Kategorie-Archiv: Allgemein

Kultursensible Pflege – Wie weit sind wir und wo muss noch nachgebessert werden?

Der demographische Wandel geht auch nicht an den Menschen mit Einwanderungsgeschichte vorbei. Ganz besonders die sogenannten Gastarbeiter*innen der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts sind im pflegebedürftigen Alter angekommen und sehen sich mehr und mehr mit Herausforderungen konfrontiert, ihren Bedürfnissen entsprechende Einrichtungen zu finden.

Dieses Thema wird in den unterschiedlichen Diaspora-Gemeinschaften immer wichtiger und „brennender“ diskutiert. Allem Anschein nach scheinen die sogenannten kultursensiblen Angebote die Nachfrage kaum zu decken. Hinsichtlich des zu erwartenden steigenden Bedarfs wollen wir mit zwei Expertinnen dieses wichtige Thema erörtern und diskutieren. Wie sieht kultursensible Pflege aus? Wieviel Angebote müssen noch geschaffen werden? Wie ist die aktuelle Gesetzgebung hinsichtlich des Faktors Kultursensibilität zu bewerten? Wie wird die weitere Entwicklung in dem Sektor, auch im Hinblick auf die zu uns gekommenen, geflüchteten Menschen, gesteuert werden müssen? Ich wurde von der AG Migration Tempelhof-Schöneberg von Ayten Doğan und Orkan Özdemir eingeladen, um diese und weitere Fragen am 04. April 2017 beim Treffen im Huzur zu besprechen.

Kultursensible Pflege
Aus „Gastarbeitern“ werden Migranten, die nun in ihrem Alter, wie viele, pflegebedürftig sind. Aufgrund ihrer Herkunft, stellt dies jedoch für das Pflegepersonal eine große Herausforderung dar, denn sie müssen immer öfter kulturelle, religiöse und spirituelle Wünsche des zu Pflegenden berücksichtigen. Hier ist die Kompetenz und die Toleranz des Pflegenden gefragt. Es kann sein, dass Sie mit den Wünschen vielleicht nicht so gut vertraut sind. So kann es passieren, dass es zu Missverständnissen kommt, welche die Pflege behindern. Dies kann bei einem Migranten auch ein Gefühl der Diskriminierung hervorrufen. Darum muss kultursensibel gepflegt werden, doch dies ist leichter gesagt, als getan. Es ist wichtig zwischen Kultur, Religion und Nationalität zu unterscheiden, denn beispielsweise ist nicht jeder Türke automatisch Moslem.

Mit der Zeit wurden bereits Fortschritte für eine Bessere Umsetzung gemacht. Migranten werden mehr und mehr in Pflegekonzepte einbezogen. Es werden Pflegekräfte mit Migrationshintergrund eingestellt, die wertvolle Erfahrungen mitbringen und somit auch eine würdevollere Betreuung und Pflege ermöglichen.

SPD Bundestagabgeordnete Mechthild Rawert erklärt, dass es nicht reichlich genug Untersuchungen zu den Kulturkreisen gibt, was eine große Aufgabe ist, um erst einmal die „kultursensible Pflege“ zu verstehen und umsetzen zu können. Wie ist das Familienverständnis? Wie sieht es mit der Männer-/ und Frauenrolle aus? Es kann kein allgemeingültiges Konzept zur Pflege und Betreuung geben.

Eine wachsende Zahl von Altenpflegeeinrichtungen möchten sich migrations-, kultur- und religionssensibel aufstellen. Es wird an einer Projektplanung gearbeitet die unter anderem die Personal-, Qualitäts- und Organisationsentwicklung umfasst. Maßnahmen sollen anschließend in die Strukturen eingebaut und beständig gemacht werden.

 

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität.

Privates und öffentliches Spielen in der Großgörschenstraße

Von HU-Gastblogger Falk

In Berlin gibt es zu wenig Spielplätze, heißt es. Wie ist die Situation in der Großgörschenstraße?


Am Straßenanfang gibt es einen Spielplatz. Ach echt ? Ja, auf dem Dach eines Lidl Supermarkts befindet sich ein selten genutzter, privater Spielplatz, der nur den direkten Anwohnern zur Verfügung steht. Ich selbst habe auch versucht den Spielplatz zu betreten. Leider musste ich mich an einem verschlossenen Tor in einer hinteren Gasse geschlagen geben. Ein anderer Weg hat sich mir leider nicht gezeigt.

Am anderen Ende der Großgörschenstraße gibt es einen weiteren Spielplatz. Diesmal sogar einen öffentlichen Spielplatz, welcher auch wenig genutzt wird. Das ist  jedoch kein Wunder, da sich dieser  zur Zeit nicht in bestem Zustand befindet.

Diskussionen und Beschwerden, die zur öffentlichen Nutzung des Spielplatzes auf dem Lidl Dach führen sollten, haben bisher  nicht zu  Ergebnissen geführt. Bei dem anderen Spielplatz ist bereits bei der Planung die Beteiligung der AnwohnerInnen sehr wichtig, denn das Projekt wird vom Quartiersmanagement Schöneberger Norden betreut.

Am 4. April gab es – nach einer Ideenwerkstatt im März – eine Info-Veranstaltung, um die Ergebnisse vorzustellen. Bei beiden Veranstaltungen ging es darum, bei den Umbaumaßnahmen der Spielanlage konstruktiv mitzuwirken.

