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Kultursensible Pflege – Wie weit sind wir und wo muss noch nachgebessert werden?

Der demographische Wandel geht auch nicht an den Menschen mit Einwanderungsgeschichte vorbei. Ganz besonders die sogenannten Gastarbeiter*innen der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts sind im pflegebedürftigen Alter angekommen und sehen sich mehr und mehr mit Herausforderungen konfrontiert, ihren Bedürfnissen entsprechende Einrichtungen zu finden.

Dieses Thema wird in den unterschiedlichen Diaspora-Gemeinschaften immer wichtiger und „brennender“ diskutiert. Allem Anschein nach scheinen die sogenannten kultursensiblen Angebote die Nachfrage kaum zu decken. Hinsichtlich des zu erwartenden steigenden Bedarfs wollen wir mit zwei Expertinnen dieses wichtige Thema erörtern und diskutieren. Wie sieht kultursensible Pflege aus? Wieviel Angebote müssen noch geschaffen werden? Wie ist die aktuelle Gesetzgebung hinsichtlich des Faktors Kultursensibilität zu bewerten? Wie wird die weitere Entwicklung in dem Sektor, auch im Hinblick auf die zu uns gekommenen, geflüchteten Menschen, gesteuert werden müssen? Ich wurde von der AG Migration Tempelhof-Schöneberg von Ayten Doğan und Orkan Özdemir eingeladen, um diese und weitere Fragen am 04. April 2017 beim Treffen im Huzur zu besprechen.

Kultursensible Pflege
Aus „Gastarbeitern“ werden Migranten, die nun in ihrem Alter, wie viele, pflegebedürftig sind. Aufgrund ihrer Herkunft, stellt dies jedoch für das Pflegepersonal eine große Herausforderung dar, denn sie müssen immer öfter kulturelle, religiöse und spirituelle Wünsche des zu Pflegenden berücksichtigen. Hier ist die Kompetenz und die Toleranz des Pflegenden gefragt. Es kann sein, dass Sie mit den Wünschen vielleicht nicht so gut vertraut sind. So kann es passieren, dass es zu Missverständnissen kommt, welche die Pflege behindern. Dies kann bei einem Migranten auch ein Gefühl der Diskriminierung hervorrufen. Darum muss kultursensibel gepflegt werden, doch dies ist leichter gesagt, als getan. Es ist wichtig zwischen Kultur, Religion und Nationalität zu unterscheiden, denn beispielsweise ist nicht jeder Türke automatisch Moslem.

Mit der Zeit wurden bereits Fortschritte für eine Bessere Umsetzung gemacht. Migranten werden mehr und mehr in Pflegekonzepte einbezogen. Es werden Pflegekräfte mit Migrationshintergrund eingestellt, die wertvolle Erfahrungen mitbringen und somit auch eine würdevollere Betreuung und Pflege ermöglichen.

SPD Bundestagabgeordnete Mechthild Rawert erklärt, dass es nicht reichlich genug Untersuchungen zu den Kulturkreisen gibt, was eine große Aufgabe ist, um erst einmal die „kultursensible Pflege“ zu verstehen und umsetzen zu können. Wie ist das Familienverständnis? Wie sieht es mit der Männer-/ und Frauenrolle aus? Es kann kein allgemeingültiges Konzept zur Pflege und Betreuung geben.

Eine wachsende Zahl von Altenpflegeeinrichtungen möchten sich migrations-, kultur- und religionssensibel aufstellen. Es wird an einer Projektplanung gearbeitet die unter anderem die Personal-, Qualitäts- und Organisationsentwicklung umfasst. Maßnahmen sollen anschließend in die Strukturen eingebaut und beständig gemacht werden.

 

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität.

Privates und öffentliches Spielen in der Großgörschenstraße

Von HU-Gastblogger Falk

In Berlin gibt es zu wenig Spielplätze, heißt es. Wie ist die Situation in der Großgörschenstraße?


Am Straßenanfang gibt es einen Spielplatz. Ach echt ? Ja, auf dem Dach eines Lidl Supermarkts befindet sich ein selten genutzter, privater Spielplatz, der nur den direkten Anwohnern zur Verfügung steht. Ich selbst habe auch versucht den Spielplatz zu betreten. Leider musste ich mich an einem verschlossenen Tor in einer hinteren Gasse geschlagen geben. Ein anderer Weg hat sich mir leider nicht gezeigt.

Am anderen Ende der Großgörschenstraße gibt es einen weiteren Spielplatz. Diesmal sogar einen öffentlichen Spielplatz, welcher auch wenig genutzt wird. Das ist  jedoch kein Wunder, da sich dieser  zur Zeit nicht in bestem Zustand befindet.

Diskussionen und Beschwerden, die zur öffentlichen Nutzung des Spielplatzes auf dem Lidl Dach führen sollten, haben bisher  nicht zu  Ergebnissen geführt. Bei dem anderen Spielplatz ist bereits bei der Planung die Beteiligung der AnwohnerInnen sehr wichtig, denn das Projekt wird vom Quartiersmanagement Schöneberger Norden betreut.

Am 4. April gab es – nach einer Ideenwerkstatt im März – eine Info-Veranstaltung, um die Ergebnisse vorzustellen. Bei beiden Veranstaltungen ging es darum, bei den Umbaumaßnahmen der Spielanlage konstruktiv mitzuwirken.

Wie sieht unser neuer Spielplatz aus ? 
Momentan befindet sich auf dem Spielplatz ein Geodom, sowie eine Anlage mit alten, unbrauchbaren Fitnessgeräten. So hat eine Abstimmung schließlich ergeben, dass von den bisherigen Geräten, sechs Geräte neu beschichtet und umgestellt werden. Zwei Geräte sollen näher an den Geodom gerückt werden. Die restlichen Geräte sollen dann einen Bereich für richtige Sportfreaks bilden. Dabei sollen 4 Fitnessgeräte weiter verwendet werden. Drei neue Kalisthenie Geräte sollen erneuert werden und dauerhaft in den Bestand aufgenommen werden. Somit ergibt sich ein vielfältiges Bewegungsangebot, damit den Erwachsenen beim Aufpassen auf die Kinder auch nicht langweilig wird.

