Kategorie-Archiv: Kiez

Das Grünflächenamt auf dem Magdeburger Platz?!

Auf der Nachbarschaftsplattform nebenan.de waren in letzter Zeit mehrmals Aufrufe von der AG Magdeburger Platz des Stadtteil-Forums Tiergarten-Süd zu lesen. So auch vor vier Tagen: Seit einigen Wochen trifft sich die Arbeitsgruppe Magdeburger Platz des Stadtteil-Forums regelmäßig auf dem Platz und rodet Brennnesseln. Am kommenden Samstag [ heute – 6.5.2017 ab 11 Uhr] nun werden wir dann auf den ersten 200 m² bearbeiteter Fläche säen können, bald werden dort Kornblumen statt Brennnesseln sprießen.
An diesem Tag können wir auch mit weiterer Unterstützung rechnen, da wir uns an dem berlinweiten Aktionstag Berlin machen beteiligen.
Kommen auch Sie, bringen wir Leben auf den Platz, damit wir uns dort wohlfühlen können.

Doch wie wir nun aus gut unterrichteten Kreisen erfahren, ist heute vielleicht gar nicht sooo viel zu tun oder es sind – im besten Fall – noch viel mehr freie Flächen zum Säen vorhanden. Denn seit einigen Tagen ist das Grünflächenamt-Mitte auf dem Magdeburger Platz tätig. Rupft die Brennnesseln, die doch die AG beackert.

Ob das was mit dem Aktionstag zu tun hat? Der Ankündigung, dass MitarbeiterInnen der Berliner Woche unterstützend mit dabei sein werden? Oder gar mit dem Besuch vom Stellvertretenden Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat Ephraim Gothe bei der Sitzung des Stadtteil-Forums Anfang Mai? Dort wurde er auch auf den Magdeburger Platz angesprochen, denn das Stadtteilforum hat einen ausführlichen Beschluss zu der gesamten Materie erstellt. Seine Antwort war mit Informationen des Grünflächenamtes unterfüttert, dazu später mehr.

Dass der Madgeburger Platz grüne Anteilnahme dringend nötig hat, sah auch HU-Gastblogger Lukas bei einem kurzen Besuch dort vor wenigen Wochen. Hier sein Beitrag:
Der Magdeburger Platz ist seit über 20 Jahren sehr vernachlässigt worden und benötigt dringend eine Umgestaltung. Gartenbau und Pflege sind seit langem eingestellt. In den letzten Jahren ist kaum passiert und Prostitution und Drogenhandel sind allgegenwärtig. HU-Gastbloggerin Steffi schrieb bereits vor einem Jahr darüber einen Artikel

In meinem ersten Artikel  in diesem Jahr schrieb ich über die beiden Landschaftsarchitektur-Studenten Lars und Luisa, die sich mit der Umgestaltung des Magdeburger Platzes in ihren Abschlussarbeiten beschäftigten.

Mit beiden Konzepten in der Hand ging ich daraufhin persönlich zu dem Platz um mir Anwohner-Meinungen einzuholen. Wie reagieren sie auf den Platz und die mögliche Umgestaltung?

Es ist der erste richtig warme Tag in diesem Jahr. So warm, das man sogar nur im T-Shirt draußen sitzen kann . Die Sonne scheint und der Himmel ist strahlend blau. Gegen 14 Uhr, an diesem Märztag, sitze ich auf einer der Parkbänke auf dem Magdeburger Platz und lasse ihn auf mich wirken.

Man sieht, dass hier wenig Arbeit investiert wird bzw. nur das Nötigste. An einer Stellen liegt ein Stapel gesägter Äste, die der nächst kräftige Windstoß vermutlich eh mitgenommen hätte.

Der Platz ist fast menschenleer, Wenige finden den Weg hierher. Gegenüber sitzen 2 Männer, eine Frau stößt mit ihrem Hund dazu. Scheinbar verbringen die drei öfter gemeinsame Stunden auf dieser Bank. Auf einer anderen Bank arbeitet eine junge Frau an ihrem Laptop. Ein Vater schaut seinem Sohn beim Schaukeln zu. Ein Mann schlendert eisleckend über den Platz.

Ich erhebe mich von der doch recht ungemütlichen Parkbank, um dem Skater, der sich gerade eine Zigarette dreht, ein paar Fragen zu stellen. Er ist Mitte 20 und verbringt gerade sein Mittagspause auf dem Magdeburger Platz, da er direkt um die Ecke arbeitet. Auf die Frage hin wie er den Platz findet antwortet er: „Nicht so schön, aber immerhin etwas grün“. Er weiß um die Probleme der Prostitution, groß aufgefallen sind sie ihm jedoch noch nicht (ich schätze tageszeitbedingt). Ich zeige ihm die Entwürfe von Lars und Luisa. „Wäre eine schöne Idee, nur ob sich das wirklich so lohnt ist eine andere Sache?

Ich spreche eine ältere Frau an, die sich gerade auf eine Bank gesetzt hat. Merklich unangenehm ist ihr die Situation und versucht mich abzuwimmeln: „Ich lebe hier erst seit Kurzem, dazu kann ich nichts sagen.“ Ich verabschiede mich höflich und setze mich ein paar Bänke weiter. Nach 5 Minuten kommt sie zu mir und fängt dann doch ein Gespräch an. Ich erfahre, dass sie nur heute ausnahmsweise hier sitzt, da sie krank ist. Normalerweise läuft sie viel oder fährt Fahrrad im Gleisdreieck oder am Landwehrkanal.

Ich frage warum sie so selten auf dem Magdeburger Platz ist, da sie ja direkt um die Ecke wohnt. „Das hier ist Pornografie vom Feinsten. Das ist ja nicht zum Aushalten. Das ist seit 50 Jahren schon so und das wird sich auch nicht mehr ändern“, sagt sie empört.

Ob sich der Magdeburger Platz ihrer Meinung nach verändert hat über die Jahre, frage ich. „In den 60ern gab es hier noch Gartenbau und man hat den Rasen gesprengt im Sommer. Die Pflege wurde aber vor circa 20 Jahren eingestellt.

Sie findet die Konzepte der Umgestaltung ansprechend und fügt hinzu: „Ich würde öfter hier her kommen, wenn es denn schöner wäre“.

Zum Abschied verrät mir die Frau sogar ihren Namen. Elvira.

Entwurf Lars Schöberl

Ich mache noch ein paar Bilder und mich dann auf den Heimweg. Schön ist der Platz nicht. Circa eine Stunde war ich dort und habe nicht mehr als 20 Menschen dort gesehen (und das bei schönstem Frühlingswetter). Auch ich bin der Meinung – hier sollte sich etwas ändern.
Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität.

Das Bezirksamt und die Entwürfe
Doch wie lautet nun die Reaktion des Grünflächenamtes auf diese Pläne. Misslich am Gestaltungsvorschlag sei – so übermittelt Stadtrat Gothe – dass Tiergarten-Süd gerade als Quartiersmanagement-Gebiet ausgelaufen sei. Dies sei ein ungünstiger Zeitpunkt. Und schließlich sei der Park gerade im Jahr 2000 umgestaltet worden. Im Herbst 2016 sei – auch auf Wunsch der AnwohnerInnen – ein Zaun installiert worden. Ein moderates Auslichten wäre vielleicht möglich. Doch aus Gründen des Naturschutzes sei ein Kahlschlag undenkbar. Und aufgrund der finanziellen Ausstattung des Amtes  sei an eine Beleuchtung und deren Unterhalt nun gar nicht so denken.

