Kategorie-Archiv: Wort/Ton/Bild

Ist offline Videos ausleihen Schnee von gestern? – Wie die Berliner Videotheken aussterben

Von HU-Gastblogger Sebastian

Filme gucken. Ein Hobby für viele. Wie wirkt sich die wachsende Bequemlichkeit Filme bei Onlineanbietern zu schauen statt offline auf die Verleiher aus?

VOM GEFÜHL DES AUSLEIHENS

Es ist dieses besondere Gefühl: Ich betrete die Räumlichkeit, als erstes leuchten und reflektieren mir die prall gefüllten Regale durch all ihre bunten Hüllen und Covers entgegen. Davor kündigt bereits ein Plakat, hinter dem Schaufenster, die neu erscheinenden Filme für den aktuellen Monat an. Die Vorfreude wird geschürt, nebenbei plane ich im Kopf bereits Woche für Woche die einzelnen Filmabende.

Ein Rückzugsort

Schon seit ein paar Jahren (genaues Jahr unbekannt) ist die Videothek für mich eine willkommene Abwechslung zum stressigen Alltag geworden. Fast wie ein Rückzugsort, wenn ich das Stichwort Entschleunigung betrachte: Ein Ritual, sich einmal die Woche (m)einen Film auszuleihen und (mit Freunden) zu gucken.

Es ist dieses besondere Gefühl, wenn du alle Verkäufer/-innen kennst, sie dir freudig entgegenlächeln und deinen Besuch schätzen. Denn offline kennt man sich eben noch persönlich. Zu meinem Besuch gehört natürlich auch ein regelmäßiger Meinungsaustausch über neue Filme, Filmklassiker und allem was dazugehört.

Von Empfehlungen und Freunden

Bei all dieser Vertrautheit, können Empfehlungen gegeben werden, die nicht wie in einer Online-Videothek auf einem Algorithmus basieren, der einfach nur deine bisher angesehenen Filme analysiert. Also zückst du die laminierte Ausleihkarte, die vor jeder einzelnen Filmhülle steht und gehst damit zum Tresen.

Ein anderer Teil dieses besonderen Gefühls ist es, wenn du mit deinem besten Freund dorthin gehst und die Hälfte der Zeit damit verbringst, dich überhaupt auf einen Film festzulegen. Schlimmstenfalls kennt nämlich der eine schon die eine Hälfte und der andere die andere Hälfte der Filme. Auch hier wirkt der Mensch hinterm Tresen oft vermittelnd, indem er wilde Wortgefechte erst schlichtet und dann den richtigen Film vorschlägt, den noch keiner von beiden gesehen hat.

Der Gang zum Thresen

Es ist eben dieses besondere Gefühl, wenn du wie ein kleines Kind an der Theke stehst, die Kunden- und Ausleihkarte stolz überreichst und der Verkäufer parallel zu einem weiteren Dialog mit dir den entsprechenden Film raussucht, um die leere Filmhülle mit Inhalt zu füllen.

Das Ende naht?!

Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2017. Schritt für Schritt haben sich schon einige Videotheken aus dem Geschäft verabschiedet. Die für mich schönen Zeiten, wie oben beschrieben, scheinen vorbei …
Zeit für mich, der ganzen einmal Sache auf den Grund zu gehen!
Zunächst vergleiche ich Offline- mit Online-Angeboten:

Die Konkurrenz

Bei den schier unzähligen Online-Anbietern wie Netflix, Amazon Prime, Sky (HD), Maxdome, um nur einige zu nennen, ist es Gang und Gäbe, gemütlich vom heimischen Sofa aus per Tastendruck die Qual der Wahl zu haben. Dabei schlagen klassische Filmmedien, in diesem Falle die Bluray, diese Anbieter in punkto Qualität um Längen!

Hat den Kampf schon 2014 verloren: World of Video in der Bülowstr. 101

Preisstruktur

Umso erstaunlicher und unverständlicher, dass Online-Leihangebote aktuell fast dreimal teuer sind (Zum Vergleich: Videothek ein Film 1€/Geschäftstag VS Vodafone Select 4,99€/3 Geschäftstage). Abgesehen davon, dass es oft, wie im Beispiel genannt, keine Option auf „weniger“ gibt und Dinge mitbezahlt werden müssen, die nicht unbedingt gebraucht werden. Zum Beispiel, wenn ich einen Film online drei Tage ausleihen muss, obwohl ich nur einmal an einem Tag gucken möchte. Warum 5€ für drei Tage zahlen, wenn ich nur einen Tag brauche bzw. maximal zwei, wenn ich zu faul bin und ihn erst am Folgetag zurückbringe.

Schon immer haben die Videotheken auch die normale Bequemlichkeit der Personen miteingerechnet und die Preise entsprechend human gestaltet. Fast jeder weiß, dass sich die Wenigsten nach einem gemütlichen Filmabend danach noch einmal aufrappeln, um den Film am gleichen Geschäftstag zurückzubringen.
Online hingegen, liest sich das bei Amazon Video so: „Sie haben 30 Tage, um ein geliehenes Video zu starten und dann 48 Stunden, um es anzusehen.“

Wie das Geschäft läuft

Ich verabredete mich für ein paar Interviewfragen zum einen mit den Mitarbeitern aus der heimischen Videothek, die zum Zeitpunkt des Artikelschreibens in zwei Tagen am 29.03.17. mit einem Räumungsverkauf schließt und zum anderen mit Mitarbeitern in der noch geöffneten Filiale in Schöneberg (Martin-Luther-Straße 34), die beide der gleichen Kette „Video World“ angehören.
Im persönlichen Gespräch erfahre ich zunächst, dass wahrscheinlich auf kurz oder lange Sicht entweder alle Filialen bis 2018 schließen oder auf höchstens zwei Filialen minimiert werden.
Die genauen Ursachen dafür sind auch den Mitarbeitern unbekannt. Geschäftlich scheint es gut zu laufen. Ich vermute für mich persönlich, dass vielleicht die Gewinnspanne zu niedrig ist, wenn am Ende der Umsatz – Ladenmiete – Personalkosten betrachtet wird.

