Schlagwort-Archiv: Bülowstraße

Wenig Toleranz im schwulen Kiez

Von HU-Gastblogger Lea Drasdo

Ein homosexuelles Pärchen, das in Berlin Urlaub macht, steht vor der Sparkasse am Nollendorfplatz. Plötzlich kommen vier Männer und beleidigen die beiden: „Scheiß Schwuchteln! Ficken wie die Ratten!“ Doch die Beleidigungen reichen den Angreifern nicht. Das schwule Pärchen wird auch noch körperlich attackiert. Einer von beiden so stark, dass er später im Krankenhaus ambulant behandelt werden muss.

Schwuler Bürgermeister, Schwulenbars und der älteste schwule Kiez Berlins. In der Hochburg der Homosexuellen rund um den Nollendorfplatz in Berlin vermutet man in keinem Fall regelmäßige homophobe Übergriffe. Seit 1990 ist jedoch genau hier das Berliner Anti-Gewalt-Projekt Maneo als eigenständiges Vorhaben vom schwul-lesbischen Informationsdienst Mann-O-Meter e.V. angesiedelt, um Betroffene homophober Gewalt zu beraten und Hilfestellungen zu geben. Weiterlesen

Ein Café positiver Art

Von HU-Gastblogger Nico Januszewski

Von außen ist es unscheinbar, das Café in der Bülowstraße 9. Wenn man nicht weiss wo es ist, läuft man daran erstmal vorbei. Durch den Flur kommt man hinein in einen großen Raum mit Theke und Tischen, hinten in der Ecke ein Klavier an dem jemand spielt. Zwei Menschen sitzen am Tresen und essen frische Pizza, die es heute gibt. Hinter dem Tresen zwei Angestellte, eine von ihnen ist Claudia, sie ist nicht HIV-positiv. Weiterlesen

„Ich habe Zuhause ein lieber Mann“

Von HU-Gastbloggerin Irina Tkachenko

„Wer mich besonders beeinflusst hat? Viele Menschen würden an dieser Stelle berühmte Namen nennen“, – sagt Gülsen Aktas, Leiterin des Nachbarschaftstreffpunkts HUZUR. „Aber mich haben meine beiden Großväter geprägt. Ich habe sie sehr dafür geliebt, wie sie mich, uns, geliebt haben, es war so innig. Diese Liebe in einer elternlosen Zeit, in einer Zeit der Armut, das hat mich am Leben erhalten“.

Wir treffen uns zwei Stunden vor der Öffnungszeit in den Räumen des Vereins in der Bülowstraße. Als ich ankomme, sitzt Gülsen Aktas schon an ihrem Schreibtisch. Ich sehe eine lebhafte Frau mit einem wunderbar grün leuchtenden Schal. Sie lehnt sich an die Wand und erzählt, dass HUZUR schon vor sechs Jahren mit Hilfe von Lotteriemitteln und in Kooperation zwischen Esperanto – Aufsuchende Hilfen e.V. und dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg entstand. Da waren sie noch in der Katzlerstraße.

„Bis vor einem Jahr hatten wir noch sehr kleine Räumlichkeiten, da waren wir wirklich sehr unter uns, es war wie das verlängerte Wohnzimmer für die älteren Frauen“.

Ärzte, Krankenhäuser, Kliniken schickten die Leute zu HUZUR damit sie nicht alleine sind. Auch Nachbarn aus der näheren Umgebung kamen, um dort Zeit zu verbringen. Nach dem Umzug in die größeren Räume wurde das Angebot entsprechend erweitert und – darauf ist Gülsen Aktas ganz besonders stolz – HUZUR ist jetzt echt multikulturell. Es gibt Spanisch- und Türkischkurse, Flamenco-Abende…

Die Tage verlaufen im HUZUR strukturiert, um 9 Uhr morgens kommen die ersten Mitarbeiter. Es kommen einige Nachbarn, es wird Kaffee gekocht und geredet. Allerdings muss man diese Gespräche auch ein bisschen kanalisieren, damit es sich nicht in eine politisch gefährliche Richtung entwickelt.

„Da sind zwei ältere türkische Herren, sie erinnern mich ein bisschen an Ernie und Bert. Sie müssen jeden Tag ihre politischen Debatten führen, schimpfen immer über die Frauen mit Kopftuch“ – Gülsen Aktas schmunzelt – „das sind Kemalisten“.

Die SeniorInnen machen viele Ausflüge. Da waren, zum Beispiel, die Exkursion nach  Sachsenhausen, bei der die Frauen in Tränen ausgebrochen sind oder auch das Staunen im Jüdischen Museum, als es um die Parallelen oder gar Ähnlichkeiten zu der jüdischen Religion ging.

