Gut gewappnet in Rot und ohne Binnen-I

VdBK_2017_02a29 Künstlerinnen, 62 Kunstfreundinnen und 5 männliche Unterstützer trafen sich vor 150 Jahren und 4 Tagen und gründeten den Verein der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen zu Berlin. Name ohne Binnen-I.

Wir sind hier sechs Künstlerinnen zusammen getreten, die den Kern eines Vereins bilden wollen, der den Zweck hat: den vereinsamten ganz allein stehenden Schwestern in der Kunst hier in Berlin eine gemeinsame Heimath zu schaffen, den jungen anstrebenden Talenten mit Rath u. That beizustehen u. Ihnen eine Stütze zu sein u. denen, die in Noth geraten durch Darlehen oder Stipendien zu helfen …“, hatte Vereinsgründerin Clara Heinke kurz zuvor an Ottilie von Goethe, Schwiegertochter Johann Wolfgangs, geschrieben. (Katalogseite 41/42)

Die Frauen wollten einen Berufsverband für Künstlerinnen, mit Aus- und Fortbildung, Kranken- Pensions-, Darlehenskassen, sprich Maßnahmen zur Förderung der künstlerischen Produktion, die den Frauen damals von männlichen Kollegen verweigert und verboten wurden. Dem Hindernis, dass eine Vereinsgründung durch Frauen außer zu karitativen Zwecken illegal war, gingen sie auf pragmatische Art und Weise mit Männern aus dem Weg, die auch sonst in ihrem Sinne tätig waren. Wilhelm Adolf von Lette hatte ein Jahr zuvor den Verein zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts gegründet. Werner von Siemens beriet die Frauen bei der Gründung einer vereinseigenen Darlehns- und Unterstützungskasse, die Akademieprofessoren Oscar Begas und Julius Schrader hätten Künstlerinnen auch an der Akademie unterrichtet, durften dies aber nicht. Und Schulrat Karl Bormann war sowieso für die Möglichkeit der weiblichen Bildung.

Hinterhof Potsdamer Straße 98Der VdKKB hatte einen erfolgreichen Start und zum 25jährigen Bestehen 1893 wurde ein Haus in der Potsdamer Straße 39 (Hausnummerierung damals) errichtet und bezogen.

Damit war ein weiterer Plan der Vereinsgründerinnen umgesetzt: „Zunächst also, ziehen wir Sechse in ein Haus dh. jede miethet sich darin ein Atelier u. wer nicht, wie ich noch eine Heimath hat, auch ein Stübchen dazu. Für diese Damen wird dann eine gemeinschaftliche Mutter gemiethet, die das Haus in Ordnung hält u. die Damen in Kost nimmt.“ (Katalogseite 42)

Bei der Eröffnung am 15. Oktober 1893 genossen rund 400 Schülerinnen eine Ausbildung in den Kursen, und die Mitgliederzahlen waren auf 565 gestiegen (vier Jahre später bereits 783).

Die Zeichen- und Malschule konnte durch ihre freiere Unterrichtsgestaltung unmittelbarer als die Akademie auf die Wandlungen in der Berliner Kunstszene ab den 1890ern reagieren und avantgardistische künstlerische Entwicklungen einbeziehen,“ schreibt Teresa Laudert in dem Katalogessay ‚Auf eigenen Wegen‘. „Viele der Lehrenden, …. , waren durch Studienaufenthalte in Paris, der Kunsthauptstadt der Moderne, auf dem neuesten Stand der Kunstszene: Sie nahmen fortschrittliche Strömungen wie den Impressionismus auf, und vermittelten diese, im Gegensatz zu den konservativen Akademien, ihren Schülerinnen weiter.“ (Katalogseite 26)

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Teresa Laudert betont, dass viele Lehrende als Vorläufer der 1898 gegründeten Berliner Secession – dem Gegenpol bis dahin dominierenden akademischen Kunstbetrieb – angehörten und sie resümiert: „Die verschiedenen Künstlerinnen belegen mit ihren Werken die Relevanz der Zeichen- und Malschule des VdKKB, die zur Verbreitung fortschrittlicher künstlerischer Strömungen wie dem Impressionismus und dem Expressionismus im deutschen Kaiserreiche ihren Beitrag leistete. Für die Professionalisierung der Ausbildungssituation von Künstlerinnen setzte die Berliner Schule ein wegweisendes Zeichen. Den Studentinnen wurde erstmals die Möglichkeit gegeben, sich künstlerische Fähigkeiten systematisch anzueignen, die als grundlegende Basis ihrer weiteren Entwicklung dienten. … Unterstützend wirkte hier auch das solidarische Netzwerk, das den persönlichen Kontakt zu etablierten Künstlerinnen ermöglichte und teilweise lebenslange Freundschaften stiftete. Deren Anregungen und Ratschläge waren von fundamentaler Bedeutung für die künstlerische Karrieren der Studentinnen: gut gewappnet konnten sie von Berlin aus ihre eigenen Wege gehen.“ ( Katalogseite 39)

Letzte Woche in der Camaro Stiftung
Genau 150 Jahre nach der Gründung des VdKKB – am 13. Januar 2017 – lädt der Verein Berliner Künstlerinnen 1867 e.V. in den ehemaligen Akt- und Zeichensaal in die Potsdamer Straße um den roten Katalog zu präsentieren.

Wir haben eine Sonderfarbe gewählt. Rot,“ sagt Katalogdesignerin Birgit Tuemmers. „Rot, weil diese Frauen sich nicht verstecken, sondern nach vorne gehen und präsent sind.“

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Die Publikation enthält neben informativen Essays, eine Chronik des Vereins, das historische Vereinsarchiv auch den Katalog der vier Jubiläumsausstellungen „Fortsetzung folgt!“ mit Kurzbiographien und Kunstreproduktionen der präsentierten Künstlerinnen. Unter dem Titel ‚Ein Glücksfall oder wie die Kunst zurück ins Atelier fand‘ beschreibt Paula Anke, Vorstandsmitglied der Alexander und Renata Camaro Stiftung, warum die Stiftung das Haus das Haus erwarb und dort seit 2011 interdisziplinäre Rahmenprogramme und Ausstellungen, „die vom Künstlerpaar Alexander und Renata Camaro ausgehen“, präsentiert.

