Barbara Krauß: Engagement für den Kiez

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Weltreise auf der Potsdamer Straße

Von HU-Gastbloggerin Janna

Zehn Jahre ist es her, dass Barbara Krauß zum ersten Mal mit dem Fahrrad durch die Potsdamer Straße fuhr und ihr Herz für diesen „lauten und dreckigen“ Fleck Erde entdeckte: Den Rewe-Markt, der ein Huhn aus Brandenburg zum wohl besten Preis-Leistungs-Verhältnis anbietet, das Restaurant Ebe Ano, wo man laut Krauß authentisches nigerianisches Essen bekommt, das Orienthaus, wo man außergewöhnliche Brautmode kaufen kann und so weiter – „Auf der Potsdamer Straße kann man eine Weltreise machen“, sagt Krauß, die heute gemeinsam mit ihrem Mann im Schöneberger Kiez lebt und arbeitet. „Und die Potsdamer Straße ist das Herz Schönebergs: Ein Herz, das unter leichten Rhythmusstörungen leidet“.

 Probleme und düstere Perspektiven

Denn trotz seiner schönen Seiten bringt der Kiez Barbara Krauß manchmal zur Weißglut: Es nerve kolossal, wenn Eltern ihre Kinder „aus Lethargie“ nicht in die Kita bringen. Wenn Hartz IV für Jugendliche die einzige Zukunftsperspektive ist. Wenn Menschen sich darüber aufregen, was nicht gut läuft, aber nichts in ihrem Leben ändern wollen… Und es mache ihr Angst, dass hier im Kiez die Mieten steigen. Dass immer mehr alteingesessene Einwohner wegziehen müssen, an den Rand der Stadt gedrückt werden. Dass der Kiez vielleicht bald eine ganz sterile Ecke sein wird. Vielleicht kann ich mir die Miete hier eines Tages auch nicht mehr leisten.“.

Engagement mit Sachverstand

Deshalb engagiert sich Barbara Krauß im Quartiersrat Schöneberger Norden und als Vorstandsmitglied der Interessensgemeinschaft Potsdamer Straße: Jede Woche besucht sie Stammtische und andere Veranstaltungen, um mit Bewohnern, Gewerbetreibenden und Vermietern Lösungen für Konflikte zu finden, Bauvorhaben zu diskutieren, Straßenfeste zu organisieren. Ihr persönliches Steckenpferd sind dabei alle Fragen rund um Geld und Immobilien: Denn in ihrem anderen Leben betreibt Barbara Krauß gemeinsam mit ihrem Mann eine Immobilienberatung, so dass sie sich mit solchen Themen auskennt. Für die IG Potsdamer Straße kümmert sie sich zum Beispiel um die Steuerabschlüsse und sie prüft für Anwohner auch private Abrechnungen. Normalerweise seien es etwa zehn bis 15 Stunden im Monat, so Barbara Krauß, die sie für ihr ehrenamtliches Engagement aufbringt – manchmal auch mehr.

Den Stein ins Rollen bringen

„Es gehört zur sozialen Verantwortung, dass man etwas für die Gesellschaft tut“. Barbara Krauß hat Freude an ihrer Arbeit und hofft, ein Vorbild für Andere zu sein: „Wenn ich mir auf einem Straßenfest mal etwas zu essen holen möchte und jemanden bitte, kurz auf den Stand aufzupassen, dann merken die Leute: Man muss nicht immer nach Geld fragen. Ehrenamtliche Arbeit ist wichtig und macht einfach Spaß!“ Die Erfolge sind zwar klein, bleiben aber nicht aus: „Ich war einmal dabei, als eine Gruppe Jugendlicher Kuchen verkaufte, um Gelder für die Villa Schöneberg zu sammeln, und da sagte mir ein Jugendlicher voller Begeisterung, das sei das erste Mal, das ihm jemand Geld anvertraue.“ Über dieses Erlebnis konnte Barbara Krauß sich eine Woche lang freuen.

 

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