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A Vitamin

Von HU-Gastbloggerin Sophia

Was erwartet man, wenn man eine Agentur betritt, die sich selber als „Kreativagentur“ bezeichnet?

avitamin

 

Unvoreingenommen und gespannt klingele ich an der Tür. Es wird mir aufgemacht, ich soll warten. Als erstes fällt mein Blick auf ein Aquarium. Es ist groß und hell, ein paar Goldfische verstecken sich hinter den Pflanzen, andere schwimmen stolz vor der Glasscheibe hin und her.  Dann werde ich persönlich von Sven Hänszke, dem Geschäftsführer, begrüßt.

Der Konferenzraum, in dem unser Gespräch stattfindet, ist eindrucksvoll gestaltet. Eine Wand ist voller Bilder von bisherigen Projekten. Zwei weitere Wände sind bis an die Decke voll von mysteriösen schwarzen Kisten.  Sie bilden, das erfahre ich erst später, das Archiv der Agentur. Viele hunderte alte Broschüren und Flyer, fein säuberlich sortiert und kategorisiert, finden hier ihre letzte Ruhe. Die vierte Wand wird von einem Kicker-Tisch eingenommen.  Bekanntlich entspannen Spiel und Spaß ja und machen Platz für Phantasie und neue Gedanken. Beides kann in einer Kreativagentur nur von Vorteil sein.

In der Mitte des Raumes befindet sich ein großer, ovaler Holztisch. Hier erzählt mir Sven Hänszke von A Vitamin. Nein, es handelt sich hier nicht um eine chemische Verbindung, sondern um den Namen der Werbeagentur.  Die Mutteragentur aus Osnabrück nennt sich treffenderweise Kiwi. Ob so viel Vitamin noch gesund ist? Mittlerweile steht A Vitamin jedoch unabhängig da.

Doch wie fällt man in der Hauptstadt noch auf, wo es hier doch über 2500 Werbeagenturen gibt?

A Vitamin ist auf Print spezialisiert – genaue gesagt auf barrierefreie Kommunikation. Von Broschüren, über Visitenkarten bis hin zu Flyern werden so die verschiedensten Projekte realisiert.  Barrierefrei bedeutet, dass alle Flyer, Broschüren und Dokumente als pdf-Datei vorliegen und dem Nutzer vom Computer vorgelesen werden können.

Ein wichtiger Kunde und Nutzer dieses Angebotes ist das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Liebevoll abgekürzt mit BMFSFJ. Das ist nicht nur unglaublich praktisch – ob für Blinde, Sehbehinderte oder Menschen, die besser verstehen, als selber lesen können – sondern auch eigentlich eine Pflicht der Öffentlichen und Medien, denn jeder sollte die Möglichkeit haben an Informationen zu kommen. Leider wird sie nur nicht von jedem wahrgenommen.

13 Mitarbeiter kümmern sich um die Belange des Kunden und sind immer persönlich erreichbar. Jetzt zurzeit findet ein Casting für ein Projekt des BMFSFJ statt, wo es um Jugendschutz geht. Ziel ist es hier, das umfangreiche Jugendschutzgesetz leichter für alle zugänglich zu machen. Denn… Wussten Sie, dass Sie mit Ihrer 11 Jährigen Tochter in einen Kinofilm FSK 12 gehen dürfen, aber mit Ihrer 16 Jährigen Tochter nicht in einen Film ab 18?

Der Kiez um die Potsdamer Straße ist bunt, kreativ, zusammengewürfelt – perfekt für eine Kreativagentur.  Doch auch das Engagement innerhalb des Kiezes ist wichtig. Deswegen ist A Vitamin Mitglied der Interessengemeinschaft Potsdamer Straße und unterstützt Projekte wie die „Soziale Gruppe“ oder den Berliner Integrationslauf. Doch hat eine so vielschichtige Umgebung Auswirkungen auf die Arbeit? Nein, kreativ gearbeitet wird genauso wie immer. Obwohl der Austausch innerhalb des Kiezes immer wieder für neue Anregungen sorgt und so neue Kontakte geknüpft werden können.