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Paula Modersohn-Becker 1997/98

Gerne und oft werden in Verbindung mit der Potsdamer Straße 98 A ( heutige Nummerierung) Käthe Kollwitz und Paula Modersohn-Becker erwähnt, die dort gelernt und gelehrt respektive gelernt haben. „Die Tage fliegen dahin! Ich habe keine Zeit, mich einsam zu fühlen oder Langeweile zu verspüren. Vier Nachmittage der Woche gehören meinem Zeichenunterricht, der bildet jetzt den Inhalt meiner Gedanken“,“ schreibt Paula Modersohn 1896 an ihre Eltern (Zitat Katalogseite 21).

Die Auftaktausstellung, die noch bis zum 24. März 2017 zu besuchen ist, präsentiert insgesamt 43 Künstlerinnen und ihr Werke, die politisch und sozial engagierten Themen, Stilleben, Portraits, kleinformatigen Historienmalerien, Flucht und Exil verarbeiten.

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Geographische, geschichtliche und digitale Entwicklungen
Einer der unerbittlichsten Akademiepräsidenten, der Frauen dieses Recht verweigerte, war Anton von Werner, der damals in seiner Privatvilla schräg gegenüber wohnte und arbeitete. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und gehört heute zum Ensemble der Mercator Höfe.

Anton von Werner hatte bis 1907 auch den Vorsitz des Verein Berliner Künstler (VBK) inne, der seit 1964 am Schöneberger Ufer verortet ist. Seit 1990 dürfen dem Verein Frauen beitreten. Der jetzige Vereinsvorstand ist vollständig weiblich.

 

Nach einer inaktiven Phase (ab 1971) begann der VdKKB im Jahr 1984 erneut mit regelmäßigen Jahresausstellungen im Rathaus Schöneberg. Zum 125jährigen Jubiläum im Jahr 1992 gewann der Verein und die Galeristin Karoline Müller die Berlinische Galerie als Partner für ein Forschungs- und Ausstellungsprojekt, dessen Ziel es war Quellen- und Wissenslücken zu schließen.

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Johanna Reincke, 1920

Im Falle des Vereins der Berliner Künstlerinnen 1867 (VdKKB 1867) ist das gesamte historisch überlieferte Archiv Anfang des Jahres 1944 – ein genaueres Datum ist bisher nicht bekannt – zusammen mit den Vereins- und Schulräumen der privaten Unterrichtsanstalt bei einem Luftangriff völlig vernichtet worden,“ schreibt Michael Krejsa, Leiter des Archivs Bildende Kunst der Akademie der Künste in Berlin im heutigen Jubiläumskatalog. „Ein erst 2016 aufgetauchtes Dokument belegt diesen Verlust des Vereinsarchivs auf einer penibel geführten sechsseitigen Schreibmaschinenlist aller „zerstörten Sachen der Ateliers Potsdamerstraße 72, I Quergebäude II,2’“ (Katalogseite 53)

Unter der Leitung von Carola Muysers begann deshalb zunächst eine umfassende Archiv-Rekonstruktion, die Dokumenten aus öffentlichen und privaten Archiven, Bibliotheken zu Tage förderte. Weiterhin konnten Dokumentationen zur Institutionsgeschichte und Mitgliederbiografien in ganz Deutschland sicher gestellt werden. Nachdem die vielfältigen Dokumentationen an unterschiedlichen Orten gelagert wurden, gingen sie im Juni 2013 an die Akademie der Künste über und sind nun der Öffentlichkeit im Archiv selbst am Robert-Koch-Platz 10 und online zugänglich.

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„Im Zentrum der in der Akademie der Künste aufbewahrten Schriftgut-Dokumentation des Vereins stehen biografische Daten von insgesamt 3.517 historischen zeitgenössischen, überwiegend deutschen bildenden Künstlerinnen und deren Umfeld,“ so Krejsa im Katalog ( Katalogseite 56). „Sie beinhaltet auch Reden, Korrespondenzen, Exponatelisten, Zeitungsausschnitte, Werk- und Projektdokumentationen, Auktionsergebnisse, Faltblätter sowie Druckschriften.“

2016/2017 – Und
Zum künstlerischen Schaffen von Frauen gibt es seit den 80er Jahren vermehrt Ausstellungen, Datenbanken, Monographien, Lexika, Sammelbänden, Forschungen. 2016 wurde jedoch eine Studie veröffentlicht, auf dem sich Birgit Möckel in der Publikation bezieht: „Trotzdem werden in einem aktuellen, rund 500 Seiten starken Kompendium zu Frauen in Kultur und Medien einmal mehr die Suren patriarchaler Strukturen ausgemacht, deren ‚tradierte Vorstellungen und Muster bis heute wirken‘, obgleich in einem sehr schmalen Katalogheft des VdBL zu seiner damals 100-jährigen Geschichte bereits [1967 Anmerkung Blog] zu lesen ist: ‚Heute ist es eine Selbstverständlichkeit, Frauen nicht nur in Parteien, Parlamenten, Ministerien ( gelegentlich auch in den Regierungen ) und in den Wohlfahrtsverbänden in leitender Position zu finden – man begegnet Namen in den Katalogen der bedeutenden Kunstausstellungen, seitdem so namhafte Vertreterinnen ihres Standes wie Käthe Kollwitz, Charlotte Berend-Corinth, Augusta von Zitzewitz und Renée Sintenis der Frau auch auf diesem Gebiete Geltung verschafft haben.’“ (Katalogseite 161/162).

Sie alle waren dem Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 verbunden. Deshalb, so Birgit Möckel auf Katalogseite 163: „Fortsetzung folgt! Der Ausstellungstitel ist durchaus programmatisch gemeint – als Willensbekundung und Wunsch nach vielen weiteren spannenden Kapiteln der Kunstgeschichte, auf Werke von Künstlerinnen, die neu und wieder entdeckt werden wollen.

Was werden künftige Generationen nicht nur schaffen, sondern zeigen und sammeln? Das, was in der Gegenwart präsentiert und bewahrt wird: Diversität aus jeglicher Perspektive – männlicher wie weiblicher.