Falls die Erwachsenen doch lieber nur zusehen wollen, wie  ihre Kinder abschwitzen, ohne selbst auch nur eine Schweißperle zu verlieren, können diese auch ganz einfach Platz auf den Hockerbänken nehmen, welche neu gebaut werden. Damit  der durch die Fitnessgeräte umgeräumte Platz gut genutzt wird und man von den Bänken aus keine Langeweile bekommt, wird gleich daneben eine Tischtennis-Platte gebaut. Diese kann  optional auch als Tisch fungieren. Zusätzlich soll am Eingangsbereich hinter dem Zaun ein weiterer Sitzbereich entstehen.

Graffiti auf dem Spielplatz
Eine weitere interessante Neuerung ist es, dass die umliegenden Mauern, welche dem Bezirksamt gehören, zukünftig für  Graffiti  verwendet werden dürfen. Die Mauern sind zwar jetzt schon voll gesprüht, aber zukünftig sollen die Mauern eine professionelle Übungswand sein. Hierzu hat sich der gerade mal 350 m entfernte  Graffiti Laden Legacy in der Yorckstraße bereit erklärt, junge, unerfahrene Anfänger bei ihren ersten Sprüherfahrungen zu begleiten. Es geht vor allem darum, gewisse Codex Regeln zu beachten. Beispielsweise wann, ob und wie man ein anderes „Kunstwerk“ übersprühen darf. Außerdem lernen die Teilnehmer auch die richtige  Entsorgung der Sprühdosen und weitere Umgangsregeln.

Ausblick
Im Großen und Ganzen wird gehofft, dass so für jeden etwas dabei ist. Auf jeden Fall wird dann schon mal ein Spielplatz ab Herbst 2018 in vollem Umfang genutzt werden können.Der Bau der Spiel – und Fitnessanlage soll ab Frühling nächsten Jahres starten.

Bild

Falk

Portrait über F. M.
Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Kurses Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen des Career Centers an der Humboldt Universität

 

 

F., sein Leben und er

Mein Name ist D. und ich habe heute die Ehre, F. zu interviewen. ‚Wie kam es dazu?‘, fragen Sie sich sicher. Kurzgefasst: Ich habe den lieben Mann am Eingang unserer Redaktion kennengelernt und wir haben uns nebeneinandergesetzt.

Da ich kurz zuvor mit ihm gesprochen habe, hatten wir die Gelegenheit genutzt um uns ein wenig auszutauschen. Nach einem kurzen Wortwechsel erfuhr ich, dass F., genau wie ich, Informatik studiert.

Zu Beginn hatte mich interessiert, warum F. denn Informatik studiert.

F.: „Weil man gute berufliche Aussichten hat.“

[F. überlegt kurz und sieht sich schnell um]

„Weil Informatik die Welt ist. Selbst hier in dem Kurs haben wir PCs und sind auf sie angewiesen. Sogar das Interview. Ohne die Informatik könnten wir dieses Gespräch mit unseren Handys nicht
aufnehmen.“

An der Humboldt Universität zu Berlin läuft zurzeit in der Informatik die Prüfungsphase. Als ich fragte welche Prüfungen er denn so vor sich hat und wie seine Vorbereitungen laufen, erzählte er mir, dass er dieses Semster eine Menge Module belegt.

Auf meine Reaktion, dass es ganz schön viel sei, antwortete er kurzerhand, dass er damit schon irgendwie durchkommt.

Ich lobte ihn und fragte gleichzeigt, ob er denn viel gelernt habe. Seine Antwort kam kurz: „Nö.“

Aber er erzählte mir, dass er letztes Semester sehr viel geschafft hat und fest davon überzeugt ist, er wird es auch nochmal schaffen. Wenn er so viel Gas gibt, dann wird er es ja sehr eilig haben. Mich hat interessiert, was er denn nach dem Abschluss machen will und wie er sein Geld verdienen mag. Darauf kam eine rasche Antwort und er erzählte mir von künstlicher Intelligenz. Die Robotertechnik in der Industrie findet er sehr spannend. Er hat mir von autonomen Fahren berichtet und er erklärte mir warum wir keine Ampeln bräuchten, wenn alle auf selbstfahrende Fahrzeuge umsteigen.

Er wirkte sehr begeistert und bewies wieder, dass Informatik die Welt ist.

Um etwas von dem Fach wegzukommen, stellte ich ihm die Frage, wie er denn seine Freizeit verbringt.

Der blonde Bursche antwortete, dass er gerne verreist. „Am liebsten in die Sonne.“ Er erwähnte, dass er zur abwechslung auch demnächst Snowboarden geht.

Als dann plötzlich mein Magen knurrte, einigten wir uns, dass wir später gemeinsam etwas essen gehen.

GartenPlausch im Schöneberger Norden

von HU-Gastblogger Uwe

WASSER UND ERDE FÜR DEN SCHÖNEBERGER NORDEN

Graphik: gruppe F

Seit Anfang des Jahres 2017 gibt es den „GartenPlausch“ im Schöneberger Norden. Jeden zweiten Donnerstag im Monat treffen sich KiezgärtnerInnen in der Kiezoase Steinmetzstrasse 68, um zu fachsimpeln, sich erste Informationen zu holen oder sich zu vernetzen. Organisiert werden diese Treffen von der gruppe F, die das Projekt GartenAktiv bis Ende 2018 durchführt.

