Kategorie-Archiv: Potsdamer Straße

Zeitreise – Die Potsdamer Straße vor 100 Jahren

Europa und die Welt gedenken dieses Jahr dem 1. Weltkrieg, der vor einem Jahrhundert begann. Gerade Historische Ereignisse regen zum Nachdenken an. Wie sah sie aus, unsere Stadt? Wie war es vor 100 Jahren an der Potsdamer Straße?

Die Potsdamer Straße , ehemals vornehme Ausfallstraße, entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts rasant zu einer der verkehrsreichsten Straßen Deutschlands. Ursprünglich eine Chaussee, wurde sie zuerst zur Allee und  danach zu einer ordentlich befestigten Straße ausgebaut. Einem weit verbreiteten Mythos zu Folge gehörte sie zur Reichsstraße 1, die dem mittelalterlichen West-Ost-Handelsweg von Aachen nach Königsberg folgte.  Jedoch erst die NS-Regime erklärte den Verlauf durch Potsdam und Berlin zum Teil der Reichsstraße 1. Heute gehört sie zur Bundesstraße 1, die nahezu dem Verlauf der Reichsstraße 1  folgt.

Zuschnitt Potse

Potsdamer Straße um 1902

Auf der Straße waren vor ca. 100 Jahren nicht nur Privatmenschen mit ihren Kutschen, Fahrrädern und immer mehr Automobilen unterwegs. Damals fuhren auf der Potsdamer Straße Straßenbahnen und zwar gleich mehrere Linien. In und um Berlin wuchs schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts ein Straßenschienennetz. Die Bahnen wurden anfangs von Pferden gezogen und hießen Pferdebahnen, doch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurde auf die elektrische Straßenbahn umgerüstet und ausgebaut.

Während der Teilung Berlins wurde im Westen der Stadt jedoch fast das gesamte Straßenbahnnetz entfernt. Die Verkehrspolitik in West-Berlin betrachtete es als veraltet und überflüssig. So wurde es nach und nach bis Oktober 1967 zurückgebaut. Heute fahren jedoch viele Metrobuslinien beinahe genau (bzw. exakt) die ehemaligen Straßenbahnstrecken ab.

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Der U Bülowstraße um 1902

Die Potsdamer Straße war schon immer ein Magnet für Kreative. Künstler aller Art, sowie die Zeitungsindustrie siedelten sich hier an. Ein Beispiel ist der Architekt Bruno Möhring, einer der bedeutendsten deutschen Architekten des Jugendstils. Ab 1892 hatte er sein Büro in der Potsdamer Straße 109. Er entwarf unter anderem den U Bülowstraße der 1902 eröffnet wurde. Er ist auch nach den Bombardierungen währed des 2. Weltkrieges, immer noch zum Großteil Original erhalten. Gemeinsam mit Rudolf Eberstadt und Richard Petersen entwarf er 1910 einen Bebauungsplan für Groß-Berlin, der vor allem auf den Ausbau des Verkehrsnetzes und eine enge Wohnhausbebauung mit Innenhöfen setzte. Der Architekt Albert Speer, der für das NS-Regime arbeitete, übernahm eine Vielzahl der Ideen in seinen Bebauungsplan für Groß-Berlin. Auch  noch heute prägen die Berliner Innenhöfe und ein großes öffentliches Verkehrsnetz die Stadt.

Eine der berühmtesten Bewohnerinnen der Potsdamer Straße ist die deutsche Schauspielerin Marlene Dietrich. Als Kind wohnte Sie in dem 1906 errichteten Wohnhaus in der Potsdamer Straße 116.

Zwischen 1910 und 1911 wurde das Bild der Straße dauerhaft verändert. An den gerade neu angelegten Heinrich-von-Kleist-Park wurden die Königskolonnaden transloziert.

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Königskolonnaden an der Königstraße vor der Translozierung um 1909

Ursprünglich standen Sie als Ensemble mit der Königsbrücke am Alexanderplatz und flankierten die Königsstraße. Sie mussten nach Schöneberg ziehen, da für die Errichtung des Warenhauses Wertheim und der damit verbundenen Verbreiterung der Königsstraße der Platz fehlte. Viele Zeitgenossen sahen in der Translozierung eine Degradierung der Wertigkeit der Kolonnaden. Nachdem Sie eine Hauptverkehrsstraße flankiert hatten, zogen sie nun an eine mäßig große Parkanlage, wo seit 1909 das neue Kammergerichtsgebäude gebaut wurde. Die Kolonnaden wurden auf den Eingang des zukünftigen Gebäudes ausgerichtet. Erst 1913 waren die Bauarbeiten beendet und das Kammergericht zog in den Neubau ein. Nach einiger Zweckentfremdung während der Nachkriegszeit und der Deutschen Teilung ist seit 1989 das Berliner Kammer- und Verfassungsgericht wieder in dem Gebäude ansässig.

