Kategorie-Archiv: Wort/Ton/Bild

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Chamissos Schatten

Aufgrund meiner Recherchen für die Führung Verruchte Potse befinde ich mich unverhofft mit Adelbert von Chamisso in einer zwiefachen Beziehung: mit ihm als Botaniker in Schöneberg und mit ihm Dichter einer Schatten-Erzählung.

Von 1819–1839 war Chamisso „Pflanzenaufseher“ im Botanischen Garten Berlins (heute Heinrich-von-Kleist-Park). Aufgrund seiner Forschungsergebnisse dort erhielt er sogar die Ehrendoktorwürde der Humboldt Universität. „Chamisso trug maßgeblich dazu bei, dass der Botanische Garten zu Schöneberg als einer der renommiertesten seiner Zeit galt.“ (Quelle S. 23)

Zuvor war er jahrelang auf Reisen und hatte auf einer große Verluste zu beklagen. Als ihn ein Freund fragte, ob er denn auch seinen Schatten eingebüßt hätte, nahm Chamisso diese Bemerkung als Motiv für die Erzählung „Peter Schlehmils wundersame Reise.“

In Kurzform: Peter Schlemihl verkauft seinen Schatten an den Teufel, erwirbt im Gegenzug unendlichen Reichtum und büßt dafür.

Was mich fasziniert – und dies hat wiederum mit der Verruchten Potse zu tun – ist die Tatsache, dass die Menschen Peter Schlehmihl ohne seinen Schatten verabscheuen, sich vor ihm ängstigen, ihn verstoßen.

Die Erzählung wurde nach ihrer Veröffentlichung im Jahr 1814 äußerst erfolgreich. Sie fand Übersetzungen in viele Sprachen, diente indirekt als Vorlage von Jacques Offenbachs Oper Hoffmanns Erzählungen, wurde von Ernst Ludwig Kirchner in einen Bildzyklus gefasst, war in England ein beliebtes Volksmärchen. Noch 1976 war das Thema für die Folk-Rock-Band Ougenweide so interessant, dass sie ein Peter-Schlehmil-Gedicht in ihrem Album Ohrenschmaus vertonte. (Quelle )

Sicher lässt sich diese Aufzählung noch verlängern. Doch auch so zeigt sich m.E. bereits eines sehr deutlich: Ohne seinen/ihren Schatten ist ein Mensch furchteinflössend, abschreckend, unliebsam. Der vorletzte Satz der Erzählung lautet: Du aber, mein Freund, willst Du unter den Menschen leben, so lerne verehren zuvörderst den Schatten, sodann das Geld.

Zu empfehlen ist die Hörversion der Erzählung mit Frank Arnold.