Schlagwort-Archiv: Besserung

Das Lidl-Bike – grüne Welle auf der Potsdamer Straße

Gestern gegen 20.30 Uhr fuhr die Critical Mass von Norden her kommend auf die Potsdamer Straße ein. Die BesucherInnen des Gallery Weekends fanden das sehr unterhaltsam. Die abbiegenden Autofahrer – darüber gibt es keine direkten Zitate . Auf jeden Fall hatten die RadfahrerInnen nicht nur den nicht vorhanden Fahrradweg, sondern eine gesamte Fahrspurseite in der kompletten Länge für einige Zeit mit grüner Welle auch bei Rot für sich.

Critical Mass am 28. April 2017

Wie es sich sonst so auf der Potsdamer Straße radelt und dann auch noch mit einem Leihfahrrad beschreibt HU-Gastbloggerin Jette

„ Auto oder Fahrrad?“
Ich wohne am Stadtrand und bin mal wieder viel zu spät dran für mein Seminar in der Humboldt Universität.  Mein Blick wandert zwischen unserem Auto vor der Tür und meinem Fahrrad hin und her: Wie komme ich am schnellsten hier weg? Ich überlege kurz und entscheide mich für mein Rad. In den meisten Fällen ist man in der Berliner Innenstadt so schneller unterwegs als mit dem Auto. Weiterlesen

GartenPlausch im Schöneberger Norden

von HU-Gastblogger Uwe

WASSER UND ERDE FÜR DEN SCHÖNEBERGER NORDEN

Graphik: gruppe F

Seit Anfang des Jahres 2017 gibt es den „GartenPlausch“ im Schöneberger Norden. Jeden zweiten Donnerstag im Monat treffen sich KiezgärtnerInnen in der Kiezoase Steinmetzstrasse 68, um zu fachsimpeln, sich erste Informationen zu holen oder sich zu vernetzen. Organisiert werden diese Treffen von der gruppe F, die das Projekt GartenAktiv bis Ende 2018 durchführt.

,,Genüssliche Verführungen“
Der Tagungsraum ist ansprechend mit kleinen lukullischen Genussmöglichkeiten, wie verschiedenen Keksgebäck,  schmalen Käsestangen, Kaffee und Tee, Wasser und Saft  ,,verführerisch“ ausgestaltet worden. Bereits jetzt vermittelt sich mir hier eine angenehme fast heimische Atmosphäre. Da mir noch etwas  Zeit bis zum Beginn der Veranstaltung bleibt, spreche ich kurz mit Frau Walther: ,,Die gruppeF hat ja einige Projekte in Berlin, an denen sie organisatorisch beteiligt ist, es sind momentan 3 gärtnerische Projekte  wie u.a. das Projekt Brunnengärten im Weddinger Brunnenviertel sowie ein weiteres Gemeinschaftsgarten-Projekt in Staaken.“

Der Sitzungsraum füllt sich gegen 17 Uhr sehr rasch, der Andrang ist so groß, dass die vorhandenen Sitzgelegenheiten zu Beginn der Veranstaltung nicht ausreichend sind. Mehr als 15 Personen – Anwohner und ehrenamtlich Aktive – nehmen an dem Gartenplausch teil.

150 grüne Orte im Schöneberger Norden – kartiert von der Gruppe F für das Projekt Gartenaktiv

Unter den Anwesenden sind auch zwei Mitarbeiterinnen der  Gewobag MB, die für den dortigen Bereich im Schöneberger Norden als Wohn/Hausverwaltung zuständig sind. Zum einen  ist es Frau Silke Jensen, von der Mieterberatung der Gewobag, zum anderen ist es Frau Brigitte Naumann, die zuständige Kundenbetreuerin  der Gewobag für diesen Bereich des Schöneberger Nordens.

Das heutige Hauptthema lautet: Wasser sammeln /gewinnen mit der Gewobag und der gruppe F

Nach den gemachten Erfahrungen der letzten Jahre mit einer, immer wieder aufkommenden Wasserknappheit in warmen Sommermonaten ist seit längerem der Wunsch der Anwohner präsent, für die Pflege von Hoch-Beeten und sonstigen Grünpflanzen und Gemüseanbau,  alternative Bewässerungs-und Wassersammlungsmöglichkeiten zu entwickeln bzw. neue Möglichkeiten nachzufragen. Dabei geht es heute konkret um die Aufstellung von ,,Regenwassertonnen“.

Entstehende Problematiken
Hier treten sogleich erhebliche Probleme auf. ,,Die Gewobag hat mit dieser Art von Projekt noch relativ wenig Erfahrung,“ bemerkt Brigitte Naumann. ,,Auch muss die technische Machbarkeit und die Wartungsverantwortung für diese Wassertonnen für die Erfordernisse der Gewobag –Hausverwaltung sicher gestellt werden.“

Zu beachten ist hierbei unter anderem, dass die Regen –bzw. Wassertonnen nach oben hin nicht offen sein dürfen, da darin dann kleine Kinder verunfallen könnten. Auch müssen diese Tonnen auf versickerungsfähiger Fläche stehen und mit einem Fallrohranschluss an der Hauswand angebunden sein.

Klar, dass die Gewobag generell bereit ist, zur Aufstellung von Wassertonnen. Voraussetzung ist jedoch auch die technische Machbarkeit und das Sicherstellen, wer für die Wassertonnen verantwortlich sein wird. Eine Veranstaltungsteilnehmerin fragt nach, ob die Wassertonnen auch vor dem Haus auf dem Bürgersteig stehen könnten? Die Antwort erfolgt prompt, dass die Aufstellung von Regen-oder Wassertonnen auf der Straße durch die Gewobag aufgrund der Sicherungspflicht im öffentlichen Straßenraum und der erhöhten Vandalismusgefahr keine Zustimmung erhalten kann.

