Tag Archives: Arbeit

Yorck52: Café und Coworking Space in Grün

Von HU Gastblogger Ines Sieland

Die Yorckstraße scheint menschenleer, nur Autos rauschen in Massen an mir vorbei.  Ich bin auf dem Weg zum Yorck52, einem biologisch veganen  Café und Coworking Space, welches im Juni 2010 eröffnet wurde.

Es liegt nur circa fünf Minuten vom S/U-Bahnhof Yorckstraße entfernt. Von außen wirkt es klein und unscheinbar; gegenüber ist eine Baustelle. Dort wird ein Baumarkt mit einem Fußballplatz auf dem Dach und dahinter ein großer Park entstehen.

Yorck52

Ich trete ein. Mein Blick fällt auf eine gemütliche Couchecke und auf eine Vitrine mit leckeren belegten Brötchen, Kuchen und vielen gesund aussehenden Säften. Einige Gäste sitzen hier im Cafébereich vor ihren Laptops, andere unterhalten sich leise. Continue reading

Tausche Perlen gegen Pony

Von HU-Gastbloggerin Jennifer Wilken , die auch für die neue Ausgabe von mitte(d)ran, der Kiezzeitung in Tiergarten-Süd schreibt, die im November erscheint.

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Solidarität - ( © Flickr/Jeff Bauche )

120 x 62mm Papier aus stärkefreier Baumwolle, oder auch 37,5 Gramm in jeweils 2,33mm dicken Nickel-Messing Scheiben, das sollen erwachsene EmpfängerInnen von Regelleistungen zur Grundsicherung (umgangsspr. Hartz IV) bald mehr in der Tasche haben. 5 Euro genau. Davon könnte man beim Netto in Höhe Lützowufer nach aktueller Preislage einen Brokkoli pro Woche mehr kaufen, jede zweite Woche eine Kiwi. Selbst ohne Transferleistungen wird es für viele Menschen immer schwerer ihren Lebensstandard zu bestreiten. 14% der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, wie eine Studie des DIW 2010 ergab. Über 40% sind Alleinerziehende mit Kleinkindern, fast immer Frauen.

Ein Pony wird jedenfalls von 5 Euro nicht satt, und einen vernünftigen Haarschnitt gibt‘s dafür erst recht nicht. Mit einem Euro mehr könnte (Mit nur einem Euro mehr hingegen, kann sich Frau snicht nur frisieren lassen, sondern auch die Wohnung renovieren, Gitarre spielen, oder Französisch lernen – das ganze Jahr über. 6 Euro beträgt nämlich der Jahresbeitrag des Lesben- und Frauen-Tauschrings „Ladies Tauschtraum“ im Schöneberger Frauentreff BEGINE. Zumindest, wenn das Einkommen monatlich unter 750 Euro liegt. Wer mehr verdient, zahlt 12 Euro pro Jahr. Immer noch ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, wie vielfältig das Tauschangebot ist. Das Konzept ist nicht neu, aber aktueller denn je.

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Helping Hands (© Flickr/katerha )

Ladies Tauschtraum: „Jede Arbeit ist gleich viel wert“

„Zur Zeit sind wir ein Netzwerk aus ca. 50 Frauen. In letzter Zeit haben wir bei fast jedem Treffen mindestens einen Neuzugang“, erklärt Mahoney, die den Tauschring vor ca. 15 Jahren mit 3 anderen Frauen gründete. Die Idee dahinter war ein gemeinschaftliches Wirtschaften ohne Geld, bei dem keine Arbeit weniger wert ist als die andere.

Jede geleistete Stunde wird mit einer „Perle“ verrechnet, die man auf einem Konto gutgeschrieben bekommt und gegen eine andere Leistung aus dem Katalog online tauschen kann. Faires, bedarfsorientiertes Handeln, ganz ohne Geld.

„Die Frauen handeln die Details untereinander aus. Die Idee beim Tauschring ist ja auch, dass man miteinander kommuniziert, ein Netzwerk bildet.“ Arbeit soll nicht länger anonym und ohne menschlichen Bezug stattfinden, sondern wieder Spaß machen. Dabei gehe es auch immer um ein Stück Lebensqualität und Mitgestaltung, ganz unabhängig davon, wie viel Geld einem zur Verfügung steht. Deswegen wird jede neue Teilnehmerin darum gebeten nur Dinge anzubieten, die sie gerne macht.

„Ich bin zum Beispiel mal umgezogen. Ich musste nur den Transporter bezahlen. Eine andere Frau hat den Wagen geholt, wir haben die Kisten in einer Reihe die Treppe weitergereicht, zum Schluss wurde das Futon aufgerollt und zu zweit unter den Arm geklemmt, schon war alles oben. Am Ende haben wir dann alle gemütlich Pizza gegessen. Das war richtig schön so in einer neuen Wohnung anzukommen!“ erzählt Mahoney. Die Künstlerin bietet auch schon mal an zur Axt zu greifen, wenn es an‘s Brennholz machen geht. „Das kann sehr befreiend wirken.“

Die Tauschladies kommen längst schon nicht mehr ausschließlich aus dem Berliner Raum. Eine Frau bietet nach ihrem Umzug nach Frankreich nun zum Beispiel Übernachtungen an.

Und das Konzept funktioniert tatsächlich reibungslos?

„Einmal gab es einen Beschwerdebrief vom Steuerberaterverband: Steuererklärung gegen selbst gemachte Marmelade tauschen, das geht so nicht!“ erzählt Mahoney belustigt. Natürlich gebe es auch immer mal Frauen, die bestimmte Sachen besser können, aber letztendlich seien alle zufrieden. Über die Tauschregeln wird schließlich gemeinschaftlich abgestimmt.

Lesben- und Frauen-Tauschring: Ökonomische Nische oder ernsthafte Alternative?

Perlen statt Geld. Tausch und Hilfe statt unreflektiertem Konsum. Vielleicht nur eine Nische im Turbo-Kapitalismus. Auf jeden Fall eine, die immer mehr an Attraktivität gewinnt:

Tauschplattformen wie Kleiderkreisel werben in ihren Bannern mit dem „stilvollen Kampf gegen Verschwendung“. In Kreuzberg eröffnete in diesem Jahr ein neuer Umsonstladen, Nachbarschaftsgärten finden wieder vermehrt Zulauf, und das alternative Gesellschafts-Magazin „Oya“ widmet eine ganze Ausgabe (03. 2010) dem Schenken und solidarischen Wirtschaften.

Für die Zukunft ist bei den Tauschrausch Ladies ein Basar angedacht, ähnlich der Kleidertausch-Party, der jetzt schon regelmäßig in der BEGINE stattfindet. Einen Verleih von Fahrrädern, Werkzeugen und Büchern gibt es im Tauschring ohnehin schon.

Zusätzlich sollen wieder Grillfeste und Partys stattfinden, damit sich die Beteiligten gegenseitig kennen lernen.

Interessierte dürfen sich jedenfalls eingeladen fühlen, jeden 1. Mittwoch und 3. Freitag im Monat von 18-20:00h in der BEGINE mehr über den Tauschring zu erfahren. Dann werden auch Anmeldungen entgegen genommen.

BEGINE – Treffpunkt und Kultur für Frauen e.V.
Potsdamer Str. 139
10783 Berlin-Schöneberg
Tel. 030/215 14 14
Infos und Programm Klick

30 Jahre Hydra: Hurenkino Filmfestival

Von Gastbloggerin Jennifer Wilken

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Vorsicht, bissig! Der hochhackige Schlangenschuh steht für das selbstbewusste Auftreten von Hydra e.V. und ist bereits einen langen Weg gegangen: 1980 gegründet, feiert die autonome Hurenorganisation in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag mit einem eigenen Filmfestival. Vom 24.-25. September findet im Kino Eiszeit die Veranstaltung Hurenkino statt.

30 Jahre Hydra
Die Geschichte von Hydra war schon immer fest mit der Potsdamer Straße verknüpft. In den Anfangsjahren des in Deutschland bis dato einmaligen Beratungsangebots bezog der Verein seine Räume in einem besetzten Hau an der Potsdamer Straße 139. Während der 80er Jahre gehörte vor allem die Aids-Aufklärung am Straßenstrich Potsdamer-/Ecke Kurfürstenstraße zum Aufgabengebiet der engagierten Frauen. Und auch beim Protest gegen das geplante Laufhaus im ehemaligen Wegert-Haus gehörte Hydra e.V. zu den Parteien, die sich von Seiten der SexarbeiterInnen gegen das Bauvorhaben einsetzte. Beratung und Aufklärungsarbeit findet heute neben dem Büro an der Köpenicker Straße 187/188 in Kreuzberg zusätzlich auf der Straße statt.
Nach gekürzten Geldern im sozialen Bereich ist Hydra trotz allem nicht unterzukriegen, und das ist auch gut so! Denn die Lobby der Sexarbeiterinnen ist gering. Prostitution ist noch immer ein Tabuthema, auch wenn sie, wie beispielsweise an der Potsdamer Straße, schon immer das Straßenbild geprägt hat.

Zur Feier des 30. Geburtstags gab es bereits Anfang September eine Stadtrundfahrt zu markanten Punkten der Berliner Rotlichtszene und den einschlägigen politischen Entwicklungen. Vom 24. bis 25. September lädt Hydra e.V. nun zum Hurenkino Festival in das Kino Eiszeit ein.


Hurenkino: Internationales Sexworker -Filmfestival
Auf dem Programm stehen, na klar, Filme, die das horizontale Gewerbe kritisch und von Seiten der Sexworker betrachten. Neben Dokumentationen zur Situation in Chicago/“Turning a corner“, Rhode Island/Happy Endings“ und Kalkutta/“Tales of the night fairies“ werden am Samstag Kurzfilme von internationalen Sexworker-AktivistInnen gezeigt. Ergänzend zum Programm darf man sich auf spannende und interessante Diskussionsrunden und ExpertInnen-Gespräche mit den Hydra-Mitarbeiterinnen und den FilmemcherInnen freuen.

Freitag, 24. September
17:00h
Tales of the Night Fairies
Indien 74 min/ 2002 (Dokumentation)

19:00h
Turning a Corner
USA 2006 (Dokumentation)

Turning A Corner from Beyondmedia Education on Vimeo.

Samstag, 25. September 2010
17:00h
Happy Endings
USA 2009 (Dokumentation)

19:00h
Internationale SexWork Aktivismus Kurzfilme

im Kino Eiszeit, Zeughofstraße 20, Kreuzberg.

Studis bloggen die Potsdamer Straße

Ich möchte Ihnen StudentInnen des Kurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität vorstellen und diese ganz herzlich auf dem potseblog begrüßen.

Heute geht’s los und in den kommenden fünf Wochen arbeite ich mit den TeilnehmerInnen des Kurses als Fachfrau für journalistische, historische und familiäre Recherchen gebe.

In der ersten Woche sie werden sich gegenseitig interviewen und hier vorstellen. In der kommenden Woche sind wir an zwei Tagen vor Ort an der Potsdamer Straße. Wir haben unsere “Schreibtische” im Freien Museum in der Potsdamer Straße 91 und werden von dort aus die Straße erkunden und Themen ausfindig machen. Dann werden Sie über die ersten Eindrücke der Studierenden an der Potsdamer Straße etwas erfahren.

In den darauf folgenden Wochen werden die Studierenden über Themen an der Potsdamer Straße recherchieren, Leute interviewen, sich Informationen beschaffen, um dann zu einem von ihnen gewählten Thema einen Artikel zu veröffentlichen.

Ich denke, wir können alle darauf gespannt sein, welchen Blick die StudentInnen auf die Potsdamer Straße werfen, welche Themen sie sich wählen, welche Orte und Menschen sie aufsuchen und wie sie darüber berichten. Ich lade Sie ein, dies unter der Kategorie “Gastblogger” mit zu verfolgen.

Stillstand im Laufhaus

SDC11378.JPG Am 19. Mai 2010 entschied die 9. Kammer des Verwaltungsgerichtes Berlin, dass die Betreibung eines “Laufhauses” an der Kurfürstenstraße/Ecke Potsdamer Straße in Berlin-Schöneberg gegen das Gebot der Rücksichtnahme verstöße und daher unzulässig sei. Die Baugehmigung wurde versagt.

Der Betreiber entschied in Berufung zu gehen. Das Verfahren ist damit beim Oberlandesgericht Berlin. Doch bevor es eröffnet wird, muss das Gericht entscheiden, ob die Berufung zugelassen wird. Hierbei werden bereits alle Fakten sorgfältig geprüft, da eine Nicht-Zulassung des Gerichtsverfahrens das Verfahren beendet.

Die Prüfung kann – laut Aussage der Pressestelle des OVG – noch mehrere Wochen, ja vielleicht bis Jahresende dauern.  SDC10577.JPG

Veganisch arbeiten

Manchmal geht’s am Schreibtisch einfach nicht mehr. Er ist zu voll, er ist zu leer. Man selber ist zu voll, oder zu leer. Und die Serotonin-Schublade ist auch leer.

Manchmal ist es einfach gut, sich nur ein Buch zu schnappen, sich dann irgendwohin zu begeben, wo man dann eben nicht noch die email, sms oder twitter-Dienste bedienen kann. Wenn’s dann noch lecker Milchkaffee gibt sind das Stunden der paradiesischen Effektivität.

Oder den Laptop schnappen, die Umgebung ändern, auf einmal sieht der Screen ganz anders aus.

Coworking ist das Zauberwort – und das gibt’s jetzt im Yorck52 – na ja, jetzt die Adresse anzugeben wäre oll. Doch auf der Webseite steht wie’s funktioniert.

Ein paar verführerische Leckerbissen hier vorne weg gestreut: inspirierende Arbeitsumgebungen, Ausleben der Kreativität, Coworking-Brunch zum Wochenanfang, Ermöglichen von Spaces.

und dann natürlich ganz wichtig: das leibliche Wohl: 100% vegan in diesem zertifizierten Bio-Betrieb.

Korrekte Veranstaltungen gibt’s dann auch noch. Zur Wasserdebatte.  Und Spontanes: RawFood Potluck

Kurz gesagt: ein neuer cooler Ort im Kulmer Kiez – in einer Ecke also, die ganz langsam immer mehr zum Blühen kommt.

Bis denne und dorten.

Spieltag 8 – WM an der Potse

Deutschland Flagge Bundesrepublik Deutschland

Andi
hat den vollständigen Durchblick, ist nämlich seit 30 Jahren als Fensterputzer im Quartier unterwegs, er findet es zwar schade, dass es in Südafrika grad so kalt ist, andererseits verdienen ja die Profis auch ein “Schweinegeld” befindet er, das tut wärmen, Fußball guckt er immer beim Araber in der Pohlstraße, da steht das TV draußen, die Unterhaltung ist gut, und das Getröte hält sich in Grenzen, na gegen Serbien muss natürlich gewonnen werden und außerdem weiß er zu berichten, dass sich der neue Kneipenbesitzer von “Hottes Bunte Bühne” mit Pferde- und Kuhmaniküre auskennt.

Serbien Flagge Serbien

napred naši*
Aber nicht hier im Quartier? Auch der Tagesspiegel hat auch nur welche in Neukölln und Charlottenburg ausfindig gemacht – das kann doch nicht sein!

*”Vorwärts Jungs” – zeigt euch an der potse

Slowenien Flagge Slowenien

Wer kennt wen?

Vereinigte Staaten von Amerika (USA) Flagge USA

Bernhard J. Butler
betörte unlängst bei einem Gottesdienst in der Zwölf-Apostel-Kirche mit einer Interpretation “Amazing Grace”, kann wunderbar lachen und hat mit sanfter Soul-Stimme und großem Herz das Stevie Nicks Original „Has Anyone Ever Written Anything“ für die „vergessenen Kinder“ / AIDS Kinder in Deutschland neu aufgenommen, bewegt sich in den Genres Soul, Jazz, Funk und Gospel und ist Postulant beim Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz.

England Flagge England

Michael O’ Meara
war er nun gestern für Frankreich oder Mexiko, heute ist es wohl ganz klar, Pause beim Planen, Entwerfen und Bauen von individuellen Möbelstücken und Fußball geschaut, hat schon einige andere Berufe hinter sich, doch jetzt in Pohl11 konzentriert und an Umgebung interessiert, zum Beispiel an den Entwicklungen zum Gleisdreieckpark … and beyond.

Algerien Flagge Algerien

Wer kennt wen?

Spieltag 3 – WM 2010 an der Potse

Algerien Flagge Algerien

Mokhtar & Band
das sind Milud:Keyboard, Said:Trommel,Mokhtar:Gesang/Gitarre,immer wieder gern gehört hier im Quartier, algerischer und berberischer Musik, instant dancing und singen, Klänge aus Nordafrika, regelmäßig zu Gast im Isotop, Pohlstraße 64.

Slowenien Flagge Slowenien

Wen kennen Sie?

Deutschland Bundesrepublik Deutschland

Gaby Tupper
will sich nicht eindeutig im über das klassische Mann-/Frau-Schema identifizieren lassen, singt, tanzt, lacht, betet, tut Gutes als queere Nonne Sr. Gabriela Perpetua Promisca bei den Schwestern der Perpetuellen Indulgenz

Australien Flagge Australien

Wen kennen Sie?

Serbien Flagge Serbien

Wen kennen Sie?

Ghana Ghana

Dennis Doe Tamakloe
Künstler, cross over von Afrikanischen Lebenswelten und Impressionen aus der Bülowstraße, Buddy Bear immer dabei, Liebhaber von Diversität und Nachbarschaft, untersucht Graffiti als Großstadtzeichen


Mitspielen – WM 2010 an der Potse

Herzliche Einladung zum Mitspielen

Wie funktioniert es?
Es geht darum für jedes Spiel bei der WM 2010 eine Person zu finden, die einen Bezug zur Potsdamer Straße zwischen Kleistpark und Landwehrkanal hat. Entweder weil er/sie hier lebt, hier arbeitet, in der Vergangenheit etwas getan hat oder großes Pläne für die Zukunft hat.

Schicken Sie mir Ihre Vorschläge mit kurzen Beschreibungen und gerne auch Verlinkungen zu Webseiten.  Es wäre gut, wenn ich Ihre Vorschläge ein oder sogar zwei Tage vor dem Spiel hätte.  Bitte schicken Sie Ihre Vorschläge an potseblog/@/wosnitza-berlin.de

Ich garantiere Ihnen, dass alle Vorschläge mit aufgenommen werden. Vielleicht nicht gleich am nächsten Spieltag, aber auf jeden Fall innerhalb der WM 2010.

Viel Spaß bei Mitspielen und beim Entdecken der WM-Vielfalt an der Potsdamer Straße wünscht Regine Wosnitza

Die Spiele und Mannschaften der kommenden Woche

Montag, 14. Juni
Niederlande – Dänemark
Japan – Kamerun
Italien – Paraguay

Dienstag, 15. Juni
Neuseeland – Slowakei
Elfenbeinküste – Portugal
Brasilien – Nordkorea

Mittwoch, 16. Juni
Honduras – Chile
Spanien – Schweiz
Südafrika – Uruguay

Donnerstag, 17 . Juni
Frankreich – Mexiko
Griechenland – Nigeria
Argentinie – Südkorea

Freitag, 18. Juni
Deutschland – Serbien
Slowenien – USA
England – Algerien

Samstag, 19. Juni
Ghana – Australien
Niederlande – Japan
Kamerun – Dänemark

Sonntag, 20. Juni
Slowakei – Paraguay
Italien – Neuseeland
Brasilien – Elfenbeinküste

Danach geht’s selbstverständlich weiter

Kommunikation und Kunst – auf dem Straßenstrich

Es liegt in der Natur des Gewerbes, dass die Arbeit der sozialen Dienste an der Kurfürstenstraße und Umgebung langfristig angelegt sind. Den Straßenstrich im Gebiet gibt es schließlich seit mehr als 100 Jahren. Er hat viele Veränderungen hinter sich und vielem widerstanden.

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In den letzten Jahrzehnten ist es Organisationen wie dem Frauentreff Olga, der Treberhilfe, Fixpunkt, der Mittwochsinitiative der Zwölf Apostel Kirche und Neustart e.V. gelungen, einen vertrauensvollen Kontakt ins Milieu aufzubauen. Da sie alle unterschiedliche Schwerpunkte haben, ist es ihnen gemeinsam ist es zu verdanken, dass die Umgebung trotz aller Schwierigkeiten ein relativ konfliktfreies Feld ist.

EU-Erweiterung

Gleichzeitig waren alle trotz ihrer reichen Erfahrung von den Konsequenzen der EU-Osterweiterung im Jahr 2005 überrascht. Der Kurfürstenstraße brachte diese politische Veränderung einen hohen Anstieg an Prostituierten, einen anschließenden Preis- und Verdrängungskampf, Schwierigkeiten mit den AnwohnerInnen und ein Kommunikationsproblem. Denn die Frauen verstanden kein Deutsch. Die Sozialarbeiterinnen hingegen, konnten sich weder auf polnisch, noch auf ungarisch, rumänisch oder bulgarisch verständlich machen. Doch inzwischen ist auch hier viel geschehen.

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Frauentreff Olga

Der Frauentreff Olga, zum Beispiel, erhielt seit seinem Umzug von der Derfflinger Straße in die Kurfürstenstraße ein neues Profil. Seit über 20 Jahren ist Olga eine Anlaufstelle für Prostituierte, wo sie Essen, Gespräche, medizinische Versorgung und eine Verschnaufpause erhalten. „Wir haben das Olga völlig neu aufgestellt,“ sagt die stellvertretende Leiterin des Drogennotdienstes Petra Israel-Reh. „In der Derfflinger Straße kamen 20 – 30 Frauen pro Abend, hier in der Kurfürstenstraße sind es 40 bis 70 Frauen.”

Olga gründete ein Kommunikationszentrums, was durchaus wörtlich zu verstehen ist. Zum einen wollten sie den Prostituierten im Frauentreff die Möglichkeit geben, mit ihren Familien zu Hause per Telefon und Internet in Kontakt zu bleiben. Zum anderen wollten die Sozialarbeiterinnen mit den Frauen auf Deutsch kommunizieren und boten deshalb Sprachkurse an.

Doch die Rechnung ging nicht auf, die Frauen kamen weiterhin ins Olga, aber nicht zum Sprachkurs. Das Projekt musste an die Wirklichkeit angepasst werden. Zumal den polnischen Frauen andere aus aus der Tschechischen Republik, Ungarn, Bulgarien und Rumänien gefolgt waren.

„Wir arbeiteten wie die Feuerwehr,“ erinnert sich Michaela Klose, seit 2008 Leiterin des Frauentreffs. „Immer wieder mussten wir raus, um kleine Brände zu löschen. Wir hatten nur wenige Arbeitsstunden. Die Frauen hatten Angst vor uns. Sie konnten nicht glauben, dass wir ihnen wirklich helfen, sie nicht ausbeuten oder der Polizei ausliefern wollten.“

Sprachmittlerinnen

Mit Hilfe der Quartiersmanagements und der Quartiersräte in Schöneberg-Nord und Magdeburger Platz wurde ein Projekt aufgelegt, bei dem die Sozialarbeiterinnen gemeinsam mit Sprachmittlerinnen auf die Straße gingen, um mit den Frauen in Kontakt zu kommen. Neben rechtlichen und gesundheitlichen Fragen, machten sie den Frauen auch klar, dass die Kurfürstenstraße ein Wohngebiet ist, baten sie, sich nicht genau vor den Kindergärten und der Moschee zu positionieren und die Werbung nicht rabiat zu gestalten. Dadurch entspannte sich die Sitaution im Kiez merklich.

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Doch die finanzielle Situation fürs Olga blieb mehr als prekär bis endlich – mit Hilfe aus dem Bezirksamt Mitte – das Thema auf Senatsebene gehoben werden konnte und eine finanzielle Bewilligung über den Fraueninfrastrukturfonds die Arbeit nun auf mehrere Jahre sichert.

UnterstüzterInnen

Im April nun lud der Frauentreff Olga all diejenigen ein, die den Treffpunkt in den letzten Jahren finanziell, beraterisch, ideell und politisch unterstützt haben. Dazu gehört neben dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg vor allem das Bezirksamt Mitte mit Bürgermeister Dr. Christian Hanke und der Gleichstellungsbeauftragten Kerstin Drobick. Ebenfalls anwesend war die SPD-Bundestagsabgeordnete von Berlin-Mitte, Dr. Eva Högl, die seit neuestem Vereinsmitglied bei Olga ist. Weiterhin vertreten waren die sozialen Träger, die Präventionsbeauftragte von Schöneberg und VertreterInnen des Quartiersmanagements und Quartiersrates Magdeburger Platz.

Der Frauentreff bedankte sich auf ungewöhnliche Weise und mit sehr viel Offenheit. Michaela Klose nahm uns zunächst auf einen imaginierten Spaziergang mit. So hatten wir Gelegenheit, indirekt einige Prostituierte kennen zu lernen, denen wir sonst nur anonym und fremd auf der Straße begegnen.

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Spaziergang

In Gedanken gingen wir die Frobenstraße entlang und vor zur Potsdamer Straße, vorbei an Prostituierten, die häufig Drogen nehmen. Vor dem LSD wurden uns die circa 15 bulgarischen Frauen vorgestellt, die dort regelmäßig stehen. Sie sind zwischen 30 und 40, arbeiten teilweise mit Zuhältern, teils mit Beschützern. Sie haben Probleme mit ihrer steuerlichen Anmeldung, versorgen zu Hause ihre Familien und Kinder. Manche von ihnen sind drogenabhängig, andere nicht.

Uns wurde gesagt, dass auf der anderen Straße häufig eine deutsche Prostitutierte von den Sozialarbeiterinnen angetroffen wird. Sie arbeitet seit drei Jahren hier, ist obdachlos, ihr geht es körperlich schlecht, sie ist Mehrfachkonsumentin von Drogen. In Gesprächen bei Olga wird ihr die Begleitung durch den Entzug oder in ein Methadonprogramm angeboten. Langsam ist das Olga für sie ein fester Anlaufpunkt geworden und vertrauensvoll hat sie sich auf einen HIV und Hepatitis Test eingelassen und auch einer Impfung zugestimmt.

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Eine Ungarin lernten wir duch die Erzählung einer Sprachmittlerin kennen. Sie ist 42 Jahre und sehr glücklich, dass ihr hoher Blutdruck in der medizinischen Abteilung bei Olga versorgt wird. Eine Freundin hat sie ursprünglich ins Olga gebracht. Doch hätte die Sprachmittlerin sie nicht in ihrer eigenen Sprache angesprochen, hätte sie diesen Schritt wohl nie getan.

Eine 21-jährige Ungarin hat dieses Vertrauen noch nicht gefasst. Sie ist erst vor vier Monaten hier angekommen. Sie spart ihren Verdienst, denn sie will studieren und Tierärztin werden. Ihr Freund in Ungarn glaubt, sie kellnert. Es ist nicht sicher, ob sie Drogen nimmt. Sie ist froh über den Kontakt zur Sprachmittlerin. Doch ins Olga hat sie sich bisher noch nicht getraut.

Es ist klar zu sehen, dass es allen Mitarbeiterinnen des Olgas wichtig ist, nicht nur ÜBER sondern MIT den Frauen zu reden. Um dies auch den Gästen zu ermöglichen, waren an diesem Vormittag auch drei Prostituierte ins Olga gekommen. Sie wurden vor den Gästen interviewt und waren hinterher zu weiteren Gesprächen bereit. Hier sind ihre Aussagen:

O-Töne

Jessica: ich arbeite seit 1983 hier. Früher hab ich das Geld für Fun, Urlaub und Luxusgüter ausgegeben. Heute reicht das Geld gerade zum Überleben. Ins Olga komme ich seit 15 Jahren. Ich hörte davon über Mundpropaganda und war begeistert, dass es dort Gummis umsonst gab. Das war damals nicht selbstverständlich. Auch Angelika, die Krankenschwester, kenne ich seitdem. Ihre Versorgung war ganz wichtig, denn wir bekamen nur schwer eine Versicherung. Mein Vorschlag ist, einen Runden Tisch hier einzurichten, denn die Feindschaft zwischen den Frauen ist zur Zeit sehr groß. Als Politikerin würde ich dafür sorgen, dass die Polizei das Zuhälterproblem anders angeht. Die Frauen hier stehen sehr unter Druck, sie passen sich zu sehr an. In fünf Jahren bin ich nicht mehr hier. Es ist nicht mehr, wie es war. Das verruchte, schöne Feeling gibt es nicht mehr. In fünf Jahren arbeite ich selbstständig in einer Kaffeebar.

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Svenja: Ich kam vor zwei Jahren hierher, ein Jahr nach meiner Schwester. Ich bin hier um Geld zu verdienen für meine Familie, die Wohnung. Vor zwei Jahren hat mir ein tschechisches Mädchen vom Olga erzählt und ich komme hierher, weil man hier offen reden kann. Ich schlage vor, eine Frauenärztin hierher zu holen, denn es gibt keine im Gebiet. Als Politikerin würde ich viel mehr Gewicht auf die gesundheitliche Untersuchung legen. Viele benutzen kein Kondom, doch es ist wichtig sich zu schützen. Die Polizei sollte das kontrollieren.
Bis hierher hatte Svenja teilweise selbst Deutsch gesprochen, war jedoch auch in vielem auf die Hilfe der Sprachmittlerin angewiesen. Doch auf die Frage wo sie sich in fünf Jahren sieht, antwortete sie mit einem kleinen Aufseufzer und ohne zu überlegen: „Zu Hause.“

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Gabriela: Als ich 1979 hierher kam, war ich mit 12,5 Jahren die jüngste Prostituierte Berlins. Ich suchte nach Liebe. Zu Hause war ich vergewaltigt worden und bin abgehauen. Ich kenne den Kiez hier ganz anders. Wenn sich früher rumsprach, dass eine Frau ohne Kondom arbeitete, dann ist ihr zugesetzt worden. 1.000 Mark am Tag zu verdienen war möglich, und ich baute mir eine Scheinwelt auf, nahm viele Drogen und dachte es ist Liebe, was ich hier finde. Jetzt schaffe ich nicht mehr an. Ich habe Jesus Christus getroffen und es geht mir von Tag zu Tag besser. Ich erlebe viele Wunder, die Leute sind nett zu mir. Morgen beginne ich in Hessen eine Therapie in einer christlichen Einrichtung. Ich selbst habe nie mit Zuhältern gearbeitet und habe mir nie etwas von Männern gefallen lassen. Ich hatte hier Narrenfreiheit, musst nie an irgendjemanden zahlen. Ich war nie der Opfertyp. Doch andere lassen sich viel zu viel gefallen. In fünf Jahren bin ich wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt. Ich bin ehrgeizig und kann mich selbst gut vertreten. Aus der Scheinwelt gehe ich wieder in die Welt.

Kreativität

„Uns sind hier alle Frauen mit all ihren Lebensfacetten willkommen,“ sagt Michaela Klose, „und seit neuestem auch mit ihrer Kreativität.“ Denn die entdecken die Frauen seit Ende 2008 gemeinsam mit Anita Staud. Die Malerin hat seit 15 Jahren ein Atelier an der Potsdamer Straße und dachte während des Streits um das geplante Laufhaus zum ersten Mal an ein Projekt mit Prostituierten. Kurz vor Weihnachten 2008 ging sie das ersten Mal mit Stift und Malblock ins Olga und kam dann drei Monate regelmäßig wieder. Jedes Mal tat sie nicht anderes, als sich ruhig dazu zu setzen und die Frauen in einem Malbuch zu skizzieren.

„Sie fanden es ganz toll, als Individuen wahrgenommen zu werden,“ erinnert sich Anita Staud. Schließlich wollten die Frauen selbst malen, und als dies sich als nachhaltiger Wunsch und nicht als Eintagsfliege entpuppte, wurde ein Projekt daraus.

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Zu Beginn mit zwei Papierrollen auf den Tischen. Wer mit am Tisch saß, konnte malen, einfach nur zuschauen, sich an der Unterhaltung teilnehmen. Im Frühsommer 2009 ging Anita Staud mit den Frauen zum Elisabeth-Stift in der Lützowstraße und sie beteiligten sich an dem lokalen Gemeinschaftsprojekt „Kiezmosaik“. Im Herbst inszenierten sie im Rahmen der Schaufensterausstellung im Sexkaufhaus LSD eine Malaktion im Schaufenster. Hier gestaltete Anita Staud ein Fenster mit ihren eigenen Bildern und Skizzen einiger Frauen.

Inzwischen bringen die Frauen eigene Wünsche und Ideen ein. Anita Staud sieht sich mehr und mehr als Anleiterin, als Vermittlerin von Kunstfertigkeit. Zur Zeit steht das Zeichnen von Mandalas im Vordergrund und alle dürfen gespannt sein, was sich als nächstes entwickelt.

Ausblick

Doch neben diesen kreativen Ruhepausen vergessen weder die Prostituierten noch die Sozialarbeiterinnen im Olga die Welt draußen. Dort bleibt noch eine Menge zu tun. In den nächsten Wochen sollen alle Prostituierten im Gebiet direkt angesprochen werden. Herausgefunden werden soll, welche Drogen an der Straße im Spiel sind. Mittelfristig soll der Kontakt zu helfenden Organisationen in den Heimatländern aufgebaut werden.

Gleichzeitig möchte Olga den Frauen Berufsalternativen aufzeigen. Dafür sind die Ausbildungsstände abzufragen. Wünschenswert ist auch ein Runder Tisch, an dem die Themen Konkurenz und Verdrängung der Frauen untereinander zur Sprache gebracht werden.

Und es soll weiter daran gearbeitet werden, die Anliegen und Besorgnisse der AnwohnerInnen im Bewusstsein der Prostituierten zu verankern. Nur so besteht eine Chance, die immer wieder auftretenden Konflikte zu lösen und das gegenwärtig funktionierenden Nebeneinander zu noch mehr gegenseitigem Respekt und Verständnis zu bringen.

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