Kategorie-Archiv: GastbloggerInnen

Das Lidl-Bike – grüne Welle auf der Potsdamer Straße

Gestern gegen 20.30 Uhr fuhr die Critical Mass von Norden her kommend auf die Potsdamer Straße ein. Die BesucherInnen des Gallery Weekends fanden das sehr unterhaltsam. Die abbiegenden Autofahrer – darüber gibt es keine direkten Zitate . Auf jeden Fall hatten die RadfahrerInnen nicht nur den nicht vorhanden Fahrradweg, sondern eine gesamte Fahrspurseite in der kompletten Länge für einige Zeit mit grüner Welle auch bei Rot für sich.

Critical Mass am 28. April 2017

Wie es sich sonst so auf der Potsdamer Straße radelt und dann auch noch mit einem Leihfahrrad beschreibt HU-Gastbloggerin Jette

„ Auto oder Fahrrad?“
Ich wohne am Stadtrand und bin mal wieder viel zu spät dran für mein Seminar in der Humboldt Universität.  Mein Blick wandert zwischen unserem Auto vor der Tür und meinem Fahrrad hin und her: Wie komme ich am schnellsten hier weg? Ich überlege kurz und entscheide mich für mein Rad. In den meisten Fällen ist man in der Berliner Innenstadt so schneller unterwegs als mit dem Auto. Weiterlesen

GartenPlausch im Schöneberger Norden

von HU-Gastblogger Uwe

WASSER UND ERDE FÜR DEN SCHÖNEBERGER NORDEN

Graphik: gruppe F

Seit Anfang des Jahres 2017 gibt es den „GartenPlausch“ im Schöneberger Norden. Jeden zweiten Donnerstag im Monat treffen sich KiezgärtnerInnen in der Kiezoase Steinmetzstrasse 68, um zu fachsimpeln, sich erste Informationen zu holen oder sich zu vernetzen. Organisiert werden diese Treffen von der gruppe F, die das Projekt GartenAktiv bis Ende 2018 durchführt.

,,Genüssliche Verführungen“
Der Tagungsraum ist ansprechend mit kleinen lukullischen Genussmöglichkeiten, wie verschiedenen Keksgebäck,  schmalen Käsestangen, Kaffee und Tee, Wasser und Saft  ,,verführerisch“ ausgestaltet worden. Bereits jetzt vermittelt sich mir hier eine angenehme fast heimische Atmosphäre. Da mir noch etwas  Zeit bis zum Beginn der Veranstaltung bleibt, spreche ich kurz mit Frau Walther: ,,Die gruppeF hat ja einige Projekte in Berlin, an denen sie organisatorisch beteiligt ist, es sind momentan 3 gärtnerische Projekte  wie u.a. das Projekt Brunnengärten im Weddinger Brunnenviertel sowie ein weiteres Gemeinschaftsgarten-Projekt in Staaken.“

Der Sitzungsraum füllt sich gegen 17 Uhr sehr rasch, der Andrang ist so groß, dass die vorhandenen Sitzgelegenheiten zu Beginn der Veranstaltung nicht ausreichend sind. Mehr als 15 Personen – Anwohner und ehrenamtlich Aktive – nehmen an dem Gartenplausch teil.

150 grüne Orte im Schöneberger Norden – kartiert von der Gruppe F für das Projekt Gartenaktiv

Unter den Anwesenden sind auch zwei Mitarbeiterinnen der  Gewobag MB, die für den dortigen Bereich im Schöneberger Norden als Wohn/Hausverwaltung zuständig sind. Zum einen  ist es Frau Silke Jensen, von der Mieterberatung der Gewobag, zum anderen ist es Frau Brigitte Naumann, die zuständige Kundenbetreuerin  der Gewobag für diesen Bereich des Schöneberger Nordens.

Das heutige Hauptthema lautet: Wasser sammeln /gewinnen mit der Gewobag und der gruppe F

Nach den gemachten Erfahrungen der letzten Jahre mit einer, immer wieder aufkommenden Wasserknappheit in warmen Sommermonaten ist seit längerem der Wunsch der Anwohner präsent, für die Pflege von Hoch-Beeten und sonstigen Grünpflanzen und Gemüseanbau,  alternative Bewässerungs-und Wassersammlungsmöglichkeiten zu entwickeln bzw. neue Möglichkeiten nachzufragen. Dabei geht es heute konkret um die Aufstellung von ,,Regenwassertonnen“.

Entstehende Problematiken
Hier treten sogleich erhebliche Probleme auf. ,,Die Gewobag hat mit dieser Art von Projekt noch relativ wenig Erfahrung,“ bemerkt Brigitte Naumann. ,,Auch muss die technische Machbarkeit und die Wartungsverantwortung für diese Wassertonnen für die Erfordernisse der Gewobag –Hausverwaltung sicher gestellt werden.“

Zu beachten ist hierbei unter anderem, dass die Regen –bzw. Wassertonnen nach oben hin nicht offen sein dürfen, da darin dann kleine Kinder verunfallen könnten. Auch müssen diese Tonnen auf versickerungsfähiger Fläche stehen und mit einem Fallrohranschluss an der Hauswand angebunden sein.

Klar, dass die Gewobag generell bereit ist, zur Aufstellung von Wassertonnen. Voraussetzung ist jedoch auch die technische Machbarkeit und das Sicherstellen, wer für die Wassertonnen verantwortlich sein wird. Eine Veranstaltungsteilnehmerin fragt nach, ob die Wassertonnen auch vor dem Haus auf dem Bürgersteig stehen könnten? Die Antwort erfolgt prompt, dass die Aufstellung von Regen-oder Wassertonnen auf der Straße durch die Gewobag aufgrund der Sicherungspflicht im öffentlichen Straßenraum und der erhöhten Vandalismusgefahr keine Zustimmung erhalten kann.

Wasser marsch?
In der Gruppe beginnen nun Diskussionen über die Möglichkeit der Installierung von Wasserhähnen an den Gebäudewänden. Leider sind auch hier die technischen Voraussetzungen nicht unerheblich. Frau Naumann von der Gewobag weist daraufhin, dass bereits viele existierende Wasserhähne zurück gebaut werden mussten.

Gemeinsam mit den ExpertInnen von der gruppeF werden dann weitere Informationen gegeben. Bei der Nutzung von Außenwasserhähnen am Haus müssen diese mit einem notwendigen Wasserrücklaufstopp ausgestattet sein, aufgrund der Legionellen–Gefahr. Denn bei „toten Ecken“ im Wassersystem, wo abgestandenes Wasser verbleibt, besteht die Gefahr, dass sich diese gefährlichen Bakterien bilden. Das Wasser muss also immer im ,,Fluß“ sein. Ein Rücklaufstopp ist notwendig. Auch wird der Einbau von Wasserzählern empfohlen, denn sonst werden die Kosten für’s Blumengießen auf die gesamte Hausgemeinschaft umgelegt. Die entsprechenden Kosten für die regelmäßige Wartung müssten von der gärtnerisch aktiven Nutzergruppe getragen werden.

Ein Teilnehmer stellt resümierend fest, dass die Gewobag generell zum Aufstellen von Regenwassertonnen bereit, soweit die technische Machbarkeit und deren Verantwortung für die Tonnen sicher gestellt werden kann. Die Vertereterinnen der Gewobag und der gruppeF versichern, dass sie diesbezüglich in Kontakt bleiben werden, um die Modalitäten zu klären. Alle Beteiligten sind daran natürlich interessiert und wollen selbst auch am Ball bleiben. Das Thema des effektiven Wassersammelns wird weiterhin ein wichtiger Gesprächspunkt bleiben.

Neben ein paar kleineren anderen Thematiken kommt es zu einem weiteren für mich interessanten, überraschenden, weil nicht angekündigten  Thema: Der Beschaffung und Verwendung von Pflanzenerde. Aber! Wer braucht denn jemals so viel Erde?

