Die Zentrale Landesbibliothek am Standort Gleisdreieck

Von HU-Gastbloggerin Luna

Der Park am Gleisdreieck dient der Erholung und Entspannung. Menschen erhalten hier die Möglichkeit Sport zu treiben, sich zu treffen und spazieren zu gehen. Grüne Wiesen laden ein es sich mit einem guten Buch gemütlich zu machen und die ersten Sonnenstrahlen zu genießen.

Doch auf einer großen Fläche des Parks erstreckt sich eine Baustelle, an der Bagger am Werke sind. Es ist das letzte unbebebaute Areal der fünf Bauflächen des Projekts „Urbane Mitte.“ Die Bauflächen wurden 2005 in einem städtebaulichen Vertrag zwischen dem Land Berlin und der Vivico, der die Flächen damals gehörten, festgelegt. Hier entstehen 100.000 qm Brutto Geschossfläche, also ziemlich viel Platz mit hoher Nutzungskapazität. Geplant sind für das Gelände 60 – 70 % Büroräume, während 30-40 % einem lebendigem Nutzungsmix aus Gastronomie, Clubs, Hotels und Wohnungen dienen sollen.

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Matthias Bauer hatte die Idee, dass diese Fläche am Gleisdreieck auch als neuer Standort für die Zentrale Landesbibliothek geeignet sein könnte. Seit 2009 betreibt er die Seite Gleisdreieck-blog.de und berichtet dort regelmäßig über Aktivitäten rund um die Gegend des Glasdreiecks. „Der Anspruch war, dass es sich bei dem Blog nicht nur um ein Sprachrohr einer Bürgerinitiative handelt, sondern, dass dort unterschiedliche Meinungen zum Zuge kommen sollen,“ erzählt er mir.

Im Gespräch berichtet er außerdem über die Idee des Baus der Zentralen Landesbibliothek am Park des Glasdreiecks. Diese wurde zudem von der Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck e.V. in einem offenen Brief formuliert. In diesem wird die Senatsverwaltung für Kultur aufgefordert bei der Prüfung der Standorte für die Zentrale Landesbibliothek auch das Baufeld am U-Bhf. Gleisdreieck mit zu berücksichtigen.

Ursprünglich war der Bau der Zentralen Landesbibliothek auf dem Tempelhofer Feld geplant worden. Aufgrund des Volksentscheid gegen die Bebauung des Tempelhofer Felds konnte das Vorhaben allerdings nicht umgesetzt werden. Auch die Idee der Verlegung der Zentralen Landesbibliothek in das Humboldtforum musste verworfen werden, da der Senat sich gegen diesen Standort für die Bibliothek aussprach. Doch es stehen noch weitere Standorte zur Auswahl: Die Amerika Gedenkbibliothek am Blücherplatz, das ICC, das Bestandsgebäude des Flughafen Tempelhof und das Völkerkundemuseum in Dahlem.

Der Bau der Zentralen Landesbibliothek ist in dem Ziel begründet, eine große Bestandsbibliothek zu schaffen. Das hat also den Vorteil, dass man sich das Wunschbuch aufgrund des hohen Bestandes noch schneller ausleihen kann und nicht einige Tage warten muss.

Doch Matthias Bauer sieht in einer Bibliothek mehr als nur einen Ort zum Bücher ausleihen. „Bibliotheken sind Treffpunkte, dort können Menschen auch arbeiten und kulturellen Veranstaltungen beiwohnen. Der Park am Gleisdreieck bietet das ideale Umfeld dafür“, betont er.

Besonders attraktiv ist der Standort am Gleisdreieck verglichen mit den anderen vor Allem aufgrund der zentrale Lage und der hervorragenden Anbindung. Die Bibliothek könnte mit diesem Standort als ein kulturelles Zentrum fungieren.

Die Bürgerinitiative Gleisdreieck e.V. hat sich von Anfang an gewünscht, dass der geplante Bau sich dem Park zuwendet und somit eine Verbindung zwischen Park und der bebautet Fläche entsteht, erzählt er mir.

„Je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto geeigneter fand ich den Standort. Weil durch den Park ja ein ganz neuer Raum der öffentlichen Nutzung entstanden ist. Der Park ist meines Erachtens mehr als nur eine Grünanlage. Leute kommen nicht nur zur Erholung hierher, sondern passieren die Fläche auch auf ihren täglichen Wegen. Von Schöneberg nach Mitte oder von Kreuzberg nach Schöneberg. Es gibt unterschiedliche Nutzungen, viele Nationalitäten treffen sich hier. Das ist ein neues urbanes Leben. Die Bibliothek und das Leben im Park würden sich ergänzen und sich gegenseitig auch stützen, denke ich“, schätzt Matthias Bauer die Sachlage ein.

Freilich stellt sich durch den Bau der zentralen Landesbibliothek auch die Frage, ob kleinere Bibliotheken im Kiez dadurch verdrängt werden. „Ich denke man braucht beide. Die kleinen und die großen Bibliotheken. Die kleinen haben ein spezielles Angebot in ihrem Quartier, sind dann z.B. für die Kinder und die Grundschulen“, gibt Matthias Bauer zu bedenken.

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Um der Forderung nach der Berücksichtigung des Standort am Gleisdreieck mehr Gewicht zu verleihen, hat die Initiative Gleisdreieck e.V. außerdem eine Petition verabschiedet.

Wo genau die zentrale Landesbibliothek nun hingebaut werden soll ist bislang nicht einzuschätzen. Die grüne Partei und die SPD hatten sich schon letztes Jahr auf die AGB am Blücher Platz als Standort festgelegt und halten an ihrer Entscheidung fest. Allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt die Idee des Standorts am Gleisdreieck noch nicht.

Erst im Jahr 2016 soll der Standort der zentralen Landesbibliothek offiziell entschieden werden. Aber bis dahin kann man diesen Sommer schon mal im Park am Gleisdreieck in einem Buch schmökern und sich vorstellen, wie es so wäre in einem Bibliothekscafé der ZLB.

 

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Winterkurses 2015 “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität.

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