Nicht Frau, nicht Künstlerin sein ist das eigentliche Thema, das Werk ist es, das zählt und gezeigt werden soll, immer wieder.“

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Die Publikation ist in der Ausstellung erhältlich.
Informationen über alle VBK-Ausstellungen 2016/2017 gibt es hier.
Auftaktausstellung in der Camaro-Stiftung
26. November 2016 – 24. März 2017
Potsdamer Straße 98A, 10785 Berlin
Öffnungszeiten
Dienstag bis Samstag 13 – 17 Uhr | Mittwoch 13 – 20 Uhr
Gruppen nach Voranmeldung / Eintritt frei
ACHTUNG! Mittwoch den 18. Januar schließt die Ausstellung bereits um 17.00 Uhr

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Denn sie hätten sonst keine Herberge

Werbung im Kiez

Bezirkspolitisch gehört das Krankenhaus natürlich zu Tiergarten-Süd, doch befindet es sich gleichzeitig im Kirchenkreis Schöneberg.

Viele der bestehenden Netzwerke und Halteseile des Kiezes sind unsichtbar aber sehr wohl funktionabel. So ist über das Engagement für Flüchtlinge der syrisch-orthodoxen Kirche in der Potsdamer Straße auf dem potseblog bereits berichtet worden.

Als nun im Herbst 2015 die von der Kirche angemieteten Wohnungen in der Monumentenstraße nicht mehr zur Verfügung standen, funktionierte das Netzwerk wunderbarst und ohne dass viel Aufheben darum gemacht wurde. 30 Menschen fanden eine neue Unterkunft auf dem Gelände der Evangelischen Elisabeth Klinik. Dort steht ihnen seitdem Petra Herms, Chefsekretärin des Krankenhauses , mit Rat, Tat und Anteil nehmender Fürsorge zur Seite.

Die Geflüchteten konnten Apartments und Wohnungen beziehen, in denen die Klinik quasi ‚vorausschauenden Leerstand‘ produzierte. „Die Situation damals war so schwierig, dass es wichtig war, überhaupt Wohnraum zur Verfügung zu stellen,“ sagte André Jasper, Geschäftsführer der Klink. „Auch wenn er wie in den Fällen bei uns befristet war. Darüber haben wir die Geflüchteten und auch die Verantwortlichen der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Anfang an informiert.“

Die zwei Seiten der Elisabeth Klinik
Die meisten der KiezbewohnerInnen kennen die an der Lützowstraße gelegene Seite der Evangelischen Elisabeth Klinik. Wenige wissen, dass der Paul-Gerhard-Diakonie, in deren Konzern die Klinik eingegliedert ist, das gesamte Gelände bis hin zum nördlich gelegenen Schöneberger Ufer gehört.

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Dieser nördliche Klinikbereich ist ein architektonisches Sammelsurium. An der Straße steht ein Gebäuderiegel von 1975 mit kleinen Apartments und großartigem Blick auf das Kulturforum vom obersten Stockwerk. In den Apartments konnten auswärtige Familien, deren Angehörigen sich zu einer langen Behandlung in der Klinik aufhielten oder im Seniorenheim wohnten, einmieten. Außerdem beherbergten sie die Diakonissen, von denen auch heute noch zwei hier leben.

Ev. Elisabeth-Klinik-02

Daneben und ins Klinikgelände hereinragend befindet sich ein unscheinbarer Bau von 1900, in dem heute die Verwaltung, die Physiotherapie und eine Arztpraxis untergebracht sind.

Schöneberger Ufer 36a

Und dann das Schmuckstück. Die Villa von 1837, in der sich bis 1934 die Galerie Goldschmidt-Wallerstein befand, die den Ruf hatte, einer der renommiertesten Kunsthandlungen im Berlin der zwanziger Jahre zu sein. Die Villa ist der letzte Hinweis darauf, dass sich hier einmal eine Privatstraße befand, in der reiche Menschen wohnten, denen schon damals der Verkehr im Kiez zu laut war.

Investors Freud ist Nachbarschafts Leid?
Bereits seit 2012 plant die Paul-Gerhard-Diakonie dieses gesamte rückwärtige Gelände der Klinik zu verkaufen. Nun ist es soweit. Ende November lief das Bieterverfahren für diese 3.000 Quadratmeter aus.

Wir boten das Projekt kurzfristig über Immobilienplattformen an, doch wechselten dann zum Projektentwickler Drees & Sommer,“ erklärt Geschäftsführer Jasper. „Wir wollten ein transparentes Verfahren. Es gab circa 150 Anfragen aus dem In- und Ausland. Einige Bewerber sind auch jetzt schon am Schöneberger Ufer verortet.“

Die Paul-Gerhard-Diakonie hat in Bezug auf die Klinik durch Einträge ins Grundbuch vorgesorgt. „Grundsätze wie die Belieferungen und die Feuerwehrdurchfahrt vom Schöneberger Ufer müssen weiterhin gewährleistet werden,“ erklärt Herr Jaspers. „Das Krankenhaus braucht einen Lärm- und Emissionsschutz. Und im Vertrag sind auch die beiden Brandwände, die sich jetzt an der Villa befinden gesichert. Es gibt hier ein Umschlussrecht für Anbauten. Das macht es sehr unwahrscheinlich, dass die Villa abgerissen wird. Dies ist auch in keinem der Angebote vorgesehen.“

Dennoch ist auch hier zu befürchten, dass wie fast überall in Tiergarten-Süd hochpreisige Eigentumswohnungen entstehen. AnwohnerInnen würden sich wünschen, dass der neue Investor nicht schon Objekte am Standort hat. Denn Investoren mit mehreren Objekten kündigen jetzt schon an, den Kiez ummodeln zu wollen, ohne dabei Rücksicht auf den Bestand zu nehmen.

The times they are a-changin‘
Als zweitälteste Klinik in Berlin begann die Elisabeth Klinik 1837 an diesem Standort bedürftige Frauen zu behandeln. Damals lag das Grundstück noch vor den Toren der Stadt, es gab Treib- und Gewächshäuser, Windmühlen. Hier sollten die Frauen in grüner Umgebung und bei Betätigung in frischer Luft wieder zu Kräften kommen.

Gutgläubig sind alle, die dem heutigen Konzern Paul-Gerhard-Diakonie neben der christlichen Verankerung den Geschäftssinn eines Wirtschaftsunternehmen absprechen. Geld wird dringend gebraucht, hört man, hier am Standort genauso wie berlinweit. Zumindest ist aber die Klinikleitung beratend in das Verkaufsverfahren mit eingebunden. Doch an der Nachbarschaft wird wohl auch dieses dieses Projekt planerisch vollkommen vorbei gehen. So geschah es auch bei den Neu- und Umbauten, die kürzlich entstanden. So viel Kiez ist dann doch nicht.