Einige der Teilnehmer erwähnen zu Beginn: Den groben Kompost, der aus Grünschnitt des Straßen- und Grünflächenamtes hergestellt wird, kriegen wir ja unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Qualität reicht aber nicht für den Anbau von Nutzpflanzen aus. Letztes Jahr hatten wir ja bereits einen größeren Umfang an Erde aus Aktionsfonds-Mitteln erhalten.“

Lieferung von 5 Tonnen Erde auf einem nur 3,5 Tonnen  tragenden LKW
,,Es wurden uns ja im letzten Jahr  mit einem 3,5 Tonnen LKW  ganze 5 Tonnen zu verwendende Erde geliefert,“ merkt ein Veranstaltungsteilnehmer an. Ich bin ziemlich beeindruckt von der angegebenen  Menge und kann mir nur sehr schwer vorstellen, wie diese Massen an Pflanzenerde Verwendung finden können. Und ob nun wirklich so viel Erde verbraucht werden kann?

Kurz darauf werde ich jedoch diesbezüglich von zwei Anwesenden eines Besseren belehrt: ,,Zu Beginn dachten wir, es sei uns sehr viel Erde geliefert worden,“ sagt eine Gärtnerin. Doch dann sei es doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen.

Neuer Bedarf für 2017: Ganze 15 Tonnen Erde!!
Diesmal liegt der Bedarf allein für diese Initiative locker bei circa 15 Tonnen Erde für das Jahr 2017. Das bedeutet 300% Mehrbedarf, gar nicht schlecht! Im Anschluss wurden von den anwesenden Gärtnern bereits Wünsche für die diesjährige Oberboden-Lieferung an das Projekt GartenAktiv gesammelt. Als spätester Liefertermin für die Erde wurde der 12.05.2017 genannt.

Auch gab es an diesem Diskussionsabend noch weitere sehr interessante Themenschwerpunkte, wie das Durchführen von Bodenproben in bestehenden Beeten sowie die Qualität der gelieferten Erde. Viele Gärtner wollen wissen, ob der Oberboden ,,schadstoffbelastungsfrei“ für den Gemüseanbau verwendbar ist oder aber wie man auch die Herstellung von hochwertiger Pflanzenerde selbstständig in Angriff nehmen kann, z.B. durch das sog. „Kon-Tiki“ System.

Ebenso wurde angesprochen, in wieweit es Pflanzenarten gibt, die wenig Pflege und Wasser benötigen wie z.B. Steppengräser, Lavendel oder auch spezielle Züchtungen. All diese Themen werden zu einem am 13. April beim nächsten GartenPlausch aufgegriffen.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Cnters an der Humboldt Universität zu Berlin.

„Verooonika, der Bagger ist da“ – Familiengarten Kluckstraße in Not

Von HU-Gastbloggerin Kaya

Vorabmeldung: Am Donnerstag, den 14. April zwischen 10 und 16 Uhr wird auf dem Gelände gegärtnert bzw sind GärtnerInnen dabei, das Grün vor dem Baggern zu retten. Wer dabei helfen möchte, geht am besten direkt dorthin und packt an, wo es etwas zu tun gibt. 

Es ist ruhig, dafür, dass wir uns mitten in Berlin befinden. Der Familiengarten in der Kluckstraße ist ein kleines grünes Idyll. Am Zaun hängen Schilder mit Aussagen wie „Wir gärtnern ohne Torf.“ Da juckt mein nachhaltig interessiertes Näschen und ich tauche ab ins langsam aufblühende Grün und lasse die Großstadt hinter mir. Nichts scheint diesem Ort etwas anhaben zu können.

Aber Pustekuchen!
Demnächst soll eine Baustellenzufahrt durch den Garten führen. Eine Teilfäche wurde bereits gerodet, wobei quasi über Nacht der Kompost verschwunden ist. Das ist alles andere als idyllisch und frühlingshaft! Andererseits: Ein bedrohter Garten ist zwar weniger idyllisch, verdient es aber umso mehr, dass man über ihn schreibt.

Gemeinsam mit unzähligen anderen großen und kleinen Nutzern des Familinengartens wurden die einzelnen Holzlatten einen Sommer lang individuell bemalt.

Im Frühjahr 2010 begann das Projekt wachsenlassen den Gemeinschaftsgarten in der Kluckstraße aufzubauen. Seitdem ist viel gepflanzt, geerntet, gebangt und gelacht worden. Ausschlag für einen wichtigen Meilenstein war die Meinungsverschiedenheit mit den Wild-Kaninchen über den Gemüsegarten, woraufhin 2012 ein kunterbunter Lattenzaun gebaut wurde.

Kindergartenkinder und Auszubildende eines Sägewerks hobelten, sägten, schliffen und malten gemeinsam. „Der Zaun ist beispielhaft für unsere Art zu arbeiten„, erklärt mir Gabriele Koll. Wie bei allen Belangen war es ihr als Projektleiterin und allen Beteiligten wichtig, auf möglichst nachhaltige Weise vorzugehen. Das Holz für den Zaun stammt aus einheimischen Berliner Forsten und wurde nicht nachträglich mit chemischen Mitteln behandelt.

Die Baustelle
Das Kiezzentrum ‚Villa Lützow‚, auf dessen Gelände sich auch der Familiengarten befindet, soll schon seit langem saniert und ausgebaut werden. Eigentlich eine tolle Sache. Ursprünglicher Baubeginn sollte der 01.01.2016 sein; seitdem steht das Haus leer. Die unterschiedlichen Träger wie Gladt e.V., KomBi Kommunikation und Bildung, der Stadtteilverein Tiergarten, FiPP e.V. oder auch KIDZ e.V. mussten sich damals – teilweise in anderen Bezirken – neue Bleiben suchen. Bis Februar diesen Jahres wusste niemand, wie lange sich der Baubeginn noch verzögern würde. Nun soll es am 01. Mai losgehen. Und die Baustellenzufahrt soll genau durch den Gemeinschaftgarten führen.

Am Rande der gerodeten Fläche, da, wo zuvor der Komposthaufen war, liegen jetzt nur noch die Holzpaletten, die den Kompost vorher umgrenzt haben.

Vor ca. drei Wochen haben wir plötzlich entdeckt, dass ein Teil des Garten gerodet wurde. Der schöne Kompost, der dieses Jahr endlich einsatzbereit gewesen wäre, ist verschwunden,“ erzählt mir Gabriele Koll als wir auf der trostlosen braunen Erde stehen, die vor Kurzem noch von Büschen bedeckt war.

Mitglieder des Stadtteil-Forum Tiergarten-Süd waren entsetzt und verfassten Ende März einen Protestbrief an Carsten Spallek, Stadtrat für Schule, Sport und Facility Management: Mit Entsetzen haben die Projektleitung und das Stadtteilforum festgestellt, dass unabgesprochen großflächige Rodungsarbeiten auf dem Gelände für die Bauvorbereitungen durchgeführt und dabei bereits wichtige Flächen und Arbeiten des Projektes zerstört wurden. … Grundsätzlich halten wir es für unbedingt notwendig, dass die Planungen für die Baumaßnahme mit den Trägern vor Ort abgestimmt werden. Damit wurden 2009/2010, als der Familiengarten unter Federführung des Grünflächenamtes angelegt wurde, sehr gute Erfahrungen gemacht. … Das Stadtteil Forum wendet sich daher entschieden gegen die aktuelle Vorgehensweise, die die Arbeit im Familiengarten übermäßig behindert oder sogar zunichtemacht. Wir haben daher einen Lösungsvorschlag erarbeitet, der den Erhalt der Gärten sicherstellt und gleichzeitig eine ungehinderte Baustellenzufahrt ermöglicht. (der gesamte Brief als pdf download)

Aus dem Büro Spallek kam nach einer Woche lediglich die Information, der Brief sei an den Leiter des Facility Managements weitergeleitet, da dieses für die Organisation des Bauvorhabens zuständig sei.

