Die kleine(n) Kneipe(n) in unserer Straße…

Geschrieben von Tanja

Bierdurstigen mangelt es an Gelegenheiten in der Potse nicht. Doch was und vor allem wer verbirgt sich hinter den magischen Toren? Ich wollte es genau wissen und testete 2 Spelunken. Etablissements, in die ich vielleicht aus freien Stücken nicht eingekehrt wäre, aus Angst vor einer Überdosis Schlager und Fußball.

19:15 Uhr

Ein Montagabend im verschneiten Januar. Mit einer guten Freundin treffe ich mich an der Kurfürstenstraße. Erhobenen Hauptes bPuschel's Pubetreten wir Puschels Pub.

Direkt zwischen Kurfürstenstraße und Pohlstraße gelegen, ein wahrer Magnet für alle, die aus diversen Gründen noch nicht nach Hause wollen – oder gerade von dort kommen.

Eine Rauchwolke erschwert uns den Weg zum fast leeren Tresen. 2 ältere Herren am Tisch nahe des Eingangs schauen kurz auf, diskutieren jedoch gleich weiter, nippen am Bier, entzünden ein weiteres Lungenbrötchen. Im hinteren Bereich zwei weitere Herren, die selbiges tun.

Der hagere Kellner fragt uns indirekt nach unserem Getränkewunsch, indem er uns ein wenig desillusioniert in unsere Gesichter sieht. Wir bestellen Bier (ich weiß bis heute nicht, welches es war) und warten 7 Minuten. Feine Krone. Stößchen.

Puschels Decke ist beEs geht doch nichts über eine perfekte Krone!hangen mit bestimmt 1000 Fußballschals und auch sonst kann man allerlei belustigende Objekte finden. Ein Eichhörnchen (hoffentlich kein Präparat?), welches ein Schnapsglas gleich einer Nuß in den Pfoten hält, Bilder deren Gesichter und Gilb Geschichten erzählen.

Ich frage den Barkeeper nach Puschel.

Klar gibt’s den noch. Vorgestern war er jedenfalls noch hier.“

Seit 1989 fließt hier Gerstenschorle aus dem Hahn. Ohne Puschels Pub wäre der Kiez auch nicht das was er ist. Wer hier aber sein Bier trinken darf und wer nicht, wird vom Personal entschieden. „Krawallmacher“ sind nicht erwünscht. Puschels Pub ist eine Stammkneipe, keine Frage. Und wer, weil er es zuhause nicht kann, den ganzen Tag Fußball gucken will, kommt zu Puschel.

Nachdem wir uns noch etwas umsehen und kleine, scherzhafte Nichtigkeiten mit dem Kellner ausgetauscht haben, zahlen wir jeder 2,60 EUR für unsere Hopfenkaltschale und entschwinden dem blauen Dunst, auf der Suche nach einem neuen Vergnügungspalast.

20:10 Uhr

Gleich um die Ecke finden wir die Pohl Bar. Ein Lokal, dass erst seit circa einem Jahr in seiner jetzigen Form existiert. Durchs Fenster sehen wPohl Barir zwei Leute am Spielautomaten. Die weiße Holzverkleidung und die etwas fehlplazierte Diskokugel schaffen ein weniger romantisches, jedoch sehr amüsantes Ambiente. Die Aschenbecher erfüllen nicht nur Ihren eigentlichen Zweck, sondern dienen ausserdem als Trinknapf der frühlingshaften Hyazinthen.

Die Tresenkraft begrüßt uns freundlich, als wir auf der Bank zwischen Bar und Fenster Platz nehmen.

Ich bin die Chrissie und wer seid ihr?

Grelle Farbkombinationen und weißblonde, zerzauste Haare zieren Chrissie, die sogleich alle Getränke aufzählt, die es hier gibt. Wir bestellen zwei große Biere und die blonde Bierfee zapft und quasselt fröhlich über Gott und die Welt, ihre Arbeit und die Gäste von gestern. Nach ein paar Minuten in der Pohl Bar haben wir den Eindruck, sie bereits ewig zu kennen.

Das Pärchen zockt noch ein wenig am Spielautomaten und geht dann, nachdem sie uns 17 Credits in der Musikbox schenken. Wir ergreifen unsere Chance – als einzige Gäste – und spielen Djanes.

Ein weiteres Pärchen betritt den Raum. Aha, Wiederkehrende, denke ich mir, als sie meinen, dass sie nach einer Bar-Odyssee doch lieber hierher zurückkehren. Chrissie verteilt gut gelaunt kleine Schüsselchen mit Flips und Chips.

21:33 Uhr

Der nette junge Mann, von dem wir erfahren, dass er nur zu Besuch in Berlin weilt, spendiert all2 Flensi und 2 Hyazinthen bitte!en eine Runde Jägermeister. Das zweite Bier wartet schon. Seine Freundin tanzt ausgelassen zu Michael Jacksons „Black or white“ und wirft dabei fast die kuriose Schaufensterpuppe in der Ecke um.

22:22 Uhr

Wir sagen Chrissie, dass wir ja eigentlich noch in ein anderes Lokal wollten, doch ihre treuen Augen sehen auf einmal so traurig aus, dass wir unseren Ursprungsplan verwerfen und ein drittes Bier betellen. Draussen schneit es. Da möchten wir auch nicht raus. Nicht wenn man hier Liveberichte von Tina-Turner-Konzerten bekommt. Chrissie heißt jetzt Herzchen.

23:15 Uhr

Nachdem unsere neuen Freunde bereits gegangen sind, gehen auch wir. Die Rechnung bleibt überschaubar, denn die Sparmaßnahme immer das Größte Bier zu betellen bewährt sich überall. Herzchen sagt, dass sie jetzt auch Feierabend macht. Wir kommen auf jeden Fall mal wieder.

Fazit: Wider Erwarten haben uns beide Lokale gut gefallen. Mit einem aufgeschlossenen Grundtenor hat man gute Chancen in beiden Kneipen einen netten Abend zu verbringen.

Und weil es so schön war:

 

 

 

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