Wasser marsch?
In der Gruppe beginnen nun Diskussionen über die Möglichkeit der Installierung von Wasserhähnen an den Gebäudewänden. Leider sind auch hier die technischen Voraussetzungen nicht unerheblich. Frau Naumann von der Gewobag weist daraufhin, dass bereits viele existierende Wasserhähne zurück gebaut werden mussten.

Gemeinsam mit den ExpertInnen von der gruppeF werden dann weitere Informationen gegeben. Bei der Nutzung von Außenwasserhähnen am Haus müssen diese mit einem notwendigen Wasserrücklaufstopp ausgestattet sein, aufgrund der Legionellen–Gefahr. Denn bei „toten Ecken“ im Wassersystem, wo abgestandenes Wasser verbleibt, besteht die Gefahr, dass sich diese gefährlichen Bakterien bilden. Das Wasser muss also immer im ,,Fluß“ sein. Ein Rücklaufstopp ist notwendig. Auch wird der Einbau von Wasserzählern empfohlen, denn sonst werden die Kosten für’s Blumengießen auf die gesamte Hausgemeinschaft umgelegt. Die entsprechenden Kosten für die regelmäßige Wartung müssten von der gärtnerisch aktiven Nutzergruppe getragen werden.

Ein Teilnehmer stellt resümierend fest, dass die Gewobag generell zum Aufstellen von Regenwassertonnen bereit, soweit die technische Machbarkeit und deren Verantwortung für die Tonnen sicher gestellt werden kann. Die Vertereterinnen der Gewobag und der gruppeF versichern, dass sie diesbezüglich in Kontakt bleiben werden, um die Modalitäten zu klären. Alle Beteiligten sind daran natürlich interessiert und wollen selbst auch am Ball bleiben. Das Thema des effektiven Wassersammelns wird weiterhin ein wichtiger Gesprächspunkt bleiben.

Neben ein paar kleineren anderen Thematiken kommt es zu einem weiteren für mich interessanten, überraschenden, weil nicht angekündigten  Thema: Der Beschaffung und Verwendung von Pflanzenerde. Aber! Wer braucht denn jemals so viel Erde?

Einige der Teilnehmer erwähnen zu Beginn: Den groben Kompost, der aus Grünschnitt des Straßen- und Grünflächenamtes hergestellt wird, kriegen wir ja unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Qualität reicht aber nicht für den Anbau von Nutzpflanzen aus. Letztes Jahr hatten wir ja bereits einen größeren Umfang an Erde aus Aktionsfonds-Mitteln erhalten.“

Lieferung von 5 Tonnen Erde auf einem nur 3,5 Tonnen  tragenden LKW
,,Es wurden uns ja im letzten Jahr  mit einem 3,5 Tonnen LKW  ganze 5 Tonnen zu verwendende Erde geliefert,“ merkt ein Veranstaltungsteilnehmer an. Ich bin ziemlich beeindruckt von der angegebenen  Menge und kann mir nur sehr schwer vorstellen, wie diese Massen an Pflanzenerde Verwendung finden können. Und ob nun wirklich so viel Erde verbraucht werden kann?

Kurz darauf werde ich jedoch diesbezüglich von zwei Anwesenden eines Besseren belehrt: ,,Zu Beginn dachten wir, es sei uns sehr viel Erde geliefert worden,“ sagt eine Gärtnerin. Doch dann sei es doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen.

Neuer Bedarf für 2017: Ganze 15 Tonnen Erde!!
Diesmal liegt der Bedarf allein für diese Initiative locker bei circa 15 Tonnen Erde für das Jahr 2017. Das bedeutet 300% Mehrbedarf, gar nicht schlecht! Im Anschluss wurden von den anwesenden Gärtnern bereits Wünsche für die diesjährige Oberboden-Lieferung an das Projekt GartenAktiv gesammelt. Als spätester Liefertermin für die Erde wurde der 12.05.2017 genannt.

Auch gab es an diesem Diskussionsabend noch weitere sehr interessante Themenschwerpunkte, wie das Durchführen von Bodenproben in bestehenden Beeten sowie die Qualität der gelieferten Erde. Viele Gärtner wollen wissen, ob der Oberboden ,,schadstoffbelastungsfrei“ für den Gemüseanbau verwendbar ist oder aber wie man auch die Herstellung von hochwertiger Pflanzenerde selbstständig in Angriff nehmen kann, z.B. durch das sog. „Kon-Tiki“ System.

Ebenso wurde angesprochen, in wieweit es Pflanzenarten gibt, die wenig Pflege und Wasser benötigen wie z.B. Steppengräser, Lavendel oder auch spezielle Züchtungen. All diese Themen werden zu einem am 13. April beim nächsten GartenPlausch aufgegriffen.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Cnters an der Humboldt Universität zu Berlin.

Über Pfosten und den Radweg Bülowstraße

„Das Alte abgelegt, das Neue angefangen. Wer am Ende Vergangenes versteht, kann Neues erst empfangen.“ Dieser Gedanke, gepostet heute zum Neuen Jahr von der Agentur A-Vitamin aus der Körnerstraße, lenkte meine Gedanken direkt zum Radweg Bülowstraße.

Dies war verständlicherweise keine logische Verknüpfung, eher eine assoziative, weil dieser Radweg sich so lange bewegte zwischen alt/neu, und begonnen/

Radweg Buelow klein 29

Auch schloss sich kein Versuch des Verstehens an, eher ein kurzes Rekapitulieren nach dem Motto: Was als Letztes geschah Weiterlesen

KurfürstenCenter – und er bewegt sich doch

Kurfuerstenzentrum_Ausschuss_1Unter Top 5.1 stellte gestern Investor Franz-Josef Glotzbach im öffentlichen Teil der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Sanieren, Bauen und Bebauungspläne den aktuellen Stand für das Vorhaben KurfürstenCenter  an der Kurfürstenstraße/Genthiner Straße vor.