Doch so schnell lassen sich die Menschen, die sich seit Jahren hier engagieren, nicht abwimmeln. Das sei eine sehr konkrete Antwort auf einen nicht sehr konkret gemeinten Plan, einen Denkanstoß, um den Platz wieder zu beleben, gibt jemand zu bedenken.

Und da nun einmal ein Stadtrat direkt vor Ort bei den Menschen ist, kommt die Bitte um eine Terminvermittlung bei Bezirksstadträtin Sabine Weißler, zuständig aber nicht terminoffen für Fragen zu Weiterbildung, Kultur, Umwelt und Naturschutz im Bezirk Mitte von Berlin.

Das im Weiteren auftauchende * bezieht sich auf die Eröffnung des Zaunes und Pressetermines mit Carsten Spallek und Jürgen Götte, die am 15.8.2016 stattfand. Die beiden Herren erhielten fröhlich bunte Erinnerungsstücke, damit sie sich doch bald wieder auf den Platz betätigen können. Carsten Spallek hat inzwischen in Berlin-Mitte das Ressort gewechselt. Herr Götte ist weiterhin im Straßen- und Grünflächenamt Berlin-Mitte tätig.

Das Statement eines weiteren AG-Mitgliedes: 2000 ist schon eine Weile her. – Hört! Hört! – Heute, im Jahr 2017, sollten sich Leute dafür stark machen dürfen, dass es eine Umgestaltung gibt. Außerdem hat sich die Prostitution anders entwickelt. Immer wenn es Wahltermine gibt* oder ein Stadtrat in den Kiez kommt, werden die Brennnesseln geholt. Wir machen seit Wochen eigene Gärtneraktionen. Wir brauchen kontinuierliche Aktionen und keine Hauruckaktionen vor Politikerbesuchen.

Das Lidl-Bike – grüne Welle auf der Potsdamer Straße

Gestern gegen 20.30 Uhr fuhr die Critical Mass von Norden her kommend auf die Potsdamer Straße ein. Die BesucherInnen des Gallery Weekends fanden das sehr unterhaltsam. Die abbiegenden Autofahrer – darüber gibt es keine direkten Zitate . Auf jeden Fall hatten die RadfahrerInnen nicht nur den nicht vorhanden Fahrradweg, sondern eine gesamte Fahrspurseite in der kompletten Länge für einige Zeit mit grüner Welle auch bei Rot für sich.

Critical Mass am 28. April 2017

Wie es sich sonst so auf der Potsdamer Straße radelt und dann auch noch mit einem Leihfahrrad beschreibt HU-Gastbloggerin Jette

„ Auto oder Fahrrad?“
Ich wohne am Stadtrand und bin mal wieder viel zu spät dran für mein Seminar in der Humboldt Universität.  Mein Blick wandert zwischen unserem Auto vor der Tür und meinem Fahrrad hin und her: Wie komme ich am schnellsten hier weg? Ich überlege kurz und entscheide mich für mein Rad. In den meisten Fällen ist man in der Berliner Innenstadt so schneller unterwegs als mit dem Auto. Weiterlesen

GartenPlausch im Schöneberger Norden

von HU-Gastblogger Uwe

WASSER UND ERDE FÜR DEN SCHÖNEBERGER NORDEN

Graphik: gruppe F

Seit Anfang des Jahres 2017 gibt es den „GartenPlausch“ im Schöneberger Norden. Jeden zweiten Donnerstag im Monat treffen sich KiezgärtnerInnen in der Kiezoase Steinmetzstrasse 68, um zu fachsimpeln, sich erste Informationen zu holen oder sich zu vernetzen. Organisiert werden diese Treffen von der gruppe F, die das Projekt GartenAktiv bis Ende 2018 durchführt.

,,Genüssliche Verführungen“
Der Tagungsraum ist ansprechend mit kleinen lukullischen Genussmöglichkeiten, wie verschiedenen Keksgebäck,  schmalen Käsestangen, Kaffee und Tee, Wasser und Saft  ,,verführerisch“ ausgestaltet worden. Bereits jetzt vermittelt sich mir hier eine angenehme fast heimische Atmosphäre. Da mir noch etwas  Zeit bis zum Beginn der Veranstaltung bleibt, spreche ich kurz mit Frau Walther: ,,Die gruppeF hat ja einige Projekte in Berlin, an denen sie organisatorisch beteiligt ist, es sind momentan 3 gärtnerische Projekte  wie u.a. das Projekt Brunnengärten im Weddinger Brunnenviertel sowie ein weiteres Gemeinschaftsgarten-Projekt in Staaken.“

Der Sitzungsraum füllt sich gegen 17 Uhr sehr rasch, der Andrang ist so groß, dass die vorhandenen Sitzgelegenheiten zu Beginn der Veranstaltung nicht ausreichend sind. Mehr als 15 Personen – Anwohner und ehrenamtlich Aktive – nehmen an dem Gartenplausch teil.

150 grüne Orte im Schöneberger Norden – kartiert von der Gruppe F für das Projekt Gartenaktiv

Unter den Anwesenden sind auch zwei Mitarbeiterinnen der  Gewobag MB, die für den dortigen Bereich im Schöneberger Norden als Wohn/Hausverwaltung zuständig sind. Zum einen  ist es Frau Silke Jensen, von der Mieterberatung der Gewobag, zum anderen ist es Frau Brigitte Naumann, die zuständige Kundenbetreuerin  der Gewobag für diesen Bereich des Schöneberger Nordens.

Das heutige Hauptthema lautet: Wasser sammeln /gewinnen mit der Gewobag und der gruppe F

Nach den gemachten Erfahrungen der letzten Jahre mit einer, immer wieder aufkommenden Wasserknappheit in warmen Sommermonaten ist seit längerem der Wunsch der Anwohner präsent, für die Pflege von Hoch-Beeten und sonstigen Grünpflanzen und Gemüseanbau,  alternative Bewässerungs-und Wassersammlungsmöglichkeiten zu entwickeln bzw. neue Möglichkeiten nachzufragen. Dabei geht es heute konkret um die Aufstellung von ,,Regenwassertonnen“.

Entstehende Problematiken
Hier treten sogleich erhebliche Probleme auf. ,,Die Gewobag hat mit dieser Art von Projekt noch relativ wenig Erfahrung,“ bemerkt Brigitte Naumann. ,,Auch muss die technische Machbarkeit und die Wartungsverantwortung für diese Wassertonnen für die Erfordernisse der Gewobag –Hausverwaltung sicher gestellt werden.“

Zu beachten ist hierbei unter anderem, dass die Regen –bzw. Wassertonnen nach oben hin nicht offen sein dürfen, da darin dann kleine Kinder verunfallen könnten. Auch müssen diese Tonnen auf versickerungsfähiger Fläche stehen und mit einem Fallrohranschluss an der Hauswand angebunden sein.

Klar, dass die Gewobag generell bereit ist, zur Aufstellung von Wassertonnen. Voraussetzung ist jedoch auch die technische Machbarkeit und das Sicherstellen, wer für die Wassertonnen verantwortlich sein wird. Eine Veranstaltungsteilnehmerin fragt nach, ob die Wassertonnen auch vor dem Haus auf dem Bürgersteig stehen könnten? Die Antwort erfolgt prompt, dass die Aufstellung von Regen-oder Wassertonnen auf der Straße durch die Gewobag aufgrund der Sicherungspflicht im öffentlichen Straßenraum und der erhöhten Vandalismusgefahr keine Zustimmung erhalten kann.