„Was macht A Vitamin besonders“, frage ich Sven Hänszke. Da muss er lachen. Und betont, wie wichtig der persönliche Kontakt zu den Kunden ist. „Wir, die kleinen Mittelständler, sind persönlich da. […]  Wir leben die persönliche Betreuung sehr stark.“

Und wie ist so ein (Berufs)leben, dass man nicht groß planen kann? Wo die meisten Termine erst ein paar Tage vorher gemacht werden und man nicht weiß, was in einem Jahr sein wird? Wenn man immer flexibel und spontan sein muss? „Wunderbar. Ich liebe es!“ Das Leben ist „…immer wieder eine Überraschung. Es ist lebendig.“

Und zu guter Letzt – Wie sieht denn die Zukunft so einer Agentur aus? Verschwindet die Kreativität irgendwann? Klar, das ist schwer zu beantworten. Das Geschäft ist wenig planbar und immer müssen neue Kunden umworben werden. Man kennt das ja aus dem Leben: „Es passiert eh nie das, was man sich wünscht, sondern es kommt einfach zu einem.“

 

A Vitamin Kreativagentur, Körnerstraße 12, 10785 Berlin

Ebe Ano – wo kulinarische Wünsche wahr werden

Geschrieben von Gastbloggerin Christina Hirsch

Ebe Ano bedeutet „wo es passiert“. Doch was passiert hier genau? Valentin Nnamani, der Koch des Hauses, kennt die Antwort. Die Leute kommen zusammen, entspannen sich, genießen das Essen, reden und fühlen ein Stück zu Hause, weit weg von zu Hause.

Außenansicht Ebe Ano

Das Ebe Ano – so karg wie gemütlich

Er und seine Partnerin Antonella haben sich mitten im Kiez, in der Pohlstraße Ecke Potsdamer Straße, ein kleines nigerianisches Paradies aufgebaut. Von außen unscheinbar, nur ein paar Tische und Stühle machen auf das Restaurant aufmerksam. Doch sobald ich die Tür durchschreite, befinde ich mich in einer anderen Welt, einem liebevoll gestalteten Ort, geschmückt mit traditioneller und moderner afrikanischer Kunst, Figuren, Trommeln und Bildern. Weiterlesen

Ades` Wunderland – Schräger Humor im Schwulen Museum

Geschrieben von Gastbloggerin Christina Hirsch

Das Schwule Museum präsentiert sich selbstbewusst: die Räume sind modern, großzügig und lichtdurchflutet. Ein umfangreiches Archiv, wechselnde Ausstellungen sowie internationale Kooperationen – Seriosität wird groß geschrieben. 

In Kontrast dazu steht die neue Ausstellung „Ades` Wunderland – 50 Jahre Comedy-Cult“, jedenfalls scheinbar. Mit buntem Klamauk und jeder Menge Anzüglichkeiten sorgt Ades Zabel seit über 30 Jahren für Stimmung. Doch dazu gleich mehr…

Edith Schröder

Edith Schröder – Wie viel Ades Zabel steckt in ihr?

 Das Schwule Museum am neuen Standort in der Lützowstraße

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Zwischen Mauer, LPG und Kulturverein – Ein (fast) echter Berliner

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Sommerkurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Centers der Humboldt-Universität zu Berlin.

Der Weg zum Kindergarten führte an der Mauer entlang. Auch an Geisterbahnhöfe kann er sich erinnern. „Wie hat sich das angefühlt?“ Ulrich kommt ins Grübeln. „War das nicht bedrohlich?“ – „Nein.“ Geboren in Tuttlingen bei Stuttgart, wuchs er im kreuzberger Wrangelkiez auf, keine 500 Meter entfernt verlief die Grenze. Als die Wende kam, war er acht Jahre alt. Gefragt nach seinen Gefühlen und Gedanken bleibt er wortkarg. Was heute seltsam und unvorstellbar erscheint, war wohl damals, für das Kind, Normalität.

Er zog früh aus, ohne Abitur, schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. „Zeitungsträger, Kellner, Call-Center… Eine Zeitlang habe ich für ein Musikmagazin geschrieben. Manchmal hatte ich vier Jobs gleichzeitig.“ Schließlich arbeitete er in einem Biomarkt der LPG und wurde Mitglied im Betriebsrat. Das kam ihm später zu gute, als er sich um ein Stipendium bei der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung bewarb.