,,Genüssliche Verführungen“
Der Tagungsraum ist ansprechend mit kleinen lukullischen Genussmöglichkeiten, wie verschiedenen Keksgebäck,  schmalen Käsestangen, Kaffee und Tee, Wasser und Saft  ,,verführerisch“ ausgestaltet worden. Bereits jetzt vermittelt sich mir hier eine angenehme fast heimische Atmosphäre. Da mir noch etwas  Zeit bis zum Beginn der Veranstaltung bleibt, spreche ich kurz mit Frau Walther: ,,Die gruppeF hat ja einige Projekte in Berlin, an denen sie organisatorisch beteiligt ist, es sind momentan 3 gärtnerische Projekte  wie u.a. das Projekt Brunnengärten im Weddinger Brunnenviertel sowie ein weiteres Gemeinschaftsgarten-Projekt in Staaken.“

Der Sitzungsraum füllt sich gegen 17 Uhr sehr rasch, der Andrang ist so groß, dass die vorhandenen Sitzgelegenheiten zu Beginn der Veranstaltung nicht ausreichend sind. Mehr als 15 Personen – Anwohner und ehrenamtlich Aktive – nehmen an dem Gartenplausch teil.

150 grüne Orte im Schöneberger Norden – kartiert von der Gruppe F für das Projekt Gartenaktiv

Unter den Anwesenden sind auch zwei Mitarbeiterinnen der  Gewobag MB, die für den dortigen Bereich im Schöneberger Norden als Wohn/Hausverwaltung zuständig sind. Zum einen  ist es Frau Silke Jensen, von der Mieterberatung der Gewobag, zum anderen ist es Frau Brigitte Naumann, die zuständige Kundenbetreuerin  der Gewobag für diesen Bereich des Schöneberger Nordens.

Das heutige Hauptthema lautet: Wasser sammeln /gewinnen mit der Gewobag und der gruppe F

Nach den gemachten Erfahrungen der letzten Jahre mit einer, immer wieder aufkommenden Wasserknappheit in warmen Sommermonaten ist seit längerem der Wunsch der Anwohner präsent, für die Pflege von Hoch-Beeten und sonstigen Grünpflanzen und Gemüseanbau,  alternative Bewässerungs-und Wassersammlungsmöglichkeiten zu entwickeln bzw. neue Möglichkeiten nachzufragen. Dabei geht es heute konkret um die Aufstellung von ,,Regenwassertonnen“.

Entstehende Problematiken
Hier treten sogleich erhebliche Probleme auf. ,,Die Gewobag hat mit dieser Art von Projekt noch relativ wenig Erfahrung,“ bemerkt Brigitte Naumann. ,,Auch muss die technische Machbarkeit und die Wartungsverantwortung für diese Wassertonnen für die Erfordernisse der Gewobag –Hausverwaltung sicher gestellt werden.“

Zu beachten ist hierbei unter anderem, dass die Regen –bzw. Wassertonnen nach oben hin nicht offen sein dürfen, da darin dann kleine Kinder verunfallen könnten. Auch müssen diese Tonnen auf versickerungsfähiger Fläche stehen und mit einem Fallrohranschluss an der Hauswand angebunden sein.

Klar, dass die Gewobag generell bereit ist, zur Aufstellung von Wassertonnen. Voraussetzung ist jedoch auch die technische Machbarkeit und das Sicherstellen, wer für die Wassertonnen verantwortlich sein wird. Eine Veranstaltungsteilnehmerin fragt nach, ob die Wassertonnen auch vor dem Haus auf dem Bürgersteig stehen könnten? Die Antwort erfolgt prompt, dass die Aufstellung von Regen-oder Wassertonnen auf der Straße durch die Gewobag aufgrund der Sicherungspflicht im öffentlichen Straßenraum und der erhöhten Vandalismusgefahr keine Zustimmung erhalten kann.

Wasser marsch?
In der Gruppe beginnen nun Diskussionen über die Möglichkeit der Installierung von Wasserhähnen an den Gebäudewänden. Leider sind auch hier die technischen Voraussetzungen nicht unerheblich. Frau Naumann von der Gewobag weist daraufhin, dass bereits viele existierende Wasserhähne zurück gebaut werden mussten.

Gemeinsam mit den ExpertInnen von der gruppeF werden dann weitere Informationen gegeben. Bei der Nutzung von Außenwasserhähnen am Haus müssen diese mit einem notwendigen Wasserrücklaufstopp ausgestattet sein, aufgrund der Legionellen–Gefahr. Denn bei „toten Ecken“ im Wassersystem, wo abgestandenes Wasser verbleibt, besteht die Gefahr, dass sich diese gefährlichen Bakterien bilden. Das Wasser muss also immer im ,,Fluß“ sein. Ein Rücklaufstopp ist notwendig. Auch wird der Einbau von Wasserzählern empfohlen, denn sonst werden die Kosten für’s Blumengießen auf die gesamte Hausgemeinschaft umgelegt. Die entsprechenden Kosten für die regelmäßige Wartung müssten von der gärtnerisch aktiven Nutzergruppe getragen werden.

Ein Teilnehmer stellt resümierend fest, dass die Gewobag generell zum Aufstellen von Regenwassertonnen bereit, soweit die technische Machbarkeit und deren Verantwortung für die Tonnen sicher gestellt werden kann. Die Vertereterinnen der Gewobag und der gruppeF versichern, dass sie diesbezüglich in Kontakt bleiben werden, um die Modalitäten zu klären. Alle Beteiligten sind daran natürlich interessiert und wollen selbst auch am Ball bleiben. Das Thema des effektiven Wassersammelns wird weiterhin ein wichtiger Gesprächspunkt bleiben.

Neben ein paar kleineren anderen Thematiken kommt es zu einem weiteren für mich interessanten, überraschenden, weil nicht angekündigten  Thema: Der Beschaffung und Verwendung von Pflanzenerde. Aber! Wer braucht denn jemals so viel Erde?