Wie sieht unser neuer Spielplatz aus ? 
Momentan befindet sich auf dem Spielplatz ein Geodom, sowie eine Anlage mit alten, unbrauchbaren Fitnessgeräten. So hat eine Abstimmung schließlich ergeben, dass von den bisherigen Geräten, sechs Geräte neu beschichtet und umgestellt werden. Zwei Geräte sollen näher an den Geodom gerückt werden. Die restlichen Geräte sollen dann einen Bereich für richtige Sportfreaks bilden. Dabei sollen 4 Fitnessgeräte weiter verwendet werden. Drei neue Kalisthenie Geräte sollen erneuert werden und dauerhaft in den Bestand aufgenommen werden. Somit ergibt sich ein vielfältiges Bewegungsangebot, damit den Erwachsenen beim Aufpassen auf die Kinder auch nicht langweilig wird.

Falls die Erwachsenen doch lieber nur zusehen wollen, wie  ihre Kinder abschwitzen, ohne selbst auch nur eine Schweißperle zu verlieren, können diese auch ganz einfach Platz auf den Hockerbänken nehmen, welche neu gebaut werden. Damit  der durch die Fitnessgeräte umgeräumte Platz gut genutzt wird und man von den Bänken aus keine Langeweile bekommt, wird gleich daneben eine Tischtennis-Platte gebaut. Diese kann  optional auch als Tisch fungieren. Zusätzlich soll am Eingangsbereich hinter dem Zaun ein weiterer Sitzbereich entstehen.

Graffiti auf dem Spielplatz
Eine weitere interessante Neuerung ist es, dass die umliegenden Mauern, welche dem Bezirksamt gehören, zukünftig für  Graffiti  verwendet werden dürfen. Die Mauern sind zwar jetzt schon voll gesprüht, aber zukünftig sollen die Mauern eine professionelle Übungswand sein. Hierzu hat sich der gerade mal 350 m entfernte  Graffiti Laden Legacy in der Yorckstraße bereit erklärt, junge, unerfahrene Anfänger bei ihren ersten Sprüherfahrungen zu begleiten. Es geht vor allem darum, gewisse Codex Regeln zu beachten. Beispielsweise wann, ob und wie man ein anderes „Kunstwerk“ übersprühen darf. Außerdem lernen die Teilnehmer auch die richtige  Entsorgung der Sprühdosen und weitere Umgangsregeln.

Ausblick
Im Großen und Ganzen wird gehofft, dass so für jeden etwas dabei ist. Auf jeden Fall wird dann schon mal ein Spielplatz ab Herbst 2018 in vollem Umfang genutzt werden können.Der Bau der Spiel – und Fitnessanlage soll ab Frühling nächsten Jahres starten.

Bild

Falk

Portrait über F. M.
Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Kurses Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen des Career Centers an der Humboldt Universität

 

 

F., sein Leben und er

Mein Name ist D. und ich habe heute die Ehre, F. zu interviewen. ‚Wie kam es dazu?‘, fragen Sie sich sicher. Kurzgefasst: Ich habe den lieben Mann am Eingang unserer Redaktion kennengelernt und wir haben uns nebeneinandergesetzt.

Da ich kurz zuvor mit ihm gesprochen habe, hatten wir die Gelegenheit genutzt um uns ein wenig auszutauschen. Nach einem kurzen Wortwechsel erfuhr ich, dass F., genau wie ich, Informatik studiert.

Zu Beginn hatte mich interessiert, warum F. denn Informatik studiert.

F.: „Weil man gute berufliche Aussichten hat.“

[F. überlegt kurz und sieht sich schnell um]

„Weil Informatik die Welt ist. Selbst hier in dem Kurs haben wir PCs und sind auf sie angewiesen. Sogar das Interview. Ohne die Informatik könnten wir dieses Gespräch mit unseren Handys nicht
aufnehmen.“

An der Humboldt Universität zu Berlin läuft zurzeit in der Informatik die Prüfungsphase. Als ich fragte welche Prüfungen er denn so vor sich hat und wie seine Vorbereitungen laufen, erzählte er mir, dass er dieses Semster eine Menge Module belegt.

Auf meine Reaktion, dass es ganz schön viel sei, antwortete er kurzerhand, dass er damit schon irgendwie durchkommt.

Ich lobte ihn und fragte gleichzeigt, ob er denn viel gelernt habe. Seine Antwort kam kurz: „Nö.“

Aber er erzählte mir, dass er letztes Semester sehr viel geschafft hat und fest davon überzeugt ist, er wird es auch nochmal schaffen. Wenn er so viel Gas gibt, dann wird er es ja sehr eilig haben. Mich hat interessiert, was er denn nach dem Abschluss machen will und wie er sein Geld verdienen mag. Darauf kam eine rasche Antwort und er erzählte mir von künstlicher Intelligenz. Die Robotertechnik in der Industrie findet er sehr spannend. Er hat mir von autonomen Fahren berichtet und er erklärte mir warum wir keine Ampeln bräuchten, wenn alle auf selbstfahrende Fahrzeuge umsteigen.

Er wirkte sehr begeistert und bewies wieder, dass Informatik die Welt ist.

Um etwas von dem Fach wegzukommen, stellte ich ihm die Frage, wie er denn seine Freizeit verbringt.

Der blonde Bursche antwortete, dass er gerne verreist. „Am liebsten in die Sonne.“ Er erwähnte, dass er zur abwechslung auch demnächst Snowboarden geht.

Als dann plötzlich mein Magen knurrte, einigten wir uns, dass wir später gemeinsam etwas essen gehen.