Es gab auch einen Ausflug zum Liebermann-Museum, begleitet von einem Filmteam. Als einer der Filmleute eine der Teilnehmerinnen fragte, ob sie den wisse, wer Liebermann sei, antwortete sie  prompt:  „Ja, ich habe Zuhause ein lieber Mann“.

Den Kampf gegen die Einsamkeit bezeichnet Gülsen Aktas als die größte Herausforderung vor der HUZUR steht. „Man muss Angebote bringen, die den Bedürfnissen der Menschen entsprechen. Aber wir leben hier und wir erleben, wie sie einsam sind und alleine sterben. Und erst nach ihrem Tod sehen wir dann auf einmal Verwandte“.

Nach Misserfolgen gefragt, sagt Gülsen Aktas, dass es in Berlin einfach zu wenige Projekte gibt, die sich für ältere Menschen einsetzen, ob nun mit Migrationshintergrund oder ohne. Sie bekommen einfach keine Regelfinanzierung.

„Die alten Menschen werden von der Gesellschaft einfach als Restposten behandelt, abgeschoben. Natürlich lesen wir immer wieder in Zeitungen oder wir sehen es im Fernsehen, dass jemand Tage-, Monatelang tot in seiner Wohnung lag und nicht gefunden wurde, aber wenn es uns hier passiert, dann ist es natürlich hart“.

Für – Tier – Sorge in Zeiten des Winters

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Die Legende besagt, dass dieses Tier nach einer legendären Theaterproduktion zu Zeiten der Hausbesetzung im Hof belassen wurde. Im kommenden Jahr, in dem die Hausbesetzung in der Bülowstraße und anderswo sich zum 30. Mal jährt, wird Gelegenheit sein, ZeitzeugInnen hierzu zu befragen.

Doch die nachwohnende Generation übernimmt bereits Verantwortung. Auch für die drahtgestelligen Anwohner(Innen?) Gerade in Zeiten des kalten Winters, der hier durch den Schnee symbolisiert wird.

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Der Tod Klaus-Jürgen Rattays – Fanal im Kampf um die Stadt

Von HU – Gastblogger Moritz Wichmann

Ich war 30, kam vom Lande, es war meine erste Demo – es war eine wahnsinnig aufgeheizte Stimmung“, so eine Zeitzeugin 29 Jahre später. „ An diesem Abend gab es bestimmt einige, die ihren ersten Stein geworfen haben, damals gab es keine Deeskalation, da wurden Passanten verprügelt“, erinnert sich die taz-Journalistin Plutonia Plarre, die ebenfalls dabei war. Am 22. September 1981 erreichte der Kampf um die Stadt in Westberlin seinen traurigen Höhepunkt. Im Zuge eines Polizeieinsatzes starb der Demonstrant und Hausbesetzer Klaus-Jürgen Rattay. Was war geschehen?

Zeitungsschnipsel_Rattay

Westberlin 1981

Im Jahre 1981 ist Berlin eine gespalttene Stadt. Auf der einen Seite ein Klüngel aus Immobilienwirtschaft und politischem Estabishment, das großflächig alte Häuser abreißen und neu bauen lassen will, auf der anderen Seite die Instandbesetzer der alternativen Szene, die sich leerstehende Häuser aneignen. Der Senat ist von der Welle an Hausbesetzungen zunächst überrascht und ohne Konzept, schafft es dann im Verlauf des Jahres langsam die Situation wieder unter Kontrolle zu bekommen. Hans-Jochen Vogel (SPD), von Januar bis Juni 1981 übergangsweise Regierender Bürgermeister von Berlin führt die Berliner Linie ein: Neu besetzte Häuser sollen innerhalb von 24 Stunden geräumt werden, alte werden nicht geräumt, solange die Besitzer keine konkreten Baupläne mit dem Haus haben.

Die Außeinandersetzungen werden härter, auf der Straße geht es zunehmend brutal zu. Im Dezember 1980 werden einem jungen Demonstranten von einem Einsatzwagen der Berliner Polizei die Beine zerquetscht. Im April stellt der linke Ermittlungsausschuss in einer Pressekonferenz die Frage: „“wer eigentlich ermittelt in Berlin gegen diejenigen Polizisten, die im Schutze der Nacht und in Hinterhöfen Leute ohne Rücksicht auf Leben und Gesundheit zusammenschlagen?“. Der Ermittlungsausschuss konstatiert schon damals: „Wir befürchten, daß die Fortsetzung dieser Polizeistrategie demnächst auch zu Todesopfern führen wird“. Einen Monat später liegt ein Mann infolge eines Polizeieinsatzes in aktuer Lebensgefahr auf der Intensivstation. Im Senatswahlkampf setzt sich währenddessen die CDU durch: Ab dem 11. Juni ist der Berliner Senat CDU-geführt. Der neue Innensenator ist Heinrich Lummer, ein deutschkonservatier Hardliner am rechten Rand seiner Partei. Er will in Berlin aufräumen und kündigt die Räumung von neun besetzten Häusern an. Für die Hausbesetzer eine Kampfansage.