Ev. Charlottenheim

Schon mit dem Neubau des Evangelischen Charlottenheimes im Jahr 2013/14 verabschiedete sich die Paul-Gerhard-Diakonie von dem historischen Erbe der Evangelischen Elisabeth-Klinik und riss einen der ältesten Gebäudeteile ab. Dann musste in diesem Jahr die Kapelle einem neuen Feuerwehrstandort weichen. Über Geschmack lässt sich streiten. Beides sind Zweckbauten. Die Funktionalität beider Gebäude ist unbestritten.

ehemalige Kapelle der Ev. Elisabeth Klinik Neues Gebaeude für die Rettungsstelle Ev. Elisabeth Klink

Kiezklinik
Doch wird auch heute nicht nur betont, sondern in Aktionen deutlich, dass die Evangelische Eilisabeth Klinik eine Kiezklinik ist.

Abriss der Ev. Elisabeth Klinik

Für das Kiezmosaik, das zwischen 2009 und 2012 am alten Seniorenheim entstand, gab es eine Abrisspause, damit einige der bemalten Steine gerettet werden konnten.

Das Kiezmosaik im Ev. Charlottenheim

Seit 2015 hängt es außerdem als bildliche Erinnerung im Eingang des Charlottenheim.

Der Abschied des Quartiersmanagement konnte im November 2016 in Paul’s Deli gefeiert werden. Die schicke Caféteria wird inzwischen auch von den umliegend arbeitenden Büroangestellten geschätzt, ist jedoch manchen KlinikmitarbeiterInnen etwas zu teuer. Der Quartiersrat ( ab Januar 2017 Stadtteilforum ) tagte mehrere Male in den Räumen des Neubaus und die Organisation war erfreulich unkompliziert. Das Sommerfest der Klinik findet auf dem Vorplatz statt und richtet sich an den Kiez. Die Biertischgarnituren der Klinik sind regelmäßig bei anderen Kiezfesten dabei. Seit Jahrzehnten ist die Rettungsstelle der Klink die erste Anlaufstelle für alle, inklusive Drogenabhängige und in den 80er die Hausbesetzer, aus dem Kiez.

Allegro GS Sponsorenlauf 2015

Der Sponsorenlauf der Allegro-Grundschule fand 2015 das erste Mal auf dem Gelände statt: zur großen Begeisterung der TeilnehmerInnen und der Klinikbelegschaft.

Und was ist nun der Plan?
Über die Angebote wird zur Zeit entschieden. Die Villa möchte ja, laut Herrn Jasper, niemand abreißen. Hier wohnen übrigens noch einige Privatleute, die in den hochherrschaftlichen, wenn auch unsanierten Räumen, bisher Mietpreise von 4 bis 5 Euro / qm genießen konnten. Sie sind beizeiten informiert worden und müssen sich nun auf Mieterhöhungen, jedoch im gesetzlichen Rahmen einstellen. „Wir kümmern uns auf jeden Fall um die Diakonissen,“ sagt Herr Jasper. „Eine möchte ins Heim, die andere ist noch so aktiv, dass sie gerne weiter in einer Wohnung leben möchte.“

Einen Neubau für Klinikzwecke wird es aus Kostengründen auf dem Klinikgelände nicht geben. Die Verwaltung soll in die bisher ungenutzten oberen Geschosse des Evangelischen Charlottenheims ziehen. Das Zentrum für Physio-, Ergotherapie und Osteopathie, das übrigens sehr zu empfehlen ist und auch KiezbewohnerInnen offen steht, wechselt nach vorne in das Erdgeschoss. Es wäre hier jedoch wünschenswert, dass an dieser Stelle auch Läden angemietet werden, deren Türen sich dem Kiez öffnen.

Ev. Elisabeth Klinik an der Lützowstraße

Herr Jasper kann nicht zusagen, dass die Diakonie auf den neuen Investor einwirken wird, dass die Geflüchteten so lange bleiben können, bis sie neue Unterkünfte gefunden haben. „Die Mietverträge laufen im Jahr 2017 sukzessive aus,“ sagt er. „Und wir setzen da ganz stark auf die Nachbarschaft. Die syrisch-orthodoxe Kirche weiß ja bereits Bescheid und wird den Menschen helfen. Und auch die Luther-Gemeinde am Dennewitzplatz ist inzwischen mit im Boot und bereit, bei der Wohnungssuche zu helfen.“

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Back to the roots – Ein Rheinländer auf den Spuren seiner Berliner Wurzeln

Im Gedenken an Matthias Kühnel
Ich war hoch erfreut, dass Matthias Kühnel 2014 zu einem Interview einwilligte und auch, dass dann der unten stehende Artikel über ihn erscheinen konnte. Denn so offen und hilfsbereit und rührig er im Kiez auch war, so wenig wollte er  – außer im persönlichen Kontakt – im Netz über sich preisgeben. Mit Bildern schon gar nicht. Und auch von seiner Laufbahn als Fotograf kann man nicht finden und das nicht nur damit zu tun, dass er sich der analogen Fotografie verschrieben hatte.

Doch fragte man NachbarInnen und seine MieterInnen, dann war viel Freundliches zu hören. Autoverleih, mit Anpacken bei Umzügen oder Reparaturen, Ratten bis in den Gleisdreieckpark bringen, wenn sie bei ihm im Gewerbehof auftauchten.

Er liebte den Kiez, das Kumpelnest und begann vor circa drei Jahren, sich bei den Apostelstuben und bei der Mittwochsinitiative der Zwölf Apostel Kirchengemeinde zu engagieren. Beim Gemüseschnippeln mit ihm zu plaudern war eine echte Erholung. Er war dort gemocht und er erfreute sich an diesem neu entdeckten Ort.

Anfang Oktober 2016 ist Matthias Kühnel gestorben.
Viele hier im Kiez vermissen ihn.

