Category Archives: Kunst

Meet The Magicians

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Winterkurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität

Von HU-Gastbloggerin Sophia

Ladies and Gentlemen,
meet the magicians!

Es ist ein lauer Mittwochabend. Schöneberger Ufer Nummer 61, direkt am Landwehrkanal. Die Straße ist wenig beleuchtet.

Man klingelt, dann öffnet sich die Tür. Durch das Vorderhaus, über den Hof, gelangt man in die Räume des magischen Zirkels. Ein Treppe höher befindet sich der Vorstellungsraum. Dunkel rote, samtige Vorhänge bedecken die Fenster. Gedämpfte Musik spielt im Hintergrund. Stühle, mit Platz für ca. 30 Personen, sind auf eine Bühne ausgerichtet. Vor dieser steht ein grüner Tisch. Die Bühne ist unbeleuchtet und wird das auch den ganzen Abend bleiben. Langsam füllen sich die Sitze, ganz voll wird es nicht. Die ersten Reihen sind jedoch besetzt. Hier hat man die beste Sicht. Dann geht das Licht aus. Die Musik spielt. Continue reading

Latex aus Leidenschaft

campingurlaubundvanillegeschmack

Geschrieben von HU-Gastbloggerin Christina

Die Wörter rubber und addiction in Verbindung mit Mode lassen im Kopf die wildesten Bilder entstehen. Nicht, wenn man in das Atelier des jungen , innovativen Modelabels Rub Addiction von Alexander Nemitz und seinem Mann kommt. „Früher war das Wort „addiction“ negativ belastet. Heute geht es uns um die Begierde und Hingabe zum Material Latex.“ sagt er. Latex und Mode? Ja! Rub Addiction verbindet seit 2009 beide Elemente mit Leidenschaft und bringt so ausgefallene Modelle hervor.

AlexundAngelinaDer Fetisch steht bei dem Label zwar im Vordergrund, aber: „Freizeitbekleidung und Alltagsfähigkeit wird von jedem selbst definiert.“, sagt Nemitz mit einem Lächeln. Latex ist allerdings noch nicht salonfähig, sondern vielmehr eine Nischenbranche. Aber genau das macht es so interessant – ein besonderes Produkt für einen besonderen Rahmen.

Im 2. Obergeschoss der Kurfürstenstraße 33 konstruieren und schneidern sechs Mitarbeiter die außergewöhnlichen Kleidungsstücke, die direkt nebenan verkauft werden. Alles unter einem Dach – heute eine Seltenheit, sagt Nemitz. Das Atelier präsentiert eine beeindruckende Auswahl an Fetisch-Mode. Von Gürteln und Unterwäsche, über Hosen, T-Shirts und Anzüge bis hin zu Masken bringt das Label Latex an den Mann und –  seltener – an die Frau. Nemitz sagt, dass Fetisch hauptsächlich von Männern ab 18 nachgefragt wird. Nach oben ist die Altersgrenze offen. Aber auch Mann und Frau als Pärchen kaufen bei dem Label ein. Und auch spezielle Wünsche werden gern entgegengenommen.

muttermilch

Darüber hinaus bekleidet Rub Addiction Foto-, Film- und Theaterproduktionen, wie zuletzt das Projekt des Fotografen Enrico Nawrath. Im Berliner Nachtclub „Berghain“ entstanden beeindruckende Bilder der Tänzer und Tänzerinnen des Berliner Staatsballetts. Rub Addiction hüllte sie in glänzendes Latex, das den entstandenen Bildern eine besondere Intensität verleiht. Das Latex zeichnet die Formen, Bewegungen und Geschmeidigkeit der Körper ab.

BildAttila neu1Auf die Frage, was das ungewöhnlichste Kleidungsstück war, das Rub Addiction bis dato fertigen durfte, antwortet Nemitz: „Ein Kostüm: einen Feuersalamander, der sich aufblasen ließ!“ Auch die ausgefallensten Wünsche werden also, wenn möglich, von den Schneiderinnen erfüllt. Gibt es etwas, was man bei Rub Addiction nicht kriegen kann? „Wir würden niemals etwas herstellen, bei dem jemand zu Schaden kommen könnte!“ sagt Nemitz mit Nachdruck. Sonst versucht das Label, jeden denkbaren Wunsch zu erfüllen.