Einer von ihnen ist Klaus-Jürgen Rattay. Er ist zuvor mehrere Monate durch Europa getrampt, zuhause in Kleve am Niederrhein hat er es nicht ausgehalten, hat sich mit verschiedenen Jobs als Gelegenheitsarbeiter durchgeschlagen. In Berlin schließt er sich den Hausbesetzern an. Er ist begeistert vom Zusammenhalt in der Szene. Ihm stinke es “wenn man dauernd unterdrückt wird, von anderen Wixern am Arbeitsplatz, vom Meister oder so“, erzählt er in einem Interview noch zwei Tage vor seinem Tod einem Kamerateam rund um den Journalisten Stefan Aust. Auf die Frage nach den bevorstehenden Räumungen sagt er: „Ich hab` Angst und ich hab gleichzeitig auch Mut zu kämpfen“.

Die Räumung von 9 Häusern

Am 22. September ist es schließlich soweit 2000 Polizisten räumen wie angekündigt die Häuser unter Protesten. Nach der Räumung hält Innensenator Lummer in einem besetzten Haus in der Bülowstraße 89 triumphierend eine Pressekonferenz ab. Eine Machtdemonstration. „In einem Aufwasch, ist das am Besten erledigt“ brüstet sich Lummer gegenüber den Journalisten. Vor dem Haus hinter den Absperrungen protestieren Hausbesetzer und Sympatisanten mit Sprechchören. Nach einiger Zeit beginnt eine hinzugezogene Hundertschaft der Polizei unter Schlagstockeinsatz die Bülowstraße in Richtung Potsdamer zu räumen. Die Demonstranten fliehen panisch vor der nachrückenden Polizei in den fließenen Verkehr auf die Potsdamer Straße. An der Kreuzung halten die Autos an, als sie die Demonstranten auf die Straße rennen sehen, ein Bus der BVG fährt nach der Rotphase wieder an und will die Kreuzung überqueren. Ab hier stehen sich zwei Versionen gegenüber.

Der Tod Klaus-Jürgen Rattays

Die erste ist die der Polizei und des Senats: Die Menge habe den Bus mit Steinen angegriffen, worauf der Fahrer versucht habe aus dem Gefahrenbereich herauszukommen. Klaus-Jürgen Rattay sei dabei vor den Bus auf die Stoßstange gesprungen und habe die Frontscheibe des Busses zerschlagen, den Bus also angegriffen. Dabei sei er unter den Bus geraten. Der Bus schleift Klaus-Jürgen Rattay etwa 80 Meter mit, bis er schließlich anhält. Der Busfahrer sagte später aus, er habe nicht gemerkt, dass Rattay unter den Bus geraten sei.

Der Ermittlungsausschuss, aber auch bürgerliche Medien wie der Tagesspiegel, veröffentlichen unter Berufung auf Zeugen eine andere Darstellung der Ereignisse. Rattay sei mit der Menge auf die Kreuzung gerannt, während der Bus wieder anfuhr. Er habe sich dabei in Richtung der, die Demonstranten verfolgenden Polizisten umgedreht, und habe so den anfahrenden Bus nicht gesehen. Andere Augenzeugen berichten, sie hätten sich durch einen Sprung gerade noch vor dem Bus in Sicherheit bringen können und hätten dann wütend mit den Händen an den Bus geschlagen. Der Bus jedenfalls sei unbeschädigt auf die Kreuzung gefahren. Viele Augenzeugen berichteten, bis der Bus Rattay überrollt habe, habe es keine Angriffe auf den Bus gegeben.

Rattay selber sieht laut Rekonstruktion der Zeugen den Bus erst im letzten Augenblick. Er reißt die Arme hoch, vielleicht, um den Busfahrer zu stoppen. „Dann gab es ein dumpfes ‚Plop‘ und Klaus wurde umgerissen“ berichtet ein Zeuge in einer Dokumentation des Ermittlungsausschusses. Rattay sei zunächst durch die Wucht des Aufpralls mit dem Kopf gegen die Frontscheibe geschleudert worden und dann unter den Bus geraten. Diese Version bestätigt auch Wolfgang Meyer-Franck, damals Anwalt der Familie Rattay als die wahrscheinlichste. Meyer-Franck betont: „Der Busfahrer konnte eigentlich nicht sagen „ich hab nichts bemerkt“, er wurde von einem anderen Kollegen angefunkt „du hast jemanden angefahren, halte an!“ – und zwar mehrfach“.

