Auf den Spuren der Salons der 20er

von Gastbloggerin Angelina

Auf den Spuren der Salons der 20er

Image-0089_hochformatAm Eingang Sandstein –Stuckfassade. Durch die Einfahrt warten weiß verklinkerte Hinterhöfe. In hörbarer Nähe die Potsdamer Straße, die den Feierabend durch Busse und Autos einläutet. Hindurch zum zweiten Hinterhof. In den ersten Stock des ehemaligen Maggi-Hauses. Plötzliche Ruhe. In einigen Ecken hört man noch Leute in dem alten industriellen Haus arbeiten.

So auch Ralph Mayer. Er ist noch in einem Gespräch. Die Tür zum Büro steht offen. Ich sehe einen großen Loft. In einem Regal sehe ich zwischen Diercke Atlas, BGB und der Bibel, Kant und Wagners Tannhäuser, Bücher über das MOMA Berlin, über Stillleben und ein dickes Buch über die Potsdamer Straße. Auf seiner Internetseite beschreibt sich Mayer selbst als: „Bekennender Kunstfan, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat.“

Ein freundlicher Herr mittleren Alters begrüßt mich; leger gekleidet in Jeans und kariertem Hemd. Ralph Mayer ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht mit vielfältigen Schwerpunkten: von Wirtschaftsrecht bis zu Kunst-, Urheber-, Medienrecht. Er hat nicht sein Hobby, sondern seine Leidenschaft zum Beruf gemacht.

In dem circa 65 Quadratmeter großem Besprechungszimmer hängen zur Zeit – noch bis September Bilder der Künstlerin Helga Franz. Er biete Raum für die Kunst und möchte Künstlern der freien Szene eine Plattform bieten. Die Idee entstand schon in seinem alten Büro in der Genthiner Straße, wo er zwei Jahre lang anzutreffen war. Das Büro im alten Maggi-Haus in der Lützowstraße ist sein viertes Büro in Berlin. Der Umzug ist noch ganz frisch. Seit dem 01.07.2014 teilt er sich das Büro mit einem Kollegen, der in der Projektentwicklung arbeitet und für Großprojekte am Bau zuständig ist.

„Das Büro ist kein Zufall.“ Er hat sich mehrere Lofts angesehen und sich über das Büro Gedanken gemacht. Ein Salon der 20er Jahre, so hat sich Mayer es in den Kopf gesetzt. In seinem alten Büro hing auch schon Kunst, aber nicht in diesen Ausmaß. Mit jedem Blick in den Raum wird deutlich, dass sein Konzept aufgeht. An jeder Seite hängen Werke. Sie sind ausgeleuchtet und sprechen für sich. Es wirkt wie eine kleine Galerie. Er könne sich vor Angeboten kaum retten und alles entstehe nur durch Mundpropaganda. Ob er wirklich Werbung dafür machen solle, darüber habe er sich noch keine Gedanken gemacht bzw. sei sich auch noch nicht im Klaren, ob er das wirklich möchte.

Einmal in der Woche können begeisterte Kunstfreunde vorbeikommen. Er möchte einen Salon der 20er Jahre ins Leben rufen. Musik, Wein, Zigarren, Bilder, Installationen, Kunst jeglicher Art. Ein exklusives Privileg, denn er ist freischaffender Rechtsanwalt und sein Kollege lässt ihm viel Freiraum.

Als Sohn einer Galeristin und verheiratet mit einer Musikerin ist Kunst Teil seines Lebens. Ralph Mayer wäre auch gerne Architekt geworden, doch es wurde im davon eher abgeraten. Jetzt ist er seit 14 Jahren freischaffender Anwalt, nachdem er in einem großen Unternehmen gearbeitet hat. Dass auch Kunstrecht zu seinen Schwerpunkten gehört, kommt nicht von irgendwo her. Die Kunst sei an nichts gebunden, Künstler hätten keine Grenzen und das fasziniere ihn. Er will für sich immer etwas Neues entdecken und genauso ergeht es ihm mit der Kunst.

Warum Berlin? Im ersten Semester mit einem alten Volvo unterwegs, besuchte Ralph Mayer einen Schulfreund in Berlin, „der Virus hatte sich festgesetzt“ und er lebt seit 2001 lebt hier. Viele Jahre in Charlottenburg, jetzt in Wilmersdorf. Mayer distanziert sich aber ganz klar von der „Schickeria“ und dem „Schicki –Micki“ Livestyle. Das will er nicht haben. Er mag es bodenständig und ehrlich.

Deswegen auch die Potsdamer Straße, sie sei authentisch. Er geht zum türkischen Frisör, gerne mit Mandanten in die Joseph-Roth-Diele. Er liebt es, anderen das Berliner Leben zu zeigen und das fußläufig zu erreichen sei ein Privileg.

 

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Sommerkurses 2014 “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen”des Career Center der Humboldt Universität.

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