Kategorie-Archiv: Kunst

Den Potsdamer Platz “alt und neu” erleben

Von HU-Gastblogger Tony

Am Potsdamer Platz ist immer etwas los, nur geht es in dem heutigen Artikel nicht um ein neues Event oder eine Ladenneueröffnung. Es geht um eine neue Bodenplatte. So weit, so gewöhnlich, jedoch liegt die Besonderheit bei dessen Oberfläche: Auf dem weißen Stein prangt in schwarzer Schrift ein großer QR-Code, mit dem man sich auf eine Zeitreise begeben kann.
Sightseeing am Potsdamer Platz mal anders!

Was ist überhaupt ein QR-Code? Weiterlesen

Eine Beerdigung von politischer Schönheit auf dem Alten Zwölf Apostel Kirchhof

Zentrum pol Schoenheit_06Ist der Fotograf mit dem Käppi Rainer Jensen von der dpa? Er hat sich den besten Platz gesichert, direkt an der Stirnseite des Grabes, fast scheint er etwas erhöht auf einem Kästchen zu stehen, doch ich bin nicht nah genug dran, um das zu sehen.

So kann er scharfe, punktgenaue Fotos liefern von diesem Ereignis/dieser Beerdigung. Zum Beispiel für den Artikel Protestaktion in Berlin-Schöneberg – Zentrum für Politische Schönheit beerdigt Flüchtling im Tagesspiegel. Das ist sein Job als Fotograf, immer möglichst nah dran zu sein – egal ob es ein Galadiner, eine Filmpremiere, ein EU-Gipfel oder eben die Beerdigung eines Flüchtlings ist. Weiterlesen

Arbeit und Anerkennung im Lützowtopia

Von Gastbloggerin Christine

Im Maggi-Haus in der Lützowstraße liegt das einzigartige „Lützowtopia“, eine Tagesstätte für Menschen mit HIV/Aids oder Hepatitis C, die eine seelische Behinderung haben. Hier dreht sich alles um Menschen, die aus verschiedenen Gründen durch das Netz der sozialen Absicherung gefallen sind. Durch Arbeit und Beschäftigung sollen sie ihrem Leben wieder Struktur geben.

Ein freundliches Lächeln und der Duft von Kaffee – mein Empfang bei Lützowtopia ist perfekt. Karin Waltz, Leiterin der Tagesstätte, sitzt gerade mit ihren Klient_innen beim Frühstück, begrüßt mich und bietet mir etwas zu trinken an. Die Leute am Tisch unterhalten sich ruhig, die Atmosphäre wirkt entspannt. Im Gespräch erklärt mir Karin Waltz, dass das tägliche gemeinsame Frühstück und Mittag zum Programm gehören. Dazwischen finden die diversen Arbeitsgruppen statt. Weiterlesen

Das Museum mit *

Von HU-Gastblogger Johannes

Kevin Clarke kommt mit seiner weißen Vespa vor dem Schwulen Museum* vorgefahren. Schon von weitem lächelt er mir zu und begrüßt mich mit einem scherzhaften: „Das war jetzt aber noch keine Fotoopportunity.“

Der Eingangsbereich des Schwulen Museums*

Gemeinsam betreten wir die Räume des Schwulen Museums* in der Lützowstraße 73. Hier herrscht trotz Ruhetag reges Treiben. Die Mitarbeiter kümmern sich um internationale Kontakte, Pressearbeit, das Archiv oder die Betreuung aktuellen Ausstellung „Porn That Way“, welche noch bis Ende April zu sehen ist. Was sich heute auf der Schwelle zu einem professionellen Museumsbetrieb befindet, fand 1986 mit der Ausstellung „Igitt – 90 Jahre Homopresse“ in den Räumen der Allgemeinen Homosexuellen Arbeitsgemeinschaft AHA in der Friedrichstraße ihren Anfang. Schon damals waren die Ambitionen groß, doch die nötigen Räume und personellen Kapazitäten begrenzt. Das änderte sich zwei Jahre später mit dem Umzug in den Mehringdamm 61, in dessen Räumen in den kommenden Jahren mehr als 130 Ausstellungen stattfanden. Weiterlesen

Auf eine frische Minz-Limo ins „Cafe Eule“

Von HU-Gastbloggerin Marleen

Der Frühling steckt in den Startlöchern und was gibt es da Schöneres als die ersten Sonnenstrahlen in den zahlreichen Parks und Gärten Berlins zu genießen. Ein ganz besonders schönes Sonnenplätzchen ist das „Café Eule“  im Westteil des Parks am Gleisdreieck.

