Ein Café positiver Art

Von HU-Gastblogger Nico Januszewski

Von außen ist es unscheinbar, das Café in der Bülowstraße 9. Wenn man nicht weiss wo es ist, läuft man daran erstmal vorbei. Durch den Flur kommt man hinein in einen großen Raum mit Theke und Tischen, hinten in der Ecke ein Klavier an dem jemand spielt. Zwei Menschen sitzen am Tresen und essen frische Pizza, die es heute gibt. Hinter dem Tresen zwei Angestellte, eine von ihnen ist Claudia, sie ist nicht HIV-positiv.

Café-PositHiv2

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Viele der ehrenamtlichen Angestellten und Gäste die hier im Café PositHiv arbeiten sind HIV-positiv oder haben Aids. Seit über 20 Jahren gibt es das Café nun schon. Mittlerweile am dritten Standort. Das Angebot richtet sich in erste Linie an Menschen mit HIV oder Aids.

Claudia arbeitet seit gut 2 Jahren dort, kennt viele Besucher mit Namen. „Ich wollte was mit Aids oder HIV machen, irgendwie irgendwo helfen. Ich habe auch betroffene im Freundeskreis. Ich wollte mich für etwas einsetzen, wofür sich Menschen sonst wenig einsetzen, höchstens am Welt-Aids-Tag. Ich hab dann vom Projekt gehört, arbeitet erst in der Küche, dann auch am Tresen.“ Mit ihren 25 Jahren ist sie die jüngste im Team.

Café-PositHiv1

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An diesem Tag ist wieder eine Menge geboten, wie eigentlich an jedem Tag. Heute gibt es Vegetarisches, Snacks, Erfrischungen. Um 17 Uhr ist Lauftreff, gegen 19 Uhr trifft sich die Kunstgruppe im eigens eingerichteten Kunstraum. Zehnmal im Jahr gibt es die medizinische Reise, wo Ärzte zu speziellen Themen rund um Aids und HIV informieren.

Die Stimmung ist locker, entspannt. Viele kennen sich. „Manch einer ist jeden Tag hier. Einige kommen an den immer gleichen Tagen, in der Woche oder im Monat.“ Gegen Ende des Monats, wenn das Geld knapp wird, ist es meist ein wenig leerer. Voll wird es zu den großen Abendessen wie Mittwochs oder Freitags. Einige kommen nur zum Essen. Es ist eben gut und günstig.“

Richtig voll ist es immer, wenn der Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz in das Café kommt.“ Dann gibt es Show und Musik, gute Stimmung und manchmal auch ein Ordens-Benefiz-Gulasch. Generell ist der Besucherstrom wie überall, vom Wetter und von Wochentag abhängig.

Alle die in dem autonomen, sozialen Projekt arbeiten, engagieren sich Ehrenamtlich, ohne Entgeld. Darüber hinaus versucht man über Straßen- oder Parkfeste auf das Projekt aufmerksam zu machen. Spenden sind ebenso  willkommen, wie weitere Helfer, die das im Moment 26-köpfige Team unterstützen wollen, sei es auch nur ein Mal im Monat.

In Planung ist die Zusammenlegung des Cafés mit der Berliner Aidshilfe e.V.Ich denke das wird dem Café wieder einen Schub geben. Es wäre schön wenn mehr Leute auf das Café-PositHiv aufmerksam werden,“ sagt Claudia und klingt ein wenig nachdenklich. Sie muss gleich wieder Pizza machen. Die Nachfrage ist groß nach Pizza und Unterstützung, nach einem offenen Ohr und einem netten Gespräch hinter der unscheinbaren Tür auf der Bülowstraße.

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