Wasser marsch?
In der Gruppe beginnen nun Diskussionen über die Möglichkeit der Installierung von Wasserhähnen an den Gebäudewänden. Leider sind auch hier die technischen Voraussetzungen nicht unerheblich. Frau Naumann von der Gewobag weist daraufhin, dass bereits viele existierende Wasserhähne zurück gebaut werden mussten.

Gemeinsam mit den ExpertInnen von der gruppeF werden dann weitere Informationen gegeben. Bei der Nutzung von Außenwasserhähnen am Haus müssen diese mit einem notwendigen Wasserrücklaufstopp ausgestattet sein, aufgrund der Legionellen–Gefahr. Denn bei „toten Ecken“ im Wassersystem, wo abgestandenes Wasser verbleibt, besteht die Gefahr, dass sich diese gefährlichen Bakterien bilden. Das Wasser muss also immer im ,,Fluß“ sein. Ein Rücklaufstopp ist notwendig. Auch wird der Einbau von Wasserzählern empfohlen, denn sonst werden die Kosten für’s Blumengießen auf die gesamte Hausgemeinschaft umgelegt. Die entsprechenden Kosten für die regelmäßige Wartung müssten von der gärtnerisch aktiven Nutzergruppe getragen werden.

Ein Teilnehmer stellt resümierend fest, dass die Gewobag generell zum Aufstellen von Regenwassertonnen bereit, soweit die technische Machbarkeit und deren Verantwortung für die Tonnen sicher gestellt werden kann. Die Vertereterinnen der Gewobag und der gruppeF versichern, dass sie diesbezüglich in Kontakt bleiben werden, um die Modalitäten zu klären. Alle Beteiligten sind daran natürlich interessiert und wollen selbst auch am Ball bleiben. Das Thema des effektiven Wassersammelns wird weiterhin ein wichtiger Gesprächspunkt bleiben.

Neben ein paar kleineren anderen Thematiken kommt es zu einem weiteren für mich interessanten, überraschenden, weil nicht angekündigten  Thema: Der Beschaffung und Verwendung von Pflanzenerde. Aber! Wer braucht denn jemals so viel Erde?

Einige der Teilnehmer erwähnen zu Beginn: Den groben Kompost, der aus Grünschnitt des Straßen- und Grünflächenamtes hergestellt wird, kriegen wir ja unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Qualität reicht aber nicht für den Anbau von Nutzpflanzen aus. Letztes Jahr hatten wir ja bereits einen größeren Umfang an Erde aus Aktionsfonds-Mitteln erhalten.“

Lieferung von 5 Tonnen Erde auf einem nur 3,5 Tonnen  tragenden LKW
,,Es wurden uns ja im letzten Jahr  mit einem 3,5 Tonnen LKW  ganze 5 Tonnen zu verwendende Erde geliefert,“ merkt ein Veranstaltungsteilnehmer an. Ich bin ziemlich beeindruckt von der angegebenen  Menge und kann mir nur sehr schwer vorstellen, wie diese Massen an Pflanzenerde Verwendung finden können. Und ob nun wirklich so viel Erde verbraucht werden kann?

Kurz darauf werde ich jedoch diesbezüglich von zwei Anwesenden eines Besseren belehrt: ,,Zu Beginn dachten wir, es sei uns sehr viel Erde geliefert worden,“ sagt eine Gärtnerin. Doch dann sei es doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen.

Neuer Bedarf für 2017: Ganze 15 Tonnen Erde!!
Diesmal liegt der Bedarf allein für diese Initiative locker bei circa 15 Tonnen Erde für das Jahr 2017. Das bedeutet 300% Mehrbedarf, gar nicht schlecht! Im Anschluss wurden von den anwesenden Gärtnern bereits Wünsche für die diesjährige Oberboden-Lieferung an das Projekt GartenAktiv gesammelt. Als spätester Liefertermin für die Erde wurde der 12.05.2017 genannt.

Auch gab es an diesem Diskussionsabend noch weitere sehr interessante Themenschwerpunkte, wie das Durchführen von Bodenproben in bestehenden Beeten sowie die Qualität der gelieferten Erde. Viele Gärtner wollen wissen, ob der Oberboden ,,schadstoffbelastungsfrei“ für den Gemüseanbau verwendbar ist oder aber wie man auch die Herstellung von hochwertiger Pflanzenerde selbstständig in Angriff nehmen kann, z.B. durch das sog. „Kon-Tiki“ System.

Ebenso wurde angesprochen, in wieweit es Pflanzenarten gibt, die wenig Pflege und Wasser benötigen wie z.B. Steppengräser, Lavendel oder auch spezielle Züchtungen. All diese Themen werden zu einem am 13. April beim nächsten GartenPlausch aufgegriffen.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Cnters an der Humboldt Universität zu Berlin.

„Verooonika, der Bagger ist da“ – Familiengarten Kluckstraße in Not

Von HU-Gastbloggerin Kaya

Vorabmeldung: Am Donnerstag, den 14. April zwischen 10 und 16 Uhr wird auf dem Gelände gegärtnert bzw sind GärtnerInnen dabei, das Grün vor dem Baggern zu retten. Wer dabei helfen möchte, geht am besten direkt dorthin und packt an, wo es etwas zu tun gibt. 

Es ist ruhig, dafür, dass wir uns mitten in Berlin befinden. Der Familiengarten in der Kluckstraße ist ein kleines grünes Idyll. Am Zaun hängen Schilder mit Aussagen wie „Wir gärtnern ohne Torf.“ Da juckt mein nachhaltig interessiertes Näschen und ich tauche ab ins langsam aufblühende Grün und lasse die Großstadt hinter mir. Nichts scheint diesem Ort etwas anhaben zu können.

Aber Pustekuchen!
Demnächst soll eine Baustellenzufahrt durch den Garten führen. Eine Teilfäche wurde bereits gerodet, wobei quasi über Nacht der Kompost verschwunden ist. Das ist alles andere als idyllisch und frühlingshaft! Andererseits: Ein bedrohter Garten ist zwar weniger idyllisch, verdient es aber umso mehr, dass man über ihn schreibt.

Gemeinsam mit unzähligen anderen großen und kleinen Nutzern des Familinengartens wurden die einzelnen Holzlatten einen Sommer lang individuell bemalt.

Im Frühjahr 2010 begann das Projekt wachsenlassen den Gemeinschaftsgarten in der Kluckstraße aufzubauen. Seitdem ist viel gepflanzt, geerntet, gebangt und gelacht worden. Ausschlag für einen wichtigen Meilenstein war die Meinungsverschiedenheit mit den Wild-Kaninchen über den Gemüsegarten, woraufhin 2012 ein kunterbunter Lattenzaun gebaut wurde.

Kindergartenkinder und Auszubildende eines Sägewerks hobelten, sägten, schliffen und malten gemeinsam. „Der Zaun ist beispielhaft für unsere Art zu arbeiten„, erklärt mir Gabriele Koll. Wie bei allen Belangen war es ihr als Projektleiterin und allen Beteiligten wichtig, auf möglichst nachhaltige Weise vorzugehen. Das Holz für den Zaun stammt aus einheimischen Berliner Forsten und wurde nicht nachträglich mit chemischen Mitteln behandelt.