Angebotsvergleich

Vom Filmangebot her, können die Videotheken nur teilweise nicht mehr mithalten. Von den neuesten Filmen ausgehend, sind die Videotheken klar im Vorteil! Neue Filme erscheinen oft Wochen vorher exklusiv vor Handel und Online-Anbietern zum Ausleihen. Woran es langfristig mangeln wird, ist die begrenzte Lagerfläche. Einige Filialen betrifft das mehr oder weniger, aber mit immer weiter zunehmender Filmanzahl, werden nicht alle Filme den Weg ins ewige Archiv finden oder nach Jahren aus selbigen aussortiert werden müssen.
Hier haben die Online-Anbieter durch den Ausbau von Servern eindeutig den langfristigen Vorteil, dass sie Filme für solange verfügbar machen können, wie sie selbst existieren. Aktuell arbeiten sie aber immer noch daran, weitere ältere Filme in die sogenannte „Cinemathek“ aufzunehmen, um sie zu komplettieren.

Filiale an der Prinzenallee: Bald Vergangenheit

Trend verschlafen?!

„Man habe den Online-Trend verschlafen“ heißt es durchgängig. Was das allerdings genau heißt, weiß niemand so recht. Ich frage nach: „Wie hätte man dem Online-Trend denn besser entgegenwirken können?“, woraufhin meistens eher Stillschweigen herrschte.

Eine vermeintliche Lösung gab es schon einmal bei manchen Anbietern: Das (Rück)Versenden der Videos per Post. Einfach den Film in den beim Ausleihen mitgelieferten Postumschlag in den nächstgelegenen Briefkasten werfen. Manchmal brachten die Anbieter auch einfach direkt Briefkästen an der Filiale außen an, damit die Kunden auch außerhalb der Öffnungszeiten die Filme zurückgeben können.

Doch das wurde scheinbar nie so richtig angenommen. Die Kosten durch die Postsendung wurden höher, der Verwaltungsaufwand ebenso.
Dass die Briefkästen noch heute ungenutzt im Lager meiner Filiale rumstehen und auf ihren Einsatz warten, verdeutlicht das Scheitern, dem Online-Trend auf diese Art und Weise entgegenzuwirken.

Kurzfazit

Am Ende bleibt mir nur übrig festzustellen, dass es für die Mitarbeiter und mich unbekannte Ursachen-Wirkungen gibt, die sich scheinbar außerhalb unserer Wahrnehmung befinden.
Vielleicht war es auch einfach an der Zeit. Der Name Videothek ist an sich ja schon ein altbackener, schließlich werden Videos schon lange nicht mehr angeboten, seit dem Durchbruch der DVD, die wiederum auch schon vom Nachfolgeformat Blu-Ray langsam abgelöst wird. Vielleicht ist die Bequemlichkeit wichtiger, von der Couch aus Filme auszuleihen, als das nostalgische Gefühl, ein echtes Medium in der Hand zu halten?
Vielleicht ist Videos offline ausleihen auch einfach nicht mehr hip genug?!

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität.

Der Hörtest – ein Angstauslöser?

von HU -Gastbloggerin Martina

Besuch des Geschäftes ,,Das Hörwerk“ in Schöneberg
Habt ihr euch schon einmal gefragt, ob das Missverstehen von einigen Wörtern wie ,,Stahl oder Schal“ nicht ein ,,Versehen“ sondern ein vermindertes Hörvermögen sein könnte?

Krankenkassen und  Zeitungen berichteten, dass die Schwerhörigkeit in der Bevölkerung massiv zugenommen hat, gravierend auch bei   den Kindern und Jugendlichen. Mögliche Ursachen sind: Dauerhaftes Hören von zu lauter Musik beim Besuch von Clubs / Popkonzerten, aber auch die ,,gefährliche Dauerbeschallung“ über Mini-Kopfhörer wie es u.a. bei dem  Gebrauch von MP3 Playern der Fall ist.

Das Problem mit der ,,aufgeschobenen“  Schwerhörigkeit
Auf meine anfängliche eigene Vorrecherche und Frage  zur steigenden Anzahl von Schwerhörigen in der Bevölkerung, bekomme ich folgende Antwort von der Geschäftsinhaberin ,,Das Hörwerk“:

Das Geschäft  am  Willmanndamm 16, 10827 Berlin und Inhaberin Funda Gül Gozdzik

,,Wer schwer hört, geht oft zu spät zum Hörtest.“ So berichtet mir die Inhaberin Funda Gül Gozdzik, ausgebildete  Hörgeräteakustik- Meisterin des Geschäftes ,,Das Hörwerk“ im Willmanndamm 16, in 10827 Berlin. ,,Erst wenn es mit der verminderten Hörfähigkeit schon dramatischer geworden ist, wird der Weg zum HNO-Arzt beschritten. Einfach viel zulange wird die bereits bemerkte Hörminderung in Kauf genommen.“

Bei mir entstehen zu dieser Antwort gleich weitere wichtige Fragen: Obwohl es moderne Hörgeräte gibt, warten die Betroffenen sehr lange, warum? Obwohl beim Hörgeräteakustiker kostenlose Hörtest angeboten werden, entsteht der notwendige Weg zum Akustiker größtenteils erst dann, wenn ein Rezept vom Arzt für ein Hörgerät vorliegt?