Ob der Vorschlag des Stadtteil-Forums für eine alternative Baustellenzufahrt beim Facility Management abgewogen wurde, ist bis dato nicht bekannt.

Auch das Jugendamt Mitte engagierte sich noch einmal für alternative Pläne, trug noch einmal Bedenken vor, wurde jedoch auch nicht gehört. Es scheint, dass unbedingt am Baubeginn Anfang Mai festgehalten werden soll.

Umsetzaktion: Rettung oder Illusion?
Eine Übergangslösung für die zwei Jahre, in denen gebaut werden soll, wäre eine teilweise Umsiedlung des Gartens. Allerdings weiß niemand genau, wann die Zufahrt errichtet werden soll. In drei Wochen, in einer, morgen? So eine Umsiedlung kostet Zeit und Geld. Beides ist in einem ehrenamtlich beackerten Garten Mangelware. Zudem ist im letzten Jahr die Finanzierung für den Garten ausgelaufen, gemeinsam mit KIDZ e.V. sind Anträge bei Stiftungen und anderen Fördergeldgebern in Planung.

Es müssten ca. 40 Beeren-, Gemüse- und Blumenstauden sowie zahlreiche Gehölze ein neues Zuhause auf Zeit bekommen. Ob die Pflanzen einen Umzug überstehen, bleibt fraglich. Für Pflanzenumsetzungen hätte man sich keinen ungünstigeren Zeitpunkt als Anfang April wünschen können. Zudem müsste der bunte Zaun ab- und wieder aufgebaut werden.

Dass auch das Insektenhotel umgesetzt werden muss, wird den BewohnerInnen vermutlich gar nicht gefallen.

Besonders problematisch wäre auch die Umsetzung des Insektenhotels, dass seit zwei Jahren endlich bewohnt ist: „Die Natur passt sich nicht so einfach an solche Hau-Ruck-Aktionen an.

Bisher gärtnern auf dem Gelände zwei Kindergärten, vier Familien und zwei Einzelpersonen. Diese haben schon bereitwillig Hilfe angeboten und wollen auch während der Übergangsphase im zerteilten Garten weiter mit anpacken, um Stärke und Präsenz zu zeigen.

Leider sind all diese Überlegungen rein hypothetisch, solange es nicht wenigstens eine kleine Förderung für den Garten gibt. Allein mit der Hilfe der ehrenamtlichen Gärtner ist die Versetzung nicht zu stemmen. „Wir bräuchten Erde, Holz und Fachkräfte; das alles kostet“, seufzt Gabriele Koll.

Wie können Sie uns unterstützen, unseren Garten zu erhalten?
Heute, am 8. April, veröffentlicht sie gemeinsam mit KIDZ e.V. einen Aufruf mit Unterstützerschreiben , in dem die Situation geschildert wird und es abschließen heißt:

  • Sich gemeinsam mit uns für eine dauerhafte Finanzierung des Angebots engagieren und dazu auch kreative Ideen entwickeln,
  • uns bei der Rettung von Pflanzen und des kunsthandwerklich gestaltetes Zauns um unseren ‚Bauerngarten‘ tatkräftig unterstützen,
  • uns als Referenz ein Unterstützerschreiben (siehe Rückseite) zusenden
  • uns finanziell mit einer Spende auf folgendes Konto unterstützen:
    KIDZ e.V.
    IBAN: DE 48 1007 0848 0440 3903 00
    BIC: DEUTDEDB110
    Die Arbeit von KIDZ e.V. ist als gemeinnützig und förderungswürdig anerkannt. Spenden und Förderbeiträge sind steuerlich abzugsfähig.

Ausgang offen. Und es bleibt die Frage: Wieso gibt es kein Geld für einen Garten, der zum geplanten Kiezzentrum dazu gehört und nachhaltige Arbeit im Bereich Umweltbildung leistet?

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität.

Der Hörtest – ein Angstauslöser?

von HU -Gastbloggerin Martina

Besuch des Geschäftes ,,Das Hörwerk“ in Schöneberg
Habt ihr euch schon einmal gefragt, ob das Missverstehen von einigen Wörtern wie ,,Stahl oder Schal“ nicht ein ,,Versehen“ sondern ein vermindertes Hörvermögen sein könnte?

Krankenkassen und  Zeitungen berichteten, dass die Schwerhörigkeit in der Bevölkerung massiv zugenommen hat, gravierend auch bei   den Kindern und Jugendlichen. Mögliche Ursachen sind: Dauerhaftes Hören von zu lauter Musik beim Besuch von Clubs / Popkonzerten, aber auch die ,,gefährliche Dauerbeschallung“ über Mini-Kopfhörer wie es u.a. bei dem  Gebrauch von MP3 Playern der Fall ist.

Das Problem mit der ,,aufgeschobenen“  Schwerhörigkeit
Auf meine anfängliche eigene Vorrecherche und Frage  zur steigenden Anzahl von Schwerhörigen in der Bevölkerung, bekomme ich folgende Antwort von der Geschäftsinhaberin ,,Das Hörwerk“:

Das Geschäft  am  Willmanndamm 16, 10827 Berlin und Inhaberin Funda Gül Gozdzik

,,Wer schwer hört, geht oft zu spät zum Hörtest.“ So berichtet mir die Inhaberin Funda Gül Gozdzik, ausgebildete  Hörgeräteakustik- Meisterin des Geschäftes ,,Das Hörwerk“ im Willmanndamm 16, in 10827 Berlin. ,,Erst wenn es mit der verminderten Hörfähigkeit schon dramatischer geworden ist, wird der Weg zum HNO-Arzt beschritten. Einfach viel zulange wird die bereits bemerkte Hörminderung in Kauf genommen.“

Bei mir entstehen zu dieser Antwort gleich weitere wichtige Fragen: Obwohl es moderne Hörgeräte gibt, warten die Betroffenen sehr lange, warum? Obwohl beim Hörgeräteakustiker kostenlose Hörtest angeboten werden, entsteht der notwendige Weg zum Akustiker größtenteils erst dann, wenn ein Rezept vom Arzt für ein Hörgerät vorliegt?

Zu diesen wichtigen  Problemstellungen berichtet mir Frau Gozdzik gleich sehr ausführlich und aufschlussreich, mögliche Ursachen: ,,Eine Hörminderung ist in den häufigsten Fällen ein schleichender Prozess und wird von den Betroffenen deshalb erst spät wahrgenommen. Oft ist es das Umfeld, welches auf die Hörminderung aufmerksam macht. Bis zum ersten Besuch beim Hörakustiker oder beim HNO-Arzt vergehen deshalb manchmal viele Jahre. Die Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung und Akzeptanz von Hörminderungen vieler Institutionen zeigt jedoch schon erste Erfolge. Immer mehr Menschen schützen  ihr Gehör rechtzeitig oder machen einen Hörtest bei den ersten Anzeichen für einen Hörverlust.“ Der Bezug zur Öffentlichkeit wurde  u.a. hergestellt mit der Veranstaltung  ,,Welttag des Hörens, welcher am 3. März 2017 stattfand.

Das Geschäft
Nur eine Seitenstraße von der Potsdamer Straße und nur wenige Fußschritte entfernt vom U-Bahnhof Kleistpark liegt das mit blauen Farben gestaltete und freundlich einladende Geschäft ,,Das Hörwerk“ von der sehr sympathisch wirkenden,   jungen Besitzerin Frau Funda Gül Gozdzik. Auch der Internetauftritt  ist in blauen Farbtönen gestaltet. Für mein Interview und einen geplanten Hörtest  am Ende des Interviews,  meldete ich mich bei der Inhaberin mit einem zusätzlichen ,,Hörprobanden“  zu zweit  an, um mich  selbst  besser auf das Interview konzentrieren zu können.