Das Kulturnetzwerk Neukölln bot ihm Raum für Engagement. Ziel war es, Einwohner mit Künstlern ins Gespräch zu bringen. „Die konnten auch ziemlich elitär sein. Wenn dann Kinder durch Ausstellungen führten und Werke interpretiert haben, das war schon etwas Besonderes.“ Sofort denke ich an Buschkowski, seine holzschnittartigen Thesen über inkompatible Kulturen. „Was hältst du davon?“ – „Der Kulturverein arbeitet vor allem im öffentlichen Raum, jede_r ist willkommen. Gruppen bilden sich dadurch nicht. Bei einem Projekt haben wir Einweg-Kameras an die Jugendlichen verteilt. Alle kamen wieder zurück.“ Offenheit und Vertrauen statt Paternalismus und Stigma. Das Konzept geht auf.

Heute studiert er, mit Anfang 30, Kulturwissenschaft. Wie sollte es anders sein? „In Kombination mit Soziologie und Politikwissenschaft, das gibt dem ganzen eine Richtung.“ Ich bin gespannt, wie es bei ihm weiter geht, welche Umwege ihn ans Ziel bringen werden. Spießig und langweilig wird es sicherlich nicht. Da ist er ganz der (fast) echte Berliner.

Von Christina Hirsch

 

 

Tradition und Moderne – Der Arts Club Berlin im Verein Berliner Künstler

von Gastblogger Daniel

Tradition und Moderne

Im Zeichen dieser zwei Begriffe findet am Schöneberger Ufer 57 eine Begegnung mit dem traditionsreichen Verein Berliner Künstler statt, der sich dieser Tage mit dem ihm angegliederten Arts Club Berlin nicht nur durch konstante Wandlungsfähigkeit, sondern auch einem internationalen Kunstpublikum präsentiert. Dass der VBK als dienstältester Künstlerverein Deutschlands schon seit längerer Zeit seinen Kurs behutsam in Richtung des Problemfeldes „Zweite Moderne“ lenkt und damit auch einigen vormaligen Anschauungen den Rücken zukehrt, ist schon seit einigen Jahren klar absehbar.

Vereinshaus - Schaufenster der Galerieräume

Foto © Verein Berliner Künstler

Kunsträume und Vernetzungen

Der Arts Club Berlin versucht hierbei mit seiner Konzeption den verschiedenen Vorstellungen, die im aktuellen und globalen Kunstdiskurs und auch in der Kunstproduktion sichtbar werden, Räume zu eröffnen, ohne jedoch die eigene spezielle Verortung aufgeben zu müssen. Das Letzteres nicht einer Notwendigkeit unterliegt, ist einerseits der Konstituierung als Verein zu verdanken, mit der sich der VBK laut Projektleitung und 1. Vorsitzende Sabine Schneider als professionelle Plattform „für Künstler von Künstlern“ versteht.

Andererseits wirkt der Umstand förderlich, dass Berlin sich mittlerweile als beliebte Kunstmetropole positionieren konnte und damit auch der stadtzentrale Standort Potsdamer Platz/Potsdamer Str. sich zunehmender Attraktivität erfreut. Eine Studie des Instituts für Stadtentwicklung  (IFSE) unterlegt diese Aussage und schätzt die Anzahl Kunstschaffender in Berlin auf 6000 deutsche und internationale Künstler_innen, wobei der internationale Anteil aus ca. 30 Ländern sich auf ein Viertel der Gesamtzahl bemisst.

Der Pluralog und die Perspektive

Galerieräume des Vereins Berliner Künstler

Foto © Verein Berliner Künstler

In einem Interview mit Sabine Schneider und der Produktionsleitung Katarzyna Sekulla, situiert hinter den Schaufenstern der Galerieräume des denkmalgeschützten Vereinshauses, wurden einige Hintergründe bezüglich des Projektes verständlich gemacht. Ausgehend von einer erhöhten Nachfrage an einem kontinuierlichen Austausch in Berlin permanent und auch temporär residierender Künstlern entstand mit dem Arts Club Berlin ein Basisentwurf, um ein internationales, interdisziplinäres und generationsübergreifendes Kommunikationsforum für Kunst zu schaffen, welches durch die etablierten Strukturen, Vernetzungen und Möglichkeiten des Verein Berliner Künstler gefördert wird.