Erst vor kurzem ist Rub Addiction in die Kurfürstenstraße 33 umgezogen, der alte Standort in Mitte wurde zu klein. „Wir sind hier sehr zentral, außerdem ist die Kurfürstenstraße Ecke Potsdamer Straße eine Ecke in Berlin, die einem Raum zum atmen lässt.“ Auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten erfuhr das Label zahlreiche Ablehnungen. Der neue Vermieter und auch jeder andere, der das Atelier betritt, merkt schnell, dass an der Mode nichts anrüchiges ist. Die Menschen, die die Latex-Mode verwirklichen, sind ganz normale und aufgeschlossene Leute.

spielzeug4

Neben dem Atelier veranstaltet das Label jeden dritten Freitag im Monat ab 22 Uhr die „Rubber Night“ im Club „Mutsch Mann’s“.

Fetisch oder nicht, Frau oder Mann – jeder kann etwas für sich finden. Schaut vorbei und entdeckt eure Leidenschaft zum Latex!

www.RubAddiction.eu, Kurfürstenstr. 33, 10785 Berlin

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Rub Addiction.

Auf einen Kaffee mit Thomas Mann

Von HU-Gastbloggerin Angela

FA4510-15_Pano

Es ist gleich 19 Uhr. Engür Sastimdur, verantwortlich für “Konzeption und Kunst” im Café P103 Mischkonzern, zieht einen schwarzen Vorhang zu, der das Café mittig teilt. Ein Vorführraum entsteht. Eine dunkel gekleidete Dame bittet um Aufmerksamkeit und stellt das Abendprogramm vor. Vorher hatte sie noch jeden einzelnen Gast persönlich angesprochen und für den nun auf die Leinwand projizierten Film begeistert; es wird ein Dokumentarfilm über Werner Tübke gezeigt, einem Künstler der sogenannten Leipziger Schule. Über jene künstlerische Strömung erfahre ich an diesem Abend noch einiges, als ich mich mit Engür Sastimdur über das P103 unterhalte.

Engür Sastimdur möchte mit dem P103 einen Ort schaffen, der künstlerisches Potential fördert, der inspiriert. Der Raum nimmt sich dabei zurück, um der Kunst Platz zu geben. “Das Konzept beruht auf Klarheit,” erzählt er mir von seiner Vision. Die Einrichtung besteht folgerichtig aus gepolsterten Vintage-Sesseln und Tischen mit Sperrholzplattencharme; keine Deckchen, keine Kerzen, sondern Minimalismus in seiner gemütlichsten Form: die wunderschöne Jugendstil-Immobilie, 1894 erbaut, lange Zeit traditionsreiche Autorenbuchhandlung, Lesungen von Thomas Mann inklusive, wurde sorgfältig restauriert. Eine Stuckateurin legte die Deckenverzierung frei, die Wände wurden nicht überstrichen, sondern belassen.

Der Betreiber verfügt über viele Kontakte zu Kulturschaffenden, gerade auch zu Künstlern der Leipziger Schule; zu Jürgen Gustav Haase beispielsweise, von dem auch die Idee stammte, das Café mit dem Attribut “Mischkonzern” zu versehen. Denn im P103 Mischkonzern gibt es nicht nur Espresso und Kuchen, sondern auch Kunst: Vernissagen, Lesungen, Klavierabende, Filmvorführungen. Das Programm ist ambitioniert und vielfältig.

same as headline

Engür Sastimdur organisiert jene Veranstaltungen. Er akquiriert die Künstler nach dem  „Flaschenpostprinzip“, wie er es nennt. „Da muss man nicht mit Flyern oder Facebook kommen.“, weiß er. Persönliche Kontakte zählen. Und was ihm neben seinem großen Bekanntenkreis zu gute kommt: „Hinter einem Künstler stehen zehn weitere.“

Probleme, interessante Künstler für Veranstaltungen zu finden, hatte er schon früher nicht, als in seiner Taxizentrale (die es heute auch noch gibt) Vernissagen stattfanden: im Büro versammelten manchmal 200 Kulturbeflissene. Das P103 sollte sein zweites Standbein werden. Engür Sastimdur  und seine beiden Mitstreiter, die  Taxizentrale und Café mit ihm leiten, suchten fast zwei Jahre lang nach einem Ort für ihr Café. Als dann jene Immobilie in der Potsdamer Str. 103 gefunden war, sollte eigentlich gerade ein Mietvertrag für ein Objekt auf der gegenüberliegenden Straßenseite unterzeichnet werden. Den Jugendstil-Bau, in dem das Café nun zu finden ist, ließ man sich aber glücklicherweise nicht entgehen, Engür Sastimdur und seine Vertragspartner mieteten den Altbau in der Potsdamer Str. 103 spontan. Seit Mai 2013 exisitert das Café.