Die Baustelle
Das Kiezzentrum ‚Villa Lützow‚, auf dessen Gelände sich auch der Familiengarten befindet, soll schon seit langem saniert und ausgebaut werden. Eigentlich eine tolle Sache. Ursprünglicher Baubeginn sollte der 01.01.2016 sein; seitdem steht das Haus leer. Die unterschiedlichen Träger wie Gladt e.V., KomBi Kommunikation und Bildung, der Stadtteilverein Tiergarten, FiPP e.V. oder auch KIDZ e.V. mussten sich damals – teilweise in anderen Bezirken – neue Bleiben suchen. Bis Februar diesen Jahres wusste niemand, wie lange sich der Baubeginn noch verzögern würde. Nun soll es am 01. Mai losgehen. Und die Baustellenzufahrt soll genau durch den Gemeinschaftgarten führen.

Am Rande der gerodeten Fläche, da, wo zuvor der Komposthaufen war, liegen jetzt nur noch die Holzpaletten, die den Kompost vorher umgrenzt haben.

Vor ca. drei Wochen haben wir plötzlich entdeckt, dass ein Teil des Garten gerodet wurde. Der schöne Kompost, der dieses Jahr endlich einsatzbereit gewesen wäre, ist verschwunden,“ erzählt mir Gabriele Koll als wir auf der trostlosen braunen Erde stehen, die vor Kurzem noch von Büschen bedeckt war.

Mitglieder des Stadtteil-Forum Tiergarten-Süd waren entsetzt und verfassten Ende März einen Protestbrief an Carsten Spallek, Stadtrat für Schule, Sport und Facility Management: Mit Entsetzen haben die Projektleitung und das Stadtteilforum festgestellt, dass unabgesprochen großflächige Rodungsarbeiten auf dem Gelände für die Bauvorbereitungen durchgeführt und dabei bereits wichtige Flächen und Arbeiten des Projektes zerstört wurden. … Grundsätzlich halten wir es für unbedingt notwendig, dass die Planungen für die Baumaßnahme mit den Trägern vor Ort abgestimmt werden. Damit wurden 2009/2010, als der Familiengarten unter Federführung des Grünflächenamtes angelegt wurde, sehr gute Erfahrungen gemacht. … Das Stadtteil Forum wendet sich daher entschieden gegen die aktuelle Vorgehensweise, die die Arbeit im Familiengarten übermäßig behindert oder sogar zunichtemacht. Wir haben daher einen Lösungsvorschlag erarbeitet, der den Erhalt der Gärten sicherstellt und gleichzeitig eine ungehinderte Baustellenzufahrt ermöglicht. (der gesamte Brief als pdf download)

Aus dem Büro Spallek kam nach einer Woche lediglich die Information, der Brief sei an den Leiter des Facility Managements weitergeleitet, da dieses für die Organisation des Bauvorhabens zuständig sei.

Ob der Vorschlag des Stadtteil-Forums für eine alternative Baustellenzufahrt beim Facility Management abgewogen wurde, ist bis dato nicht bekannt.

Auch das Jugendamt Mitte engagierte sich noch einmal für alternative Pläne, trug noch einmal Bedenken vor, wurde jedoch auch nicht gehört. Es scheint, dass unbedingt am Baubeginn Anfang Mai festgehalten werden soll.

Umsetzaktion: Rettung oder Illusion?
Eine Übergangslösung für die zwei Jahre, in denen gebaut werden soll, wäre eine teilweise Umsiedlung des Gartens. Allerdings weiß niemand genau, wann die Zufahrt errichtet werden soll. In drei Wochen, in einer, morgen? So eine Umsiedlung kostet Zeit und Geld. Beides ist in einem ehrenamtlich beackerten Garten Mangelware. Zudem ist im letzten Jahr die Finanzierung für den Garten ausgelaufen, gemeinsam mit KIDZ e.V. sind Anträge bei Stiftungen und anderen Fördergeldgebern in Planung.

Es müssten ca. 40 Beeren-, Gemüse- und Blumenstauden sowie zahlreiche Gehölze ein neues Zuhause auf Zeit bekommen. Ob die Pflanzen einen Umzug überstehen, bleibt fraglich. Für Pflanzenumsetzungen hätte man sich keinen ungünstigeren Zeitpunkt als Anfang April wünschen können. Zudem müsste der bunte Zaun ab- und wieder aufgebaut werden.

Dass auch das Insektenhotel umgesetzt werden muss, wird den BewohnerInnen vermutlich gar nicht gefallen.

Besonders problematisch wäre auch die Umsetzung des Insektenhotels, dass seit zwei Jahren endlich bewohnt ist: „Die Natur passt sich nicht so einfach an solche Hau-Ruck-Aktionen an.

Bisher gärtnern auf dem Gelände zwei Kindergärten, vier Familien und zwei Einzelpersonen. Diese haben schon bereitwillig Hilfe angeboten und wollen auch während der Übergangsphase im zerteilten Garten weiter mit anpacken, um Stärke und Präsenz zu zeigen.

Leider sind all diese Überlegungen rein hypothetisch, solange es nicht wenigstens eine kleine Förderung für den Garten gibt. Allein mit der Hilfe der ehrenamtlichen Gärtner ist die Versetzung nicht zu stemmen. „Wir bräuchten Erde, Holz und Fachkräfte; das alles kostet“, seufzt Gabriele Koll.

Wie können Sie uns unterstützen, unseren Garten zu erhalten?
Heute, am 8. April, veröffentlicht sie gemeinsam mit KIDZ e.V. einen Aufruf mit Unterstützerschreiben , in dem die Situation geschildert wird und es abschließen heißt:

  • Sich gemeinsam mit uns für eine dauerhafte Finanzierung des Angebots engagieren und dazu auch kreative Ideen entwickeln,
  • uns bei der Rettung von Pflanzen und des kunsthandwerklich gestaltetes Zauns um unseren ‚Bauerngarten‘ tatkräftig unterstützen,
  • uns als Referenz ein Unterstützerschreiben (siehe Rückseite) zusenden
  • uns finanziell mit einer Spende auf folgendes Konto unterstützen:
    KIDZ e.V.
    IBAN: DE 48 1007 0848 0440 3903 00
    BIC: DEUTDEDB110
    Die Arbeit von KIDZ e.V. ist als gemeinnützig und förderungswürdig anerkannt. Spenden und Förderbeiträge sind steuerlich abzugsfähig.

Ausgang offen. Und es bleibt die Frage: Wieso gibt es kein Geld für einen Garten, der zum geplanten Kiezzentrum dazu gehört und nachhaltige Arbeit im Bereich Umweltbildung leistet?

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität.

Kunst & Gentrifizierung *Arbeitstitel*

Die Zeit, sie eilt und mit ihr verändert sich die Potsdamer Straße zusehends. Heute sind die StudentInnen des HU-Career Center 2017 für eine erste Begegnung im Gebiet. Sie werden hier recherchieren, Interviews führen und in Artikeln auch uns allen neue Aspekte unseres Kiez auf ihre Art und Weise bekannt machen.

Da ist es auch Zeit eine Nachlese zu betreiben. Drei StudentInnen des letzten Kurses im Frühjahr 2016 machten es sich zur Aufgabe, die Entwicklungen an der Potsdamer Straße zu beobachten und auch die Folgen zu bedenken. Das ist eine Mammutaufgabe und im Rahmen eines Semesterferienkurses nicht zu bewältigen. Doch Ihre Versuche sind Wert zu schätzen.