So berichtet Katarzyna Sekulla, dass unter diesem pluralogischen Ansatz zwischen den vielschichtigen und unterschiedlichen Formen der Kunstproduktionen und Kunstauffassungen integrativ vermittelt werden kann. Hinzu kommt, dass gerade die Bewusstmachung von Varianz und Spektrum innerhalb von Kunstprozessen der Gegenwart als auch der Historien und deren räumliche Vernetzungen einen Deutungshorizont für zukünftige Entwicklungen auch außerhalb des Kunstsektors schaffen kann, ergänzt Sabine Schneider.

Der offene Diskurs

So dient die Einrichtung von sogenannten ‚public discourses‚ dazu, in performativen Vortragsreihen und anschließenden Diskussionsrunden den gegenwärtigen Kunstdiskurs in seinen partikularen und globalen Bildern zu betrachten.

Die 'public discourses' des Arts Club Berlin

Foto © Verein Berliner Künstler

Die aktuelle Vortragsreihe will mit einer zentralen Problemstellung in den Worten „Überwindung des Territorialen“  Lösungsvorschläge unterbreiten und so wurde am 18.04.2013 zu einem Vortrag der türkischen Künstlerin Kinay Olcaytu mit dem Thema „Ikonographische Beweise: Über die Absurdität jeglicher Kulturvergleiche“ geladen. Der allen Interessierten zugängige Vortrag fand zur abendlichen Stunde in den Galerieräumen auf trapezförmigen Sitzmöglichkeiten bei durchmischten Publikum statt, eine Bar war ebenso geöffnet und so kulminierte der Abend in einer angenehmen und freundlichen Atmosphäre.

Okzident Reisen - Kinay Olcaytu

Foto © Verein Berliner Künstler, © Kinay Olcaytu

Die Künstlerin präsentierte mit ihren Arbeiten eine Kritik am Begriffspaar Okzidentalismus/ Orientalismus. Ihr thematisches Anliegen, sicherlich auch Phänomen einer Gegenmoderne, ist u.a. die Reduktion dieses Begriffspaares auf sexuelle, ökonomische und politische aber auch wissenschaftsbegriffliche Machtverhältnisse und so blieb in der Folge eine kurze politische Diskussion nicht aus.  Eine Alternative stellte die Künstlerin dabei nicht in Aussicht, aber dafür eine lehrreiche Übung im Dekonstruieren.

Kontemporäres und Zukünftiges

Momentan befinden sich in den Ausstellungsräumen der Galerie Werkinstallationen unter dem Titel „… Rudel …“ von der mit dem Benninghauspreis 2012 ausgezeichneten Tine Schuhman.

Weitere Vortragsreihen (Folgethema: „Kunst und Wirtschaft“), Projekte und Kooperation stehen bereits an und so kann in der Tat von einer gelungenen Neubelebung des Verein Berliner Künstler mit dem Arts Club Berlin gesprochen werden.

Medizin aus Fernost in der Kurfürstenstraße

Erstellt im Rahmen des Kurses „Online-Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers der Humboldt Universität, Sommersemester 2012

Dass es sich bei der Kurmark Apotheke in der Kurfürstenstraße 154 um keine gewöhnliche Apotheke handelt, wird beim ersten Blick auf die Schaufenstergestaltung klar. Dort wird für TCM geworben, traditionelle chinesische Medizin.

Auffällig ist zunächst auch der Treppenaufgang, der aus heutiger Sicht untypisch für die Architektur einer Apotheke ist. Das Haus wurde 1877 fertiggestellt und ein Großteil des heutigen Inventars stammt unverändert aus dieser Zeit. Der damalige Bauherr war gleichzeitig auch Gründer der Kurmark Apotheke, seine Familie wohnt seitdem stets über ihr. Obwohl sie zwar nicht mehr dort tätig sind und die Leitung im Laufe der Jahre abgegeben haben, sind sie als Eigentümer des Hauses noch immer eng mit ihr verbunden.

Seit 1993 wird die Kurmark Apotheke nun von Michael Joachimmeyer geleitet, der auch die traditionelle chinesische Medizin mitbrachte, mit der er Ende der 80er das erste Mal selbst in Kontakt kam. Übernommen hat er sie schließlich von seinem ehemaligen Arbeitgeber, als er sich selbstständig machte. Zusammen mit ihm zählt die Kurmark Apotheke neun Mitarbeiter.

