Kategorie-Archiv: Natur

Das Lidl-Bike – grüne Welle auf der Potsdamer Straße

Gestern gegen 20.30 Uhr fuhr die Critical Mass von Norden her kommend auf die Potsdamer Straße ein. Die BesucherInnen des Gallery Weekends fanden das sehr unterhaltsam. Die abbiegenden Autofahrer – darüber gibt es keine direkten Zitate . Auf jeden Fall hatten die RadfahrerInnen nicht nur den nicht vorhanden Fahrradweg, sondern eine gesamte Fahrspurseite in der kompletten Länge für einige Zeit mit grüner Welle auch bei Rot für sich.

Critical Mass am 28. April 2017

Wie es sich sonst so auf der Potsdamer Straße radelt und dann auch noch mit einem Leihfahrrad beschreibt HU-Gastbloggerin Jette

„ Auto oder Fahrrad?“
Ich wohne am Stadtrand und bin mal wieder viel zu spät dran für mein Seminar in der Humboldt Universität.  Mein Blick wandert zwischen unserem Auto vor der Tür und meinem Fahrrad hin und her: Wie komme ich am schnellsten hier weg? Ich überlege kurz und entscheide mich für mein Rad. In den meisten Fällen ist man in der Berliner Innenstadt so schneller unterwegs als mit dem Auto. Weiterlesen

GartenPlausch im Schöneberger Norden

von HU-Gastblogger Uwe

WASSER UND ERDE FÜR DEN SCHÖNEBERGER NORDEN

Graphik: gruppe F

Seit Anfang des Jahres 2017 gibt es den „GartenPlausch“ im Schöneberger Norden. Jeden zweiten Donnerstag im Monat treffen sich KiezgärtnerInnen in der Kiezoase Steinmetzstrasse 68, um zu fachsimpeln, sich erste Informationen zu holen oder sich zu vernetzen. Organisiert werden diese Treffen von der gruppe F, die das Projekt GartenAktiv bis Ende 2018 durchführt.

,,Genüssliche Verführungen“
Der Tagungsraum ist ansprechend mit kleinen lukullischen Genussmöglichkeiten, wie verschiedenen Keksgebäck,  schmalen Käsestangen, Kaffee und Tee, Wasser und Saft  ,,verführerisch“ ausgestaltet worden. Bereits jetzt vermittelt sich mir hier eine angenehme fast heimische Atmosphäre. Da mir noch etwas  Zeit bis zum Beginn der Veranstaltung bleibt, spreche ich kurz mit Frau Walther: ,,Die gruppeF hat ja einige Projekte in Berlin, an denen sie organisatorisch beteiligt ist, es sind momentan 3 gärtnerische Projekte  wie u.a. das Projekt Brunnengärten im Weddinger Brunnenviertel sowie ein weiteres Gemeinschaftsgarten-Projekt in Staaken.“

Der Sitzungsraum füllt sich gegen 17 Uhr sehr rasch, der Andrang ist so groß, dass die vorhandenen Sitzgelegenheiten zu Beginn der Veranstaltung nicht ausreichend sind. Mehr als 15 Personen – Anwohner und ehrenamtlich Aktive – nehmen an dem Gartenplausch teil.

150 grüne Orte im Schöneberger Norden – kartiert von der Gruppe F für das Projekt Gartenaktiv

Unter den Anwesenden sind auch zwei Mitarbeiterinnen der  Gewobag MB, die für den dortigen Bereich im Schöneberger Norden als Wohn/Hausverwaltung zuständig sind. Zum einen  ist es Frau Silke Jensen, von der Mieterberatung der Gewobag, zum anderen ist es Frau Brigitte Naumann, die zuständige Kundenbetreuerin  der Gewobag für diesen Bereich des Schöneberger Nordens.

Das heutige Hauptthema lautet: Wasser sammeln /gewinnen mit der Gewobag und der gruppe F

Nach den gemachten Erfahrungen der letzten Jahre mit einer, immer wieder aufkommenden Wasserknappheit in warmen Sommermonaten ist seit längerem der Wunsch der Anwohner präsent, für die Pflege von Hoch-Beeten und sonstigen Grünpflanzen und Gemüseanbau,  alternative Bewässerungs-und Wassersammlungsmöglichkeiten zu entwickeln bzw. neue Möglichkeiten nachzufragen. Dabei geht es heute konkret um die Aufstellung von ,,Regenwassertonnen“.

Entstehende Problematiken
Hier treten sogleich erhebliche Probleme auf. ,,Die Gewobag hat mit dieser Art von Projekt noch relativ wenig Erfahrung,“ bemerkt Brigitte Naumann. ,,Auch muss die technische Machbarkeit und die Wartungsverantwortung für diese Wassertonnen für die Erfordernisse der Gewobag –Hausverwaltung sicher gestellt werden.“

Zu beachten ist hierbei unter anderem, dass die Regen –bzw. Wassertonnen nach oben hin nicht offen sein dürfen, da darin dann kleine Kinder verunfallen könnten. Auch müssen diese Tonnen auf versickerungsfähiger Fläche stehen und mit einem Fallrohranschluss an der Hauswand angebunden sein.

Klar, dass die Gewobag generell bereit ist, zur Aufstellung von Wassertonnen. Voraussetzung ist jedoch auch die technische Machbarkeit und das Sicherstellen, wer für die Wassertonnen verantwortlich sein wird. Eine Veranstaltungsteilnehmerin fragt nach, ob die Wassertonnen auch vor dem Haus auf dem Bürgersteig stehen könnten? Die Antwort erfolgt prompt, dass die Aufstellung von Regen-oder Wassertonnen auf der Straße durch die Gewobag aufgrund der Sicherungspflicht im öffentlichen Straßenraum und der erhöhten Vandalismusgefahr keine Zustimmung erhalten kann.

