Grünes „Klück“

von HU-Gastbloggerin Dafni Ragousa

Diese Straße wurde nach Alexander von Kluck benannt, der im ersten Weltkrieg preußischer Armeeoberbefehlshaber war. Die Kluckstraße ist eine ruhige und stille Seitenstraße. Im Gegensatz zu den anderen Straßen des Lützowviertels ist sie eine reine Wohnstraße. Starken Publikumsverkehr und überfüllte Straßencafés gibt es hier ebenso wenig wie vorbei brausende Autos, Lärm und Abgase.

In der Nummer 11 gab es schon immer einen öffentlichen Garten, der früher allerdings verwildert und ungepflegt war und besonders gerne von Drogenabhängigen, Obdachlosen und Straßenprostituierten benutzt wurde. Kein Wunder, denn der Bezirk Tiergarten-Süd ist einer der siebzehn sozialen Brennpunkte Berlins. Ein Wohngebiet, in dem Faktoren, die die Lebensbedingungen ihrer Bewohner und insbesondere die Entwicklungschancen beziehungsweise Sozialisationsbedingungen von Kindern und Jugendlichen negativ bestimmen, gehäuft auftreten. Zur Verbesserung des Alltags und der Lebensqualität der Bewohner werden verschiedene Vereine sowie Quartiersmanagement tätig. Interessierte Anwohner/innen und Vertreter/innen aus dem Kinder- und dem Jugendtreff haben gemeinsam mit einer Stadtplanerin den „Garten für alle“ geplant. Aus dem Projekt Familiengarten ist ein neuer und größerer Garten mit Grillplatz und Flächen für Ballspiele entstanden. Teil davon ist der sogenannte interkulturelle Garten, in dem – wie der Name schon verrät – Pflanzen und Blumen aus aller Welt zu finden sind. Auch ein Pizza- und Kräutergarten ist hier zu finden, wo die Kinder alle diesen Kräuter und Pflanzen pflegen, die man für die Zubereitung einer leckeren Pizza braucht. Damit der Garten nicht mehr von Drogensüchtigen als willkommener Druck-Platz missbraucht wird oder von Prostituierten als „Vollzugsplatz“, schließt ein Zaun das Gesamtareal um.

Diesen Sommer war der Familiengarten zum ersten Mal mit einer Bühne auf der Fete de la Musique dabei.

Am gegenüberliegenden Magdeburger Platz kam am 15. Juli 1892 der Philosoph und Literaturkritiker Walter Benjamin zur Welt, der in seinen Erzählungen aus dem Berlin der 1920er Jahre der Markthalle einen mitbestimmenden Einfluss auf seine politische Sozialisation zuschreibt. Heute stellt sich auch dieser Platz als kleine grüne Oase mitten im Berliner Häusermeer dar.

Ein paar Schritte weiter, in der Kluckstraße 3 befindet sich mit 100 Zimmern die größte Jugendherberge Deutschlands. Als ich vorbei laufe, sehe ich eine Gruppe von Schülern, die mit ihrem Lachen die Ruhe der Gegend durchbrechen und lebendiger machen. Der Tag ist sonnig und warm, untypisch für diese Jahreszeit und die Jugendlichen genießen die Sonnenstrahlen auf dem grünen Gelände.

Die Kluckstraße erscheint – zumindest bei Tageslicht, als ich sie besucht habe – sehr friedlich und erinnert nicht an ihre nachbarschaftliche Potsdamerstraße und an die mit der Gegend verbundenen Probleme. Das Lachen der Jugendlichen, die weißen Schmetterlinge und die bunten Vogelscheuchen im Kräutergarten hinterlassen einen durchaus positiven Eindruck.

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