Zu diesen wichtigen  Problemstellungen berichtet mir Frau Gozdzik gleich sehr ausführlich und aufschlussreich, mögliche Ursachen: ,,Eine Hörminderung ist in den häufigsten Fällen ein schleichender Prozess und wird von den Betroffenen deshalb erst spät wahrgenommen. Oft ist es das Umfeld, welches auf die Hörminderung aufmerksam macht. Bis zum ersten Besuch beim Hörakustiker oder beim HNO-Arzt vergehen deshalb manchmal viele Jahre. Die Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung und Akzeptanz von Hörminderungen vieler Institutionen zeigt jedoch schon erste Erfolge. Immer mehr Menschen schützen  ihr Gehör rechtzeitig oder machen einen Hörtest bei den ersten Anzeichen für einen Hörverlust.“ Der Bezug zur Öffentlichkeit wurde  u.a. hergestellt mit der Veranstaltung  ,,Welttag des Hörens, welcher am 3. März 2017 stattfand.

Das Geschäft
Nur eine Seitenstraße von der Potsdamer Straße und nur wenige Fußschritte entfernt vom U-Bahnhof Kleistpark liegt das mit blauen Farben gestaltete und freundlich einladende Geschäft ,,Das Hörwerk“ von der sehr sympathisch wirkenden,   jungen Besitzerin Frau Funda Gül Gozdzik. Auch der Internetauftritt  ist in blauen Farbtönen gestaltet. Für mein Interview und einen geplanten Hörtest  am Ende des Interviews,  meldete ich mich bei der Inhaberin mit einem zusätzlichen ,,Hörprobanden“  zu zweit  an, um mich  selbst  besser auf das Interview konzentrieren zu können.

Nach einer freundlichen Begrüßung und einer Tasse frischen Kaffee aus einer modernen Espressomaschine, kann ich gut  ,,erfrischt“  das ausführliche Interview führen. Frau Gozdzik wirkt meinen vielen Fragen gegenüber sehr aufgeschlossen, erklärt und zeigt viele Hörgeräte und die dazugehörigen  Utensilien. Ich untersuche und fotografiere viele Hörgeräte (FOTO), die auffallend klein aussehen und sich sehr leicht in der Hand anfühlen.

Es wird mir erklärt, dass es sehr unterschiedliche  Varianten von Hörgeräten gibt: Im Ohr, außerhalb des Ohres usw. und Zubehör.

Verschiedene kleine Hörgeräte und Zubehör

Der Service in deutscher, türkischer und polnischer Sprache

Die Flyer zum Geschäft gibt es in türkischer und deutscher Sprache.Auch ihre Internetseite bietet die Ladeninhaberin  in türkischer Sprache an, da Frau Gozdzik  türkische Wurzeln hat, aber in Deutschland geboren wurde. Ihr Ehemann bietet für Kunden bei Bedarf  einen polnischen Übersetzungs-Service an, da er ehemals aus Polen stammt. So ist die Kundschaft breit gemischt  und Frau Gozdzik berichtet begeistert: ,,Der Service in türkischer Sprache  wird sehr oft genutzt, der in Polnisch eher weniger. Außerdem kommen Kunden nicht nur aus dem Kiez, sondern auch aus anderen Teilen Berlins und Brandenburg.“

Für die Zukunft möchte sie ihren Internetauftritt so gestalten, dass sie zusätzlich auch einen ,,Einkaufs – Shop“  anbietet. Mehr verrät sie mir dazu leider nicht.

Die  jahrelange Betreuung
Die Hörgeräteakustikerin macht außerdem auf die  Testung und Betreuung bei einem Hörgerät aufmerksam: ,,Deshalb ist es wichtig, Hörgeräte immer im privaten Umfeld und verschiedene Modelle im Vergleich zu testen. Erst dann kann eine geeignete Wahl getroffen werden. Nach dem Kauf von Hörgeräten wird der Kunde viele Jahre von seinem Hörakustiker weiter betreut. In bestimmten Intervallen werden die Hörgeräte gereinigt, auf ihre Funktion geprüft und ggf. nach einem neuen Hörtest nachgestellt.“ Hierzu erhält man ,,ähnlich“ wie bei einer notwendigen Inspektion eines Autos ein kleines blaues ,,Serviceheft“ von der Inhaberin des Hörwerks für  die nächsten Inspektions-Termine  der Hörsysteme.

Außerdem berichtet sie mir, dass es  zusätzlich die Möglichkeit gibt, bei teuren Hörgeräten auch eine Versicherung gegen Diebstahl, Beschädigung usw. abzuschließen. Denn die Kosten eines Hörgerätes variieren zwischen 0,00 Euro (ohne Zuzahlung)  bis zu 2000 Euro oder höher für ein sehr ,,intelligentes“ Hörgerät.

Der Wunsch der beruflichen Selbständigkeit
Frau Gozdzik schildert mir, dass ihr die  Ausbildung zum Beruf der  Hörakustikerin/Hörgeräteakustikerin sehr gefallen hat. Diese dauerte 3 Jahre und beinhaltete zu den technischen Gebieten auch das Fach Psychologie, welches ihr besonders gut gefiel. Zu einem späteren Zeitpunkt absolvierte sie  die Qualifikation zur Hörgeräteakustik – Meisterin. Die Gründung ihres Geschäftes  hatte sie nebenbei mit Familie und Kind  umgesetzt. Den  eigenen, starken  Wunsch nach beruflicher Selbständigkeit hatte sie schon lange: ,,Ich wollte seit meiner Kindheit unbedingt später selbständig ein Geschäft besitzen und führen“. Einige Semester  Jura-Studium liegen  hinter ihr, aber der Wunsch zur Selbständigkeit und ein großes Interesses an dem Beruf Hörakustiker führten dazu, dass sie das Studium ,,sausen“ ließ. Sie ist Geschäftsführerin und Inhaberin des Ladens und führt diesen momentan alleine. Den Ort für das Geschäft am Willmanndamm 16 in Schöneberg hat sie bewusst gewählt: ,,Ich bin hier im Kiez aufgewachsen und kenne ihn gut!“.

