Kategorie-Archiv: Einkaufen

Ist offline Videos ausleihen Schnee von gestern? – Wie die Berliner Videotheken aussterben

Von HU-Gastblogger Sebastian

Filme gucken. Ein Hobby für viele. Wie wirkt sich die wachsende Bequemlichkeit Filme bei Onlineanbietern zu schauen statt offline auf die Verleiher aus?

VOM GEFÜHL DES AUSLEIHENS

Es ist dieses besondere Gefühl: Ich betrete die Räumlichkeit, als erstes leuchten und reflektieren mir die prall gefüllten Regale durch all ihre bunten Hüllen und Covers entgegen. Davor kündigt bereits ein Plakat, hinter dem Schaufenster, die neu erscheinenden Filme für den aktuellen Monat an. Die Vorfreude wird geschürt, nebenbei plane ich im Kopf bereits Woche für Woche die einzelnen Filmabende.

Ein Rückzugsort

Schon seit ein paar Jahren (genaues Jahr unbekannt) ist die Videothek für mich eine willkommene Abwechslung zum stressigen Alltag geworden. Fast wie ein Rückzugsort, wenn ich das Stichwort Entschleunigung betrachte: Ein Ritual, sich einmal die Woche (m)einen Film auszuleihen und (mit Freunden) zu gucken.

Es ist dieses besondere Gefühl, wenn du alle Verkäufer/-innen kennst, sie dir freudig entgegenlächeln und deinen Besuch schätzen. Denn offline kennt man sich eben noch persönlich. Zu meinem Besuch gehört natürlich auch ein regelmäßiger Meinungsaustausch über neue Filme, Filmklassiker und allem was dazugehört.

Von Empfehlungen und Freunden

Bei all dieser Vertrautheit, können Empfehlungen gegeben werden, die nicht wie in einer Online-Videothek auf einem Algorithmus basieren, der einfach nur deine bisher angesehenen Filme analysiert. Also zückst du die laminierte Ausleihkarte, die vor jeder einzelnen Filmhülle steht und gehst damit zum Tresen.

Ein anderer Teil dieses besonderen Gefühls ist es, wenn du mit deinem besten Freund dorthin gehst und die Hälfte der Zeit damit verbringst, dich überhaupt auf einen Film festzulegen. Schlimmstenfalls kennt nämlich der eine schon die eine Hälfte und der andere die andere Hälfte der Filme. Auch hier wirkt der Mensch hinterm Tresen oft vermittelnd, indem er wilde Wortgefechte erst schlichtet und dann den richtigen Film vorschlägt, den noch keiner von beiden gesehen hat.

Der Gang zum Thresen

Es ist eben dieses besondere Gefühl, wenn du wie ein kleines Kind an der Theke stehst, die Kunden- und Ausleihkarte stolz überreichst und der Verkäufer parallel zu einem weiteren Dialog mit dir den entsprechenden Film raussucht, um die leere Filmhülle mit Inhalt zu füllen.

Das Ende naht?!

Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2017. Schritt für Schritt haben sich schon einige Videotheken aus dem Geschäft verabschiedet. Die für mich schönen Zeiten, wie oben beschrieben, scheinen vorbei …
Zeit für mich, der ganzen einmal Sache auf den Grund zu gehen!
Zunächst vergleiche ich Offline- mit Online-Angeboten:

Die Konkurrenz

Bei den schier unzähligen Online-Anbietern wie Netflix, Amazon Prime, Sky (HD), Maxdome, um nur einige zu nennen, ist es Gang und Gäbe, gemütlich vom heimischen Sofa aus per Tastendruck die Qual der Wahl zu haben. Dabei schlagen klassische Filmmedien, in diesem Falle die Bluray, diese Anbieter in punkto Qualität um Längen!

Hat den Kampf schon 2014 verloren: World of Video in der Bülowstr. 101

Preisstruktur

Umso erstaunlicher und unverständlicher, dass Online-Leihangebote aktuell fast dreimal teuer sind (Zum Vergleich: Videothek ein Film 1€/Geschäftstag VS Vodafone Select 4,99€/3 Geschäftstage). Abgesehen davon, dass es oft, wie im Beispiel genannt, keine Option auf „weniger“ gibt und Dinge mitbezahlt werden müssen, die nicht unbedingt gebraucht werden. Zum Beispiel, wenn ich einen Film online drei Tage ausleihen muss, obwohl ich nur einmal an einem Tag gucken möchte. Warum 5€ für drei Tage zahlen, wenn ich nur einen Tag brauche bzw. maximal zwei, wenn ich zu faul bin und ihn erst am Folgetag zurückbringe.

