt kommt, 400 Sorten und mehr, bis salzig zum alles zusammen ziehen, dann auch schwarz, dunkel, gezuckert und herb, aber nicht grad im August hingehen, da ist Sommerpause (der kleine potse-Service zwischendurch) dann ab dem 21. August wieder ran an die Lakritze.

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Spieltag 21 – WM an der Potse

Juli 3rd, 2010 · Potsevolk, WM 2010 an der Potse

Deutschland Bundesrepublik Deutschland

Puschels Pub
Institution der besonderen Art, hat Nachbarschaft, Fussball, Historie und natürlich Bier auf der Karte zu stehen, Wirt Fred Eichhorn kennt den Kiez seit 30 Jahren und damit auch alle Größen und Wichtigtuer, den kann man fragen zu allem und fast zu jeder Tages und Nachtzeit, engagiert sich im Quartiersrat und für alle Fussballfans, beim Marathon in diesem Jahr gibt’s bei ihm eine potse-lounge, also immer wieder gut für Neues.

Spanien Spanien

Maria
was sagt sie nach einer Woche Quartiersmanagement Erfahrung, aufgefallen sind ihr die vielen Kinder, die Lebendigkeit, die Mischung der Leute, der Studentin der Sozialwissenschaft und Europäisichen Ethnologie an der Humboldt Universität, seit 2007 in Berlin, geboren in Valencia und dort die deutsche Schule besucht, sie bleibt acht Wochen, wir werden sie dann wieder fragen.

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Spieltag 20 – WM an der Potse

Juli 2nd, 2010 · Potsevolk, WM 2010 an der Potse

Brasilien

Brasilien

Alex
Germanistikstudent aus Forteleza im Nordosten Brasiliens, kurz vor dem Abschluss seines Studiums, doch die Zeit hier hat er sprachlich genutzt und vertretungsweise bei Hertha BSC gedolmetscht und die brasilianischen Spieler in die berlinische Lebensart an der potse eingeführt.

Ghana Ghana

Alfred Mensa
über die Jahreswende zu Besuch an der potse, besser gesagt in der Pohlstraße, zu bestaunen seine Bilder in der Galerie AfricanPainters, der Autodidakt auch bekannt als Osa, zu Hause in Accra, wo er auch seine Motive, Menschen/fliegende Händler/Feste/Strände hernimmt und mit Acrylfarbe und Spachtel gestaltet.

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Sag beim Abschied leise Servus ODER Brauchen wir Linksautonome?

Juni 30th, 2010 · Kunst, Potsdamer Straße

Die Künstlerinnen Anita Staud und Freda Heyden sind nicht mehr im Quartier. 16 respektive 18 Jahre arbeiteten sie dem Anton-von-Werner-Haus, der Villa des wilheminischen Hofmalers. Dieses Kleinod liegt ihm Hof des ehemaligen Tagesspiegel Gebäudes.

Anita Staud und Freda Heyden waren ein fester Bestandteil im kulturellen Leben des Kiezes. Sie stellten ihre Werke aus, gaben Malkurse für die AnwohnerInnen – jung und alt, migrantisch, herkunftsdeutsch, gut situiert und prekär lebend. Sie waren dabei beim jährlichen Kunstevent Magistrale. Anita Staud engagierte sich im Bürgergremium Quartiersrat Magdeburger Platz, unterrichtete an Grips- und Fritzlar-Homberg-Grundschule und initiierte im letzten Jahr gemeinsam mit dem Frauentreff Olga ein Projekt mit Prostitutierten.

Die Auseinandersetzung mit dem Ort und seiner Umgebung war für beide Teil ihrer Kunst.

Ein Nachruf? In gewisser Weise schon. Dabei sind die beiden nicht gestorben, sondern haben selbst gekündigt. Freda Heyden ging Ende Mai. Heute hat auch Anita Staud ihr Atelier geräumt.

Es ist nicht logisch, dass zwei Künstlerinnen genau zu dem Zeitpunkt ausziehen, an dem die Potsdamer Straße und Umgebung sich zu einem kulturellen Hotspot entwickelt. Ihr Auszug ist Folge der Preispolitik des neuen Besitzers des Tagesspiegel Geländes, der Kuthe GmbH.

