Portrait Carina

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Winterkurses  “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen”des Career Center der Humboldt Universität
Portraitiert von Lena

Carina (27 Jahre)

sehr aufgeschlossene, lebensfreudige Person mit dem Ziel, die Wegwerfgesellschaft zu verändern/ kommt aus Nordhausen, Thüringen/ lebt seit 2010 in der Metropole Berlin/ hat ein abgeschlossenes Modedesign-Studium/ aus Interesse belegt sie seit einem Semester Kulturwissenschaften mit Nebenfach Italienisch/ die Leidenschaft für diese Sprache entwickelte sich während ihres einjährigen Italienaufenthalts/ ihre Hauptinteressen beschreibt sie wie folgt: “Kultur – Mode – Recycling – Umwelt”/ daraus entwickelte sich ihr eigenes Modelabel “ALUC”, das seit 2010 besteht/ Schwerpunkt des Labels ist “Upcycling” = lokale Produktion und Verwendung von Industrierestprodukten/ zum Beispiel stellt sie “Jacken aus Arbeiterkleidung” her/ hat einen Blog, der parallel zum Modeladen läuft/ www.upcycling-fashion.de 

ANDREAS MURKUDIS, Design- Oase fernab vom Moderummel in Berlin Mitte

Von HU-Gastblogger Carina

Laufkundschaft verirrt sich nicht so schnell hier hin

Es ist nicht einfach den neuen Standort von ANDREAS MURKUDIS in der Potsdamer Straße 81E ausfindig zu machen. Befragt man Passanten nach dem Luxusgeschäft, bekommt man nur ein Schulterzucken oder noch fragwürdigeren Blick zurück. Bei einer zweiten Frage, wo sich denn das ehemalige Tagesspiegel-gelände befindet, wird kurzer Hand Auskunft gegeben. Kommt man dem Gebäude näher wird ein dezenter Hinweis auf einer Steinwand ersichtlich. Kein Schild oder Pfeil, nur die schwarzen Großbuchstaben auf grauer Steinwand lassen erahnen, dass man die Einfahrt durchqueren sollte, um ans Ziel zu gelangen.

Kaum verlässt man die pulsierende Potsdamer Straße, sinkt der Geräuschpegel und man entschleunigt schlagartig durch die plötzliche Ruhe im Innenhof. Geradezu futuristisch erleuchten die weißen, hell beleuchteten Räum-lichkeiten im Gegensatz zum Umfeld. Die Eingangspforten öffnen sich und man betritt die edle Welt des ANDREAS MURKUDIS. Bei diesem Anblick muss man den grauen, tristen Alltag einfach hinter sich lassen.

 Gegensätzliches zieht sich an

Vielleicht ist es der Kontrast zwischen schön und hässlich, fertigem und unfertigem, der den Inhaber in diese Gegend zog. Vielleicht wird gerade durch diesen Kontrast das eigentliche Produkt noch edler und perfekter inszeniert. Die Umgebung ist so gegensätzlich zum Interieur, dass es schon wieder anziehend wirkt.

Andreas Murkudis hat Luxusartikel in Berlin etabliert, aber auf eine andere Art und Weise… unkonventionell und mit einer eigenen Handschrift, ein inneres Gespür von Ästhetik, wie man es sonst eher von Künstlern kennt. Die museale Inszenierung der Ware gleicht eher einer Galerie, als einem Laden. Damit reiht er sich in die Galerienlandschaft ein, die sich seit einigen Jahren rund um die Potsdamer Straße ausbreitet und es erklärt wahrscheinlich auch die Flucht aus Berlins schicker Mitte in diese auf dem ersten Blick trostlos erscheinende Gegend.

Doch seine designaffinen Stammkunden bleiben ihm treu und suchen gern das ehemalige Tagesspiegelgebäude auf. In den Hallen, wo einst, Geschichten des Alltags, Tag für Tag, gedruckt wurden, erzählen nun Luxusartikel ihre ganz eigenen Geschichten.

Was bedeutet Luxus?

Luxus hat viele Gesichter. Im Sinne von Murkudis beschränkt er sich auf RAUM, ZEIT und QUALITÄT.

RAUM ist Luxus. Er steht für Freiheit und Entfaltung. Auf rund 1000 Quadratmetern Fläche und einer Deckenhöhe bis zu 10 Metern ist genug Platz für eine hochwertige Präsentation. Hier kommt jedes noch so kleine Teil, der sorgfältig ausgewählten Objekte zur Geltung.

ZEIT ist Luxus. Zeit zu haben für essentielle Dinge, ohne dabei Zeit zu verlieren ist in der heutigen Schnelllebigkeit nicht einfach. Die Objekte im Murkudisstore strahlen eine Dauerhaftigkeit aus. Sie wechseln nicht jede Saison, mit der Entwicklung einer neuen Kollektion, sondern bleiben und wirken.

QUALITÄT ist Luxus. Heutzutage verdrängt die Massenware immer mehr das Handwerk und einhergehend damit das Wissen über die Herstellung eines Produktes. Wir wissen immer weniger über die Herkunft. Für viele Konsumenten beginnt die Herkunft ihrer Ware oft auf dem Ladentisch, sie fragen nicht nach dem WO? WER? Und vor allem WIE? Ihre Güter hergestellt wurden. Andreas Murkudis fragt nach bis ins kleinste Detail und legt viel Wert auf Qualität und Tradition.

Vor diesem Hintergrund wird der Luxusbegriff eventuell etwas greifbarer und die Dimensionen der Murkudiswelt klarer. Die Auswahl an Accessoires, Mode, Möbel und Design von Marken wie Dries Van Noten, Maison Margiela, E 15, Nymphenburg und natürlich die Kollektion seines Bruders Kostas spricht für sich und zeigt, dass es sich lohnt manchmal Umwege in Kauf zu nehmen und versteckte Hinterhöfe zu erkunden.

Wirklichen Luxus muss man erst sehen und verstehen lernen. So erfährt man die wahren Geschichten der Qualitätsprodukte nur, wenn man viel Zeit mitbringt und vor Ort durch Gespräche die ANDREAS MURKUDIS Design-Oase verstehen lernt und in eine neue Konsumdimension eintaucht. Es ist ein langsamer und bewusster Einkauf, der den Kunden nachhaltig beeindruckt und verändert.

Die Kurfürstenstraße

U-Bahnhof Kurfürstenstraße

Der Anfang sieht eigentlich eher aus wie das Ende. Ein Bauzaun, dahinter Sand und Schotter, aufgeschobene Erde. Der zukünftige Park am Gleisdreieck. Hier baut das Land Berlin ist dort zu lesen. Im Hintergrund fährt die U2 vorüber, zur Linken überquert die Linie 1 die Dennewitzstraße und verschwindet im Untergrund. Hier beginnt die Kurfürstenstraße. Die Bezirke Schöneberg und Tiergarten teilend, verläuft sie quer zur Potsdamer Straße, bis sie nach ungefähr zweieinhalb Kilometern am Zoologischen Garten endet.

Dort, wo die Kurfürsten auf die Potsdamer trifft, pulsiert das Leben. Es ist laut und lebendig. Menschen eilen vorbei, treten mit Tüten bepackt aus dem nahen Supermarkt, verweilen eventuell kurz, um mit Bekannten zu sprechen, verschwinden dann im Aufgang der U-Bahn oder bei Woolworth. An die Ampel geklebt, versucht ein Plakat die Vorbeieilenden für Yoga und Meditation zu interessieren. So manch einer scheint Entspannung jedoch lieber im gegenüberliegenden Love, Sex & Dreams-Shop zu suchen. Dort läuft derzeit eine spezielle DVD-AKTION! Wem ein Film nicht reicht, dem bietet die Kurfürstenstraße auf den nächsten Metern mehr. Berlins wohl berüchtigtster Straßenstrich befindet sich hier.

Ein Stückchen weiter wirbt das geborstene Lächeln eines Clowns für eine Zirkusvorstellung. Tierquäler hat jemand auf das zertretene Schild geschrieben. Dahinter eingezäunt, ein Birkenwäldchen. Eine Imbissbude bietet Bratwurst an. Und Currywurst natürlich. Von hier hat man einen guten Blick auf die 12-Apostel-Kirche. Und auf die auf Grün wartenden Autos. Auf den leeren Parkplatz. Und auf das dahinterliegende Möbelhaus. Auf die kaputte Telefonzelle. Erlebe mehr verspricht ein Werbeplakat. Unter den Füßen vibriert der Boden, biegt die U1 in Richtung Nollendorfplatz ab.