Nach einer freundlichen Begrüßung und einer Tasse frischen Kaffee aus einer modernen Espressomaschine, kann ich gut  ,,erfrischt“  das ausführliche Interview führen. Frau Gozdzik wirkt meinen vielen Fragen gegenüber sehr aufgeschlossen, erklärt und zeigt viele Hörgeräte und die dazugehörigen  Utensilien. Ich untersuche und fotografiere viele Hörgeräte (FOTO), die auffallend klein aussehen und sich sehr leicht in der Hand anfühlen.

Es wird mir erklärt, dass es sehr unterschiedliche  Varianten von Hörgeräten gibt: Im Ohr, außerhalb des Ohres usw. und Zubehör.

Verschiedene kleine Hörgeräte und Zubehör

Der Service in deutscher, türkischer und polnischer Sprache

Die Flyer zum Geschäft gibt es in türkischer und deutscher Sprache.Auch ihre Internetseite bietet die Ladeninhaberin  in türkischer Sprache an, da Frau Gozdzik  türkische Wurzeln hat, aber in Deutschland geboren wurde. Ihr Ehemann bietet für Kunden bei Bedarf  einen polnischen Übersetzungs-Service an, da er ehemals aus Polen stammt. So ist die Kundschaft breit gemischt  und Frau Gozdzik berichtet begeistert: ,,Der Service in türkischer Sprache  wird sehr oft genutzt, der in Polnisch eher weniger. Außerdem kommen Kunden nicht nur aus dem Kiez, sondern auch aus anderen Teilen Berlins und Brandenburg.“

Für die Zukunft möchte sie ihren Internetauftritt so gestalten, dass sie zusätzlich auch einen ,,Einkaufs – Shop“  anbietet. Mehr verrät sie mir dazu leider nicht.

Die  jahrelange Betreuung
Die Hörgeräteakustikerin macht außerdem auf die  Testung und Betreuung bei einem Hörgerät aufmerksam: ,,Deshalb ist es wichtig, Hörgeräte immer im privaten Umfeld und verschiedene Modelle im Vergleich zu testen. Erst dann kann eine geeignete Wahl getroffen werden. Nach dem Kauf von Hörgeräten wird der Kunde viele Jahre von seinem Hörakustiker weiter betreut. In bestimmten Intervallen werden die Hörgeräte gereinigt, auf ihre Funktion geprüft und ggf. nach einem neuen Hörtest nachgestellt.“ Hierzu erhält man ,,ähnlich“ wie bei einer notwendigen Inspektion eines Autos ein kleines blaues ,,Serviceheft“ von der Inhaberin des Hörwerks für  die nächsten Inspektions-Termine  der Hörsysteme.

Außerdem berichtet sie mir, dass es  zusätzlich die Möglichkeit gibt, bei teuren Hörgeräten auch eine Versicherung gegen Diebstahl, Beschädigung usw. abzuschließen. Denn die Kosten eines Hörgerätes variieren zwischen 0,00 Euro (ohne Zuzahlung)  bis zu 2000 Euro oder höher für ein sehr ,,intelligentes“ Hörgerät.

Der Wunsch der beruflichen Selbständigkeit
Frau Gozdzik schildert mir, dass ihr die  Ausbildung zum Beruf der  Hörakustikerin/Hörgeräteakustikerin sehr gefallen hat. Diese dauerte 3 Jahre und beinhaltete zu den technischen Gebieten auch das Fach Psychologie, welches ihr besonders gut gefiel. Zu einem späteren Zeitpunkt absolvierte sie  die Qualifikation zur Hörgeräteakustik – Meisterin. Die Gründung ihres Geschäftes  hatte sie nebenbei mit Familie und Kind  umgesetzt. Den  eigenen, starken  Wunsch nach beruflicher Selbständigkeit hatte sie schon lange: ,,Ich wollte seit meiner Kindheit unbedingt später selbständig ein Geschäft besitzen und führen“. Einige Semester  Jura-Studium liegen  hinter ihr, aber der Wunsch zur Selbständigkeit und ein großes Interesses an dem Beruf Hörakustiker führten dazu, dass sie das Studium ,,sausen“ ließ. Sie ist Geschäftsführerin und Inhaberin des Ladens und führt diesen momentan alleine. Den Ort für das Geschäft am Willmanndamm 16 in Schöneberg hat sie bewusst gewählt: ,,Ich bin hier im Kiez aufgewachsen und kenne ihn gut!“.

 Das Hörgerat – ein moderner  ,,Winzling“
,,Heutzutage gleichen die modernen Hörgeräte teilweise kleinen Computern, die sich sogar kabellos mit dem Smartphone verbinden können oder internetfähig sind“, berichtet mir die Besitzerin.

Ich bekomme auf eigene Nachfrage hin, mehrere Prospekte ausgehändigt, u.a. auch wie sorgfältig die Pflege eines Hörgerätes sein sollte, hier ein spezielles Heft, eine Pflegefibel für Hörsysteme.  Es entsteht bei mir, der  überraschend positive  Eindruck, dass moderne Hörgeräte heutzutage sehr klein, individuell angepasst und unauffällig am oder im Ohr zu tragen sind. Auch die Farbauswahl ist sehr vielseitig, es gibt Hörgeräte in weiß, rosa, braun, blau und vielen anderen farblichen Möglichkeiten.

Hörgerät ,,am Ohr“ in blauer Farbe

Der mit Spannung erwartete Hörtest
Was ist überhaupt ein Hörtest? Ein  Audiometer überprüft  Schwingungen/ Schallwellen im Gehörkanal, d.h. bestimmte Frequenzbereiche werden getestet, ob und wann diese Schwingungen (Töne) rechtzeitig erhört werden, gemessen wird in Hz (Hertz).

Es erfolgt eine kleine Einweisung und mein  ,,Prüfling“, Frau Godzik und ich betreten den schallisolierten Hörtestraum. Die Hörtestperson bekommt von der Hörakustikerin  einen großen, abgedichteten Kopfhörer – wie beim Musikhören – auf beide Ohren gesetzt und einen ,,Drücker“ in die Hand. Bei jedem kleinsten gehörten Ton soll sofort der ,,Drücker“ betätigt werden. Das Ergebnis wird parallel auf dem uns sichtbaren PC in einem Diagramm, das sog.  Audiogramm  gespeichert.  Ich darf beim Hörtest dabei sein, setze mich in eine Ecke und bin ,,mucksmäuschenstill“, um zusätzlich störende Geräusche zu vermeiden.

Der Hörtest-Raum

Beim folgenden  ,,Hörtest“ erscheinen für unseren ,,Prüfling“ helle und etwas später dumpfe Töne, die für mich nicht zu hören sind. Frau Gozdzik markiert das jeweilige Ergebnis in einem Diagramm, am Bildschirm des  PCs sichtbar. Bei einigen dumpfen Tönen, ,,verzieht“ der Prüfling das Gesicht, warum?