Seit vielen Jahren ist der Investor an dem Gelände dran. Nicht immer intensiv und nicht immer transparent oder mit Bürgerbeteiligung. Als 2008 die Pläne bekannt wurden, hier große Discounter, drei Parkdecks und eine Wohnetage unterzubringen, wehrten sich Quartiersmanagement, Quartiersrat und AnwohnerInnen im Gebiet Tiergarten-Süd. In einer Informationsveranstaltung wurde dem Vorhaben eine klare Absage erteilt. Weiterlesen

Die Evangelische Elisabeth Klinik

Von Gastblogger Volker Thomas

Das Haus liegt mittendrin im Kiez, bis zum Potsdamer Platz ist es nicht weiter als bis zum Nollendorfplatz und zum Park am Gleisdreieck. Zwischen diesen Koordinaten spielt sich das Leben rund um die „Potsdamer Straße“ ab: Hotels, Restaurants, Bars, Jugendherbergen und Luxusappartements, Galerien und eine bunt gemischte Bevölkerung. Für alle ist sie da: die Evangelische Elisabeth-Klinik, ein Haus, das 2012 seine 175-Jahr-Feier beging. Damit ist es – nach der Charité – die zweitälteste Klinik in Berlin. Weiterlesen

Einladung zum 2. Planungsforum für den Westpark

Gleisdreieck

Nun schon seit mehreren Jahren verfolge ich die Diskussionen, die sich um die Neugestaltung des Gleisdreiecks erst zum Ost- und nun zum Westpark ranken. Ein teilweise erbitterter Streit, wo ich teils den Verdacht hegte, manch selbsternannte BeschützerInnen kämpfen um einzelne Grashalme.  Dann besuchte ich Veranstaltungen und Planungsforen, auf denen mir die PlanerInnen und Bezirksbeauftragten sehr radikal niedermähend vorkamen. Dann wiederum erlebte ich in email-Diskussionen die heißen Auseinandersetzungen zwischen AnwohnerInnen und NaturschützerInnen. Hinzu kam im vergangenen Jahr die Erweiterung der Planungen und Initiativen über die Yorckstraße hinweg in die Bautzener Straße, wo der Park ja seine Verlängerung finden wird.

Doch all dies zusammen genommen ist für mich letztendlich eine fruchtbare Diskussion um öffentliches Gelände, die an anderer Webstelle fachkundig (und kontrovers) zu verfolgen sind.

Gleisdreieck-Blog

Landwehrkanalblog

Anwohnerinitiative Flaschenhals – Bautzener Straße

Im November 2009 gab es die erste öffentliche Veranstaltung auf der Westseite des Parkes. Danach formierte sich eine Gruppe von QuartiersrätInnen aus Tiergarten-Süd und Schöneberg-Nord, die aktiv in den Planungen eingebunden wurden. Durch ihre regelmäßigen Berichte und auch Veranstaltungen gaben Sie meines Erachtens auch der Bevölkerung hier an der Potsdamer Straße die Möglichkeit, Wünsche zu äußern und Entwicklungen mitzuverfolgen.

Morgen werden die Ergebnisse präsentiert. Ich leite die Einladung der QuartiersrätInnen hiermit gerne weiter.

Gleisdreieck - Diskurs nach der Begehung am 17. April 2010 in der POG

Liebe Anwohner, Mitstreiter, an der Planung zum Westpark Interessierte,

über viele Jahre hinweg war das Gelände des Gleisdreiecks sich selbst überlassen. So manche  (Berliner) Pflanze konnte hier ungestört Wurzeln treiben. Viele Erinnerungen sind mit dem Gelände verbunden für die, die hier schon immer Ausgleich zur Betriebssamkeit der Großstadt gefunden haben. Und nun verändert sich dieses Gelände. Hoch und vielfältig sind die Erwartungen an den neuen Park.

In dem Prozeß der Bürgerbeteiligung zum Westpark war Ihr Input wichtig. Ihre Kritik, IhreAnregungen, Bedenken und Wünsche sind in die Arbeit der projektbegleitenden Arbeitsgruppe mit eingeflossen und haben so die Planungen nachhaltig verändert. Diesen neuen, überarbeiteten Plan möchten wir Ihnen als AnwohnervertreterInnen gemeinsam mit GRÜN Berlin vorstellen.

Einladung zum 2. Planungsforum zum Westpark
Montag, 27. September 2010 ab 18.00 Uhr
im Gemeindesaal der 12 Apostel Kirchgemeinde, Apostelkirchplatz 1, 10783 Berlin
(Nähe U-Bahnhof Kurfürstenstr.)

Die Quartiersräte des Schöneberger Norden und des Magdeburger Platzes werden gemeinsam mit den Planern vom Atelier Loidl und GRÜN Berlin den überarbeiteten Entwurf vorstellen. Es gibt genügend Zeit für Fragen und Antworten.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen und eine rege Beteiligung am 2. Planungsforum.
Im November planen wir speziell für Senioren / Rollstuhlfahrer eine weitere Vorstellung des Parkentwurfs.

Herzliche Grüße
und noch ein schönes Wochenende

Gabriele Hulitschke
im Auftrag der AG ‚Gleisdreieck‘ der Quartiersräte Magdeburger Platz und Schöneberger Norden

Busspur, Tram und Fahrradslalom

Im Herbst 2009 kamen auf einmal die Radwegsschilder wieder.

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FahrradfahrerInnen zwischen Kurfürstenstraße und Lützowstraße mussten zurück auf den Fußgängerweg, ohne dass sich an der Qualität des Fahrradweges irgendetwas geändert hatte. Er entsprach noch immer nicht den Normen von 1,50 Meter Mindestbreite. War immer noch schmal und slalomartig.