Einige der Teilnehmer erwähnen zu Beginn: Den groben Kompost, der aus Grünschnitt des Straßen- und Grünflächenamtes hergestellt wird, kriegen wir ja unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Qualität reicht aber nicht für den Anbau von Nutzpflanzen aus. Letztes Jahr hatten wir ja bereits einen größeren Umfang an Erde aus Aktionsfonds-Mitteln erhalten.“

Lieferung von 5 Tonnen Erde auf einem nur 3,5 Tonnen  tragenden LKW
,,Es wurden uns ja im letzten Jahr  mit einem 3,5 Tonnen LKW  ganze 5 Tonnen zu verwendende Erde geliefert,“ merkt ein Veranstaltungsteilnehmer an. Ich bin ziemlich beeindruckt von der angegebenen  Menge und kann mir nur sehr schwer vorstellen, wie diese Massen an Pflanzenerde Verwendung finden können. Und ob nun wirklich so viel Erde verbraucht werden kann?

Kurz darauf werde ich jedoch diesbezüglich von zwei Anwesenden eines Besseren belehrt: ,,Zu Beginn dachten wir, es sei uns sehr viel Erde geliefert worden,“ sagt eine Gärtnerin. Doch dann sei es doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen.

Neuer Bedarf für 2017: Ganze 15 Tonnen Erde!!
Diesmal liegt der Bedarf allein für diese Initiative locker bei circa 15 Tonnen Erde für das Jahr 2017. Das bedeutet 300% Mehrbedarf, gar nicht schlecht! Im Anschluss wurden von den anwesenden Gärtnern bereits Wünsche für die diesjährige Oberboden-Lieferung an das Projekt GartenAktiv gesammelt. Als spätester Liefertermin für die Erde wurde der 12.05.2017 genannt.

Auch gab es an diesem Diskussionsabend noch weitere sehr interessante Themenschwerpunkte, wie das Durchführen von Bodenproben in bestehenden Beeten sowie die Qualität der gelieferten Erde. Viele Gärtner wollen wissen, ob der Oberboden ,,schadstoffbelastungsfrei“ für den Gemüseanbau verwendbar ist oder aber wie man auch die Herstellung von hochwertiger Pflanzenerde selbstständig in Angriff nehmen kann, z.B. durch das sog. „Kon-Tiki“ System.

Ebenso wurde angesprochen, in wieweit es Pflanzenarten gibt, die wenig Pflege und Wasser benötigen wie z.B. Steppengräser, Lavendel oder auch spezielle Züchtungen. All diese Themen werden zu einem am 13. April beim nächsten GartenPlausch aufgegriffen.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Cnters an der Humboldt Universität zu Berlin.

Uwe

Vom Schreibtisch in den Seminarraum: Der gebürtige Tempelhofer Uwe hat jahrelang im öffentlichen Dienst gearbeitet, wollte aber immer gerne studieren. Was zunächst nur eine Idee war, ist letztendlich zu einem Bachelorstudium 
der Kulturwissenschaften  und Geschichte an der Humboldt Universität zu Berlin geworden.
Hierbei zeigt er sich ambitioniert: Sobald er die letzten Kurse seines Bachelorstudiums in der Tasche hat, will er noch einen Masterstudiengang absolvieren. „Die Kurse sind so interessant, ich will unbedingt weitermachen!“ Aber bevor das soweit ist, schnuppert Uwe erst einmal in den Online-Journalismus hinein und belegt einen Kurs, in dem er Recherchieren und Bloggen lernt.
Das ist ja das Gute an der Uni: dass man sich ausprobierenund neue Ideen verwirklichen kann. Und Ideen gehen Uwe nie aus. Er ist immer optimistisch und liebt es, Zukunfstpläne zu schmieden. Gerade träumt er davon, während seines Masterstudiums ein Semester im Ausland zu verbringen,„am liebsten in den USA“. Er ist bereits mit dem Wohnmobil durch die Staaten  gereist und war von der Schönheit des Landes begeistert. Besonders fasziniert haben ihn die weiten, unendlichscheinenden Straßen. „Wenn ich daran denke, mit einer Harley über die Highways zu fahren – das will ich unbedingt nochmal machen!“ sagt er und lächelt. 
Am Wochenende lässt Uwe es gern entspannt angehen und schaut sich Filme oder seine aktuelle Lieblingsserie „The Walking Dead“ an. Zombies und Zombiefilme findet er spannend – am liebsten würde er sogar seine bald anstehende Bachelorarbeit über die kulturwissenschaftliche Bedeutung der auferstandenen Toten schreiben. „Was der Prof wohl dazu sagen würde?“ Hoffentlich ja! 

„Verooonika, der Bagger ist da“ – Familiengarten Kluckstraße in Not

Von HU-Gastbloggerin Kaya

Vorabmeldung: Am Donnerstag, den 14. April zwischen 10 und 16 Uhr wird auf dem Gelände gegärtnert bzw sind GärtnerInnen dabei, das Grün vor dem Baggern zu retten. Wer dabei helfen möchte, geht am besten direkt dorthin und packt an, wo es etwas zu tun gibt. 

Es ist ruhig, dafür, dass wir uns mitten in Berlin befinden. Der Familiengarten in der Kluckstraße ist ein kleines grünes Idyll. Am Zaun hängen Schilder mit Aussagen wie „Wir gärtnern ohne Torf.“ Da juckt mein nachhaltig interessiertes Näschen und ich tauche ab ins langsam aufblühende Grün und lasse die Großstadt hinter mir. Nichts scheint diesem Ort etwas anhaben zu können.

Aber Pustekuchen!
Demnächst soll eine Baustellenzufahrt durch den Garten führen. Eine Teilfäche wurde bereits gerodet, wobei quasi über Nacht der Kompost verschwunden ist. Das ist alles andere als idyllisch und frühlingshaft! Andererseits: Ein bedrohter Garten ist zwar weniger idyllisch, verdient es aber umso mehr, dass man über ihn schreibt.

Gemeinsam mit unzähligen anderen großen und kleinen Nutzern des Familinengartens wurden die einzelnen Holzlatten einen Sommer lang individuell bemalt.

Im Frühjahr 2010 begann das Projekt wachsenlassen den Gemeinschaftsgarten in der Kluckstraße aufzubauen. Seitdem ist viel gepflanzt, geerntet, gebangt und gelacht worden. Ausschlag für einen wichtigen Meilenstein war die Meinungsverschiedenheit mit den Wild-Kaninchen über den Gemüsegarten, woraufhin 2012 ein kunterbunter Lattenzaun gebaut wurde.