Die Begegnung begann für die beiden Künstlerinnen einige Tage nachdem die Kuthe GmbH den Zuschlag für das Gelände bei der Zwangsversteigerung Anfang Dezember erhalten hatte. Umgehend wurde am 15. Dezember eine Sonderkündigung und ein Angebot auf Vertragsverhandlungen zur Fortsetzung des Mietverhältnisses an die Mieterinnen entsandt.

Gewiss, ein Besitzerwechsel bringt Mietpreisänderungen und nach jahrelangen paradiesischen Mietkonditionen waren beide auf eine höhere Miete vorbereitet. So trafen sie mit Oliver Freymuth, dem Vertreter der Kuthe GmbH. Doch ein konkretes neues Angebot erhielten sie erst drei Monate später, Mitte März.

Bei den informellen Gesprächen hatten die Mietforderungen bei € 600 plus Heizung begonnen, dann kamen Betriebskosten hinzu, dann Versicherung. Wenn auch alles andere insgesamt vage blieb, die Mietforderungen stiegen und stiegen und standen in klarem Widerspruch zu den gleichzeitigen Hinweisen des neuen Besitzers auf den maroden Zustand der Bausubstanz.

„Ich dachte wir würden uns bei den Verhandlungen in der Mitte treffen,“ sagt Anita Staud. „Doch die Angebote des Vermieters wurden von Mal zu Mal höher.“ Die Verhandlungstemperaturen kühlten ab. Und draußen kam der Winter nicht zum Ende. Am 8. Mai wurde die Heizung abgestellt, obwohl im Haus nur 12 Grad waren.

Da hatte sich Freda Heyden schon für einen Umzug ins Bethanien entschloss. Anita Staud sah zu der Zeit noch Verhandlungsmöglichkeiten. „Wir hatten in den vielen Jahren Besitzerwechsel erlebt, doch waren wir immer an ein sehr kooperatives Verhältnis zu unseren Vermietern gewöhnt,“ sagt Anita Staud. „Und so verhielten wir uns auch dem neuen Vermieter gegenüber.“

Sie selbst war schon vor dem Zwangsversteigerungstermin des Tagesspiegel Geländes mit verschiedenen am Anton-von-Werner-Haus interessierten Kreisen in Gespräch getreten, um zu überlegen, wie das Haus und die Umgebung erhalten und aufgewertet werden könnte. Dann holte sie auch den Atelierbeauftragte des Landes Berlin, Florian Schöttle, hinzu, der sich mit Oliver Freymuth zu einem Gespräch traf.

Selbst Mitte Mai deutete Oliver Freymuth noch an, den Standort Potsdamer Straße 81 unter Einbeziehung des Anton-von-Werner-Hauses in einen Kulturstandort entwickeln zu wollen. Für Anita Staud solle dort ein Platz sein.

Freda Heyden zog am 31. Mai aus. Am nächsten Tag wurde ohne Ankündigung oder Hinweis auf einen Schadensfall im ganzen Haus das Wasser abgestellt. Erst mit nachdrücklichem Einschreiten eines Anwaltes fing es zwei Tage später wieder an zu laufen – das kalte Wasser. Warmes Wasser gibt es sowieso nicht.

Gleichzeitig bekam Anita Staud am 2. Juni eine Räumungsaufforderung und die Androhung einer Räumungsklage, wenn sie dieser nicht nachkäme. Für den Fall, dass der Auszug nicht fristgerecht erfolgte, wurde ihr ein Mietausfallschaden von € 3.500,00 zzgl Beitriebs- und Nebenkosten zzgl. MwST angekündigt. Für eine 160qm große Atelierwohnung, die zwar unter Denkmalschutzaspekten wertvoll, deren Infrastruktur (Wasser, Heizung etc) jedoch miserabel ist.

Das ging Anita Staud gegen den Pinselstrich. Aus Prinzip. Sie kündigte zu Ende Juni 2010.

„Wir sind zu allem bereit,“ hatte Stefan Freymuth im Dezember 2009 kurz nach der überraschenden Ersteigerung des Geländes in einem Gespräch mit potseblog gesagt. „Wenn jemand eine tolle Idee hat, dann sind wir sehr aufgeschlossen.“

Unter einer Prämisse: „Es muss sich aber rentieren.“

Dieses Statement fand sich in etwas abgewandelter Form im Programm der „Fabelhaften Meret Becker Show“ wieder, der ersten Show der Kuthe Arnold Kuthe Entertainment GmbH im Wintergarten Varieté. Bei Nichterfüllung erneute Schließung.