In den vergangenen 100 Jahren hat sich das Stadtbild drastisch verändert. Durch die Bombardierung im 2. Weltkrieg, Teilung und Wiedervereinigung. Doch trotz allem ist vieles, was vor über 100 Jahren der Potsdamer Straße ihr Aussehen verlieh noch immer vorhanden.

Dieser Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online-Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Center der Humboldt Universtität zu Berlin.

von Gastbloggerin Janina

Joseph Roth in Berlin: Modernität aus der Retrospektive

Offensichtlich ziehen sich die Resultate urbanen Wandels durch die Potsdamer Straße: Neue Ausstellungen in der ehemaligen Druckerei des Tagesspiegels, unzählige Casinos, die mit ihrer Werbung die Erdgeschosse prachtvoller Altbauten bedecken und, bei der Kreuzung zur Goebenstraße angekommen, Sozialbauten: parzellierte Hochhäuser, bei denen die dicht aneinander liegenden Balkons abwechselnd von Satellitenschüsseln verdunkelt, von tropischen Gewächsen überwuchert oder in dem kargen Grau des Betons gehalten sind. Die Eindrücke können zweifelsfrei begeistern. Angesichts der zusammenhangslosen Mischung fragt sich der ein oder andere Spaziergänger jedoch auch mal: Wo bin ich hier eigentlich?

Joseph Roth, 1926

Joseph Roth, 1926

Berlin beherbergt zahllose passionierte Flaneure, die sich von dieser Vielfalt nicht beirren lassen. Im letzten Jahrhundert haben einige von ihnen ihre Eindrücke der Stadt für die Nachwelt festgehalten. Heute noch liefern uns die Stadtchroniken von Walter Benjamin oder Franz Hessel eine detaillierte Sicht auf die Entwicklungsgeschichte von Berlin. Einer dieser Flaneure war Joseph Roth. Niemanden hat das zusammengewürfelte Gesicht der Stadt mehr gestört als den Schreiber, der in den Zwanzigern auch die Potsdamer Straße bewohnt hat.

Er liebte die Individualität und hatte einen Hang zum Mystischen, aber wenn die Geschichte und die Herkunft eines Individuums in kunterbuntem Mischmasch untergeht, fand seine Faszination keinen Ansatz mehr. Ob loyale Kriegsveteranen oder Nachfahren eines Adelsgeschlechts, begünstigt durch den Monarchen: Die Protagonisten in Joseph Roths Romanen haben diesen bewussten und meist ehrenhaften Hintergrund. Aber je frommer und gewissenhafter ihre Ursprünge, desto härter prallt ihre indolente Gesinnung auf die Grausamkeit der Gegenwart. Und damit ist keine Zeit gemeint, die ein Historiker versucht nachzusinnen – es ist die Zeit eines Epikers mit starrem Blick auf aktuelles Zeitgeschehen. Der Leser spürt diese zeitliche Spannung und eine sehnsüchtige Nostalgie in dem melodischen Prosa vom „Radetzkymarsch“, „Hiob“ oder dem „Hotel Savoy“. Die Lektüreerfahrung geht über den Schreibstil hinaus und die inhaltlichen Dissonanzen scheinen den pulsierenden Nerv einer Metropole heute noch genauso akkurat zu treffen wie das Berlin in der kulturellen Blüte der Zwanziger.

„Berlin ist ein Labor der Moderne“

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Joseph-Roth-Diele, Potsdamer Straße 75

Wenig scheint sich an dieser Feststellung geändert zu haben. „Die Spannung bei Roth gibt’s natürlich heute noch“ erklärt ein Kellner aus der Joseph-Roth-Diele, die vor zwölf Jahren im Nachbarhaus von Roths Unterkunft gegründet wurde. „Heute ist es eben mehr ein gesellschaftlicher Konflikt.“ Dabei deutet er auf die Prostituierten, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite dem Verkehr auf der Potsdamer Straße zuwinken. Es sind Eindrücke von einer sozialen Baustelle, von einem Schauplatz neuer Konflikte und kultureller Kollisionen – das im Licht der Kerzen und Kronleuchter schillernde Restaurant, tapeziert mit Büchern und Zitaten, bleibt ein vereinzeltes Kleinod im Geiste Roths Lieblings-Gaststätte, „Mampes gute Stube“.

Was heute eine Vielzahl unterschiedlicher Ursprünge und Kulturen ausmacht, war zu Zeiten Roths eine Spannung zwischen Kriegsflüchtigen aus allen Teilen Europas, Rückkehrende aus russischer Gefangenschaft und einem sich anbahnenden Nationalsozialismus. Aber Roth hat nie Kritik an kultureller Vielfalt geübt. Sein Blick hat die Probleme vielleicht deutlicher gesehen als wir heute dazu in der Lage sind:

„Die Fassade der neuen Zeit macht mich unsicher“

Mit dieser Anmerkung versehen veröffentlicht Roth einen Artikel über Architektur in der Münchner illustrierten Presse, 1929. Durchgehend aus der Ich-Perspektive berichtet Roth emotional aufgeladen von seiner Abneigung gegen den Eklektizismus der Moderne: Ein Kabarett, das man auch für ein Krematorium halten könnte, ein Kino, das in der Hast einer bevorstehenden Reise mit einem Bahnhof verwechselt wird. Wir können heute an seinen Erfahrungen aus der Metropole anknüpfen, die sich nicht darum bemüht einen kohärenten Stil zu bewahren: „Man kannte genau die Gesetze der Verlogenheit und agnoszierte unfehlbar den Ersatz, wo man das Echte erblickte.“

Neben den stilistischen Divergenzen nährt sich Roths Abneigung gegen Berlin auch am zwischenmenschlichen Umgang. In dem Artikel, „Bei den Heimatlosen“, den er 1920 für die die Neue Berliner Zeitung geschrieben hat, behandelt Roth die Menschlichkeit oder eher die Unmenschlichkeit, mit der Emigranten und Asylbewerber in Berlin konfrontiert werden. Grammatikalisch verschrobene Reverse, unumgängliche Bürokraten und modrige Behausungen – Hindernisse, die heute noch den Einwanderern ihr Asyl nicht gerade einladend gestalten. Die Zeit liest aus der Artikelsammlung von Joseph Roth in Berlin“  konsequenterweise heraus, dass er „für die falschen Sorgen der Gutbetuchten (…) nur Verachtung übrig“ hat. 

Ein Bekenntnis zum Gleisdreieck

Berlin ist zusammengewürfelt. Das ist keine Kritik an der Internationalität oder der Vielseitigkeit der Stadt. Es ist eine Tatsache – nur der Umgang damit scheint Roth unbeholfen. Menschliche Kooperation, einen genauen Blick auf das Umfeld und eine sinngemäße Weiterentwicklung des Bestehenden proklamiert er für die Rettung von Berlin. In seinem Artikel über das Gleisdreieck singt er deshalb eine Hymne auf die Technisierung: 

Gleisdreieck 1912

Gleisdreieck um 1912, Berlin

„Man müsste sich mit Inbrunst zu ihrer Grausamkeit bekennen, in ihren tödlichen Wirkungen die Ananke sehen und viel lieber nach ihren Gesetzen untergehen sollen als nach den Humanen der sentimentalen Welt glücklich werden.“

Heute verziert eine Parkanlage die glänzenden, eisernen Adern der Stadt und wir müssen uns erneut fragen: Ist das genuine Charisma einer Stadt im Gestaltungs- und Projektwahn verloren gegangen? Und noch entscheidender: Ist die Eigenheit in der Architektur, in der Kunst und der technischen Entwicklung von Berlin sogar eine Voraussetzung für die Offenheit gegenüber anderen Kulturen und den wachsenden Menschenmassen? – Joseph Roths Beschreibung seiner Gegenwart beantwortet es unverkennbar: Ja!

Ein Gedanke, den Joseph Roth vor 90 Jahren in der Frankfurter Zeitung in seinem poetischen Stil der Berichterstattung manifestiert hat, lässt uns heute erneut die Ideale und Trends unserer Zeit überdenken. Spannung, Pessimismus, Eigenheit – sie haben ein exaktes Gesicht der Zeit gezeichnet und eine Kritik formuliert, die nicht an Aktualität verloren hat.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Centers der Humboldt Universität

von HU-Gastblogger Vincent

Sonne aus, Film ab! – Freiluftkino im Kulturforum

Von HU-Gastblogger Rob.

Die Sonne ist schon hinter den Gebäuden des Kulturforums verschwunden und eine leichte Brise zieht über den Platz. Schnell besorgen wir noch die Tickets und finden günstige Sitzplätze, während etwas Musik zur Unterhaltung dezent im Hintergrund läuft. Wie erwartet sind die Liegen ausreichend bequem und bieten unter dem klaren Himmel ein Gefühl von Freiheit. Es war klug von meiner Begleitung Decken mitzubringen, denn es wird nach und nach kühler. Noch eine kurze Ansprache zum Film und dann überträgt der Projektor auch schon das Bild auf die große aufblasbare Leinwand.

Gleich geht es los!

Gleich geht es los!

Das Sommerkino Kulturforum ist schon eine Art Tradition geworden. Seit etwa 10 Jahren(mit Unterbrechung) veranstaltet die Yorck Kinogruppe jeden Sommer ihr Freiluftkino im Kulturforum am Potsdamer Platz und so gab es auch dieses Jahr wieder vom 2. Juli bis zum 31. August ein vom Arthouse ausgewähltes und interessantes Kinoprogramm zu sehen. Dazugehörten unter anderem der für die Oscars 2013 nominierte Film „Django Unchained“, in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln sowie die mehrfach ausgezeichnete deutsche Komödie Fack ju Göhte“. Passend zur Ausstellung „Avantgarde!“ im Kulturforum wurden einige begleitende Filme angeboten, wie etwa Woody Allens „Midnight in Paris“ zur künstlerischen Bewegung nach dem Ersten Weltkrieg.

Zunächst einmal etwas Werbung – der Menge scheint der lustige Auftritt von FluxFM besonders zu gefallen. Nach einigen Trailern kommt auch schon der Film. Es läuft „Madam Mallory und der Duft von Curry“ in der Preview, aber statt Curry ist der Geruch von Popcorn und der Großstadt wahrzunehmen – eine einzigartige Mischung.

Das Sommerkino überzeugt nicht nur mit seiner Auswahl an Filmen, sondern auch mit seiner untypischen urbanen Lage, denn die meisten Berliner Sommerkinos befinden sich im Grünen. Das Kino ist schräg zwischen der Neuen Nationalgalerie und der Philharmonie am Matthäikirchplatz 4/6 zu finden und ist von Galerien und Ausstellungshallen umzingelt. Diese bieten mit dem Sony Center und der Staatsbibliothek im Hintergrund eine besondere Aussicht und nach dem Sonnenuntergang zeigt sich ein wunderschönes Panorama: Ein Meer aus Lichtern vermischt mit der beeindruckenden Architektur in näherer Umgebung. Einfach toll.

Im Hintergrund: Potsdamer Platz, Staaatsbibliothek zu Berlin

Im Hintergrund: Potsdamer Platz, Staaatsbibliothek zu Berlin

Etwa eine Stunde vor Filmbeginn wird die Kasse geöffnet. Aktuelle Informationen, wie der wetterbedingte Ausfall der Vorstellung, werden meist rechtzeitig auf der zugehörigen Facebook Page gepostet. Eine Reservierung ist online möglich, aber auf den 1000 beliebig besetzbaren Liegestühlen sollte jeder einen Platz finden. Der Film wird auf eine genügend große Leinwand projiziert, sodass man auch in der letzten Reihe etwas erkennt. Snacks werden vor und während des Filmes zu Kino-typischen preisen angeboten. Falls es doch mal zu kalt wird, kann am Eingang eine Decke für einen kleinen Betrag käuflich erworben werden.

Einige Kleinigkeiten können aber doch bemängelt werden. In manchen Reihen gestaltet sich das Durchkommen schwierig, denn die Liegen waren an dem Tag teilweise zu nah angereiht. Außerdem gibt es keine Trennung von Rauchern und Nicht-Rauchern und der Ton wurde von einigen Zuschauern als zu leise empfunden. Meine Begleitung und mich hat das persönlich nicht großartig gestört.

Gegen Mitternacht endet der Film und wir verlassen begeistert das Kino, während wir noch einmal den Ausblick genießen – gerne auch wieder nächstes Jahr.

Philharmonie und Sony Center

Philharmonie und Sony Center

 

 

Nur Lippenbekenntnisse auf der Podiumsdiskussion zum Verkauf der BImA Häuser?

von HU Gastbloggerin Rocio

Eine Revolution hat niemand erwartet – fassbare Ergebnisse schon

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Hier in der Großgörschenstraße/ Katzlerstraße stehen die vom BImA Verkauf betroffenen Häuser.

Im PallasT, wo sonst Theater-Aufführungen oder monatliche Trödelmärkte stattfinden, lud der Quartiersrat Schöneberger Norden am 3.September 2014 zu der Podiumsdiskussion  “Bundesadler im Kiezflug”,  zum Verkauf der BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) Häuser – Großgörschen Straße 25-27 und Katzler Straße 10-11– ein.

Bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Podiumsdiskussion sind neben den Organisatorinnen Cordula Mühr und Matthias Bauer (QR Schöneberger Norden), auch schon einige Anwohnerinnen da. Diese älteren Bewohnerinnen sind – wie sich später herausstellt – bei weitem nicht leise und wissen genau was sie wollen: konkrete Antworten auf die Frage, wie es um ihren Wohnraum steht.

Anwohnerin trägt Mängelliste vor

Spätestens seit März diesen Jahres sind sie mit anderen engagierten Anwohnerinnen in der Interessengemeinschaft Großgörschen-/Katzlerstraße (GroKa) aktiv: ob auf der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV), mit Protest vor der CDU Parteizentrale, einem medienwirksamen Kiezspaziergang (Video RBB Abendschau), einer Petition gegen Verkauf von Bundesimmobilienaber die Frist zum Kauf lief ab, und ihnen würde die Chance genommen ihre eigenen Häuser– mit Hilfe der Gewobag– zu kaufen. Nun werden die Häuser zum Höchstgebot von der BImA verkauft, und als Folge sei nun mit der Verdrängung der jetzigen Mieterinnen zu rechnen.

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Transparente der Anwohnerinnen zur „sozialen Verantwortung“ des Bundes.