Schon immer haben die Videotheken auch die normale Bequemlichkeit der Personen miteingerechnet und die Preise entsprechend human gestaltet. Fast jeder weiß, dass sich die Wenigsten nach einem gemütlichen Filmabend danach noch einmal aufrappeln, um den Film am gleichen Geschäftstag zurückzubringen.
Online hingegen, liest sich das bei Amazon Video so: „Sie haben 30 Tage, um ein geliehenes Video zu starten und dann 48 Stunden, um es anzusehen.“

Wie das Geschäft läuft

Ich verabredete mich für ein paar Interviewfragen zum einen mit den Mitarbeitern aus der heimischen Videothek, die zum Zeitpunkt des Artikelschreibens in zwei Tagen am 29.03.17. mit einem Räumungsverkauf schließt und zum anderen mit Mitarbeitern in der noch geöffneten Filiale in Schöneberg (Martin-Luther-Straße 34), die beide der gleichen Kette „Video World“ angehören.
Im persönlichen Gespräch erfahre ich zunächst, dass wahrscheinlich auf kurz oder lange Sicht entweder alle Filialen bis 2018 schließen oder auf höchstens zwei Filialen minimiert werden.
Die genauen Ursachen dafür sind auch den Mitarbeitern unbekannt. Geschäftlich scheint es gut zu laufen. Ich vermute für mich persönlich, dass vielleicht die Gewinnspanne zu niedrig ist, wenn am Ende der Umsatz – Ladenmiete – Personalkosten betrachtet wird.

Angebotsvergleich

Vom Filmangebot her, können die Videotheken nur teilweise nicht mehr mithalten. Von den neuesten Filmen ausgehend, sind die Videotheken klar im Vorteil! Neue Filme erscheinen oft Wochen vorher exklusiv vor Handel und Online-Anbietern zum Ausleihen. Woran es langfristig mangeln wird, ist die begrenzte Lagerfläche. Einige Filialen betrifft das mehr oder weniger, aber mit immer weiter zunehmender Filmanzahl, werden nicht alle Filme den Weg ins ewige Archiv finden oder nach Jahren aus selbigen aussortiert werden müssen.
Hier haben die Online-Anbieter durch den Ausbau von Servern eindeutig den langfristigen Vorteil, dass sie Filme für solange verfügbar machen können, wie sie selbst existieren. Aktuell arbeiten sie aber immer noch daran, weitere ältere Filme in die sogenannte „Cinemathek“ aufzunehmen, um sie zu komplettieren.

Filiale an der Prinzenallee: Bald Vergangenheit

Trend verschlafen?!

„Man habe den Online-Trend verschlafen“ heißt es durchgängig. Was das allerdings genau heißt, weiß niemand so recht. Ich frage nach: „Wie hätte man dem Online-Trend denn besser entgegenwirken können?“, woraufhin meistens eher Stillschweigen herrschte.

Eine vermeintliche Lösung gab es schon einmal bei manchen Anbietern: Das (Rück)Versenden der Videos per Post. Einfach den Film in den beim Ausleihen mitgelieferten Postumschlag in den nächstgelegenen Briefkasten werfen. Manchmal brachten die Anbieter auch einfach direkt Briefkästen an der Filiale außen an, damit die Kunden auch außerhalb der Öffnungszeiten die Filme zurückgeben können.

Doch das wurde scheinbar nie so richtig angenommen. Die Kosten durch die Postsendung wurden höher, der Verwaltungsaufwand ebenso.
Dass die Briefkästen noch heute ungenutzt im Lager meiner Filiale rumstehen und auf ihren Einsatz warten, verdeutlicht das Scheitern, dem Online-Trend auf diese Art und Weise entgegenzuwirken.

Kurzfazit

Am Ende bleibt mir nur übrig festzustellen, dass es für die Mitarbeiter und mich unbekannte Ursachen-Wirkungen gibt, die sich scheinbar außerhalb unserer Wahrnehmung befinden.
Vielleicht war es auch einfach an der Zeit. Der Name Videothek ist an sich ja schon ein altbackener, schließlich werden Videos schon lange nicht mehr angeboten, seit dem Durchbruch der DVD, die wiederum auch schon vom Nachfolgeformat Blu-Ray langsam abgelöst wird. Vielleicht ist die Bequemlichkeit wichtiger, von der Couch aus Filme auszuleihen, als das nostalgische Gefühl, ein echtes Medium in der Hand zu halten?
Vielleicht ist Videos offline ausleihen auch einfach nicht mehr hip genug?!