Hier Artikel Nummer 1
Hier Artikel Nummer 2

Es folgt der ambitionierte #Entwurf# einer Gastbloggerin vom Januar 2016. 

Sie kennen das alle bestimmt. Die Schwierigkeit einen guten Text zu verfassen. Tagelang schwammen mögliche Einleitungen durch meinen Kopf, bildeten sich aus Wissensmolekülen durch elektrische Impulse zwischen den Synapsen in Klümpchen, fügten und nährten sich von der klaren Brühe meiner grauen Zellen.

Das Thema: Kunst als Ursache für die Gentrifizierung mit großem Fragezeichen. Wichtig sind vor allem die Ansichten der Galeristen. Denn Sie stellen die Kunst anderer KünstlerInnen aus, sind oder waren womöglich auch selbst KünstlerInnen; folglich befinden Sie sich sozusagen am Puls der Kunst. Auch erleben sie die Veränderung innerhalb ihrer Umgebung wandnah. Doch es ist schwieriger als gedacht das Thema hier in all seinen Facetten darzustellen, genügend Galeristen/Künstler an der Potse zu befragen, dafür fehlt mir einfach die Zeit. Und andere haben ähnliches schon viel besser hinbekommen.

Dennoch ein Versuch:
Berlin ist nicht lediglich die Hauptstadt, sondern auch Kunst- und Kulturzentrum Deutschlands. 2013 gab es laut einer Studie des IFSE in Kooperation mit dem BVDG (ausschreiben) in Deutschland etwa 700 Galerien. Davon konzentrierten sich etwa 33% in Berlin. Zum Vergleich: in der Region NRW befanden sich ‘lediglich’ 23% aller deutschen Galerien.
Mittlerweile haben sich rund 400 Galerien in Berlin niedergelassen. Nicht zuletzt zeigen ca. 150 nichtkommerzielle Showrooms und Off-Spaces ständig neue Ausstellungen.

> Gentrifizierung in Berlin; Def.=>Anknüpfung an Ansicht:

Leerstand und niedrige Mietpreise in einem Viertel ziehen Künstler und Kreative an. Mit der Zeit etabliert sich eine Kunstszene, welche die mediale und damit die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit auf sich zieht. Die Kunst macht das Viertel trendy, zieht wohlhabendere Menschen und damit auch Investoren an. Sie werten das Viertel auf. Kunst, so soll man meinen, ist eine der Hauptursachen für die Gentrifizierung. [Links zu anderen Artikeln einfügen]

[Bild]

Eine weit verbreitete Ansicht, die mir und bestimmt auch Ihnen schon oft untergekommen ist. Doch ist das Thema weitaus komplexer.

=> „es ist interessant zu lesen, dass….“ Verweis auf Quellen/Artikel Süddeutsche & Gentrificationblog

Gentrifizierer – die Rolle des Künstlers?

>Wieso?:…

Viele Künstler sind sich ihrer Rolle bewusst und versuchen dem entgegen zu wirken. Beispielsweise der italienische Künstler Blu. Als er erfuhr, dass das Cuvry Brachland in Kreuzberg durch einen Investor erworben wurde und bebaut werden sollte, übermalte er seine berühmten Cuvry-Graffitti. Er wollte verhindern, dass durch seine Kunst die Mietpreise steigen würden.

[Bild des Curvy Areals Vorher/Nachher]

>Gentrification-Lubricants; Bild

Und was sagen andere?

Interessieren tuen mich v.a. die Ansichten der Galeristen/Künstler im Kiez der Potsdamer Straße. Denn unter anderem hier konzentriert sich die Galerien-/Kunstszene(Nachweis/Zitat) Berlins. Hier in der Umgebung der Potsdamer Straße wird seit neuestem wieder gebaut/saniert(Nachweis/Beispiele[Umgebung Gleisdreieck-Park] mit Links).

Ich frage bei einigen Galerien nach. Doch es ist schwierig. Sie alle haben viel zu tun; höchstwahrscheinlich liegt es an Artweek. Ich hatte es überhaupt nicht auf dem Schirm. Zum Glück bekomme ich aber doch noch ein Interview. Es läuft gut, aber nicht ganz so wie ich erhofft hatte.

An einem lauschigen Herbstnachmittag treffe ich Herrn Kuhn beim Büchersortieren. Die weißen Wände lachen in der Sonne. Wir setzten uns nach draußen. Die Galerie Kuhn&Partner ließ sich 2009 in der Pohlstraße, nur gefühlte 20 Meter vom lebhaften Treiben der Potse, nieder. Zur Zeit hat die Galerie geschlossen, doch schon Mitte Oktober beginnt die nächste Ausstellung. [Anmerkung März 2017: Die Galerie Kuhn ist inzwischen nicht mehr in der Pohlstraße vertreten]

…. Interview-Transcript einfügen…

Und was die Cuvry-Werke angeht:  [Zitat]

> Wieso?

Gegen Ende des Interviews bitte ich um ein Schlussstatement zur Gentrifizierung und merke erst dann, dass nicht Kunst und Gentrifizierung sondern Kunst und Gender Equality verstanden wurde. Die befremdlichen aber freundlichen Blicke, das geduldige Schulterklopfen während ich müde und verwirrt auf meine Notizen starrte – Schuppen fallen mir von den Augen. Wie erklären Journalisten ihren Interviewees, dass es ein Missverständnis gab? Wie macht man das möglichst höflich und ohne dämlich auszusehen? – Mir ist es so peinlich, ich belasse es dabei.

……>Schlussschlenker

Doch die meisten sind sich einig: Gentrifizierung, vor allem die erhöhten Kosten die sie mit sich bringt, ist nicht im Interesse der Künstler.  [Zitat“Künstler – die meisten von Ihnen – sind arm…”. Nachweise]. Auch die Künstler werden in diesem Prozess verdrängt.

[Hinweis auf weitere Lektüre?]

Sprech-Café im Nachbarschaftstreff Tiergarten Süd

Von HU-Gastbloggerin Lisa

Sprech-Café im Nachbarschaftstreff Tiergarten Süd

Jeden Donnerstag von 16 bis 19 Uhr findet in der Stadtbibliothek der Lützowstr. 27 ein Nachbarschaftstreff mit Flüchtlingen statt. Ich habe an dem Treffen teilgenommen, um mir das Ganze genauer anzusehen.

Kurz vor 16 Uhr. Das Café, dass ich betrete ist brechend voll, alle Tische sind bereits besetzt und eifrig werden neue Tische und Stühle bereit gestellt. Ich werde persönlich von den Veranstaltern und Helfern begrüßt und freundlich aufgenommen. Für eine lockere Atmosphäre stehen Wasserflaschen, Gläser und Knabbereien zu Verfügung. Ich setze mich an einen der neuen, noch leeren Tische und in weniger als zwei Minuten sitzen drei Flüchtlinge bei mir und wir beginnen schnell ein Gespräch.

Mehran, einer der drei erzählt mir von seinen Zukunftsplänen. “Ich möchte Mechaniker werden und eine Familie gründen“. Derzeit sucht er, wie viele andere im Café, eine Wohnung und besucht einen Sprachkurs. Er stellt mir viele Fragen aus dem Alltag und wir führen gemeinsam sein Vokabelheft weiter. Während er mir Fragen rund ums Auto stellt, entstehen hier und da ein paar Missverständnisse, die aber keine Hürde aufstellen. Wir malen schnell ein Auto und bezeichnen die wichtigsten Teile.

