Yorck52: Café und Coworking Space in Grün

Von HU Gastblogger Ines Sieland

Die Yorckstraße scheint menschenleer, nur Autos rauschen in Massen an mir vorbei.  Ich bin auf dem Weg zum Yorck52, einem biologisch veganen  Café und Coworking Space, welches im Juni 2010 eröffnet wurde.

Es liegt nur circa fünf Minuten vom S/U-Bahnhof Yorckstraße entfernt. Von außen wirkt es klein und unscheinbar; gegenüber ist eine Baustelle. Dort wird ein Baumarkt mit einem Fußballplatz auf dem Dach und dahinter ein großer Park entstehen.

Yorck52

Ich trete ein. Mein Blick fällt auf eine gemütliche Couchecke und auf eine Vitrine mit leckeren belegten Brötchen, Kuchen und vielen gesund aussehenden Säften. Einige Gäste sitzen hier im Cafébereich vor ihren Laptops, andere unterhalten sich leise.

Im Nebenraum arbeitet jemand an einem großen runden Tisch vor dem Computer. Dies ist der Coworking Space mit circa zwölf Plätzen, einem Bücherregal für die Ablage und einem Beamer mit Leinwand für Präsentationen oder Vorführungen.

Die Atmosphäre ist ruhig und entspannt. Es liegt etwas Friedliches in der Luft. Dies lässt die karge Außenwelt ausblenden. Man kann die Umgebung und Stimmung im Yorck52 auf sich wirken lassen, sich auf sein Gegenüber, die Arbeit oder ein Buch konzentrieren.

Café

„Das Yorck52 steht für schmackhafte, verantwortungsvolle Ernährung. Es ist Veranstaltungs- und Arbeitsort für Menschen, die sich zu gemeinschaftlichen und nachhaltigen Projekten vernetzen wollen“, sagt Birthe Schmidt.

Sie ist 28 Jahre alt und hat zusammen mit ihrem Partner Simon Kowalewski das Yorck52 im letzten Sommer eröffnet. Beide leben selbst vegan und biologisch, so dass ihr Lebensstil in das Konzept eingeflossen ist.
Wir sitzen uns im Coworking Space gegenüber. Sie wirkt offen, entspannt, freundlich und ihre Augen strahlen, wenn sie über ihren Laden spricht.

Nun aber zum Coworking: Was ist das eigentlich? Coworking ist eine neue Arbeitsform, die ihren Ursprung in den USA hat. Der Coworking Space, hier das Yorck52, stellt Arbeitsplatz und Infrastruktur (Drucker, Beamer, Telefon) für Tage, Wochen oder Monate gegen eine Gebühr zur Verfügung.

Die Angebote werden besonders von Kreativen, Freiberuflern sowie Startups angenommen. Diese findet man  im Yorck52, aber es kommen auch Studenten, die an einer Abschlussarbeit schreiben. Es sind Menschen aus dem Kiez, aber auch aus anderen Stadtteilen.

Die Nutzung der Räumlichkeiten ist immer unverbindlich, flexibel und sie bietet zudem die Möglichkeit der Vernetzung. Außerdem gibt es die Option, an Veranstaltungen und Workshops teilzunehmen oder durch die Vernetzung selbst neue Projekte zu realisieren.

Coworking Space im Yorck52

Die flexible Nutzung, Offenheit, Bildung einer wirklichen Gemeinschaft der einzelnen Coworker und die Angebote der Vernetzung durch Veranstaltungen stellen Unterschiede zur Bürogemeinschaft dar.

„Wir wohnen hier im Kiez, wollten etwas zur Lebensqualität beitragen und natürlich einen kurzen Arbeitsweg haben. Wir möchten mehr mit den Menschen aus der Nachbarschaft in Kontakt kommen“, dies sind für Birthe Schmidt die Motive für ihre Standortwahl der Yorckstraße 52. Sie ist gespannt, wie sich der Kiez und die Umgebung entwickeln werden.

Im York52 werden nach der Kernarbeitszeit, die identisch mit den Café-Öffnungszeiten ist, Veranstaltungen, Workshops, Treffen und Projekte realisiert. Montags findet ein Coworking-Brunch zum Wochenstart statt und eine After Hour am Freitagabend lädt zu einem guten Start in das Wochenende ein.