(Regine Wosnitza – 8.12.2106)

Veröffentlichung des folgenden Artikels am 19. August 2014
Von Gastbloggerin Monique

Mit seinem Haus verbindet ihn eine Menge. Matthias Kühnel plaudert sofort aus dem Nähkästchen als gäbe es kein Halten mehr.   Das ist die rheinische Mentalität (lacht). Das macht den Unterschied zu Berlin. Bist du in Köln unterwegs und kennst dich nicht aus, kommen die Kölner auf dich zu und zeigen dir den Weg. In Berlin drehen sich alle weg. Ihnen ist anzusehen „Hoffentlich fragt der mich nicht.“

Der 48jährige kam vor 20 Jahren aus Leverkusen nach Berlin. Das Ost-West-Gerede gehe ihm auf die Nerven – Er fühle sich als Ossi. Punkt.

Mein Haus, meine Mieter und ich Weiterlesen

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Nach 100 Jahren verblassen die Farben

Gerüste bedeuten dieser Tage nichts Gutes. Eine Leiter ist vielleicht noch zu ignorieren. Aber Gerüst und Container!

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Und dann noch ein Ausverkaufsschild. Alarmstufe rot !

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Eigentlich unbegreiflich, dass dieser Laden ab dem 1. Januar 2017 nicht mehr da sein soll. Seit 1968 – also seit fast fünfzig/50 Jahren = 5 Jahrzehnten  – gibt es ihn hier an dieser Stelle. Den Malereibedarf Fron in der Kurfürstenstraße 24.

Im Gebiet sogar schon seit 100 Jahren. Zuerst im Keller, dann im Erdgeschoss – irgendwo in der Steinmetzstraße. Dann der Umzug in die Kurfürstenstraße.

Ist ja nicht so, dass um diese Zeit die Gegend blühte. Aber man hatte sein Auskommen, die Nachbarn einen zuverlässigen Partner, man kannte sich. Und man kennt sich auch heute noch.

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Erwin Fron und seine Frau waren hilfsbereit. Verfolgten genau, was so um sie herum passierte. Und wurden natürlich zur „Notinsel“ – einem der Orte im Quartier, wo Kindern geholfen wurden, wenn sie sich in Not oder Gefahr fühlten.

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Die nächste Generation der Frons half schon manchmal im Laden aus, war jedoch ansonsten auf anderen Baustellen, doch im selben Metier beschäftigt. Man hatte sich gerade mit einem Geschäftspartner geeinigt, den Laden halten zu wollen. So viel Tradition verband man mit dieser Adresse.

Es soll ein Angebot bestanden haben, dass der Vertrag von den Hauseigentümern auch verlängert werden sollte. So ein Einzelhandelgeschäft ist ja schon ein Schmuckstück, ja gerne, das ist gut für eine Straße. Es gab bereits ein Angebot an den Geschäftsführer.

Doch dürfte der Vermieterin aus der eigenen professionellen Umgebung bekannt sein, dass – sagen wir kleine Buchgeschäfte egal ob auf Coffee Table oder Taschenbücher spezialisiert – bestimmte Quadratmeterpreisen – sagen wir 20 Euro / Quadratmeter – nicht gut lesen können.

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Und auch Farben verlieren da ihren Glanz. Und deshalb muss jetzt alles und alle raus aus dem Laden. Die NachbarInnen können zwar viele Schnäppchen machen, aber das Geld bleibt einem da irgendwie in der Börse stecken. Ausverkauf macht hier keinen Spaß. Denn die Tapeten erscheinen wie plötzlich wie Makulatur. Das hat aber auf keinen Fall mit der Expertise des Malergeschäftes Fron zu tun.

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Eher mit den Zukunftsaussichten hier im Gebiet in den nächsten 100 – ach was 50 – ach was 5 Jahren. Mit all den Gerüsten.

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U- Bahnlinie U5 endlich fertig gestellt

legoVon HU-Gastblogger Johannes

Erste Mai-Woche, 25 Grad. Samstag. Was könnte man an einem solchen Tag unternehmen? Richtig, auf ins Legoland in der Potsdamer Straße. Möglicherweise wäre ein anderer Tag mit schlechterem Wetter besser geeignet, doch zum Umentscheiden bleibt nun keine Zeit mehr. Also den Freunden am See Auf Wiedersehen sagen, und den kleinen Bruder abholen, ohne den ich nicht ins Legoland kommen würde (Eintritt für Erwachsene nur in Begleitung von Kindern!)

Für das Vorverkaufsticket bekommt man ein zweistündiges Zeitfenster, das man frei wählen kann. Je später man sich für den Besuch entscheidet, desto günstiger wird das Ticket. Wenn man dann aber das Legoland betreten hat, kann man hier so lange verweilen, wie man möchte.

Als wir am Potsdamer Platz ankommen, ist es immer noch sehr warm. Ich genieße die letzten Sonnenstrahlen, denn bald ist es vorbei mit der natürlichen Lichtquelle. Bis auf den Eingang ist das gesamte Legoland unter der Erdoberfläche. Die Sonne kann man also hier nur in der Warteschlange genießen. Doch eine Warteschlange ist jetzt, kurz vor 17 Uhr – im Gegensatz zur Sonne – nicht mehr vorhanden, wir können als direkt zum Eingang und von dort die Treppe nach unten.

Eine Stadt unter Tage

Hier trifft man auf das „Lego Miniland“, das eindrucksvoll zeigt, was man mit Lego alles bauen kann. Berlin mit vielen Sehenswürdigkeiten ist hier zu sehen.

Auch die im Januar fertiggestellte U- Bahn- Linie U5 ist hier zu sehen. Im Januar fertig gestellt? Moment mal! Aktuell wird am Alexanderplatz die Abstellanlage umgebaut, um die Verbindung zwischen alten und neuem Tunnel zum Berliner Rathaus zu ermöglichen. Fertig gestellt ist die Linie bisher also nur hier, passenderweise ebenfalls unter Tage.

Berliner und Touristen mit Kind können sich schon jetzt anschauen, wie die U5 später aussehen wird. Für die Miniaturvariante der U5 wurden ungefähr 500.000 Legosteine verbaut, 1.000 Arbeitsstunden hat der gesamte Bau verschlungen. Und auch wie die drei U- Bahnhöfe aussehen werden, die zusammen mit der U5 gebaut werden, kann man hier sehen: „Berliner Rathaus“, „Unter den Linden“ und „Museumsinsel“ wurden in Anlehnung der Pläne von den Architekten der Vorbilder erbaut. Bilder der Mini- Bahnhöfe findet man hier.