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität.

Der Hörtest – ein Angstauslöser?

von HU -Gastbloggerin Martina

Besuch des Geschäftes ,,Das Hörwerk“ in Schöneberg
Habt ihr euch schon einmal gefragt, ob das Missverstehen von einigen Wörtern wie ,,Stahl oder Schal“ nicht ein ,,Versehen“ sondern ein vermindertes Hörvermögen sein könnte?

Krankenkassen und  Zeitungen berichteten, dass die Schwerhörigkeit in der Bevölkerung massiv zugenommen hat, gravierend auch bei   den Kindern und Jugendlichen. Mögliche Ursachen sind: Dauerhaftes Hören von zu lauter Musik beim Besuch von Clubs / Popkonzerten, aber auch die ,,gefährliche Dauerbeschallung“ über Mini-Kopfhörer wie es u.a. bei dem  Gebrauch von MP3 Playern der Fall ist.

Das Problem mit der ,,aufgeschobenen“  Schwerhörigkeit
Auf meine anfängliche eigene Vorrecherche und Frage  zur steigenden Anzahl von Schwerhörigen in der Bevölkerung, bekomme ich folgende Antwort von der Geschäftsinhaberin ,,Das Hörwerk“:

Das Geschäft  am  Willmanndamm 16, 10827 Berlin und Inhaberin Funda Gül Gozdzik

,,Wer schwer hört, geht oft zu spät zum Hörtest.“ So berichtet mir die Inhaberin Funda Gül Gozdzik, ausgebildete  Hörgeräteakustik- Meisterin des Geschäftes ,,Das Hörwerk“ im Willmanndamm 16, in 10827 Berlin. ,,Erst wenn es mit der verminderten Hörfähigkeit schon dramatischer geworden ist, wird der Weg zum HNO-Arzt beschritten. Einfach viel zulange wird die bereits bemerkte Hörminderung in Kauf genommen.“

Bei mir entstehen zu dieser Antwort gleich weitere wichtige Fragen: Obwohl es moderne Hörgeräte gibt, warten die Betroffenen sehr lange, warum? Obwohl beim Hörgeräteakustiker kostenlose Hörtest angeboten werden, entsteht der notwendige Weg zum Akustiker größtenteils erst dann, wenn ein Rezept vom Arzt für ein Hörgerät vorliegt?

Zu diesen wichtigen  Problemstellungen berichtet mir Frau Gozdzik gleich sehr ausführlich und aufschlussreich, mögliche Ursachen: ,,Eine Hörminderung ist in den häufigsten Fällen ein schleichender Prozess und wird von den Betroffenen deshalb erst spät wahrgenommen. Oft ist es das Umfeld, welches auf die Hörminderung aufmerksam macht. Bis zum ersten Besuch beim Hörakustiker oder beim HNO-Arzt vergehen deshalb manchmal viele Jahre. Die Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung und Akzeptanz von Hörminderungen vieler Institutionen zeigt jedoch schon erste Erfolge. Immer mehr Menschen schützen  ihr Gehör rechtzeitig oder machen einen Hörtest bei den ersten Anzeichen für einen Hörverlust.“ Der Bezug zur Öffentlichkeit wurde  u.a. hergestellt mit der Veranstaltung  ,,Welttag des Hörens, welcher am 3. März 2017 stattfand.

Das Geschäft
Nur eine Seitenstraße von der Potsdamer Straße und nur wenige Fußschritte entfernt vom U-Bahnhof Kleistpark liegt das mit blauen Farben gestaltete und freundlich einladende Geschäft ,,Das Hörwerk“ von der sehr sympathisch wirkenden,   jungen Besitzerin Frau Funda Gül Gozdzik. Auch der Internetauftritt  ist in blauen Farbtönen gestaltet. Für mein Interview und einen geplanten Hörtest  am Ende des Interviews,  meldete ich mich bei der Inhaberin mit einem zusätzlichen ,,Hörprobanden“  zu zweit  an, um mich  selbst  besser auf das Interview konzentrieren zu können.