Worum es geht:

Die fünf Häuser gehören dem Bund, werden von der BImA verwaltet, und nun wegen “geringer Auslastung” zum Verkauf angeboten. Dies erfolgt zu dem „vollen Wert“, der nach dem BImA hauseigenen- Verkehrswertgutachten bei 7,1 Millionen liegt. Diesen, als hoch angesehenen Preis, konnte die GEWOBAG als städtisches Berliner Wohnungsbauunternehmen nicht aufbringen. Nun gehen die Häuser an die Meistbietenden. Es erscheint jedoch unmöglich diese dann nach gemeinnützigen Rahmenbedingungen zu bewirtschaften. Möglicher erscheinen teure Luxussanierungen und Eigentumswohnungen. Die Häuser im Schöneberger Norden sind kein Einzelfall. Derzeit stehen von den rund 5.000 in Berlin im Besitz des Bundes befindlichen Wohnungen 1.700 zum Verkauf.

“Nicht lukrativ zu sein, das wäre gut. “

Flyer zum Kiezpalaver am 10.September

Auch Frau L., eine ehemalige Lehrerin und engagierte Crellekiez Anwohnerin, ist schon vor der Tür des PallasT und verteilt Einladungen zum Kiezpalaver – gegen den Kiezverkauf am 10. September im O-TonArt-Theater.

Ihr eigenes Haus stehe schon seit 5 Jahren in Internet zum Verkauf, sei wohl aber uninteressant, da immer noch nicht verkauft. Dennoch könne nicht Jede hoffen, alte sichere Mietverträge zu haben, oder sogar schon “fertig sanierte Häuser”. Vielmehr seien “alle hier im Kiez bedroht: Freunde, Nachbarn, einfach  Alle”. Durch das entstehende neue, teure Eigentum wäre auch schon eine deutliche Veränderung im Crellekiez zu bemerken. Langsam würde er kippen. 

Dennoch steht die engagierte Anwohnerin Veränderung nicht grundsätzlich abweisend gegenüber: manche Neuerungen kämen einer lebendigen Infrastruktur im Kiez zu Gute. Doch würden gleichzeitig Nischen verloren gehen, wie beispielsweise entlang des Wannseegraben zwischen dem Schöneberger und dem Crellekiez, auch Crelle-Urwald genannt. Dort solle jetzt ein Fahrrad-Fernweg gebaut werden, obwohl keine 700 m weiter, an der nächsten Brücke schon einer vorhanden sei.  Freiflächen würden zu betoniert, und die kleinen wilden Parks und Ecken verschwänden.

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Auch verändere sich die Bevölkerungszusammensetzung: viele alteingesessene türkisch- oder arabischstämmige Kiezbewohnerinnen würden aufgrund der Mietpreissteigerungen gezwungen zu gehen. Dies zeige sich deutlich auf dem Spielplatz, wo nun fast ausschließlich junge deutsche Familien seien. Aus eigener Erfahrung weiß die ehemalige Leherin, dass dies der Umzug raus aus dem Kiez der letzte, unabwendbare Schritt sei: bevor die türkischen Bewohnerinnen “die Stadt” verlassen –  also an den Stadtrand ziehen – rücken sie zusammen. Das bedeutet dann, zum Beispiel, zu den Schwiegereltern zu ziehen. Sie ist vorsichtig gespannt auf den Ausgang der Podiumsdiskussion.

Mieterhaie unter sich?!

BImA Sprecher Jürgen Gehb und Dr. Jan-Marco Luczak, MdB (CDU)

Für die langsam eintreffenden Politikerinnen der verschiedenen Parteien ist dieser Termin, gleich was sie später auf dem Podium sagen werden, wahrscheinlich ein Termin unter vielen. Für die Mieterinnen der fünf Häuser geht es um einen Teil ihrer Existenz. So verwundert es nicht, daß die überpünktlich beginnende Veranstaltung sehr gut besucht ist- die 150 Sitzplätze sind restlos belegt, es wird sogar gestanden.

mehr als 150 Teilnehmerinnen: Manche stehen sogar

Bis auf den Flur hinaus stehen interessierte Anwohnerinnen.

Protestplakat

An den Wänden haben Aktivistinnen Plakate angebracht. So gut besucht der Saal auch ist, die Publikumszusammensetzung ist leider recht homogen: wenig junge, oder Zuschauerinnen mit Migrationshintergrund.

In den nächsten 2 Stunden folgt eine hitzige Diskussion, die souverän von Moderator Andreas Beckmann gelenkt wird. Es folgen obligatorische Einzelstatements der Politikerinnen, in denen die Verantwortung um den Verkauf der Häuser wie ein Spielball von Bund zu Land und zurück gespielt wird. Der anwesende Senator für Stadtentwicklung Michael Müller (SPD), möglicher Nachfolger Wowereits, wirkt besonders motiviert, aber auch ehrlich in seiner Sorge um die Mieterinnen.

NamensschilderBImA Sprecher Jürgen Gehb hingegen gibt schon zu Beginn keinen leisen Ton vor, “er sei nicht hier um gemocht zu werden”, und positioniert sich gegen das „Partikularinteresse“ der Mieterinnen. Er erntet zahlreiche Zwischen- und auch Buhrufe.