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Gewiss, auch auf der Wirtschaftsspur ist das Fahrradfahren entlang der Potsdamer Straße nicht unbedingt ein Sonntagsausflug und erfordert besondere Aufmerksamkeit. Doch sie gehörte eine Zeitlang zu den 75 Prozent Berliner Straßen ohne benutzungspflichtig Radweg. Auf ihnen dürfen RadlerInnen direkt auf der Straße fahren. Diejenigen, die es tun, kennen die hupenden AutofahrerInnen mit den besserwisserischen Zeigefingern in Richtung Fußweg.

Mir fehlt die Zeit, sie alle zu einer „Radwegsanfangsbesichtigung“ einzuladen: „Sehen Sie: kein Radwegsschild am Fußgängerweg. Da muss ich nicht drauf.“ Warum? „Sie sind zu holprig, zu schmal und zu unwegsam. Außerdem ist erwiesen, dass RadlerInnen, die von diesen Radewegen kommen, besonders gern von rechtsabbiegenden AutofahrerInnen übersehen werden.“

Wir an der Potsdamer Straße setzten Hoffnung auf den neuen Fahrradbeauftragten Arvid Krenz. Hier in einem Interview mit der taz: „Radfahren muss schnell und bequem werden“

Gemeinsam mit meinem Quartiersratskollegen Jörg Borchardt dachte ich an eine Veranstaltung zu dem Thema. Uns ist die Verlegung des Radweges auf die Straße nicht nur aus Sicherheitsgründen ein Anliegen. Unseres Erachtens würde die Benutzung des Fußgängerweges und das Verweilen in den Straßencafés dadurch ebenfalls an Aufenthaltsqualität gewinnen.

Doch dann machte uns der Blogartikel von vom ehemaligen Fahrradbeauftragten Benno Koch „Streitfall Potsdamer Straße – Fahrradstadt Berlin strauchelt“ am 22. Juni 2010 hellhörig. Neben vielen wertvollen Informationen verwies er auf ein Schreiben der Verkehrslenkungsstelle Berlin. Dort hieß es unter anderem „Bis zur endgültigen Entfernung der Wirtschaftsspur muss die derzeitige Radwegebenutzungspflicht jedoch aus Gründen der Verkehrssicherheit für Radfahrer bestehen bleiben.“

Ich wandte mich an den im Schreiben erwähnten Herrn Kranz und kam in Kontakt mit einem aufgeschlossenen Beamten der Senatsverwaltung. Meine Frage, wann denn mit einer Entfernung der Wirtschaftsspur zwischen Lützow- und Kurfürstenstraße zu rechnen sei, wollte er durch Nachfrage im Amt genau beantworten können.

Nach nur wenigen Tage erhielt ich eine email, die ich hier im Wortlaut wiedergebe. Der erste Absatz erklärt dankenswerterweise den Unterschied zwischen „Wirtschaftsspur“ und „Busspur“ . Dann wird es ein wenig langsätzig, doch die frohe Botschaft ist, dass die Radwegsbenutzungspflicht in nicht allzu weiter Zukunft nicht mehr bestehen wird. Hier die Antwort im Wortlaut:

Die Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht auf dem von Ihnen bezeichneten Abschnitt der Potsdamer Straße ist an den Wegfall der jetzt noch vorhandenen sogenannten „Wirtschaftsspur“ geknüpft. Anstelle der „Wirtschaftsspur“ wird dann eine Busspur eingerichtet, welche dann auch für den Radverkehr zur Mitbenutzung freigegeben wird, der Radweg kann dann auf freiwilliger Basis genutzt werden.

Die erforderlichen straßenverkehrsbehördlichen Anordnungen werden durch meine für die Beschleunigung / Optimierung des Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zuständigen Arbeitsgruppe erfolgen.
Nach Rücksprache mit diesem Bereich, ist zur Zeit ein unabhängiges Ingenieurbüro mit der Bestandsaufnahme und der Erstellung von Plänen als Grundlage für die noch zu treffenden Anordnungen beauftragt. Das Ingenieurbüro hat für die Erledigung dieser Aufgabe eine Frist bis Ende August 2010 gesetzt bekommen. Sobald die Pläne vorliegen, wird kurzfristig die straßenverkehrsbehördliche Anordnung für die Wegnahme der Wirtschaftsspur, Einrichtung der Busspur sowie die Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht erfolgen. In diesem Anordnungsverfahren sind – gesetzlich vorgeschrieben – mindestens der Straßenbaulastträger und die Polizei zu hören. Deshalb wird dieses Verfahren sich voraussichtlich bis Ende Oktober 2010 hinziehen. Die eigentliche Umsetzung der Maßnahme wird dann vom Tiefbauamt Mitte (zuständiger Straßenbaulastträger) erfolgen.

Sollten Sie in dieser Angelegenheit (oder auch anderen verkehrlichen Angelegenheiten) noch Fragen haben, so stehe ich für die Beantwortung gerne zur Verfügung.

Das lässt doch hoffen. Die Änderungen könnten passieren bevor in circa zwei Jahrzehnten eventuell eine Tram aus der Leipziger Straße über den Potsdamer Platz bis nach Steglitz gelegt wird. Dazu kam vor kurzem eine Meldung in der Berliner Zeitung „Die Straßenbahn nimmt Kurs auf den Westen“ . Denn dann müsste die Straßennutzung in der Potsdamer noch mal neu überdacht werden.

Zwischenzeitlich – genauer nach der Sommerpause 2010 – hätten wir erstmal noch Anregungen zur Fahrradwegeführung. Wir vom Quartiersrat bleiben dran und halten Sie auf dem Laufenden, Radelnden, Fahrenden. Je nachdem.

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Sag beim Abschied leise Servus ODER Brauchen wir Linksautonome?