eule1.2Etwas versteckt, abseits der asphaltierten Wege, befindet sich der zum Café umgebaute Container, aus dem heraus die Betreiberin Kristiana Elig und ihre Mitarbeiter täglich herrlich leckeren italienischen Kaffee sowie zahlreiche hausgemachte Leckereien verkaufen. Weiterlesen

Portrait Senta

Es war der einzige Gang mit Stühlen. Das Interview fand in einem schmalen, grauen Gang in dem Universitätsgebäude in der Ziegelstraße statt. Trotz der ungastlichen Umgebung entstand schnell eine gelöste Atmosphäre und das Gespräch wurde rasch persönlich. Senta scheint eine sehr aufgeweckte und fröhliche Persönlichkeit zu sein und ist sehr neugierig. Auf meine Frage, wohin sie gerne mal reisen würde, antwortet sie prompt: „Überallhin!“

Dass ich sie als fröhlich empfinde, liegt nicht nur daran, dass sie „zu viel Lachen“ als ihre schlechteste Eigenschaft bezeichnet. Ist zuviel Lachen eine schlechte Eigenschaft? Das kann ich für meinen Teil nicht bestätigen. Doch tatsächlich wirkt sie sehr lieb und so, denkt sie, wird sie auch von anderen wahrgenommen. Als würde sie kein Wässerchen trüben können. Ich wage die Behauptung, dass das durchaus trügen kann.

Senta studiert VWL und schlägt auch in der tageszeitung als Erstes den Wirtschaftsteil auf. Dann folgt Politik. „Immerhin sind das Themen, die doch alle angehen.“ Doch sie gibt zu, dass diese Artikel oft nicht alle erreichen, was dem Schreibstil geschuldet sein kann. Nicht jeder versteht etwas unter den Begriffen der Makroökonomie. Schmunzelnd gibt sie zu, dass sie danach zum Comic blättert.

Senta

Mich interessiert, wovor sie Angst hat. Sie ist 21 und hat gerade mit ihrem Studium begonnen. Vor kurzem erst hat sie ihre Heimatstadt in Hessen und ihren Freund und ihre Freunde verlassen, um in Berlin zu studieren. Wovor also könnte sie Angst haben? Deswegen erstaunt mich ihre Antwort ein bisschen. Sie hat Angst zu versagen. Es nicht zu schaffen. Dabei finde ich, dass jemand, der loszieht, um neue Sachen zu lernen, sehr mutig ist.

Eine 21-jährige zu fragen , wie sie gerne mit 85 wäre, ruft erst einmal einen verständnislosen Blick hervor. Doch dann scheint sie es genau zu wissen: gesund wäre sie gerne und sie würde gerne auf ein erfülltes und gelebtes Leben zurückblicken. Vielleicht mit einer großen Familie. Auf jeden Fall weise! Und sie möchte anderen nicht zur Last fallen, sie nicht nerven.

Meine letzte Frage zu Feminismus beantwortet sie damit, dass sie damit manchmal ihren Freund nervt. Weil das für sie ein wichtiges Thema ist. Jede Frau sollte ihre Meinung äußern können und den Beruf ausüben können, den sie möchte. Selbstverständlich ebenso vergütet wie ein Mann. Verschiedene Lebensmodelle und Rollenverteilungen gesteht sie den Leuten zu, man muss sich eben selbst aussuchen, wie man leben will. Wenn das in dem klassischen Lebensmodell der Fall ist, prima.

 

von HU Gastbloggerin Izabella

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Kurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Centers an der Humboldt Universität

 

Rosario Jimenez – Eine Anwohnerin über ihren Kiez

Von Gastbloggerin Christine

Straßenstrich und Beachvolleyball im Park – in Tiergarten-Süd ist alles zu finden. Was diese Gegensätze für das alltägliche Leben bedeuten, erzählte mir eine Anwohnerin.

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Rosario Jimenez – seit 10 Jahren im Kiez

Rosario Jimenez lebt seit 13 Jahren in Berlin und seit 10 Jahren im Gebiet um die Potsdamer Straße. Hierin flüchtete sie vor der „Prenzlauer-Berg-Bewegung“, wie sie es nennt, wo damals ein Café neben dem anderen eröffnete. Die Entwicklungen, die ihr Kiez seitdem durchgemacht hat, konnte sie hautnah miterleben. Eine Zeit lang engagierte sie sich im Quartiersrat in Tiergarten-Süd. Vor allem die Allegro Grundschule ist ihr immer ein Anliegen gewesen, der früher ein schlechter Ruf vorauseilte und die heute vor allem durch die Veranstaltung von Konzerten und Theateraufführungen positiv auffällt. Mittlerweile hat sie zwei Kinder, eineinhalb und drei Jahre alt, und kaum noch Zeit für derartiges Engagement.

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Ein Ort zum Verweilen – der Park am Gleisdreieck

Lieblingsorte im Kiez hat sie so viele, dass ich sie hier gar nicht alle aufzählen kann. Den Park am Gleisdreieck findet sie „einfach sensationell“. Sie malt ein romantisches Bild von der Kurfürstenstraße östlich der Potsdamer Straße mit seinen schönen Gebäuden, den in Wolle gekleideten Pollern und Musikern, die bei offenem Fenster spielen. Besonders schön findet sie auch die Höfe bei der Camaro Stiftung.

Auf die Frage nach ihrem Verhältnis zum Kiez antwortet sie: „Es ist eine Liebe-/Hassbeziehung“. Einerseits gibt es hier die ruhigen Seitenstraßen, unzählige kleine, schöne Hinterhöfe und die Strick-Guerilla in der Kurfürstenstraße. Andrerseits beschreibt sie die Potsdamer Straße als „hart“. Dort gibt es viel Verkehr und zu wenig Licht, es ist nicht sauber, die Leute wirken gestresst. Es ist eine Straße zum Durchgehen, nicht zum Verweilen.

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Eine Straße mit vielen Gesichtern – die Kurfürstenstraße

Im Kiez gibt es die Zuhälterei und Streitigkeiten zwischen den Sexarbeiter_innen. Stören tun sie die herumliegenden Kondome und schlecht geparkten Autos. Am schlimmsten sei aber die Industrie dahinter: Zuhälterei, Drogen, Streit auf dem Straßenstrich. „Die Zuhälter sind das Problem“, sagt sie. Die Sexarbeiter_innen hingegen beschreibt sie als freundlich. Der Straßenstrich gehöre zum Kiez. Wen das stört, der zieht hier eben nicht her. „Ich bin als Letzte gekommen“, erklärt sie. Laut Rosario sind die Menschen im Kiez sehr engagiert: „Die Leute stehen zu ihrem Kiez und geben sich Mühe.“ Sie glaubt, dass gerade durch die Mischung an Leuten ein respektvolles Miteinander existiert.

Auch die Entwicklungen im Kiez betrachtet sie ambivalent. Sie sieht in den Veränderungen Ähnlichkeiten zur „Prenzlauer-Berg-Bewegung“. Früher war der Kiez „wilder“, es gab mehr Drogen. Viele Wohnungen und Gewerberäume standen leer. Es gab viele Friseure und Spielotheken, aber zu wenig Supermärkte. Weil die Wohnungen so günstig waren, kamen viele junge Leute, die blieben und mittlerweile Kinder haben.

„Und dann gab es die ersten Kunstleute. Wir brauchten eigentlich einen Supermarkt und stattdessen kamen Galerien.“ Sie befürchtet, dass durch die vielen Galerien die Vielfalt des Kiez verloren geht. Vor allem aber wehrt sie sich gegen die Darstellung, ihr Kiez müsste auf diese Art gerettet werden. Andererseits eröffneten in der Potsdamer Straße mittlerweile einige Cafés. „Wir haben uns gefragt, wer geht denn dort hin? Heute machen wir das alle“, sagt sie etwas selbstironisch. Dennoch würde sie ihre Kinder nicht mal schnell zum Bäcker schicken. Denn der ist in der Potsdamer Straße und „dort ist alles zu finden, gut und böse“.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Winterkurses 2015 “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität

Portrait Izabella

Ein kleiner Tisch, Stift und Papier liegen bereit. Erwartungsvoll warte ich auf die ersten Worte, die schon ein kleines Geheimnis über die junge Frau gegenüber von mir lüften. Izabella ist ihr Name, zumindest steht es so in ihrer Geburtsurkunde. Die Studentin rückt ihre Brille zurecht und erkennt meinen fragenden Blick. Seit Izabella Slavistik studiert, befasst sie sich nun mehr mit ihren Wurzeln, dem wunderschönen Polen. Lange Zeit schrieb sie ihren Namen, wie man es hier in Zulande gewohnt ist, als Isabella. Doch diese Zeiten sind jetzt vorbei.

Mit vier Jahren kam sie von Polen in das bezaubernde Heidelberg und verbrachte dort ihre Kindheit und Jugend. Damals schloss sie eine Ausbildung als Einzelhandelskauffrau ab, was allerdings nicht genug für sie war.  Bewundernswert ist ihr Ehrgeiz, das Abitur in der Abendschule neben der Arbeit als Kellnerin nachzuholen.

K1024_krakauINachdem sie ihr  Abiturzeugnis in der Hand hielt, kam sie vor acht Jahren das erste mal nach Berlin. Hier  begann sie Slavistik und VWL zu studieren. Doch das war nicht, was sie wollte. „Nun stehen mir doch alle Wege offen, ich hatte nun mein Abitur“ sind ihre Worte. Sie wollte nach der anstrengenden Zeit der Abendschule auch das machen, was ihr gefällt.

Also begann sie an einer Kunstakademie in Holland zu studieren. Doch schnell merkt die lebenslustige Studentin, dass Berlin nach ihr ruft. 2011 kehrt sie zurück und genießt den Trubel der Großstadt, den sie in ihrer Zeit in Holland so vermisste.

Nun studiert sie Slavistik und Genderwissenschaften in Nebenfach. Das Nebenfach ist „transdisziplinär, das gefällt mir“, betont sie, als ich sie auf den Wechsel der Wirtschaftswissenschaften anspreche. Sie ist offenherzig und hat vor allem Freude an ihrem Studium. „Die Zeit ging zu schnell um“, leicht nostalgisch seufzt sie bei dem Gedanken an ihre Bachelorarbeit im nächsten Semester. Als überzeugte Studentin überlegt Izabella auch ihren Master anzuhängen, um natürlich auch noch ein wenig der Studentenzeit zu genießen.

Außerhalb ihres Studiums verfolgt sie leidenschaftlich die Fotografie Ihre Augen leuchten, als die davon erzählt, wie sie „viel auf Hochzeiten unterwegs ist, um die glücklichsten und schönsten Momente“ einzufangen. Aber das ist nicht ihre einzige Beschäftigung neben der Uni.

Zurzeit arbeitet sie noch neben dem Studium als Videoassistentin bei der „Deutschen Welle“. Als ob das nicht genug wäre, arbeitet sie auch sehr engagiert bei einer neuen Zeitung mit anderen Stundeten zusammen. Im Mai soll diese schon Premiere  haben.

 Izabella ist eine vielseitige junge Frau, voller Elan und Lebenslust. Sie hat auf jeden Fall noch viel vor und ist voller Tatendrang dabei ihr Leben zu gestalten.

Von Gastbloggerin Senta

 Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Kurses “Online Journalismus – Recherbchieren und Bloggen” des Career Centers an der Humboldt Universität

Handgefärbte Garne made in Schöneberg

Von HU-Gastbloggerin Ricarda

Als ich von der Pallasstraße in die Gleditschstraße abbiege, fällt mir zuerst der große AOK Komplex an der Straßenecke auf. Die Gleditschstraße selbst scheint wenig befahren zu sein und die Umgebung erweckt den Eindruck einer ruhigen Wohngegend. Vorbei an einem Malermeisterbetrieb, einem Physiotherapiezentrum und einer Hebammenpraxis, erreiche ich die Hausnummer 45. Ich trete einen Schritt zurück und ein Blick ins Schaufenster sagt mir, hier bin ich richtig. „Die Wollnerin“ steht dort in Großbuchstaben.

WollatelierDie Wollnerin“ heißt mit richtigem Namen Sabine Bornemann und hat hier im Viertel vor knapp vier Monaten das erste Wollgeschäft für handgefärbte Garne eröffnet. Handgefärbte Garne made in Berlin-Schöneberg, das ist wohl einmalig! Nachdem wir  es uns im hinteren Teil des Ladens an einem großen weißen Tisch gemütlich gemacht haben, halte ich mich gar nicht lange zurück und stelle Frau Bornemann die Frage der Fragen: Wie kommt man zu dieser Geschäftsidee? Weiterlesen

Ort des Austausches – Alvenslebenstraße

Von HU-Gastblogger Laura

Als ich in die Alvenslebenstraße einbiege, verebbt das laute Treiben der Potsdamer Straße und es wird etwas ruhiger um mich herum. Ich muss gar nicht lange suchen, schon nach einigen Metern springt mir das weiße Schild mit den schwarz-roten Lettern ins Auge und ich habe die „Galerie Barth“ gefunden. Die Eingangstür ist halb geöffnet, also trete ich, ohne lange zu hadern hindurch, steige ein paar Stufen hinab und befinde mich direkt in den offenen Räumlichkeiten von Ulla Barth. Weiterlesen