Uwe

Vom Schreibtisch in den Seminarraum: Der gebürtige Tempelhofer Uwe hat jahrelang im öffentlichen Dienst gearbeitet, wollte aber immer gerne studieren. Was zunächst nur eine Idee war, ist letztendlich zu einem Bachelorstudium 
der Kulturwissenschaften  und Geschichte an der Humboldt Universität zu Berlin geworden.
Hierbei zeigt er sich ambitioniert: Sobald er die letzten Kurse seines Bachelorstudiums in der Tasche hat, will er noch einen Masterstudiengang absolvieren. „Die Kurse sind so interessant, ich will unbedingt weitermachen!“ Aber bevor das soweit ist, schnuppert Uwe erst einmal in den Online-Journalismus hinein und belegt einen Kurs, in dem er Recherchieren und Bloggen lernt.
Das ist ja das Gute an der Uni: dass man sich ausprobierenund neue Ideen verwirklichen kann. Und Ideen gehen Uwe nie aus. Er ist immer optimistisch und liebt es, Zukunfstpläne zu schmieden. Gerade träumt er davon, während seines Masterstudiums ein Semester im Ausland zu verbringen,„am liebsten in den USA“. Er ist bereits mit dem Wohnmobil durch die Staaten  gereist und war von der Schönheit des Landes begeistert. Besonders fasziniert haben ihn die weiten, unendlichscheinenden Straßen. „Wenn ich daran denke, mit einer Harley über die Highways zu fahren – das will ich unbedingt nochmal machen!“ sagt er und lächelt. 
Am Wochenende lässt Uwe es gern entspannt angehen und schaut sich Filme oder seine aktuelle Lieblingsserie „The Walking Dead“ an. Zombies und Zombiefilme findet er spannend – am liebsten würde er sogar seine bald anstehende Bachelorarbeit über die kulturwissenschaftliche Bedeutung der auferstandenen Toten schreiben. „Was der Prof wohl dazu sagen würde?“ Hoffentlich ja! 

Porträt Sebastian

Wo bist du geboren bzw. seit wann bist du in Berlin?
„ Ich bin gebürtiger Berliner, im Ostteil der Stadt aufgewachsen und mittlerweile aber durch zahlreiche Umzüge im Westteil beheimatet. Momentan lebe ich allein, in einer Art Männer-WG mit meinen beiden Katern Ruffy und Puma zusammen.“
Was mögen deine Freunde an Dir, an deinem Charakter?
„ Ich bin offen, selbstbewusst und zielstrebig.“
 
 Dein Aussehen verrät, dass du viel Sport treibst. Ist es dein Beruf?
„ Ich habe einen Bachelor in Fitnessökonomie abgeschlossen und nach einiger Berufspraxis in einem Jahr der Selbstsändigkeit als Personal Trainer noch einmal beschlossen einen Masterstudiengang in Sportwissenschaft ranzuhängen. Ich arbeite also bereits hauptberuflich als Personal- und Fitnesstrainer. Das Masterstudium mache ich eigentlich eher aus Interesse und Spaß am Vertiefen meines Wissens.“
 Wie bist du überhaupt auf Sport gekommen?
„Ich hatte schon seit frühester Kindheit eine Affinität zum Sport. Angefangen hat das mit der Leidenschaft zum Schwimmen im Alter von ca. 6 Jahren. Seitdem kam ich über zahlreiche Zwischenstationen zu meiner jetzigen Sportart CrossFit.“
Was möchtest du auf diesem Weg erreichen?
„Eine eigene CrossFit-Box wäre (m)ein Traum! Auch nehme ich an zahlreichen Wettkämpfen teil, deren Qualifikationen und das viele Training mich neben Arbeit, Uni, Privatleben uvm. immer sehr auf trab halten. Es wird also nie langweilig in meinem Leben ;-)“
Was gibt es in dieser CrossFit-Box, was macht man dort?
„Es ist vom Prinzip her schon ein Fitnessstudio, allerdings mit viel größerem Wert auf Community und weitaus familiärer, als es klassische Studios sind. Man kann sich das Ganze so vorstellen: Wir trainieren in einer Lagerhalle  mit Seilen, Reifen, Langhanteln usw. eine Vielzahl an verschiedenen Disziplinen, in denen es darum geht eine sehr breite und athletische Fitness aufzubauen. Wir spezialisieren uns nicht nur auf einen Aspekt von Fitness, wie es z.B. Bodybuildung tut, sondern genießen und fördern die Vielfalt aller möglichen sportlichen Leistungen. Es ist eine urbane und sehr ursprüngliche Variante eines Fitnesscenters ohne großen Schnickschnack.“
 
Wo siehst du dich in 10 Jahren?
„Ich wünsche mir, dass ich bevor ich 30 werde meine Ziele mit der CrossFitBox realisieren kann. Und privat würde ich mir wünschen, dass meine Freundin und ich ganz lange zusammenbleiben.“
 
Was macht dich sonst noch happy?
„ Essen, gutes und gesundes Essen! Ich koche und backe leidenschaftlich gern und achte sehr darauf, dass mein Essen in Einklang mit meinem Sport steht. Dann liebe ich es, Filme entweder im Kino oder zuhause auf der großen Leinwand zu gucken und natürlich auch Literatur!“ Ich lese sowohl gerne Fachbücher zu Psychologie aber bin auch manchmal ein kleiner Nerd und wechsle zu  Science Fiction wie z.B. Star Wars.“
Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus- Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers von der Humboldt Universität.

Macht ihn schön den Magdeburger Platz!

Von HU-Gastblogger Lukas

Trostlos und verlassen“ beschreibt Luisa den Magdeburger Platz, als sie ihn zum ersten Mal besucht. „Wie als würde man in einen verlassenen Vergnügungspark einbrechen“.