Akte_Rattay

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Direkt nach dem Tod von Rattay besetzen die anwesenden Demonstranten die Straße mit einer Sitzblockade und beginnen eine Trauerkundgebung, die Stelle an der Rattay stirbt wird mit einem Meer von Blumen bedeckt. Die Polizei räumt mehrmals die Mahnwache, tritt die am Boden liegenden Rosen auseinander, wie auf Bildern zu erkennen ist. Spätabends ziehen dann 10.000 Menschen in einer Trauerdemonstration durch Westberlin. Danach entlädt sich die Wut militant. „Nach dem Tod von Rattay gab es viele Demos, da wurden Wannen umgekippt“ erinnert sich Plarre.

Die versuchte juristische Aufarbeitung

Die Staatsanwaltschaft ermittelt in der Folge gegen den Busfahrer wegen fahrlässiger Tötung, der Einsatzleiter wird nur als Zeuge vernommen. Schließlich werden die Ermittlungen eingestellt. Rechtsanwalt Meyer-Franck gelingt mittels eines Verkehrsgutachtens und einem Klageerzwingungsverfahren, dass die Ermittlungen nochmals aufgenommen werden. Im April 1983 werden die Ermittlungen endgültig eingestellt.

Direkt am Tatort habe es keine ausreichende Spurensicherung gegeben, die weisungsgebundene Staatsanwaltschaft habe nur zögerlich ermittelt – sie habe kein besonderes Interesse an der Aufarbeitung des Falls erkennen lassen. Ein weiteres Problem sei überraschenderweise die Vielzahl der Zeugen gwesen. Sechzig Zeugen, zusätzlich das vorhandene Bildmaterial: „Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass es soviele unterschiedliche Sichtweisen eines Vorgangs geben kann“ erinnert sich Meyer-Franck.

Im Einstellungsbeschluß heisst es dann schließlich: „…daß Klaus-Jürgen Rattay aufgrund der Räumung der Bülowstraße in den Kreuzungsbereich geraten ist wahrscheinlich, aber wie ausgeführt, nicht nachzuweisen“, dem Busfahrer sei zwar nachzuweisen, dass er die Kollision mit Rattay bemerkt habe, aber nicht, dass dieser unter den Bus geraten sei. Auch sei nicht klar, ob Rattay unmittelbar die Arme hochgerissen habe und gegen den Bus geprallt sei oder selbst handelnd tätig geworden und die Frontscheibe des Busses angegriffen habe.

Im Fall Rattays seien die Möglichkeiten der juristischen Aufarbeitung und Klärung an ihre Grenzen gestoßen. Solche Ereignisse könnten nur politisch aufgearbeit werden, so das Fazit von Meyer-Franck. Eine „harte Erfahrung“ sei das gewesen. Die Frage nach Schuld und die Frage nach der politischen Verantwortung bleibt ungeklärt. Für TAZ-Journalistin Plarre ist die Sache klar: „Letztendlich war natürlich Lummer verantwortlich, ich glaube es war so eine Art vorauseilender Gehorsam der Polizei ihm gegenüber“.

Die Hausbesetzer in der Defensive

Doch was waren die Folgen für die Bewegung? Im Zuge des Sommers 81 wurden bis zu 5000 Verfahren gegen Hausbesetzer und Demonstranten eingeleitet, schätzt der Ermittlunsausschuss in seiner Dokumentation des Falles. Der Druck von außen schweißt die Szene zusammen. „Man empört sich und wird politisiert, auf einmal war man ein Kollektiv in diesen Häusern“ erinnert sich Plarre. Direkt nach dem Tode Rattays habe erstmal „niemand verhandelt“.

Und doch ist mit dem Tode Rattays endgültig klar: „Hier geht es auch um Leben und Tod, das wurde dann allen klar und ich denke auch, dass das die Verhandlungsbereitschaft vieler Häuser erhöht hat“, so Plarre. Die Repression wirkt. Die Szene wird gespalten in friedliche Verhandler und militante Nichtverhandler. „Es gab immer die Forderung: Wir verhandeln, wenn es keine Räumung gibt“ erinnert sich Plarre. Doch der Senat lässt immer wieder räumen und schafft es damit die gegenseitige Solidarität der Hausbesetzer zu unterhöhlen. Die „Verhandeln nur ohne Räumungen“-Position wird in der Folge immer wieder und immer weiter aufgeweicht, immer mehr Häuser scheren aus der Front der Hausbesetzer aus und verhandeln. Die Hausbesetzer sind in der Defensive. Kurze Zeit später schließen 70 von 160 besetzten Häusern einen Vertrag ab, oder kaufen ihr Haus – der Rest wird geräumt.