Die Auswertung des Hörtest
Die ,,Versuchsperson“ schneidet im Ergebnis bei hellen Tönen gut ab, berichtet im Auswertungsgespräch die Hörakustikerin. Aber warum wurden die dumpfen Töne so spät erkannt? Der Test wird von ihr wiederholt, es entsteht ein ähnliches Ergebnis. Unser Proband hat Probleme beim Erkennen von dumpfen Tönen, warum? Ein zufälliges Ergebnis einer nicht erkannten oder ,,verschleppten“ Hörminderung? Die Hörakustikerin schildert das Ergebnis: ,,Beim Hörtest hat das linke Ohr leider schlechter gehört, als ein gesundes Ohr es tun würde. Eine Erkältung ist eher ausgeschlossen, da nur ein Ohr betroffen ist. Der Hörtest sollte auf jeden Fall wiederholt werden und ein Besuch beim HNO-Arzt ist ratsam.“

Es wird mit Frau Gozdzik vereinbart, den Hörtest in einem späteren Termin zu wiederholen. Hat sich hier bereits bei  der Testperson eine ,,versteckte“ Hörminderung eingeschlichen? Gehört auch sie  zu den Personen, die ,,unerkannt“ eine Hörminderung mit sich ,,herumschleppen“ und diese ,,aufschieben“? Ich und Frau Gozdzik schauen uns hierzu nachdenklich an. Unser Proband beschrieb den Hörtest ansonsten als völlig schmerzfrei und harmlos. Der Test dauerte keine 10 Minuten. Der Hörtest wurde geschildert wie ein Piepen von Tönen, welche kurz gehört wurden oder eben nicht. Das weitere Vorgehen liegt nun in der Hand der ,,Testperson“.

Die ,,Scham“ vor dem Hörtest
Ich selber bemerke ,,manchmal“ auch bei mir ,,gewisse“ Verständnis – schwierigkeiten, sollte ich vielleicht einmal einen Hörtest ,,riskieren“? Bei der sympathischen und vertrauenswürdigen Inhaberin des Hörwerkes würde ich auf jeden Fall einen Hörtest durchführen, um wirklich Gewissheit zu erlangen. Dieser wird mir wie immer ,,kostenlos“ vom Hörwerk angeboten. Kopfhörer aufsetzen und Drücker betätigen sollte es wert sein, um Gewissheit zu haben, ob alles ok ist mit dem eigenen Hörvermögen!

Es bleibt bei mir immer noch der Gedanke weiterhin bestehen: Warum haben viele Menschen Angst einen Hörtest durchzuführen bzw. rechtzeitig zum HNO-Arzt zu gehen, wenn sie bei sich selbst Hörminderungen oder Verständnisschwierigkeiten bemerken? Sind es die Ergebnisse, die einen ,,schockieren“ könnten oder die Handlung, zukünftig ein Hörgerät tragen zu müssen?

Frau Gozdzik erklärt hierzu, dass es eine psychologische Ursache haben könnte. Das man sich schämt, wenn man schlecht hört. ,,Man kann Hörminderungen  jahrelang überspielen und dazu improvisieren.“ Meine dennoch offene Frage wurde später beim ,,Stöbern“ in einem speziellen Forum im Internet beantwortet, wo über Scham und Angst vor Hörgeräten ausführlich und offen diskutiert wird.

Wer sich nun nach meiner ausführlichen Schilderung einen Hörtest zutraut, der ist gerne willkommen beim Hörwerk im Willmanndamm 16, 10827 Berlin zu den Öffnungszeiten:

Montag bis Donnerstag von    9 Uhr  bis 17 Uhr und freitags  bis  14.30 Uhr.

Traut ihr euch?

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität zu Berlin

 

 

Kunst & Gentrifizierung *Arbeitstitel*

Die Zeit, sie eilt und mit ihr verändert sich die Potsdamer Straße zusehends. Heute sind die StudentInnen des HU-Career Center 2017 für eine erste Begegnung im Gebiet. Sie werden hier recherchieren, Interviews führen und in Artikeln auch uns allen neue Aspekte unseres Kiez auf ihre Art und Weise bekannt machen.

Da ist es auch Zeit eine Nachlese zu betreiben. Drei StudentInnen des letzten Kurses im Frühjahr 2016 machten es sich zur Aufgabe, die Entwicklungen an der Potsdamer Straße zu beobachten und auch die Folgen zu bedenken. Das ist eine Mammutaufgabe und im Rahmen eines Semesterferienkurses nicht zu bewältigen. Doch Ihre Versuche sind Wert zu schätzen.

Hier Artikel Nummer 1
Hier Artikel Nummer 2

Es folgt der ambitionierte #Entwurf# einer Gastbloggerin vom Januar 2016. 

Sie kennen das alle bestimmt. Die Schwierigkeit einen guten Text zu verfassen. Tagelang schwammen mögliche Einleitungen durch meinen Kopf, bildeten sich aus Wissensmolekülen durch elektrische Impulse zwischen den Synapsen in Klümpchen, fügten und nährten sich von der klaren Brühe meiner grauen Zellen.

Das Thema: Kunst als Ursache für die Gentrifizierung mit großem Fragezeichen. Wichtig sind vor allem die Ansichten der Galeristen. Denn Sie stellen die Kunst anderer KünstlerInnen aus, sind oder waren womöglich auch selbst KünstlerInnen; folglich befinden Sie sich sozusagen am Puls der Kunst. Auch erleben sie die Veränderung innerhalb ihrer Umgebung wandnah. Doch es ist schwieriger als gedacht das Thema hier in all seinen Facetten darzustellen, genügend Galeristen/Künstler an der Potse zu befragen, dafür fehlt mir einfach die Zeit. Und andere haben ähnliches schon viel besser hinbekommen.

Dennoch ein Versuch:
Berlin ist nicht lediglich die Hauptstadt, sondern auch Kunst- und Kulturzentrum Deutschlands. 2013 gab es laut einer Studie des IFSE in Kooperation mit dem BVDG (ausschreiben) in Deutschland etwa 700 Galerien. Davon konzentrierten sich etwa 33% in Berlin. Zum Vergleich: in der Region NRW befanden sich ‘lediglich’ 23% aller deutschen Galerien.
Mittlerweile haben sich rund 400 Galerien in Berlin niedergelassen. Nicht zuletzt zeigen ca. 150 nichtkommerzielle Showrooms und Off-Spaces ständig neue Ausstellungen.

> Gentrifizierung in Berlin; Def.=>Anknüpfung an Ansicht:

Leerstand und niedrige Mietpreise in einem Viertel ziehen Künstler und Kreative an. Mit der Zeit etabliert sich eine Kunstszene, welche die mediale und damit die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit auf sich zieht. Die Kunst macht das Viertel trendy, zieht wohlhabendere Menschen und damit auch Investoren an. Sie werten das Viertel auf. Kunst, so soll man meinen, ist eine der Hauptursachen für die Gentrifizierung. [Links zu anderen Artikeln einfügen]

[Bild]

Eine weit verbreitete Ansicht, die mir und bestimmt auch Ihnen schon oft untergekommen ist. Doch ist das Thema weitaus komplexer.

=> „es ist interessant zu lesen, dass….“ Verweis auf Quellen/Artikel Süddeutsche & Gentrificationblog

Gentrifizierer – die Rolle des Künstlers?

>Wieso?:…

Viele Künstler sind sich ihrer Rolle bewusst und versuchen dem entgegen zu wirken. Beispielsweise der italienische Künstler Blu. Als er erfuhr, dass das Cuvry Brachland in Kreuzberg durch einen Investor erworben wurde und bebaut werden sollte, übermalte er seine berühmten Cuvry-Graffitti. Er wollte verhindern, dass durch seine Kunst die Mietpreise steigen würden.

[Bild des Curvy Areals Vorher/Nachher]

>Gentrification-Lubricants; Bild

Und was sagen andere?

Interessieren tuen mich v.a. die Ansichten der Galeristen/Künstler im Kiez der Potsdamer Straße. Denn unter anderem hier konzentriert sich die Galerien-/Kunstszene(Nachweis/Zitat) Berlins. Hier in der Umgebung der Potsdamer Straße wird seit neuestem wieder gebaut/saniert(Nachweis/Beispiele[Umgebung Gleisdreieck-Park] mit Links).

Ich frage bei einigen Galerien nach. Doch es ist schwierig. Sie alle haben viel zu tun; höchstwahrscheinlich liegt es an Artweek. Ich hatte es überhaupt nicht auf dem Schirm. Zum Glück bekomme ich aber doch noch ein Interview. Es läuft gut, aber nicht ganz so wie ich erhofft hatte.