„Den meisten Neukunden wird vielleicht auffallen, dass bei uns keine Kittel getragen werden“, erklärt er. „Das bedeutet natürlich nicht, dass dadurch das Verhältnis zwischen Kunde und Mitarbeiter automatisch an Seriösität verliert. Der Großteil unserer Kunden sind Stammkunden, man kennt sich zum Teil schon viele Jahre. Der Umgang während der Arbeitszeit ist dabei trotzdem immer noch professionell.“

Er selbst schätzt die bunte Struktur rund um die Potsdamer Straße. Der Großteil der Kundschaft kommt aus dem Kiez. Für eine Erweiterung des Einzugsgebiet sorgt darüber hinaus die TCM.

Entgegen mancher Vermutungen handelt es sich dabei nicht um eine esotherische Therapieform, vielmehr um eine rationale.
Im Vergleich zur westlichen Medizin ist sie vor allem vorbeugend ausgerichtet.

In diesem Regal werden die Kräuter gelagert

Über 300 verschiedene Heilkräutern – eigens aus China eingeflogen – werden im Keller der Apotheke zu Tees verarbeitet. Diese werden für Patient und Beschwerden individuell angepasst.
Zuhause muss der Tee dabei noch vom Patieten selbst weiter zubereitet werden. Es gibt jedoch die Alternative, die Zutaten in Granulatform zu bestellen- vergleichbar mit Instant Tee.

Granulate im Keller der Apotheke

„Der Therapieansatz durch TCM unterscheidet sich sehr stark von der konventionellen Medizin“, sagt Michael Joachimmeyer. „Das Herstellen von Gleichgewicht steht im Vordergrund, nicht die symptomatische Ursachenbekämpfung. In China haben die Menschen ein ganz anderes Verhältnis zur Medizin. Beispielsweise erhalten die Ärzte dort ein höheres Honorar, wenn ihre Patienten gesund sind.“

So wird auch der Tee über einen Zeitraum von mehreren Monaten hinweg eingenommen. Je nach Verbesserung des Gesundheitszustands kann seine Mischung dieser Verbesserung angepasst werden.

Die Kurmark Apotheke besitzt auch eine Zulassung als Versandapotheke. Viele Teemischungen werden daher bundesweit verschickt.
„Die Behandlung mit TCM ist keine ‚Welle‘, die sich auf einmal einer spontanen Beliebtheit erfreut. Sie ist wesentlich langlebiger.“ Seit fast 20 Jahren kann dies am Beispiel der Kurmark Apotheke selbst beobachtet werden.

geschrieben von Jan. P

Pumpe, Kumpel und Maultaschen

Schnellen Schrittes am Casino vorbei. Dann rechts um die Ecke. Ich bin angekommen: Lützowstraße, Berlin, Tiergarten Süd. Viel Zeit habe ich nicht. Mal sehn ob mir die Straße in unserem spontanen Blitzdate trotzdem etwas offenbart.

Frischer Asphalt liegt ihr zugrunde. Nicht minder frisch der Wind, der mir entgegen schlägt. In beide Richtungen breite Fahrradstreifen. Mangels Drahtesel ziehe ich notgedrungen den Gehweg vor. Doch das erweist sich als Glücksfall. So fällt mir nach wenigen Metern sofort die bunt bemalte Backsteinmauer auf. Jeder Backstein hält ein eigenes Bild für das wachsame Auge parat. Teils das Übliche wie es in alte Bäume in Parks geritzt ist: Menschen die ihre Zuneigung für einander verewigen. Aber auch Steine, die kleine bescheidene Gemälde andeuten. Und andere, die einfach schlicht bemalt sind. Was ist das bloß? Ein Blick in den Hauseingang verschafft Aufklärung: Ich habe das Kiezmosaik entdeckt.

Doch ich muss weiter. Die Lützowstraße ist lang und die Zeit knapp. Vorbei an der Elisabeth-Klinik, die sich hinter einem flachen Bauzaun nicht zu verstecken vermag. Dann folgt ein kleines Ensemble an Bauten, die einer Bungalowsiedlung ähneln. Die halbrunden Dächer fallen ins Auge. Wirkt irgendwie einladend. Und das ist auch gut so. Viel zu oft wirken Bibliotheken mehr abschreckend. Wer die Kommode am Bebelplatz kennt, weiß wovon ich rede. Aber die Stadtteilbibliothek Tiergarten-Süd heißt jeden bereits mit ihrer Architektur willkommen. Und wer viel Lesefutter seinem Hirn einverleibt, der braucht auch was für den Magen. Da hilft der Familiengarten gleich direkt neben der Bibliothek weiter. Doch wer hier etwas essen will, der muss auch vorher auch etwas angebaut haben.

