Macht ihn schön den Magdeburger Platz!

Von HU-Gastblogger Lukas

Trostlos und verlassen“ beschreibt Luisa den Magdeburger Platz, als sie ihn zum ersten Mal besucht. „Wie als würde man in einen verlassenen Vergnügungspark einbrechen“.

Lars findet der Platz ist „erstaunlich ruhig“ im Gegensatz zu der belebten Umgebung wie die Potsdamer Straße oder die Kurfürstenstraße. „Wie als hätte man dort ein Stück Stadt einfach vergessen durch den Trubel außen herum.“

Beide studieren Landschaftsarchitektur an der TU in Berlin, Lars im Master und Luisa im Bachelor. Die Umgestaltung des Magdeburger Platzes ist bei beiden Kernthema ihrer Abschlussarbeit. Ich treffe mich mit ihnen im Café Nero in der Volkswagen Universitätsbibliothek, um mehr über ihre Arbeiten zu erfahren.

2015 wurde ein Zaun ringsum den Magdeburger Platz errichtet. Grund dafür war eine erhöhte Verschmutzung, bedingt durch die Prostitutions- und Drogenszene.

Durch eine Bürgerinitiative gelang es ein Jahr später, den Platz mit Schließzeiten wieder öffentlich zugänglich zu machen. Der Wunsch bei den Anwohnern nach einer Umgestaltung des Platzes war hoch und man wandte sich an verschiedene Universitäten mit der Bitte um möglichst innovative Konzeptideen.

Unabhängig voneinander beschäftigten sich Lars und Luisa mit dem Platz und entwarfen mehrere Konzepte. Ein praktischer Entwurf am Beispiel eines realen Raumes ist Gang und Gäbe im Studium der Landschaftsarchitektur. Grundlegend für die Ausarbeitung der Konzepte ist eine Analyse gewesen. „Was fehlt denn? Ein Spielplatz? Ein Park? Momentan wird der Magdeburger Platz nicht angenommen und Bürgerwünsche werden nicht berücksichtigt“, stellt Luisa fest. Sie sagt, dass der Straßenstrich rund um die Kurfürstenstraße die nächsten Jahre bestehen bleibt. In ihrem Konzept greift sie das Problem auf und entwirft sogar eine Ecke für die Prostituierten. „Es wird sich immer irgendwohin verlagern“, behauptet Luisa.

Präsentation Luisa        Copyright: Lars Schobert

Sogenannte „Verrichtungsboxen“ plant sie mit ein, ähnlich wie eine Citytoilette, aber in der Ausstattung dementsprechend der Prostitution angepasst. Wie genau das aussehen soll oder kann weiß sie selbst nicht, „das ist auch nicht die Aufgabe einer Landschaftsarchitektin“, sagt sie augenzwinkernd. Natürlich ist ihr bewusst ist, dass sich die Mehrheit der Anwohner die Prostitution in einen anderen Kiez wünschen.

Lars geht die Sache anders an. Er findet der Straßenstrich sollte sich nur entlang der Kurfürstenstraße orientieren. Er entwarf insgesamt drei Konzepte von denen eines nun in der engeren Auswahl ist. Bestandsbäume bleiben erhalten und die jetzige Sackgasse „Magdeburger Platz“ soll in den Platz integriert werden (sieht auch Luisa in ihrem Konzert vor).

Präsentation Lars                  Copyright Lars Schobbert

Ende Februar gab es einen Bürgerworkshop bei der die Konzepte vorgestellt wurden. Circa 20 Bürger diskutierten über pro´s und contra´s. Momentan laufen noch die Ausarbeitungen. Mit dem finalen Entwurf soll es dann zum Stadtteilforum gehen und danach hoffentlich zu höheren politischen Instanzen . „Es ist toll den Anwohnern das Potential ihres Freiraums aufzuzeigen. Selbstverständlich bietet es auch die Möglichkeit die angesprochenen Schwachstellen nochmal zu prüfen. Die Weiterführung in die Politik ist sehr selten und freut mich sehr.“, sagt Luisa.

Es geht darum, auf das Projekt aufmerksam zu machen, das Konzept soll erste Wünsche zeigen und ein Anstoß an die Politik sein “, sagt Lars.

Beide Konzepte sind umsetzbar aber wahrscheinlich zu teuer für Berlin“, fügt Luisa hinzu. Der Kostenfaktor hat eine untergeordnetere Rolle bei der Planung gespielt. „Lieber erst groß denken und dann bei Bedarf reduzieren, somit hat man eine bessere Verhandlungsgrundlage“, meint Lars. „Dennoch nicht utopisch einen 40 meter hohen Turm oder so bauen.“ Luisa fügt hinzu: “Grenzen austesten ja, aber so das man es realistisch umsetzen kann.“

 

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität.

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