Lars findet der Platz ist „erstaunlich ruhig“ im Gegensatz zu der belebten Umgebung wie die Potsdamer Straße oder die Kurfürstenstraße. „Wie als hätte man dort ein Stück Stadt einfach vergessen durch den Trubel außen herum.“

Beide studieren Landschaftsarchitektur an der TU in Berlin, Lars im Master und Luisa im Bachelor. Die Umgestaltung des Magdeburger Platzes ist bei beiden Kernthema ihrer Abschlussarbeit. Ich treffe mich mit ihnen im Café Nero in der Volkswagen Universitätsbibliothek, um mehr über ihre Arbeiten zu erfahren.

2015 wurde ein Zaun ringsum den Magdeburger Platz errichtet. Grund dafür war eine erhöhte Verschmutzung, bedingt durch die Prostitutions- und Drogenszene.

Durch eine Bürgerinitiative gelang es ein Jahr später, den Platz mit Schließzeiten wieder öffentlich zugänglich zu machen. Der Wunsch bei den Anwohnern nach einer Umgestaltung des Platzes war hoch und man wandte sich an verschiedene Universitäten mit der Bitte um möglichst innovative Konzeptideen.

Unabhängig voneinander beschäftigten sich Lars und Luisa mit dem Platz und entwarfen mehrere Konzepte. Ein praktischer Entwurf am Beispiel eines realen Raumes ist Gang und Gäbe im Studium der Landschaftsarchitektur. Grundlegend für die Ausarbeitung der Konzepte ist eine Analyse gewesen. „Was fehlt denn? Ein Spielplatz? Ein Park? Momentan wird der Magdeburger Platz nicht angenommen und Bürgerwünsche werden nicht berücksichtigt“, stellt Luisa fest. Sie sagt, dass der Straßenstrich rund um die Kurfürstenstraße die nächsten Jahre bestehen bleibt. In ihrem Konzept greift sie das Problem auf und entwirft sogar eine Ecke für die Prostituierten. „Es wird sich immer irgendwohin verlagern“, behauptet Luisa.

Präsentation Luisa        Copyright: Lars Schobert

Sogenannte „Verrichtungsboxen“ plant sie mit ein, ähnlich wie eine Citytoilette, aber in der Ausstattung dementsprechend der Prostitution angepasst. Wie genau das aussehen soll oder kann weiß sie selbst nicht, „das ist auch nicht die Aufgabe einer Landschaftsarchitektin“, sagt sie augenzwinkernd. Natürlich ist ihr bewusst ist, dass sich die Mehrheit der Anwohner die Prostitution in einen anderen Kiez wünschen.

Lars geht die Sache anders an. Er findet der Straßenstrich sollte sich nur entlang der Kurfürstenstraße orientieren. Er entwarf insgesamt drei Konzepte von denen eines nun in der engeren Auswahl ist. Bestandsbäume bleiben erhalten und die jetzige Sackgasse „Magdeburger Platz“ soll in den Platz integriert werden (sieht auch Luisa in ihrem Konzert vor).

Präsentation Lars                  Copyright Lars Schobbert

Ende Februar gab es einen Bürgerworkshop bei der die Konzepte vorgestellt wurden. Circa 20 Bürger diskutierten über pro´s und contra´s. Momentan laufen noch die Ausarbeitungen. Mit dem finalen Entwurf soll es dann zum Stadtteilforum gehen und danach hoffentlich zu höheren politischen Instanzen . „Es ist toll den Anwohnern das Potential ihres Freiraums aufzuzeigen. Selbstverständlich bietet es auch die Möglichkeit die angesprochenen Schwachstellen nochmal zu prüfen. Die Weiterführung in die Politik ist sehr selten und freut mich sehr.“, sagt Luisa.

Es geht darum, auf das Projekt aufmerksam zu machen, das Konzept soll erste Wünsche zeigen und ein Anstoß an die Politik sein “, sagt Lars.

Beide Konzepte sind umsetzbar aber wahrscheinlich zu teuer für Berlin“, fügt Luisa hinzu. Der Kostenfaktor hat eine untergeordnetere Rolle bei der Planung gespielt. „Lieber erst groß denken und dann bei Bedarf reduzieren, somit hat man eine bessere Verhandlungsgrundlage“, meint Lars. „Dennoch nicht utopisch einen 40 meter hohen Turm oder so bauen.“ Luisa fügt hinzu: “Grenzen austesten ja, aber so das man es realistisch umsetzen kann.“

 

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität.

Lukas

von HU-Gastbloggerin Kaya

23 Jahre / Geographiestudent aus der Nibelungenstadt Worms, die er mit den Worten beschreibt: „Worms hat schöne Ecken, sagen wir es so.“ / offen und locker kommt er rüber / seit drei Jahren lebt er in Berlin / das Studienfach ist vielleicht noch nicht ganz das Richtige, aber den Bachelorabschluss packt er noch mit ein / auch wenn der Alltag momentan stressig ist, ändern würde er nichts / „Man streitet sich und verträgt sich und ich liebe sie über alles“, sagt er über seine Familie / ob Piano oder Elektro, beim Musik hören geht ihm das Herz auf / sein Tag startet mit Kaffee (das ist ein Plural!) / Nach seinem Erasmus-Semester in Barcelona hat ihn die Stadt in ihrem Bann und er plant schon die Umsiedlung in die katalonische Hauptstadt, dann kann er endlich wieder auf den Straßen von Eixample wandeln / bei unserem Gespräch an der Spree kam trotz pöbelndem Sitznachbarn – „alles Fotzen“ nuschelt er, als wir uns setzen – auf unserer sonnigen Bank direkt lustige Stimmung auf / nach seinem Bewerbungsgespräch bei Flixbus letzte Woche hat er gemerkt, dass beruflicher Erfolg ihn euphorisch werden lässt / Hobbies? „Klar, Gerätequatsch und laufen“, mit Freunden kochen ist auch dabei / Außerdem reist er gern: „am liebsten lange und weit, aber kurz und nah geht auch.“ / Gefragt nach seiner Lebenssituation antwort er überzeugt: „Ich bereute nichts“.