Die Künstlerinnen Anita Staud und Freda Heyden sind nicht mehr im Quartier. 16 respektive 18 Jahre arbeiteten sie dem Anton-von-Werner-Haus, der Villa des wilheminischen Hofmalers. Dieses Kleinod liegt ihm Hof des ehemaligen Tagesspiegel Gebäudes.

Anita Staud und Freda Heyden waren ein fester Bestandteil im kulturellen Leben des Kiezes. Sie stellten ihre Werke aus, gaben Malkurse für die AnwohnerInnen – jung und alt, migrantisch, herkunftsdeutsch, gut situiert und prekär lebend. Sie waren dabei beim jährlichen Kunstevent Magistrale. Anita Staud engagierte sich im Bürgergremium Quartiersrat Magdeburger Platz, unterrichtete an Grips- und Fritzlar-Homberg-Grundschule und initiierte im letzten Jahr gemeinsam mit dem Frauentreff Olga ein Projekt mit Prostitutierten.

Die Auseinandersetzung mit dem Ort und seiner Umgebung war für beide Teil ihrer Kunst.

Ein Nachruf? In gewisser Weise schon. Dabei sind die beiden nicht gestorben, sondern haben selbst gekündigt. Freda Heyden ging Ende Mai. Heute hat auch Anita Staud ihr Atelier geräumt.

Es ist nicht logisch, dass zwei Künstlerinnen genau zu dem Zeitpunkt ausziehen, an dem die Potsdamer Straße und Umgebung sich zu einem kulturellen Hotspot entwickelt. Ihr Auszug ist Folge der Preispolitik des neuen Besitzers des Tagesspiegel Geländes, der Kuthe GmbH.

Die Begegnung begann für die beiden Künstlerinnen einige Tage nachdem die Kuthe GmbH den Zuschlag für das Gelände bei der Zwangsversteigerung Anfang Dezember erhalten hatte. Umgehend wurde am 15. Dezember eine Sonderkündigung und ein Angebot auf Vertragsverhandlungen zur Fortsetzung des Mietverhältnisses an die Mieterinnen entsandt.

Gewiss, ein Besitzerwechsel bringt Mietpreisänderungen und nach jahrelangen paradiesischen Mietkonditionen waren beide auf eine höhere Miete vorbereitet. So trafen sie mit Oliver Freymuth, dem Vertreter der Kuthe GmbH. Doch ein konkretes neues Angebot erhielten sie erst drei Monate später, Mitte März.

Bei den informellen Gesprächen hatten die Mietforderungen bei € 600 plus Heizung begonnen, dann kamen Betriebskosten hinzu, dann Versicherung. Wenn auch alles andere insgesamt vage blieb, die Mietforderungen stiegen und stiegen und standen in klarem Widerspruch zu den gleichzeitigen Hinweisen des neuen Besitzers auf den maroden Zustand der Bausubstanz.

„Ich dachte wir würden uns bei den Verhandlungen in der Mitte treffen,“ sagt Anita Staud. „Doch die Angebote des Vermieters wurden von Mal zu Mal höher.“ Die Verhandlungstemperaturen kühlten ab. Und draußen kam der Winter nicht zum Ende. Am 8. Mai wurde die Heizung abgestellt, obwohl im Haus nur 12 Grad waren.

Da hatte sich Freda Heyden schon für einen Umzug ins Bethanien entschloss. Anita Staud sah zu der Zeit noch Verhandlungsmöglichkeiten. „Wir hatten in den vielen Jahren Besitzerwechsel erlebt, doch waren wir immer an ein sehr kooperatives Verhältnis zu unseren Vermietern gewöhnt,“ sagt Anita Staud. „Und so verhielten wir uns auch dem neuen Vermieter gegenüber.“

Sie selbst war schon vor dem Zwangsversteigerungstermin des Tagesspiegel Geländes mit verschiedenen am Anton-von-Werner-Haus interessierten Kreisen in Gespräch getreten, um zu überlegen, wie das Haus und die Umgebung erhalten und aufgewertet werden könnte. Dann holte sie auch den Atelierbeauftragte des Landes Berlin, Florian Schöttle, hinzu, der sich mit Oliver Freymuth zu einem Gespräch traf.

Selbst Mitte Mai deutete Oliver Freymuth noch an, den Standort Potsdamer Straße 81 unter Einbeziehung des Anton-von-Werner-Hauses in einen Kulturstandort entwickeln zu wollen. Für Anita Staud solle dort ein Platz sein.

Freda Heyden zog am 31. Mai aus. Am nächsten Tag wurde ohne Ankündigung oder Hinweis auf einen Schadensfall im ganzen Haus das Wasser abgestellt. Erst mit nachdrücklichem Einschreiten eines Anwaltes fing es zwei Tage später wieder an zu laufen – das kalte Wasser. Warmes Wasser gibt es sowieso nicht.

Gleichzeitig bekam Anita Staud am 2. Juni eine Räumungsaufforderung und die Androhung einer Räumungsklage, wenn sie dieser nicht nachkäme. Für den Fall, dass der Auszug nicht fristgerecht erfolgte, wurde ihr ein Mietausfallschaden von € 3.500,00 zzgl Beitriebs- und Nebenkosten zzgl. MwST angekündigt. Für eine 160qm große Atelierwohnung, die zwar unter Denkmalschutzaspekten wertvoll, deren Infrastruktur (Wasser, Heizung etc) jedoch miserabel ist.

Das ging Anita Staud gegen den Pinselstrich. Aus Prinzip. Sie kündigte zu Ende Juni 2010.

„Wir sind zu allem bereit,“ hatte Stefan Freymuth im Dezember 2009 kurz nach der überraschenden Ersteigerung des Geländes in einem Gespräch mit potseblog gesagt. „Wenn jemand eine tolle Idee hat, dann sind wir sehr aufgeschlossen.“

Unter einer Prämisse: „Es muss sich aber rentieren.“

Dieses Statement fand sich in etwas abgewandelter Form im Programm der „Fabelhaften Meret Becker Show“ wieder, der ersten Show der Kuthe Arnold Kuthe Entertainment GmbH im Wintergarten Varieté. Bei Nichterfüllung erneute Schließung.