 Das Hörgerat – ein moderner  ,,Winzling“
,,Heutzutage gleichen die modernen Hörgeräte teilweise kleinen Computern, die sich sogar kabellos mit dem Smartphone verbinden können oder internetfähig sind“, berichtet mir die Besitzerin.

Ich bekomme auf eigene Nachfrage hin, mehrere Prospekte ausgehändigt, u.a. auch wie sorgfältig die Pflege eines Hörgerätes sein sollte, hier ein spezielles Heft, eine Pflegefibel für Hörsysteme.  Es entsteht bei mir, der  überraschend positive  Eindruck, dass moderne Hörgeräte heutzutage sehr klein, individuell angepasst und unauffällig am oder im Ohr zu tragen sind. Auch die Farbauswahl ist sehr vielseitig, es gibt Hörgeräte in weiß, rosa, braun, blau und vielen anderen farblichen Möglichkeiten.

Hörgerät ,,am Ohr“ in blauer Farbe

Der mit Spannung erwartete Hörtest
Was ist überhaupt ein Hörtest? Ein  Audiometer überprüft  Schwingungen/ Schallwellen im Gehörkanal, d.h. bestimmte Frequenzbereiche werden getestet, ob und wann diese Schwingungen (Töne) rechtzeitig erhört werden, gemessen wird in Hz (Hertz).

Es erfolgt eine kleine Einweisung und mein  ,,Prüfling“, Frau Godzik und ich betreten den schallisolierten Hörtestraum. Die Hörtestperson bekommt von der Hörakustikerin  einen großen, abgedichteten Kopfhörer – wie beim Musikhören – auf beide Ohren gesetzt und einen ,,Drücker“ in die Hand. Bei jedem kleinsten gehörten Ton soll sofort der ,,Drücker“ betätigt werden. Das Ergebnis wird parallel auf dem uns sichtbaren PC in einem Diagramm, das sog.  Audiogramm  gespeichert.  Ich darf beim Hörtest dabei sein, setze mich in eine Ecke und bin ,,mucksmäuschenstill“, um zusätzlich störende Geräusche zu vermeiden.

Der Hörtest-Raum

Beim folgenden  ,,Hörtest“ erscheinen für unseren ,,Prüfling“ helle und etwas später dumpfe Töne, die für mich nicht zu hören sind. Frau Gozdzik markiert das jeweilige Ergebnis in einem Diagramm, am Bildschirm des  PCs sichtbar. Bei einigen dumpfen Tönen, ,,verzieht“ der Prüfling das Gesicht, warum?

Die Auswertung des Hörtest
Die ,,Versuchsperson“ schneidet im Ergebnis bei hellen Tönen gut ab, berichtet im Auswertungsgespräch die Hörakustikerin. Aber warum wurden die dumpfen Töne so spät erkannt? Der Test wird von ihr wiederholt, es entsteht ein ähnliches Ergebnis. Unser Proband hat Probleme beim Erkennen von dumpfen Tönen, warum? Ein zufälliges Ergebnis einer nicht erkannten oder ,,verschleppten“ Hörminderung? Die Hörakustikerin schildert das Ergebnis: ,,Beim Hörtest hat das linke Ohr leider schlechter gehört, als ein gesundes Ohr es tun würde. Eine Erkältung ist eher ausgeschlossen, da nur ein Ohr betroffen ist. Der Hörtest sollte auf jeden Fall wiederholt werden und ein Besuch beim HNO-Arzt ist ratsam.“

Es wird mit Frau Gozdzik vereinbart, den Hörtest in einem späteren Termin zu wiederholen. Hat sich hier bereits bei  der Testperson eine ,,versteckte“ Hörminderung eingeschlichen? Gehört auch sie  zu den Personen, die ,,unerkannt“ eine Hörminderung mit sich ,,herumschleppen“ und diese ,,aufschieben“? Ich und Frau Gozdzik schauen uns hierzu nachdenklich an. Unser Proband beschrieb den Hörtest ansonsten als völlig schmerzfrei und harmlos. Der Test dauerte keine 10 Minuten. Der Hörtest wurde geschildert wie ein Piepen von Tönen, welche kurz gehört wurden oder eben nicht. Das weitere Vorgehen liegt nun in der Hand der ,,Testperson“.

Die ,,Scham“ vor dem Hörtest
Ich selber bemerke ,,manchmal“ auch bei mir ,,gewisse“ Verständnis – schwierigkeiten, sollte ich vielleicht einmal einen Hörtest ,,riskieren“? Bei der sympathischen und vertrauenswürdigen Inhaberin des Hörwerkes würde ich auf jeden Fall einen Hörtest durchführen, um wirklich Gewissheit zu erlangen. Dieser wird mir wie immer ,,kostenlos“ vom Hörwerk angeboten. Kopfhörer aufsetzen und Drücker betätigen sollte es wert sein, um Gewissheit zu haben, ob alles ok ist mit dem eigenen Hörvermögen!

Es bleibt bei mir immer noch der Gedanke weiterhin bestehen: Warum haben viele Menschen Angst einen Hörtest durchzuführen bzw. rechtzeitig zum HNO-Arzt zu gehen, wenn sie bei sich selbst Hörminderungen oder Verständnisschwierigkeiten bemerken? Sind es die Ergebnisse, die einen ,,schockieren“ könnten oder die Handlung, zukünftig ein Hörgerät tragen zu müssen?

Frau Gozdzik erklärt hierzu, dass es eine psychologische Ursache haben könnte. Das man sich schämt, wenn man schlecht hört. ,,Man kann Hörminderungen  jahrelang überspielen und dazu improvisieren.“ Meine dennoch offene Frage wurde später beim ,,Stöbern“ in einem speziellen Forum im Internet beantwortet, wo über Scham und Angst vor Hörgeräten ausführlich und offen diskutiert wird.

Wer sich nun nach meiner ausführlichen Schilderung einen Hörtest zutraut, der ist gerne willkommen beim Hörwerk im Willmanndamm 16, 10827 Berlin zu den Öffnungszeiten:

Montag bis Donnerstag von    9 Uhr  bis 17 Uhr und freitags  bis  14.30 Uhr.

Traut ihr euch?

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität zu Berlin

 

 

Das Museum mit *

Von HU-Gastblogger Johannes

Kevin Clarke kommt mit seiner weißen Vespa vor dem Schwulen Museum* vorgefahren. Schon von weitem lächelt er mir zu und begrüßt mich mit einem scherzhaften: „Das war jetzt aber noch keine Fotoopportunity.“

Der Eingangsbereich des Schwulen Museums*

Gemeinsam betreten wir die Räume des Schwulen Museums* in der Lützowstraße 73. Hier herrscht trotz Ruhetag reges Treiben. Die Mitarbeiter kümmern sich um internationale Kontakte, Pressearbeit, das Archiv oder die Betreuung aktuellen Ausstellung „Porn That Way“, welche noch bis Ende April zu sehen ist. Was sich heute auf der Schwelle zu einem professionellen Museumsbetrieb befindet, fand 1986 mit der Ausstellung „Igitt – 90 Jahre Homopresse“ in den Räumen der Allgemeinen Homosexuellen Arbeitsgemeinschaft AHA in der Friedrichstraße ihren Anfang. Schon damals waren die Ambitionen groß, doch die nötigen Räume und personellen Kapazitäten begrenzt. Das änderte sich zwei Jahre später mit dem Umzug in den Mehringdamm 61, in dessen Räumen in den kommenden Jahren mehr als 130 Ausstellungen stattfanden. Weiterlesen

Sonne aus, Film ab! – Freiluftkino im Kulturforum

Von HU-Gastblogger Rob.

Die Sonne ist schon hinter den Gebäuden des Kulturforums verschwunden und eine leichte Brise zieht über den Platz. Schnell besorgen wir noch die Tickets und finden günstige Sitzplätze, während etwas Musik zur Unterhaltung dezent im Hintergrund läuft. Wie erwartet sind die Liegen ausreichend bequem und bieten unter dem klaren Himmel ein Gefühl von Freiheit. Es war klug von meiner Begleitung Decken mitzubringen, denn es wird nach und nach kühler. Noch eine kurze Ansprache zum Film und dann überträgt der Projektor auch schon das Bild auf die große aufblasbare Leinwand.

Gleich geht es los!

Gleich geht es los!

Das Sommerkino Kulturforum ist schon eine Art Tradition geworden. Seit etwa 10 Jahren(mit Unterbrechung) veranstaltet die Yorck Kinogruppe jeden Sommer ihr Freiluftkino im Kulturforum am Potsdamer Platz und so gab es auch dieses Jahr wieder vom 2. Juli bis zum 31. August ein vom Arthouse ausgewähltes und interessantes Kinoprogramm zu sehen. Dazugehörten unter anderem der für die Oscars 2013 nominierte Film „Django Unchained“, in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln sowie die mehrfach ausgezeichnete deutsche Komödie Fack ju Göhte“. Passend zur Ausstellung „Avantgarde!“ im Kulturforum wurden einige begleitende Filme angeboten, wie etwa Woody Allens „Midnight in Paris“ zur künstlerischen Bewegung nach dem Ersten Weltkrieg.

Zunächst einmal etwas Werbung – der Menge scheint der lustige Auftritt von FluxFM besonders zu gefallen. Nach einigen Trailern kommt auch schon der Film. Es läuft „Madam Mallory und der Duft von Curry“ in der Preview, aber statt Curry ist der Geruch von Popcorn und der Großstadt wahrzunehmen – eine einzigartige Mischung.

Das Sommerkino überzeugt nicht nur mit seiner Auswahl an Filmen, sondern auch mit seiner untypischen urbanen Lage, denn die meisten Berliner Sommerkinos befinden sich im Grünen. Das Kino ist schräg zwischen der Neuen Nationalgalerie und der Philharmonie am Matthäikirchplatz 4/6 zu finden und ist von Galerien und Ausstellungshallen umzingelt. Diese bieten mit dem Sony Center und der Staatsbibliothek im Hintergrund eine besondere Aussicht und nach dem Sonnenuntergang zeigt sich ein wunderschönes Panorama: Ein Meer aus Lichtern vermischt mit der beeindruckenden Architektur in näherer Umgebung. Einfach toll.

Im Hintergrund: Potsdamer Platz, Staaatsbibliothek zu Berlin

Im Hintergrund: Potsdamer Platz, Staaatsbibliothek zu Berlin

Etwa eine Stunde vor Filmbeginn wird die Kasse geöffnet. Aktuelle Informationen, wie der wetterbedingte Ausfall der Vorstellung, werden meist rechtzeitig auf der zugehörigen Facebook Page gepostet. Eine Reservierung ist online möglich, aber auf den 1000 beliebig besetzbaren Liegestühlen sollte jeder einen Platz finden. Der Film wird auf eine genügend große Leinwand projiziert, sodass man auch in der letzten Reihe etwas erkennt. Snacks werden vor und während des Filmes zu Kino-typischen preisen angeboten. Falls es doch mal zu kalt wird, kann am Eingang eine Decke für einen kleinen Betrag käuflich erworben werden.

Einige Kleinigkeiten können aber doch bemängelt werden. In manchen Reihen gestaltet sich das Durchkommen schwierig, denn die Liegen waren an dem Tag teilweise zu nah angereiht. Außerdem gibt es keine Trennung von Rauchern und Nicht-Rauchern und der Ton wurde von einigen Zuschauern als zu leise empfunden. Meine Begleitung und mich hat das persönlich nicht großartig gestört.

Gegen Mitternacht endet der Film und wir verlassen begeistert das Kino, während wir noch einmal den Ausblick genießen – gerne auch wieder nächstes Jahr.

Philharmonie und Sony Center

Philharmonie und Sony Center

 

 

O-TonArt Theater? Ja, unbedingt!

Von HU-Gastblogger Kay

Das Schöneberger Kieztheater kämpft ums Überleben. Es geht dabei um mehr als einen Kleinkunstbetrieb. Es ist auch die Frage nach dem Kulturverständnis einer ganzen Stadt.

Kürzlich ist mir zum ersten Mal ein Satz über Berlin zu Ohren gekommen, der normalerweise nur über Städte wie New York, Paris oder London geäußert wird: Das Tolle an Berlin sei ja, dass man zu jeder Zeit so viele verschiedene Dinge machen könne, dass man auch ruhig mal zu Hause bleiben könne.

Mal davon abgesehen, dass der kausale Zusammenhang zwischen der Vielfältigkeit der Erlebnismöglichkeiten und der Entscheidung, in seiner Wohnung zu bleiben, während draußen das wilde Leben tobt, sich mir nicht in Gänze erschließen mag, will ich nicht anzweifeln, dass das Zuhause-bleiben seinen ganz eigenen Reiz haben kann. Was allerdings die vielfältigen Erlebnismöglichkeiten angeht, so möchte ich zwar nicht laut und bestimmt widersprechen, aber doch ein wenig grüblerisch die Stirn in Falten legen. Weiterlesen

A Vitamin

Von HU-Gastbloggerin Sophia

Was erwartet man, wenn man eine Agentur betritt, die sich selber als „Kreativagentur“ bezeichnet?

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Unvoreingenommen und gespannt klingele ich an der Tür. Es wird mir aufgemacht, ich soll warten. Als erstes fällt mein Blick auf ein Aquarium. Es ist groß und hell, ein paar Goldfische verstecken sich hinter den Pflanzen, andere schwimmen stolz vor der Glasscheibe hin und her.  Dann werde ich persönlich von Sven Hänszke, dem Geschäftsführer, begrüßt.

Der Konferenzraum, in dem unser Gespräch stattfindet, ist eindrucksvoll gestaltet. Eine Wand ist voller Bilder von bisherigen Projekten. Zwei weitere Wände sind bis an die Decke voll von mysteriösen schwarzen Kisten.  Sie bilden, das erfahre ich erst später, das Archiv der Agentur. Viele hunderte alte Broschüren und Flyer, fein säuberlich sortiert und kategorisiert, finden hier ihre letzte Ruhe. Die vierte Wand wird von einem Kicker-Tisch eingenommen.  Bekanntlich entspannen Spiel und Spaß ja und machen Platz für Phantasie und neue Gedanken. Beides kann in einer Kreativagentur nur von Vorteil sein.

In der Mitte des Raumes befindet sich ein großer, ovaler Holztisch. Hier erzählt mir Sven Hänszke von A Vitamin. Nein, es handelt sich hier nicht um eine chemische Verbindung, sondern um den Namen der Werbeagentur.  Die Mutteragentur aus Osnabrück nennt sich treffenderweise Kiwi. Ob so viel Vitamin noch gesund ist? Mittlerweile steht A Vitamin jedoch unabhängig da.

Doch wie fällt man in der Hauptstadt noch auf, wo es hier doch über 2500 Werbeagenturen gibt?

A Vitamin ist auf Print spezialisiert – genaue gesagt auf barrierefreie Kommunikation. Von Broschüren, über Visitenkarten bis hin zu Flyern werden so die verschiedensten Projekte realisiert.  Barrierefrei bedeutet, dass alle Flyer, Broschüren und Dokumente als pdf-Datei vorliegen und dem Nutzer vom Computer vorgelesen werden können.

Ein wichtiger Kunde und Nutzer dieses Angebotes ist das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Liebevoll abgekürzt mit BMFSFJ. Das ist nicht nur unglaublich praktisch – ob für Blinde, Sehbehinderte oder Menschen, die besser verstehen, als selber lesen können – sondern auch eigentlich eine Pflicht der Öffentlichen und Medien, denn jeder sollte die Möglichkeit haben an Informationen zu kommen. Leider wird sie nur nicht von jedem wahrgenommen.

13 Mitarbeiter kümmern sich um die Belange des Kunden und sind immer persönlich erreichbar. Jetzt zurzeit findet ein Casting für ein Projekt des BMFSFJ statt, wo es um Jugendschutz geht. Ziel ist es hier, das umfangreiche Jugendschutzgesetz leichter für alle zugänglich zu machen. Denn… Wussten Sie, dass Sie mit Ihrer 11 Jährigen Tochter in einen Kinofilm FSK 12 gehen dürfen, aber mit Ihrer 16 Jährigen Tochter nicht in einen Film ab 18?