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Kurses Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen des Career Centers an der Humboldt Universität.

Der Hörtest – ein Angstauslöser?

von HU -Gastbloggerin Martina

Besuch des Geschäftes ,,Das Hörwerk“ in Schöneberg
Habt ihr euch schon einmal gefragt, ob das Missverstehen von einigen Wörtern wie ,,Stahl oder Schal“ nicht ein ,,Versehen“ sondern ein vermindertes Hörvermögen sein könnte?

Krankenkassen und  Zeitungen berichteten, dass die Schwerhörigkeit in der Bevölkerung massiv zugenommen hat, gravierend auch bei   den Kindern und Jugendlichen. Mögliche Ursachen sind: Dauerhaftes Hören von zu lauter Musik beim Besuch von Clubs / Popkonzerten, aber auch die ,,gefährliche Dauerbeschallung“ über Mini-Kopfhörer wie es u.a. bei dem  Gebrauch von MP3 Playern der Fall ist.

Das Problem mit der ,,aufgeschobenen“  Schwerhörigkeit
Auf meine anfängliche eigene Vorrecherche und Frage  zur steigenden Anzahl von Schwerhörigen in der Bevölkerung, bekomme ich folgende Antwort von der Geschäftsinhaberin ,,Das Hörwerk“:

Das Geschäft  am  Willmanndamm 16, 10827 Berlin und Inhaberin Funda Gül Gozdzik

,,Wer schwer hört, geht oft zu spät zum Hörtest.“ So berichtet mir die Inhaberin Funda Gül Gozdzik, ausgebildete  Hörgeräteakustik- Meisterin des Geschäftes ,,Das Hörwerk“ im Willmanndamm 16, in 10827 Berlin. ,,Erst wenn es mit der verminderten Hörfähigkeit schon dramatischer geworden ist, wird der Weg zum HNO-Arzt beschritten. Einfach viel zulange wird die bereits bemerkte Hörminderung in Kauf genommen.“

Bei mir entstehen zu dieser Antwort gleich weitere wichtige Fragen: Obwohl es moderne Hörgeräte gibt, warten die Betroffenen sehr lange, warum? Obwohl beim Hörgeräteakustiker kostenlose Hörtest angeboten werden, entsteht der notwendige Weg zum Akustiker größtenteils erst dann, wenn ein Rezept vom Arzt für ein Hörgerät vorliegt?

Zu diesen wichtigen  Problemstellungen berichtet mir Frau Gozdzik gleich sehr ausführlich und aufschlussreich, mögliche Ursachen: ,,Eine Hörminderung ist in den häufigsten Fällen ein schleichender Prozess und wird von den Betroffenen deshalb erst spät wahrgenommen. Oft ist es das Umfeld, welches auf die Hörminderung aufmerksam macht. Bis zum ersten Besuch beim Hörakustiker oder beim HNO-Arzt vergehen deshalb manchmal viele Jahre. Die Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung und Akzeptanz von Hörminderungen vieler Institutionen zeigt jedoch schon erste Erfolge. Immer mehr Menschen schützen  ihr Gehör rechtzeitig oder machen einen Hörtest bei den ersten Anzeichen für einen Hörverlust.“ Der Bezug zur Öffentlichkeit wurde  u.a. hergestellt mit der Veranstaltung  ,,Welttag des Hörens, welcher am 3. März 2017 stattfand.

Das Geschäft
Nur eine Seitenstraße von der Potsdamer Straße und nur wenige Fußschritte entfernt vom U-Bahnhof Kleistpark liegt das mit blauen Farben gestaltete und freundlich einladende Geschäft ,,Das Hörwerk“ von der sehr sympathisch wirkenden,   jungen Besitzerin Frau Funda Gül Gozdzik. Auch der Internetauftritt  ist in blauen Farbtönen gestaltet. Für mein Interview und einen geplanten Hörtest  am Ende des Interviews,  meldete ich mich bei der Inhaberin mit einem zusätzlichen ,,Hörprobanden“  zu zweit  an, um mich  selbst  besser auf das Interview konzentrieren zu können.

Nach einer freundlichen Begrüßung und einer Tasse frischen Kaffee aus einer modernen Espressomaschine, kann ich gut  ,,erfrischt“  das ausführliche Interview führen. Frau Gozdzik wirkt meinen vielen Fragen gegenüber sehr aufgeschlossen, erklärt und zeigt viele Hörgeräte und die dazugehörigen  Utensilien. Ich untersuche und fotografiere viele Hörgeräte (FOTO), die auffallend klein aussehen und sich sehr leicht in der Hand anfühlen.

Es wird mir erklärt, dass es sehr unterschiedliche  Varianten von Hörgeräten gibt: Im Ohr, außerhalb des Ohres usw. und Zubehör.

