Such den Stuhl

Ich mag Absurditäten. Absurdes kann unglaublich kreativ sein. Das muss aber nicht der Fall sein. Kreatives kann absurd sein. Auch das ist nicht immer der Fall.

Hier einige Bilder, um zu erklären, was ich meine

Dicke Sauerländer Bockwurst

Das ist eine Wurstdose. Pro 100 g enthält sie 21,5 g Fett. Das ist weder kreativ noch absurd, das ist ungesund.

Wurstdose offen

Dieselbe Wurstdose offen. Die ist auch nicht kreativ oder absurd. Die ist leer.

Bockwurst auf Zimmerlilie (aka Beamtengras)

Das ist dieselbe Wurstdose in einer absurden Umgebung. Eigentlich gehört sie in das Regal eines Billig Discounters. Das ist ein bisschen kreativ.

Doch achten Sie bitte auf die Aufschrift auf der Dose. Gehen Sie näher ran, klicken Sie auf das Bild. Da steht: „Falsche Wahl – Pseudo Wahl“. Ob das nun absurd und/oder kreativ ist können Sie noch gar nicht entscheiden. Ihnen fehlt der Kontext.

Ich stelle Ihnen die Wurstdose in einen Kontext auf einen Stuhl. Klicken Sie auf das Bild, um alles ganz genau zu sehen. Das ist wichtig und explodiert nicht.

Genau hinschauen

Was ist das?

Nun ist der Kontext benannt. Nein, die Anordnung auf dem Stuhl ist nicht kreativ. Auch nicht absurd. Es fehlt noch Interpretation:

Schild:  Ausweg – Wahlboykott : da hat jemand gebastelt – das ist kreativ.

Flyer: QR Madgeburger Platz – Vorsicht – falsche Wahl ! : da hat jemand auf den QR-Flyer geschrieben. Das ist nicht kreativ. Im besten Fall eine Notiz. Im schlimmsten eine Warnung. Absurd?

Die Wurstdose steht mit all dem in Zusammenhang: kreativ, absurd.

Schauen wir genauer auf das Pamphlet.

Vier Seiten

Es besteht aus vier Seiten: das ist absurd lang.

Ich gebe Ihnen die Gelegenheit, näher dran zu gehen. Ja, klicken Sie das Bild ruhig an.

Nahe Anschauung

Aha!

Es geht also um die Wahl zum Quartiersrat. Der Unterzeichner sieht eine paradoxe (nicht absurde!!!!) Situation. Deshalb wird er kreativ. Und warnt. Vor der Wahl. Und nicht nur das. Er ruft zum Boykott auf.

Sein letzter Hilfeschrei vor seiner getippten Unterzeichnung: „Da helfen auch nicht die richtigen Kandidaten.“

Nun, das nenne ich eine absurde Situation. Noch nicht mal die richtigen Kandidaten können bei dieser Wahl den Karren aus dem Dreck ziehen. Da hilft auch keine Kreativität.

Ich bin eine Kandidatin bei der Wahl des Quartiersrats im Magdeburger Platz.

Regine Wosnitza - Stuhl - Quartiersrat

Ich trage einen Stuhl

Ich trage Verantwortung für die Wahlkampagne. Die ist (das werden Sie noch sehen) teils kreativ. Teils bewusst absurd. (Der Titel dieses Artikels entstand übrigens in gastronomischer Zusammenarbeit mit Michael Klinnert. Da gab’s keine Bockwurst.)

Bei unserer Wahlkampagne schicken wir einen Stuhl durch’s Quartier. Damit wollen wir den Menschen, die dem Stuhl begegnen, sinnbildlich sagen – das kann IHR Sitz im Quartiersrat sein. Wir haben damit Ende September begonnen. Das war nicht absurd, das war nass.

Nun wandert der Stuhl durch’s Quartiers.

Stuhlweitsicht

und schaut aus Schöneberg-Nord nach Tiergarten-Süd

Stuhlputzig

und steht

Stuhl ohne Regenkleidung

und wandert

Das weiß auch Rolf Schönfeldt (Unterzeichner des Pamphletes). Er war schließlich bei der letzten Quartiersratssitzung. Er sagte, er wolle zum Wahlboykott aufrufen, denn diese Wahl sei – na ja, so hat er sich nicht ausgedrückt – aber er meinte absurd.

Das sagt Rolf Schönfeldt übrigens schon, solange es den Quartiersrat gibt. Immer periodenweise. Er taucht auf, dann ist er wieder weg, dann kommt er wieder. Und weil der Quartiersrat und alles damit Verbundene für ihn so absurd ist, kandidiert er auch nie für den Quartiersrat.

Kommt von Zeit zu Zeit zu den öffentlichen QR-Sitzungen. Um dann wieder zu sagen, wie absurd alles sei. Bei der letzten dachte er laut darüber nach, aus DEN Töpfen Fördergelder für die seinen Aufruf zum Wahlboykotts (wir wissen jetzt: unendlich viele leere Wurstdosen, Kopierpapier, Uhu) zu beantragen, die er doch so absurd findet. Das mag kreativ (minus und minus = plus) gedacht sein, doch das fanden wir dann absurd.

denkste

Wahlboykott funktioniert nimmer

Gleichzeitig hörte er natürlich, wie wir die ersten Stationen der Stuhlwanderung festgelegten. Die Idee ist, dass der Stuhl an unerwarteten Orten steht, die Leute sich wundern und sich dann die Informationen nehmen. Das wirkt etwas absurd und ist kreativ.

Alsbald stand unser Stuhl im Kiosk Lützowstraße / Kluckstraße. Geschmückt mit unseren Quartiersratsflyern.

Derweil betätigte sich Herr Schönfeldt absurd-kreativ und drapierte dann den QR-Stuhl mit seinen Utensilien. (Bitte drauf klicken, so dass Sie ein vollständiges Bild erhalten. Das ist wichtig)

Danke für's Bild, Recep

Was ist das denn nun?

Dank an Regina Rabiega, die als erste dieses Absurdistan auf QR-Stuhl entdeckte. Wenn Sie in den nächsten Wochen ähnliches sehen, sagen Sie uns Bescheid.

Tja, der Stuhl ist jetzt gerade – das verraten wir nicht. Nur so viel: er wandert weiter. Und die Wahl findet statt.

Wahl zum Quartiersrat Magdeburger Platz

26. November 2010

14 – 19 Uhr

Nachbarschaftstreff Pohlstraße 91

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