An einem lauschigen Herbstnachmittag treffe ich Herrn Kuhn beim Büchersortieren. Die weißen Wände lachen in der Sonne. Wir setzten uns nach draußen. Die Galerie Kuhn&Partner ließ sich 2009 in der Pohlstraße, nur gefühlte 20 Meter vom lebhaften Treiben der Potse, nieder. Zur Zeit hat die Galerie geschlossen, doch schon Mitte Oktober beginnt die nächste Ausstellung. [Anmerkung März 2017: Die Galerie Kuhn ist inzwischen nicht mehr in der Pohlstraße vertreten]

…. Interview-Transcript einfügen…

Und was die Cuvry-Werke angeht:  [Zitat]

> Wieso?

Gegen Ende des Interviews bitte ich um ein Schlussstatement zur Gentrifizierung und merke erst dann, dass nicht Kunst und Gentrifizierung sondern Kunst und Gender Equality verstanden wurde. Die befremdlichen aber freundlichen Blicke, das geduldige Schulterklopfen während ich müde und verwirrt auf meine Notizen starrte – Schuppen fallen mir von den Augen. Wie erklären Journalisten ihren Interviewees, dass es ein Missverständnis gab? Wie macht man das möglichst höflich und ohne dämlich auszusehen? – Mir ist es so peinlich, ich belasse es dabei.

……>Schlussschlenker

Doch die meisten sind sich einig: Gentrifizierung, vor allem die erhöhten Kosten die sie mit sich bringt, ist nicht im Interesse der Künstler.  [Zitat“Künstler – die meisten von Ihnen – sind arm…”. Nachweise]. Auch die Künstler werden in diesem Prozess verdrängt.

[Hinweis auf weitere Lektüre?]

Sprech-Café im Nachbarschaftstreff Tiergarten Süd

Von HU-Gastbloggerin Lisa

Sprech-Café im Nachbarschaftstreff Tiergarten Süd

Jeden Donnerstag von 16 bis 19 Uhr findet in der Stadtbibliothek der Lützowstr. 27 ein Nachbarschaftstreff mit Flüchtlingen statt. Ich habe an dem Treffen teilgenommen, um mir das Ganze genauer anzusehen.

Kurz vor 16 Uhr. Das Café, dass ich betrete ist brechend voll, alle Tische sind bereits besetzt und eifrig werden neue Tische und Stühle bereit gestellt. Ich werde persönlich von den Veranstaltern und Helfern begrüßt und freundlich aufgenommen. Für eine lockere Atmosphäre stehen Wasserflaschen, Gläser und Knabbereien zu Verfügung. Ich setze mich an einen der neuen, noch leeren Tische und in weniger als zwei Minuten sitzen drei Flüchtlinge bei mir und wir beginnen schnell ein Gespräch.

Mehran, einer der drei erzählt mir von seinen Zukunftsplänen. “Ich möchte Mechaniker werden und eine Familie gründen“. Derzeit sucht er, wie viele andere im Café, eine Wohnung und besucht einen Sprachkurs. Er stellt mir viele Fragen aus dem Alltag und wir führen gemeinsam sein Vokabelheft weiter. Während er mir Fragen rund ums Auto stellt, entstehen hier und da ein paar Missverständnisse, die aber keine Hürde aufstellen. Wir malen schnell ein Auto und bezeichnen die wichtigsten Teile.

Unter den Helfern befinden sich Anwohner und auch ein Deutschlehrer der gegenüberliegenden Grundschule Allegro. Sie sind nicht nur eine Hilfe bei Sprachübungen, sondern auch bei der Wohnungssuche, bei Ämtern und Ausbildungsplätzen. Auch außerhalb des Cafés finden Treffen zum gemeinsamen Kochen oder für Ausflüge statt.

Ich erfahre, dass immer mehr Flüchtlinge zu dem Treffen kommen und extra lange Wege auf sich nehmen, einige kommen sogar aus Brandenburg. Ich merke, dass alle viel Spaß an dem Treffen haben und sehr wissbegierig sind.

Ich ging zu dem Treffen mit den Erwartungen einer schulischen und ruhigen Atmosphäre, doch das Café ist erfüllt mit Gelächter und aufgeregten Gesprächen. Während die meisten in ihre Gespräche vertieft sind, spielen andere im Nebenraum Scharade.

Erfolge des Sprech-Cafés

Als sich das Treffen langsam dem Ende neigt, bekomme ich die Gelegenheit mich mit Claudia Kaloff zu unterhalten. Sie ist eine der Gründerinnen des Projektes und interessiert sich sehr für Menschen und ihre Schicksale. Bevor das Projekt ins Leben gerufen wurde, war die Kommunikationssituation in den verschiedenen Flüchtlingsheimen schwierig. Die Leute unterhielten sich in ihrer eigenen Sprache und knüpften wenig Kontakte. Das erste Treffen am 3. November letzten Jahres fand mit ungefähr 8 Flüchtlingen statt fand.

Wir kauften extra Gesellschaftsspiele um die Situation aufzulockern, doch die wurden nie benötigt„, sagt Claudia Kaloff. Das Projekt wird immer beliebter, aber „es fehlen junge Helfer wie Studenten oder Oberstufenschüler, da die meisten Flüchtlinge zwischen 20 und 30 Jahre alt sind„.  Neue Helfer und Flüchtlinge sind also jederzeit willkommen.

Ich frage Frau Kaloff was ihr am Projekt am besten gefällt und sie weiß sofort eine Antwort: „Es ist toll wenn etwas klappt, Erfolge bei der Wohnungssuche ebenso wie bestandene Prüfungen.“ Gerade hat sie erfahren, dass wieder etwas geklappt hat. Ein Arzt, der viele Jahre in seiner Heimat in einer Kinderklinik gearbeitet hat, bekam endlich eine Hospitanz in einem Krankenhaus.

Ein Besuch des Sprech-Cafés lohnt sich um neue Kontakte zu knüpfen, um zu helfen oder um einfach mal einen Kaffee oder Tee bei einem netten Gespräch zu trinken.

(Kontakt: akf-ts@posteo.de)

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität.

„Bin ich schön?“ – fragt die schlitzblättrige Buche im Kleistpark

Von HU-Gastbloggerin Kaya

Naturdenkmale nahe der Potsdamer Straße. „Ahh, Bäume!“ denke ich beglückt, genau mein Thema. Seit einem forstwirtschaftlichen Unikurs und dem Buch von Peter Wohlleben „Das geheime Leben der Bäume“ sind mir meine Waldspaziergänge noch lieber geworden. Bevor ich mir ‚meinen‘ Baum aussuche, sammele ich ein paar Fakten.

Auf der Liste der Berliner Naturdenkmale sind 605 Denkmale verzeichnet. Diese sei aber nicht aktuell, erfahre ich vom Bezirksamt; einige Bäume stehen nicht mehr. Neuausweisungen – so der Fachjargon – gab es wohl 2001 das letzte Mal. Aus der Liste wähle ich ‚meinen‘ Baum.

Die stattliche denkmalgeschützte Stieleiche im Kleistpark ist auch vor grauem Märzhimmel eindrucksvoll.

Ein paar Tage später sitze ich unter der Stieleiche im Kleistpark und benötige an diesem Märzmorgen doch etwas Phantasie, um in die richtige Stimmung für ein Baum-Portrait zu kommen: Das Straßenrauschen wird zum Wind in den Blättern, die Sonne funkelt durch das Blätterdach, Vögel singen in den Ästen und ein Eichhörnchen springt behende… ok genug!