Vor hundert Jahren hatte Thomas Mann hier Lesungen. Heute betrachtet man staunend den Stuck und fühlt sich in die Kaffeehaus-Kultur der 20er Jahre versetzt. Wer inspirierende Gespräche und Einblicke in künstlerisches Schaffen sucht, bekommt hier, was das Herz begehrt – und guten Kaffee übrigens auch.

Potsdamer Str. 103 – Öffnungszeiten: 9 – 24 Uhr – Frühstück ab 10 Uhr – keine EC-Zahlung möglich

(Sub)Kulturforum Berlin

Neue Nationalgalerie Berlin

Neue Nationalgalerie Berlin

Von Gastblogger Paul

Sinfonien der abendländischen Hochkultur und Schürfwunden, abstrakte Malereie und Wachs auf Marmorkanten, interessante Plastiken und das Geräusch von Polyurethanrollen auf Schiefergestein. Oder kurz: Kultur-Establishment und Skateboarding – wie passen diese Dinge Zusammen? Gar nicht? Vielleicht. Dennoch: Es gibt einen Ort, der sie zusammenbringt. Symbiose, Koexistenz oder Parallel-Realität – entscheiden Sie selbst.

Continue reading

Ades` Wunderland – Schräger Humor im Schwulen Museum

Geschrieben von Gastbloggerin Christina Hirsch

Das Schwule Museum präsentiert sich selbstbewusst: die Räume sind modern, großzügig und lichtdurchflutet. Ein umfangreiches Archiv, wechselnde Ausstellungen sowie internationale Kooperationen - Seriosität wird groß geschrieben. 

In Kontrast dazu steht die neue Ausstellung “Ades` Wunderland – 50 Jahre Comedy-Cult”, jedenfalls scheinbar. Mit buntem Klamauk und jeder Menge Anzüglichkeiten sorgt Ades Zabel seit über 30 Jahren für Stimmung. Doch dazu gleich mehr…

Edith Schröder

Edith Schröder – Wie viel Ades Zabel steckt in ihr?

 Das Schwule Museum am neuen Standort in der Lützowstraße

Continue reading

Die Hochschule der populären Künste zieht ein!

Geschrieben von Gastbloggerin Laura

P1500029

Das ehemalige BVG-Hauptverwaltungsgebäude in der Potsdamer Straße

Frischer Wind im Gebäude der ehemaligen BVG- Hauptverwaltung – die Hochschule der populären Künste zieht ein!

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, es gibt viel zutun – Die Hochschule der populären Künste wird ihren Gründungscampus in der Otto-Suhr-Allee 24 in Berlin-Charlottenburg verlassen und bezieht ihr neues Domizil in der Potsdamer Straße 188.

P1500012

Die Raum-in-Raum-Installation eines kleinen Musikstudios in der Otto-Suhr-Allee

„Der Umzug ist ein sehr großes Projekt und wir hoffen rechtzeitig fertig zu werden.“ sagt der Rektor der hdpk Prof. Dr. Ulrich Wünsch „Wir liegen im Zeitplan. Der Investor baut das denkmalgeschützte Gebäude um und modernisiert es.“ Die Linoleumböden müssen bleiben und die Fenster dürfen nicht verändert werden. In den zukünftigen Musikstudios werden Raum-in-Raum-Installationen für die richtige Akustik sorgen, Proberäume sind dann im Kellergeschoss.

Continue reading

Ein äthiopisches Gesellschaftsspiel

Von HU-Gastblogger Sebastian

Wer Äthiopien bisher nur mit hungerbäuchigen Kindern und fortwährender Armut in Verbindung gebracht hat, der wird überrascht sein.

Jeder der einmal in Addis Abeba war wird das Bild kennen. Ein 14 jähriger in der Hocke leicht nach vorgebeugt und seine Aufmerksamkeit richtet sich auf einen Schuhe der Person die ihm gegenübersteht, während seine Hände mit flinken, geübten Bewegungen eben diesen Schuh sauber zaubern.