Und im April 2010 wiederholte es Stefan Freymuth freundlich unverbindlich bei einem Gewerbegespräch zum Thema „Kreativwirtschaft in der Potsdamer Straße – Ambivalenzen und Chancen der Ansiedlung der Kreativen Szene im Gebiet rund um die Potsdamer Straße“, zu dem das Quartiersmanagement des Schöneberger Nordens geladen hatte. Nachfragen zu der Situation der Künstlerinnen im Anton von Werner Haus beantwortete er zugeknöpft bestimmter mit dem Hinweis auf den bisher lächerlich niedrigen Mietpreis, der sich nun gar nicht mehr rechnete.

Rendite als oberste Maxime der Geschäftsphilosophie ist in der Immobilienbrachen nicht überraschend. Und möglich, da die Kuthe GmbH nun zwei Filetstücke in der Potsdamer Straße besitzt.

In der Potsdamer Straße 96 – dem Gebäude des Wintergarten Varietés – werden zur Zeit circa 4.000 qm Bürofläche zum Preis ab 6,70 €/m² zzgl. MwSt.  Auf der gegenüberliegenden Straßenseite in der Potsdamer Straße 77-87 (ungerade Zahlen) und der parallel verlaufenden Körnerstraße 1-10 gibt es weitere 13.100 m² Nutzfläche, ohne Preisangabe. (Internetseite www.kuthe.de am 26. Juni 2010)

Als Nutzungsart werden Medien-, Künstler- und Galeriequartier, Büroensemble, Hotel/Hostel, Seniorenwohnen, Dienstleistungskomplex, Gründerzentrum anvisiert. Und der Standort wird folgendermaßen angepriesen:

Der neue Galeriestandort – Wintergarten Quartier – im Herz der Stadt
Schon jetzt haben über 100 Künstler, Künstlerinnen und Galerien ihre Heimat in der direkten Nachbarschaft gefunden. Mit dem Wintergarten Quartier wollen wir diesem Standort ein neues kulturelles Herz geben.

Welch Herz schlug denn in den vergangenen Jahrzehnten an der Potsdamer Straße?

Durch die Mauer zur Sackgasse geworden, hatte die Hausbesetzerszene in den 80er Jahren eine Aufwertung der Potsdamer Straße durch Kahlschlagsanierung verhindert. Es entstand ein bizarres Biotop, eine Mischung aus LebenskünstlerInnen, Prostitutionsszene, MigrantInnen, Medienschaffenden.

Nach der Maueröffnung wurde die Straße in Stadtplanung und Neugestaltung des Potsdamer Platzes nicht mitgedacht und verpasste den Anschluss. Seit 1999 wird mit Mitteln der Sozialen Stadt versucht, die Gegend zwischen Landwehrkanal und Kleistpark vor dem Abkippen zu bewahren. Sie ist in zwei Quartiersmanagementgebiete aufgeteilt.

Ein wichtiger Punkt ist die Bürgeraktivierung, d.h. die Einbeziehung aller Bevölkerungsgruppen in demokratische Prozesse und aktive Teilhabe an der Gestaltung des Lebens- und Wohnumfeldes. Dies ist zu einem guten Stück gelungen.

Sowohl im Quartiersrat Schöneberger Norden als auch in Tiergarten-Süd spiegelt sich die Bevölkerungsstruktur der Gebiete wieder, d.h. circa 50% der Sitze sind von Menschen mit deutschem Hintergrund, 50% der Sitze von Menschen mit migrantischem Hintergrund besetzt. Es gibt ein interreligiöses, seit kurzem auch ein interkulturelles Netzwerk. Elterncafés aktivieren, das Mehrgenerationenhaus Kiezoase bringt Menschen zusammen und Jugendliche von der Straße, die Fritzlar-Homberg-Grundschule und Neumark Grundschule haben eine Musikbetonung. Und und und, die Liste der positiven Entwicklungen könnte noch lange fortgesetzt werden.

