Kategorie-Archiv: Starke Frauen

go public! Wo Karrieren entstehen

Von Gastblogger Volker Thomas

In diesen Räumen werden Karrieren gemacht. Donata Meyer und ihre Firmenpartnerin May-Brit Stabel von GoPublic! PR & Medienberatung/Berlin, sowie einige feste Mitarbeiter verhandeln Tourneen, vereinbaren Auftritte, stellen Künstler-Programme zusammen, gehen mit TV-Gewaltigen in Klausur und versorgen die Presse mit brandneuen Nachrichten über ihre Künstlerinnen und Künstler. Kurt Krömer wurde ua. zwischenzeitlich dort promotet, Eckart von Hirschhausen, der langmähnige Bülent Ceylan und seit ein paar Jahren ua. Murat Topal, ein Neuköllner Polizist, der sein Talent als Comedian entdeckt hat, sowie der Dresdner Kultcomedian Olaf Schubert. Weiterlesen

Auf der Bühne

Interview mit Ilona Maennchen, von freiberuflichen zur sozialen Perspektiven.

Von HU-Gastbloggerin Elsa

Als vielfältige Künstlerin in ihrem Beruf verkörpert Ilona Maennchen heutzutage ein ausgezeichnetes Beispiel von einer kreativen Berufstätigen in Berlin: freiberuflich, anpassungsfähig, teamfähig, von lokalen Berliner Projekten zu internationalen Bühnenmalereiprojekten, von Kunstwerken zu sozialen Medien. Sie definiert ihren Beruf unter Freelance Kommunikation Designerin. Ihr Unternehmen nennt Sie Art&Scenography-Designund beschreibt ihre Beschäftigung als „unique creator Design“.

Neulich hat Ilona Maennchen an der Aktion „mein Kiez“ der KinderKUNSTmagistrale teilgenommen, die von Gabriele Hulitschke konzipiert und geleitet wurde. Mit der Klasse S6 der Allegro Grundschulein der Lützowstraße gestaltete sie einen Workshop zum Thema: Variete Wintergarten gestaltet. Sie strebt an, in ihrem Berufsfeld eine Transparenz zu finden, zwischen Kunst und wirtschaftlichem Austausch. Dementsprechend interessiert sie sich auch für Crowdfunding, wo sie auch bestens vernetzt ist:

I am working in the field between culture and art´s. Cooperation between art and economic aim. If we can try to change something than we have to be open to each other.” Weiterlesen

Portrait Janna

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Winterkurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität“

Portraitiert von Hannes.

Foto

Janna wird 30, war ganz viel im Ausland und hat einen Sohn. Der wird vier. Freie Journalistin ist sie auch noch und ja, sie kriegt das alles unter einen Hut. Alles geplant? „Ja!“, sagt sie und lacht. „Ich habe auch noch einen Partner dazu“, aber der schreibt gerade seine Diplomarbeit, arbeitet quasi Vollzeit, bringt aber kein Geld nach Hause. Das ist also vorerst ihre Aufgabe.

Geschrieben hat sie immer schon gern, und als sie nach dem Abschluss mit ihrem Freund erst nach Tansania gegangen ist (und seitdem weiß, dass „keepi-lefti“ auf Kisuaheli „Kreisverkehr“ heißt) und dann mit ihm nach Köln zog, hat sie sich eben selbstständig gemacht. „Ich weiß nicht, ob ich naiv war, aber ich habe mir dabei nicht so viel gedacht. Wir hatten eine kleine Wohnung und es kamen viele Aufträge. Dadurch, dass es dann immer aufwärts ging, habe ich mir da keine Sorgen gemacht.“ So macht man das also. Seitdem schreibt sie für Unicum, den DAAD und das Goethe-Institut. Visionen braucht sie dafür nicht. „Ich mache halt das, was mir wichtig ist.“ Das sind vor allem Sprachen und Interkulturalität. Und wissenschaftliche Themen so aufzuarbeiten, dass jeder sie versteht.