Und im April 2010 wiederholte es Stefan Freymuth freundlich unverbindlich bei einem Gewerbegespräch zum Thema „Kreativwirtschaft in der Potsdamer Straße – Ambivalenzen und Chancen der Ansiedlung der Kreativen Szene im Gebiet rund um die Potsdamer Straße“, zu dem das Quartiersmanagement des Schöneberger Nordens geladen hatte. Nachfragen zu der Situation der Künstlerinnen im Anton von Werner Haus beantwortete er zugeknöpft bestimmter mit dem Hinweis auf den bisher lächerlich niedrigen Mietpreis, der sich nun gar nicht mehr rechnete.

Rendite als oberste Maxime der Geschäftsphilosophie ist in der Immobilienbrachen nicht überraschend. Und möglich, da die Kuthe GmbH nun zwei Filetstücke in der Potsdamer Straße besitzt.

In der Potsdamer Straße 96 – dem Gebäude des Wintergarten Varietés – werden zur Zeit circa 4.000 qm Bürofläche zum Preis ab 6,70 €/m² zzgl. MwSt.  Auf der gegenüberliegenden Straßenseite in der Potsdamer Straße 77-87 (ungerade Zahlen) und der parallel verlaufenden Körnerstraße 1-10 gibt es weitere 13.100 m² Nutzfläche, ohne Preisangabe. (Internetseite www.kuthe.de am 26. Juni 2010)

Als Nutzungsart werden Medien-, Künstler- und Galeriequartier, Büroensemble, Hotel/Hostel, Seniorenwohnen, Dienstleistungskomplex, Gründerzentrum anvisiert. Und der Standort wird folgendermaßen angepriesen:

Der neue Galeriestandort – Wintergarten Quartier – im Herz der Stadt
Schon jetzt haben über 100 Künstler, Künstlerinnen und Galerien ihre Heimat in der direkten Nachbarschaft gefunden. Mit dem Wintergarten Quartier wollen wir diesem Standort ein neues kulturelles Herz geben.

Welch Herz schlug denn in den vergangenen Jahrzehnten an der Potsdamer Straße?

Durch die Mauer zur Sackgasse geworden, hatte die Hausbesetzerszene in den 80er Jahren eine Aufwertung der Potsdamer Straße durch Kahlschlagsanierung verhindert. Es entstand ein bizarres Biotop, eine Mischung aus LebenskünstlerInnen, Prostitutionsszene, MigrantInnen, Medienschaffenden.

Nach der Maueröffnung wurde die Straße in Stadtplanung und Neugestaltung des Potsdamer Platzes nicht mitgedacht und verpasste den Anschluss. Seit 1999 wird mit Mitteln der Sozialen Stadt versucht, die Gegend zwischen Landwehrkanal und Kleistpark vor dem Abkippen zu bewahren. Sie ist in zwei Quartiersmanagementgebiete aufgeteilt.

Ein wichtiger Punkt ist die Bürgeraktivierung, d.h. die Einbeziehung aller Bevölkerungsgruppen in demokratische Prozesse und aktive Teilhabe an der Gestaltung des Lebens- und Wohnumfeldes. Dies ist zu einem guten Stück gelungen.

Sowohl im Quartiersrat Schöneberger Norden als auch in Tiergarten-Süd spiegelt sich die Bevölkerungsstruktur der Gebiete wieder, d.h. circa 50% der Sitze sind von Menschen mit deutschem Hintergrund, 50% der Sitze von Menschen mit migrantischem Hintergrund besetzt. Es gibt ein interreligiöses, seit kurzem auch ein interkulturelles Netzwerk. Elterncafés aktivieren, das Mehrgenerationenhaus Kiezoase bringt Menschen zusammen und Jugendliche von der Straße, die Fritzlar-Homberg-Grundschule und Neumark Grundschule haben eine Musikbetonung. Und und und, die Liste der positiven Entwicklungen könnte noch lange fortgesetzt werden.

All dies ist nicht renditeträchtig. Das Quartiersmanagementverfahren zielt auf eine andere Art der Aufwertung.

Und es ist in den letzten drei, vier Jahren gelungen die Potsdamer Straße langsam aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Seit Jahren leerstehende Immobilien werden in Hotels und Bürogebäude umgewandelt. Es gibt das Mediennetzwerk °mstreet, die Brache des Gleisdreieck wird in den kommenden Jahren zu einem öffentlichen Park gestaltet, Genossenschaften bauen an der Flottwellstraße und die Vivico Real Estate GmbH besitzt am Park weitere Baugrundstücke, über deren Gestaltung ein Mantel des Schweigens liegt.

All dies ist zu begrüßen. Auch, dass die Lichter des Wintergarten nachts wieder leuchten, dass das Tagsspiegelgebäude nicht verfällt und dass die Galerienkultur wieder an den Ort zurückkehrt, den sie im Dritten Reich aufgrund von Arisierung und Vertreibung verlassen musste.

Zur Zeit leben die neuangekommenen Galeristen sowie die teils lang-ansässigen Medienschaffenen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – an den AnwohnerInnen vorbei. Und umgekehrt. Schnittpunkte gibt es wenig.

Sprung nach Kreuzberg – Biennale im Mai 2010. Nach Jahren im ehemaligen Berliner Osten, wählte die Kuratorin Kathrin Rhomberg dieses Mal ein seit zehn Jahren größtenteils leer stehendes Geschäftshaus in Kreuzberg als zentralen Ausstellungsort. Sie ging also in einen Teil Berlins, der bekannt ist durch eine Feier- und Krawalltradition am 1. Mai, eine große türkische Bevölkerungsgruppe und eine alternative Kunst- und Kulturszene. Ein Ort, an dem die Immobilienpreise langsam und stetig steigen.