Nach einer freundlichen Begrüßung und einer Tasse frischen Kaffee aus einer modernen Espressomaschine, kann ich gut  ,,erfrischt“  das ausführliche Interview führen. Frau Gozdzik wirkt meinen vielen Fragen gegenüber sehr aufgeschlossen, erklärt und zeigt viele Hörgeräte und die dazugehörigen  Utensilien. Ich untersuche und fotografiere viele Hörgeräte (FOTO), die auffallend klein aussehen und sich sehr leicht in der Hand anfühlen.

Es wird mir erklärt, dass es sehr unterschiedliche  Varianten von Hörgeräten gibt: Im Ohr, außerhalb des Ohres usw. und Zubehör.

Verschiedene kleine Hörgeräte und Zubehör

Der Service in deutscher, türkischer und polnischer Sprache

Die Flyer zum Geschäft gibt es in türkischer und deutscher Sprache.Auch ihre Internetseite bietet die Ladeninhaberin  in türkischer Sprache an, da Frau Gozdzik  türkische Wurzeln hat, aber in Deutschland geboren wurde. Ihr Ehemann bietet für Kunden bei Bedarf  einen polnischen Übersetzungs-Service an, da er ehemals aus Polen stammt. So ist die Kundschaft breit gemischt  und Frau Gozdzik berichtet begeistert: ,,Der Service in türkischer Sprache  wird sehr oft genutzt, der in Polnisch eher weniger. Außerdem kommen Kunden nicht nur aus dem Kiez, sondern auch aus anderen Teilen Berlins und Brandenburg.“

Für die Zukunft möchte sie ihren Internetauftritt so gestalten, dass sie zusätzlich auch einen ,,Einkaufs – Shop“  anbietet. Mehr verrät sie mir dazu leider nicht.

Die  jahrelange Betreuung
Die Hörgeräteakustikerin macht außerdem auf die  Testung und Betreuung bei einem Hörgerät aufmerksam: ,,Deshalb ist es wichtig, Hörgeräte immer im privaten Umfeld und verschiedene Modelle im Vergleich zu testen. Erst dann kann eine geeignete Wahl getroffen werden. Nach dem Kauf von Hörgeräten wird der Kunde viele Jahre von seinem Hörakustiker weiter betreut. In bestimmten Intervallen werden die Hörgeräte gereinigt, auf ihre Funktion geprüft und ggf. nach einem neuen Hörtest nachgestellt.“ Hierzu erhält man ,,ähnlich“ wie bei einer notwendigen Inspektion eines Autos ein kleines blaues ,,Serviceheft“ von der Inhaberin des Hörwerks für  die nächsten Inspektions-Termine  der Hörsysteme.

Außerdem berichtet sie mir, dass es  zusätzlich die Möglichkeit gibt, bei teuren Hörgeräten auch eine Versicherung gegen Diebstahl, Beschädigung usw. abzuschließen. Denn die Kosten eines Hörgerätes variieren zwischen 0,00 Euro (ohne Zuzahlung)  bis zu 2000 Euro oder höher für ein sehr ,,intelligentes“ Hörgerät.

Der Wunsch der beruflichen Selbständigkeit
Frau Gozdzik schildert mir, dass ihr die  Ausbildung zum Beruf der  Hörakustikerin/Hörgeräteakustikerin sehr gefallen hat. Diese dauerte 3 Jahre und beinhaltete zu den technischen Gebieten auch das Fach Psychologie, welches ihr besonders gut gefiel. Zu einem späteren Zeitpunkt absolvierte sie  die Qualifikation zur Hörgeräteakustik – Meisterin. Die Gründung ihres Geschäftes  hatte sie nebenbei mit Familie und Kind  umgesetzt. Den  eigenen, starken  Wunsch nach beruflicher Selbständigkeit hatte sie schon lange: ,,Ich wollte seit meiner Kindheit unbedingt später selbständig ein Geschäft besitzen und führen“. Einige Semester  Jura-Studium liegen  hinter ihr, aber der Wunsch zur Selbständigkeit und ein großes Interesses an dem Beruf Hörakustiker führten dazu, dass sie das Studium ,,sausen“ ließ. Sie ist Geschäftsführerin und Inhaberin des Ladens und führt diesen momentan alleine. Den Ort für das Geschäft am Willmanndamm 16 in Schöneberg hat sie bewusst gewählt: ,,Ich bin hier im Kiez aufgewachsen und kenne ihn gut!“.