Klare Ansagen sind ihr wichtig. „Was ich wirklich nicht mag, ist, wenn man irgendwas ansagt und es dann immer wieder zurückzieht.“ Sie ist eben eine, die was tut. Deshalb spricht sie nicht nur Englisch, Französisch und Spanisch, sondern auch ein bisschen Arabisch. Und hat schon in Syrien Deutsch unterrichtet, wo es ihr von allen Auslandsaufenthalten am besten gefallen hat. „Obwohl die arabisch-islamische Kultur ja ein sehr zwiespältiges Image hat, hat es mich am meisten angesprochen, weil ich die Menschen als sehr respektvoll und angenehm erlebt habe.“ Und weil sie eine Macherin ist, schreibt sie jetzt auch noch an einem Buch über Mehrsprachigkeit. Es gibt eben noch viel zu tun. Man könnte es ihr vielleicht übel nehmen, dass bei ihr alles so gut klappt. Wenn sie nur nicht so verdammt sympathisch wäre.

Bettina W. Ein Portrait.

Dass fremden Sprachen und Kulturen für gewöhnlich ein ganz besonderer Reiz innewohnt, ist nur schwer abzustreiten. Selten jedoch reicht jene Anziehungskraft des „Anderen“ – das vielen bekannte Fernweh – über eine Back­packerReise oder den normalen Sommerurlaub hinaus.

Bei der aus Osnabrück stammende Bettina W. ist das anders. Der Faszination für die Kulturen unserer Welt entwuchs eine Leidenschaft, für welche ihre Heimatstadt sehr schnell zu klein wurde. Gleich nach dem Abitur lebte die junge Frau ein Jahr als Au-pair in Spanien und studierte im Anschluss Spanisch, Französisch und Germanistische Linguistik in Braunschweig und Berlin.

Hier gibt Bettina unter dem Namen cosmopolilingua mit selbstentwickelten Methoden und Materialien individualisierten Einzelunterricht in Deutsch als Fremdsprache. Dabei vermittelt sie nicht nur Sprache, sondern auch „Kultur und Mentalität, Sozialverhalten und kulturelle Kompetenzen“. Seit einiger Zeit erstellt sie als selbstständige Produzentin nun auch Online-Lernvideos für die Plattform Sofatutor. Menschen mithilfe ihres Unterrichts die Sprache und somit den „Schlüssel zu Integration in Gesellschaft und Arbeitswelt“ zu geben, bezeichnet die Lehrerin als erfüllende Aufgabe. Wenn sie von ihrer Arbeit spricht, leuchten ihre grünen Augen, ein schüchternes, und doch stolzes Lächeln ziert ihr Gesicht.

Obwohl Bettina nach über 10 Jahren Aufenthalt schon lange als waschechte Berlinerin gilt, zieht es sie immer wieder in die Ferne – nach Frankreich, Portugal, Spanien. Gemäß ihres Naturells checkt sie dabei eher selten in Hotels ein, sondern nutzt Online-Plattformen wie Couchsurfing oder das von ihr präferierte unkommerzielle und gemeinnützige BeWelcome, um bei Landsleuten unterzukommen. Gleichzeitig hat Bettina innerhalb der letzten vier Jahre über 30 Menschen aus aller Welt auf ihrer eigenen Couch schlafen lassen.

Durch die zeitintensive Arbeit und ihren Sohn, der noch zur Schule geht, wurden Bettinas Reisepläne in den letzten Jahren stark eingeschränkt. In Zukunft jedoch möchte die Sprachbegabte wieder neue Teile des Erdballs erschließen – Südamerika reizt sie, in Brasilien könnte sie sich sogar vorstellen zu wohnen. Aber erst einmal muss der Sohnemann die Schule abschließen und Bettina festen Fuß als selbstständige Deutsch als Fremdsprache-Lehrerin gefasst haben. Bis dahin erfreut sie sich an ihrer kleinen Familie, den Lernerfolgen ihrer Schützlinge – und den ruhigen Sonnenstunden auf Balkonien, inmitten ihrer Pflanzen und in dem Wissen, dass die Welt noch einiges zu bieten hat. 

2013_6_4_Balkon I_klBettinas Balkon.

 

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Winterkurses [“Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen”des Career Center der Humboldt Universität]

Portraitiert von Anne T.

Portrait von Angela

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Winterkurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität

Portraitiert von Henrik.

Angela

Eine junge Frau kommt in das Café, bestellt sich lässig einen Kaffee und setzt sich zu mir an den Tisch. Ihr Stil ist schlicht, aber elegant: Strickjacke, Leggins, Hemd. Alles farblich aufeinander abgestimmt in weichen Erdtönen. Hinter dezentem make-up schauen mir zwei lebensfrohe grünen Augen entgegen.