Ich brauche keine Sommerromantik, um mich in diesen Baum zu verlieben. Da es Mitte März ist, ist das einzig Farbenfrohe das grell gelb leuchtende „Naturdenkmal“-Schild. Seine Äste sind kahl, sowie es sich für eine anständige Eiche zu dieser Jahreszeit gehört. Zu seinen Füßen steht ein grauer Stromkasten. Trotzdem! Der Baum wirkt groß und mächtig mit weit ausladenden Ästen, so wie man sich ein stattliches Naturdenkmal vorstellt. Tut ‚man‘ das? Wieso eigentlich?

Wer oder was ist ein Naturdenkmal?
Naturdenkmale können Bäume, Findlinge, Pfuhle oder Flächen wie Wiesen oder Teiche von bis zu 5ha sein. Als Baumfan steht mein Fokus fest. Als mögliche Gründe für eine Unterschutzstellung für Bäume nennt die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (ab jetzt SenUVK) „Seltenheit, Eigenart, außergewöhnliche Schönheit und Mächtigkeit, kulturgeschichtliche oder landschaftstypische Kennzeichnung„. Das klingt schon mal recht erhaben, aber ab wann ist so ein Baum denn ‚außergewöhnlich schön‘? Zusätzlich zu mindestens einem dieser Qualitätskriterien muss der Baum noch mindestens einem der Wuchskriterien entsprechen. Diese sind festgelegte Werte für verschiedene Arten bezüglich der Höhe, des Stammunfangs und des Kronendurchmessers.

Die schlitzblättrige Rot-Buche stammt noch aus der Zeit als der Kleistpark der botanische Garten war. Der BUND-Berlin hat mir freundlicherweise mit einem sommerlichen Foto ausgeholfen.

Moment Mal! Wie kann ein Baum den besonders eigen sein und zugleich einen artentypischen Wuchs haben?
Genau hier widersprechen sich die Kriterien, denn auch ein mickriger Baum kann historisch bedeutsam sein„, erklärt mir Christian Hönig, der Referent für Baumschutz bei BUND Landesverband Berlin. Unter anderem deswegen sind die SenUVK und der BUND für Umwelt und Naturschutz eine Kooperation eingegangen. Neben der Überprüfung des Bestandes hat Hönig Vorschläge für neue Kriterien erarbeitet, bei denen Wuchskriterien nur noch in Verbindung mit ‚Schönheit‘ gelten sollen.

Das Besondere im Vergleich zu anderen Schutzkategorien liegt bei Naturdenkmalen darin, dass sie den Bezug der Menschen zur Natur zeigen„, so Hönig. Hierbei wird nicht nach dem Biodiversitäts- oder Artenschutz geschaut, sondern nach ästhethischer oder historischer Bedeutung für den Menschen. So könnte die Eiche im Kleistpark zum Beispiel ein Relikt aus dem Botanischen Garten sein, der sich fast 200 Jahre dort befand, bevor er Anfang des 20. Jahrhunderts nach Dahlem verlegt wurde.

Sicher aus der Zeit des botanischen Gartens stammt die seltene schlitzblättrige Rot-Buche, die unserer Eiche gegenüber steht. Mit ihrem 10 Metern Höhe und Breite hat sie den Wuchs-Test für Naturdenkmale nicht bestanden. Falls Hönigs Vorschläge angenommen werden, könnte die relativ kleine Buche den Sprung in den Denkmalschutz aber noch schaffen. Selten und historisch bedeutsam ist sie alle Mal.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität.

Portrait Kaya

von HU-Gasbloggerin Jule

Wir stellen uns vor. Kaya – „ Der Name kommt aus der Türkei und ist dort ein Männervorname“. So starteten also Kaya, welche keine türkischen Wurzeln in sich trägt und auch voll und ganz dem Bild einer Frau gleicht, und ich unser gemeinsames Interview. „Wollen wir zum Wasser? Es ist so schön draußen.“
Überrascht stelle ich auf der sonnigen Bank sitzend fest, sie kommt aus Berlin. Ja eine wahre Berlinerin, wie es im Volksmund so gerne gesagt wird. Ein Studium außerhalb der Hauptstadt wäre für sie keine Option gewesen – „mein Liebster und meine Familie sind hier“. Diese ließ sie nur für eine begrenzte Zeit nach dem Abitur zurück.
„Ein halbes Jahr war ich in Westafrika“. Hier hat sie ihre Liebe zu exotischem Essen entdeckt. Während dem Bachelor war sie nochmals für zwei Monate im Ausland (Ecuador). Dieses mal für ein Praktikum. Eine längere Urlaubsreise brachte sie zwischendurch nach Südostasien.
Mittlerweile befindet sich die in Schöneberg lebende Kaya am Ende ihres Masterstudiums. „Integrated Natural Ressource Management studiere ich. Du kannst auch einfach INRM schreiben.“ Um ihren Pflichten nachzugehen nimmt sie für die Vorlesungen einen 40 minütigen Weg mit der S-Bahn auf sich. „Die meisten Kurse sind leider nicht so spannend“, lacht sie. Nun fehlt ihr nur noch ein Punkt, um mit Ihrer Masterarbeit loslegen zu können. Diesen sammelt Sie bei dem Career Center Kurs „Online-Journalismus – Recherchieren und Bloggen“. Ob sie sich über diesen letzten einzuholenden Punkt ärgert? „Nein. Ich finde die Kurse des Career Centers spannend und möchte davon noch mehr besuchen.“
Sobald Kaya das Studium abgeschlossen hat möchte sie mit ihrem Freund auf Weltreise gehen und danach auf’s Land ziehen und ihr eigenes Gemüse anbauen.

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Kurses Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen des Career Centers an der Humboldt Universität.

Eine Masterarbeit über Wissen, ein Telefonat mit Liberia und die Potsdamer Straße

Von HU-Gastbloggerin Jette

Haben Sie schon einmal ein Skype-Interview mit jemandem in Westafrika geführt? Nein. Ich bisher auch nicht und deshalb war es eine umso spannendere Erfahrung.

Meine Interviewpartnerin
Ylva Kürten lebt zurzeit in Liberia. Dort arbeitet sie als freie Mitarbeiterin für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) an einem Energising Development Projekt, das die Versorgung von sozialschwachen Ländern mit umweltfreundlichen Energieformen, wie Solarenergie, zum Ziel hat. In den nächsten anderthalb Jahren  wird sie alle drei Monate zwischen Berlin und Liberia pendeln.

Ylva Kürten machte ihren Bachelor in in Anthropologie, Lateinamerika Studien und Spanisch an der FU und entschied sich danach dafür, den sozialwissenschaftlichen Aspekt dieses Studiums aufzugreifen und im Master Soziokulturelle Studien an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) zu studieren.

Doch was verbindet Ylva mit der Potsdamer Straße?
Vor Liberia verbrachte Ylva Kürten über mehrere Monate viel Zeit an der Potsdamer Straße. Das Gebiet war der Forschungsschwerpunkt für Ihre Masterarbeit. Zu Beginn ihrer Recherchen war die Potsdamer Straße für sie eine auf den ersten Blick „ziemlich hässliche Durchfahrtsstraße“, doch mit der Zeit lernte sie die Vielfalt des Gebietes zu lieben. Unter dem Titel „Wissen macht Stadt“: Wie urbane Wissenspraktiken Stadt produzieren. Eine empirische Untersuchung am Beispiel des Beteiligungsprozesses „Leitbildentwicklung Potsdamer Straße“ in Berlin (Ylva Kürtens Masterarbeit  Download als pdfsetzte sie sich mit den Wissensständen von Verwaltung und Anwohnern in der Potsdamer Straße auseinander. Dazu befragte sie Experten z.B. Mitarbeiter des Quartiersmanagements Magdeburger Platz – Tiergarten Süd und Bürger bei den Beteiligungsworkshops und den Quartierratssitzungen zur Leitbildentwicklung.