„Es gibt Cafégäste, die ein bisschen irritiert sind, wenn so viele Leute am Rechner sitzen“, sagt Birthe Schmidt. Oft sind die Übergänge zwischen Café und Coworking Space fließend. Das heißt, dass Coworker auch im Café sitzen und es keine richtige Trennung der Räumlichkeiten gibt.

Dies ist sicher ein Kritikpunkt, doch Birthe Schmidt und ihr Team sind offen für die Probleme und Sorgen ihrer Gäste. Nur wenn man miteinander kommuniziert können auch Lösungen gefunden werden.

Gleichzeitig trifft sich jeden Freitagabend die Freie Mediale Stiftung e.V. im Yorck52. Diese bietet alternative Finanzierungswege für Film, Medien, Kunst und Kultur. Nils Sautter ist einer der Mitbegründer dieser Stiftung.

„Die Kombination aus Coworking Space und Café ist im Yorck52 wirklich interessant. Eine vielfältige Nutzbarkeit ist auf dem kleinen Raum gegeben. Für uns ist interessant, wenn wir in direkter Kooperation mit dem Coworking Space gemeinsame Aktionen machen können“, schildert Nils Sautter seine Eindrücke und Beweggründe für die Wahl des Yorck52.

Zudem hebt er eine weitere Besonderheit hervor: „Der Nachhaltigkeitsaspekt mit der Kombination und kompletten Ausrichtung auf bio-vegan ist in dieser Art einmalig unter den Coworking Spaces in Berlin.“

Am 24. März 2011 findet im Yorck52 eine Aktion im Rahmen des Twestivals statt. Diese wird zusammen mit der Freien Medialen Stiftung organisiert. „Das Twestival ist ein globaler Charity-Event, der ursprünglich in twitter ausgelöst wurde“, erklärt Nils Sautter.

Es werden darüber Geld und Klicks für gemeinnützige Organisationen gesammelt. Im Yorck52 wird zu diesem Anlass ein Mikrocontroller Workshop veranstaltet und es wird eventuell auch spezielle Mittagsangebote geben. Die Einnahmen gehen dann an das Projekt wikiwoods.org und kommen so Aufforstungen und Baumpflanzungen zu Gute.

Das Yorck52 möchte den Kunden gegenüber seine Qualität transparent machen. Die Produkte tragen Biosiegel, werden regional eingekauft und die Speisen auf Bestellung frisch zubereitet. Zudem wird das Yorck52 mit Ökostrom betrieben und die Einrichtung hat einen Direktrecycling-Anteil.

„Gäste und Coworker schätzen die freundliche und entspannte Atmosphäre, den nachhaltigen Ansatz, die Möglichkeit inspirierende Menschen zu treffen, sich auszutauschen und Projekte zu planen“, fasst Birthe Schmidt mit einem Lächeln zusammen.

Das Yorck52 bewegt etwas, möchte einen Raum schaffen, damit sich die Menschen entfalten können, tritt  für unsere Umwelt und Gesellschaft ein.

So machen arbeiten und Kaffee trinken gleich doppelt Sinn und Spaß!

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4 Antworten zu “Yorck52: Café und Coworking Space in Grün

  1. Hallo an das Biocafe Yorckstraße 52

    Sie haben ihr Café in einem der ersten, nach ökologischen Kriterien modernisierten Altbauten eingerichtet. Es wurde 1988 nach unseren Plänen modernisiert, mit einer mineralischen Wärmedämmung versehen, erhielt neu entwickelte Kastenfenster als Schallschutzfenster und eine Solaranlage, deren Steuerung über Solarzellen funktioniert und drei Jahre ausgewertet wurde. Es wurden nur Materialien eingesetzt, die zu der Zeit als ökologisch verträglich galten.

    Die WIR Wohnungsbaugesellschaft war sehr stark in diesem Pilotprojekt engagiert. Es war eingebettet in einen ökologischen Sanierungsplan für die Blöcke 86 – 88 in Berlin Schöneberg.

    Bei Interesse an mehr Informationen bitte ich um Rückmeldung.

    Mit freundlichen Grueszen
    R. P. Groszmann

  2. Das liegt nicht fünf Minuten entfernt von S+U-Yorckstraße, sondern nur EINE Minute (ich war schon öfters da).

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