Unter den Helfern befinden sich Anwohner und auch ein Deutschlehrer der gegenüberliegenden Grundschule Allegro. Sie sind nicht nur eine Hilfe bei Sprachübungen, sondern auch bei der Wohnungssuche, bei Ämtern und Ausbildungsplätzen. Auch außerhalb des Cafés finden Treffen zum gemeinsamen Kochen oder für Ausflüge statt.

Ich erfahre, dass immer mehr Flüchtlinge zu dem Treffen kommen und extra lange Wege auf sich nehmen, einige kommen sogar aus Brandenburg. Ich merke, dass alle viel Spaß an dem Treffen haben und sehr wissbegierig sind.

Ich ging zu dem Treffen mit den Erwartungen einer schulischen und ruhigen Atmosphäre, doch das Café ist erfüllt mit Gelächter und aufgeregten Gesprächen. Während die meisten in ihre Gespräche vertieft sind, spielen andere im Nebenraum Scharade.

Erfolge des Sprech-Cafés

Als sich das Treffen langsam dem Ende neigt, bekomme ich die Gelegenheit mich mit Claudia Kaloff zu unterhalten. Sie ist eine der Gründerinnen des Projektes und interessiert sich sehr für Menschen und ihre Schicksale. Bevor das Projekt ins Leben gerufen wurde, war die Kommunikationssituation in den verschiedenen Flüchtlingsheimen schwierig. Die Leute unterhielten sich in ihrer eigenen Sprache und knüpften wenig Kontakte. Das erste Treffen am 3. November letzten Jahres fand mit ungefähr 8 Flüchtlingen statt fand.

Wir kauften extra Gesellschaftsspiele um die Situation aufzulockern, doch die wurden nie benötigt„, sagt Claudia Kaloff. Das Projekt wird immer beliebter, aber „es fehlen junge Helfer wie Studenten oder Oberstufenschüler, da die meisten Flüchtlinge zwischen 20 und 30 Jahre alt sind„.  Neue Helfer und Flüchtlinge sind also jederzeit willkommen.

Ich frage Frau Kaloff was ihr am Projekt am besten gefällt und sie weiß sofort eine Antwort: „Es ist toll wenn etwas klappt, Erfolge bei der Wohnungssuche ebenso wie bestandene Prüfungen.“ Gerade hat sie erfahren, dass wieder etwas geklappt hat. Ein Arzt, der viele Jahre in seiner Heimat in einer Kinderklinik gearbeitet hat, bekam endlich eine Hospitanz in einem Krankenhaus.

Ein Besuch des Sprech-Cafés lohnt sich um neue Kontakte zu knüpfen, um zu helfen oder um einfach mal einen Kaffee oder Tee bei einem netten Gespräch zu trinken.

(Kontakt: akf-ts@posteo.de)

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität.

„Bin ich schön?“ – fragt die schlitzblättrige Buche im Kleistpark

Von HU-Gastbloggerin Kaya

Naturdenkmale nahe der Potsdamer Straße. „Ahh, Bäume!“ denke ich beglückt, genau mein Thema. Seit einem forstwirtschaftlichen Unikurs und dem Buch von Peter Wohlleben „Das geheime Leben der Bäume“ sind mir meine Waldspaziergänge noch lieber geworden. Bevor ich mir ‚meinen‘ Baum aussuche, sammele ich ein paar Fakten.

Auf der Liste der Berliner Naturdenkmale sind 605 Denkmale verzeichnet. Diese sei aber nicht aktuell, erfahre ich vom Bezirksamt; einige Bäume stehen nicht mehr. Neuausweisungen – so der Fachjargon – gab es wohl 2001 das letzte Mal. Aus der Liste wähle ich ‚meinen‘ Baum.

Die stattliche denkmalgeschützte Stieleiche im Kleistpark ist auch vor grauem Märzhimmel eindrucksvoll.

Ein paar Tage später sitze ich unter der Stieleiche im Kleistpark und benötige an diesem Märzmorgen doch etwas Phantasie, um in die richtige Stimmung für ein Baum-Portrait zu kommen: Das Straßenrauschen wird zum Wind in den Blättern, die Sonne funkelt durch das Blätterdach, Vögel singen in den Ästen und ein Eichhörnchen springt behende… ok genug!

Ich brauche keine Sommerromantik, um mich in diesen Baum zu verlieben. Da es Mitte März ist, ist das einzig Farbenfrohe das grell gelb leuchtende „Naturdenkmal“-Schild. Seine Äste sind kahl, sowie es sich für eine anständige Eiche zu dieser Jahreszeit gehört. Zu seinen Füßen steht ein grauer Stromkasten. Trotzdem! Der Baum wirkt groß und mächtig mit weit ausladenden Ästen, so wie man sich ein stattliches Naturdenkmal vorstellt. Tut ‚man‘ das? Wieso eigentlich?

Wer oder was ist ein Naturdenkmal?
Naturdenkmale können Bäume, Findlinge, Pfuhle oder Flächen wie Wiesen oder Teiche von bis zu 5ha sein. Als Baumfan steht mein Fokus fest. Als mögliche Gründe für eine Unterschutzstellung für Bäume nennt die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (ab jetzt SenUVK) „Seltenheit, Eigenart, außergewöhnliche Schönheit und Mächtigkeit, kulturgeschichtliche oder landschaftstypische Kennzeichnung„. Das klingt schon mal recht erhaben, aber ab wann ist so ein Baum denn ‚außergewöhnlich schön‘? Zusätzlich zu mindestens einem dieser Qualitätskriterien muss der Baum noch mindestens einem der Wuchskriterien entsprechen. Diese sind festgelegte Werte für verschiedene Arten bezüglich der Höhe, des Stammunfangs und des Kronendurchmessers.

Die schlitzblättrige Rot-Buche stammt noch aus der Zeit als der Kleistpark der botanische Garten war. Der BUND-Berlin hat mir freundlicherweise mit einem sommerlichen Foto ausgeholfen.

Moment Mal! Wie kann ein Baum den besonders eigen sein und zugleich einen artentypischen Wuchs haben?
Genau hier widersprechen sich die Kriterien, denn auch ein mickriger Baum kann historisch bedeutsam sein„, erklärt mir Christian Hönig, der Referent für Baumschutz bei BUND Landesverband Berlin. Unter anderem deswegen sind die SenUVK und der BUND für Umwelt und Naturschutz eine Kooperation eingegangen. Neben der Überprüfung des Bestandes hat Hönig Vorschläge für neue Kriterien erarbeitet, bei denen Wuchskriterien nur noch in Verbindung mit ‚Schönheit‘ gelten sollen.

Das Besondere im Vergleich zu anderen Schutzkategorien liegt bei Naturdenkmalen darin, dass sie den Bezug der Menschen zur Natur zeigen„, so Hönig. Hierbei wird nicht nach dem Biodiversitäts- oder Artenschutz geschaut, sondern nach ästhethischer oder historischer Bedeutung für den Menschen. So könnte die Eiche im Kleistpark zum Beispiel ein Relikt aus dem Botanischen Garten sein, der sich fast 200 Jahre dort befand, bevor er Anfang des 20. Jahrhunderts nach Dahlem verlegt wurde.