Der Kiez um die Potsdamer Straße ist bunt, kreativ, zusammengewürfelt – perfekt für eine Kreativagentur.  Doch auch das Engagement innerhalb des Kiezes ist wichtig. Deswegen ist A Vitamin Mitglied der Interessengemeinschaft Potsdamer Straße und unterstützt Projekte wie die „Soziale Gruppe“ oder den Berliner Integrationslauf. Doch hat eine so vielschichtige Umgebung Auswirkungen auf die Arbeit? Nein, kreativ gearbeitet wird genauso wie immer. Obwohl der Austausch innerhalb des Kiezes immer wieder für neue Anregungen sorgt und so neue Kontakte geknüpft werden können.

„Was macht A Vitamin besonders“, frage ich Sven Hänszke. Da muss er lachen. Und betont, wie wichtig der persönliche Kontakt zu den Kunden ist. „Wir, die kleinen Mittelständler, sind persönlich da. […]  Wir leben die persönliche Betreuung sehr stark.“

Und wie ist so ein (Berufs)leben, dass man nicht groß planen kann? Wo die meisten Termine erst ein paar Tage vorher gemacht werden und man nicht weiß, was in einem Jahr sein wird? Wenn man immer flexibel und spontan sein muss? „Wunderbar. Ich liebe es!“ Das Leben ist „…immer wieder eine Überraschung. Es ist lebendig.“

Und zu guter Letzt – Wie sieht denn die Zukunft so einer Agentur aus? Verschwindet die Kreativität irgendwann? Klar, das ist schwer zu beantworten. Das Geschäft ist wenig planbar und immer müssen neue Kunden umworben werden. Man kennt das ja aus dem Leben: „Es passiert eh nie das, was man sich wünscht, sondern es kommt einfach zu einem.“

 

A Vitamin Kreativagentur, Körnerstraße 12, 10785 Berlin

Die Gertrud-Kolmar-Bibliothek

Von HU-Gastblogger Ulrich

Die Gertrud-Kolmar-Bibliothek in der Pallasstr. 27 blickt auf eine über hundertjährige Geschichte zurück und gehört zu den wichtigsten Bildungseinrichtungen im Schöneberger Norden. Durch den Ausbau ihres interkulturellen Angebots konnte sie ihre Besucherzahlen in den vergangenen Jahren erheblich steigern. 2012 wurde ihre geplante Schließung vorerst abgewendet, ihr Erhalt ist jedoch weiter vom kommunalen Sparwillen bedroht. „Ist eine dezentrale Bibliothek in einem Gebiet wie dem Schöneberger
Norden notwendig? Ich sage ja, weil man nur hier Kinder und Jugendliche fürs Lesen gewinnen kann, nicht in den Zentralbibliotheken“, sagt Quartierst Bertram von Boxberg. Er empfiehlt auch unkonventionelle Massnahmen der Solidarität. 

 

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Die Hochschule der populären Künste zieht ein!

Geschrieben von Gastbloggerin Laura

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Das ehemalige BVG-Hauptverwaltungsgebäude in der Potsdamer Straße

Frischer Wind im Gebäude der ehemaligen BVG- Hauptverwaltung – die Hochschule der populären Künste zieht ein!

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, es gibt viel zutun – Die Hochschule der populären Künste wird ihren Gründungscampus in der Otto-Suhr-Allee 24 in Berlin-Charlottenburg verlassen und bezieht ihr neues Domizil in der Potsdamer Straße 188.

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Die Raum-in-Raum-Installation eines kleinen Musikstudios in der Otto-Suhr-Allee

„Der Umzug ist ein sehr großes Projekt und wir hoffen rechtzeitig fertig zu werden.“ sagt der Rektor der hdpk Prof. Dr. Ulrich Wünsch „Wir liegen im Zeitplan. Der Investor baut das denkmalgeschützte Gebäude um und modernisiert es.“ Die Linoleumböden müssen bleiben und die Fenster dürfen nicht verändert werden. In den zukünftigen Musikstudios werden Raum-in-Raum-Installationen für die richtige Akustik sorgen, Proberäume sind dann im Kellergeschoss.

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Rauschgefühle durch Stummfilmkomponist Stephan Graf von Bothmer

Geschrieben von HU-Gastbloggerin  Lucia.

Eine Geschichte vom Wintergarten zur Potsdamer Straße

Jeder kennt das Gefühl sich auf ein Fahrrad zu setzten und loszufahren, obwohl man ein halbes Jahr nicht gefahren ist. Manche wundern sich auch, warum sie eine unbekannte Melodie summen, welche sie vielleicht zuvor im Auto eines Freundes gehört haben. Unheimlich wird es, wenn man seinen kleinen Regenschirm vor dem  Verlassen des Hauses und bei strahlendem Sonnenschein einpackt und am Abend als einziger trocken durch den Regen läuft. Das Phänomen läuft unter der Bezeichnung der unbewussten oder intuitiven Wahrnehmung. Nur was hat das alles mit dem Stummfilm und vor allem der Potsdamer Straße zu tun, fragen sie? Eine ganze Menge! Weiterlesen

Tradition und Moderne – Der Arts Club Berlin im Verein Berliner Künstler

von Gastblogger Daniel

Tradition und Moderne

Im Zeichen dieser zwei Begriffe findet am Schöneberger Ufer 57 eine Begegnung mit dem traditionsreichen Verein Berliner Künstler statt, der sich dieser Tage mit dem ihm angegliederten Arts Club Berlin nicht nur durch konstante Wandlungsfähigkeit, sondern auch einem internationalen Kunstpublikum präsentiert. Dass der VBK als dienstältester Künstlerverein Deutschlands schon seit längerer Zeit seinen Kurs behutsam in Richtung des Problemfeldes „Zweite Moderne“ lenkt und damit auch einigen vormaligen Anschauungen den Rücken zukehrt, ist schon seit einigen Jahren klar absehbar.