Ohne Stärkung zieht es mich weiter. Von weitem sehe ich ein Schild, das mich nach links zum Arbeitsgericht schicken will. Passend dazu erkenne ich, dass de Gruyter seinen Sitz gleich um die Ecke hat. Man hat wohl nie so ganz Semesterferien. Doch meine Aufmerksamkeit wird von einer anderen Richtung her in den Bann gezogen: Calumet Photographics. Ein Blick durch die Schaufenster und ich bin mir sicher, dass Handykameras niemals eine richtige Spiegelreflex ersetzen werden können. Ein Geschäft als Paradies für Fotografen jeder Art: ob professionell oder auch nur hobbymäßig.

Mich von der Schaufensterscheibe wegzuzwingen fällt mir schwer. Doch lohnt es sich. Ein paar Schritte weiter, ein Blick um die Ecke und ich werde daran erinnert, dass Berlin vor langer Zeit einmal eine Industriestadt war. Ein hoher schmaler Schornstein aus Backstein lugt aus der Tiefe des Raumes hervor. Früher befand sich hier das alte Pumpwerk VII. Heutzutage ist hier die Eventlocation Alte Pumpe angesiedelt. Auf demselben Gelände unterhält die AWO das Jugendkulturzentrum Pumpe.

Fast habe ich das westliche Ende der Lützowstraße erreicht, welches am Lützowplatz mündet. Vorbeigehend an Backsteinhäuser 2.0 denke ich mir, es wäre angebracht ein wenig Namensforschung zu betreiben. Das Handy mit dem abgebissenen Apfel hilft mir weiter. Namensgeber für die Straße ist das ehemalige Dorf Lützow, welches 1719 von Charlottenburg okkupiert wurde. Handy schnell weggesteckt. Man möchte schließlich den morgendlichen Biertrinkern am Späti keine unnötige Angriffsfläche bieten.

Kehrtmarsch. Rückzug gen Osten. Ein Ziel hat die Lützow für mich noch zu bieten. Auf ein Absacker denke ich mir. Um die Eindrücke zu verarbeiten. Die Potsdamer ist erreicht nach einer Zigarettenlänge. Geschwind überquert. Schon stehe ich davor. Berlins berühmteste Absackerbar: Das Kumpelnest. Oder halt! Habe ich mich falsch erinnert? Sieht etwas marode aus. Ach ja: Berlin berühmteste Absturzbar. Das kommt der Sache begrifflich deutlich näher. Dann lieber konservativ. Man soll schließlich bei dem bleiben, was man ist. Die Maultaschen Manufaktur in unmittelbarer Nachbarschaft empfinde ich als einladender. Die schwäbische Kultur hat also nicht im Prenzlberg halt gemacht. Schlecht zu wissen.

MikroINPUT / MakroOUTPUT

Von HU-Gastbloggern Tobias Drobisch und Michael Bosson

In Deutschland gründen Frauen deutlich seltener als Männer. Das ist eine Tatsache, ob das gerechtfertigt ist oder nicht, ist aber unklar. In Umfragen unter anderem von Cooper & Artz 1995 gibt es Hinweise darauf, dass Frauen zufriedener sind selbstständig zu sein als Männer. Also, warum gründen weniger Frauen eigene Firmen? Zum Beispiel waren im Jahr 2000 nur 27,5% aller Gründer in Deutschland Frauen.

Doch nicht alle Länder sind gleich. Laut einem Bericht der GEM von 2006 ist der Unterschied zwischen Mann und Frau in den westlichen Ländern sehr deutlich, während in den Entwicklungsländern kaum ein Unterschied zu sehen ist. In manchen dieser Länder gründen sogar mehr Frauen als Männer. Einer der wichtigsten Gründe dafür ist, dass deren Bevölkerungen schon beinahe gezwungen sind selbstständig zu sein, da es keine andere Möglichkeit gibt zu arbeiten, was als „necessity entrepreneurship“ bezeichnet wird.

Allerdings ist in reichen Ländern nicht klar, weshalb Männer häufiger gründen als Frauen. Doch gibt es gewisse Thesen, welche versuchen die Ursachen zu beschreiben.