Bei den großen Originalen sind die Rohbauten nahezu fertig gestellt und durch den U- Bahnhof „Unter den Linden“ fährt die U- Bahn- Linie U6 sogar schon, natürlich ohne zu halten. Ende 2020 sollen dann alle Bauarbeiten abgeschlossen sein, Interessierte können den aktuellen Fortschritt hier verfolgen.

Im Legoland wurden die Bauarbeiten an der U5 pünktlich fertig gestellt. Möglicherweise eine Premiere in Berlin.

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„Jeder Stoff kann als Comic erzählt werden“

Von HU-Gastbloggerin Dolly Rodríguez

Bülowstraße 52: Ehemaliger Sitz von Reprodukt

Ein unscheinbares Haus in der Gottschedstraße 4 in Berlin beherbergt einen Sehnsuchtsort für alle Liebhaber der visuellen Erzählkunst, ein Mekka für all diejenigen, für die Comics weit mehr sind als eine Kindheitserinnerung an Entenhausen.

Ich möchte an dieser Stelle jeglichen Anspruch auf Neutralität zurückweisen und stattdessen offen bekennen: Ich liebe Comics. Ich liebe sie, weil in ihnen das Unmögliche möglich wird: Sie können mich durch ihre Graphik und ihre Story in eine andere Welt transportieren.

Und deshalb ist dieses unscheinbare Haus für mich ein ganz besonderer Ort, beherbergt es doch mit Reprodukt einen der vielseitigsten Comicverlage Berlins. Aber nein, es geht dabei nicht um die üblichen Comics, wie man sie an der Supermarktkasse oder am Kiosk findet.

Wovon ich rede, ist die inzwischen gar nicht mehr so kleine aber feine Sparte der Comics, die sich als literarische Comics oder Graphic Novels begreifen. Die Graphic Novel ist heutzutage das beliebteste anspruchsvolle Comicprodukt, das in den Buchhandlungen (zumindest in den großen) einen festen Platz erobert hat.

Dass die Comicszene heute so vielfältig und bunt erscheint, ist der raschen und nachhaltigen Entwicklung der Independent Comic-industrie zu verdanken, die seit Anfang der neunziger Jahren vor allem in Europa und in den USA immer neue Themen, Stile und Darstellungsformen entdeckt hat.

Und das Spektrum ist im Laufe der Jahre richtig groß geworden: Der Comic ist nunmehr ein Medium des Theaters, des Dramas, der (Auto-)Biographie, der Geschichte, der Reportage, der Lyrik usw. Es scheint dabei, dass alle Themen und Genres durch den Comic ausgedrückt werden können. Dieser Meinung ist auch Jutta Harms, Pressefrau des Verlags: „Die Möglichkeiten des Textes kann der Comic völlig ausschöpfen, in den Graphic Novels sind die Themen genauso vielfältig wie in der Literatur.“

Comics erfreuen sich in den letzten Jahren einer wachsenden Popularität und Reprodukt hat es geschafft, von dieser Entwicklung zu profitieren. So feiert der Verlag dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen, wobei er sich mittlerweile als renommierter unabhängiger Verlag etabliert hat, der den Comic nicht mehr  nur als reines Unterhaltungsprodukt versteht. Diese lange, andauernde Entwicklung hat Reprodukt in Deutschland und Europa hautnah miterlebt:

„In den Neunzigern Jahren kam es zu einer Vervielfältigung der Stories und zu einer Weiterentwicklung in der graphischen Darstellung. Dabei hat man sich den Lebenserfahrungen der Menschen zugewendet und sich von den klassischen Science Fiction Stories entfernt. Auch werden seit dieser Zeit immer mehr weibliche Zeichnerinnen und Autorinnen aktiv. Die Erscheinungsform des Comics hat sich vom klassischen Unterhaltungscomic unglaublich ausdifferenziert. Seither gilt die Idee, dass jeder Stoff als Comic erzählt werden kann“ berichtet Jutta Harms.

Der Erfolg von Reprodukt als unabhängigem Verlag beruht vor allem auf seinen Bestsellern: der Fantasyparodie Donjon von Joann Sfar und Lewis Trondheim, Didi und Stulle von Fil, Tamara Drewe von Posy Simmonds und neulich Baby’s in Black-The Story of Astrid Kirchherr & Stuart Sutcliffe von Arne Bellstorf, das bereits zwei Monate nach seiner Erscheinung im Oktober 2010 nachgedruckt werden musste. Gemeinsam ist ihnen, dass sie dem Mainstream fern bleiben und dass sie durch ihre eigenwilligen Geschichten ein breites literarisches Publikum ansprechen.

Aber warum sind sie so erfolgreich? Was macht einen guten Comic aus? „Es gibt natürlich Qualitätsansprüche. Der Comic muss erzählerisch und graphisch gut sein, er muss originell sein, sich also von den Action-Stoffen aus der Retorte abgrenzen, und die Zeichnung muss mit der Story harmonieren“, so Harms.

Bestseller 2010: Baby’s in Black von Arne Bellstorf

Ein gutes Produkt setzt harte Arbeit voraus: Lektorat, Übersetzung (im Fall von fremdsprachigen Werken), Herstellung, Bildbearbeitung und Lettering erfordern mindestens vier Monate Zeit und natürlich eine gute Teamarbeit, denn nur im Zusammenspiel der einzelnen Arbeitsbereiche kann ein wirklich guter Comic entstehen.

Da sich im Comic Bildende Kunst und Literatur überschneiden und ergänzen, entstehen dabei auch neue Möglichkeiten den Leser mit einer Geschichte zu erreichen: „Vergleichen wir z.B. eine Comicbiographie mit einer herkömmlichen, so ergibt sich in der ersteren die Chance, den Inhalt durch das Visuelle so zu transportieren, dass eine andere Sinnesebene angesprochen wird“, meint Harms abschließend.

Und wer einmal die Comicbiographie Die anderen Mendelssohns 1 von Elke Steiner gelesen hat wird sehr gut nachvollziehen können, was damit gemeint ist.

Mehr über die Geschichte von Reprodukt erfahren Sie unter http://www.kultiversum.de/Literatur-Literaturen/handeln-Buchmacher-Comic-Reprodukt-Verlag-Berlin-Dirk-Rehm-Jutta-Harms.html?

Grafik: Auszüge aus „Acht, Neun, Zehn“ ©Reprodukt/Arne Bellstorf sowie „Am falschen Ort“ ©Reprodukt/Brecht Evens; Cover von „Baby’s in Black-The Story of Astrid Kirchherr & Stuart Sutcliffe“ ©Reprodukt/Arne Bellstorf

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Kiez – Scheibenwischer Infodienst

Was Politik und Presse nicht sagen, finden Sie hier

Gebrauchsanweisung:
1. Herunterladen (pdf) und Ausdrucken
2. Kopieren
3. Zuschneiden A6 =Postkarte; machen die im Kopierladen

4. Verteilen an Scheibenwischer, Gepäckträger, Briefkasten, Kneipe etc.

kiez-scheibenwischer

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Hedwig Dohm? Anton von Werner? Jörg Fauser? – Aber Fontane kennen Sie doch?

Von HU-Gastbloggerin Anna

In einem seiner Briefe schrieb Theodor Fontane 1891 über seinen Spaziergang Grand-Hotel Bellevue 1903von der Potsdamerstraße bis zu den Friedhöfen am Halleschen Tor: „Wir leben sehr still, Mama rückt überhaupt nicht von der Stelle, ich gehe jeden Abend um 9 bis an die Christuskirche (Paulus Cassel) umschlendere schließlich 2 mal den Leipziger Platz, schnopre etwas Lindenluft, gucke mir die Jüdinnen an, die unterm Zelt in Hotel Bellevue soupieren und bin um 10 wieder zuhause.“  Die Jüdinnen sind längst nicht mehr da.  Der Leipziger Platz sieht nicht mehr aus wie früher. Das Haus  mit Fontanes Wohnung  wurde 1906 abgerissen, das Grand-Hotel Bellevue 1928. Was vom Hotel übrig blieb, ist eine kurze Beschreibung des Gebäudes in Fontanes Roman Cécile.

Nicht nur Menschen und ihre Werke geraten in Vergessenheit, sondern auch Gebäude und ganze Plätze. Die Architektur der Bauten ermöglicht uns eine Zeitreise in die Vergangenheit und Schriftsteller und Künstler haben Jahrzehnte Deutschlands Kultur geprägt. Wir leben heute im Zeitalter der Digitalen Medien. Die neue Technik soll uns eigentlich verhelfen Informationen zu organisieren und zu verbreiten, doch sie lässt uns in der riesigen Informationsflut untergehen.  Jährlich kommen rund 90.000 Buchneuerscheinungen auf den deutschen Markt. Reiner Schmitz, deutscher Journalist und Buchautor, hat ausgerechnet, dass ein 90-Jähriger Vielleser in seinem Leben maximal 5.000 Bücher lesen kann.  Die Zahlen des Internets sind viel erschreckender. 2014 wurden in Deutschland insgesamt 14.596.087 Domains gezählt. Dies bedeutet, dass jeder fünfte deutsche Bürger eine Website (Social Media Seiten nicht mitgezählt) besitzt und somit Inhalte im Internet generieren kann. Wie kann deutsche Geschichte und Kultur diese Fluten überstehen?

Deutsche Digitale Bibliothek hat eine Lösung gefunden. Die Institution verknüpft alle deutschen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen und ermöglicht somit den Zugriff zu Millionen von Büchern, Bildern, Musikstücken und Filmen. Seit dem 31. März 2014 ist die riesige Bibliothek in Vollversion für alle Nutzer freigeschaltet. Das kulturelle und wissenschaftliche Erbe Deutschlands ist nun in digitaler Form frei und kostenlos gesichert.

ddb-website

Auf der Startseite sieht man gleich die wichtigsten Neuigkeiten rund um das Thema „Digitale Bibliothek“. Der Suchkasten darüber ermöglicht eine schnelle Suche nach Medien. Es befinden sich rund 20 Millionen Objekte in der Bibliothek, um die 7 Millionen davon sind sogar digitalisiert. Die Suchmaschine kann man auch ohne Anmeldung benutzen.  Der Vorteil der Anmeldung besteht nur darin, dass man seine Suchanfragen und favorisierten Dateien online speichern kann.

DDB Suche

Ich habe die Suchmaschine gleich für meine Recherche über die Potsdamer Straße ausprobiert. Als Ergebnis wurden zuerst alle  Potsdamer Straßen, die es in Deutschland gibt, angezeigt. Mit den Filtereinstellungen kann man die Suche sehr gut eingrenzen. Zum Beispiel ist es möglich nach Zeit, Ort und Sprache zu filtern, aber auch nach dem Medientypen oder der Verwendbarkeit. Die Deutsche Digitale Bibliothek bietet außerdem eine außerordentliche Funktion, die Objekte zu vergleichen. Dazu muss man nur den Pfeil neben dem Digitalisat anklicken und anschließend im linken unteren Fenster auf Vergleichen gehen.

Erstaunlicherweise konnte ich bei meiner Recherche weder ein Bild von Fontanes Haus, noch den Brief an seine Schwester in der Bibliothek finden und musste zu der altbekannten Suchmaschine Google greifen. Die gesuchte Textpassage konnte ich innerhalb von wenigen Minuten finden: https://archive.org/stream/theodorfontanes00fontgoog#page/n267/mode/2up

Warum ist sowas Wichtiges nicht in der digitalen Bibliothek aufzufinden? Ich denke, die Digitale Deutsche Bibliothek hat noch einige Lücken zu füllen. Um Deutschlands Kulturerbe komplett zu digitalisieren wird es noch viele Jahre brauchen. Nichtsdestotrotz bietet die Deutsche Digitale Bibliothek einen sehr guten und vor allem einen kostenlosen Dienst an. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Deutsche Digitale Bibliothek in der Zukunft entwickeln wird.

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Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Center an der Humboldt-Universität.

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Kaffeeklatsch in der Großwohnsiedlung – eine Begegnung mit der nachbarschaftlichen Solidarität durch soziale Aktionen

Die sehr gut angenommenen Angebote im Nachbarschaftstreff Kaffeeklatsch beweisen, dass im engen Zusammenleben einer Großwohnsiedlung mit verschiedensten Kulturen nicht nur soziale Konflikte entstehen, sondern auch eine Art Solidarität durch Pflege der nachbarschaftlichen Beziehungen entstehen kann. Das QM Pallaskiez hat mit seinen Bewohnern ganze Arbeit geleistet: Interkultureller Austausch für die Verbesserung des sozialen Klimas – Gemeinschaft schafft Sicherheit.

Es ist wieder etwas bunter in der Großwohnsiedlung Pallasseum an der Potsdamer Straße. Betritt man die Innenhöfe der Siedlung fallen einem sofort als bunte Farbtupfer die neuen Kinderspielplätze auf. Am Nachmittag spielt sich hier das soziale Leben der Bewohner ab. Vor allem treffen sich hier Kinder und auch die Mütter; nicht nur zur Beaufsichtigung ihrer Kinder, sondern weil sie hier gerne ihren Nachmittag verbringen. Auch Generationenübergreifend wird der Innenhof des Pallasseums genutzt. Einen Kaffeeklatsch unter den Bewohnern erwartet man in einer Großwohnsiedlung von Sozialwohnungen nicht gerade, aber genau diese gemeinschaftliche Aktion gibt es im Pallasseum.

Vom Sorgenkind zur Vorzeigegroßwohnsiedlung

DIMG_5811[1]as war nicht immer so. Der aus den 90er Jahren als sozialer Brennpunkt verschriene Wohnkomplex Pallasseum wurde aufpoliert durch verschiedenste Sanierungen und Verschönerungen der Höfe, die als gemeinschaftliche Treffpunkte funktionieren und somit für mehr Nachbarschaftlichkeit und Sicherheit sorgen sollen. Auch viele soziale Projekte sollten die Bewohner für ihre Großwohnsiedlung aktivieren. Dazu gehörte unter Anderem der Namenswettbewerb für die Siedlung, aus dem Pallasseum wurde. Bevor das  Quartiers-Management Schöneberger Norden zur Unterstützung benachteiligter Stadtquartiere – wie diesem- gegründet wurde, hatte das Bezirksamt angefangen gemeinsam mit der Hausverwaltung einen Mieterbeirat sowie eine Zeitung zu initiieren, um diesen Wohnkolloss zu retten. Befragt man die Bewohner des Pallasseums versichern Sie einem, dass hier viele Nationalitäten auf engen Raum ohne große Konflikte zusammen leben und dass sich vor allem die Sicherheit verbessert hat. Es gäbe sogar Wartelisten, um eine Wohnung im Pallasseum beziehen zu können.

Kaffeebetrieb und soziale Aktionen

kaffeklatsch

Das neue /alte Nachbarschaftscafé „Kaffeeklatsch“ ist eine der erfolgreichsten Veränderungen in der Siedlung. Bereits seit 10 Jahren gibt es dieses Café. War jedoch mit den Jahren etwas eingestaubt und wurde nun seit mehr als einem Jahr wiederbelebt mit einer sozialen Idee. Neben dem Café Betrieb findet noch etwas viel interessanteres statt: Hier trifft man sich, unterhält sich, verbringt Zeit und knüpft nachbarschaftliche Kontakte. „Der Café Betrieb ist täglich von 8 bis 13 Uhr, am Nachmittag gibt’s Aktivitäten“ erzählt mir die Bedienung hinter der Vitrine.  Das breite Angebot an Nachmittags Aktivitäten im Café lässt für jede Altersgruppe keine lange Weile mehr aufkommen. Alle Angebote und Aktivitäten wurden mit den Bewohnern in einem gemeinschaftlichen Partizipationsverfahren entwickelt.IMG_5926[1]  Im Schaufenster des Cafés lese ich mir durch, was hier alles so los ist am Nachmittag. Der Bewohnertreff bietet Tanzkurse, Singen auf Arabisch, Nähkurse, Filmabende, Hausarbeitsbetreuung für die Kinder, oder einfach die festen Treffpunktzeiten für Beisammensein bei Tee und Spiel.

Interkultureller Austausch verbessert hier das soziale Klima
schaufenster

Das vom Quartiers-Management geförderte Projekt „Stärkere Nachbarschaft im Pallasseum“  hat hier das Ziel, das sozial benachteiligte Quartier zu unterstützen und soziale Strukturen aufzubauen. Die Bewohner werden aktiviert und mobilisiert, ihren Kiez mitzugestalten. Ein interkultureller Austausch sei daher unter den Bewohnern unverzichtbar, weil sich das soziale Klima in der Großwohnsiedlung dadurch verbessert. Durch Erzählabende treten die verschiedensten Leute in Austausch, erzählen über ihre Herkunft und was sie nach Berlin gebracht haben. In einem anderen Treffpunkt, dem Koch-Chill-Kaffee am Mittwoch wird das Erlernen der deutschen Sprache ungezwungen verbunden mit gemeinsamem Kochen. Jeder Bewohner kann aber auch mit seinen eigenen Ideen in´s Kaffeeklatsch kommen, denn hier wird einem die Räumlichkeit geboten, die oft für soziale Aktivitäten nicht vorhanden ist. „Nachbarschaftsgefühl und Gemeinschaft“, erzählen mir die Bewohner, ist das, was durch das Kaffeeklatsch entstanden ist. „Man kennt sich nun einfach besser“.

//13.04.2016// Emmily Wiedenhöft//  HU-Gastbloggerin Emmily

 

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„Wer schreibt unsere Geschichten, wenn nicht wir selbst?“

von HU-Gastbloggerin Cagla

Kuse

Quelle: http://www.fembio.org

Die meisten jungen Erwachsenen stehen irgendwann an einem Punkt, an dem sie sich fragen müssen: „wer bin ich und wer möchte ich sein?“ Den wenigsten Menschen fällt diese Aufgabe leicht und mehr als die Hälfte können diese Frage auch im voranschreitenden Alter nicht eindeutig beantworten. So auch Käthe Kuse, genannt Kitty. Sie liebte Frauen, aber dass sie homosexuell war, kam ihr nicht in den Sinn. Als ihre damalige Freundin fragte: „Weißt du eigentlich, dass du homosexuell bist?“ war sie erst einmal verstört und fassungslos. Als sie in Ruhe darüber nachdenken konnte, suchte sie ihre Freundin auf und sagte: „Jawohl, ich bin homosexuell und ich liebe dich.“  Weiterlesen

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