Vereinshaus - Schaufenster der Galerieräume

Foto © Verein Berliner Künstler

Kunsträume und Vernetzungen

Der Arts Club Berlin versucht hierbei mit seiner Konzeption den verschiedenen Vorstellungen, die im aktuellen und globalen Kunstdiskurs und auch in der Kunstproduktion sichtbar werden, Räume zu eröffnen, ohne jedoch die eigene spezielle Verortung aufgeben zu müssen. Das Letzteres nicht einer Notwendigkeit unterliegt, ist einerseits der Konstituierung als Verein zu verdanken, mit der sich der VBK laut Projektleitung und 1. Vorsitzende Sabine Schneider als professionelle Plattform „für Künstler von Künstlern“ versteht.

Andererseits wirkt der Umstand förderlich, dass Berlin sich mittlerweile als beliebte Kunstmetropole positionieren konnte und damit auch der stadtzentrale Standort Potsdamer Platz/Potsdamer Str. sich zunehmender Attraktivität erfreut. Eine Studie des Instituts für Stadtentwicklung  (IFSE) unterlegt diese Aussage und schätzt die Anzahl Kunstschaffender in Berlin auf 6000 deutsche und internationale Künstler_innen, wobei der internationale Anteil aus ca. 30 Ländern sich auf ein Viertel der Gesamtzahl bemisst.

Der Pluralog und die Perspektive

Galerieräume des Vereins Berliner Künstler

Foto © Verein Berliner Künstler

In einem Interview mit Sabine Schneider und der Produktionsleitung Katarzyna Sekulla, situiert hinter den Schaufenstern der Galerieräume des denkmalgeschützten Vereinshauses, wurden einige Hintergründe bezüglich des Projektes verständlich gemacht. Ausgehend von einer erhöhten Nachfrage an einem kontinuierlichen Austausch in Berlin permanent und auch temporär residierender Künstlern entstand mit dem Arts Club Berlin ein Basisentwurf, um ein internationales, interdisziplinäres und generationsübergreifendes Kommunikationsforum für Kunst zu schaffen, welches durch die etablierten Strukturen, Vernetzungen und Möglichkeiten des Verein Berliner Künstler gefördert wird.

So berichtet Katarzyna Sekulla, dass unter diesem pluralogischen Ansatz zwischen den vielschichtigen und unterschiedlichen Formen der Kunstproduktionen und Kunstauffassungen integrativ vermittelt werden kann. Hinzu kommt, dass gerade die Bewusstmachung von Varianz und Spektrum innerhalb von Kunstprozessen der Gegenwart als auch der Historien und deren räumliche Vernetzungen einen Deutungshorizont für zukünftige Entwicklungen auch außerhalb des Kunstsektors schaffen kann, ergänzt Sabine Schneider.

Der offene Diskurs

So dient die Einrichtung von sogenannten ‚public discourses‚ dazu, in performativen Vortragsreihen und anschließenden Diskussionsrunden den gegenwärtigen Kunstdiskurs in seinen partikularen und globalen Bildern zu betrachten.

Die 'public discourses' des Arts Club Berlin

Foto © Verein Berliner Künstler

Die aktuelle Vortragsreihe will mit einer zentralen Problemstellung in den Worten „Überwindung des Territorialen“  Lösungsvorschläge unterbreiten und so wurde am 18.04.2013 zu einem Vortrag der türkischen Künstlerin Kinay Olcaytu mit dem Thema „Ikonographische Beweise: Über die Absurdität jeglicher Kulturvergleiche“ geladen. Der allen Interessierten zugängige Vortrag fand zur abendlichen Stunde in den Galerieräumen auf trapezförmigen Sitzmöglichkeiten bei durchmischten Publikum statt, eine Bar war ebenso geöffnet und so kulminierte der Abend in einer angenehmen und freundlichen Atmosphäre.

Okzident Reisen - Kinay Olcaytu

Foto © Verein Berliner Künstler, © Kinay Olcaytu

Die Künstlerin präsentierte mit ihren Arbeiten eine Kritik am Begriffspaar Okzidentalismus/ Orientalismus. Ihr thematisches Anliegen, sicherlich auch Phänomen einer Gegenmoderne, ist u.a. die Reduktion dieses Begriffspaares auf sexuelle, ökonomische und politische aber auch wissenschaftsbegriffliche Machtverhältnisse und so blieb in der Folge eine kurze politische Diskussion nicht aus.  Eine Alternative stellte die Künstlerin dabei nicht in Aussicht, aber dafür eine lehrreiche Übung im Dekonstruieren.

Kontemporäres und Zukünftiges

Momentan befinden sich in den Ausstellungsräumen der Galerie Werkinstallationen unter dem Titel „… Rudel …“ von der mit dem Benninghauspreis 2012 ausgezeichneten Tine Schuhman.

Weitere Vortragsreihen (Folgethema: „Kunst und Wirtschaft“), Projekte und Kooperation stehen bereits an und so kann in der Tat von einer gelungenen Neubelebung des Verein Berliner Künstler mit dem Arts Club Berlin gesprochen werden.