Kategorie-Archiv: Strassen

Handgefärbte Garne made in Schöneberg

Von HU-Gastbloggerin Ricarda

Als ich von der Pallasstraße in die Gleditschstraße abbiege, fällt mir zuerst der große AOK Komplex an der Straßenecke auf. Die Gleditschstraße selbst scheint wenig befahren zu sein und die Umgebung erweckt den Eindruck einer ruhigen Wohngegend. Vorbei an einem Malermeisterbetrieb, einem Physiotherapiezentrum und einer Hebammenpraxis, erreiche ich die Hausnummer 45. Ich trete einen Schritt zurück und ein Blick ins Schaufenster sagt mir, hier bin ich richtig. „Die Wollnerin“ steht dort in Großbuchstaben.

WollatelierDie Wollnerin“ heißt mit richtigem Namen Sabine Bornemann und hat hier im Viertel vor knapp vier Monaten das erste Wollgeschäft für handgefärbte Garne eröffnet. Handgefärbte Garne made in Berlin-Schöneberg, das ist wohl einmalig! Nachdem wir  es uns im hinteren Teil des Ladens an einem großen weißen Tisch gemütlich gemacht haben, halte ich mich gar nicht lange zurück und stelle Frau Bornemann die Frage der Fragen: Wie kommt man zu dieser Geschäftsidee? Weiterlesen

Rosa Fenster zur Welt – Das Cafe Pink in der Goltzstraße

Von HU-Gastbloggerin Nina

Wir haben abgestimmt!“ Die Mädchen teilten Elisabeth Wagner das Ergebnis mit: ‚Café Pink‘ sollte der Mädchentreffpunkt heißen. Zur Auswahl hatte auch ‚Café Blau‘ gestanden. Kurz darauf schmissen sich diejenigen, die für ‚Café Blau‘ gestimmt hatten, in ihre Malerklamotten und strichen einen Raum des Ladengeschäfts himmelblau an. Das Konzept des Mädchentreffpunkts in der Schöneberger Goltzstraße 40 war von Anfang an: Integration aller Mädchen mit ihren Träumen und Wünschen, und: Räume für Mädchen zu schaffen, seien sie rosa oder blau, real oder virtuell.

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Der Anfang liegt 25 Jahre zurück. Da kam Elisabeth Wagner von Ostfriesland nach Berlin. „Ich hatte am Schwarzen Brett der Emdener Hochschule ein Praktikantengesuch entdeckt. Auch meine Lieblingstante wohnte in Berlin.“ Also ging’s mit Sack und Pack in die Großstadt. Angekommen in Berlin begann sie ihr Praktikum in dem von der Pestalozzi-Fröbel-Schule gegründeten Jugendtreff. Aber wo waren die Mädchen? „Wir stellten fest, dass die Elisabeth Wagner und Ulrike Dietrich mit Preis fuers Web_0Jungs den Billiardtisch und die Tischtennisplatte belagerten, die Mädchen trauten sich nicht ran“, erzählt sie.

 

Für die vorwiegend türkischen Mädchen aus der Umgebung wurde ein winziges Ladengeschäft in der Barbarossastraße gefunden. „Manchmal kamen unsere Brüder und machten Stunk!“ erinnert sich Sevim im Jubiläums-Dokumentarfilm, die zur ersten Generation der ‚Café Pink‘-Besucherinnen gehört.

„Das Tollste war, wenn wir den Schlüssel hatten und im Café übernachten konnten.“ Da konnte es vorkommen, dass plötzlich die Mutter oder Schwester eines Mädchens in der Tür stand, um nach den Rechten zuschauen. „Aber all diese Anstandsbesuche hörten irgendwann auf“, berichtet weiter. Das gegenseitige Vertrauen wuchs.

Die Mädchen hatten sich ihre ‚Lücke‘ erobert, so hieß der Laden damals. Wobei ‚Lücke‘ sich auf das Alter der Mädchen bezieht, für die es zwischen 10 und 14 Jahren kaum – sprich: keine – Angebote im Kiez gab. Heute besuchen Mädchen und junge Frauen von 10 bis 23 das Café, an den zahlreichen Angeboten beteiligen sie sich rege oder sporadisch, aber jede, die durch die Tür gewirbelt kommt, will sofort loslegen. „Reinkommen, Sachen in die Ecke und los geht’s!“ sagt Ulrike Dietrich, die im Café eine Sozialpädagoginnenstelle inne hat.

Tillma Meyer, die die Theaterprojekte betreut, stimmt zu.“Die sich haben in fünf Minuten eine Choreografie ausgedacht, sie sprudeln über von Ideen, da können sich meine betulichen Erwachsenenkurse eine Scheibe abschneiden.“ Auch ehemalige Besucherinnen, die inzwischen selbst Töchter haben, gucken immer mal wieder vorbei und erinnern sich gern. „Oh, wir haben Elisabeth verrückt gemacht!“ sagt Ufuk, und alle lachen.

Aus den Mädchen sind selbstbewusste Frauen geworden. Viele haben sich im Café Pink auf den MSA oder das Abitur vorbereitet. Sie haben geflucht, gekichert, gekreischt und geweint. „…und zwar zusammen, wir haben wirklich zusammen geweint und uns getröstet,“ erzählt Ufuk.

Das Gemeinschaftsgefühl wuchs immer mehr. Der Laden strahlt das auch aus. Es liegt nicht an den bunt angemalten Wänden oder dem sonnengelben ‚Totem‘ aus Styroporteilen. Es ist ist eher eine Haltung, die auf Verständigung und Neugier setzt. Sevim kommt aus einem liberalen türkische Elternhaus, sie erzählt, wie doof sie ein Mädchen fand, das ein Kopftuch trug. „Du kennst sie doch gar nicht,“ sagte Elisabeth Wagner, „geh doch mal hin und sprich mit ihr!“ Eine dicke Freundschaft ist daraus trotzdem nicht geworden, aber hinterher ist man immer schlauer. Die Mädchen schauen ohne Vorbehalte in die Welt und hören auf ihre Gefühle. „Das Café Pink war für mich wie ein Fenster, es hat mir vieles eröffnet“, sagt Sibel, die erst Besucherin und später Mitarbeiterin war. Na dann, mehr davon.

Dachte sich wohl auch Soziologieprofessorin Claudia Gather, die den Hatun-Sürücü-Preis für vorbildliche Frauen- und Mädchenprojekte stiftete. Das Café Pink erhielt am 15. Februar 2015 den 1. Preis. „Es war spannend bis zur letzten Minute!“ berichtet Elisabeth Wagner von der Preisverleihung. „Dann wurden wir alle auf die Bühne gerufen!“ Der Preis ist noch ganz frisch, wie die vielen Fettfinger auf dem Glas verraten. Glückwunsch!

Unknown

 

 

 

Schabloniertes in der Bülowstraße

Zwei Tage vor der Ausstellungseröffnung traf ich Hugo Kaagman auf der Leiter vor einer Wand in der Bülowstraße. Ich war auf der Suche nach der Street Art Aktion – hatte ich doch gehört, dass Urban Nation „etwas plante“. Viel mehr wusste ich nicht, doch da war ja nun Hugo Kaagman auf der Leiter.

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Er wiederum war sich auch nicht ganz so sicher, wo er hier gelandet sei – mit der Prostitution und so. Auf jeden Fall hatte er auch gleich ein neues deutsches Wort gelernt – Freudenhaus. Dieses belustigte ihn sehr und deshalb hatte er es auch gleich künstlerisch umgesetzt. Weiterlesen

Seit 268 Minuten neu eröffnet – BIOSFERA

Donnerstag, 15. Januar, 2015, 12.28 Uhr
Elzbieta und Halil Bekmez haben dieses innere Lächeln von Menschen, die einen neuen, guten Weg einschlagen. Okay, ein bisschen müde wirken sie auch; kein Wunder. Denn vor gerade mal vier Stunden haben sie ihren Laden eröffnet.

BIOSEFRA – Naturkostladen Cafe&Bistro – Flottwellstraße 14.

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Mo – Fr 8.00 – 19.00 Sa 8.00 – 14.00

Wir beide wollten schon seit längerem selbstständig arbeiten,“ sagt Elzbieta Bekmez. Da sie beide im Kiez, genauer in der Pohlstraße, leben und ihre Kinder hier in die KiTa gehen, ist es klar, dass ihnen die Bautätigkeiten in der Flottwellstraße nicht verborgen blieben. „Wir haben den Laden hier gesehen und alles weitere hat sich dann ergeben.“ Weiterlesen

Über Pfosten und den Radweg Bülowstraße

„Das Alte abgelegt, das Neue angefangen. Wer am Ende Vergangenes versteht, kann Neues erst empfangen.“ Dieser Gedanke, gepostet heute zum Neuen Jahr von der Agentur A-Vitamin aus der Körnerstraße, lenkte meine Gedanken direkt zum Radweg Bülowstraße.

Dies war verständlicherweise keine logische Verknüpfung, eher eine assoziative, weil dieser Radweg sich so lange bewegte zwischen alt/neu, und begonnen/

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Auch schloss sich kein Versuch des Verstehens an, eher ein kurzes Rekapitulieren nach dem Motto: Was als Letztes geschah Weiterlesen

Heut/Morgen bleibt die Küche kalt

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Christiane Latendorf „Urzeitvogel“ 2013

Mittwoch und Donnerstag sind die kulinarischen Tage in der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde in der Kurfürstenstraße. Nur selten schließen die Pforten so wie heute und morgen zur Feier der Jahreswende 2014/2015.

Sonst wird – wochein/wochaus – am Nachmittag wird geschnippelt und gekocht. Am Abend wird geschlemmt.

Und wie bei jeder köstlichen Mahlzeit trägt jedes Ingredienz zum Wohlgeschmack bei. Wobei zur Zeit wieder Menschen gesucht werden, die Lust haben, die Kochtöpfe zu füllen und die Gäste zu bewirten. *(Infos am Ende des Artikels)

Wie Sie auf den Geschmack zum Mitmachen kommen, erfahren Sie in der folgenden Suppenküchen-Kochanleitung Weiterlesen

Herr Odes hinter der Säule ODER Hinter einige Fassaden der Flottwellstraße geschaut

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Beim Anblick des Schriftzuges muss ich lachen. Und gleich tauchen Fragen auf. Ist Herr Odes groß, kraushaarig, jung, dich, dünn, bartlos? Warum steht er hinter der Säule? Steht da wirklich jemand hinter der Säule?

Belustigt und neugierig betrete ich das Flottwell Berlin. Herrn Odes kann ich nicht finden, doch sehe „Palme“ an den Säulen, „hohe Tür“ an einer Glastür und „Shalom“ an der Rezeption. „Was soll das?“ ist mein erster Satz an Geschäftsführer Stephan Kühne.

Flottwellstrasse_1000px_11„Als mir diese Weihnachtsdekoration, nachempfunden der Bauhaus-Krippe, vorgeschlagen wurde, hab ichs nicht ganz verstanden, aber ich habe der Frau, die mir es vorgeschlagen hat, vertraut,“ antwortet er. „Der Gepäckwagen heißt jetzt heißt Kamel.“

Wenig später im Gespräch fügt er – passend zur Jahreszeit – hinzu, er sei zu seiner Position als Geschäftsführer gekommen, „wie die Jungfrau zum Kind.“ Der Vorschlag hier in der Flottwellstraße ein Hotel zu eröffnen, sei an ihn herangetragen worden. Als IT-Fachmann hätte er keine Ahnung von der Hotellerie gehabt. „Da hab ich in München erstmal ein zweiwöchiges Praktikum in einem Hotel gemacht, bin überall mitgelaufen und hab ganz viel mitgeschrieben,“ erzählt er. „Danach wusste ich, dass ich im Team unbedingt gute Hotelfachleute haben musste.“ Weiterlesen

Nur Lippenbekenntnisse auf der Podiumsdiskussion zum Verkauf der BImA Häuser?

von HU Gastbloggerin Rocio

Eine Revolution hat niemand erwartet – fassbare Ergebnisse schon

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Hier in der Großgörschenstraße/ Katzlerstraße stehen die vom BImA Verkauf betroffenen Häuser.

Im PallasT, wo sonst Theater-Aufführungen oder monatliche Trödelmärkte stattfinden, lud der Quartiersrat Schöneberger Norden am 3.September 2014 zu der Podiumsdiskussion  “Bundesadler im Kiezflug”,  zum Verkauf der BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) Häuser – Großgörschen Straße 25-27 und Katzler Straße 10-11– ein.

Bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Podiumsdiskussion sind neben den Organisatorinnen Cordula Mühr und Matthias Bauer (QR Schöneberger Norden), auch schon einige Anwohnerinnen da. Diese älteren Bewohnerinnen sind – wie sich später herausstellt – bei weitem nicht leise und wissen genau was sie wollen: konkrete Antworten auf die Frage, wie es um ihren Wohnraum steht.

Anwohnerin trägt Mängelliste vor

Spätestens seit März diesen Jahres sind sie mit anderen engagierten Anwohnerinnen in der Interessengemeinschaft Großgörschen-/Katzlerstraße (GroKa) aktiv: ob auf der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV), mit Protest vor der CDU Parteizentrale, einem medienwirksamen Kiezspaziergang (Video RBB Abendschau), einer Petition gegen Verkauf von Bundesimmobilien– aber die Frist zum Kauf lief ab, und ihnen würde die Chance genommen ihre eigenen Häuser– mit Hilfe der Gewobag– zu kaufen. Nun werden die Häuser zum Höchstgebot von der BImA verkauft, und als Folge sei nun mit der Verdrängung der jetzigen Mieterinnen zu rechnen.

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Transparente der Anwohnerinnen zur „sozialen Verantwortung“ des Bundes.

Worum es geht:

Die fünf Häuser gehören dem Bund, werden von der BImA verwaltet, und nun wegen “geringer Auslastung” zum Verkauf angeboten. Dies erfolgt zu dem „vollen Wert“, der nach dem BImA hauseigenen- Verkehrswertgutachten bei 7,1 Millionen liegt. Diesen, als hoch angesehenen Preis, konnte die GEWOBAG als städtisches Berliner Wohnungsbauunternehmen nicht aufbringen. Nun gehen die Häuser an die Meistbietenden. Es erscheint jedoch unmöglich diese dann nach gemeinnützigen Rahmenbedingungen zu bewirtschaften. Möglicher erscheinen teure Luxussanierungen und Eigentumswohnungen. Die Häuser im Schöneberger Norden sind kein Einzelfall. Derzeit stehen von den rund 5.000 in Berlin im Besitz des Bundes befindlichen Wohnungen 1.700 zum Verkauf.

“Nicht lukrativ zu sein, das wäre gut. “

Flyer zum Kiezpalaver am 10.September

Auch Frau L., eine ehemalige Lehrerin und engagierte Crellekiez Anwohnerin, ist schon vor der Tür des PallasT und verteilt Einladungen zum Kiezpalaver – gegen den Kiezverkauf am 10. September im O-TonArt-Theater.

Ihr eigenes Haus stehe schon seit 5 Jahren in Internet zum Verkauf, sei wohl aber uninteressant, da immer noch nicht verkauft. Dennoch könne nicht Jede hoffen, alte sichere Mietverträge zu haben, oder sogar schon “fertig sanierte Häuser”. Vielmehr seien “alle hier im Kiez bedroht: Freunde, Nachbarn, einfach  Alle”. Durch das entstehende neue, teure Eigentum wäre auch schon eine deutliche Veränderung im Crellekiez zu bemerken. Langsam würde er kippen. 

Dennoch steht die engagierte Anwohnerin Veränderung nicht grundsätzlich abweisend gegenüber: manche Neuerungen kämen einer lebendigen Infrastruktur im Kiez zu Gute. Doch würden gleichzeitig Nischen verloren gehen, wie beispielsweise entlang des Wannseegraben zwischen dem Schöneberger und dem Crellekiez, auch Crelle-Urwald genannt. Dort solle jetzt ein Fahrrad-Fernweg gebaut werden, obwohl keine 700 m weiter, an der nächsten Brücke schon einer vorhanden sei.  Freiflächen würden zu betoniert, und die kleinen wilden Parks und Ecken verschwänden.

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Auch verändere sich die Bevölkerungszusammensetzung: viele alteingesessene türkisch- oder arabischstämmige Kiezbewohnerinnen würden aufgrund der Mietpreissteigerungen gezwungen zu gehen. Dies zeige sich deutlich auf dem Spielplatz, wo nun fast ausschließlich junge deutsche Familien seien. Aus eigener Erfahrung weiß die ehemalige Leherin, dass dies der Umzug raus aus dem Kiez der letzte, unabwendbare Schritt sei: bevor die türkischen Bewohnerinnen “die Stadt” verlassen –  also an den Stadtrand ziehen – rücken sie zusammen. Das bedeutet dann, zum Beispiel, zu den Schwiegereltern zu ziehen. Sie ist vorsichtig gespannt auf den Ausgang der Podiumsdiskussion.

Mieterhaie unter sich?!

BImA Sprecher Jürgen Gehb und Dr. Jan-Marco Luczak, MdB (CDU)

Für die langsam eintreffenden Politikerinnen der verschiedenen Parteien ist dieser Termin, gleich was sie später auf dem Podium sagen werden, wahrscheinlich ein Termin unter vielen. Für die Mieterinnen der fünf Häuser geht es um einen Teil ihrer Existenz. So verwundert es nicht, daß die überpünktlich beginnende Veranstaltung sehr gut besucht ist- die 150 Sitzplätze sind restlos belegt, es wird sogar gestanden.

mehr als 150 Teilnehmerinnen: Manche stehen sogar

Bis auf den Flur hinaus stehen interessierte Anwohnerinnen.

Protestplakat

An den Wänden haben Aktivistinnen Plakate angebracht. So gut besucht der Saal auch ist, die Publikumszusammensetzung ist leider recht homogen: wenig junge, oder Zuschauerinnen mit Migrationshintergrund.

In den nächsten 2 Stunden folgt eine hitzige Diskussion, die souverän von Moderator Andreas Beckmann gelenkt wird. Es folgen obligatorische Einzelstatements der Politikerinnen, in denen die Verantwortung um den Verkauf der Häuser wie ein Spielball von Bund zu Land und zurück gespielt wird. Der anwesende Senator für Stadtentwicklung Michael Müller (SPD), möglicher Nachfolger Wowereits, wirkt besonders motiviert, aber auch ehrlich in seiner Sorge um die Mieterinnen.

NamensschilderBImA Sprecher Jürgen Gehb hingegen gibt schon zu Beginn keinen leisen Ton vor, “er sei nicht hier um gemocht zu werden”, und positioniert sich gegen das „Partikularinteresse“ der Mieterinnen. Er erntet zahlreiche Zwischen- und auch Buhrufe.

Fragen aus dem Publikum gab es genug, konkrete Antworten dagegen weniger

Publikumsfragen gab es viele

Die Aussagen der Grünen Renate Künast und Linken Azize Tank, ein Veto im Haushaltsauschuss des Bundestag einzulegen, werden mit Applaus belohnt. Auch den angenehm-unaufgeregten Argumenten von ig-groka Vertreter Thomas Hölker wird gemeinschaftlich zugestimmt. Leider werden die folgenden zwei Runden Publikumsfragen nur sehr mangelhaft beantwortet. Schuld daran tragen aber nicht die engagierten Mieterinnen, es scheint eher das Unvermögen des Bundesangestellten Gehb, und die Lippenbekenntnisse der anwesenden Politikerinnen zu sein, konkrete Antworten geben zu können.

Diskutieren im schon aufgeräumten Saal

So wird zum Ende der Diskussion zwar von allen Anwesenden ein „überparteilicher Konsens“ bezüglich des Vetos im Haushaltsausschuss beschworen – aber nicht nur Fr. L. meint hinterher gedämpft, nun müsse abgewartet werden. Die nächste Zeit würde zeigen, ob sich die Politikerinnen an ihr Wort halten würden und damit den Worten auch Taten folgen ließen.

Noch lange nach Ende der Veranstaltung um 21 Uhr stehen kleine Gruppen beisammen und diskutieren. Das Thema wird die BewohnerInnen im Schöneberger Norden noch begleiten, die Gemüter erhitzen, aber auch die Solidarität im Kiez steigern.

O-TonArt Theater? Ja, unbedingt!

Von HU-Gastblogger Kay

Das Schöneberger Kieztheater kämpft ums Überleben. Es geht dabei um mehr als einen Kleinkunstbetrieb. Es ist auch die Frage nach dem Kulturverständnis einer ganzen Stadt.

Kürzlich ist mir zum ersten Mal ein Satz über Berlin zu Ohren gekommen, der normalerweise nur über Städte wie New York, Paris oder London geäußert wird: Das Tolle an Berlin sei ja, dass man zu jeder Zeit so viele verschiedene Dinge machen könne, dass man auch ruhig mal zu Hause bleiben könne.

Mal davon abgesehen, dass der kausale Zusammenhang zwischen der Vielfältigkeit der Erlebnismöglichkeiten und der Entscheidung, in seiner Wohnung zu bleiben, während draußen das wilde Leben tobt, sich mir nicht in Gänze erschließen mag, will ich nicht anzweifeln, dass das Zuhause-bleiben seinen ganz eigenen Reiz haben kann. Was allerdings die vielfältigen Erlebnismöglichkeiten angeht, so möchte ich zwar nicht laut und bestimmt widersprechen, aber doch ein wenig grüblerisch die Stirn in Falten legen. Weiterlesen

Zeitläufte – 20. Juli

Grab Juli 20_01_kleinAm 20. Juli 1944 wurde Claus Graf Schenk von Stauffenberg gemeinsam mit Werner von Haeften, Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim und Friedrich Olbricht im Hof des Bendlerblocks in der heutigen Stauffenbergstraße in Tiergarten exekutiert und auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in der Großgörschenstraße bestattet. Doch bereits am nächsten Tag befahl Himmler die Leichen zu exhumieren und zu verbrennen. Dann wurde ihre Asche über Berliner Rieselfelder verstreut. Weiterlesen