Repressive Normalisierung

Und so markiert der Tod Klaus-Jürgen Rattays auch eine politische Zeitenwende. „Diese Wohnungs- und Hausbesetzungsproblematik war die wesentliche Herausforderung, als ich damals sehr kurzfristig nach Berlin kam“ erinnert sich Jürgen Vogel. Daran anschließend betont auch Richard von Weizsäcker im Interview mit dem RBB, dass er die Linie von Vogel ganz im Einklang mit diesem fortgesetzt habe.

Parteiübergreifend bestand also Einigkeit, das die Lage in der Stadt normalisiert werden musste, begann die Hausbesetzerbewegung doch, nachdem die eher akademische 68er Bewegung die intellektuelle Vorarbeit geleistet hatte, praktisch das „andere Leben“ in Form der Aneignung von Privateigentum, der kollektiven Lebensweise und der solidarischen Ökonomie zu organisieren. In Ansätzen eine andere Organisation des städtischen Lebens, die nicht kompatibel war mit der bürgerlichen Gesellschaft und deswegen von ihr nicht toleriert werden konnte. Der Tod von Klaus-Jürgen Rattay zeugt davon, das die Strategie der repressiven Normalisierung der Situation in Westberlin letztlich auch Tote in Kauf nahm.

Was ist geblieben? Die Hausbesetzer haben eine Modernisierung der Wohnungsbaupolitik und des städtischen Lebens durchgesetzt. Heute wird saniert statt abgerissen. Wohnformen wie die Wohngemeinschaft sind heute allgemein etabliert, wenn auch oft mehr der Notwendigkeit, als dem Wunsch nach kollektiven Leben geschuldet. Auch heute noch hat Berlin eine große alternative Szene. Und doch: Viele Hausbesetzer sind in den Schoß der bürgerlichen Gesellschaft zurückgekehrt. Vielen der legalisierten Häuser sieht man heute nicht an, dass sie einmal besetzt waren. Nahe der Todesstelle von Klaus-Jürgen Rattay befindet sich heute eine kleinen Gedenktafel, eingelassen in den Gehweg. Darin eingeritzt: Der Name des Toten. An Heinrich Lummer erinnert heute im Abgeordnetenhaus eine Büste, er ist heute nach mehreren Schlaganfällen ans Bett gefesselt. Opfer und Sieger im Kampf um die Stadt.

ausgewählte Quellen:

Ermittlungsausschuss: abgeräumt? 8 Häuser geräumt…. Klaus-Jürgen Rattay ist tot, Eine Dokumentation

RBB Doku: Häuser, Hass und Straßenkampf

Toleranz ist kein Gen – Homophobie auch nicht

Klar war Botschaft von Larissa Neu bei der Vorstellung des Projektes Raduga auf dem Präventionsrat Schöneberger Norden: „Russische Jugendliche haben ein Problem sich zu outen,“ sagte sie. „Viele verlieren dann ihren Familienzusammenhalt. Jugendliche dürfen oft ihre homosexuelle Freunde nicht zu sich nach Hause bringen.“

Projektträger ist das Integrationszentrum Berlin , das sich vornehmlich mit Fragen der Integration von Spätaussiedlern und Kontingentflüchtlingen aus den GUS-Staaten befasst und seit kurzem in der Katzlerstraße lokalisiert ist.

Raduga ist russisch und heißt Regenbogen. Das Projekt wird gefördert im Rahmen der LADS/Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt“

Raduga wird Multiplikatoren schulen, um die Einstellung in der russischen Einwanderungsgesellschaft zu sexuellen Orientierungen zu liberalisieren. Hilfesuchende homosexuelle Menschen werden beraten, russischen Migrantinnen mit einer Transidentität soll aus der Isolation geholfen werden.

„Wir sind das erste Projekt, in dem heterosexuelle Russen sich dieses Problems annehmen,“ sagte Frau Neu. „Das ist eine große Verantwortung für uns, und es ist ganz wichtig, das viele von uns wissen.“

Ja, das ist es.

Im Juni 2010 wurden fünf Männer Opfer einer homophoben Attacke vor dem Eingang des Pallasseums. Sie gingen die Potsdamer Straße entlang, als sie sich plötzlich von circa 50 Jugendlichen umringt sahen, die sie wüst beschimpften, mit Wasserbomben bewarfen und aus Wasserpistolen bespritzten. Erwachsene, die in der Nähe standen, schauten zu.