Problematisches Verhältnis zwischen Politik und Anwohnern
Nach vielen Stunden vor Ort konnte Ylva konstatieren, dass „Quartiersmanagement und Anwohner das Gebiet ganz unterschiedlich wissen“ und dass ein Großteil der Menschen, die eigentlich in die Leitbildentwicklung mit einbezogen werden müssten, durch Geld- oder Zeitmangel der Verwaltung nicht von den Kampagnen angesprochen wurden. So fanden die Bürgertreffen alle in einer evangelischen Gemeinde statt. Dies war für das Quartiersmanagement günstig, allerdings wurde auf diese Weise der überwiegende Teil der Anwohner der Potsdamer Straße mit muslimischem Glauben indirekt ausgegrenzt.

Die Potsdamer Straße in den nächsten zehn Jahren
Ylva vermutet , dass das Gebiet in Zukunft sauberer, weniger kriminell und dadurch teurer und schicker werden wird. Als treibende Kraft sieht sie dafür aber nicht die Leitbildentwicklung des Quartiersmanagements (Broschüre als pdf), sondern die Gentrifizierung in Berlin im Allgemeinen. Dies wird zur Folge haben, dass viele Menschen aufgrund steigender Mieten wegziehen müssen. Ylva geht davon aus, dass sich die Probleme also nur oberflächlich und in Zahlen beseitigen lassen bzw. in andere Stadtteile verlagern werden.

Nach der Abgabe ihrer Masterarbeit ist die Potsdamer Straße in vielerlei Hinsicht wieder aus Ylvas Leben verschwunden, dennoch hat sie einige „Geheimtipps wie die Joseph-Roth-Diele“ in ihren Alltag integriert.
Außerdem kann sie im Rückblick sagen, dass sie ihre Themenwahl nie bereut hat und froh ist, kein „Mainstreammodethema wie Urban-Gardening oder Flüchtlinge“ gewählt zu haben.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität

Designerladen neben Dönerbude – jeht nich‘ jibt´s nich‘?

Die Zeit, sie eilt und mit ihr verändert sich die Potsdamer Straße zusehends. Heute beginnt ein neuer Kurs am HU-Career Center und wieder werden StudentInnen ins Gebiet der Potsdamer Straße kommen, hier recherchieren, Interviews führen und in Artikeln auch uns allen neue Aspekte unseres Kiez auf ihre Art und Weise bekannt machen.

Da ist es auch Zeit eine Nachlese zu betreiben. Drei StudentInnen des letzten Kurses im Frühjar 2016 machten es sich zur Aufgabe, die Entwicklungen an der Potsdamer Straße zu beobachten und auch die Folgen zu bedenken. Das ist eine Mammutaufgabe und im Rahmen eines Semesterferienkurses nicht zu bewältigen. Doch Ihre Versuche sind Wert zu schätzen.

Hier Artikel Nummer 1

von HU-Gastbloggerin Luisa

Manche nennen sie liebevoll die „Potse“, andere sind ihr gegenüber eher misstrauisch – die Potsdamer Straße in Berlin ist wohl eine der vielfältigsten Straßen der Hauptstadt. Doch die Straße verändert sich – immer mehr High End Läden finden hier ihren Platz. Einige Stimmen zu der Frage: „Pro Vielfalt oder Angst vor Verdrängung?“

Trist & chaotisch – das sind die wohl ersten Gedanken, die mir durch den Kopf geschossen sind, als ich am U Bahnhof Bülowstraße ausgestieg. Das soll die berühmt berüchtigte Potsdamer Straße sein? Als frisch Zugezogene schaue ich mir eher misstrauisch die von dem Leben gezeichneten Menschen und die heruntergekommenen Häuser an. So ganz habe ich nicht verstanden, um was genau es jetzt geht, wenn die Berliner von der Schönheit und Vielfalt der „Potse“ sprechen. In mir löste das Ganze eher einen Fluchtreflex aus.

Doch ich wurde eines Besseren belehrt. Denn traut man sich erst einmal in die Seitenstraßen und Hinterhöfe, erkennt man Stück für Stück, was es mit der Faszination „Potse“ auf sich hat. In einem Moment kauft man sich Avocados vom netten türkischen Gemüsehändler und im anderen Moment befindet man sich in einem High-Fashion Laden mit New York Potential. Überraschter und verwirrter hätte ich nicht sein können.

Früher lebten hier die Hausbesetzer, potse2unter ihnen  Klaus-Jürgen Rattay, welcher damals ums Leben gekommen ist. Um ihm zu Gedenken, wurde in der Potsdamer Straße Ecke Bülowstraße eine kleine Gedenkstätte errichtet.  Tagein tagaus wurde hier diskutiert  und demonstriert. Mittlerweile sind die meisten von ihnen weiter gezogen. Sie machten Designerläden wie den Acne Studios und Kunstgalerien Platz. Und genau das ist eine Tatsache, die man an der Potse sehr gut beobachten kann. Immer mehr solcher High End Geschäfte finden hier ihren Platz.

Doch was halten eigentlich die Berliner von diesem Wandel? Freuen sie sich über die neue Vielfalt oder vermissen sie den alten Charakter der Potsdamer Straße? Um auf diese Frage eine Antwort zu finden, habe ich mit mehreren Studenten gesprochen.
potse1Zuerst sprach ich mit Julian. Julian ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Ihm gefällt die Veränderung an der Potsdamer Straße: „Berlin ist eine Stadt, die sich ständig verändert und trotzdem irgendwie immer gleich bleibt. Die Veränderung der Potse gehört für mich da irgendwie mit dazu – warum sollte man die Veränderung hier stoppen?      So kommt doch erst die Vielfalt zustande. Ich freue mich, wenn ich sehe, dass direkt gegenüber dem 10 Jahre alten Döner Pascha Grill eine Kunstgalerie wie die Zwitschermaschine aufmacht. Für mich bedeutet das, dass die Toleranz in meiner Stadt wächst. Und das ist ja potse 3eigentlich genau das, worauf Berlin immer so stolz ist – also Toleranz und Vielfalt. Natürlich hat  das Ganze nicht nur Vorteile, das ist mir auch klar – aber für mich gehören diese Veränderungen nunmal dazu. Welcher Kiez hat sich nicht schon mal verändert?“.

Doch es gibt auch Meinungen die den Wandel nicht befürworten… Anna ist Studentin und ebenfalls in Berlin groß geworden. Für sie hat das alles einen negativen Beigeschmack. „Ich will einfach nicht, dass ich irgendwann zu meinem Lieblingsrestaurant Sofram gehe und feststellen muss, dass er zu machen musste, weil die Mieten so gestiegen sind. Und dass dort dann anstelle des Restaurantes irgendein Schicki-Micki Laden ist. Das finde ich einfach nicht fair – Toleranz hin oder her. Die Geschäfte die in die Potse kommen, nur weil das grade ein angesagter Kiez ist nerven mich. Sie könnten sich auch einen teureren Standort leisten, aber kommen lieber hier her und sorgen dafür, dass Geschäfte, die schon seit meiner Kindheit hier sind zumachen müssen.“

Nach diesen Gesprächen ist mir klar geworden, dass ich den Wandel in der Potsdamer Straße eigentlich gut finde, aber jedoch nur bis zu einem gewissen Maße. Einer der Gründe, warum ich nach Berlin gezogen bin, war definitiv der ständige Wandel und auch die Vielfalt der Stadt. Allerdings finde ich es nicht in Ordnung, wenn kleine Läden aufgrund der Miete nicht mehr bestehen können. Denn diese kleinen, teilweise traditionellen Läden, sind unter anderem das, was Berlin so charmant macht. Und ohne sie hätte man an der Potsdamer Straße nicht diesen einmaligen Kontrast zwischen Designerladen und Dönerbude.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität