Meet The Magicians

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Winterkurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität

Von HU-Gastbloggerin Sophia

Ladies and Gentlemen,
meet the magicians!

Es ist ein lauer Mittwochabend. Schöneberger Ufer Nummer 61, direkt am Landwehrkanal. Die Straße ist wenig beleuchtet.

Man klingelt, dann öffnet sich die Tür. Durch das Vorderhaus, über den Hof, gelangt man in die Räume des magischen Zirkels. Ein Treppe höher befindet sich der Vorstellungsraum. Dunkel rote, samtige Vorhänge bedecken die Fenster. Gedämpfte Musik spielt im Hintergrund. Stühle, mit Platz für ca. 30 Personen, sind auf eine Bühne ausgerichtet. Vor dieser steht ein grüner Tisch. Die Bühne ist unbeleuchtet und wird das auch den ganzen Abend bleiben. Langsam füllen sich die Sitze, ganz voll wird es nicht. Die ersten Reihen sind jedoch besetzt. Hier hat man die beste Sicht. Dann geht das Licht aus. Die Musik spielt.

Die Scheinwerfer sind auf den Tisch gerichtet. Drei in Anzug gekleidete Herren treten hinter ihn. Sie warten die Musik ab. Dann werden wir begrüßt.

Freddie aus der Schweiz. Felix der Glückliche. Til van Tast.

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Alle drei werden gemeinsam den Abend gestalten. Später kommt noch ein Special-Guest dazu. Doch nicht nur die Zauberkunst soll im Vordergrund stehen, sondern vor allem die Unterhaltung. Denn jeder Einzelne für sich ist charmant, witzig und gewinnt das Publikum so für sich.

Es wird mit ein paar Aufwärm-Übungen begonnen. Bälle werden aus Händen und Jackentaschen gezaubert, sind plötzlich doppelt so groß und vermehren sich.

Eine schweizerische Spezialität – die Schokolade, kommt bei Freddie mehrmals zum Einsatz. Sie wird verschenkt, weggezaubert und sucht sich ihren Besitzer selber. Mir war bis dahin nicht bewusst, dass man mit Toblerone noch mehr machen kann, als sie einfach nur zu essen. Ebenso erging es mir mit dem Ricola-Bonbon. Die Schweizer haben es nicht nur erfunden und in die Welt gebracht, sondern lassen es auch gerne mal, unbemerkt, von der Jackentasche in die Toblerone-Packung, die erst wieder im übernächsten Trick verwendet wird, wandern.

Der zweite, der das Publikum verzaubert, ist Felix. Jung, witzig und Geld-liebend. Zumindest zeigt er uns auf vielfältige Art und Weise, wie man es „herstellen“ kann. Leider wurden wir Zuschauer nicht in die Kunst des aus-Papier-stelle-Geld-her-Tricks eingeweiht, konnten aber mit eigenen Augen sehen, dass es tatsächlich möglich ist. Einfach ein paar Geldschein-große Papierstreifen in die Hand nehmen, schütteln und – tadaa – die Hand ist voller Zwanzig-Euro-Scheine.

Til van Tast, dessen Name man mal laut aussprechen sollte, dringt am liebsten ganz tief in die Gedanken des Zuschauers ein. Er lässt rechnen und malen und weiß am Ende immer, was der andere denkt. Meistens zumindest. Ich persönlich war jedoch für sein Scheitern verantwortlich. Möglicherweise bin ich sehr gut gegen mentale Eingriffe gewappnet und lasse es nicht zu, wenn jemand anderes in meine Gedankenwelt eingreifen möchte. Oder ich habe mich schlicht und einfach verrechnet. Um mein oder sein Scheitern nicht öffentlich eingestehen zu müssen, lasse ich die Wahrheit lieber unausgesprochen …

Nach einer kurzen Pause, die symbolisch mit drei Gongs beendet wird, kommt der Auftritt des Gastes. Vor der Pause saß er noch unscheinbar und still, in seinem etwas zu groß wirkendem Anzug, mit im Publikum. Doch jetzt merkt man gleich, dass er ins Rampenlicht gehört.

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Es ist sein erster Auftritt bei Meet The Magicians, doch das merkt man Oliver nicht an. Wie selbstverständlich fliegen die Karten hin und her, so dass kein Pokerspieler auch nur eine geringste Chance gegen ihn hätte. Sein selbstbewusstes Lächeln wickelt dann auch die letzten Zuschauer um den Finger.

Das krönende Finale der Show ist der klassische Rasierklingen-Trick. Zu pompöser Musik tänzelt Freddie um den Tisch herum und steckt Rasierklinge nach Rasierklinge in den Mund. Dann der Faden. Dann eindrucksvolle Posen, passend zur Musik.

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Schließlich zieht er den Faden, ganz langsam und im Takt, samt angeknoteten Klingen aus dem Mund.

Doch nicht nur diese Close-up-Show, sondern auch die Hingabe zur Zauberkunst ist beeindruckend. Jede Show ist etwas anders und es treten immer mal andere Zauberer auf. Ursprünglichen Tricks werden umgewandelt und mit neuen Ideen verknüpft. Oft überlegt man sich zu erst eine Geschichte und dann kommt der Trick dazu.

Doch ist das alles wirklich nur Trick? Kann ich das auch lernen? Momentan scheitere ich ja schon beim Verschwinden-lassen einer Münze. Vielleicht braucht man ja doch etwas Talent. Und bestenfalls noch den Mut, sich vor anderen zu präsentieren.

Im Magischen Zirkel von Berlin hat man noch die Möglichkeit, sich auszutauschen und von erfahrenen Zauberern persönlich zu lernen. Diese Gemeinschaft ist da ein unglaublicher Vorteil. Der Verein hat eine längere Geschichte in Berlin und immer wieder geschafft, am Leben zu bleiben. 2010 konnte er sogar seinen 90. Geburtstag feiern.

Im Zirkel kennt man sich noch persönlich und lernt und zaubert in der Gemeinschaft. Doch auch im Internet wächst die Zauber-Community. Youtube kann da Fluch und Segen zugleich sein. Jetzt kann (theoretisch) jeder zaubern lernen, das Wissen anonym verbreiten und hat gleichzeitig noch ein internationales Publikum.

Doch bleibt da noch genug Platz für Magie übrig?

Meet the Magicians: Close-Up-Show jeden 3. Mittwoch im Monat. Die nächste Veranstaltung findet am 16. April 2014 statt

Zauber-Theater des Magischen Zirkels: Schöneberger Ufer 61, 10785 Berlin

 Bilder mit freundlicher Genehmigung von Peter Schuster (Vereinsvorsitz)

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