Kategorie-Archiv: IG Potsdamer Straße

Queen of Muffins

Das Café von vorne

Das Café von vorne

Von einem HU-Gastblogger

Queen of Muffins ist ein typisches Berliner Café am der Ecke Potsdamer Straße/Pohlstraße. Am Tag vor meinem geplanten Interview mit der Angestellten Lisa schaute ich inkognito vorbei und bestellte mir testweise einen Vanilleblaubeermuffin. Der Laden machte seinem Namen alle Ehre! Weiterlesen

Der letzte Tischler vor der Mauer

Von HU-Gastblogger Tony

Mit Tischlermeister Ernst Helmut Ißleib lernte ich heute einen offenen und redseligen Ur-Berliner kennen, der äußerst aufgeschlossen von seinem Betrieb und den Wandel rund um die Potsdamer Straße erzählt. Und er kann viel berichten, schließlich ist sein Tischlereimeisterbetrieb in der Lützowstraße 93 seit 1950 in Familienbesitz und wird es auch bleiben, da sein Sohn demnächst die Nachfolge antreten wird. Weiterlesen

Von der Mainstage in die Hauptstraße

Von HU-Gastbloggerin Nancy

Grand Opening im Friseurladen Ebony & Ivory  am 26. September! Dabei gibt es ihn bereits seit 2003 und er hat sich in den Jahren zu einer festen Größe im Kiez entwickelt. Ganz up to date ist der Laden auch bei den Frisuren: Beyoncés Lockenschnitt gibt es hier.
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Knapp daneben ist doch Jubiläum

(Nicht ganz) zufällig habe ich heute nachgeschaut, wann der potseblog das Licht des Internet erblickte. Und ihm gleich gratuliert.

„Herzlich Willkommen beim potseblog“, schrieb ich am 10. Juli 2009 und wie an der URL zu sehen ist, grüßte ich nicht nur die Welt der Potsdamer Straße, sondern die gesamte Welt. Weiter gings dann am 2. August 2009 mit „Schöneberg, die Stadt der Frauen“ Weiterlesen

Allegro-Grundschule erhält überdurchschnittliche gute Noten – trotz desaströsem BA Verwaltungshandeln

Oder:
Denn keiner weiß, was das Bezirksamt Mitte während den Ferien vorhat.

Allegro_Schulausschuss_Juli2015_10Ach wie schön wäre es, einfach nur zu unterrichten,“ seufzt die eine. „Na die Werbung für die Schule können wir uns ja in Zukunft schenken,“ die andere. „Ich nehme meinen Sohn jetzt mit in den Schulausschuss, damit er lernt, was wir seit Monaten dort diskutieren,“ die nächste. „Sind alle unsere Bemühungen für die Katz gewesen,“ eine weitere.

Tatort BVV-Schulausschuss in Berlin-Mitte am 10. Juli 2015. Eine Gruppe von der Allegro Grundschule protestiert – mal wieder – gegen die räumliche Verkleinerung der Allegro Grundschule. Niemand hat darüber Buch geführt wie oft sie seit Herbst in diesen Räumen waren, um entweder beim Schulausschuss oder in der Bezirksverordnetenversammlung für den Erhalt der Schulklassen und Musikräume zu argumentieren und zu streiten. Weiterlesen

Neueröffnung Maître Vite

Von HU-Gastbloggerin Senta

„Sie sind ja hier. Hallo, schön Sie zu sehen. Das ist ja klasse, Sie hier zu sehen. So geht das jetzt schon den ganzen Morgen,“ sagt Moni und strahlt. „So viele Potsdamerianer waren schon hier. Sie freuen sich sehr, dass das Maître Vite wieder einen Laden hat. Und ich freue mich, dass ich weiterhin an der Potsdamer dabei bin.

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Inhaber Dennis Pieczarka nickt bestätigend. „Seitdem die Schilder hier an den Fenster waren, habe ich immer wieder E-Mails und Nachrichten erhalten von Leuten, die wissen wollten, wann wir denn nun endlich aufmachen,“ sagt er. „Das ist schon sehr ermutigend.“ Weiterlesen

Jörg Borchardt

Von HU-Gastblogger Lukas Grimm.