Kindergartenkinder und Auszubildende eines Sägewerks hobelten, sägten, schliffen und malten gemeinsam. „Der Zaun ist beispielhaft für unsere Art zu arbeiten„, erklärt mir Gabriele Koll. Wie bei allen Belangen war es ihr als Projektleiterin und allen Beteiligten wichtig, auf möglichst nachhaltige Weise vorzugehen. Das Holz für den Zaun stammt aus einheimischen Berliner Forsten und wurde nicht nachträglich mit chemischen Mitteln behandelt.

Die Baustelle
Das Kiezzentrum ‚Villa Lützow‚, auf dessen Gelände sich auch der Familiengarten befindet, soll schon seit langem saniert und ausgebaut werden. Eigentlich eine tolle Sache. Ursprünglicher Baubeginn sollte der 01.01.2016 sein; seitdem steht das Haus leer. Die unterschiedlichen Träger wie Gladt e.V., KomBi Kommunikation und Bildung, der Stadtteilverein Tiergarten, FiPP e.V. oder auch KIDZ e.V. mussten sich damals – teilweise in anderen Bezirken – neue Bleiben suchen. Bis Februar diesen Jahres wusste niemand, wie lange sich der Baubeginn noch verzögern würde. Nun soll es am 01. Mai losgehen. Und die Baustellenzufahrt soll genau durch den Gemeinschaftgarten führen.

Am Rande der gerodeten Fläche, da, wo zuvor der Komposthaufen war, liegen jetzt nur noch die Holzpaletten, die den Kompost vorher umgrenzt haben.

Vor ca. drei Wochen haben wir plötzlich entdeckt, dass ein Teil des Garten gerodet wurde. Der schöne Kompost, der dieses Jahr endlich einsatzbereit gewesen wäre, ist verschwunden,“ erzählt mir Gabriele Koll als wir auf der trostlosen braunen Erde stehen, die vor Kurzem noch von Büschen bedeckt war.

Mitglieder des Stadtteil-Forum Tiergarten-Süd waren entsetzt und verfassten Ende März einen Protestbrief an Carsten Spallek, Stadtrat für Schule, Sport und Facility Management: Mit Entsetzen haben die Projektleitung und das Stadtteilforum festgestellt, dass unabgesprochen großflächige Rodungsarbeiten auf dem Gelände für die Bauvorbereitungen durchgeführt und dabei bereits wichtige Flächen und Arbeiten des Projektes zerstört wurden. … Grundsätzlich halten wir es für unbedingt notwendig, dass die Planungen für die Baumaßnahme mit den Trägern vor Ort abgestimmt werden. Damit wurden 2009/2010, als der Familiengarten unter Federführung des Grünflächenamtes angelegt wurde, sehr gute Erfahrungen gemacht. … Das Stadtteil Forum wendet sich daher entschieden gegen die aktuelle Vorgehensweise, die die Arbeit im Familiengarten übermäßig behindert oder sogar zunichtemacht. Wir haben daher einen Lösungsvorschlag erarbeitet, der den Erhalt der Gärten sicherstellt und gleichzeitig eine ungehinderte Baustellenzufahrt ermöglicht. (der gesamte Brief als pdf download)

Aus dem Büro Spallek kam nach einer Woche lediglich die Information, der Brief sei an den Leiter des Facility Managements weitergeleitet, da dieses für die Organisation des Bauvorhabens zuständig sei.

Ob der Vorschlag des Stadtteil-Forums für eine alternative Baustellenzufahrt beim Facility Management abgewogen wurde, ist bis dato nicht bekannt.

Auch das Jugendamt Mitte engagierte sich noch einmal für alternative Pläne, trug noch einmal Bedenken vor, wurde jedoch auch nicht gehört. Es scheint, dass unbedingt am Baubeginn Anfang Mai festgehalten werden soll.

Umsetzaktion: Rettung oder Illusion?
Eine Übergangslösung für die zwei Jahre, in denen gebaut werden soll, wäre eine teilweise Umsiedlung des Gartens. Allerdings weiß niemand genau, wann die Zufahrt errichtet werden soll. In drei Wochen, in einer, morgen? So eine Umsiedlung kostet Zeit und Geld. Beides ist in einem ehrenamtlich beackerten Garten Mangelware. Zudem ist im letzten Jahr die Finanzierung für den Garten ausgelaufen, gemeinsam mit KIDZ e.V. sind Anträge bei Stiftungen und anderen Fördergeldgebern in Planung.

Es müssten ca. 40 Beeren-, Gemüse- und Blumenstauden sowie zahlreiche Gehölze ein neues Zuhause auf Zeit bekommen. Ob die Pflanzen einen Umzug überstehen, bleibt fraglich. Für Pflanzenumsetzungen hätte man sich keinen ungünstigeren Zeitpunkt als Anfang April wünschen können. Zudem müsste der bunte Zaun ab- und wieder aufgebaut werden.

Dass auch das Insektenhotel umgesetzt werden muss, wird den BewohnerInnen vermutlich gar nicht gefallen.

Besonders problematisch wäre auch die Umsetzung des Insektenhotels, dass seit zwei Jahren endlich bewohnt ist: „Die Natur passt sich nicht so einfach an solche Hau-Ruck-Aktionen an.

Bisher gärtnern auf dem Gelände zwei Kindergärten, vier Familien und zwei Einzelpersonen. Diese haben schon bereitwillig Hilfe angeboten und wollen auch während der Übergangsphase im zerteilten Garten weiter mit anpacken, um Stärke und Präsenz zu zeigen.

Leider sind all diese Überlegungen rein hypothetisch, solange es nicht wenigstens eine kleine Förderung für den Garten gibt. Allein mit der Hilfe der ehrenamtlichen Gärtner ist die Versetzung nicht zu stemmen. „Wir bräuchten Erde, Holz und Fachkräfte; das alles kostet“, seufzt Gabriele Koll.

