Eine tolle Zeit am Falk Realgymnasium

Von HU Gastblogger Ines Sieland

„Kein Kind darf allein gelassen werden“, sagt  Jutta Schauer-Oldenburg.
Wir sitzen bei einer Tasse Tee in ihrer gemütlichen Wohnung in Berlin-Moabit. Die 72 Jahre merkt man ihr wirklich nicht an. Sie ist eine lebensfrohe Frau mit einem sehr guten Gedächtnis und nimmt mich mit auf eine Reise zurück in ihre Schulzeit.

Das Falk Realgymnasium war eine Mischung aus Realschule und Gymnasium, geteilt in einen technischen und wissenschaftlichen Zweig. Jutta Schauer Oldenburg besuchte von 1950 bis 1954 (7. bis 10. Klasse) den technischen Zweig und erwarb den Realschulabschluss.

In dem damaligen Gebäude ist heute die Grundschule Tiergarten-Süd untergebracht, welche 2010 aus der Fusion der Fritzlar-Homburg Schule mit der Grips-Grundschule entstanden ist.

Heutige Grundschule Tiergarten-Süd

Es war eine sehr bewegte Schulzeit: der Zweite Weltkrieg war vorbei, Nachkriegsjahre, Berlin war besetzt und geteilt. „Die Besetzungszeit haben wir durch den 17. Juni 1953 erlebt und die Nachkriegszeit an der Schulspeisung gemerkt“, erinnert sie sich. Sie strahlt, wenn sie an ihre Schulzeit zurückdenkt, denn es war eine „schöne Zeit“.

Die Schule hatte einen musischen und sportlichen Schwerpunkt. Es gab einen Schulchor, die Schüler konnten bei Theateraufführungen oder Sportwettkämpfen ihr Können unter Beweis stellen. Es wurde auch viel gefordert. Den Anspruch könnte man mit dem des heutigen Gymnasiums vergleichen, meint Jutta Schauer-Oldenburg.

Neben ihrem Vater hat sie auch ihr damaliger Schuldirektor Dr. Franke geprägt. „Er war sehr dafür, dass die jungen Menschen, die in seiner Obhut waren, auch etwas lernten. Aber er hat auch sehr viel Wert darauf gelegt, dass wir soziale Kompetenzen, wie Zivilcourage und Demokratieverständnis erlernten.“

Jutta Schauer-Oldenburg war 45 Jahre Krankenschwester mit ganzem Herzen und zeigt heute immer noch Zivilcourage. Sie engagiert sich als Quartiersrätin für ihren Kiez Moabit und ist als Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte tätig.

„Der Klassenverbund war spitze!“ sagt sie freudig über ihre Schulzeit. Noch heute haben die ehemaligen Schülerinnen und Schüler guten Kontakt und veranstalten regelmäßig Klassentreffen.

Verglichen mit der heutigen Zeit stellt sie fest, dass die sozialen und wirtschaftlichen Unterschiede nicht so groß waren. Es gab nicht so viel; man war auf dem gleichen Level. Die Schere zwischen arm und reich, Chancengleichheit und -ungleichheit ist heute viel größer.

Für Jutta Schauer-Oldenburg war die Schule sehr wichtig, denn sie war nicht nur Lernanstalt sondern gab auch Rüstzeug für das Leben mit. „Lernen ist der Faktor, um später Chancengleichheit zu haben und eine gesellschaftliche Teilhabe zu erleben. Die Kinder heute sind nicht schlechter oder besser als wir früher waren, doch sie scheinen irgendwie vergessen.“

Sie wünscht den Kindern eine solche Persönlichkeit, wie ihren Direktor
Dr. Franke, der ihnen etwas mit auf den Weg gibt. Die Schule muss stabilisieren. Es sind vielleicht kleine Einsteins, nur es merkt keiner.“, sagt sie. „Kein Kind darf allein gelassen werden.“

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