Wasser marsch?
In der Gruppe beginnen nun Diskussionen über die Möglichkeit der Installierung von Wasserhähnen an den Gebäudewänden. Leider sind auch hier die technischen Voraussetzungen nicht unerheblich. Frau Naumann von der Gewobag weist daraufhin, dass bereits viele existierende Wasserhähne zurück gebaut werden mussten.

Gemeinsam mit den ExpertInnen von der gruppeF werden dann weitere Informationen gegeben. Bei der Nutzung von Außenwasserhähnen am Haus müssen diese mit einem notwendigen Wasserrücklaufstopp ausgestattet sein, aufgrund der Legionellen–Gefahr. Denn bei „toten Ecken“ im Wassersystem, wo abgestandenes Wasser verbleibt, besteht die Gefahr, dass sich diese gefährlichen Bakterien bilden. Das Wasser muss also immer im ,,Fluß“ sein. Ein Rücklaufstopp ist notwendig. Auch wird der Einbau von Wasserzählern empfohlen, denn sonst werden die Kosten für’s Blumengießen auf die gesamte Hausgemeinschaft umgelegt. Die entsprechenden Kosten für die regelmäßige Wartung müssten von der gärtnerisch aktiven Nutzergruppe getragen werden.

Ein Teilnehmer stellt resümierend fest, dass die Gewobag generell zum Aufstellen von Regenwassertonnen bereit, soweit die technische Machbarkeit und deren Verantwortung für die Tonnen sicher gestellt werden kann. Die Vertereterinnen der Gewobag und der gruppeF versichern, dass sie diesbezüglich in Kontakt bleiben werden, um die Modalitäten zu klären. Alle Beteiligten sind daran natürlich interessiert und wollen selbst auch am Ball bleiben. Das Thema des effektiven Wassersammelns wird weiterhin ein wichtiger Gesprächspunkt bleiben.

Neben ein paar kleineren anderen Thematiken kommt es zu einem weiteren für mich interessanten, überraschenden, weil nicht angekündigten  Thema: Der Beschaffung und Verwendung von Pflanzenerde. Aber! Wer braucht denn jemals so viel Erde?

Einige der Teilnehmer erwähnen zu Beginn: Den groben Kompost, der aus Grünschnitt des Straßen- und Grünflächenamtes hergestellt wird, kriegen wir ja unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Qualität reicht aber nicht für den Anbau von Nutzpflanzen aus. Letztes Jahr hatten wir ja bereits einen größeren Umfang an Erde aus Aktionsfonds-Mitteln erhalten.“

Lieferung von 5 Tonnen Erde auf einem nur 3,5 Tonnen  tragenden LKW
,,Es wurden uns ja im letzten Jahr  mit einem 3,5 Tonnen LKW  ganze 5 Tonnen zu verwendende Erde geliefert,“ merkt ein Veranstaltungsteilnehmer an. Ich bin ziemlich beeindruckt von der angegebenen  Menge und kann mir nur sehr schwer vorstellen, wie diese Massen an Pflanzenerde Verwendung finden können. Und ob nun wirklich so viel Erde verbraucht werden kann?

Kurz darauf werde ich jedoch diesbezüglich von zwei Anwesenden eines Besseren belehrt: ,,Zu Beginn dachten wir, es sei uns sehr viel Erde geliefert worden,“ sagt eine Gärtnerin. Doch dann sei es doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen.

Neuer Bedarf für 2017: Ganze 15 Tonnen Erde!!
Diesmal liegt der Bedarf allein für diese Initiative locker bei circa 15 Tonnen Erde für das Jahr 2017. Das bedeutet 300% Mehrbedarf, gar nicht schlecht! Im Anschluss wurden von den anwesenden Gärtnern bereits Wünsche für die diesjährige Oberboden-Lieferung an das Projekt GartenAktiv gesammelt. Als spätester Liefertermin für die Erde wurde der 12.05.2017 genannt.

Auch gab es an diesem Diskussionsabend noch weitere sehr interessante Themenschwerpunkte, wie das Durchführen von Bodenproben in bestehenden Beeten sowie die Qualität der gelieferten Erde. Viele Gärtner wollen wissen, ob der Oberboden ,,schadstoffbelastungsfrei“ für den Gemüseanbau verwendbar ist oder aber wie man auch die Herstellung von hochwertiger Pflanzenerde selbstständig in Angriff nehmen kann, z.B. durch das sog. „Kon-Tiki“ System.

Ebenso wurde angesprochen, in wieweit es Pflanzenarten gibt, die wenig Pflege und Wasser benötigen wie z.B. Steppengräser, Lavendel oder auch spezielle Züchtungen. All diese Themen werden zu einem am 13. April beim nächsten GartenPlausch aufgegriffen.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Cnters an der Humboldt Universität zu Berlin.

„Verooonika, der Bagger ist da“ – Familiengarten Kluckstraße in Not

Von HU-Gastbloggerin Kaya

Vorabmeldung: Am Donnerstag, den 14. April zwischen 10 und 16 Uhr wird auf dem Gelände gegärtnert bzw sind GärtnerInnen dabei, das Grün vor dem Baggern zu retten. Wer dabei helfen möchte, geht am besten direkt dorthin und packt an, wo es etwas zu tun gibt. 