Wie können Sie uns unterstützen, unseren Garten zu erhalten?
Heute, am 8. April, veröffentlicht sie gemeinsam mit KIDZ e.V. einen Aufruf mit Unterstützerschreiben , in dem die Situation geschildert wird und es abschließen heißt:

  • Sich gemeinsam mit uns für eine dauerhafte Finanzierung des Angebots engagieren und dazu auch kreative Ideen entwickeln,
  • uns bei der Rettung von Pflanzen und des kunsthandwerklich gestaltetes Zauns um unseren ‚Bauerngarten‘ tatkräftig unterstützen,
  • uns als Referenz ein Unterstützerschreiben (siehe Rückseite) zusenden
  • uns finanziell mit einer Spende auf folgendes Konto unterstützen:
    KIDZ e.V.
    IBAN: DE 48 1007 0848 0440 3903 00
    BIC: DEUTDEDB110
    Die Arbeit von KIDZ e.V. ist als gemeinnützig und förderungswürdig anerkannt. Spenden und Förderbeiträge sind steuerlich abzugsfähig.

Ausgang offen. Und es bleibt die Frage: Wieso gibt es kein Geld für einen Garten, der zum geplanten Kiezzentrum dazu gehört und nachhaltige Arbeit im Bereich Umweltbildung leistet?

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität.

Biobistro Radieschen

Von HU-Gastblogger Sebastian

Ein Besuch im Biobistro Radieschen in der Pohlstr. 61

Mittagszeit. Zeit für eine gesunde Stärkung! Montag bis Freitag von 9-16 Uhr öffnet das Biobistro Radieschen seine Pforten, um hungrige Büroangestellte, Anwohner und alte Stammkunden gleichermaßen zu verköstigen. Ich durfte mit der Besitzerin Semira Sahyazici über das vegan-vegetarische Konzept ihres Bistros sprechen:

Es ist kurz vor 11 Uhr, die Ruhe vor dem (An)Sturm. Spezialisiert auf den Mittagstisch, findet der Hochbetrieb meistens von 12-14 Uhr statt. Während in der Küche die Vorbereitungen noch auf Hochtouren laufen, beginnen Semira und ich mit unserem Interview. Sie empfängt mich sehr freundlich, alles wirkt hier sehr familiär und vertraut. Noch bevor wir überhaupt zum eigentlichen Interview kommen, fragt sie mich nach meinem leiblichen Wohlbefinden, ob ich nicht gern etwas zu Essen oder Trinken mag und bietet mir einen Powersmoothie an, den ich dankend annehme. Wirklich sehr zuvorkommend und ein Sinnbild für Semiras Ansichten und Überzeugungen, auf die ich im Verlaufe noch zu sprechen komme.

Das Konzept vom Biobistro

Beim ersten Eintreten fällt sofort das große Bild eines Radieschen an der Wand hinter dem Tresen auf. Das Biobistro gibt es in der Form schon länger, damals noch unter dem Namen „Ölweide Bistro“ neben fast gleichnamigen Ölweide Bistro. Semira arbeitete bereits seit der Eröffnung 2010 im Ölweide Bistro, bevor sie es schließlich 2015 unter neuem Namen übernahm. Das Radieschen zierte bereits damals die Wand und so war die Namensgebung für sie ein Leichtes.

„Welche konkreten Schwierigkeiten gab es vor der Eröffnung?“ und Semira entgegnete mir damit, dass anfangs war vor allem das männliche Publikum skeptisch war. So fiel die Frage „gibt es da nicht etwas mit Fleisch?“ wohl öfter als erwartet. Aber ihr gelang es, selbst diese größten Kritiker schnell umzustimmen! „Wir bereiteten auch Gerichte mit Seitan zu, dieser hat einen sehr fleischähnlichen Geschmack“ versicherte sie mir.

Alles biologisch-ökologisch

Das Bistro bot schon immer ein vegetarisches Angebot mitsamt Suppen an, seit Semiras Übernahme wurde es auf vegan erweitert. Die Lebensmittel werden regional von Terra bezogen und nach Möglichkeit auch nur saisonal verwendet (z.B. Rotkohl in der Herbst- und Winterzeit). Backwaren kommen aus der Backstube in der Wassertorstraße in Kreuzberg. Man will damit vor allem die Kleinbauern und regionale Anbieter unterstützen. Es wird darauf geachtet, dass nichts weggeworfen und nicht unnötig viel Abfall produziert wird. Oft bleibt nichts übrig und die Speisen sind komplett ausverkauft. Dafür sorgt die jahrelange Erfahrung von Semira & Co., die genau wissen, wie viel an Essen vorzubereiten ist.

Der USP (unique selling point) ist, dass wirklich alles BIO-Qualität besitzt, bis hin zu den Gewürzen! Das ist hier im Umfeld der Potsdamer Straße wirklich einzigartig. Trotzdem sind die Preise sehr human!

Bei einem Powersmoothie lässt es sich noch angenehmer interviewen

Was gibt es zu essen?

Neben Kaffee und hausgemachtem Kuchen zum Frühstück, die aber auch ganztägig verfügbar sind, den frisch gepressten Säften und Powerdrinks, liegt das Hauptaugenmerk vor allem auf dem Mittagstisch, der zwei täglich wechselnde und frisch zubereitete Tagesgerichte bereit hält. Eines davon ist auf jeden Fall vegan. Die Rezepte sind aus aller Welt inspiriert, weshalb es keine feste Richtung gibt. Ob ukrainischer Bortsch, Rote-Beete-Cremesuppe, Pastinaken-Apfel-Suppe oder italienische Küche, hier ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Wer kommt hier zusammen?

Es ist ein kleiner, familiärer Laden, der Platz für maximal 30 Leute umfasst, wobei bei gutem Wetter noch einmal zusätzlich 20 im Außenbereich Platz finden. WLAN sucht man hier vergebens und zwar ganz bewusst! Vor allem basiert das Konzept darauf, dass sich die Menschen vor Ort treffen, sich unterhalten und genießen. „Die Kunden fühlen sich hier wie zuhause“, es wird geduzt und Semira kennt viele Kunden namentlich, da es sich um Wiederholungsesser handelt. Umso weniger verwunderlich also, das viele das erste Mal auf Empfehlung hierherkommen.