 Das Hörgerat – ein moderner  ,,Winzling“
,,Heutzutage gleichen die modernen Hörgeräte teilweise kleinen Computern, die sich sogar kabellos mit dem Smartphone verbinden können oder internetfähig sind“, berichtet mir die Besitzerin.

Ich bekomme auf eigene Nachfrage hin, mehrere Prospekte ausgehändigt, u.a. auch wie sorgfältig die Pflege eines Hörgerätes sein sollte, hier ein spezielles Heft, eine Pflegefibel für Hörsysteme.  Es entsteht bei mir, der  überraschend positive  Eindruck, dass moderne Hörgeräte heutzutage sehr klein, individuell angepasst und unauffällig am oder im Ohr zu tragen sind. Auch die Farbauswahl ist sehr vielseitig, es gibt Hörgeräte in weiß, rosa, braun, blau und vielen anderen farblichen Möglichkeiten.

Hörgerät ,,am Ohr“ in blauer Farbe

Der mit Spannung erwartete Hörtest
Was ist überhaupt ein Hörtest? Ein  Audiometer überprüft  Schwingungen/ Schallwellen im Gehörkanal, d.h. bestimmte Frequenzbereiche werden getestet, ob und wann diese Schwingungen (Töne) rechtzeitig erhört werden, gemessen wird in Hz (Hertz).

Es erfolgt eine kleine Einweisung und mein  ,,Prüfling“, Frau Godzik und ich betreten den schallisolierten Hörtestraum. Die Hörtestperson bekommt von der Hörakustikerin  einen großen, abgedichteten Kopfhörer – wie beim Musikhören – auf beide Ohren gesetzt und einen ,,Drücker“ in die Hand. Bei jedem kleinsten gehörten Ton soll sofort der ,,Drücker“ betätigt werden. Das Ergebnis wird parallel auf dem uns sichtbaren PC in einem Diagramm, das sog.  Audiogramm  gespeichert.  Ich darf beim Hörtest dabei sein, setze mich in eine Ecke und bin ,,mucksmäuschenstill“, um zusätzlich störende Geräusche zu vermeiden.

Der Hörtest-Raum

Beim folgenden  ,,Hörtest“ erscheinen für unseren ,,Prüfling“ helle und etwas später dumpfe Töne, die für mich nicht zu hören sind. Frau Gozdzik markiert das jeweilige Ergebnis in einem Diagramm, am Bildschirm des  PCs sichtbar. Bei einigen dumpfen Tönen, ,,verzieht“ der Prüfling das Gesicht, warum?

Die Auswertung des Hörtest
Die ,,Versuchsperson“ schneidet im Ergebnis bei hellen Tönen gut ab, berichtet im Auswertungsgespräch die Hörakustikerin. Aber warum wurden die dumpfen Töne so spät erkannt? Der Test wird von ihr wiederholt, es entsteht ein ähnliches Ergebnis. Unser Proband hat Probleme beim Erkennen von dumpfen Tönen, warum? Ein zufälliges Ergebnis einer nicht erkannten oder ,,verschleppten“ Hörminderung? Die Hörakustikerin schildert das Ergebnis: ,,Beim Hörtest hat das linke Ohr leider schlechter gehört, als ein gesundes Ohr es tun würde. Eine Erkältung ist eher ausgeschlossen, da nur ein Ohr betroffen ist. Der Hörtest sollte auf jeden Fall wiederholt werden und ein Besuch beim HNO-Arzt ist ratsam.“

Es wird mit Frau Gozdzik vereinbart, den Hörtest in einem späteren Termin zu wiederholen. Hat sich hier bereits bei  der Testperson eine ,,versteckte“ Hörminderung eingeschlichen? Gehört auch sie  zu den Personen, die ,,unerkannt“ eine Hörminderung mit sich ,,herumschleppen“ und diese ,,aufschieben“? Ich und Frau Gozdzik schauen uns hierzu nachdenklich an. Unser Proband beschrieb den Hörtest ansonsten als völlig schmerzfrei und harmlos. Der Test dauerte keine 10 Minuten. Der Hörtest wurde geschildert wie ein Piepen von Tönen, welche kurz gehört wurden oder eben nicht. Das weitere Vorgehen liegt nun in der Hand der ,,Testperson“.