Eine ist zum Beispiel die Risikoaversion der Frauen. Das bedeutet, dass Frauen nicht gerne Risiken eingehen. Die Angst vorm Versagen (fear of failure) ist bei Frauen wesentlich höher gewichtet als bei Männern. Diese beiden Punkte bedeuten, dass Frauen, obwohl sie eine Idee haben, größere Schwierigkeiten sehen als Männer, diese Idee umzusetzen. Ein weiterer Nachteil ist die Anzahl der Kontakte und Beziehungen, über die Frauen verfügen. Frauen haben weniger nützliche Netzwerke für Existenzgründung, da es weniger Gründerinnen gibt. Zusätzlich ist der Anteil an Frauen in den oberen Führungspositionen extrem gering.

Frauen haben bei der Existenzgründung also gewisse Barrieren. Dadurch werden oft sehr gute Gründungsideen nicht genutzt, was schade ist, da Deutschland jede Art von Innovation gebrauchen kann. Die Vorstellungen der Frauen und Männer sind oft sehr unterschiedlich. Frauen haben Ideen in Bereichen, auf die Männer nie gekommen wären, obwohl ein großes Potential existiert. Unserer Meinung nach sollten Frauen deshalb besser unterstützt werden.

In Berlin versucht „Goldrausch e.V.“ dieses Problem zu beheben. Der Verein wurde 1982 von engagierten Frauen gegründet und unterstützt Existenzgründerinnen und Unternehmerinnen mit zinslosen Mikrokrediten von 1000 bis 3000 Euro um ihr unausgeschöpftes Potenzial zu fördern. Banken verweigern ihnen manchmal Kredite, da die UnternehmerInnen oft nicht über die geforderten Sicherheiten verfügen.

Andrea Paeschke, Gründerin vom digitalen Anwaltssekretariat di.AS, hat für ihre Idee einen dieser Mikrokredite bekommen und kann die Nützlichkeit von Mikrokrediten bestätigen.

Es gibt viele Existenzgründerinnen die noch ein paar Euro brauchen. Banken geben meistens nichts. Es ist manchmal dieser Tropfen auf den heißen Stein, der gerade noch fehlt, und dafür sind Mikrokredite natürlich ideal. Meistens wollen Banken große Kredite geben. Der Aufwand ist zu groß. Die geben meistens keine kleinen Kredite. Oft ist es wirklich so, dass Leute einen kleinen Mikrokredit brauchen.“

Goldrausch e.V. finanziert sich über Spenden, Vereinsbeiträge und seit Anfang 2010 wird er durch die Berliner Senatsverwaltung Wirtschaft, Technologie und Frauen im Rahmen des Programms „Fraueninfrastruktur“ finanziell unterstützt. Insgesamt hat er bereits450 Frauenunternehmen und -projekte gefördert.

Goldrausch e.V. vergibt nicht nur Mikrokredite, sondern hat auch das Projekt Goldrausch Kontour ins Leben gerufen. Es ermöglicht Existenzgründerinnen die Nutzung eines riesigen Netzwerkes. Damit kann man zum Beispiel Beratung in Projektentwicklung und Konzeption bekommen. Außerdem ermöglicht es neue Kontakte zu knüpfen was Frau Paeschke als großen Vorteil sieht.

Es ist wichtig, ein funktionierendes Netzwerk zu haben … Es gibt ja eine Menge erfolgreicher Frauen, und wenn diese mit Rat und Tat und ihren Erfahrungsberichten anderen beistehen können, dann ist das eine super Sache.“

Wir bedauern die Benachteiligung von Existenzgründerinnen. Freuen uns aber, dass Vereine wie Goldrausch e.V. existieren, denn sie machen sich dafür stark, dieses Ungleichgewicht zu beheben. Mikrokredite können trotz ihrer Geringfügigkeit große Wirkung zeigen.

Links zum Thema:

Bundesweiten Gründerinnenagentur

Berlin.de

Bundesverband der Frau in Business und Management e.V.

Frauenbetriebe e.V.

Microlending News – Wie Microlending nach Deutschland kam: Eine Chronologie von 1995 bis 2000

Berichte:

GEM (Global Entrepreneurship Monitor) special topic reports: Women in Entrepreneurship

OECD

LEED

2nd OECD Conference on Women Entrepreneurs in SMEs