Fragen aus dem Publikum gab es genug, konkrete Antworten dagegen weniger

Publikumsfragen gab es viele

Die Aussagen der Grünen Renate Künast und Linken Azize Tank, ein Veto im Haushaltsauschuss des Bundestag einzulegen, werden mit Applaus belohnt. Auch den angenehm-unaufgeregten Argumenten von ig-groka Vertreter Thomas Hölker wird gemeinschaftlich zugestimmt. Leider werden die folgenden zwei Runden Publikumsfragen nur sehr mangelhaft beantwortet. Schuld daran tragen aber nicht die engagierten Mieterinnen, es scheint eher das Unvermögen des Bundesangestellten Gehb, und die Lippenbekenntnisse der anwesenden Politikerinnen zu sein, konkrete Antworten geben zu können.

Diskutieren im schon aufgeräumten Saal

So wird zum Ende der Diskussion zwar von allen Anwesenden ein „überparteilicher Konsens“ bezüglich des Vetos im Haushaltsausschuss beschworen – aber nicht nur Fr. L. meint hinterher gedämpft, nun müsse abgewartet werden. Die nächste Zeit würde zeigen, ob sich die Politikerinnen an ihr Wort halten würden und damit den Worten auch Taten folgen ließen.

Noch lange nach Ende der Veranstaltung um 21 Uhr stehen kleine Gruppen beisammen und diskutieren. Das Thema wird die BewohnerInnen im Schöneberger Norden noch begleiten, die Gemüter erhitzen, aber auch die Solidarität im Kiez steigern.

O-TonArt Theater? Ja, unbedingt!

Von HU-Gastblogger Kay

Das Schöneberger Kieztheater kämpft ums Überleben. Es geht dabei um mehr als einen Kleinkunstbetrieb. Es ist auch die Frage nach dem Kulturverständnis einer ganzen Stadt.

Kürzlich ist mir zum ersten Mal ein Satz über Berlin zu Ohren gekommen, der normalerweise nur über Städte wie New York, Paris oder London geäußert wird: Das Tolle an Berlin sei ja, dass man zu jeder Zeit so viele verschiedene Dinge machen könne, dass man auch ruhig mal zu Hause bleiben könne.

Mal davon abgesehen, dass der kausale Zusammenhang zwischen der Vielfältigkeit der Erlebnismöglichkeiten und der Entscheidung, in seiner Wohnung zu bleiben, während draußen das wilde Leben tobt, sich mir nicht in Gänze erschließen mag, will ich nicht anzweifeln, dass das Zuhause-bleiben seinen ganz eigenen Reiz haben kann. Was allerdings die vielfältigen Erlebnismöglichkeiten angeht, so möchte ich zwar nicht laut und bestimmt widersprechen, aber doch ein wenig grüblerisch die Stirn in Falten legen. Weiterlesen

Von der Potsdamer nach Afrika – mit dem Rad

Morgens um halb elf auf dem Marktplatz in Eberswalde, aus einer neueröffneten Boutique dröhnt Elektropop. Etwa zehn Leute in Fahrradmontur stehen im Kreis. Ihnen nähert sich eine kleine Frau mit weißem Zopf, auch sie auf dem Fahrrad, und fragt: “Gehts hier nach Afrika?” – “Ja”, schallt es ihr einstimmig entgegen. “Hier gehts nach Afrika!Weiterlesen

Leben mit Hund im Kiez um die Potsdamer Straße

Von HU-Gastbloggerin Vanessa

Auf dem Spaziergang durch den Kiez mit unserem Kurs der Humboldt-Uni fragte ich mich, wie wohl das Leben mit Hund hier wäre. Welche Vor- und Nachteile oder Besonderheiten bietet die Gegend um den Kiez der Potsdamer Straße für Hundehalter*innen und ihre Vierbeiner?

Der Eingang zum Hundeplatz

Der Eingang zum Hundeplatz

Ich mache mich also mit meinem eigenen Hund Dexter auf den Weg aus Neukölln nach Schöneberg, zuerst einmal Kontakte knüpfen auf dem Hundeplatz im Gleisdreieckpark.
Hundeplätze meide ich in der Regel lieber, weil die Menschen ihre Hunde dort oft machen lassen, was sie wollen und es deshalb regelmäßig Stress unter den Hunden gibt. So leider auch hier. Zur „Begrüßung“ bekommt mein Hund als erstes von einem Golden Retriever auf die Mütze, dessen Ball er zu nahe gekommen ist. Ich bitte die Frau, den Ball einzupacken, ernte aber nur einen bösen Blick.
Kurze Zeit später ist sie weg. Schon hängt der nächste Hund, ein Terrier, an meinem dran und belästigt ihn unentwegt. Als dann noch ein zweiter, ebenfalls ein Terrier, Interesse zeigt, kommt es zur Klopperei. Auch diese zwei Streithähne verschwinden kurz darauf.