Die ,,Scham“ vor dem Hörtest
Ich selber bemerke ,,manchmal“ auch bei mir ,,gewisse“ Verständnis – schwierigkeiten, sollte ich vielleicht einmal einen Hörtest ,,riskieren“? Bei der sympathischen und vertrauenswürdigen Inhaberin des Hörwerkes würde ich auf jeden Fall einen Hörtest durchführen, um wirklich Gewissheit zu erlangen. Dieser wird mir wie immer ,,kostenlos“ vom Hörwerk angeboten. Kopfhörer aufsetzen und Drücker betätigen sollte es wert sein, um Gewissheit zu haben, ob alles ok ist mit dem eigenen Hörvermögen!

Es bleibt bei mir immer noch der Gedanke weiterhin bestehen: Warum haben viele Menschen Angst einen Hörtest durchzuführen bzw. rechtzeitig zum HNO-Arzt zu gehen, wenn sie bei sich selbst Hörminderungen oder Verständnisschwierigkeiten bemerken? Sind es die Ergebnisse, die einen ,,schockieren“ könnten oder die Handlung, zukünftig ein Hörgerät tragen zu müssen?

Frau Gozdzik erklärt hierzu, dass es eine psychologische Ursache haben könnte. Das man sich schämt, wenn man schlecht hört. ,,Man kann Hörminderungen  jahrelang überspielen und dazu improvisieren.“ Meine dennoch offene Frage wurde später beim ,,Stöbern“ in einem speziellen Forum im Internet beantwortet, wo über Scham und Angst vor Hörgeräten ausführlich und offen diskutiert wird.

Wer sich nun nach meiner ausführlichen Schilderung einen Hörtest zutraut, der ist gerne willkommen beim Hörwerk im Willmanndamm 16, 10827 Berlin zu den Öffnungszeiten:

Montag bis Donnerstag von    9 Uhr  bis 17 Uhr und freitags  bis  14.30 Uhr.

Traut ihr euch?

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität zu Berlin

 

 

Nach 100 Jahren verblassen die Farben

Gerüste bedeuten dieser Tage nichts Gutes. Eine Leiter ist vielleicht noch zu ignorieren. Aber Gerüst und Container!

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Und dann noch ein Ausverkaufsschild. Alarmstufe rot !

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Eigentlich unbegreiflich, dass dieser Laden ab dem 1. Januar 2017 nicht mehr da sein soll. Seit 1968 – also seit fast fünfzig/50 Jahren = 5 Jahrzehnten  – gibt es ihn hier an dieser Stelle. Den Malereibedarf Fron in der Kurfürstenstraße 24. Weiterlesen

Ein Schatz – Vintage Style

Von HU-Gastbloggerin Magda

In Potsdamer Straße wurde der „Brillenschatz“ eröffnet. Er ist in einer Durchfahrt versteckt und man muss nach ihm wie nach einem Schatz suchen, sagt der Geschäftsführer. Und was versteckt der Brillenschatz?

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Der Gründer von Brillenschatz -Abdullah Demir war noch vor ein paar Jahren ein Musiker. Da er einerseits ein gut bezahlten Job haben wollte und sich andererseits in seinem beruflichen Leben auch mit seinem Hobby beschäftigen wollte, hat er lange nach einer neuen Geschäftsidee gesucht. Bei einem Flohmarktbesuch entdeckte der ganz ungewöhnliche Kunstobjekte – Brillen. Weiterlesen

Luxuriöse Brillen mit Baumwollanteil

Luxuriöse Brillen – in der Schweiz entworfen, in einem kleinen Dorf in Italien handgefertigt und in der Potsdamer Straße verkauft. Seit fast einem Jahr existiert hier zwischen Galerien und vielen Kebab Stationen ein sehr spezielles Geschäft – Shop VIU.

Von HU-Gastbloggerin Magda

Das Unternehmen wurde im Winter 2012/2013 in der Schweiz gegründet und produziert seitdem  Korrektur- und Sonnenbrillen mit hoher Qualität. VIU Brillen sind keine Massenwaren, sondern  nachhaltige Produkte, die zu 70% aus Baumwollen bestehen. Weiterlesen

Forward-Fashion im Kiez


Skandinavisches Flair zwischen Edelstahl und Beton, geradlinig und schlicht. Im minimalistischen Stil präsentiert Acne Studios an der Potsdamer Straße seine neue Kollektion.
 

von HU-Gastbloggerin Cagla

Ein Dönerladen neben einem Sexshop, zwischen verschiedenen Galerien und der Kurfürstenstraße. So lässt sich die Potsdamer Straße in Berlin – Schöneberg wohl am einfachsten skizzieren. Die verschiedensten Unternehmen bilden einen Nachbarschaftskreis, jedes mit eigenen Charme. Die im Volksmund gern als  „Potse“ bezeichnete Straße punktet also mit Diversität, nicht nur bei Touristen –
„Teilweise zwielichtig, aber lebhaft“, beschreibt eine Passantin aus Berlin lächelnd die Umgebung. Die Straße wandelt sich und ihr Publikum mit ihr. Besonders durch die aneinandergereihten Modelabels. Weiterlesen

Kundschaft aus aller Welt

Vom Potsdamer Kiez aus stellt das in einem stillen Hinterhof gelegene Lager des Antiquariats Fundus weltweit lesehungrige Kunden zufrieden.

Von Hu-Bloggerin Nadia

Wenn man aus der U-Bahnhof Kurfürstenstraße auftaucht, ist man gleich mit der verkehrsreichen Potsdamer Straße konfrontiert. Man fühlt sich von unzähligen Reizen überfluchtet – ein Krankenwagen versucht sich mit seinem stechenden Sirenengeräusch Platz zu verschaffen. Viele Menschen  sind auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen und auf jeder Straßenseiten gibt es eine bunte und unzählige Reihenfolge von Geschäften und Unternehmern: Ein Schnäppchenladen, ein Restaurant, ein Dönerladen, eine Bäckerei, eine Bank, ein Blumenladen, ein Klamottenladen.

Was die Besonderheit der Potsdamer Straße zu ausmachen scheint, ist nicht nur ihre Lebendigkeit, sondern auch ihre Vielfältigkeit: Eine Zusammenkunft von koexistierenden Welten. Weiterlesen

Atelier Cevik – ein Laden voll kleiner Besonderheiten

cevik101Von HU-Gastbloggerin Charlotte

cevik103In einem kleinen Geschäft an der lauten Yorckstraße befindet sich eine interessante Ansammlung: Geschwungene Instrumentenkorpusse, Feilen aller Größen, delikate Muster in dünnen Holzplatten, eine Tasse Kaffee und ich, die abgesehen von der Blockflöte noch nie ein Instrument gespielt hat. Zum Glück ist Kazim Cevik mit dieser Konstellation vertraut und froh, sein Wissen über die Gegenstände in seinem Laden zu teilen.

Kazim Cevik war schon von klein auf von diesem Instrument fasziniert und beschloss die Musik zu seiner Karriere zu machen. In dem Konservatorium für türkische Musik Ege studierte er türkische Musik, Musiktheorie und Instrumentenbau. Er erklärt mir, dass es damals für Musiker üblich war, die Instrumente selbst zu bauen – was er selbst nun bereits seit 15 Jahren praktiziert. Weiterlesen

Nudeliges Vergnügen

Spaghetti in verschiedenen Formen

Nudeln in allen Formen und Farben.

Ein italienisches Sprichwort lautet: Die Pasta wartet nicht auf die Gäste, die Gäste warten auf die Pasta, soll heißen: die Pasta ist der  Mittelpunkt eines besonderen Essens – sie ist ein Heiligtum, das seines Gleichen sucht. Das weiß auch Melanie Fischer, ihr gehört das Pastawerk in der Bülowstraße. Sie hat ihre Leidenschaft für Pasta zum Beruf gemacht. Und damit eine Marktlücke in Berlin entdeckt. Weiterlesen

Wo Promis ihre Koffer lassen

Ich hab noch einen Koffer in Berlin, deswegen muss ich da nächstens wieder hin“, sang einst die schöne Sängerin und Schauspielerin Marlene Dietrich, die übrigens auch eine waschechte Schönebergerin war.

Koffer begleiten uns auf Reisen, stehen viel im Keller oder in der Abstellkammer, verstauben auf Schränken und werden, wenn es schnell gehen muss, hastig und grob gepackt. Wer sich einen wirklich guten Koffer leistet, weiß, dass der einen im wahrsten Sinne des Wortes um die Weltgeschichte begleitet. Was macht man aber, wenn der Koffer `mal kaputt ist? In unserer heutigen Wegwerfgesellschaft wird vermutlich schneller neues Reisegepäck gekauft, als man schauen kann. Doch die wirklich wertvollen, die bringt man zur Reparatur. Weiterlesen