Es ist ruhig, dafür, dass wir uns mitten in Berlin befinden. Der Familiengarten in der Kluckstraße ist ein kleines grünes Idyll. Am Zaun hängen Schilder mit Aussagen wie „Wir gärtnern ohne Torf.“ Da juckt mein nachhaltig interessiertes Näschen und ich tauche ab ins langsam aufblühende Grün und lasse die Großstadt hinter mir. Nichts scheint diesem Ort etwas anhaben zu können.

Aber Pustekuchen!
Demnächst soll eine Baustellenzufahrt durch den Garten führen. Eine Teilfäche wurde bereits gerodet, wobei quasi über Nacht der Kompost verschwunden ist. Das ist alles andere als idyllisch und frühlingshaft! Andererseits: Ein bedrohter Garten ist zwar weniger idyllisch, verdient es aber umso mehr, dass man über ihn schreibt.

Gemeinsam mit unzähligen anderen großen und kleinen Nutzern des Familinengartens wurden die einzelnen Holzlatten einen Sommer lang individuell bemalt.

Im Frühjahr 2010 begann das Projekt wachsenlassen den Gemeinschaftsgarten in der Kluckstraße aufzubauen. Seitdem ist viel gepflanzt, geerntet, gebangt und gelacht worden. Ausschlag für einen wichtigen Meilenstein war die Meinungsverschiedenheit mit den Wild-Kaninchen über den Gemüsegarten, woraufhin 2012 ein kunterbunter Lattenzaun gebaut wurde.

Kindergartenkinder und Auszubildende eines Sägewerks hobelten, sägten, schliffen und malten gemeinsam. „Der Zaun ist beispielhaft für unsere Art zu arbeiten„, erklärt mir Gabriele Koll. Wie bei allen Belangen war es ihr als Projektleiterin und allen Beteiligten wichtig, auf möglichst nachhaltige Weise vorzugehen. Das Holz für den Zaun stammt aus einheimischen Berliner Forsten und wurde nicht nachträglich mit chemischen Mitteln behandelt.

Die Baustelle
Das Kiezzentrum ‚Villa Lützow‚, auf dessen Gelände sich auch der Familiengarten befindet, soll schon seit langem saniert und ausgebaut werden. Eigentlich eine tolle Sache. Ursprünglicher Baubeginn sollte der 01.01.2016 sein; seitdem steht das Haus leer. Die unterschiedlichen Träger wie Gladt e.V., KomBi Kommunikation und Bildung, der Stadtteilverein Tiergarten, FiPP e.V. oder auch KIDZ e.V. mussten sich damals – teilweise in anderen Bezirken – neue Bleiben suchen. Bis Februar diesen Jahres wusste niemand, wie lange sich der Baubeginn noch verzögern würde. Nun soll es am 01. Mai losgehen. Und die Baustellenzufahrt soll genau durch den Gemeinschaftgarten führen.

Am Rande der gerodeten Fläche, da, wo zuvor der Komposthaufen war, liegen jetzt nur noch die Holzpaletten, die den Kompost vorher umgrenzt haben.

Vor ca. drei Wochen haben wir plötzlich entdeckt, dass ein Teil des Garten gerodet wurde. Der schöne Kompost, der dieses Jahr endlich einsatzbereit gewesen wäre, ist verschwunden,“ erzählt mir Gabriele Koll als wir auf der trostlosen braunen Erde stehen, die vor Kurzem noch von Büschen bedeckt war.

Mitglieder des Stadtteil-Forum Tiergarten-Süd waren entsetzt und verfassten Ende März einen Protestbrief an Carsten Spallek, Stadtrat für Schule, Sport und Facility Management: Mit Entsetzen haben die Projektleitung und das Stadtteilforum festgestellt, dass unabgesprochen großflächige Rodungsarbeiten auf dem Gelände für die Bauvorbereitungen durchgeführt und dabei bereits wichtige Flächen und Arbeiten des Projektes zerstört wurden. … Grundsätzlich halten wir es für unbedingt notwendig, dass die Planungen für die Baumaßnahme mit den Trägern vor Ort abgestimmt werden. Damit wurden 2009/2010, als der Familiengarten unter Federführung des Grünflächenamtes angelegt wurde, sehr gute Erfahrungen gemacht. … Das Stadtteil Forum wendet sich daher entschieden gegen die aktuelle Vorgehensweise, die die Arbeit im Familiengarten übermäßig behindert oder sogar zunichtemacht. Wir haben daher einen Lösungsvorschlag erarbeitet, der den Erhalt der Gärten sicherstellt und gleichzeitig eine ungehinderte Baustellenzufahrt ermöglicht. (der gesamte Brief als pdf download)

Aus dem Büro Spallek kam nach einer Woche lediglich die Information, der Brief sei an den Leiter des Facility Managements weitergeleitet, da dieses für die Organisation des Bauvorhabens zuständig sei.

Ob der Vorschlag des Stadtteil-Forums für eine alternative Baustellenzufahrt beim Facility Management abgewogen wurde, ist bis dato nicht bekannt.

Auch das Jugendamt Mitte engagierte sich noch einmal für alternative Pläne, trug noch einmal Bedenken vor, wurde jedoch auch nicht gehört. Es scheint, dass unbedingt am Baubeginn Anfang Mai festgehalten werden soll.