Die Biennale wurde also argwöhnisch beäugt, weiß man doch nur zu gut, wie schnell sich Kunst als Aufwertung der Kieze in Verdrängung Ärmerer verwandelt. Und weil in Kreuzberg Widerstand eine lange Tradition hat, wurden die Bienale-Macherinnen von ihren GegnerInnen offensiv mit Plakaten begrüßt: „Guten Tag, mein Name ist Gabriele Horn/Kathrin Rhomberg. Ich bin Gentrifiziererin!“ Fotos und Kontaktdaten anbei.

Die Bienale-Macherinnen nahmen es gelassen, ließen die Plakate hängen und schwärzten ihre Kontaktdaten. Die Polizei schickte ungefragt mehrere Polizeiwannen zur Sicherung der Eröffnung. Viel mehr passierte nicht. Und die Berliner Medien entfachten eine teils klischeehaft geführte Gentrifizierungsdebatte.

Die Berliner Zeitung titelte „Gentrifizierung: Auf die Bohème folgen die Makler“ und behauptete, dass es in Kreuzberg nicht die Kunst ist, die Touristen, Erlebnishungrigen und Immobilienentwickler anzieht.

Der Artikel schloß mit zwei bedenkenswerten / bedenklichen Sätze: „Die zur Zeit „heißeste“ Nachbarschaft, die sich die Galerienszene derzeit erschließt und wo die Limousinen der Sammler vorfahren, ist die Potsdamer Straße in ihrem einst verruchtesten Abschnitt. Dort gibt es aber kaum Linksautonome, die sich dagegen wehren.“

Auf dem „Gentrification Blog – Nachrichten zur Stärkung von Stadtteilmobilisierungen und Mieter/innenkämpfen“ schreibt Andrej Holm am 16. Juni zur Situation rund um die Biennale: „Eine Diskussion über die Rolle von Kunst und Kulturschaffenden an städtischen Aufwertungsprozessen wird so abgebrochen, bevor sie überhaupt begonnen hat.“

Diese Diskussion muss an der Potsdamer Straße sehr bald begonnen werden. Die Neuankömmlinge müssten für den Dialog gewonnen werden. Gleichzeitig wäre es mehr als wünschenswert, wenn die Kulturschaffenden, die den Kiez seit Jahren positiv geprägt haben, auch dabei sein könnten. Zum Beispiel Freda Heyden und Anita Staud.

Von Empfang auf Sendung – weltweit erste Satellitenschüssel-Galerie

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Anfang Juni bestaunten die AnwohnerInnen im Schöneberger Norden die Eröffnung einer Galerie der besonderen Art, die von nun an das Pallasseum ziert. Die Wohnanlage aus den 70er Jahre, die mehr als 2.000 Menschen Wohnraum bietet, überspannt die Straße und ist dicht bestückt mit Satellitenschüsseln, denn nur so sind die Fernsehstationen aus mehr als 30 Nationen zu sehen.

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Nun ist von Sendung auf Empfang umgeschaltet: „Von Innen nach Außen“ heißt das Projekt von Daniel Knipping . Ich traf ihn für ein Interview im Schöneberger Morgen, der Zeitung des Quartiersmanagements Schöneberger Norden.

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Daniel Knipping ist Kunsttherapeut und freischaffender Künstler, lebt in Lindau und arbeitet in Deutschland und der Schweiz. Seine Materialien sind Fotografie, Holz und Stein. Sein Anliegen ist es, innere Prozesse darzustellen. So entstand auch die Idee der Satellitenschüssel-Galerie.

„Vor vier Jahren sah ich in Österreich zufällig ein kleines Migrantenwohnheim, ganz abseits am Rande einer Stadt,“ erzählt Knipping. „Dort lebten Asylbewerber und sie hatten gar keine Chance anzukommen. Es hat mich geärgert und ich habe mit ihnen gesprochen. Das Haus war gespickt mit Schüsseln und mir kam der Gedanke, dass man das Heim sichtbar machen müsste, indem man die Schüsseln für eine künstlerische Botschaft nutzt.“

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Zu realisieren war die Idee an der Stelle nicht und Jahre später entdeckte Knipping bei einem Berlin-Besuch das Pallasseum. Das Quartiersmanagement Schöneberger Morgen, die Pallasseum Wohnbauten KG und der Stadtteilverein Schöneberg Nord waren spontan begeistert für seine Idee und bereit, den Weg hier in Schöneberg Nord mit ihm zu gehen.

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Die Idee hat Knipping natürlich gemäß dem neuen Umfeld modifiziert. Denn die Menschen hier sind schon lange im Kiez angekommen, manche wohnen bereits seit mehreren Generationen im Pallasseum.

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„Es geht um Kommunikation, Integration, Identität und darum, dass verschiedene Kulturen etwas zusammen schaffen. Und es ist ein Umkehrverfahren,“ sagt Knipping. „Meine Idee ist es, an der Stelle, wo Informationen in eine Wohnung hineinkommen, den Prozess umzudrehen. Die Menschen, die dort leben, können etwas von innen nach außen senden. Jede Familie kann ihre eigene Botschaft in einem Bild darstellen. Eventuell ergibt alles zusammen eine Gesamtbotschaft. Dann ist der Betrachter ist in seiner Wahrnehmung gefordert. Ich bin gespannt auf die Botschaft, die erkannt wird.“

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Mit ihren langjährigen Kontakten zu BewohnerInnen des Hauses halfen MitarbeiterInnen des Stadtteilvereins – Knipping beschreibt sie dankbar als seine „Wohnungstüröffner“ – bei der Kontaktaufnahme. Mit seiner Fähigkeit zuzuhören, empathisch auf Menschen einzugehen, gewann Knipping sie dann auf Sendung zu gehen und ihre Satellitenschüsseln als Botschaftsträger zu verwenden. Fast 80 erklärten sich bereit mitzumachen.