Verschiedene kleine Hörgeräte und Zubehör

Der Service in deutscher, türkischer und polnischer Sprache

Die Flyer zum Geschäft gibt es in türkischer und deutscher Sprache.Auch ihre Internetseite bietet die Ladeninhaberin  in türkischer Sprache an, da Frau Gozdzik  türkische Wurzeln hat, aber in Deutschland geboren wurde. Ihr Ehemann bietet für Kunden bei Bedarf  einen polnischen Übersetzungs-Service an, da er ehemals aus Polen stammt. So ist die Kundschaft breit gemischt  und Frau Gozdzik berichtet begeistert: ,,Der Service in türkischer Sprache  wird sehr oft genutzt, der in Polnisch eher weniger. Außerdem kommen Kunden nicht nur aus dem Kiez, sondern auch aus anderen Teilen Berlins und Brandenburg.“

Für die Zukunft möchte sie ihren Internetauftritt so gestalten, dass sie zusätzlich auch einen ,,Einkaufs – Shop“  anbietet. Mehr verrät sie mir dazu leider nicht.

Die  jahrelange Betreuung
Die Hörgeräteakustikerin macht außerdem auf die  Testung und Betreuung bei einem Hörgerät aufmerksam: ,,Deshalb ist es wichtig, Hörgeräte immer im privaten Umfeld und verschiedene Modelle im Vergleich zu testen. Erst dann kann eine geeignete Wahl getroffen werden. Nach dem Kauf von Hörgeräten wird der Kunde viele Jahre von seinem Hörakustiker weiter betreut. In bestimmten Intervallen werden die Hörgeräte gereinigt, auf ihre Funktion geprüft und ggf. nach einem neuen Hörtest nachgestellt.“ Hierzu erhält man ,,ähnlich“ wie bei einer notwendigen Inspektion eines Autos ein kleines blaues ,,Serviceheft“ von der Inhaberin des Hörwerks für  die nächsten Inspektions-Termine  der Hörsysteme.

Außerdem berichtet sie mir, dass es  zusätzlich die Möglichkeit gibt, bei teuren Hörgeräten auch eine Versicherung gegen Diebstahl, Beschädigung usw. abzuschließen. Denn die Kosten eines Hörgerätes variieren zwischen 0,00 Euro (ohne Zuzahlung)  bis zu 2000 Euro oder höher für ein sehr ,,intelligentes“ Hörgerät.

Der Wunsch der beruflichen Selbständigkeit
Frau Gozdzik schildert mir, dass ihr die  Ausbildung zum Beruf der  Hörakustikerin/Hörgeräteakustikerin sehr gefallen hat. Diese dauerte 3 Jahre und beinhaltete zu den technischen Gebieten auch das Fach Psychologie, welches ihr besonders gut gefiel. Zu einem späteren Zeitpunkt absolvierte sie  die Qualifikation zur Hörgeräteakustik – Meisterin. Die Gründung ihres Geschäftes  hatte sie nebenbei mit Familie und Kind  umgesetzt. Den  eigenen, starken  Wunsch nach beruflicher Selbständigkeit hatte sie schon lange: ,,Ich wollte seit meiner Kindheit unbedingt später selbständig ein Geschäft besitzen und führen“. Einige Semester  Jura-Studium liegen  hinter ihr, aber der Wunsch zur Selbständigkeit und ein großes Interesses an dem Beruf Hörakustiker führten dazu, dass sie das Studium ,,sausen“ ließ. Sie ist Geschäftsführerin und Inhaberin des Ladens und führt diesen momentan alleine. Den Ort für das Geschäft am Willmanndamm 16 in Schöneberg hat sie bewusst gewählt: ,,Ich bin hier im Kiez aufgewachsen und kenne ihn gut!“.

 Das Hörgerat – ein moderner  ,,Winzling“
,,Heutzutage gleichen die modernen Hörgeräte teilweise kleinen Computern, die sich sogar kabellos mit dem Smartphone verbinden können oder internetfähig sind“, berichtet mir die Besitzerin.

Ich bekomme auf eigene Nachfrage hin, mehrere Prospekte ausgehändigt, u.a. auch wie sorgfältig die Pflege eines Hörgerätes sein sollte, hier ein spezielles Heft, eine Pflegefibel für Hörsysteme.  Es entsteht bei mir, der  überraschend positive  Eindruck, dass moderne Hörgeräte heutzutage sehr klein, individuell angepasst und unauffällig am oder im Ohr zu tragen sind. Auch die Farbauswahl ist sehr vielseitig, es gibt Hörgeräte in weiß, rosa, braun, blau und vielen anderen farblichen Möglichkeiten.

Hörgerät ,,am Ohr“ in blauer Farbe

Der mit Spannung erwartete Hörtest
Was ist überhaupt ein Hörtest? Ein  Audiometer überprüft  Schwingungen/ Schallwellen im Gehörkanal, d.h. bestimmte Frequenzbereiche werden getestet, ob und wann diese Schwingungen (Töne) rechtzeitig erhört werden, gemessen wird in Hz (Hertz).

Es erfolgt eine kleine Einweisung und mein  ,,Prüfling“, Frau Godzik und ich betreten den schallisolierten Hörtestraum. Die Hörtestperson bekommt von der Hörakustikerin  einen großen, abgedichteten Kopfhörer – wie beim Musikhören – auf beide Ohren gesetzt und einen ,,Drücker“ in die Hand. Bei jedem kleinsten gehörten Ton soll sofort der ,,Drücker“ betätigt werden. Das Ergebnis wird parallel auf dem uns sichtbaren PC in einem Diagramm, das sog.  Audiogramm  gespeichert.  Ich darf beim Hörtest dabei sein, setze mich in eine Ecke und bin ,,mucksmäuschenstill“, um zusätzlich störende Geräusche zu vermeiden.

Der Hörtest-Raum

Beim folgenden  ,,Hörtest“ erscheinen für unseren ,,Prüfling“ helle und etwas später dumpfe Töne, die für mich nicht zu hören sind. Frau Gozdzik markiert das jeweilige Ergebnis in einem Diagramm, am Bildschirm des  PCs sichtbar. Bei einigen dumpfen Tönen, ,,verzieht“ der Prüfling das Gesicht, warum?