Am Café Einstein vorbei und schon in Sichtweite des Zoos, erreicht man die Kleine Nachtrevue. Recht unscheinbar von außen, enthüllen die Plakate neben dem Eingang doch sehr anschaulich, was den Besucher drinnen erwartet. Hier gibt es die Anleitung zur Domina, daneben entführt ein Cancan, zügellos und wild, die Phantasie der Zuschauer ins Paris des 19. Jahrhunderts. Überhaupt wird Fiktion hier großgeschrieben. Und mit c vor dem k. Auf der anderen Straßenseite hat man für orthographische Willkür wohl eher wenig Sinn. Hinter dem DIN-Platz befindet sich dort das Deutsche Institut für Normung, sorgen 550 Angestellte dafür, dass  ein gewisser Standard möglich ist. Und wirklich, die Gegend um den DIN-Platz erscheint ein wenig geordneter. Im Schaufenster des Souvenirgeschäfts stehen die Berliner Bären in Reih und Glied, daneben -stillgestanden!- eine ganze Kompanie Maneki Neko. Mauerstücke gibt es hier zu kaufen. Natürlich mit Zertifikat. Und im Nachbarhaus wirbt ein Zertifiziertes Institut für Thaimassage. Weniger Erfolg scheinen dagegen die Bemühungen der Berliner Stadtreinigung zu haben. Haufenweise gute Taten steht in weißen Lettern auf orangem Grund, was den meisten Hundebesitzern jedoch herzlich egal zu sein scheint. Aber das findet man ja auch in Friedrichshain.

Von HU-Gastblogger Sven

Porträt: Sven

Portraitiert von Nele

Als Fotograf arbeitete Sven freiberuflich für unterschiedliche Tageszeitungen und Magazine wie unter anderem Amnesty International. Seine Fotos zeigen die Motive seiner Reisen wie etwa durch die ehemalige Sowjetunion, aber auch seiner Wahlheimat Westafrika. Über drei Jahre lebte und arbeitete Sven in Nigeria, zog dann nach Berlin, um seinem Interesse an dieser Region weiter nachzugehen. Asien- und Afrikawissenschaften sowie Kunst- und Bildgeschichte stellen konsequenterweise die Fächer seines derzeitigen Studiums dar, das er nun bald abschließen wird. Danach will Sven bei einer Reise durch den Iran, nicht nur seine neu erlernten Persischkentnisse anwenden, sondern auch journalistisch tätig werden: Seine Fotografien sollen durch inhaltliche Arbeiten erweitert werden. Neben dem journalistischen Schreiben interessiert ihn insbesondere die Produktion von Radiobeiträgen, an denen er sich zur Zeit privat erprobt.

Die Bautzener Straße – eine unscheinbare Straße

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Winterkurses [“Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen”des Career Center der Humboldt Universität ]
Portraitiert von Sascha Lawrenz

Hier entlang: Die Bautzener Straße

Biegt man in die Bautzener Straße aus der Yorckstraße ein, so wird der erste Eindruck, den man gewinnt, auch der letzte sein, wenn man die Bautzener Straße über die Monumentenstraße wieder verlässt. Rechts Wohnungen, links nichts, außer Flächen voller Gestrüpp, dann Brache und die Gleisanlagen.

Die Bautzener Straße liegt direkt am Gleisdreieck. In dieser gibt es eigentlich nur Wohnungen, Geschäfte sucht man fast vergeblich – dennoch gibt es spannende Orte zu entdecken.

Auf den ersten Metern kann man noch auf den S-Bahnhof Yorckstraße heraufschauen, durch die Brachflächen hindurch – an diesem ruhigen Sonntag hört man sogar die Ansagen des Bahnhofspersonals. „Zurückbleiben bitte“, so schallt es in die Innenhöfe am Anfang der Bautzener Straße. Es klingt, als würde man vor den verwilderten Flächen vor den Gleisanlagen gewarnt werden.

Die zwei folgenden Innenhöfe, die man im Vorbeigehen streift, unterscheiden sich immens: Ersterer, etwas schmuddelig anmutend, wird am Zaun von unübersichtlich vielen Werbetafeln behangen, die mal einen Zirkus, mal ein Konzert, bewerben. Der Innenhof wirkt nicht einladend – im Gegensatz zu dem Anderen, der sich wenige Meter später anschließt: Unzählige Fahrräder, Kinderspielzeug und viel „Grün“, das Zwitschern von Vögeln lässt sich deutlich aus einer fast komplett mit Efeu bewachsenen Wand vernehmen. Es wirkt wohnlicher, auch gemütlicher.

Zwischen beiden Innenhöfen befindet sich ein Tantrastudio, hereinschauen darf man hier allerdings nicht. Das Fenster ist verhangen, sogar GoogleMaps blockiert dieses Haus mit einem grauen Schleier. Wie übrigens bei fast allen anderen kleinen Geschäften in dieser Straße auch. Nun ja, man möchte eben ein Geheimtipp bleiben.

Man trifft noch auf die Keramikgalerie, die auch Kurse anbietet, bevor man die  Großgörschenstraße, die die Bautzener Straße fast exakt halbiert, erreicht. Auf der anderen Straßenseite, wieder an den Gleisanlagen dran, liegt eine Autowerkstatt, die von weitem etwas improvisiert wirkt.

Apropros Autos: Allmählich festigt sich auch der Eindruck, es gebe hier zu wenige Parkplätze. Geparkt wird eher nicht StVO-konform, was aber auch nicht so sehr stört. Einfacher haben es wahrscheinlich diejenigen, die mit dem Fahrrad unterwegs sind, was vermutlich unzählige Bewohner der Straße sind. Fahrräder stehen, liegen und lehnen hier an jeder Hauswand und jedem Verkehrsschild.

Der Bautzener Platz, der sich dann anschließt, stellt eine Verbindung zur benachbarten Hochkirchstraße her, allerdings nur für Fußgänger.

Recht mittig in der Straße gelegen: Der Bautzener PlatzRecht mittig in der Straße gelegen: Der Bautzener Platz

 

In der Bautzener Straße 14 findet sich ein Süßwarenladen – der Naschpirat, der eigenen Angaben zufolge wahre Fruchtgummischätze beherbergt. Hier werde ich einmal persönlich vorbeischauen, um mich von den Fruchtgummischätzen und der Exklusivität des Ladens zu überzeugen.

Am Ende angekommen, kann man fast problemlos in einen Recyclinghof der BSR hereinschauen. An der Monumentenstraße angelangt, führt links eine Brücke entlang, die über jene Gleisanlagen verläuft. Polizisten schreiben hier eifrig Knöllchen, zu viele falschparkende Autos stehen auf der Brücke. Von hier hat man einen guten Überblick, nur dieses Mal eben andersherum, links die Wohnstraße, rechts das unübersichtliche Gestrüpp vor den Gleisanlagen.

Von der Brücke an der Bautzener Straße / Ecke Monumentenstraße hat man einen Überblick

Portrait Sascha Lawrenz

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Winterkurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen”des Career Center der Humboldt Universität

Portraitiert von Christoph

schrieb unter anderem für die Bundeswehr / ein junger Mann, der sich aktiv in der Kommunalplitik von Treptow-Köpenick engagiert / will den Leser mit lebendig geschriebenen Texten fesseln / plant eine journalistische Komponente in seinem Leben / das juristische Tagesgeschäft wäre sicherlich ein spannendes Feld / in seiner Freizeit ein leidschaftlicher Jogger / studiert seit Kurzem Jura an der Humboldt Universität zu Berlin / will Licht in den medialen Dschungel bringen / eine eigene Website oder ein Blog wäre ein erster Schritt / …

„from the basement“ – hervorgeholt von Anita Staud

Seit Ende 2011 bespielt die Künstlerin Anita Staud zur Zeit leerstehende Gewerberäume in der Nestorstr. 36,10709 Berlin. Was hat das mit der Potsdamer zu tun?

Anita Staud: „Zwischen 1995 und bis Juni 2010 hatte ich mein Atelier im Innenhof des früheren Tagesspiegelgeländes in dem ehemaligen Anton-von-Werner- Haus. Aufgrund von Zwangsversteigerung des Geländes musste ich diesen Ort verlassen und fand mich wieder in Charlottenburg, ganz nah am Schloss. Ich entdeckte mein neues Umfeld als viel schöner und wunderte mich nur, im Bezirk einem Phänomen zu begegnen, mit dem ich in der Anfangszeit in der Potsdamer auch konfrontiert war: dem Ladenleerstand.

Klar, Mitte ist interessant, Friedrichshain voller junger Leute, die Potsdamer jüngstes Zentrum der Kunstszene, aber in Charlottenburg kann man in Ruhe durchatmen und Wilmersdorf ist auch ganz entspannt. Museen, historische Straßenfassaden, Cafés und Restaurants, Gewerbe in erreichbarer Nähe…Was könnte besser sein für das Entstehen von Kunst?
Und doch, überall sieht man über längere Zeit großräumigen Leerstand im Vorbeifahren: Die Ecke an der Kantstrasse z.B., wo früher ein Goldschmied sein Domizil hatte, am Lehniner Platz…
Durch diese Beobachtungen entstand mein Konzept:
Die leer stehenden Läden oder Gewerberäume sollten zur kulturellen Bereicherung dieses alteingesessenen Wohngebiets wieder belebt werden!

Wie sonst, wenn nicht durch die Kunst?“

Glücklicherweise macht sie auch noch Projekte im Umfeld der Potsdamer Straße, dazu später mehr. Doch zunächst in den Westen:

Neuer Projektraum in Charlottenburg-Wilmersdorf: Nestor 36 !
Mittwoch, den 28.3.2012 von 19 bis 22 Uhr wird als 2. Ausstellung die Einzelausstellung von Anita Staud eröffnet:
„from the basement“, der Titel nach einer LP von Jan Akkermann
Bilder von Anita Staud von 1990 bis 2011 aus dem Lager des Geschäftshauses von Zumholz, im Vorwende-Berlin der größte Schallplatten- und HiFi-Laden Berlins.

Zur Künstlerin:
„Anita Staud arbeitet bevorzugt an Orten mit Geschichte, dies kann eine Kaserne /Panzerhalle ebenso sein, wie ein verlassenes Krankenhaus. Dies können Orte in anderen Ländern ebenso sein, wie die unmittelbare Umgebung der Künstlerin. Fundstücke von diesen Orten sind zumeist ‚gebrauchte’ Papiere, wie alte Rechnungen oder Inventarlisten, aber es kann auch ehemals brisantes Material gefunden werden, wie z.B. Karteikarten und Abhörberichte ehemaliger DDR-Grenztruppen. All diese Fundstücke werden mit skripturalen Tusche- zeichnungen überarbeitet. So entstehen ganze Werkzyklen, die diesen Ort dokumentieren und gleichsam in eine freie künstlerische Ebene transportieren. Diese ‚Zeichen’ finden sich auch auf Anita Stauds freien (ortsunabhängig) entstandenen Bildern wieder, oftmals gleichsam als Ergebnis eines vorangegangenen Arbeitsprozesses der entstandenen Werkzyklen auf Papier.“ (C.Gerner, Kunsthistorikerin)

Öffnungszeiten und weitere Informationen : 
Sonntags 17 – 19 Uhr und individuell nach telefonischer Absprache 
0173/787 55 05 oder per Mail: staudart@aol.com
Der Ort: Nestorstrasse 35, 10709 Berlin

- Die 2. Ausstellung im Projektraum Nestor 36 entstand in Kooperation mit der Zumholz Grundbesitz Verwaltungs GmbH, der Kunstwerkstatt, Concept Berlin und der Galerie Kuhn und Partner.  (Und diese Galerie ist ja an der Potsdamer Straße, genau gesagt: in der Pohlstraße)

Klein aber Oho! – Ein Spaziergang durch die Goebenstraße in Berlin-Schöneberg

von HU-Gastbloggerin Lena

Mein Blick fällt auf historische Altbauten, deren Fassaden mit reichlich Stuck verziert und gut erhalten sind. Daneben reihen sich nicht sehr gepflegte und mit der Zeit heruntergekommene Gebäudefronten. Besonders ins Auge sticht der leicht verblasste türkis-farbende ARWO-Bau, der sich so gar nicht ins Straßenbild einfügen will.

Mit diesen Eindrücken von den auffallend unterschiedlichen architektonischen Stilen beginnt mein Spaziergang durch die Goebenstraße, die im Berliner Stadtteil Schöneberg liegt.
Die Goebenstraße ist ein kleines Stück zwischen der Pallasstraße und der Yorckstraße. Obwohl sie sehr kurz ist und nur ca. 400 Meter lang ist, ist sie dennoch viel befahren und viel besucht. Sowohl Mehrfamilienhäuser, als auch ein paar Geschäfte reihen sich dort aneinander. Zu den wichtigsten Geschäften gehören Lidl und KiK. Außerdem sind ein Kinderarzt und eine Vollreinigung ansässig. Auch das Restaurant Hodori für asiatische Spezialitäten ist durchaus bekannt.

Und plötzlich stehe ich vor einem weit aufgerissenen Bärenmaul! „Downstairs“ steht als Graffiti gesprüht daneben und eine kleine Tür führt in einen angesagten Hip Hop – Laden, der nicht nur Kleidung, sondern auch Zubehör für das Graffiti-Sprayen und Artikel rund um das Thema Hip Hop vertreibt. Das hätte ich nun wirklich nicht von der „kleinen“ Goebenstraße erwartet und bin erstaunt über die bunte Mischung an Geschäften!

Ich gehe weiter und frage mich, woher die Goebenstraße ihren Namen bekam. Dank Smartphone erfahre ich noch an Ort und Stelle meines Spaziergangs, dass sie nach August Karl Friedrich Christian von Goeben benannt ist. Dieser Herr von Goeben lebte von 1816 – 1880 und war ein bekannter Generalsoffizier beim Militär. So diente er bei der Niederschlagung des Badischen Aufstands und ebenso beim Deutsch-Dänischen und Deutsch-Französischen Krieg. Die Goebenstraße hat ihren Namen seit 1874 und wurde vom Berliner Bankverein angelegt.

Jetzt, da ich weiß, dass die Goebenstraße als Ehrung für Herrn von Goeben gedacht ist, kommt sie mir gleich nicht mehr so kurz und unbedeutend vor. Jede Straße hat eben doch ihre Geschichte und ist nicht aus Berlin weg zu denken. Dies war vielleicht auch einer der Gründe, warum die Goebenstraße nicht wie geplant im Jahr 1945 mit der Pallasstraße zusammengelegt wurde, sondern erhalten blieb.

Und das ist auch gut so! Denn trotz ihrer Kürze besticht die Goebenstraße mit einer großen Vielfalt an Geschäften, Wohnhäusern und Anwohnern. Bei einem Spaziergang durch die Goebenstraße gibt es viel zu sehen und ein Eindruck einer kurzen, aber doch sehr typischen Straße von Berlin bleibt in Erinnerung.

Portrait Lena

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Winterkurses [“Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen”des Career Center der Humboldt Universität ]
Portraitiert von Carina
Lena (21 Jahre)

… ist Jurastudentin im dritten Semester/ an ihrem Studium mag sie vor allem den Praxisbezug/ sie ist in Berlin geboren, aufgewachsen und hat die Stadt zu ihrem Lebensmittelpunkt auserkoren: „Alle kommen her, warum weggehen?“/ in ihrer Freizeit steht Lena hin und wieder als Komparsin vor der Kamera/ am liebsten mag sie es jedoch durch Reisen dem Alltag zu entfliehen/ es sind die unterschiedlichen Kulturen und Facetten der Großstädte, die es ihr angetan haben/ Lissabon und Paris stehen ganz oben auf ihrer Checkliste/ in zehn Jahren möchte sie einmal in jeder europäischen Hauptstadt gewesen sein/ sehr erfrischende und interessante erste Begegnung

Am Ende der Welt… – Flottwellstraße / Dennewitzstraße

Von HU-Gastblogger Marko Eitel

Das Berlin eine Stadt der Gegensätze ist, ist ja allgemein bekannt. Eben läuft man noch auf einer pulsierenden Hauptstraße, dann biegt man einmal ab und schon ist man von Stille umgeben. Und dann biegt man noch einmal ab, sieht sich um und denkt, dass es bis zum Ende der Welt jetzt nicht mehr weit sein kann. So ein Ort ist die Flottwellstraße.

Knappe 500 m Luftlinie trennen sie vom Potsdamer Platz, doch wenn man in sie vom Schöneberger Ufer kommend hineinläuft, ist alles Städtische auf einmal fort. Auf der linken Straßenseite gibt es nur einen Bürgersteig, der von einer unansehnlichen Mauer aus gelben Backsteinen, wie sie für alle alten Bahngebäude so typisch ist, begrenzt wird. Wenn man weiß, dass sich hinter dieser Mauer bis vor einigen Jahren die Überrestes des ehemaligen Potsdamer Güterbahnhofs befanden, bekommt man eine Ahnung, dass hier wirklich eine Welt endete und eine andere begann. Denn wer wollte schon auf der rechten Straßenseite mit Blick auf ein endloses Meer aus Schienen nebst dazugehörigem Rangierlärm wohnen?

Wollen sicher niemand, doch gewohnt haben dort natürlich die Arbeiter. Dementsprechend bestand die rechte Straßenseite ursprünglich auch aus einer Aneinanderreihung von Mietskasernen, die sich ebenso lang hinzogen wie die gelbe Backsteinmauer. Schon damals stand diese Gegend zum geographisch gesehen nahen Herzen der damaligen Weltstadt Berlin in scharfem Kontrast. Der Krieg riss dann große Lücken in diese geschlossene Häuserfront, welche anschließend nie wieder geschlossen wurden. Da die ganze Bahnhofsanlage in der Zeit der Teilung der Stadt ohne Funktion war, verwilderte das Gelände, was die Flottwellstraße und die sich anschließende Dennewitzstraße nicht attraktiver machte.

Ein schönes Beispiel, wie weit unten der Straßenzug schon immer in der Gunst der Raumplaner stand, lässt sich in Form einer architektonischen Sehenswürdigkeit am Übergang von der Flottwellstraße in die Dennewitzstraße bewundern. Als in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts das Wachstum der Stadt eine neue U-Bahnlinie erforderlich machte, gab es wegen der dichten Bebauung mit Mietskasernen keinen Platz für die Bahn. Also kaufte man einfach die benötigten Grundstücke und, nein, man riss die Häuser nicht ab, sondern baute die Strecke einfach durch die Häuser hindurch.

U-Bahn Viadukt in der Dennewitzstraße

Da bekommt man in Zeiten von S21 nur das Kopfschütteln und kann sich aber auch ausmalen, für wie unwichtig diese Gegend und ihre Bewohner galten. Wobei die Vergangenheitsform unangebracht ist, denn nach dem Ende der Teilung wurde der Betrieb der Strecke wieder aufgenommen. Und so fährt man auch heute noch mit der U-Bahn zwischen den Bahnhöfen Gleisdreieck und Kurfürstenstraße unter den Fußböden von im 5. Stockwerk liegenden Wohnungen entlang.

Kurz nach der Unterquerung des U-Bahn-Viaduktes kommt man dann an einen Ort Berlins, der trotz seiner abgelegenen Lage nach dem Ende des Kalten Krieges weltbekannt wurde. Auf dem Gelände einer ehemaligen Autowerkstadt stand direkt an der Kreuzung zur Kurfürstenstraße das „90 Grad“. In den 90er Jahren gehörte dieser Club zu den bekanntesten Partyadressen der Welt. Viele Größen aus Politik, Wirtschaft und dem Showbiz feierten hier: Georg Clooney ebenso, wie Sarah Connor oder Ex-Kanzler Gerhard Schröder. Übrig geblieben ist davon heute nur noch das Goldfarben gestrichene Tor. Der Rest wurde abgerissen.

Denn das Gelände gehört zum im Entstehen begriffenen neuen Park, der die Fläche des ehemaligen Güterbahnhofs wieder einer sinnvollen Nutzung zuführen soll. Attraktiver und wohnlich hochwertiger soll diese lange Zeit von der Stadt so sträflich vernachlässigte Gegend werden. Noch ist nichts davon zu sehen. Höchsten zu ahnen: die lange gelbe Backsteinmauer wurde an einigen Stellen durchbrochen, um Zugänge zur Parkanlage zu schaffen. Und auf vielen Brachflächen in der Flottwellstraße hat sich eine rege Bautätigkeit entfaltet. Es sieht also alles danach aus als rücke die Gegend in den nächsten Jahren vom Ende der Welt ein Stück weg und näher an das Zentrum einer sich in Entwicklung befindenden Weltmetropole heran.