„Schminke bei Männer, das ist doch einfach so eklig,“ warf ihnen ein Junge entgegen. Beherzt und verbal verteidigten sie sich. „Menschen müssen respektiert werden, ganz egal wie sie aussehen oder wo sie herkommen,“ sagte einer von ihnen. Als die Situation weiter eskalierte, riefen sie die Polizei.

Die fünf Männer gingen die Straße nicht in dezenten Nadelstreifenanzügen entlang. Sie waren unterwegs als AgentInnen des Ministeriums für Tuntensicherheit ( kurz: TunSi ). Dann werfen sie sich in weibliche Stasiklamotten, donnern sich auf mit Make-up und Perücke. Hören sie auf der Straße dumme Sprüche oder Bemerkungen, machen sie auf dem Absatz kehrt, gehen auf die Person zu und stellen sie zur Rede.

Provokation und Überzeichnung sind Merkmale ihrer Mission. Sie gehen bewusst in heterosexuelle Milieus. An diesem Tag sollten sie bei einem Einsatz an einem ganz anderen Ort in Berlin für einen Bericht im rbb gefilmt werden. Ihr Aufenthalt auf der Potsdamer Straße war lediglich einem vergessenen Schlüssel zu verdanken. Was dann passierte, kam für alle als ein Schock. (Direkt zum Vorfall: Minute 2:41 )

Von dem gedrehten Material des rbb wurden nur wenige Minuten in diesen Abendschaubericht eingebaut, denn andere Szenen hätten für einige der Jugendlichen strafrechtliche Konsequenzen haben können.

„Wir haben lange überlegt, ob wir mit dem Vorfall überhaupt an die Öffentlichkeit gehen sollen,“ sagte Agentin Ginnifer Hartz alias Agentin G auf der Veranstaltung „Der Schöneberger Norden gehört uns allen“, die Marijke Höppner, SPD Sprecherin für Integrationspolitik in der BVV Tempelhof-Schöneberg, am 15. Oktober im Rathaus Schöneberg organisiert hatte. „Doch es war für uns alle eine sehr einschneidende Situation. Was die Leute denken, ist mir schnurzpiepegal. Aber wenn ich unterwegs bin, dann will ich tun und lassen können, was ich will, ohne belästigt zu werden.“

Schwule und Lesben sind in Schöneberg – von der Bülowstraße bis zu Motzstraße – schon seit den 1920er Jahren zu Hause. Ihre Bars, Kneipen, Geschäfte belebten und beleben den Kiez. Mal schmückt sich die heterosexuelle Gesellschaft mit ihrem Flair, mal werden die Homosexuellen massiv bekämpft.

Im Februar 2010 gründeten 29 Vereine, Institutionen und Unternehmen den Regenbogenschutzkreis – Schöneberg gegen Rassismus und Homophobie. Sie alle wollen ein Zeichen setzen gegen Fremden- und Homosexuellenfeindlichkeit, gegen Hass, Diskriminierung und Gewalt.

„Unsere Aufgabe ist es, Schwule, Lesben und Transmenschen in ihren Rechten zu bestärken,“ sagte Bastian Finke vom schwulen Anti-Gewalt Projekt Maneo in der Bülowstraße. „Keiner kann ihnen verbieten, Hand in Hand zu gehen. Und wenn das passiert, können sie Strafanzeige erstatten.“

Doch wie umgehen mit Pöbeleien, schrägen Blicken. „Was die Kinder in der Potsdamer Straße gesagt haben, ist in den Köpfen von vielen Menschen drin,“ gab Saideh Saadat-Lendle zu bedenken. Sie vertrat LesMigraS das Antidiskriminierungs- und Antigewaltbereich der Lesbenberatung Berlin e.V.. Die Lesbenberatung ist seit den 80er Jahren in der Kulmer Straße angesiedelt. LesMigraS steht für Lesbische/bisexuelle Migrant_innen und Schwarze Lesben und Trans*Menschen. Saideh Saadat-Lendle wies darauf hin, dass 50% deutscher männlicher Jugendlicher es abstoßend finden, wenn sich zwei Männer auf der Straße küssen.

Gegen öffentliche Zeichen der Zuneigung zwischen Schwulen und Lesben hatte sich im Frühjahr auch der Betreiber des Eiscafés „Dolce Freddo“ in der Maaßenstraße vehement und verbal verwehrt. Er pöbelte Lesben und Schwule an und weigerte sich, sie zu bedienen, wenn sie sich seinem Tresen Hand in Hand näherte. Im Mai 2009 reagierte die Szene mit einem Kiss-In.