Umsetzaktion: Rettung oder Illusion?
Eine Übergangslösung für die zwei Jahre, in denen gebaut werden soll, wäre eine teilweise Umsiedlung des Gartens. Allerdings weiß niemand genau, wann die Zufahrt errichtet werden soll. In drei Wochen, in einer, morgen? So eine Umsiedlung kostet Zeit und Geld. Beides ist in einem ehrenamtlich beackerten Garten Mangelware. Zudem ist im letzten Jahr die Finanzierung für den Garten ausgelaufen, gemeinsam mit KIDZ e.V. sind Anträge bei Stiftungen und anderen Fördergeldgebern in Planung.

Es müssten ca. 40 Beeren-, Gemüse- und Blumenstauden sowie zahlreiche Gehölze ein neues Zuhause auf Zeit bekommen. Ob die Pflanzen einen Umzug überstehen, bleibt fraglich. Für Pflanzenumsetzungen hätte man sich keinen ungünstigeren Zeitpunkt als Anfang April wünschen können. Zudem müsste der bunte Zaun ab- und wieder aufgebaut werden.

Dass auch das Insektenhotel umgesetzt werden muss, wird den BewohnerInnen vermutlich gar nicht gefallen.

Besonders problematisch wäre auch die Umsetzung des Insektenhotels, dass seit zwei Jahren endlich bewohnt ist: „Die Natur passt sich nicht so einfach an solche Hau-Ruck-Aktionen an.

Bisher gärtnern auf dem Gelände zwei Kindergärten, vier Familien und zwei Einzelpersonen. Diese haben schon bereitwillig Hilfe angeboten und wollen auch während der Übergangsphase im zerteilten Garten weiter mit anpacken, um Stärke und Präsenz zu zeigen.

Leider sind all diese Überlegungen rein hypothetisch, solange es nicht wenigstens eine kleine Förderung für den Garten gibt. Allein mit der Hilfe der ehrenamtlichen Gärtner ist die Versetzung nicht zu stemmen. „Wir bräuchten Erde, Holz und Fachkräfte; das alles kostet“, seufzt Gabriele Koll.

Wie können Sie uns unterstützen, unseren Garten zu erhalten?
Heute, am 8. April, veröffentlicht sie gemeinsam mit KIDZ e.V. einen Aufruf mit Unterstützerschreiben , in dem die Situation geschildert wird und es abschließen heißt:

  • Sich gemeinsam mit uns für eine dauerhafte Finanzierung des Angebots engagieren und dazu auch kreative Ideen entwickeln,
  • uns bei der Rettung von Pflanzen und des kunsthandwerklich gestaltetes Zauns um unseren ‚Bauerngarten‘ tatkräftig unterstützen,
  • uns als Referenz ein Unterstützerschreiben (siehe Rückseite) zusenden
  • uns finanziell mit einer Spende auf folgendes Konto unterstützen:
    KIDZ e.V.
    IBAN: DE 48 1007 0848 0440 3903 00
    BIC: DEUTDEDB110
    Die Arbeit von KIDZ e.V. ist als gemeinnützig und förderungswürdig anerkannt. Spenden und Förderbeiträge sind steuerlich abzugsfähig.

Ausgang offen. Und es bleibt die Frage: Wieso gibt es kein Geld für einen Garten, der zum geplanten Kiezzentrum dazu gehört und nachhaltige Arbeit im Bereich Umweltbildung leistet?

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität.

„Bin ich schön?“ – fragt die schlitzblättrige Buche im Kleistpark

Von HU-Gastbloggerin Kaya

Naturdenkmale nahe der Potsdamer Straße. „Ahh, Bäume!“ denke ich beglückt, genau mein Thema. Seit einem forstwirtschaftlichen Unikurs und dem Buch von Peter Wohlleben „Das geheime Leben der Bäume“ sind mir meine Waldspaziergänge noch lieber geworden. Bevor ich mir ‚meinen‘ Baum aussuche, sammele ich ein paar Fakten.

Auf der Liste der Berliner Naturdenkmale sind 605 Denkmale verzeichnet. Diese sei aber nicht aktuell, erfahre ich vom Bezirksamt; einige Bäume stehen nicht mehr. Neuausweisungen – so der Fachjargon – gab es wohl 2001 das letzte Mal. Aus der Liste wähle ich ‚meinen‘ Baum.

Die stattliche denkmalgeschützte Stieleiche im Kleistpark ist auch vor grauem Märzhimmel eindrucksvoll.

Ein paar Tage später sitze ich unter der Stieleiche im Kleistpark und benötige an diesem Märzmorgen doch etwas Phantasie, um in die richtige Stimmung für ein Baum-Portrait zu kommen: Das Straßenrauschen wird zum Wind in den Blättern, die Sonne funkelt durch das Blätterdach, Vögel singen in den Ästen und ein Eichhörnchen springt behende… ok genug!

Ich brauche keine Sommerromantik, um mich in diesen Baum zu verlieben. Da es Mitte März ist, ist das einzig Farbenfrohe das grell gelb leuchtende „Naturdenkmal“-Schild. Seine Äste sind kahl, sowie es sich für eine anständige Eiche zu dieser Jahreszeit gehört. Zu seinen Füßen steht ein grauer Stromkasten. Trotzdem! Der Baum wirkt groß und mächtig mit weit ausladenden Ästen, so wie man sich ein stattliches Naturdenkmal vorstellt. Tut ‚man‘ das? Wieso eigentlich?

Wer oder was ist ein Naturdenkmal?
Naturdenkmale können Bäume, Findlinge, Pfuhle oder Flächen wie Wiesen oder Teiche von bis zu 5ha sein. Als Baumfan steht mein Fokus fest. Als mögliche Gründe für eine Unterschutzstellung für Bäume nennt die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (ab jetzt SenUVK) „Seltenheit, Eigenart, außergewöhnliche Schönheit und Mächtigkeit, kulturgeschichtliche oder landschaftstypische Kennzeichnung„. Das klingt schon mal recht erhaben, aber ab wann ist so ein Baum denn ‚außergewöhnlich schön‘? Zusätzlich zu mindestens einem dieser Qualitätskriterien muss der Baum noch mindestens einem der Wuchskriterien entsprechen. Diese sind festgelegte Werte für verschiedene Arten bezüglich der Höhe, des Stammunfangs und des Kronendurchmessers.

Die schlitzblättrige Rot-Buche stammt noch aus der Zeit als der Kleistpark der botanische Garten war. Der BUND-Berlin hat mir freundlicherweise mit einem sommerlichen Foto ausgeholfen.

Moment Mal! Wie kann ein Baum den besonders eigen sein und zugleich einen artentypischen Wuchs haben?
Genau hier widersprechen sich die Kriterien, denn auch ein mickriger Baum kann historisch bedeutsam sein„, erklärt mir Christian Hönig, der Referent für Baumschutz bei BUND Landesverband Berlin. Unter anderem deswegen sind die SenUVK und der BUND für Umwelt und Naturschutz eine Kooperation eingegangen. Neben der Überprüfung des Bestandes hat Hönig Vorschläge für neue Kriterien erarbeitet, bei denen Wuchskriterien nur noch in Verbindung mit ‚Schönheit‘ gelten sollen.

Das Besondere im Vergleich zu anderen Schutzkategorien liegt bei Naturdenkmalen darin, dass sie den Bezug der Menschen zur Natur zeigen„, so Hönig. Hierbei wird nicht nach dem Biodiversitäts- oder Artenschutz geschaut, sondern nach ästhethischer oder historischer Bedeutung für den Menschen. So könnte die Eiche im Kleistpark zum Beispiel ein Relikt aus dem Botanischen Garten sein, der sich fast 200 Jahre dort befand, bevor er Anfang des 20. Jahrhunderts nach Dahlem verlegt wurde.

Sicher aus der Zeit des botanischen Gartens stammt die seltene schlitzblättrige Rot-Buche, die unserer Eiche gegenüber steht. Mit ihrem 10 Metern Höhe und Breite hat sie den Wuchs-Test für Naturdenkmale nicht bestanden. Falls Hönigs Vorschläge angenommen werden, könnte die relativ kleine Buche den Sprung in den Denkmalschutz aber noch schaffen. Selten und historisch bedeutsam ist sie alle Mal.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität.

Die Anfänge des Botanischen Gartens auf dem Areal des heutigen Kleistparks

Von Gast-Bloggerin Damjana Panic

Haben Sie eigentlich schon mal darüber nachgedacht, was der Heinrich-von-Kleist-Park mit der nach Johann Sigismund Elßholz benannten Straße zu tun hat, die ihn nach Osten hin begrenzt?

Elßholz wird 1623 in Frankfurt an der Oder geboren. Er gilt damals als einer der bedeutendsten deutschen Gelehrten der Naturwissenschaften. Er ist vielseitig interessiert und betätigt sich unter anderem auf den Gebieten Gartenbau, Botanik, Alchemie, Astrologie, Ernährungslehre und Medizin. Weiterlesen

Auf eine frische Minz-Limo ins „Cafe Eule“

Von HU-Gastbloggerin Marleen

Der Frühling steckt in den Startlöchern und was gibt es da Schöneres als die ersten Sonnenstrahlen in den zahlreichen Parks und Gärten Berlins zu genießen. Ein ganz besonders schönes Sonnenplätzchen ist das „Café Eule“  im Westteil des Parks am Gleisdreieck.

eule1.2Etwas versteckt, abseits der asphaltierten Wege, befindet sich der zum Café umgebaute Container, aus dem heraus die Betreiberin Kristiana Elig und ihre Mitarbeiter täglich herrlich leckeren italienischen Kaffee sowie zahlreiche hausgemachte Leckereien verkaufen. Weiterlesen

Wachsenlassen und die Grüne Bibliothek

Von HU-Gastbloggerin Luna

Wenn im Frühling die ersten Maiglöckchen zum Vorschein kommen, dann möchte man manchmal dem Alltag entfliehen und einfach die Natur genießen.

Im Gemeinschaftsgarten Wachsenlassen in der Kluckstraße 11 in Tiergarten-Süd wird den Bürgern des Kiezes genau das ermöglicht. Und wer sich vorher mit dem Thema urbanem Gärtnern vertraut machen möchte, kann in der anliegenden Grünen Bibliothek in einem der vielen Bücher zu diesem Thema schmökern.

Grüne Biblio2,1Das Fortbestehen der Bibliothek verdankt sich engagierten Bürgern, die sich im Januar 2013 zusammengeschlossen haben, um die von Schließung bedrohte Bibliothek Tiergarten Süd weiterzuführen. Gemeinsam mit dem Amt für Weiterbildung & Kultur Berlin-Mitte, Fachbereich Bibliotheken, dem Stadtteilverein Tiergarten e.V. und der IG Bibliotheken, haben sie das Konzept der Grünen Bibliothek entworfen. Sie ist ein generationsübergreifendes und interkulturelles Projekt, das Angebote im Bereich Urbanes Gärtnern, Do It Yourself und Sprach- und Leseförderung anbietet. Weiterlesen

Joseph Roth in Berlin: Modernität aus der Retrospektive

Offensichtlich ziehen sich die Resultate urbanen Wandels durch die Potsdamer Straße: Neue Ausstellungen in der ehemaligen Druckerei des Tagesspiegels, unzählige Casinos, die mit ihrer Werbung die Erdgeschosse prachtvoller Altbauten bedecken und, bei der Kreuzung zur Goebenstraße angekommen, Sozialbauten: parzellierte Hochhäuser, bei denen die dicht aneinander liegenden Balkons abwechselnd von Satellitenschüsseln verdunkelt, von tropischen Gewächsen überwuchert oder in dem kargen Grau des Betons gehalten sind. Die Eindrücke können zweifelsfrei begeistern. Angesichts der zusammenhangslosen Mischung fragt sich der ein oder andere Spaziergänger jedoch auch mal: Wo bin ich hier eigentlich?

Joseph Roth, 1926

Joseph Roth, 1926

Berlin beherbergt zahllose passionierte Flaneure, die sich von dieser Vielfalt nicht beirren lassen. Im letzten Jahrhundert haben einige von ihnen ihre Eindrücke der Stadt für die Nachwelt festgehalten. Heute noch liefern uns die Stadtchroniken von Walter Benjamin oder Franz Hessel eine detaillierte Sicht auf die Entwicklungsgeschichte von Berlin. Einer dieser Flaneure war Joseph Roth. Niemanden hat das zusammengewürfelte Gesicht der Stadt mehr gestört als den Schreiber, der in den Zwanzigern auch die Potsdamer Straße bewohnt hat.

Er liebte die Individualität und hatte einen Hang zum Mystischen, aber wenn die Geschichte und die Herkunft eines Individuums in kunterbuntem Mischmasch untergeht, fand seine Faszination keinen Ansatz mehr. Ob loyale Kriegsveteranen oder Nachfahren eines Adelsgeschlechts, begünstigt durch den Monarchen: Die Protagonisten in Joseph Roths Romanen haben diesen bewussten und meist ehrenhaften Hintergrund. Aber je frommer und gewissenhafter ihre Ursprünge, desto härter prallt ihre indolente Gesinnung auf die Grausamkeit der Gegenwart. Und damit ist keine Zeit gemeint, die ein Historiker versucht nachzusinnen – es ist die Zeit eines Epikers mit starrem Blick auf aktuelles Zeitgeschehen. Der Leser spürt diese zeitliche Spannung und eine sehnsüchtige Nostalgie in dem melodischen Prosa vom „Radetzkymarsch“, „Hiob“ oder dem „Hotel Savoy“. Die Lektüreerfahrung geht über den Schreibstil hinaus und die inhaltlichen Dissonanzen scheinen den pulsierenden Nerv einer Metropole heute noch genauso akkurat zu treffen wie das Berlin in der kulturellen Blüte der Zwanziger.

„Berlin ist ein Labor der Moderne“

JosephRothDiele

Joseph-Roth-Diele, Potsdamer Straße 75

Wenig scheint sich an dieser Feststellung geändert zu haben. „Die Spannung bei Roth gibt’s natürlich heute noch“ erklärt ein Kellner aus der Joseph-Roth-Diele, die vor zwölf Jahren im Nachbarhaus von Roths Unterkunft gegründet wurde. „Heute ist es eben mehr ein gesellschaftlicher Konflikt.“ Dabei deutet er auf die Prostituierten, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite dem Verkehr auf der Potsdamer Straße zuwinken. Es sind Eindrücke von einer sozialen Baustelle, von einem Schauplatz neuer Konflikte und kultureller Kollisionen – das im Licht der Kerzen und Kronleuchter schillernde Restaurant, tapeziert mit Büchern und Zitaten, bleibt ein vereinzeltes Kleinod im Geiste Roths Lieblings-Gaststätte, „Mampes gute Stube“.

Was heute eine Vielzahl unterschiedlicher Ursprünge und Kulturen ausmacht, war zu Zeiten Roths eine Spannung zwischen Kriegsflüchtigen aus allen Teilen Europas, Rückkehrende aus russischer Gefangenschaft und einem sich anbahnenden Nationalsozialismus. Aber Roth hat nie Kritik an kultureller Vielfalt geübt. Sein Blick hat die Probleme vielleicht deutlicher gesehen als wir heute dazu in der Lage sind:

„Die Fassade der neuen Zeit macht mich unsicher“

Mit dieser Anmerkung versehen veröffentlicht Roth einen Artikel über Architektur in der Münchner illustrierten Presse, 1929. Durchgehend aus der Ich-Perspektive berichtet Roth emotional aufgeladen von seiner Abneigung gegen den Eklektizismus der Moderne: Ein Kabarett, das man auch für ein Krematorium halten könnte, ein Kino, das in der Hast einer bevorstehenden Reise mit einem Bahnhof verwechselt wird. Wir können heute an seinen Erfahrungen aus der Metropole anknüpfen, die sich nicht darum bemüht einen kohärenten Stil zu bewahren: „Man kannte genau die Gesetze der Verlogenheit und agnoszierte unfehlbar den Ersatz, wo man das Echte erblickte.“

Neben den stilistischen Divergenzen nährt sich Roths Abneigung gegen Berlin auch am zwischenmenschlichen Umgang. In dem Artikel, „Bei den Heimatlosen“, den er 1920 für die die Neue Berliner Zeitung geschrieben hat, behandelt Roth die Menschlichkeit oder eher die Unmenschlichkeit, mit der Emigranten und Asylbewerber in Berlin konfrontiert werden. Grammatikalisch verschrobene Reverse, unumgängliche Bürokraten und modrige Behausungen – Hindernisse, die heute noch den Einwanderern ihr Asyl nicht gerade einladend gestalten. Die Zeit liest aus der Artikelsammlung von Joseph Roth in Berlin“  konsequenterweise heraus, dass er „für die falschen Sorgen der Gutbetuchten (…) nur Verachtung übrig“ hat. 

Ein Bekenntnis zum Gleisdreieck

Berlin ist zusammengewürfelt. Das ist keine Kritik an der Internationalität oder der Vielseitigkeit der Stadt. Es ist eine Tatsache – nur der Umgang damit scheint Roth unbeholfen. Menschliche Kooperation, einen genauen Blick auf das Umfeld und eine sinngemäße Weiterentwicklung des Bestehenden proklamiert er für die Rettung von Berlin. In seinem Artikel über das Gleisdreieck singt er deshalb eine Hymne auf die Technisierung: 

Gleisdreieck 1912

Gleisdreieck um 1912, Berlin

„Man müsste sich mit Inbrunst zu ihrer Grausamkeit bekennen, in ihren tödlichen Wirkungen die Ananke sehen und viel lieber nach ihren Gesetzen untergehen sollen als nach den Humanen der sentimentalen Welt glücklich werden.“

Heute verziert eine Parkanlage die glänzenden, eisernen Adern der Stadt und wir müssen uns erneut fragen: Ist das genuine Charisma einer Stadt im Gestaltungs- und Projektwahn verloren gegangen? Und noch entscheidender: Ist die Eigenheit in der Architektur, in der Kunst und der technischen Entwicklung von Berlin sogar eine Voraussetzung für die Offenheit gegenüber anderen Kulturen und den wachsenden Menschenmassen? – Joseph Roths Beschreibung seiner Gegenwart beantwortet es unverkennbar: Ja!

Ein Gedanke, den Joseph Roth vor 90 Jahren in der Frankfurter Zeitung in seinem poetischen Stil der Berichterstattung manifestiert hat, lässt uns heute erneut die Ideale und Trends unserer Zeit überdenken. Spannung, Pessimismus, Eigenheit – sie haben ein exaktes Gesicht der Zeit gezeichnet und eine Kritik formuliert, die nicht an Aktualität verloren hat.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Centers der Humboldt Universität

von HU-Gastblogger Vincent

Von der Potsdamer nach Afrika – mit dem Rad

Morgens um halb elf auf dem Marktplatz in Eberswalde, aus einer neueröffneten Boutique dröhnt Elektropop. Etwa zehn Leute in Fahrradmontur stehen im Kreis. Ihnen nähert sich eine kleine Frau mit weißem Zopf, auch sie auf dem Fahrrad, und fragt: “Gehts hier nach Afrika?” – “Ja”, schallt es ihr einstimmig entgegen. “Hier gehts nach Afrika!Weiterlesen

Leben mit Hund im Kiez um die Potsdamer Straße

Von HU-Gastbloggerin Vanessa

Auf dem Spaziergang durch den Kiez mit unserem Kurs der Humboldt-Uni fragte ich mich, wie wohl das Leben mit Hund hier wäre. Welche Vor- und Nachteile oder Besonderheiten bietet die Gegend um den Kiez der Potsdamer Straße für Hundehalter*innen und ihre Vierbeiner?

Der Eingang zum Hundeplatz

Der Eingang zum Hundeplatz

Ich mache mich also mit meinem eigenen Hund Dexter auf den Weg aus Neukölln nach Schöneberg, zuerst einmal Kontakte knüpfen auf dem Hundeplatz im Gleisdreieckpark.
Hundeplätze meide ich in der Regel lieber, weil die Menschen ihre Hunde dort oft machen lassen, was sie wollen und es deshalb regelmäßig Stress unter den Hunden gibt. So leider auch hier. Zur „Begrüßung“ bekommt mein Hund als erstes von einem Golden Retriever auf die Mütze, dessen Ball er zu nahe gekommen ist. Ich bitte die Frau, den Ball einzupacken, ernte aber nur einen bösen Blick.
Kurze Zeit später ist sie weg. Schon hängt der nächste Hund, ein Terrier, an meinem dran und belästigt ihn unentwegt. Als dann noch ein zweiter, ebenfalls ein Terrier, Interesse zeigt, kommt es zur Klopperei. Auch diese zwei Streithähne verschwinden kurz darauf.

Mein Begleiter Dexter

Mein Begleiter Dexter

Nun ist Ruhe und ich kann mit Manuel sprechen, der mit seiner zweijährigen Französischen Bulldogge Cash – benannt nach Johnny Cash – auf dem Platz ist. Unsere Hunde verstehen sich gut und wir haben Gelegenheit für ein nettes Gespräch. Manuel wohnt im Kiez und ist Stammgast auf dem Hundeplatz im Gleisdreieckpark. Cash benötige nicht so viel Auslauf, nach einer Runde Toben und Ballspielen auf dem Platz sei er glücklich. Trotzdem wünscht sich Manuel, der eingezäunte Bereich wäre größer. Das ist auch mir gleich aufgefallen – viel Platz ist hier wirklich nicht. Da ist es auch kein Wunder, dass vom Rasen nicht mehr viel übrig und es sehr staubig ist. Mit meiner schwarzen Hose und meinem schwarzen Hund, der sich gerne mal auf dem Boden wälzt, wird man uns den Besuch hier noch den Rest des Tages ansehen.
Durch den Mangel an anderen Möglichkeiten im Kiez, den Hund mal von der Leine zu lassen, kenne man sich hier im Gleisdreieckpark, erzählt Manuel. Er trifft sich hier regelmäßig mit anderen Besitzer*innen Französischer Bulldoggen – jedes Mal ein großer Spaß für Mensch und Tier. Hin und wieder würde er auch mal in das beliebte große Hundeauslaufgebiet im Grunewald fahren für ausgedehntere Spaziergänge, aber um die Ecke wäre das ja auch nicht gerade.