Sie gehören zu Angela.

Mit einem charmanten Lächeln beginnt die 21-Jährige von sich zu erzählen: Sie berichtet über ihr Elternhaus in Erlangen, und wie es sie in die Bundeshauptstadt verschlagen hat. Literatur habe sie schon immer interessiert, sagt sie und nippt dabei an ihrem Heißgetränk.„Ich bin ein regelrechter Kaffee-Junkie“ feixt sie dabei.

Bücher haben mich schon immer fasziniert sagt sie, daher auch Ihre Studienwahl von deutscher Literatur und Geschichte. Eines ihrer Lieblingswerke: Anna Karenina von Leo Tolstoi. Sie erwägt nach ihrem Bachelor an der HU einen Masterstudiengang in Geschichte zu machen. Vorzugsweise in Berlin natürlich.

Wie schon viele vor ihr, ist sie dem “Berliner Charme“ erlegen. Besonders fasziniert sie dabei die große Diversität der Metropole. Das Zusammenspiel von Kultur und Sozialwesen aus fast jedem Land der Erde ist dabei so interessant. Die allseits beliebte Debatte über Zugezogene aus dem Westen findet sie kindisch und kleingeistig. Aktionen wie die Verunstaltung von Statuen mit Nahrungsmitteln ebenso.  Ihr Motto: Toleranz. Sowohl im Umgang mit anderen als auch auch mit sich selbst. Allerdings, gesteht sie, sei sie kein WG-Mensch. Sie habe es probiert. Es hat nicht geklappt. Fertig. Jetzt wohnt die passionierte Hobbyköchin in einer charmanten 1 Zimmer Wohnung im Stadtteil Wedding. Sie schreibt hier an ihrer Bachelorarbeit zum Thema „Unterhaltungsliteratur im Nationalsozialismus“ oder hört Musik der britischen Indie-Rock Legende Morrissey.

 

Portrait Laura

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Sommerkurses 2013 “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt-Universität.

P1490336-001Laura hat mit ihren 26 Jahren schon viel erlebt. Die gebürtige Thüringerin verschlug es schon im zarten Alter von drei Jahren von Weimar nach Mannheim. Zwar zunächst nur für fünf Jahre, dennoch sollte sie nach ihrem Abitur in Weimar wieder dorthin zurückkehren. Warum? Um einen sicheren Beruf zu erlernen! ‚Kauffrau für Versicherungen und Finanzen’ um präzise zu sein. Doch selbst wenn ihr eine gewisse finanzielle Sicherheit im Leben wichtig ist, so kann sie sich dennoch nicht ganz ihrer kreativen Charakterzüge entledigen, welche sie von ihrem Vater – er ist Fotograf – geerbt zu haben scheint. Denn: Nach der Ausbildung übernommen werden und langweilige Telefonanrufe beantworten? Fehlanzeige! Entweder Marketingabteilung oder gar nicht! Aufgrund diverser Stellenstreichungen in ihrem Ausbildungsbetrieb wurde es leider „gar nicht“, und sie kündigte und bewarb sich an Hochschulen im ganzen Land. Obwohl sie keinesfalls damit rechnete und auch nie aus Gründen der Selbstverwirklichung nach Berlin „musste“, flatterte wenig später eine Studien-Zusage aus der Hauptstadt in ihren Briefkasten. Fazit: Seit 2011 studiert Laura BWL an der Humboldt-Universität zu Berlin und kommt ihrem Traumberuf, der Spaß machen und Geld bringen soll, somit ein Stück näher. Heiraten und Kinder bekommen kann sie sich auch vorstellen, hat aber noch Zeit und „muss nicht in Berlin sein“, sagt sie mutig und bereit, neue Wege zu gehen.

Portraitiert von [Paul]

BEGiNE – Treffpunkt und Kultur für Frauen e.V.

Geschrieben von HU-Gastblogger Florian

Seit 1986 sorgt die BEGiNE in ihren Räumlichkeiten für ein dichtes Veranstaltungsprogramm für Frauen. Ob Zerstreuung, Workshop oder Diskussion. Der Verein ist aus Berlins Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken und für viele Frauen unverzichtbar.