IMG_20130819_144401

Polierte Schuhe – Duplex Ngoko, Abdi Demera

In Berlin ist dieses Bild seltener zu beobachten, wer allerdings am Freitag zur ersten Aufführung des Stückes Polierte Schuhe in der Galerie Listros war, konnte nicht nur zuschauen wie der junge Getachew hockend dem Geschäftsmann vor ihm die Schuhe polierte. Sondern wie ein junger Listro, allgemein – Schuhputzer – auf Amharisch, die Zuschauer durch einige markante und interessante Punkte der umfangreichen Äthiopischen Geschichte begleitete. Getachew ist die Hauptrolle in diesem Gesellschaftsspiel und wird von Abdi Demera gespielt, der mit seiner verspielten und unbeschwerten Art den jungentlichen Getachew zum Leben erweckt. Dabei vertieft er sich im Laufe seiner Reise immer weiter in seine Fantasien. Im den einzelnen Szenen trifft er dabei auf die unterschiedlichsten Persönlichkeiten und Hindernisse. Bemerkenswert ist unter anderem auch die eigens für das Stück konstruierte Puppen- und Schattentheaterbühne und ihr kreativer Einsatz. Nicht zu vergessen ist auch die Begleitung durch Live-Musik, die zur fantasievollen Atmosphäre des Stückes beiträgt.

Idee und Entstehung

SONY DSC

Machtspiele – Ceyhan Genc, Abdi Demera, Duplex Ngoko

Das Stück entstand aus der Feder von Lioba Reckfort, dabei half ihr Abdi Demera durch Erzählungen von seiner Heimat. Sowie die Unterstützung von Dawit Shanko, Gründer des Listros e.V. Nach eigener Angabe hat Lioba Reckfort das Stück aus einer eher deutschen Sichtweise geschrieben um das Verständnis für den Zuschauer zu verbessern. dies gelingt ihr auch, so ist zum Beispiel der Titel des Stückes – polierte Schuhe – in Äthiopien nichts außergewöhnliches wohingegen hier zu Lande dies einen Hinweis auf einen höheren gesellschaftlichen Status gibt. Mit den dargestellten Szenen soll ein etwas tieferer Einblick in Äthiopien und dessen Geschichte gegeben, und zum weiteren informieren angeregt werden. So ist die Erzählung vom ersten bis zum letzten Moment in einer leichten, ruhigen Atmosphäre geschrieben und aufgeführt wurden. Das macht die Szenen nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam für Erwachsene und Jugendliche.

OUANSA REVISITED_Ausstellungsansichten_2013__10

Ausstellung OUANSA REVISITED bis 24. Oktober 2013

Listros e.V.

Wer sich vor dem Besuch nicht weiter mit Äthiopien beschäftigt hat, wird durch die Aufführung einige Anregungen bekommen. Insbesondere wenn es in den Räumen des Listro e.V. aufgeführt wird, ist ein direkter Bezug zu weiteren Einblicken in Äthiopien gegeben. So sind dort zum Beispiel Werke mit Bezug auf das Leben von Listros ausgestellt, zudem kann man sich über die Arbeit des Vereins und dessen vielfältige Projekte informieren. Zur Zeit feiert der Verein sein 10 jähriges Bestehen. Auf den ersten Blick besonders beeindruckend sind die original Listro Boxen die an den Wänden im ersten Raum der Galerie bis an die Decke gestapelt sind und für die Aufführung des Stücks eine außergewöhnliche Kulisse bieten.

Vorschau

In den nächsten Wochen wird das Stück auch noch um zwei weitere Szenen erweitert, so darf man gespannt sein welche Einblicke in die äthiopische Geschichte dem Zuschauer noch gewährt werden. Die erste Aufführung des Stück fand am 9.8.2013 in den Räumen des Listro e.V. statt, die nächsten werden in den Räumlichkeiten des Intergalaktischen Kulturvereins im September stattfinden. Jedoch sind weitere Aufführungen für Interessenten um die Potsdamerstraße in der Galerie Listros geplant.

 

Intergalaktischer Kulturverein

 

Von Medien, Kultur und Straßenstrich

Ursprünglich aus Heidelberg, wohnt Michael Müller seit 1989 in Berlin. Ich traf ihn in seiner Wohnung in der Nähe der Kurfürstenstraße, in der er mit seiner Familie lebt und von der aus er auch arbeitet.

Kultur zum Mitnehmen

Dr. Müller, seines Zeichens Kunsthistoriker, ist Unternehmer. Zusammen mit seinem Geschäftspartner, der sich auf die Beratung von Museen spezialisiert hat, gründete er 2007 das Unternehmen Culture to go. Der Focus des Unternehmens liegt auf der Beratung von Kultureinrichtungen im Bereich der Kommunikation/Social Media, sowie deren technische Umsetzung.

CTG - Culture to go

Die Idee kam ihm bei seinem Aufenthalt in Los Angeles. Zu dieser Zeit wurden in den USA die Breitbandfrequenzen versteigert. Damals konnten sich nur wenige ein Smartphone, wie es heute kaum wegzudenken ist, vorstellen. Jedoch war er von der Idee „egal wo man steht Medien abzurufen“ begeistert. Praktisch heißt das heute: die Webseite eines Museums so zu optimieren, dass jeder direkt auf seinem Smartphone, plattformunabhängig und ohne lästiges Installieren von Apps, eine Führung bekommt. Continue reading

Zwischen Mauer, LPG und Kulturverein – Ein (fast) echter Berliner

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Sommerkurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Centers der Humboldt-Universität zu Berlin.

Der Weg zum Kindergarten führte an der Mauer entlang. Auch an Geisterbahnhöfe kann er sich erinnern. “Wie hat sich das angefühlt?” Ulrich kommt ins Grübeln. “War das nicht bedrohlich?” – “Nein.” Geboren in Tuttlingen bei Stuttgart, wuchs er im kreuzberger Wrangelkiez auf, keine 500 Meter entfernt verlief die Grenze. Als die Wende kam, war er acht Jahre alt. Gefragt nach seinen Gefühlen und Gedanken bleibt er wortkarg. Was heute seltsam und unvorstellbar erscheint, war wohl damals, für das Kind, Normalität.

Er zog früh aus, ohne Abitur, schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. “Zeitungsträger, Kellner, Call-Center… Eine Zeitlang habe ich für ein Musikmagazin geschrieben. Manchmal hatte ich vier Jobs gleichzeitig.” Schließlich arbeitete er in einem Biomarkt der LPG und wurde Mitglied im Betriebsrat. Das kam ihm später zu gute, als er sich um ein Stipendium bei der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung bewarb.

Das Kulturnetzwerk Neukölln bot ihm Raum für Engagement. Ziel war es, Einwohner mit Künstlern ins Gespräch zu bringen. “Die konnten auch ziemlich elitär sein. Wenn dann Kinder durch Ausstellungen führten und Werke interpretiert haben, das war schon etwas Besonderes.” Sofort denke ich an Buschkowski, seine holzschnittartigen Thesen über inkompatible Kulturen. “Was hältst du davon?” – “Der Kulturverein arbeitet vor allem im öffentlichen Raum, jede_r ist willkommen. Gruppen bilden sich dadurch nicht. Bei einem Projekt haben wir Einweg-Kameras an die Jugendlichen verteilt. Alle kamen wieder zurück.” Offenheit und Vertrauen statt Paternalismus und Stigma. Das Konzept geht auf.

Heute studiert er, mit Anfang 30, Kulturwissenschaft. Wie sollte es anders sein? “In Kombination mit Soziologie und Politikwissenschaft, das gibt dem ganzen eine Richtung.” Ich bin gespannt, wie es bei ihm weiter geht, welche Umwege ihn ans Ziel bringen werden. Spießig und langweilig wird es sicherlich nicht. Da ist er ganz der (fast) echte Berliner.

Von Christina Hirsch

 

 

Von Autos zu Wein zu Genuß & Kunst

Geschrieben von Gastbloggerin Laura

Einst ein netter Kfz-Verleih mit kleinem, aber feinem Weinregal – heute ein reiner und noch feinerer Weinhandel – „Autos und Weine“ wurde 1981 von drei jungen Freunden gegründet. Werner Puzicha – einer der Männer der ersten Stunde – ist heute der Geschäftsführer.

P1490874

Werner Puzicha betreibt zwei Weinläden

Der Weinhandel wurde so erfolgreich, dass man sich ausschließlich ganz  diesem Geschäft widmen wollte. So wurde die Autovermietung im Oktober 2012 – nach mehr als 30 Jahren – beendet. Den Namen „Autos und Weine“ behielt man bei – er hatte sich über diese lange Zeit einfach etabliert und eingeprägt – ganz besonders natürlich bei den Stammkunden.

 Der Service

Es kommen sehr unterschiedliche Menschen in den Laden: neben der treuen Stammkundschaft auch neues Publikum, viele junge Leute. So verschieden die Geschmäcker auch sind: für jeden Gaumen findet sich ein passender Tropfen in dem erlesenen Sortiment. Auch wer zu einem bestimmten Gericht den passenden Wein sucht, ist hier genau an der richtigen Adresse. Kompetente Beratung für jeden Anspruch und ein breit gefächertes Angebot von Weinen, die ein perfektes „Preis-Genuss-Verhältnis“ liefern stehen hier im Vordergrund berichtet Werner Puzicha. Und wer schon genau weiß was er will oder größere Mengen – vielleicht aufgrund einer größeren Festlichkeit – braucht, kann sich den oder die Tropfen der Begierde direkt nach Hause liefern lassen! Continue reading