All dies ist nicht renditeträchtig. Das Quartiersmanagementverfahren zielt auf eine andere Art der Aufwertung.

Und es ist in den letzten drei, vier Jahren gelungen die Potsdamer Straße langsam aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Seit Jahren leerstehende Immobilien werden in Hotels und Bürogebäude umgewandelt. Es gibt das Mediennetzwerk °mstreet, die Brache des Gleisdreieck wird in den kommenden Jahren zu einem öffentlichen Park gestaltet, Genossenschaften bauen an der Flottwellstraße und die Vivico Real Estate GmbH besitzt am Park weitere Baugrundstücke, über deren Gestaltung ein Mantel des Schweigens liegt.

All dies ist zu begrüßen. Auch, dass die Lichter des Wintergarten nachts wieder leuchten, dass das Tagsspiegelgebäude nicht verfällt und dass die Galerienkultur wieder an den Ort zurückkehrt, den sie im Dritten Reich aufgrund von Arisierung und Vertreibung verlassen musste.

Zur Zeit leben die neuangekommenen Galeristen sowie die teils lang-ansässigen Medienschaffenen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – an den AnwohnerInnen vorbei. Und umgekehrt. Schnittpunkte gibt es wenig.

Sprung nach Kreuzberg – Biennale im Mai 2010. Nach Jahren im ehemaligen Berliner Osten, wählte die Kuratorin Kathrin Rhomberg dieses Mal ein seit zehn Jahren größtenteils leer stehendes Geschäftshaus in Kreuzberg als zentralen Ausstellungsort. Sie ging also in einen Teil Berlins, der bekannt ist durch eine Feier- und Krawalltradition am 1. Mai, eine große türkische Bevölkerungsgruppe und eine alternative Kunst- und Kulturszene. Ein Ort, an dem die Immobilienpreise langsam und stetig steigen.

Die Biennale wurde also argwöhnisch beäugt, weiß man doch nur zu gut, wie schnell sich Kunst als Aufwertung der Kieze in Verdrängung Ärmerer verwandelt. Und weil in Kreuzberg Widerstand eine lange Tradition hat, wurden die Bienale-Macherinnen von ihren GegnerInnen offensiv mit Plakaten begrüßt: „Guten Tag, mein Name ist Gabriele Horn/Kathrin Rhomberg. Ich bin Gentrifiziererin!“ Fotos und Kontaktdaten anbei.

Die Bienale-Macherinnen nahmen es gelassen, ließen die Plakate hängen und schwärzten ihre Kontaktdaten. Die Polizei schickte ungefragt mehrere Polizeiwannen zur Sicherung der Eröffnung. Viel mehr passierte nicht. Und die Berliner Medien entfachten eine teils klischeehaft geführte Gentrifizierungsdebatte.

Die Berliner Zeitung titelte „Gentrifizierung: Auf die Bohème folgen die Makler“ und behauptete, dass es in Kreuzberg nicht die Kunst ist, die Touristen, Erlebnishungrigen und Immobilienentwickler anzieht.

Der Artikel schloß mit zwei bedenkenswerten / bedenklichen Sätze: „Die zur Zeit “heißeste” Nachbarschaft, die sich die Galerienszene derzeit erschließt und wo die Limousinen der Sammler vorfahren, ist die Potsdamer Straße in ihrem einst verruchtesten Abschnitt. Dort gibt es aber kaum Linksautonome, die sich dagegen wehren.“

Auf dem “Gentrification Blog – Nachrichten zur Stärkung von Stadtteilmobilisierungen und Mieter/innenkämpfen” schreibt Andrej Holm am 16. Juni zur Situation rund um die Biennale: „Eine Diskussion über die Rolle von Kunst und Kulturschaffenden an städtischen Aufwertungsprozessen wird so abgebrochen, bevor sie überhaupt begonnen hat.“

Diese Diskussion muss an der Potsdamer Straße sehr bald begonnen werden. Die Neuankömmlinge müssten für den Dialog gewonnen werden. Gleichzeitig wäre es mehr als wünschenswert, wenn die Kulturschaffenden, die den Kiez seit Jahren positiv geprägt haben, auch dabei sein könnten. Zum Beispiel Freda Heyden und Anita Staud.

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