Leerer Kotbeutelspender, machte sich leider auch auf dem Platz bemerkbar

Leerer Kotbeutelspender, machte sich leider auch auf dem Platz bemerkbar

Ein weiterer Hund auf dem Platz ist Susi, eine Mischlingshündin, ca. 10 Jahre alt. Susi ist jedoch nicht mit ihrer Besitzerin unterwegs, sondern mit Freundinnen von ihr, eine davon Mascha. Auch wenn sie nicht alles über Susis Alltag weiß, ergibt sich ein interessanter und netter Gedankenaustausch Es stellt sich heraus, dass Susis Frauchen einen Laden für Hundebedarf, handgefertigten Hundeschmuck und Accessoires hat. Das Geschäft mit dem Namen SusiWau befindet sich auf der anderen Seite des Parks in der Hornstraße. Eins der selbstgemachten Halsbänder trägt Susi gerade und eigentlich wären sie auf dem Platz, um Fotos von Susi zu machen, damit Mascha Susis Portrait auf eine Tasche malen könne. Sie ist Künstlerin und verkauft handbemalte Taschen.
Ich frage, warum sie mit Susi spazieren gehen, abgesehen vom heutigen Fototermin. Der Hund hätte Probleme mit dem Alleinbleiben und ihnen würde es viel Spaß machen, sich zeitweise um Susi zu kümmern. Da ich ein ähnliches Problem habe, kommt uns die Idee eines Kiez-Netzwerks für Hundebesitzer*innen, die gegenseitig mal auf ihre Vierbeiner aufpassen könnten, als Gelegenheit für Teenager, um sich das Taschengeld aufzubessern, oder Menschen, die einfach keinen eigenen Hund halten können, aber trotzdem gerne Vierbeiner um sich herum haben. Durchaus eine spannende Idee, die es sich zu verfolgen lohnt, aber ich muss hier leider passen, da ich ja aus einer ganz anderen Ecke Berlins komme.

True Filou, Bülowstr. 65

True Filou, Bülowstr. 65

Viel mehr los ist an diesem Nachmittag auf dem Hundeplatz im Gleisdreieckpark nicht, aber mein Hund hatte Spaß und ich konnte einen guten ersten Eindruck gewinnen.
Wir ziehen weiter in die Bülowstraße. Dort befindet sich true FILOU, ein kleines aber feines Geschäft für Hunde- und Katzenaccessoires. Den Laden in der Nr. 65 gibt es seit Dezember 2012 und es war nicht einfach, passende Räume und einen Vermieter zu finden, der sich für die Geschäftsidee begeistern ließ, erzählt mir Inhaberin Ana-Luisa Buthenhoff. Diese Geschäftsidee besteht zum einen Teil aus dem Ladengeschäft, zum anderen aus einem Online-Shop. Die Kundinnen und Kunden, die den Laden besuchen, kämen sowohl aus dem Kiez als auch aus dem Rest Berlins und Umgebung. Gute Beratung spricht sich herum, davon kann ich mich direkt vor Ort überzeugen. Ana-Luisa Buthenhoff zeigt mir das Biothane (ein besonders robuster Kunststoff, den es in vielen verschiedenen Farben gibt), aus dem sie selbst Leinen und Halsbänder nach Maß anfertigt. Außerdem darf mein Hund ein paar Maulkörbe anprobieren. Ladenhund Satchmo lässt ihn dabei nicht aus den Augen und auch bei mir holt sich der freundliche Mischling hinter der Theke ein paar Streicheleinheiten ab. Ich verabschiede mich für heute und werde bestimmt noch mal zum Einkaufen zurück kehren.

Wir spazieren noch ein wenig durch den Kiez und ich ziehe ein Fazit des heutigen Tages. Die Hunde und ihre Menschen unterscheiden sich auf jeden Fall nicht groß von denen in anderen Teilen Berlins. Es gibt freundliche und es gibt weniger freundliche, das ist halt überall so. Die Umgebung kam mir mit meinem Hund, der viel Auslauf im Grünen gewohnt ist, nicht ganz ideal vor. Der Hundeplatz im Gleisdreieckpark ist klein und schmutzig und kann einen ausgedehnten Spaziergang niemals ersetzen. Der Rest des Parks werde relativ streng vom Ordnungsamt überwacht, wurde mir erzählt, ein Spaziergang ohne Leine sei dort fast unmöglich. Was bleibt da noch? Der Tiergarten, in dem ebenfalls Leinenpflicht gilt? Der Grunewald, das nächste größere offizielle Hundeauslaufgebiet, das allerdings deutlich weiter weg ist? Es müssen auf jeden Fall größere Strecken zurück gelegt werden, ohne Auto umständlich.
Die sonstige kanine Infrastruktur ist jedoch gut – auch bei Hellweg gibt es eine Zooabteilung und diverse Tierärzt*innen stehen im Kiez ebenfalls zur Verfügung. Mit einem weniger lauffreudigen Hund oder einem Auto lässt es sich hier bestimmt gut leben, für Dexter und mich geht es jetzt aber zurück nach Neukölln.