Eine normale Woche sieht in etwa so aus: Ich habe 4 bis 5 meetings zu Tageszeiten und 3 bis 4 an Abenden.  Aber es gibt natürlich keine geregelten Arbeitszeiten.“ Jörg Borchardt, 73, ist einer von 4 Vorstandsmitgliedern bei

Foto J+Ârg Borchardtder Fipp e.V. Seit 2001 vertritt er ehrenamtlich den Verein und seine 700 Beschäftigte, wobei „unsere Aufgaben eher denen eines Aufsichtsrates entsprechen“.

Ganz nebenbei ist Jörg Borchardt auch Mitglied im Quartiersrat Tiergarten Süd. „Wir entscheiden mit dem Quartiersmanagement, wie wir die Fördermittel für Tiergarten Süd am besten einsetzen können. Wir schauen allerdings auch außerhalb dieses Rahmens, wie wir uns für den Bezirk stark machen.“ So hat der Quartiersrat zum Beispiel verhindert, dass ein Laufhaus an der Kurfürstenstraße Ecke Potsdamer Straße eingerichtet wird und dass anstatt eines Parkhauses Wohnungen an der Genthiner Straße Ecke Kurfürstenstraße gebaut werden.

Der gebürtige Kreuzberger zog 1971 in die Derfflingerstraße. Seit 44 Jahren residiert er nun schon dort in „verschiedenen Konstellationen“, wie er meint. Nach der Schule machte Jörg Borchardt eine Ausbildung zum Chemotechniker und arbeitete auch 12 Jahre lang in der Industrie bis er plötzlich seinen Beruf abbrach, um das Abitur nachzuholen. „Ich kann mich noch genau daran erinnern, man konnte bis zum 35. Lebensjahr Bafög beantragen und ich war damals 34 Jahre und 11 Monate alt. Das trug auf jeden Fall zu meiner Entscheidung bei,“ erzählt er mit einem Lächeln.

Nach dem Abitur folgte das Lehrerstudium für Chemie und Arbeitslehre. „Danach arbeitete ich bei dem Berufsfortbildungswerk und habe Erwachsenenbildung gemacht, vor allem im Bereich Umwelttechnik.“ Wenig später fing Jörg Borchardt parallel an, für eine Beratungsgesellschaft Förderprogramme zu Umwelt und Arbeitsförderung zu bearbeiten. „Ich kam über das Berufsfortbildungswerk dazu“ und mit der Zeit gab es dann immer mehr Förderprogramme, überall in Berlin, die er zu bearbeiten hatte.

Auf die Frage, was ihm wichtig sei, meint Jörg Borchardt „Die Benachteiligung anderer beschäftigt mich sehr.“ Sein soziales Engagement wurde 2010 auch öffentlich anerkannt als ihm der Ehrenamtspreis verliehen wurde. „Das war eine schöne Überraschung, aber mehr auch nicht“ meint er und winkt ab.

In seiner Freizeit ist Jörg Borchardt passionierter Radfahrer und begabter Handwerker. Ob Winter oder Sommer, er fährt fast alles mit dem Rad sowohl in Berlin als auch im Urlaub, wenn er zum Beispiel Freunde in Spanien besucht. Sein Talent für Handwerksarbeiten kann man an den Lehmöfen im Familiengarten in der Kluckstraße 11 erkennen.

 

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität

Rosario Jimenez – Eine Anwohnerin über ihren Kiez

Von Gastbloggerin Christine

Straßenstrich und Beachvolleyball im Park – in Tiergarten-Süd ist alles zu finden. Was diese Gegensätze für das alltägliche Leben bedeuten, erzählte mir eine Anwohnerin.

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Rosario Jimenez – seit 10 Jahren im Kiez

Rosario Jimenez lebt seit 13 Jahren in Berlin und seit 10 Jahren im Gebiet um die Potsdamer Straße. Hierin flüchtete sie vor der „Prenzlauer-Berg-Bewegung“, wie sie es nennt, wo damals ein Café neben dem anderen eröffnete. Die Entwicklungen, die ihr Kiez seitdem durchgemacht hat, konnte sie hautnah miterleben. Eine Zeit lang engagierte sie sich im Quartiersrat in Tiergarten-Süd. Vor allem die Allegro Grundschule ist ihr immer ein Anliegen gewesen, der früher ein schlechter Ruf vorauseilte und die heute vor allem durch die Veranstaltung von Konzerten und Theateraufführungen positiv auffällt. Mittlerweile hat sie zwei Kinder, eineinhalb und drei Jahre alt, und kaum noch Zeit für derartiges Engagement.

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Ein Ort zum Verweilen – der Park am Gleisdreieck

Lieblingsorte im Kiez hat sie so viele, dass ich sie hier gar nicht alle aufzählen kann. Den Park am Gleisdreieck findet sie „einfach sensationell“. Sie malt ein romantisches Bild von der Kurfürstenstraße östlich der Potsdamer Straße mit seinen schönen Gebäuden, den in Wolle gekleideten Pollern und Musikern, die bei offenem Fenster spielen. Besonders schön findet sie auch die Höfe bei der Camaro Stiftung.

Auf die Frage nach ihrem Verhältnis zum Kiez antwortet sie: „Es ist eine Liebe-/Hassbeziehung“. Einerseits gibt es hier die ruhigen Seitenstraßen, unzählige kleine, schöne Hinterhöfe und die Strick-Guerilla in der Kurfürstenstraße. Andrerseits beschreibt sie die Potsdamer Straße als „hart“. Dort gibt es viel Verkehr und zu wenig Licht, es ist nicht sauber, die Leute wirken gestresst. Es ist eine Straße zum Durchgehen, nicht zum Verweilen.

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Eine Straße mit vielen Gesichtern – die Kurfürstenstraße

Im Kiez gibt es die Zuhälterei und Streitigkeiten zwischen den Sexarbeiter_innen. Stören tun sie die herumliegenden Kondome und schlecht geparkten Autos. Am schlimmsten sei aber die Industrie dahinter: Zuhälterei, Drogen, Streit auf dem Straßenstrich. „Die Zuhälter sind das Problem“, sagt sie. Die Sexarbeiter_innen hingegen beschreibt sie als freundlich. Der Straßenstrich gehöre zum Kiez. Wen das stört, der zieht hier eben nicht her. „Ich bin als Letzte gekommen“, erklärt sie. Laut Rosario sind die Menschen im Kiez sehr engagiert: „Die Leute stehen zu ihrem Kiez und geben sich Mühe.“ Sie glaubt, dass gerade durch die Mischung an Leuten ein respektvolles Miteinander existiert.

Auch die Entwicklungen im Kiez betrachtet sie ambivalent. Sie sieht in den Veränderungen Ähnlichkeiten zur „Prenzlauer-Berg-Bewegung“. Früher war der Kiez „wilder“, es gab mehr Drogen. Viele Wohnungen und Gewerberäume standen leer. Es gab viele Friseure und Spielotheken, aber zu wenig Supermärkte. Weil die Wohnungen so günstig waren, kamen viele junge Leute, die blieben und mittlerweile Kinder haben.

„Und dann gab es die ersten Kunstleute. Wir brauchten eigentlich einen Supermarkt und stattdessen kamen Galerien.“ Sie befürchtet, dass durch die vielen Galerien die Vielfalt des Kiez verloren geht. Vor allem aber wehrt sie sich gegen die Darstellung, ihr Kiez müsste auf diese Art gerettet werden. Andererseits eröffneten in der Potsdamer Straße mittlerweile einige Cafés. „Wir haben uns gefragt, wer geht denn dort hin? Heute machen wir das alle“, sagt sie etwas selbstironisch. Dennoch würde sie ihre Kinder nicht mal schnell zum Bäcker schicken. Denn der ist in der Potsdamer Straße und „dort ist alles zu finden, gut und böse“.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Winterkurses 2015 “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität

Wachsenlassen und die Grüne Bibliothek

Von HU-Gastbloggerin Luna

Wenn im Frühling die ersten Maiglöckchen zum Vorschein kommen, dann möchte man manchmal dem Alltag entfliehen und einfach die Natur genießen.

Im Gemeinschaftsgarten Wachsenlassen in der Kluckstraße 11 in Tiergarten-Süd wird den Bürgern des Kiezes genau das ermöglicht. Und wer sich vorher mit dem Thema urbanem Gärtnern vertraut machen möchte, kann in der anliegenden Grünen Bibliothek in einem der vielen Bücher zu diesem Thema schmökern.

Grüne Biblio2,1Das Fortbestehen der Bibliothek verdankt sich engagierten Bürgern, die sich im Januar 2013 zusammengeschlossen haben, um die von Schließung bedrohte Bibliothek Tiergarten Süd weiterzuführen. Gemeinsam mit dem Amt für Weiterbildung & Kultur Berlin-Mitte, Fachbereich Bibliotheken, dem Stadtteilverein Tiergarten e.V. und der IG Bibliotheken, haben sie das Konzept der Grünen Bibliothek entworfen. Sie ist ein generationsübergreifendes und interkulturelles Projekt, das Angebote im Bereich Urbanes Gärtnern, Do It Yourself und Sprach- und Leseförderung anbietet. Weiterlesen

Strohauer – Immobilienverwaltung mit sozialem Anspruch

„Komm doch rein. Ich darf doch du sagen?!“ bittet mich eine Angestellte in das Büro der Strohauer Immobilienverwaltung an der Kurfürstenstraße. Mit gleicher Offenheit entwickelt sich schnell ein Gespräch mit der Geschäftsführerin Anna Strohauer. Ganz anders als man sich das mit jemandem aus der Immobilienbranche vorstellt, welche in Berlin eher durch Gentrifizierungswahn, denn durch offene Gesprächsbereitschaft auffällt. Doch schnell wird klar, diese Immobilienverwaltung ist anders als diejenigen, von welchen man im Zusammenhang mit horrenden Mieterhöhungen und Verdrängung täglich liest und hört.

Im Gegensatz zu den meisten Hausverwaltungen, ist der Bestand an Wohnraum auch im Besitz des Familienunternehmens Strohauer. Der Regelfall ist auf dem Immobilienmarkt, dass der Eigentümer eine Verwaltungsgesellschaft mit der Betreuung der Objekte beauftragt. „Dabei kommt es oft zu einem Konflikt zwischen Verwalter und Eigentümer. Während der Eigentümer finanziell das Beste rausholen will, muss die Verwaltung sehen, wie sie selber lukrativ arbeitet“, sagt Anna Strohauer. „Diesen Fall haben wir bei uns nicht. So können wir uns auf die Gebäude an sich fokussieren, ohne großen Profit aus diesen pressen zu müssen.“ Dadurch kann die Verwaltung nachhaltiger arbeiten, was auch den Mietern zugute kommt.

„Wenn sich beispielsweise eine alleinerziehende Mutter in hohem Mietrückstand befindet, versuchen wir zuerst persönlich oder Mittels eines Sozialarbeiters auf sie zuzugehen und eine Lösung zu finden. Der rechtliche Schritt ist für uns das allerletzte Mittel. Das ist bei üblichen Hausverwaltungen oftmals nicht der Fall. Die haben weder die Zeit, noch die Mittel sich um solche Fälle persönlich zu kümmern oder aber kein Interesse daran, wenn Eigentümer vorhaben die Bestände sowieso in absehbarer Zeit wieder zu verkaufen. Wir dagegen haben immer den Anspruch etwaige Probleme sozial verträglich zu lösen“, erklärt Frau Strohauer.

Die aktuelle Mietpreisbremse hält Frau Strohauer für ein Instrument bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen und die steigende Überteuerung zumindest einzugrenzen. Dabei lasse dieses jedoch viele Aspekte unberücksichtigt, so z.B. den Zugang zu dem Wohnraum. Wer den Zuschlag für eine Wohnung bekommt, entscheide immer noch das Einkommen, daran werde auch eine Mietpreisbremse nichts ändern. Für den Strohauer’schen Bestand wird diese jedoch ohnehin nicht greifen, da dieser sowieso nicht massiv über dem aktuellen Mietspiegel neuvermietet wird. Dies geschieht auch aus Eigeninteresse: „Wozu sollen wir die Miete so stark erhöhen, um am Ende Mieter zu haben, die diese nicht bezahlen können und unzufrieden sind. Davon haben auch wir nichts“, sagt Frau Strohauer.

Bei der Vermietung versucht die Hausverwaltung auch die Situation im Kiez mitzudenken und sich über die aktuelle Lage zu informieren. „Wir als Privateigentümer identifizieren uns auch mit der Gegend in der sich unsere Objekte befinden und auch mit den Menschen die dort wohnen. Dementsprechend ist uns deren gute Entwicklung für alle wichtig“, so Anna Strohauer. Letztendlich glaubt sie, ist die Kommunikation zwischen Eigentümern und den Mietern wichtig, um gemeinsam einen Plan zu erstellen, wie sich der Kiez und die Wohnsituation entwickeln soll, so wie dies aktuell im Rahmen des „Quartiersmanagements“ an der Potsdamer Straße stattfindet. Nur so könnten alle den aktuellen Umgestaltungsprozess der Potsdamer Straße konstruktiv mitgestalten. „Mit den meisten großen Gesellschaften wird ein solcher Dialog allerdings schwieriger zu machen sein“, vermutet Frau Strohauer.

Von Hu-Gastblogger Johannes