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„Manchmal habe ich auch nur Gespräche zwischen Tür und Angel geführt,“ erinnert er sich an die Kontaktaufnahmen. „Doch letztendlich mussten mich alle in ihre Wohnung lassen, damit ich die Schüsseln ganz genau ausmessen kann. Nach anfänglicher Skepsis ist mir sehr viel Gastfreundschaft entgegen gekommen. Ich habe sehr viel Chai getrunken, Gebäck bekommen.“

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Familienalben wurden durchblättert, Erinnerungen aufgefrischt, Gespräche geführt. Dann entschied sich jede Familie für ein Bild.

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Als er den Ordner mit den ausgewählten Motiven durchblättert, erinnert Knipping sich immer wieder neu an die Situationen. Er klingt bei vielem angerührt von den Geschichten und der Offenheit, auf die er traf.
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Viele wollen auf den Bildern ihre Verbindung zur Heimat zeigen, Erfahrungen mitteilen, Erlebnisse, Kinder, Sehenswürdigkeiten. Bei einer Familie ist er zugegen, als Essen zubereitet wird und so entsteht ein Bild mit den geöffneten Händen. Es gibt ein Bild von einem lachenden Mann, der bereits verstorben und so doch weiterhin präsent ist. Andere wollen nur etwas Dekoratives zeigen.

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Nach der Auswahl bearbeitet Knipping jedes Bild, damit sie der Vergrößerung von 9 x 13 cm auf 103 x 97 cm standhalten. Dann werden sie auf PVC-Bannerstoff gedruckt. Der Stoff hat mehrere Vorteile, ist reißfest und gibt die Fotos in einer hohen Abbildungsqualität wieder. Das Fernsehbild wird durch die Folie nicht beeinträchtigt. Dann werden sie wie bei einer Trommel über die Satellitenschüssel gespannt und mit Haken und Gummiseil festgezogen.

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Doch werden denn die Betrachter alle Botschaften verstehen? „Das wichtigste ist die Botschaft, die die Familien aussenden wollen und sie werden nicht immer alle verstanden werden,“ sagt Knipping. „Doch wenn die Schüsseln hängen, kann wieder Kommunikation entstehen. Nachbarn können sich über ihre Fotos unterhalten, wenn sie wollen. Austausch ist auch Teil der Kunst.“

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Es ist das erste Projekt weltweit, was in einer gemeinschaftlichen, künstlerischen Aktion solch eine Galerie hat entstehen lassen. Auf seiner Webseite verspricht Knipping, das Projekt weiter zu entwickeln. Also: auf Sendung bleiben.

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„Grünflächen statt Lagerhallen“ – Grünzug für die gesamte Bautzener Straße

Auftakt zur Unterschriftenaktion als Vorbereitung für das nächste Werkstattgespräch des Bezirksamtes Tempelhof Schöneberg zur Gestaltung des Grünzuges zwischen Gleisdreieckpark und Südgelände

Die Ad-hoc-Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der AnwohnerInnenInitiativie – Bautzener Straße, aus Quartiersrat Schöneberg-Nord und einigen AnwohnerInnen rund um den St. Matthäus Kirchhof hat sich kurzfristig zusammengefunden und die beigefügte Aktion entwickelt. Die Mitglieder und Sympathisanten der AIF-Bautzener Straße wurden abschließend befragt und haben die Aktion einmütig unterstützt.

Diese Arbeitsgruppe bittet um Mithilfe bei allen, die im Schöneberger Norden oder im übrigen Bezirk Tempelhof-Schöneberg Verantwortung tragen und gemeldet seid:

Unterstützt unsere Aktion, hängt das Flugblatt bei Euch aus, sammelt Unterschriften, werbt in Eurem Umfeld, gebt uns Tipps für Veranstaltungen, bei denen wir gut sammeln können usw. Zurücksenden könnt Ihr per Post (Monika Köhler, Bautzener Straße 10, 10829  Berlin) oder direkt bei der Bäckerei Seitz in der Hochkirchstraße abgeben. Ein weiterer Kontakt ist über die email-Adresse StMatthaeusKiez/@/gmx.de möglich.

Es wurde bereits offiziell damit begonnen, AnwohnerInnen sowie ansässige Gewerbetriebe zu kontaktieren. Ziel ist, dass sich möglichst viele direkte Anwohnerinnen und Anwohner aber auch möglichst viele aus dem Schöneberger Norden und auch aus dem übrigen Bezirk in den kommenden Wochen hinter die Forderung stellen und unterschreiben. Die Initiative lehnt sich dabei an das streng formale bezirkliche Verfahren zum „Einwohner-Antrag“ an.

Hier die Forderungen, die im pdf-Flugblatt genauer nachzulesen sind, in Kürze:
Wir fordern die Erweiterung des geplanten Grünzuges entlang der gesamten Bautzener Straße
bis zur Yorckstraße.

Begründung: Die Fläche ist integraler Bestandteil des Nord-Süd Grünzuges zwischen Potsdamer Platz und Südgelände und ermöglicht den dringend benötigten direkten Zugang von unserem Kiez zum Gleisdreieckspark.

Wann und wie die Unterschriftenlisten im Zusammenhang mit dem Fortgang der Werkstattgesprächsreihe verwendet werden oder wer sie außer den Mitgliedern der BVV Tempelhof-Schöneberg mit Anschreiben dann noch kriegen soll, wird in Kürze diskutiert werden.

Hier sind die Unterschriftenlisten und die Informationen zur Aktion per pdf zum Runterladen und Ausdrucken

Informationen zur Aktion per Klick
Unterschriftenliste als pdf