Die Auswertung des Hörtest
Die ,,Versuchsperson“ schneidet im Ergebnis bei hellen Tönen gut ab, berichtet im Auswertungsgespräch die Hörakustikerin. Aber warum wurden die dumpfen Töne so spät erkannt? Der Test wird von ihr wiederholt, es entsteht ein ähnliches Ergebnis. Unser Proband hat Probleme beim Erkennen von dumpfen Tönen, warum? Ein zufälliges Ergebnis einer nicht erkannten oder ,,verschleppten“ Hörminderung? Die Hörakustikerin schildert das Ergebnis: ,,Beim Hörtest hat das linke Ohr leider schlechter gehört, als ein gesundes Ohr es tun würde. Eine Erkältung ist eher ausgeschlossen, da nur ein Ohr betroffen ist. Der Hörtest sollte auf jeden Fall wiederholt werden und ein Besuch beim HNO-Arzt ist ratsam.“

Es wird mit Frau Gozdzik vereinbart, den Hörtest in einem späteren Termin zu wiederholen. Hat sich hier bereits bei  der Testperson eine ,,versteckte“ Hörminderung eingeschlichen? Gehört auch sie  zu den Personen, die ,,unerkannt“ eine Hörminderung mit sich ,,herumschleppen“ und diese ,,aufschieben“? Ich und Frau Gozdzik schauen uns hierzu nachdenklich an. Unser Proband beschrieb den Hörtest ansonsten als völlig schmerzfrei und harmlos. Der Test dauerte keine 10 Minuten. Der Hörtest wurde geschildert wie ein Piepen von Tönen, welche kurz gehört wurden oder eben nicht. Das weitere Vorgehen liegt nun in der Hand der ,,Testperson“.

Die ,,Scham“ vor dem Hörtest
Ich selber bemerke ,,manchmal“ auch bei mir ,,gewisse“ Verständnis – schwierigkeiten, sollte ich vielleicht einmal einen Hörtest ,,riskieren“? Bei der sympathischen und vertrauenswürdigen Inhaberin des Hörwerkes würde ich auf jeden Fall einen Hörtest durchführen, um wirklich Gewissheit zu erlangen. Dieser wird mir wie immer ,,kostenlos“ vom Hörwerk angeboten. Kopfhörer aufsetzen und Drücker betätigen sollte es wert sein, um Gewissheit zu haben, ob alles ok ist mit dem eigenen Hörvermögen!

Es bleibt bei mir immer noch der Gedanke weiterhin bestehen: Warum haben viele Menschen Angst einen Hörtest durchzuführen bzw. rechtzeitig zum HNO-Arzt zu gehen, wenn sie bei sich selbst Hörminderungen oder Verständnisschwierigkeiten bemerken? Sind es die Ergebnisse, die einen ,,schockieren“ könnten oder die Handlung, zukünftig ein Hörgerät tragen zu müssen?

Frau Gozdzik erklärt hierzu, dass es eine psychologische Ursache haben könnte. Das man sich schämt, wenn man schlecht hört. ,,Man kann Hörminderungen  jahrelang überspielen und dazu improvisieren.“ Meine dennoch offene Frage wurde später beim ,,Stöbern“ in einem speziellen Forum im Internet beantwortet, wo über Scham und Angst vor Hörgeräten ausführlich und offen diskutiert wird.

Wer sich nun nach meiner ausführlichen Schilderung einen Hörtest zutraut, der ist gerne willkommen beim Hörwerk im Willmanndamm 16, 10827 Berlin zu den Öffnungszeiten:

Montag bis Donnerstag von    9 Uhr  bis 17 Uhr und freitags  bis  14.30 Uhr.

Traut ihr euch?

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität zu Berlin

 

 

Martina

Martina

In Berlin geboren und derzeit auch hier lebend/ hat eine abgeschlossene Berufsausbildung/ derzeit Studentin der Humboldt-Universität, sechstes Semester im Kombibachelor, Kulturwissenschaften und Geschichte aus Interesse/ „beide Fächer sind sich sehr ähnlich und passen gut zusammen“/ macht in den Semesterferien einen Kurs, Online Journalismus, aus Interesse und „natürlich der Leistungspunkte wegen“, sie selbst bloggt nicht, kann es sich aber vorstellen/ für die Zukunft plant sie den Masterabschluss/ nach dem Studium ins Ausland zu gehen, kann sie sich gut vorstellen/ in den alten Beruf zurückzukehren wäre eine weitere Möglichkeit, „gerne auch im Ausland“/ hat keine Kinder/ keine Haustiere, früher besaß sie zwei Wellensittiche, ein „pflegeleichtes Haustier“ wäre bei ihr auch heute willkommen, „eine Maus oder eine Ratte vielleicht“/ ein perfekter Tag muss für sie nichts besonderes sein, ein normaler Tag, mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein, nicht zu warm und nicht zu heiß, stressfrei, „ohne Komplikationen und alles muss klappen“/

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und bloggen“ des Career Centersan der Humboldt Universität.

 

Elisabeth Meyer-Renschhausen und die Urbanen Gärten

Elisabeth Meyer-Renschhausen und die Urbanen Gärten

Elisabeth Meyer-Renschhausen

Es ist Donnerstagnachmittag und ich steige aus der U2 an der Bülowstraße aus. Hier wohnt die langjährige Anwohnerin des Schöneberger Nordens, Dr. Elisabeth Meyer-Renschhausen. Wenige Minuten später stehe ich im Flur ihrer Berliner Altbauwohnung. Das Gemüse in dicken Einkaufstaschen tragend begrüßt sie mich herzlich und bietet mir aufmerksam samt Hausschuhangebot einen Platz an ihrem großen Küchentisch an. Einen Augenblick später liegen die Zwiebeln bereits zum schnibbeln auf dem Holzbrett bereit und nach fünf Minuten Bekanntschaft bezeichne ich die rothaarige Soziologin als Multi-Tasking-Talent. Während sie die Kürbissuppe für ihre Gäste vorbereitet, höre ich gebannt ihren Erzählungen zu, wie sie genau zu dem Zeitpunkt zum Tempelhofer Feld kam, als in ihrer direkten Nachbarschaft der Park am Gleisdreieck geplant wurde.

Kleinstlandwirtschaft

Als Berliner Garten-Aktivistin engagiert sie sich für Urban Gardening und gehört zu den Gründern der Arbeitsgruppe Kleinstlandwirtschaft. Durch die Führung interkultureller Gärten entsteht eine Gemeinschaft mit unterschiedlichsten Kulturen und dabei treffen über elf Sprachen aufeinander. Diese Vielfalt verleiht den Kleinstgärten ihren besonderen Charme.

  

 

Gemeinschaftsgarten Tempelhofer Feld

Meyer-Renschhausen pflegt seit April 2010 gemeinsam mit Freunden des urbanen Gärtnerns voller Herzblut ihre eigenen Hochbeete auf dem Tempelhofer Feld.

 

Vor der Gründung des Allmende Kontor – Gemeinschaftsgarten Tempelhofer Feld setzt sie sich über Jahrzehnte zielbewusst und bewundernswert geduldig für das Gelände Gleisdreieck ein. Mit der Bürgerinitiative Westtangente AG wird die erstmalige Planung der Autobahn in den 70er Jahren verhindert, und der zweite Versuch dieses Prachtstück aus Beton durch die Stadt ziehen zu lassen wird ebenfalls, dieses Mal von der IG Gleisdreieck, aufgehalten. Der Beweis dafür, dass man mit Willenskraft und Zusammenhalt oftmals zum Ziel gelangt.

Doch wie sieht es heute aus? Elisabeth Meyer-Renschhausen ist bei Wind und Wetter mit voller Leidenschaft auf dem lahm gelegten Flughafen anzufinden, doch was ist mit dem Gemeinschaftsgärtnern im Gleispark? Überrascht erfahre ich, dass sie neben dem Allmende Kontor hier nur noch eine mini Fläche für den privaten Gebrauch nutzt. Während das Gemüse bereits in den Töpfen brutzelt bin ich neugierig wie es dazu kam.

Gleisdreieck wird zum Park am Gleisdreieck

 

Was ist also zwischenzeitlich geschehen, wie wird das Gleisdreieck heute genutzt? Ende der 90er Jahre setzt sich die neu gegründete AG Gleisdreieck für wildes Grün mit interkulturellen Gärten auf der brachgelegten Bahngleisfläche ein. Der Plan der Senatsverwaltung und der Baugenossenschaft ist allerdings ein Anderer. Ein transparenter, pflegeleichter Park mit großzügig gepflasterten Wegen soll entstehen. Nach mehreren, heiß diskutierten Treffen der Pro – und Kontra Vertreter kommt es letztlich zu einem Urteil. Die Planung und Durchführung des Parks wird durchgesetzt und ein kleiner Teil der Fläche soll naturbelassen für die Kleingärten erhalten bleiben.

Es kommt zum Ausstieg der Aktivisten und die Parkgenossenschaft Gleisdreieck löst sich auf. In diesem undemokratischen und phantasielos gestalteten Park werden sie keine ehrenamtliche Pflege übernehmen. Dies tut Meyer-Renschhausen für die bosnischen Mitgärtnerinnen leid. Es entstand eine tolle Gemeinschaft beim gemeinsamen Anpflanzen von Beeten und die Frauen hatten viel Spaß daran gehabt. Eine Koordinatorin wird allerdings kurz nach der Auflösung mit ins Boot geholt. Diese leitet die Gruppe, setzt Termine und kümmert sich um die Rahmenbedingungen des biologischen Gärtnerns, worüber sich die Gartenaktivistin freut.

Und heute?

Trotz zäher vergangener Auseinandersetzungen und aufeinanderprallender Meinungsunterschiede steht Elisabeth Meyer-Renschhausen dem Park mittlerweile recht positiv entgegen. Heute sind alle sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Die großen Wiesen sind okay, da sie tatsächlich sehr viel von den jungen Leuten genutzt werden. Außerdem bietet es eine Nutzfläche für Yoga und andere informelle Sportarten. Gleichzeitig sind die Gärten viel besucht.

Die Landschaftsgärtner und der Senat sind besonders stolz auf die Abwechslung von einem großflächigen Park, mit diversen Freizeitangeboten und wild wachsenden Blumen, umgeben von natürlichen Kleingärten. Auf die Frage wie der Park aussehen würde, wäre die Entscheidungsmacht alleine bei ihr gewesen antwortet Meyer-Renschhausen: „Wilder, mehr kleine Gärten und keine breiten Wege.“ Sympathisch fügt sie selbst beäugend hinzu, dass sie den Nutzen der breit ausgelegten Wege unterschätzt hatte und es doch ganz schön sei, dass die Mütter mit ihren Kinderwägen und sie auf Ihrem Fahrrad entspannt aneinander vorbeifahren können. Somit also genügend Platz für alle da ist.

Von Gastbloggerin Jule

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität.