Was haben wir denn da ersteigert?

Der Zuschlag der Immobilie Potsdamer Straße 81 an die Kuthe GmbH Anfang Dezember hat bei der Zwangsversteigerung viele überrascht – nicht nur die Kuthe GmbH selbst.

"Tagesspiegel Haus" vom Hof des "Wintergarten Hauses" gesehen

„Wir sind sehr kurzfristig dazu gekommen,“ bekennt Stefan Freymuth von der Kuthe GmbH freimütig. Konkrete Pläne gäbe es noch nicht, sie hätten die Immobilie zwei Mal kurz besichtigt. Gleich loslegen könne man auch nicht, denn der Tagesspiegel zahle die Miete bis Ende Dezember. Dann hinge es noch vom Gericht ab, wie schnell die Zwangsverwaltung aufhörte.

Im Potse Volksmund heißt die Immobilie auch „Tagesspiegel Gebäude“, weil dieser dort 55 Jahre residierte. Sie umfasst neun Grundstücke von einer Größe zwischen 300 qm bis 5253 qm und liegt im Karree zwischen Potsdamer-, Lützow- und Körner Straße. Sie steht seit Jahren unter Zwangsverwaltung, einige Gebäudeteile verfielen zusehends nach Auszug der Tagesspiegel-Druckerei und anderem Leerstand.

Am 2. Oktober 2009 wurden die Schreibtischlampen in den Redaktionsbüros ausgeknipst. Der Tagesspiegel zog an den Anhalter Bahnhof. Nun fallen auch bei den Leuchtschriftzügen die Birnen aus. Ein L und ein r fehlen bereits. Höchste Zeit, dass etwas passiert.

Laut Versteigerungsankündigung belief sich der Gesamtverkehrswert auf 16,7 Millionen Euro. Kuthe GmbH bekam den Zuschlag bei 5.9 Millionen Euro. Welch ein Schnäppchen vor Weihnachten!

Vor allem, weil die Kuthe GmbH einen zweiten Gebäudekomplex direkt gegenüber bereits ihr eigen nennt: in der Potsdamer Straße 96 (Wintergarten Gebäude) – vermieten sie 540 qm Büroflächen. „Unsere Planung sieht Kultur vor“, sagte Stefan Freymuth dem Tagesspiegel im Januar 2009.  Das ist interessant zu lesen, entwickelt sich doch das Gebiet zwischen Landwehrkanal und Kleistpark zunehmend zu einem Kultur- und Medienstandort.

In der Potsdamer 81 geht es laut Stefan Freymuth in einem Gespräch mit potseblog nicht um Abriss, sondern um Bestandssicherung, Sanierung, Erhalt und Vermietung. Dies gilt vor allem für die unter Denkmalschutz stehenden Villen in der ehemaligen Privatstraße hinter dem Tagesspiegel Gebäude. Dazu gehört das Anton-von-Werner-Haus, eine Stadtvilla, die sich der von Wilhelm II. hoch geschätzte Maler 1873/74 als Wohn- und Atelierhaus hatte errichten lassen.

Lange als verschollen erachtet, waren 1988 in einigen Räumen des Hauses üppige Wandmalereien des Hofmaler wieder entdeckt und freigelegt worden. Heute wird das Gebäude als Lager- und Wohnhaus genutzt. Und es beherbergt zwei Ateliers von Künstlerinnen. Im zweiten Stock ist die Künstlerin Freda Heyden zu Hause. Im ersten Stock die Malerin Anita Staud. Dort befindet sich auch der Rote Salon, der mit prächtigen Bildnissen, einem illusionistisch gemalten Prunkrahmen und zwei Porträtmedaillons geschmückt ist.

Dieses Kleinod in Zukunft als Zentrum eines sich weiter entwickelnden Kunst- und Medienstandortes an der Potsdamer Straße zu sehen ist bestechend. Diesen Ideen scheint Stefan Freymuth auf keinen Fall abgeneigt zu sein. Im Gebäude können Büros entstehen, ein Hotel, Läden im Erdgeschoss, damit die Straße wieder belebter und attraktiver wird.

Ohne konkrete Pläne seitens des neuen Besitzer ist eine Woche nach der Versteigerung erstmal vieles denkbar. An Ideenschmiedern scheint es jedenfalls nicht zu mangeln.

„Wir bekamen die ersten Anfrage bezüglich Vermietung bereits während der Zwangsversteigerung,“ sagt Stefan Freymuth. „Wir sind zu allem bereit. Wenn jemand eine tolle Idee hat, dann sind wir sehr aufgeschlossen. Es muss sich aber rentieren.“

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2 Antworten zu “Was haben wir denn da ersteigert?

  1. hallo,

    wollte mich gerade etwas über das tagesspiegel-gebäude von 1954 (also das mit dem schriftzug) kundig machen und war überrascht, dass es da (nach kurzer suche im internet jedenfalls) so wenig gibt.

    auf den ersten blick, mit seiner fast konstruktivistischen anmutung an gebäude wie das haus der prawda in moskau erinnernd, scheint es ja fast denkmalschützenswert. vor allem mit dem schriftzug, der in der präsentation von kluthe schon rauscollagiert ist.

    gibt es jemanden, der da dran ist?

    grüsse, johnny

    • Hallo Johnny,
      so weit ich weiß, ist da niemand dran. Interessante Gedanken, die du da hast.

      Auf das Anton-von-Werner-Haus im Hinterhof wird schon geachtet – so habe ich zumindest gehört. Das steht ja schon unter Denkmalschutz.

      Melde dich doch mal per email, wenn du da mehr dran willst, vielleicht kann ich zumindest Kontakte vermitteln.

      Grüße, Regine

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