Doch humorvolle Aktionen können nicht die Kränkungen und auch Ängste beheben, die durch homophobe Attacken entstehen. 2004 zog das Café Posithiv aus der Alvenslebenstraße in die Bülowstraße nahe Nollendorfplatz. Das 1989 gegründete Selbsthilfeprojekt war 1994 aus der Großgörschenstraße hierher gezogen. Es bot HIV-erkrankten Menschen einen Raum, in dem sie sich mit ihrem veränderten Lebenssituation auseinandersetzten konnten, ohne sich zu verstecken. Neben den Problemen durch ihre Krankheit waren die Pöbeleien aus der Nachbarschaft irgendwann nicht mehr zu ertragen.

„Es sind meistens männliche Jugendliche, die auffällig werden,“ sagte Koray Yılmaz-Günay , von GLADT e.V. , der einzigen unabhängigen Selbst-Organisation von türkeistämmigen Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen und Transgendern (LSBTT) außerhalb der Türkei und in der Kluckstraße lokalisiert. „Es ist ganz schwierig für sie /Sexualität zwischen Männern/ auszuhalten, wenn man sie damit konfrontiert.“

Im August 2009 wurde eine Sexarbeiterin in der Frobenstraße so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. In dieser Attacke kulminierten die Beleidigungen und Angriffe mit Eisenstangen und Flaschen gegen Trans*frauen, die bereits vorher stattgefunden hatten.

Im September 2009 riefen die Berliner Vereine GLADT, Hydra, Subway, Treberhilfe und TransInterQueer gemeinsam zu einer Demonstration gegen Gewalt an Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter in Schöneberg auf. Doch bereits auf der Kundgebung kam es zu weiteren homophoben, verbalen Attacken durch AnwohnerInnen.

Darunter auch die Ökumenische Rogate-Initiative e.V., die sich im kurz zuvor in der Zwölf-Apostelgemeinde gegründet hatte. Neben einer ökumenischen Andachtsarbeit, will sie gegen Hassgewalt und Homophobie eintreten und übergemeindlich-überkonfessionell nachhaltig zusammenarbeiten.

Der Schöneberger-Norden gehört uns allen.

Die Veranstaltung im Schöneberger Rathaus hat einen Weg aufgezeigt, wie TunSi sich mit StreetworkerInnen und SozialarbeiterInnen in Kontakt setzen können. Gespräche ermöglichen dann vielleicht einen Kontakt mit Jugendlichen, die das im Juni noch nicht wussten und sich nicht danach verhielten.

Happy End

Von HU-Gastblogger Frank Haberland

Die junge Frau visiert ihr Ziel an, wartet einen Herzschlag und drückt ab. Dann senkt sie die Spiegelreflexkamera und überprüft das Ergebnis.

Stefanie Klawitter recherchiert für ihren neuen Roman. Sie macht noch ein Foto und blickt die Frobenstraße entlang. Wind streicht ihr durch das schwarze Haar mit den pinken Strähnen. Sie lächelt breit. „Genau so habe ich mir das vorgestellt.“

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Foto: Stefanie Klawitter

Sie ist begeistert von Schöneberg. „Kann doch gar nicht sein, dass es so etwas gibt.“ Sie meint die Gegensätze. Der Kiez der Potsdamer Straße ist gleichzeitig dreckig und schick, traditionell und modern und ständig im Wandel. „Ich war mir sofort sicher: Hier geht’s hin.“ Zwischen Bülowstraße und Nollendorfplatz verortet Stefanie die Schicksalsgeschichte über einen Stricherjungen.

Kei (gesprochen ‚Kii‘) ist 17, als er von zu Hause wegläuft. Seine Familie lehnt seine Homosexualität ab. Er läuft weg. In Schöneberg will er zwischen Regenbogenfahnen und Schwulenklubs ein neues Leben beginnen. Aber auch dort läuft es schlecht für Kei. Er findet sich auf dem Transgender-Strich auf der Frobenstraße wieder. Immer wieder gerät er an brutale Freier und Schläger. Zurück nach Hause kann er nicht. Kei ist am Tiefpunkt seines Lebens. In dieser hoffnungslosen Situation macht ihm ein Freier ein fragwürdiges Angebot. Was hat der Mann mit ihm vor? Ist er Keis Rettung oder sein Verhängnis?

Diese Frage beanwortet Stefanie Klawitter im Sommer 2011, wenn ihr Debütroman in der Edition Doppelpunkt erscheint. Der ungewöhnlich lange Titel steht schon fest: „Im Licht der Straßenlaternen sah ich einen tanzenden Traum“.