Fassade-BEGiNEGeschichte des Hauses
Es begann im Berlin der 80er Jahre, als die Stadt noch eine kapitalistische Enklave war, von der Welt vergessen und noch nicht so wirklich sexy. Zu viel Platz, aber zu wenig Lebensraum und Freiheit. Vor allem für Frauen. 1981, in einer Zeit von Hausbesetzungswellen, besetzten feministische Aktivistinnen einen entmieteten und maroden Altbau in der Potsdamer Straße 139. Sie hatten Glück und konnten sich mit dem Senat schnell auf Verträge einigen und initiierten autonome Wohnprojekte, ein Frauenkulturzentrum, Schutzräume für Frauen und das deutschlandweit erste Hilfsprojekt für Prostituierte, „Hydra“. In der feministischen Szene waren sie Heldinnen, in der Hausbesetzerszene wurden sie wegen ihres Arrangements mit dem Senat als Verräterinnen diffamiert. Heute beherbergt der U-förmige Altbau ein  Wohnprojekt jeweils für Mädchen und Frauen, ein Frauen-Reisebüro und die BEGiNE, bestehend aus Frauen-Kulturzentrum und Frauenkneipe. Alles in allem ist die 139 das Epizentrum der Frauenbewegung im Kiez. Die heldenhaften Verräterinnen von früher sind heute nicht mehr da. Sie zerstreuten sich peu a peu in alle Winde. Doch ihre Ambitionen haben hier Wurzeln geschlagen.

Autonomie und ein bisschen Eierkuchen
Barbara und Kathi empfangen mich in der rustikal eingerichteten Frauenkneipe. Gemütlich, mit Eckkneipen-Charme plus kleiner Bühne. Barbara arbeitet seit 22 Jahren in der Begine, Kathi seit 8 Jahren. Sie wirken wie ein eingespieltes Team. Natürlich gibt es zwischen ihnen und zwischen allen Frauen, die sich in der BEGiNE engagieren, gewisse unterschiedliche theoretische Verortungen. Doch zu Grabenkämpfen kommt es deshalb nicht. „In der gemeinsamen Betätigung werden die unterschiedlichen Verständnisse der Frauen überwunden“, erzählt Barbara. Das miteinander wird demokratisch und antiautoritär gestaltet. Sowohl gemeinsame Entscheidungen als auch Eigenverantwortlichkeit bei Projekten . „Hierarchien sind zwar immer da, aber sie werden verringert. Es ist nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen. Aber es ist anders!“

Kleine Revolutionen für Jederfrau
Kabarett, Lesungen, Diskussionsveranstaltungen, etliche Stammtische, Rechtsberatungen, Künstlerinnenberatungen, Tauschbörsen, Kartenspiele, handwerkliche Kurse, kreative Workshops und Strickkurse. An der großen feministischen Revolution wird hier nicht gehäkelt, doch für viele Frauen einen persönlichen Umsturz. Negative Alltagserfahrungen, Unsicherheiten und Leid können hier abgestreift werden. .„ Die Frauen haben hier ganz neue Möglichkeiten sich auszuprobieren und zu entfalten.“ Barbara hat schon viele Frauen in der geselligen Atmosphäre aufblühen sehen. Ob als Künstlerin, Projekteplanerin oder Konsumentin der Angebote.
Offen für absolut Jederfrau. Das klappt recht gut. In der BEGiNE wird fleißig über Klassengrenzen gehüpft. Die Harzt IV-Empfängerinnen spielen Skat mit den Wohlsituierten. Das hat etwas. Bei den Altersgrenzen wird nicht so viel herumgesprungen. „Junge Frauen sehen die Begine nicht als IHREN Ort. Andere Generationen haben oft andere Bedürfnisse.“, erzählen die Beiden. Der Feminismus entwickelt sich sehr schnell und differenziert sich stark aus.