Sicher aus der Zeit des botanischen Gartens stammt die seltene schlitzblättrige Rot-Buche, die unserer Eiche gegenüber steht. Mit ihrem 10 Metern Höhe und Breite hat sie den Wuchs-Test für Naturdenkmale nicht bestanden. Falls Hönigs Vorschläge angenommen werden, könnte die relativ kleine Buche den Sprung in den Denkmalschutz aber noch schaffen. Selten und historisch bedeutsam ist sie alle Mal.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität.

Eine Masterarbeit über Wissen, ein Telefonat mit Liberia und die Potsdamer Straße

Von HU-Gastbloggerin Jette

Haben Sie schon einmal ein Skype-Interview mit jemandem in Westafrika geführt? Nein. Ich bisher auch nicht und deshalb war es eine umso spannendere Erfahrung.

Meine Interviewpartnerin
Ylva Kürten lebt zurzeit in Liberia. Dort arbeitet sie als freie Mitarbeiterin für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) an einem Energising Development Projekt, das die Versorgung von sozialschwachen Ländern mit umweltfreundlichen Energieformen, wie Solarenergie, zum Ziel hat. In den nächsten anderthalb Jahren  wird sie alle drei Monate zwischen Berlin und Liberia pendeln.

Ylva Kürten machte ihren Bachelor in in Anthropologie, Lateinamerika Studien und Spanisch an der FU und entschied sich danach dafür, den sozialwissenschaftlichen Aspekt dieses Studiums aufzugreifen und im Master Soziokulturelle Studien an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) zu studieren.

Doch was verbindet Ylva mit der Potsdamer Straße?
Vor Liberia verbrachte Ylva Kürten über mehrere Monate viel Zeit an der Potsdamer Straße. Das Gebiet war der Forschungsschwerpunkt für Ihre Masterarbeit. Zu Beginn ihrer Recherchen war die Potsdamer Straße für sie eine auf den ersten Blick „ziemlich hässliche Durchfahrtsstraße“, doch mit der Zeit lernte sie die Vielfalt des Gebietes zu lieben. Unter dem Titel „Wissen macht Stadt“: Wie urbane Wissenspraktiken Stadt produzieren. Eine empirische Untersuchung am Beispiel des Beteiligungsprozesses „Leitbildentwicklung Potsdamer Straße“ in Berlin (Ylva Kürtens Masterarbeit  Download als pdfsetzte sie sich mit den Wissensständen von Verwaltung und Anwohnern in der Potsdamer Straße auseinander. Dazu befragte sie Experten z.B. Mitarbeiter des Quartiersmanagements Magdeburger Platz – Tiergarten Süd und Bürger bei den Beteiligungsworkshops und den Quartierratssitzungen zur Leitbildentwicklung.

Problematisches Verhältnis zwischen Politik und Anwohnern
Nach vielen Stunden vor Ort konnte Ylva konstatieren, dass „Quartiersmanagement und Anwohner das Gebiet ganz unterschiedlich wissen“ und dass ein Großteil der Menschen, die eigentlich in die Leitbildentwicklung mit einbezogen werden müssten, durch Geld- oder Zeitmangel der Verwaltung nicht von den Kampagnen angesprochen wurden. So fanden die Bürgertreffen alle in einer evangelischen Gemeinde statt. Dies war für das Quartiersmanagement günstig, allerdings wurde auf diese Weise der überwiegende Teil der Anwohner der Potsdamer Straße mit muslimischem Glauben indirekt ausgegrenzt.

Die Potsdamer Straße in den nächsten zehn Jahren
Ylva vermutet , dass das Gebiet in Zukunft sauberer, weniger kriminell und dadurch teurer und schicker werden wird. Als treibende Kraft sieht sie dafür aber nicht die Leitbildentwicklung des Quartiersmanagements (Broschüre als pdf), sondern die Gentrifizierung in Berlin im Allgemeinen. Dies wird zur Folge haben, dass viele Menschen aufgrund steigender Mieten wegziehen müssen. Ylva geht davon aus, dass sich die Probleme also nur oberflächlich und in Zahlen beseitigen lassen bzw. in andere Stadtteile verlagern werden.

Nach der Abgabe ihrer Masterarbeit ist die Potsdamer Straße in vielerlei Hinsicht wieder aus Ylvas Leben verschwunden, dennoch hat sie einige „Geheimtipps wie die Joseph-Roth-Diele“ in ihren Alltag integriert.
Außerdem kann sie im Rückblick sagen, dass sie ihre Themenwahl nie bereut hat und froh ist, kein „Mainstreammodethema wie Urban-Gardening oder Flüchtlinge“ gewählt zu haben.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität

Häuser als Zeitzeugen

Die Zeit, sie eilt und mit ihr verändert sich die Potsdamer Straße zusehends. Heute sind die StudentInnen des HU-Career Center 2017 für eine erste Begegnung im Gebiet. Sie werden hier recherchieren, Interviews führen und in Artikeln auch uns allen neue Aspekte unseres Kiez auf ihre Art und Weise bekannt machen.

Da ist es auch Zeit eine Nachlese zu betreiben. Drei StudentInnen des letzten Kurses im Frühjar 2016 machten es sich zur Aufgabe, die Entwicklungen an der Potsdamer Straße zu beobachten und auch die Folgen zu bedenken. Das ist eine Mammutaufgabe und im Rahmen eines Semesterferienkurses nicht zu bewältigen. Doch Ihre Versuche sind Wert zu schätzen.

Hier Artikel Nummer 1
Jetzt folgt Artikel Nummer 2

Von HU-Gastblogger Lukas Grimm.

La Belle Epoque, Plattenbauten und ein „urbanes Wohnensemble“ befinden sich hier im Kiez. Am urbanen Wohnensemble wird zwar noch geschraubt, aber nicht mehr allzu lange. Miteinander verglichen, stellen das Maggihaus in der Lützowstrasse, das Pallasseum an der Potsdamerstrasse und die Neubauten in der Flottwellstraße eine bunte Mischung aus verschiedener Architektur dar.

Viel interessanter allerdings: Die jeweiligen Gebäude spiegeln vor allem auch sozialen Wandel wieder und geben historische Einblicke preis, die das Hier und Jetzt relativieren.

Das Maggi Haus
La belle Epoque und Maggi. Passt das zusammen? Anscheinend schon, denn im Jahre 1911 baute das damalige schweizer Unternehmen in der Lützowstrasse 102-104 ein neues Fabrikgebäude. Auch heute noch können sich die Fassade mit ihren vielen Skulpturen sowie die großen Höfe im Inneren blicken lassen und schaffen Einblicke in die damalige Zeit.

Collage – potseblog

La belle Epoque bezieht sich typischerweise auf die Jahre 1871 bis 1914, eine Zeit des Friedens geprägt von Optimismus, Fortschritt und Kultur innerhalb Europas. Für Berlin war dies die Zeit des Umbruchs. Aus der chaotischen Stadt, die dank der Industriellen Revolution aus allen Nähten platzte, wurde durch Eingreifen der Regierung eine Stadt der Moderne. Einerseits sorgten Museen und Theater für kulturelle Entwicklung. Andererseits wurde dank der Arbeiterbewegung die Industrie stark sozialisiert, worüber sich die Mitarbeiter Maggis vermeintlich gefreut haben.

Das Pallasseum
Wohnmaschine. Der Sozialpalast. Städtebauliche Katastrophe. Das Pallasseum. Es hat viele Namen, die meisten von ihnen schwer als Kompliment zu interpretieren. Gebaut in den Jahren 1973-76 war das Pallasseum als „zukunftsweisende Alternative zum Altwohnbaubestand“ gedacht. Ein Testament des Wiederaufbaus Berlins durch Gastarbeiter.

Es verfügt über 514 Wohnungen, von denen allerdings 1998 ein Viertel leer standen. Hauptgrund der Verwahrlosung dieser Wohnmaschine war vor allem die Umsetzung des Besetzungsrechts, welches zu „Fehlentwicklungen in der Mieterstruktur“ führte. Diese wiederum führten zu fehlenden Investitionen sowie Verbreitung von Kriminalität und Drogen. Es kam so weit, dass in politischen Gremien der komplette Abriss diskutiert wurde.

Erst 1998 gelang der Verwaltung in Zusammenarbeit mit Sozialarbeitern und Quartiersmanagement ein Neuanfang. Umstrukturierung der Mietstruktur, Sanierungsinvestitionen in Höhe von 6,5 Mio. EUR und soziale Projekte haben es letztendlich ermöglicht, das Pallasseum mit seiner bunt gemischten Gemeinschaft zu erhalten.

Flottwell Living
Wer „Flottwell Living“ googled, wird schnell fündig. Sechs verschiedene Stadthäuser werden hier aus dem Boden gestampft. Direkt am Gleisdreieck-Park gelegen fangen Quadratmeterpreise bei ca. 3000 Euro an. Insgesamt sind es 270 Wohnungen, wovon 148 als Eigentumswohnungen angedacht sind.

Es schreit förmlich nach Gentrifizierung, wobei 2 Drittel der Wohnungen an Berliner verkauft wurden. Nichtsdestotrotz, die Gegend wird teurer werden. Aber das wird sie ohnehin. Berlin ist eine der beliebtesten Städte der Welt, vergleichbar mit Paris, London und New York. Über 40.000 Menschen ziehen jährlich nach Berlin. Es ist also absehbar, dass der Wohnungsbedarf steigen wird.

Im Endeffekt sollten wir Projekte wie Flottwell-Living willkommen heißen, denn wir werden noch sehr viel mehr von ihnen benötigen.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität

 

In Gedenken an Margarete Hirschberg und mit herzlichem Dank an Elisabeth Eres

Am letzten Donnerstag habe ich den Stein zum ersten Mal und  genau gelesen. Es geschah heute vor 76 Jahren. Margarete Hirschberg wählte die „Flucht in den Tod.“ Sie war 59 Jahre alt und am Ende ihres Lebens „gedemütigt/entrechtet“. Ich schreibe diesen Artikel in Gedenken an den Todestag von Margarete Hirschberg, an den Tod ihres Mannes Julius, deportiert im Jahr 1942 und gestorben 1944 in Theresienstadt. Gedanken der Dankbarkeit und Freude verbinden mich an ihre Tochter Elisabeth.

Wie kommt es dazu? Am 14. Februar 2017 erhielt ich eine Email, die einen mir sehr bekannten Ort an der Potsdamer Straße auf einmal mit Leben füllt. „Frau Wosnitzer, guten Tag, ich habe am CP herum gesucht u. Sie mit Ihrem Bericht gefunden. Ich fuehlte, dass ich Kontakt mit Ihnen aufnehmen moechte. Ich weiss natuerlich nicht ob meine Mail ankommt u. Sie ueberhaupt antworten. Ich bin in der Potsdamerstr 159 geboren. Dort lebte ich bis 1937, denn mit 20 Jahren verließ ich Berlin. Meinem Vater gehoerte die 1898 gegruendete Apotheke. Sehen Sie sich mal dort die Einrichtung an. Alles ist im Orginal erhalten,wie der 1.Inhaber es eingerichtet hatte. Die Apotheke am Sportpalast ist eine der Wenigen, die sich nicht modernisiert hat.“

Die Absenderin schrieb noch weitere Details und schloss „Ich hoffe, es geht Ihnen gut, herzlichst Lis Eres, geb. Elisabeth Hirschberg“

Drei Tage später schrieb ich zurück und erhielt bereits am nächsten Tag eine Antwort. „Liebe Frau Wosnitza, danke fuer Ihre Antwort. Ich war 2010 in der Apotheke, vielleicht ist von der Belegschaft noch jemand der sich erinnert. Ich habe 2 Stolpersteine fuer meine Eltern vor der Apotheke verlegen lassen.

E-Lis-abeth Eres, aufgewachsen in der Potsdamer Straße 159

Versuchen sie in das Hinterhaus zu kommen. Es war im 18. Jahrhundert eine Perdehaltestelle u. die Kutschen nach Potsdam machten dort Pause. Das Haus wurde aus roten Steinen gebaut. Vielleicht heissen sie Klinkersteine? Wir wohnten im 3. Stock, der heute nicht mehr existiert. Sollten Sie mehr ueber die Geschaefte zwischen Alvensleben u. Pallasstr hoeren [wollen], so erinnere ich mich an Vieles.

Im Hinterhaus lebte eine Familie mit 9 Kindern. Der Vergoldermeister Walter Gohlke. Er hat nach dem Krieg mit 1 Sohn die Siegessaeule vergoldet.

Von den 3 Toechtern war eine meine beste Freundin. Die Familie nahm mich mit viel Liebe bei meinem 1. Besuch 1949 bei sich auf. Sehr viel spaeter bekam meine Freundin in der Buelowstr. eine Wohnung zugewiesen. Wir sahen immer in die Zuege, die Wohnung war im 1. Stock. Der Aufgang war aus Marmor, bei allen meinen Besuche wohnte ich bei ihr.“

Ich verneige mich tief vor  Elisabeth und ihrem Engagement der Kontaktaufnahme und verweile bei meinen vielen Gedanken. Wie konnte es die Familie an diesem Ort der Potsdamer Straße aushalten, wo doch die Nationalsozialisten den Sportpalast gegenüber sofort nach der Machtübernahme ihrer Propagandamaschine einverleibte? Gut, dass Elisabeth Hirschberg schon so früh Berlin verließ. Wer wohnte noch in dem Haus und wie verhielten sich diese Nachbarn? Was geschah mit der Apotheke in der Progromnacht? Und und und.

Gestern erhielt ich wieder eine Email. „Liebe Frau Regine, Sie entschuldigen bitte, wenn ich Sie nur mit dem Vornamen anspreche. Es ist hier so ueblich u. drueckt auch eine naehere Verbindung aus, die Sie mit Ihrer Antwort geschaffen haben. Vielen Dank.

Haben Sie die Einrichtung in der Apotheke beachtet?Die Tischlerarbeit findet man heute nicht mehr.

Ich habe nichts dagegen [dass Sie mich in einem Artikel erwähnen].

Ich habe meine Erinnerungen vor einigen Jahren festgehalten. Ich schicke sie, vielleicht bekommen Sie dadurch mehr Ueberblick. Ich danke Ihnen fuer Ihre warmen Worte, die Sie fuer den 28. Februar ausgesprochen haben. Herzlichen Gruss Lis.

 

 

Von Herzen Danke Lis, für das Vertrauen. Ich freue mich auf Ihre Erinnerungen. Ihre Geschichte und die Ihrer Familie werde ich in Ehren halten.