Portrait über Florian Kaiser

Von HU-Gastbloggerin Uta

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Sommerkurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen”des Career Center der Humboldt Universität.

Florian, 22 Jahre alt/ vor zwei Jahren von München nach Berlin gezogen/ studiert Sozialwissenschaften/ hat noch keine Pläne was er nach dem Studium gern machen würde/ interessiert sich sehr für politische und gesellschaftliche Themen/ ist ein Großstadtmensch, der auch in der Großstadt bleiben möchte/ Berlin ist für ihn lebendig, liberal und Freiheit/ liest gern deutsche und englische Literatur/ spielt Saxophon und war Mitglied in der schuleigenen Big Band

Künstler inszenieren eine Straße…

von HU-Gastbloggerin Rita Danz

Vor ein paar Wochen unternahm ich einen Spaziergang durch die Pohlstraße. Aus der Nummer 75 dringt weißer Staub, die Jalousie ist halb heruntergelassen und Baulärm erklingt. Ich frage nach und die Arbeiter erzählen mir: „Hier wird eine Weinhandlung und –bar eröffnet. Les Climats. Wir hoffen, dass wir es mit der Pre-Opening bis zu Pohl-Position schaffen!“ In einer benachbarten Galerie hängt ein passendes Plakat: „Künstler inszenieren eine Straße“ am 24. September. Ich frage mich, ob sie die Weinhandlung in nur einer verbleibenden Woche fertig bekommen.

Pohl-Position, im Vordergrund: Urban Chill von Uwe Tabatt

Initiator Andreas Kuhn, seine Galerie Kuhn & Partner befindet sich in der Pohlstraße 71, erzählt: „Ich wollte einfach ein Fest für den Kunst-Kiez ins Leben rufen, also kein klassisches Straßenfest als solches. Viele Menschen haben oft eine “Schwellenangst” und trauen sich nicht in die Galerien zu gehen. Ich wollte mit meiner Idee dieser Entfremdung von der Kunst entgegen treten und die Leute mit einbeziehen. Wenn die Leute nicht zur Kunst kommen, dann kommt die Kunst eben einfach zu den Leuten.“ Das macht mich neugierig auf mehr.

Peter Herrmann, Sonja Zunker und Andreas Kuhn

Bei der Pohl-Position sind neben den Ausstellungen in den Galerien etwa 40 Objekte von Künstlern aus aller Welt auf der Straße und zum Teil in den Fenstern und Hauseingängen der anliegenden Wohnungen zu sehen. Die Anwohner wurden mit Hilfe von Handzetteln um Ihre Mithilfe gebeten. Ich erfahre, dass die Pohl-Position das Ergebnis einer etwa 3 Monate langen Planungsphase ist. „Die Hauptarbeit hatte hierbei Sonja Zunker von Zunker Kongresse & Events. Es gab eigentlich kaum wirkliche Rückschläge bei der Planung, da hatten wir Glück. Peter Hermann, mit seiner Galerie in der Potsdamer Straße 98a, ist als Mitveranstalter eingesprungen.“ Am 24. September ist die Pohlstraße selbst halbseitig für den Verkehr gesperrt; die Aufbauarbeiten beginnen bereits um 8 Uhr.

Les Climats…eine Weinhandlung mit Charme

Nach nur 6 Stunden Aufbauzeit geht es los. Es ist ein sonniger Nachmittag und einige Leute sind schon auf der Pohlstraße unterwegs. Männer, Frauen, Alte, Junge aller Couleur bestaunen die Objekte auf der Straße. Mein erster Weg führt mich zu Les Climats, ich möchte wissen, was sich seit meinem Spaziergang getan hat. Statt Staub sehe ich Champagnerkübel - Inhaber Roland Kretschmer begrüßt mich freundlich. Im Fenster ist eine Installation aus Flügeln der finnischen Künstlerin Terhi Heino zu sehen. Seit meinem letzten Besuch hat sich einiges verändert. Der alte Dielenboden, teilweise noch original von 1895 erhalten, glänzt dunkelbraun in der Sonne. Neben der Eingangstür eine Backsteinwand, vor der Wein und Kuchen verkauft wird und wo man sich angeregt unterhalten kann. Die restlichen Wände sind gestreift – bunt oder in warmem schokobraun und beige. Der Stuck an der Decke ist bis zur offiziellen Eröffnung am 15. Oktober noch verhangen. „Wir sind eine Weinhandlung mit Bar, die sich fast ausschließlich auf burgundische Weine und französische Delikatessen spezialisiert hat.“, erzählt mir Roland Kretschmer. „Natürlich gibt es auch ein kleines, ausgewähltes Sortiment mit Weinen aus anderen Regionen. Wir arbeiten ohne Zwischenhändler, der Importeur bin ich. Um die Weine auszusuchen fahre ich ungefähr 5 mal im Jahr nach Frankreich.“ Bei diesem Satz sticht mich kurz das Fernweh.

Roland Kretschmer, Besitzer von Les Climats

Bei der Pohl-Position beteiligt sich Les Climats vor allem um die Nachbarschaft besser kennenzulernen. Sich in der Pohlstraße anzusiedeln war eine ganz bewusste Entscheidung. „Ich wohne hier in der Gegend und sie gefällt mir einfach. Es ist eine sehr kunstaffine Ecke, vor allem die Pohlstraße. Ich war begeistert von diesem Haus, im Juli haben wir bereits mit den Renovierungs- und Abrissarbeiten begonnen. Der Kiez ist einfach noch sehr heterogen und besitzt trotzdem eine ganz spezielle eigene Struktur.“ Noch mit dem Geräusch eines Korkens, der sich mühsam aus einer Weinflasche windet, im Ohr, beginne ich meinen Rundgang durch die Galerien.

„Es gibt nichts, was es nicht gibt.“

Die Ausstellung "Sex, Crime, Beasts &Tenderness" bei Gilla Lörcher

Bei Schulz & Schulz sind Werke von Henry Anno zu sehen. Im Fenster liegt eine Kettensäge mit weißer Aufschrift auf dem Sägeblatt: „With Love“ ist auch gleichzeitig Name der Ausstellung. Kuhn & Partner zeigt „Kong at Work“ mit Werken von Sandra Rauch und Jens Becker, die die Eindrücke einer gemeinsamen USA-Reise in Bildern und Installationen verewigt haben. Zwei Becken rotieren und empfinden scheppernd den Lärm auf New Yorks Straßen nach. Die beiden großformatigen Bilder im Raum ziehen sofort die Blicke auf sich. Eines zeigt ein großes Poster von King Kong vor einer Häuserfront. Gleich nebenan bei Gilla Lörcher sind Objekte von Iris Musolf zu sehen, die bei der Auseinandersetzung mit dem Thema „Sexpuppen“ entstanden sind. Während ich die Tiere aus Beton bestaune, stelle ich fest: „Es gibt nichts, was es nicht gibt.“ Die Galeristin muss lächeln und sagt, dass Kunst da ist, um genau das zu zeigen.

Schließlich bietet sich bei cubus.m in der Hausnummer 75 ein völlig konträres Bild. Gezeigt wird die Installation „IF hope exist…there is no wasted land“ von Anne Duk Hee Jordan. Ein Pfad durch einen Urwald aus Pflanzen führt mich in den ersten Stock. Schon vom Flur aus duftet es nach Erdbeeren. Eine Familie macht sich im Raum an der „Erdbeerkanone“ zu schaffen – ein umgebautes Fahrrad mit dessen Hilfe die köstlichen Früchte auf ein weißes Laken gefeuert werden. Das Leinentuch repräsentiert hierbei die Unschuld, während die Erdbeeren mit Sinnlichkeit assoziiert werden. Die Inspiration war ein Gedicht von Bertolt Brecht.

"Erdbeerkanone" in der Galerie cubus.m

Mit vielen neuen Impressionen und bei einem kühlen Getränk betrachte ich die Objekte auf der Straße. Ein riesiges Mobile mit Augen und Spiegelfolie hängt von einem Balkon auf die Straße und wird neugierig bestaunt. LISTROS e.V. zeigt die namensgebenden Schuhputzerkästen aus Afrika. Wolf Klein gibt den Gärtner und verkauft Blumen aus Plastik. Daneben noch vieles mehr, das mal mit einem Schmunzeln, mal ernst auf die guten und schlechten Seiten der Menschen und der Welt hinweist.

Michaele Brüll – „Riesenhose II, Gespannte Intimität“

Die Künstlerin

Fasziniert bin ich vor allem von der „Riesenhose II, Gespannte Intimität“ von Michaele Brüll. Zwischen zwei Bäumen aufgehängt, erinnert das Objekt an einen riesigen Tanga und ist mit Ausmaßen von 2,30×2,50m wohl das größte auf der Straße gezeigte Kunstwerk. Michaele Brüll hat das Objekt extra für die Pohl-Position geschaffen. „Ich wollte Sinnlichkeit und Intimität auf die Straße bringen. Die Riesenhose besitzt eine bunte Tagesseite, die das Sinnliche, aber auch Fröhliche und Authentische der Sexualität zeigt. Die in schwarz-weiß gehaltene Nachtseite weist nicht zuletzt auf den Straßenstrich im Kiez hin und repräsentiert, mit Schwarzlicht angeleuchtet, das Verruchte und Verführerische der „Dunklen Seite“.“, erzählt sie mir.

Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke

Auch dem Schirmherrn der Pohl-Position, Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke, laufe ich noch über Weg. Seine Rede hält er aufgrund technischer Probleme aus dem Polizeiauto heraus. „Hallo, hallo, hier spricht der Bezirksbürgermeister von Mitte.“, beginnt er. Die Leute bleiben überrascht stehen und beginnen zu schmunzeln. „Die Schirmherrschaft habe ich übernommen, weil ich es gut finde in Tiergarten-Süd ein niveauvolles Kunstfest zu veranstalten. Es zeigt das Potential & die Kreativität hier im öffentlichen Raum. Die Vernetzung der Galerien hat zahlreiche positive Effekte für die Szene.“, erzählt er mir fröhlich. „Ich glaube, dass die Pohl-Position das Lebensgefühl hier positiv beeinflussen kann und auf die Veränderungen in der Gegend hinweist – die Leute übernehmen hier Verantwortung.“

Dr. Christian Hanke und Andreas Kuhn hoffen, mit der ersten Pohl-Position den Auftakt für eine jährliche Veranstaltung gebildet zu haben. Als ich mich von der Potsdamer Straße aus noch einmal umdrehe und das bunte Treiben von Galeristen, Künstlern und Anwohnern sehe, dann wünsche auch ich mir nächstes Jahr wieder zurückzukehren.

Poetische Potse – Teil 3 – literarischer Streifzug durch drei Jahrhunderte

Von Gastblogger Alexander Skrzipczyk
er studiert Germanistik und Philosophie an der TU
Fortsetzung vom 24. September 2011

Lützowufer

Unser Weg kanalisiert sich dem Lützowufer entgegen, immer gedankenversunken heimgesucht von Lesser Urys ausufernden Stadtverschwimmungen, zu denen sich Walter Benjamin auditiv ins Bild rückt, wie er gerade das erste Telephon bestaunt oder – sich ihnen arnohaft angleichend – Schmetterlinge beobachtet und einzufangen trachtet.

Eine Gruppe lärmender Schulkinder rennt mit ihren Ranzen an uns vorüber, mich am Ellenbogen streifend. Um diese Tageszeit? Doch eine alte Frau mit wachen Augen, die Pfeife rauchend am Kanal spaziert, wendet sich uns zu und hebt an, dass sie Marie Luise Kaschnitz sei, und dies die Straße ihrer Kindheit. Vor ungefähr einhundert Jahren habe tagtäglich ihr Schulweg hier begonnen: ein einziges „Rennen und Trödeln“:

Lützowufer

„Früh am Morgen, vor der Schule, stellen die Kinder einen Schnürstiefelfuß auf die Stufe des Erkers, schnüren und reißen die brüchigen Senkel ab, knoten und schnüren wieder, starren in das daneben aufgeschlagene Schulbuch, trinken angewidert ihren Eichelkaffee.[..] Die Von der Heydt-Straße, in der die Kinder zu Hause sind, ist langweilig, mit schmalen Vorgärten und überhaupt keinen Geschäften“. Daran hat sich auch heute nichts geändert, die Gegend hat sich ihrer Heimeligkeit vollends entäußert, ist zum reinen Transit-Ort, eigentlich zu einem Nicht-Ort geworden. „Ob auf der Herkulesbrücke wirklich ein bronzener Herkules gestanden hat, werden sich die Kinder viele Jahrzehnte später, wenn die ganze Gegend Ödland ist, nicht mehr erinnern [..] Auf der Brücke muß man stehen bleiben und nach einer Leiche Ausschau halten, es schwamm eine Leiche im Landwehrkanal, Landwehrkanal, das Lied wird zu Hause im Chor gesungen und die Mutter hält sich die Ohren zu. Der Schulweg besteht aus Rennen und Trödeln, der hübsche, mit Bäumen und Büschen bestandene Lützowplatz wird im Laufschritt überquert.“ Der Schulweg lässt die Primaner an gruseligen Sarggeschäften und dem KaDeWe vorbei mit „klappernden Federkästen“ schließlich in die Passauer Straße einbiegen, wo sie spreizbeinig zur Eingangspforte hasten – das Rennen ist in der Nähe des Schulhauses nicht gestattet. „In der Türe steht die Direktorin und mustert finster die Nachzügler, sie ist überaus gescheit und leidet an einem schlimmen Nervenzucken, das bei ihrem Anblick auch die Kinder überfällt. [..] Erst wenn sie, getrennt nun, in ihre Klassenzimmer treten, werden sie ruhig und setzten sich, furchtbar gähnend, jedes auf seinen Platz.“

Es ist nun schon einige Zeit gestundet seit unserer Abreise, und so lassen wir die Dame ihres Weges ziehen, und beschließen uns etwas zu stärken, erblicken ein ruhiges Plätzchen an der brausigen Potsdamer Straße, mit roter Marquise überdacht und einigen Tischlein darunter. Mit Korkenknall senden wir dem gegenüberigen Wintergarten-Varieté einen ihm geziemenden Gruß und gießen erfrischenden Perlwein in die mitgeführten Dekadenz-Sektengläser. Gerade als wir anstoßen wollen, kommt ein Mann um die 50 mit aufgeschwemmtem Gesicht aus der Tür und hält delirös lächelnd, einen Mundwinkel nach oben ziehend, sein Glas hinzu. Natürlich, das musste er sein: Joseph Roth. Schließlich wohnt er hier in der Potsdamer Straße 73 einige Zeit in den 1920er-Jahren, denkt an die Zeit des ersten Weltkrieges und die anschließende Gefangenschaft zurück und verarbeitet das Ganze zu seinem Kurz-Roman „Hotel Savoy“. Und dem Alkohol huldigt er auch regelmäßig, unser Gegenüber. Unter eine Zeichnung von 1938 in Paris, die ihn über Absinth-Gläsern zeigt, schreibt er nüchtern: „Das bin ich wirklich; böse, besoffen, aber gescheit.“ Ein Jahr später erliegt er in Paris seiner Körperverwahrlosung und den psychischen Strapazen der Emigration. „Prost!“ stoßen wir an, heften einen Mann mittleren Alters als Miniaturbild an die Pforte, über der schon ein Jugend- und ein Altersbild prangen, und lauschen dem träumenden Herren, Gabriel Dan, der als Protagonist und Bewohner eines billigen Zimmers im „Hotel Savoy“ dort – wenn er nur wollte – „mit einem Hemd anlangen und es verlassen konnte als der Gebieter über zwanzig Koffer“: „Ich lebe in einer weißen Welt aus Himmel und Schnee, Baracken bedecken die Erde wie ein gelber Aussatz. Ich schmecke den letzten Zug aus einem aufgeklaubten Zigarettenstummel, lese die Inseratenseite einer heimatlichen, uralten Zeitung, aus der man vertraute Straßennamen wiederholen kann, den Gemischtwarenhändler erkennt, einen Portier, eine Agnes, mit der man geschlafen hat. Ich höre den wonnigen Regen in durchwachter Nacht, die hurtig schmelzenden Eiszapfen in lächelnder Morgensonne, ich greife die mächtigen Brüste einer Frau, die man unterwegs getroffen, ins Moos gelegt hat, die weiße Pracht ihrer Schenkel. Ich schlafe den betäubenden Schlaf auf dem Heuboden, in der Scheune. Ich schreite über zerfurchte Äcker und lausche dem dünnen Sang einer Balalaika.“

Die Gläser sind leer, der Mann wischt sich mit einem karierten Tuch die Stirn, schließt das Buch und steckt es in das Futteral seines Jacketts. Wie er so gelesen hatte, waren seine Augen ganz blinkerig geworden und ein Pfundsgeist war aus der Ruine hervorgekrochen, und selbst der ältliche Torso hatte sich wachsend gebäumt. Als wir ihm das sagen, lacht er bequem und zitiert sich selbst, schon etwas weise, ja alt und klug wirkend: „So vieles kann man in sich saugen und dennoch unverändert an Körper, Gang und Gehaben bleiben. Aus Millionen Gefäßen schlürfen, niemals satt sein, wie ein Regenbogen in allen Farben schillern, dennoch immer ein Regenbogen sein, von der gleichen Farbenskala.“

Fortsetzung folgt

Das Schöneberger Ufer

Von HU-Gastbloggerin Uta

Das Schöneberger Ufer hat seinen Namen nach der Neuanlage des Landwehrkanals durch Bezug auf die nach Westen erstreckte Schöneberger Straße erhalten. Ein Königlicher Hofschauspieler, von Lavallade, wollte erst dem Ufer den Namen „Prinzeß-Augusta-Promenade“ geben, das konnte er aber nicht durchsetzen Am 5. Juni 1935 erhielt das Ufer dann den Namen „Großadmiral-von-Koester-Ufer“. Im Juli 1947 wurde die Straße aber wieder nach dem alten Namen unbenannt.

Mein Spaziergang beginnt an der Ecke Potsdamer Straße, direkt an der Kreuzung sehe ich das griechische Restaurant Dionysos. Damals war es ein bekannter Anlaufpunkt für Künstler, heute sieht es eher weniger glamourös auf. Hätte ich vorher nicht im Internet darüber gelesen, wäre es mir gar nicht aufgefallen. Die Fassade ist etwas in die Jahre gekommen und das Restaurant erscheint eher unauffällig. Von der Innenansicht macht man sich am besten selbst ein Bild. Unweit davon entfernt, Richtung Lützowufer, befindet sich der Verein Berliner Künstler. Er wurde 1871 gegründet und ist der älteste Künstlerverein Deutschlands. Dort stellen, unter anderem, auch verschiedene Bildende Künstler in wechselnden Ausstellungen ihre Werke aus. Wer mehr Informationen möchte schaut einfach hier nach.

Im Laufe meines Spazierganges nehme ich die Lautstärke der vorbeifahrenden Autos immer stärker wahr. Von einer schönen Ufer-Atmosphäre kann man hier nicht sprechen. Auch wenn vor einigen alten Gebäuden hier noch kleine Vorgärten, meistens praktisch angelegt mit kleinen Sträuchern, vorhanden sind und dem Ganzen ein wenig Charme verleiht. Es ist laut und dunkel. Die Lautstärke ist wohl der dreispurigen Einbahnstraße geschuldet und die Lichtverhältnisse den hohen Gebäuden auf der einen und den hohen Bäumen am Ufer auf der anderen Seite der Straße. An einem der Altbauten sehe ich ein Schild mit den Schriftzug Hans Albers 1892-1960. Der Volksschauspieler lebte in diesem Hause“. Da der deutsche Schauspieler und Sänger anscheinend gern ein wenig jünger wirken wollte, nahm er es mit seinem Geburtsjahr wohl auch nicht so genau, denn eigentlich ist er 1891 geboren. Vor dem Haus steht außerdem ein großer gelb-grün angestrichener Berliner Bär verziert mit einzelnen kleinen Bildern – einem Zauberer, vielen kleinen Spielkarten, ein weißer Hase der aus einem Zylinder springt und weitere kleine Hinweise auf die wunderbare Welt der Magie. Der Grund dafür ist bei einem Blick auf das Klingelschild schnell gefunden, denn hier befindet sich der Sitz des Magischen Zirkel Berlin e.V. , ein Interessenverband für Zauberer.

Die Straße weiter entlang, am Schöneberger Ufer 78, findet man erneut eine Gedenktafel, diese ist in Erinnerung an den Kunsthändler Ferdinand Möller angebracht worden. Er bewahrte „viele Kunstwerke vor ihrer Vernichtung durch die Verfolgungsaktion ‘Entartete Kunst’ der Nationalsozialisten“.

Mein „Rundgang“ ist damit für das Erste beendet. Die Buslinie bis fast direkt vor meine Haustür war dann doch verlockender als der unendlich lang wirkende Straßenverlauf mit seinen riesigen Gebäudekomplexen von Altbauten bis hin zu neu gebauten Geschäftskomplexen. Am anderen Ende des Schöneberger Ufers sehe ich noch vom Busfenster aus das ehemalige Dienstgebäude der Königlichen Eisenbahndirektion Berlins. Es diente früher der Deutschen Reichsbahn als Sitz der Reichsbahndirektion Berlin, seit Anfang 2006 ist es der Hauptsitz von Bombardier Transportation. Ein Unternehmen, das Lokomotiven, Triebwagen, Straßenbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen und Reisezugwagen herstellt.

Portrait über Uta

von Kristina Lapickaja

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Sommerkurses “Onlinejournalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität

in Stollberg geboren/ lebt seit 7 Jahren in Berlin/ studiert Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität/ sie liebt die verschiedenen Ecken Berlins, die Vielfalt, die Leute und den Sommer/ sie geht gern tanzen, kann nicht ohne Musik leben, macht Yoga/ Uta macht viel zu wenig Urlaub und würde viel öfter verreisen

Licht und Schatten in der Pohlstraße

Von HU-Gastbloggerin Katarina Wagner

Die Pohlstraße erscheint mir ein ruhiger Rückzugsort vom Trubel der Potsdamer Straße. Breite Gehwegen, ein paar Büsche und Bäumen und die Sonne scheint auch noch. Gerade scheint sie nur auf die eine Straßenseite, auf der ich dich Häuser schöner finde. Auf der „Schattenseite“ stehen einige Häuser des sozialen Wohnungsbaus. Nun ja, die Mieter_innen haben hier allerdings ganz andere Probleme, denn die Sozialbauten sind vor einiger Zeit verkauft worden und die Mieten stark erhöht worden.

Ich setze mich einen Moment auf eine Bank unter einem Baum an der Ecke zur Körnerstraße. Ein Mädchen mit gelben Haaren läuft an mir vorbei. Ein Mann in Latzhose und langem grauen Pferdeschwanz fährt pfeifend auf dem Fahrrad die Straße entlang und Kinder fahren auf Rollern. Eigentlich scheint die Welt hier noch in Ordnung zu sein.

Hinter dem Spielplatz führt ein Durchgang zur den U-Bahnbögen, die Pohl 11. Gleich links befindet sich hier seit 15 Jahren das Jugendteam. Eine Einrichtung des Stadtteilverein Tiergarten. Heute spielt hier eine Gruppe Jungs am Computer und zwei weitere spielen Billiard. Chef hier ist Karsten Masch. Er erzählt mir von den von den Fußballturnieren, die sie hier unter anderem veranstalten. Hier spielen vor allem viele schwierige Jugendliche, die sonst nicht in den Vereinen genommen werden.

Denn eines stellt Masch klar: “Hier gibt es Licht und Schatten nebeneinander. Eigentlich ist es eine heiße Ecke hier. Die Straße erscheint zwar ruhig, aber die Sozialdaten sagen was ganz anderes“ Es gibt viele sozial schwache Familien, die meisten von ihnen mit Migrationshintergrund, außerdem viel Kriminalität. Auch ihm ist aufgefallen, dass sich immer mehr Künstler_innen ansiedeln, die Mieten gestiegen sind und auch auf der Freifläche vor ihrem Bogen werden Eigentumswohnungen entstehen. Denn mit der Nähe zum Potsdamer Platz sei das hier top Wohnraum. Deswegen ist die Straße auch eine Seltenheit in Berlin, meint Masch, einerseits starke soziale Probleme und andererseits kommende Eigentumswohnungen und Künstler_innen. Allerdings sieht er nicht, dass sich der Kiez so schnell verändern wird, schließlich lebten hier feinere Gesellschaften schon immer neben Bordellen und Wettbüros. Diese Spannung sei typisch für diese Ecke.

Ich laufe zurück, in Richtung Potsdamer Straße. Mittlerweile hat sich eine Gruppe von Müttern auf die Bänke an der Körnerstraße gesetzt. Sie sprechen arabisch, ihre Kinder deutsch miteinander. Ehrlich gesagt, habe ich noch immer den Eindruck, es sei eine friedliche Straße. Sie täuscht anscheinend sehr gut über ihre Probleme hinweg. Naja, im Sonnenschein sieht alles schöner aus.

Dann komme ich am Bioladen Ölweide vorbei. Das Bistro ist schon zu, aber im Laden wird noch verkauft. Am Türeingang kleben Sticker wie „I love Yoga“ und „Genfood, Nein Danke“. Ich fühle mich an den Prenzlauer Berg oder Kreuzberg erinnert. Ich unterhalte mich kurz mit Ahmed Gürez an der Kasse, ihm gehört der Laden. Seit acht Jahren hat er den, als dann auch daneben die Ladenfläche frei wurde, hat er sein Bistro nach nebenan verlagert. Viele kommen hier zur Mittagspause hin. Sein Laden läuft, es sei zwar schwierig in diesem Gebiet, aber er habe viele Stammkunden, erzählt er. Einer ist auch gerade herein gekommen. Er kauft ein Brot und einen Salatkopf und kommentiert die Frage nach einer möglichen Gentrifizierung der Straße und die zugezogenen Künstler_innen mit „Hoffentlich hauen die wieder ab!“ Er erzählt, dass ein benachbarter Künstler in seinem Haus (nicht in der Pohlstraße, aber in der Nähe) ausziehen musste, da sie ihm die Miete verdoppelt hätten. Jetzt kämen da „nur so Leute mit Goldkettchen und kleinen Hündchen aus London zu den Besichtigungen”, erzählt er, trotzdem lachend. Soweit scheint es in der Pohlstraße noch nicht zu sein.

Ich fahre nach Hause mit der Feststellung, dass in Berlin nicht immer alles so ist, wie es scheint und dass in einer kurzen Straße viele unterschiedliche Menschen ganz verschiedene Leben mit ganz verschiedenen Problemen haben können.

Portrait über Katarina Wagner

von HU-Gastbloggerin Dafni Ragousa

Das Portrait ist enstanden im Rahmen des Sommerkurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität.

Würde Katarina heute im Lotto gewinnen, würde sie gerne mit ihrer ganzen Familie nach Brasilien fliegen, wo sie bis jetzt nur einmal als kleines Kind gewesen ist. Die Eltern der 22-jährigen mit den schönen braunen Locken haben sich in São Paulo kennengelernt. Ihre Mutter ist eine brasilianische Theater- und Zirkuspädagogin und ihr Vater ein deutscher Musiker. Die junge Berlinerin studiert Kulturwissenschaft und Gender Studies und würde in der Zukunft gerne als Journalistin für den Kulturbereich arbeiten, entweder bei einer Zeitschrift oder beim Radio. Bevor es allerdings soweit ist, will sie einen Master machen, wo sie sich genauer mit dem Thema Rassismus auseinander setzen will.

Als Studentin der Kulturwissenschaft interessiert sie sich für jede Art von Kultur und für Filme. Sie will irgendwann selber als Journalistin zu einem Dokumentarfilm beitragen.

Ihren Sommerurlaub macht sie am liebsten in Barcelona, da ihr Freund aus dieser Stadt kommt. Als Erfrischung für die heißen Tage am Mittelmeer sorgt dann leckeres Zitroneneis. Die spanische Sprache beherrscht sie fließend. Nun lernt sie auch katalanisch, die Sprache, die in Barcelona gesprochen wird.

Sie kann sich nicht vorstellen ihr ganzes Leben in derselben Stadt zu verbringen, sondern will die Welt durch ihre Arbeit kennenlernen. Einen kleinen Schritt in Richtung Ausland hat sie schon gemacht, als sie an ihrem Lieblingsurlaubsort Barcelona ein Auslandssemester absolvierte.

Die Straße mit den neuen Häusern und der alte Seele

von HU-Gastbloggerin Kristina Lapickaja

Die Straße mit den neuen Häusern und der alte Seele – so würde ich die Steinmetzstraße beschreiben. Wenn ich durch die ganze Straße gelaufen bin, habe ich viele schöne, alt aussehende Häuser gesehen, trotzdem sind sie alle, zu meiner Überraschung, vergleichend neu. Am Tag war die Straße im hellen Licht fast leer, aber trotzdem konnte ich die Vorstellung von dieser Straße in meinem Gewissen bekommen.

Am Freitag, dem 30. November 2007 hat die Bezirksstadträtin Angelika Schöttler die Lichtergalerie in der Steinmetzstraße eröffnet. Viele Jugendlichen konnten seinen Talent zeigen. Laut den Bildern und Videos, hat die Galerie irgendwas Neues auch in das Leben in Berlin gebracht.

Wie jede, große oder kleine Straße, hat die Steinmetzstraße auch seine Geschichte. Wenn wir einen Blick in der Vergangenheit werfen, werden wir überall irgendwas interessantes finden. Besonders hat mich das Kuh auf den Hofboden gewundert. Vorher als ich die Ursache dieser Kuh im Hof erfahren habe, habe ich mir Vieles gedacht, warum diese Kuh hier gezeigt sein konnte. So habe ich in das Internet recherchiert und irgendwas interessantes gefunden, das mir überrascht hat. Früher, im Jahr 1982 war da das Milchgeschäft. Bis zum Jahr 1982 haben alle Leute das frische Milch auf dieser Straße gekauft. Auch die türkische Familien aus Wedding holten sich ungefähr 100 Liter den unpasteurisierten Milch um den Joghurt herzustellen. Im Jahr 1982 wurde der Betrieb von der Schöneberger Steinmetzstraße auf die Rudower Felder umgesiedelt. Heute bleibt auf der Steinmetzstraße ein Bisschen von der Geschichte und ein Denkmal auf den Boden im Form des Kuhs, den man in der Mitte von der Steinmetzstraße im Hof sehen kann.

Falls man die Straße von der Betriebsseite kennenlernen will, gab es da auch die Familienwohnhäuser, da war auch die Fahrschule, die man jede Zeit besuchen kann, oder auch ein paar Caffees in der Nähe nach jedem Geschmack.

So habe ich was Interessantes nicht nur über die große Straßen Berlins erfahren, aber auch über die kleinere, die aber auch Vieles zu der Geschichte gebracht haben.

Portrait über Kristina Lapickaja

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Sommerkurses “Online Journalismus –Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität.

von Uta

gebürtige litauerin die es vor einem jahr in die große stadt berlin verschlagen hat/ studiert jura an der humboldt-universität seit drei semestern und hat immer noch spass daran/ die 19-jährige liebt die vielfältigkeit berlins und testet sich durch die unterschiedlichsten clubs, bars, cafes und restaurants/ spricht aufgrund ihrer deutsch-litauischen schulvergangenheit sehr gutes deutsch/ damals tanzte sie neben der Schule leidenschaftlich gern- erst fünf jahre latin-dance und später street-dance/ nun fehlt die zeit dazu/ das studium geht vor, nebenbei wird noch gearbeitet und zwar als kellnerin bei verschiedenen veranstaltungen, zum beispiel auf messen, in hotels oder bei empfängen – viel zeit für hobbies bleibt da nicht/ bloggen hat sie schon einmal ausprobiert- das projekt liegt aber derzeit auf eis- vielleicht ändert sich das ja

Go for your dream – sagt LISTROS und der Kenianer Patrick Makau läuft Weltrekord

Heute morgen an der Potsdamer Straße:

Kenianer Patrick Makau in der Potsdamer Straße

LISTROS e.V. - Go for your dream - Beim Berlin-Marathon ging heute für den Kenianer Patrick Makau ein Traum in Erfüllung. WELTREKORD!