Überhaupt ist das Klientel sehr viel bunter und farbiger geworden, als es vor ein paar Jahren noch der Fall war. „Es ist sehr interessant, wie sich die Potsdamer Straße weiterentwickelt hat und immer noch tut“ stellt Semira fest. Wo früher noch hauptsächlich Anwohner und Weltenbummler kamen, die auch heute noch zu ihren Gästen zählen, finden durch die neuen Galerien und Büros auch immer mehr Künstler, Touristen und viele Englischsprachige den Weg ins Bistro.

Semira würde jedenfalls alles noch einmal genauso machen. Sie ist sehr überzeugt von dem Konzept, da sie sich selbst schon von Kindheit an vegetarisch ernährt. Qualität hat für sie oberste Priorität und man spürt förmlich wie wichtig es ihr ist, „etwas Gesundes und Gutes anzubieten!“.

Deswegen ist sie jeden Tag hier, außer am Wochenende, wo auch geschlossen ist. „Es ist mir sehr wichtig, die Zeit mit den Liebenden zu verbringen. Es ist kein Familienbetrieb, aber die Arbeit ist sehr familiär“. Diese Gedanken übertragen sich auf den ganzen Betrieb und vielleicht werden wir in der Zukunft sogar die Eröffnung eines weiteren Biobistros unter gleichem Namen miterleben?! „Warum nicht, alles ist möglich!“ entgegnet sie mir engagiert.

So bleibt mir am Ende noch zu sagen, dass sich ein Besuch immer wieder lohnt, allein schon wegen der täglich wechselnden Tagesgerichte, oder um mit Semira persönlich zu quatschen, so wie ich es tat.

(Kontakt: semira.sahyazici@googlemail.com)

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität.

Porträt Sebastian

Wo bist du geboren bzw. seit wann bist du in Berlin?
„ Ich bin gebürtiger Berliner, im Ostteil der Stadt aufgewachsen und mittlerweile aber durch zahlreiche Umzüge im Westteil beheimatet. Momentan lebe ich allein, in einer Art Männer-WG mit meinen beiden Katern Ruffy und Puma zusammen.“
Was mögen deine Freunde an Dir, an deinem Charakter?
„ Ich bin offen, selbstbewusst und zielstrebig.“
 
 Dein Aussehen verrät, dass du viel Sport treibst. Ist es dein Beruf?
„ Ich habe einen Bachelor in Fitnessökonomie abgeschlossen und nach einiger Berufspraxis in einem Jahr der Selbstsändigkeit als Personal Trainer noch einmal beschlossen einen Masterstudiengang in Sportwissenschaft ranzuhängen. Ich arbeite also bereits hauptberuflich als Personal- und Fitnesstrainer. Das Masterstudium mache ich eigentlich eher aus Interesse und Spaß am Vertiefen meines Wissens.“
 Wie bist du überhaupt auf Sport gekommen?
„Ich hatte schon seit frühester Kindheit eine Affinität zum Sport. Angefangen hat das mit der Leidenschaft zum Schwimmen im Alter von ca. 6 Jahren. Seitdem kam ich über zahlreiche Zwischenstationen zu meiner jetzigen Sportart CrossFit.“
Was möchtest du auf diesem Weg erreichen?
„Eine eigene CrossFit-Box wäre (m)ein Traum! Auch nehme ich an zahlreichen Wettkämpfen teil, deren Qualifikationen und das viele Training mich neben Arbeit, Uni, Privatleben uvm. immer sehr auf trab halten. Es wird also nie langweilig in meinem Leben ;-)“
Was gibt es in dieser CrossFit-Box, was macht man dort?
„Es ist vom Prinzip her schon ein Fitnessstudio, allerdings mit viel größerem Wert auf Community und weitaus familiärer, als es klassische Studios sind. Man kann sich das Ganze so vorstellen: Wir trainieren in einer Lagerhalle  mit Seilen, Reifen, Langhanteln usw. eine Vielzahl an verschiedenen Disziplinen, in denen es darum geht eine sehr breite und athletische Fitness aufzubauen. Wir spezialisieren uns nicht nur auf einen Aspekt von Fitness, wie es z.B. Bodybuildung tut, sondern genießen und fördern die Vielfalt aller möglichen sportlichen Leistungen. Es ist eine urbane und sehr ursprüngliche Variante eines Fitnesscenters ohne großen Schnickschnack.“
 
Wo siehst du dich in 10 Jahren?
„Ich wünsche mir, dass ich bevor ich 30 werde meine Ziele mit der CrossFitBox realisieren kann. Und privat würde ich mir wünschen, dass meine Freundin und ich ganz lange zusammenbleiben.“
 
Was macht dich sonst noch happy?
„ Essen, gutes und gesundes Essen! Ich koche und backe leidenschaftlich gern und achte sehr darauf, dass mein Essen in Einklang mit meinem Sport steht. Dann liebe ich es, Filme entweder im Kino oder zuhause auf der großen Leinwand zu gucken und natürlich auch Literatur!“ Ich lese sowohl gerne Fachbücher zu Psychologie aber bin auch manchmal ein kleiner Nerd und wechsle zu  Science Fiction wie z.B. Star Wars.“
Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus- Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers von der Humboldt Universität.

Macht ihn schön den Magdeburger Platz!

Von HU-Gastblogger Lukas

Trostlos und verlassen“ beschreibt Luisa den Magdeburger Platz, als sie ihn zum ersten Mal besucht. „Wie als würde man in einen verlassenen Vergnügungspark einbrechen“.

Lars findet der Platz ist „erstaunlich ruhig“ im Gegensatz zu der belebten Umgebung wie die Potsdamer Straße oder die Kurfürstenstraße. „Wie als hätte man dort ein Stück Stadt einfach vergessen durch den Trubel außen herum.“

Beide studieren Landschaftsarchitektur an der TU in Berlin, Lars im Master und Luisa im Bachelor. Die Umgestaltung des Magdeburger Platzes ist bei beiden Kernthema ihrer Abschlussarbeit. Ich treffe mich mit ihnen im Café Nero in der Volkswagen Universitätsbibliothek, um mehr über ihre Arbeiten zu erfahren.

2015 wurde ein Zaun ringsum den Magdeburger Platz errichtet. Grund dafür war eine erhöhte Verschmutzung, bedingt durch die Prostitutions- und Drogenszene.

Durch eine Bürgerinitiative gelang es ein Jahr später, den Platz mit Schließzeiten wieder öffentlich zugänglich zu machen. Der Wunsch bei den Anwohnern nach einer Umgestaltung des Platzes war hoch und man wandte sich an verschiedene Universitäten mit der Bitte um möglichst innovative Konzeptideen.

Unabhängig voneinander beschäftigten sich Lars und Luisa mit dem Platz und entwarfen mehrere Konzepte. Ein praktischer Entwurf am Beispiel eines realen Raumes ist Gang und Gäbe im Studium der Landschaftsarchitektur. Grundlegend für die Ausarbeitung der Konzepte ist eine Analyse gewesen. „Was fehlt denn? Ein Spielplatz? Ein Park? Momentan wird der Magdeburger Platz nicht angenommen und Bürgerwünsche werden nicht berücksichtigt“, stellt Luisa fest. Sie sagt, dass der Straßenstrich rund um die Kurfürstenstraße die nächsten Jahre bestehen bleibt. In ihrem Konzept greift sie das Problem auf und entwirft sogar eine Ecke für die Prostituierten. „Es wird sich immer irgendwohin verlagern“, behauptet Luisa.

Präsentation Luisa        Copyright: Lars Schobert

Sogenannte „Verrichtungsboxen“ plant sie mit ein, ähnlich wie eine Citytoilette, aber in der Ausstattung dementsprechend der Prostitution angepasst. Wie genau das aussehen soll oder kann weiß sie selbst nicht, „das ist auch nicht die Aufgabe einer Landschaftsarchitektin“, sagt sie augenzwinkernd. Natürlich ist ihr bewusst ist, dass sich die Mehrheit der Anwohner die Prostitution in einen anderen Kiez wünschen.

Lars geht die Sache anders an. Er findet der Straßenstrich sollte sich nur entlang der Kurfürstenstraße orientieren. Er entwarf insgesamt drei Konzepte von denen eines nun in der engeren Auswahl ist. Bestandsbäume bleiben erhalten und die jetzige Sackgasse „Magdeburger Platz“ soll in den Platz integriert werden (sieht auch Luisa in ihrem Konzert vor).

Präsentation Lars                  Copyright Lars Schobbert

Ende Februar gab es einen Bürgerworkshop bei der die Konzepte vorgestellt wurden. Circa 20 Bürger diskutierten über pro´s und contra´s. Momentan laufen noch die Ausarbeitungen. Mit dem finalen Entwurf soll es dann zum Stadtteilforum gehen und danach hoffentlich zu höheren politischen Instanzen . „Es ist toll den Anwohnern das Potential ihres Freiraums aufzuzeigen. Selbstverständlich bietet es auch die Möglichkeit die angesprochenen Schwachstellen nochmal zu prüfen. Die Weiterführung in die Politik ist sehr selten und freut mich sehr.“, sagt Luisa.

Es geht darum, auf das Projekt aufmerksam zu machen, das Konzept soll erste Wünsche zeigen und ein Anstoß an die Politik sein “, sagt Lars.

Beide Konzepte sind umsetzbar aber wahrscheinlich zu teuer für Berlin“, fügt Luisa hinzu. Der Kostenfaktor hat eine untergeordnetere Rolle bei der Planung gespielt. „Lieber erst groß denken und dann bei Bedarf reduzieren, somit hat man eine bessere Verhandlungsgrundlage“, meint Lars. „Dennoch nicht utopisch einen 40 meter hohen Turm oder so bauen.“ Luisa fügt hinzu: “Grenzen austesten ja, aber so das man es realistisch umsetzen kann.“

 

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität.

Lukas

von HU-Gastbloggerin Kaya

23 Jahre / Geographiestudent aus der Nibelungenstadt Worms, die er mit den Worten beschreibt: „Worms hat schöne Ecken, sagen wir es so.“ / offen und locker kommt er rüber / seit drei Jahren lebt er in Berlin / das Studienfach ist vielleicht noch nicht ganz das Richtige, aber den Bachelorabschluss packt er noch mit ein / auch wenn der Alltag momentan stressig ist, ändern würde er nichts / „Man streitet sich und verträgt sich und ich liebe sie über alles“, sagt er über seine Familie / ob Piano oder Elektro, beim Musik hören geht ihm das Herz auf / sein Tag startet mit Kaffee (das ist ein Plural!) / Nach seinem Erasmus-Semester in Barcelona hat ihn die Stadt in ihrem Bann und er plant schon die Umsiedlung in die katalonische Hauptstadt, dann kann er endlich wieder auf den Straßen von Eixample wandeln / bei unserem Gespräch an der Spree kam trotz pöbelndem Sitznachbarn – „alles Fotzen“ nuschelt er, als wir uns setzen – auf unserer sonnigen Bank direkt lustige Stimmung auf / nach seinem Bewerbungsgespräch bei Flixbus letzte Woche hat er gemerkt, dass beruflicher Erfolg ihn euphorisch werden lässt / Hobbies? „Klar, Gerätequatsch und laufen“, mit Freunden kochen ist auch dabei / Außerdem reist er gern: „am liebsten lange und weit, aber kurz und nah geht auch.“ / Gefragt nach seiner Lebenssituation antwort er überzeugt: „Ich bereute nichts“.

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Kurses Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen des Career Centers an der Humboldt Universität.