Mein Begleiter Dexter

Mein Begleiter Dexter

Nun ist Ruhe und ich kann mit Manuel sprechen, der mit seiner zweijährigen Französischen Bulldogge Cash – benannt nach Johnny Cash – auf dem Platz ist. Unsere Hunde verstehen sich gut und wir haben Gelegenheit für ein nettes Gespräch. Manuel wohnt im Kiez und ist Stammgast auf dem Hundeplatz im Gleisdreieckpark. Cash benötige nicht so viel Auslauf, nach einer Runde Toben und Ballspielen auf dem Platz sei er glücklich. Trotzdem wünscht sich Manuel, der eingezäunte Bereich wäre größer. Das ist auch mir gleich aufgefallen – viel Platz ist hier wirklich nicht. Da ist es auch kein Wunder, dass vom Rasen nicht mehr viel übrig und es sehr staubig ist. Mit meiner schwarzen Hose und meinem schwarzen Hund, der sich gerne mal auf dem Boden wälzt, wird man uns den Besuch hier noch den Rest des Tages ansehen.
Durch den Mangel an anderen Möglichkeiten im Kiez, den Hund mal von der Leine zu lassen, kenne man sich hier im Gleisdreieckpark, erzählt Manuel. Er trifft sich hier regelmäßig mit anderen Besitzer*innen Französischer Bulldoggen – jedes Mal ein großer Spaß für Mensch und Tier. Hin und wieder würde er auch mal in das beliebte große Hundeauslaufgebiet im Grunewald fahren für ausgedehntere Spaziergänge, aber um die Ecke wäre das ja auch nicht gerade.

Leerer Kotbeutelspender, machte sich leider auch auf dem Platz bemerkbar

Leerer Kotbeutelspender, machte sich leider auch auf dem Platz bemerkbar

Ein weiterer Hund auf dem Platz ist Susi, eine Mischlingshündin, ca. 10 Jahre alt. Susi ist jedoch nicht mit ihrer Besitzerin unterwegs, sondern mit Freundinnen von ihr, eine davon Mascha. Auch wenn sie nicht alles über Susis Alltag weiß, ergibt sich ein interessanter und netter Gedankenaustausch Es stellt sich heraus, dass Susis Frauchen einen Laden für Hundebedarf, handgefertigten Hundeschmuck und Accessoires hat. Das Geschäft mit dem Namen SusiWau befindet sich auf der anderen Seite des Parks in der Hornstraße. Eins der selbstgemachten Halsbänder trägt Susi gerade und eigentlich wären sie auf dem Platz, um Fotos von Susi zu machen, damit Mascha Susis Portrait auf eine Tasche malen könne. Sie ist Künstlerin und verkauft handbemalte Taschen.
Ich frage, warum sie mit Susi spazieren gehen, abgesehen vom heutigen Fototermin. Der Hund hätte Probleme mit dem Alleinbleiben und ihnen würde es viel Spaß machen, sich zeitweise um Susi zu kümmern. Da ich ein ähnliches Problem habe, kommt uns die Idee eines Kiez-Netzwerks für Hundebesitzer*innen, die gegenseitig mal auf ihre Vierbeiner aufpassen könnten, als Gelegenheit für Teenager, um sich das Taschengeld aufzubessern, oder Menschen, die einfach keinen eigenen Hund halten können, aber trotzdem gerne Vierbeiner um sich herum haben. Durchaus eine spannende Idee, die es sich zu verfolgen lohnt, aber ich muss hier leider passen, da ich ja aus einer ganz anderen Ecke Berlins komme.

True Filou, Bülowstr. 65

True Filou, Bülowstr. 65

Viel mehr los ist an diesem Nachmittag auf dem Hundeplatz im Gleisdreieckpark nicht, aber mein Hund hatte Spaß und ich konnte einen guten ersten Eindruck gewinnen.
Wir ziehen weiter in die Bülowstraße. Dort befindet sich true FILOU, ein kleines aber feines Geschäft für Hunde- und Katzenaccessoires. Den Laden in der Nr. 65 gibt es seit Dezember 2012 und es war nicht einfach, passende Räume und einen Vermieter zu finden, der sich für die Geschäftsidee begeistern ließ, erzählt mir Inhaberin Ana-Luisa Buthenhoff. Diese Geschäftsidee besteht zum einen Teil aus dem Ladengeschäft, zum anderen aus einem Online-Shop. Die Kundinnen und Kunden, die den Laden besuchen, kämen sowohl aus dem Kiez als auch aus dem Rest Berlins und Umgebung. Gute Beratung spricht sich herum, davon kann ich mich direkt vor Ort überzeugen. Ana-Luisa Buthenhoff zeigt mir das Biothane (ein besonders robuster Kunststoff, den es in vielen verschiedenen Farben gibt), aus dem sie selbst Leinen und Halsbänder nach Maß anfertigt. Außerdem darf mein Hund ein paar Maulkörbe anprobieren. Ladenhund Satchmo lässt ihn dabei nicht aus den Augen und auch bei mir holt sich der freundliche Mischling hinter der Theke ein paar Streicheleinheiten ab. Ich verabschiede mich für heute und werde bestimmt noch mal zum Einkaufen zurück kehren.