BEGiNE


Frauen und Bewusstseinsschränkchen

Die Begine hat sich mittlerweile etabliert und ist eine Marke. Auch international. „In der Begine als Künstlerin aufgetreten zu sein ist nicht nichts.“ Anfragen aus England, Neuseeland oder Australien sind keine Seltenheit. Die Begine ist nicht nur ein Rückzugsort sondern Fabrik von Kreativität. Geschlechterrollen sind immer noch wirkmächtig und es macht einen Unterschied ob frau sich ausschließlich unter Frauen bewegt oder nicht. „Das fällt dann erst auf wenn man dabei ist. Da ist diese Energie.“ Barbara rudert dabei begeistert mit den Armen in der Luft, als ob sie in der Energie schwämme.“ „Da macht sich dann für alle Beteiligten ein Bewusstseinsschränkchen auf!“ Die Begine ist einer der wenigen Orte in Berlin, der ausschließlich für Frauen ist. Hartnäckige Nicht-Frauen, namentlich Männer, versuchen dennoch hin und wieder ihr Glück. Es kommt zu Diskussionen, auch das Wort „Diskriminierung“ fällt. Kathi hält das für Schwachsinn: „Die Begine ist keine Kneipe gegen Männer, sondern eine Kneipe für Frauen konzipiert. Frauen haben im Allgemeinen nicht die gleichen Möglichkeiten sich im öffentlichen Räumen zu repräsentieren.“. Bei Workshops die nicht in der Kneipe stattfinden sind auch Männer gern gesehen. Transsexuelle sind auch jederzeit willkommen. Für meine Wenigkeit war es auch kein Problem. Pissoirs gibt es trotzdem nicht. Und braucht es auch keine.

Zukunft der BEGiNE
Die engagierten Begine-Frauen haben durch ihre Arbeit viel erreicht und sind eine wichtige Institution im Kiez geworden. Bei der Verabschiedung deutet Barbara Hoyer aber noch einmal Befürchtungen an. Ein ungutes Bauchgefühl, ein halbleeres Glas, ein „man-weiß-ja-nie“ das im Kopf herum spukt.  Die finanzielle Unterstützung durch den Senat steht immer wieder auf wackligen Beinen. „In der Öffentlichkeit werden feministische Anliegen oft als überholt angesehen. Viele Leute glauben, dass die Forderungen nach Gleichstellung bereits erfüllt seien.“ Die BEGiNE muss auch in Zukunft in der Öffentlichkeit um ihre Existenzberechtigung kämpfen.

 

 

Eine engagierte Apothekerin in einem schillernden Kiez: Ulrike Schinagl und ihre Bülow-Apotheke

Von HU-Gastblogger  Christian

Auf halbem Wege zwischen grünem Hinterhof mit herrschaftlichem Altbau einstiger Besetzer und marodem Plattenbau mit 1-Euro-Shop im Erdgeschoss, zwischen Internationale-Lebensmittel- und Erotik-Shop, Deutscher Bank und Woolworth liegt – direkt an der Potsdamer Straße – die Bülow-Apotheke. Wie mag der Arbeitsalltag einer Apothekerin in einem solch vielfältigen Stadtviertel aussehen?

Eine Apotheke mit Kunststoff-Röhrendecke
Als ich die Bülow-Apotheke betrete, berät deren Inhaberin, Ulrike Schinagl, mit der ich zum Gespräch verabredet bin, gerade eine Kundin über Feuchtigkeitscremes für trockene Haut. Derweil sehe ich mich in der Apotheke um, was Frau Schinagl wohl nicht entgangen ist, denn kaum hat sie sich mir zugewandt, bemerkt sie mit einem kurzen Blick zur Decke: „Zum Glück schaut da kaum ein Kunde hinauf.“ Die Decke ist ein Meer von in den Raum hineinragenden Kunststoff-Röhrchen, ein typisches 70er-Jahre Design, in dem ich mich ziemlich wohlfühle. „Ja, die jungen Leute mögen das. Ich weniger“, kommentiert Frau Schinagl meine Begeisterung. Zugegeben, ich habe die 70er auch nicht erlebt. Jene Decke hat Frau Schinagl zusammen mit der dazugehörigen Bülow-Apotheke im Jahr 2009 gekauft, wohl auch, da zu dieser Apotheke ein treuer Kundenkreis gehört, den die Vorbesitzer seit den 50er-Jahren, damals noch in einem Gebäude zwei Häuser weiter, aufgebaut haben. Weiterlesen

„working motion“ – Arbeit lebenswert machen

Geschrieben von HU-Gastbloggerin  Lucia.

Was ist „working motion?

Die physiotherapeutische Praxis „working motion“ bietet ein patientenorientiertes Konzept, mit dem Hintergedanken, Menschen zu helfen sich selber zu helfen. Die frisch denkende Gründerin  Freda von Hyden-Hendricks beschreibt ihre Philosophie als folgt:
„Work-Life-Balance ist für mich ein Widerspruch. Work und Life muss einheitlich seien. Man soll nicht für die Arbeit leben, doch die Arbeit soll so viel Spaß machen, dass sie Leben ausmacht.“


 Im Jahre 2000 ist der innovativen Dame ihre jetzige Praxis an der Potsdamer Straße ins Auge gefallen, die sich in den kommenden Jahre zu einer wahrhaftigen Institution entwickeln sollte.

Die Loeser-Burg

Das Haus an der Potsdamer Straße 58 Ecke Schöneberger Ufer ist wohl fast jedem in Berlin bekannt. Tanzwütige der jüngeren Generation – vor allem die in Steglitz Ansässigen – sind gewiss schon mal in den Genuss gekommen, im Penthouse-Club „40seconds zu feiern oder kennen jemanden, dessen Freunde einem anderen davon erzählt haben.   Es könnte einem allerdings auch durch das übergroße David Garrett Plakat aufgefallen sein, von welchem er seit geraumer Zeit den Blick über die Neue National Galerie, dem Kulturforum, der Berliner Philharmonie und dem Sony Center schweifen lässt. Weiterlesen

Die Musikerin und der Hausbesetzer – Gehweggedenken und Stolpersteine im Süden der Potsdamer Straße

Artikel von Gastblogger Bernhard, geschrieben im Rahmen des Sommerkurses 2012 “Online-Journalismus – Recherchieren und Bloggen” am Career Center der Humboldt Universität.

Der Gehweg erzählt Geschichten. In der Gegend um den Südteil der Potsdamer Straße die von Maria Leo und Klaus Jürgen Rattay.
Sie war eine Musikerin aus Leidenschaft, er ein Berliner Hausbesetzer. Es trennt beide ein halbes Jahrhundert, doch verbindet sie ein Idealismus, der sie dazu brachte, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen – und der Ort ihres Gedenkens.

Seit Juni 2006 erinnert ein von der Leo Kestenberg Musikschule in Auftrag gegebener Stolperstein in der Pallasstraße 12 an Maria Leo. Hier hatte sie gelebt und gearbeitet.
Bereits in seinem Todesjahr wird ein an Klaus Jürgen Rattay erinnernder Gedenkstein von Unbekannten angebracht, und unerwartet von offizieller Seite nicht wieder entfernt.

Manchmal bleibt jemand stehen um die Namen zu lesen, meist jedoch nicht. Das bedeutet aber nicht, dass Gedenksteine sinnlos wären.
„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ lautet das Motto des Stolpersteinprojekts. Die Hauptauseinandersetzung mit der Geschichte und den Menschen, denen gedacht werden muss, findet nicht durch zufällig vorbeilaufende Menschen statt, sondern in der Vorbereitung und dem Akt des Verlegens an sich. Die Gedenksteine stehen symbolisch für die Erkenntnis, dass Erinnerung und Gedenken nichts ist, was von oben verschrieben werden kann, sondern etwas ist, das in persönlicher Auseinandersetzung und Engagement erarbeitet werden muss.

Maria Leo – Ein Stolperstein für eine Musikpädagogin

Frage ich Menschen, die an den Gedenktafeln vorbeigehen, ob sie diese bemerkt hätten oder sogar etwas über die Personen, denen gedacht wird, wüssten, so lautet die Antwort meist nein. Viele bemerken sie nicht einmal, wenn sie darüber stolpern.
Das ist schade, denn hinter jedem Stein steht eine eigene Geschichte.

Die 1873 geborene Maria Leo war in ihrem Leben vieles. Studentin, Frauenrechtlerin, Seminarleiterin und Lehrerin.Vor allem aber war sie Pianistin und Musikpädagogin.Stolperstein Pallasstr 12 (Schön) Maria Leo
Als Leiterin eines Musikseminars sorgte sie dafür, dass auch Frauen Zugang zu qualifizierter Ausbildung erhielten, die ihnen das Institut für Kirchenmusik in Berlin versagte.
Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten verlor sie durch antisemitische Gesetzgebungen alle Anstellungen und Ämter, am Ende sogar ihren Pass, was ihr eine Ausreise unmöglich machte.
Um einer Deportation nach Theresienstadt zu entgehen setzte sie 1942 ihrem Leben ein Ende.

Stolpersteine wie der, der an Maria Leo erinnert wurden ursprünglich vom Begründer des Konzeptes, Gunter Demnig, auf eigene Faust verlegt. Heute ist das Gedenkkonzept offiziell anerkannt und hat Ausmaße angenommen, die eine einzelne Person längst nicht mehr bewältigen kann.
Deshalb unterstützt uns hier in Tempelhof-Schöneberg seit zwei Jahren das Oberstufenzentrum Bautechnik aus Spandau mit seinen Schülern und projektbegleitenden Lehrern bei der Verlegung der Steine “ erklärt Hannelore Emmerich von der AG Stolpersteine des Schöneberger Kulturarbeitskreis e.V.
Stolpersteine sind nicht nur eine Inschrift, sondern auch Symbol: Da sie aus Messing gemacht sind laufen sie mit der Zeit an. Sie müssen regelmäßig wieder aufgearbeitet werden und stehen sinnbildlich für eine Vergangenheit, die nicht vergessen werden darf sondern immer wieder aktiv erinnert werden muss.
Trotz parteipolitischer und rechtlicher Anerkennung des Projekts werden Entscheidungen, für wen und wo Stolpersteine verlegt werden nicht von oben getroffen. Es sind im Gegenteil Einzelpersonen, Hausgemeinschaften, Vereine, Schulklassen und in Schöneberg zu 40 Prozent Angehörige, die einen Stolperstein beantragen.
Hinter einem Stolperstein steht also das Interesse und vor allem das persönliche Engagement von Menschen, die sich intensiv mit der Vergangenheit auseinandersetzen wollen. Denn zum Beantragen eines Stolpersteins reicht es nicht aus, diesen lediglich zu bezahlen. Es ist eine intensive Recherche zu den Personen notwendig, denen gedacht werden soll.

Klaus Jürgen Rattay – Erinnerung an einen Hausbesetzer

Klaus Jürgen Rattay starb am 22. September 1981 mit gerade mal 18 Jahren.
Begeistert von der Energie, Solidarität und gemeinsamen Arbeit, die einer als ungerecht und nicht sozial empfundenen Wohnungsmarktpolitik entgegengesetzt wurde schloss er sich der Berliner Hausbesetzer_innenbewegung an. Bei einer Demonstration gegen Räumungen und den damaligen Innensenator Lummer werden die Protestierenden von der Polizei auf die nicht gesperrten Potsdamer Straße gedrängt.
An der Kreuzung Potsdamer Straße/Bülowstraße wird Klaus Jürgen Rattay von einem Bus frontal angefahren und stirbt.
Ermittlungen finden nicht wirklich statt und bis heute wurde niemand für den Tod zur Verantwortung gezogen.
Gedenktafel Potsdamer Str 127 (Schön) Klaus Jürgen RattayDer Gedenkstein für Klaus Jürgen Rattay wurde spontan als direkte Reaktion auf den Tod des Hausbesetzers verlegt und ist gleichzeitig politischer Protest. Auch wenn nicht genau klar ist, wer den Stein angebracht hat, lassen sich ein paar allgemeine Aussagen darüber treffen.
Im Gegensatz zu Stolpersteinen, denen eine intensive Recherche und Auseinandersetzung mit der Vergangenheit vorausgeht entsprang Rattays Gedenkstein einer gelebten Gegenwart.
Dies ist auch in der Form des Steines sicht- und spürbar. In Form eines Kreuzes wurden Steine aus dem Gehweg entfernt. Das Loch wurde mit Zement aufgegossen, in den dann eilig Name und Todesdatum geschrieben wurden.

Gehweg und Gedenken

Gedenksteine bringen vielleicht nicht jeden dazu, zu stolpern und stehenzubleiben.  Aber sie sind lebendiges Mahnmal dafür, dass sich Menschen mit der Vergangenheit und Gegenwart kritisch auseinandersetzen. Sie zeigen uns, dass es immer noch nötig ist, sich zu erinnern und dass es immer noch Menschen gibt, die bereit sind, das auch zu tun.