Wir spazieren noch ein wenig durch den Kiez und ich ziehe ein Fazit des heutigen Tages. Die Hunde und ihre Menschen unterscheiden sich auf jeden Fall nicht groß von denen in anderen Teilen Berlins. Es gibt freundliche und es gibt weniger freundliche, das ist halt überall so. Die Umgebung kam mir mit meinem Hund, der viel Auslauf im Grünen gewohnt ist, nicht ganz ideal vor. Der Hundeplatz im Gleisdreieckpark ist klein und schmutzig und kann einen ausgedehnten Spaziergang niemals ersetzen. Der Rest des Parks werde relativ streng vom Ordnungsamt überwacht, wurde mir erzählt, ein Spaziergang ohne Leine sei dort fast unmöglich. Was bleibt da noch? Der Tiergarten, in dem ebenfalls Leinenpflicht gilt? Der Grunewald, das nächste größere offizielle Hundeauslaufgebiet, das allerdings deutlich weiter weg ist? Es müssen auf jeden Fall größere Strecken zurück gelegt werden, ohne Auto umständlich.
Die sonstige kanine Infrastruktur ist jedoch gut – auch bei Hellweg gibt es eine Zooabteilung und diverse Tierärzt*innen stehen im Kiez ebenfalls zur Verfügung. Mit einem weniger lauffreudigen Hund oder einem Auto lässt es sich hier bestimmt gut leben, für Dexter und mich geht es jetzt aber zurück nach Neukölln.

An der Graswurzel der Politik

Die Mediengestalterin Gabriele Hulitschke eckte im Osten immer wieder an, weil sie sich nicht anpassen wollte. Ihre Suche nach Freiheit führte sie ins Ehrenamt.

Eine Frau, viele Ämter

Gleisdreieckpark Berlin, an der Schnittstelle zwischen Ost- und Westseite des Parks, zwischen Kreuz- und Schöneberg. Zwei blonde Touristen mit ratlosem Blick nähern sich der dunkelhaarigen Frau, die dort in der Landschaft herum steht, die Hände in den Taschen ihrer Jeans. Sie suchen das Technikmuseum, in diesem weitläufigen Niemandsland hilft ihnen auch ihr Reiseführer nicht weiter. Gabriele Hulitschke runzelt kurz die Stirn und überlegt, sie streicht sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht; es ist sehr windig. Weiterlesen

Zech und Dombrowsky: zwei Kommunikationsfachleute und ihr Kiez

Zahllose Design-Agenturen, Ateliers und Ausstellungen bevölkern die Berliner Gentrifizierungszentren. Sei es Grafikdesign, Produktdesign oder freie Gestaltung, wer immer einen Fuß in die Stadt der StartUps und Kreativen setzt, formuliert angesichts der Bilderflut oft vorschnell einen Überbegriff. In der Kommunikationbranche ist es nicht anders: „Es ist wie mit der IT-Branche – fast niemand weiß, was dabei eigentlich gemacht wird“ kritisiert Uta Zech.

Zusammen mit dem Betriebswirt und Grafik Designer Walter Dombrowsky führt sie ein Unternehmen, das beide Berufungen miteinander vereint. Die Kombination, bei der viele sich vor Unwissenheit verlegen am Hinterkopf kratzen müssen, ist für die studierte Germanistin und Theaterwissenschaftlerin simpel: Die natürliche Entwicklung einer Idee durch Ausdruck und Darstellung – „man muss sich nur die eigenen Gedankenprozesse genau ansehen.“ Weiterlesen

Portrait Vincent

VincCCI30072014ent ist 23 Jahre alt und kommt aus einer kleinen Stadt, in der Nähe von Nürnberg. In Berlin wohnt er schon seit knapp fünf Jahren. Zur Zeit in Tempelhof, weil hier die Mieten noch günstig sind. Er zog in die Hauptstadt um, weil ihm die Berliner Electro Szene faszienierte. Sein Ziel war es, dort eigene Musik zu machen und zu produzieren. Nachdem er ein paar Kontakte geknüpft hatte, bekam er die Möglichkeit in einigen Clubs aufzulegen. Man durfte ihn zum Beispiel im Keller – Neukölln; Freudenreich, Grießmühle zuhören und beobachten. Heutzutage ist Vincent nicht mehr so oft als DJ unterwegs, doch seine Musik kann man jederzeit online finden. Er spielt auch Klavier und hat nichts gegen die Klassiker.
Ausserdem studiert er an der Humbolt Universitaet Philosophie als Kernfach und Literaturwissenschaften als Zweitfach. Mit Literatur beschäftigt er sich nicht nur in seiner Freizeit, sondern steht bei ihm fest auf dem Tagesprogramm. Am liebsten liest der die französischen, auch in der original Sprache, und russischen Romanklassiker.