Ein Traum wurde auch für Stefanie wahr, als sie ihren Autorenvertrag unterschrieb.

Wie ich mich gefühlt habe? Ganz ehrlich? Ich konnte es nicht glauben. Das kam ganz unerwartet.“ Aber Erich Schanda, Gründer der Edition Doppelpunkt, und sein Lektoratsteam erkannten Stefanies Potenzial. Der Verleger sieht die Hauptaufgabe der Edition darin, Geschichten auszuwählen, die es wert sind, der Öffentlichkeit präsentiert zu werden. „Wir fördern gezielt junge, noch weniger bekannte Autorinnen und Autoren, weil diese im rein kommerziell ausgerichteten Verlagswesen kaum eine Chance haben.“

Heute sind es meist Kleinverlage, die Nachwuchsförderung betreiben. Und weil Erich Schanda diesen Anspruch ernst nimmt, stellt er Stefanie eine Lektorin und die kompetente Erfahrung des kleinen, aber engagierten Verlagsteams zur Seite.

Natürlich verändert sich dabei auch Stefanies Arbeitsweise. „Mehr Ernst, mehr Recherche“, fasst sie es zusammen. Keis Schicksal ist ihr ambitioniertestes Projekt und „ein riesen Haufen Arbeit.“ Ihre Augen leuchten. „Das ist alles so aufregend!“

Dabei konnte Stefanie schon Erfahrungen mit Veröffentlichungen sammeln. Erst vor wenigen Wochen erschien ihr Text „Aus. Geliefert.“ in einer Kurzgeschichtensammlung der Edition Doppelpunkt. Die Angst!-Anthologie versammelt 24 Geschichten von elf Autoren, aktuell wird die Krimi-Sammlung „Blutlese“ ausgeliefert.

Aber wie bringt die gelernte Mediendesignerin und Studentin der Medientechnik Schreiben, Studium und Privatleben unter einen Hut? „Also einen Zeitplan habe ich noch nicht gemacht. So funktioniert das bei mir auch nicht.“ Sie will das Schreiben nicht erzwingen. Im Augenblick schließt sie die Vorarbeiten zu ihrem Roman ab. Dazu gehört eine gründliche Recherche vorort. Wo übernachtet Kei? Welche Geschäfte besucht er? Wo trinkt er seine Cola und wie viel kostet sie? Jedes Detail ist der Autorin wichtig. Stefanie ist ein neugieriger Mensch. Sie spricht vier Sprachen und war schon mehrmals in Japan. Natürlich beeinflusst das auch ihre Geschichten. Ebenso wie Gespräche mit Polizisten oder die Preisliste der Eckkneipen.

Im Sommer 2011 wird all die Arbeit mit der Veröffentlichung des Romans ihr Happy End finden. Ob es auch eines für Kei gibt, wird sich erst dann zeigen.

Durch den Regen

Von Gastblogger Frank Haberland

Ich muss mich beeilen.

Mit der U-Bahn gibt es Probleme. Die BVG baut. Also steige ich schon Yorckstraße aus.

Nieselregen hängt wie feiner kalter Dunst in der Luft. Durchnässt mich so vollständig wie ein Bad im Landwehrkanal.

Ich folge der Kulmer Straße, bis sie in die Bülow übergeht. Auf dem Dennewitzplatz freut sich ein Hund. Er darf einem Stock hinterherjagen, den sein Frauchen gerade weggeworfen hat. Das Tier bringt ihn sogar zurück. Hoffentlich macht er das nicht auch mit dem Hausmüll. Oder Schienbeinen.

Vorsorglich wechsle ich die Straßenseite. Gehe an der Commerzbank vorbei. Ich mochte das alte Logo lieber. Aber ich verstehe den Wechsel. Irgendwie muss man den Mitarbeitern der Dresdner Bank zeigen, dass sie ein willkommener Teil des Konzerns sind – und nicht nur zusätzliche Kapitalmasse.

Die Potsdamer Straße schneidet meinen Weg. Ein Strom aus Geschäften und Wohnhäusern und Autos und Menschen, der sich durch die halbe Innenstadt ergießt.

Es nieselt nicht mehr. Jetzt regnet es. Der Beton ist nass. In Pfützen spiegelt sich die Werbung eines Telekommunikationsgeschäfts. Die Luft ist durchwebt von Abgasen und Feuchtigkeit. Aber ich sehe nur wenige Regenschirme. Vielleicht fehlt die Zeit, sie aufzuspannen?

Der Wind treibt die Gerüche eines Asiaimbisses heran, vermengt mit den Stimmfetzen eines Obsthändlers. Orangen sind im Angebot. Vielleicht später, jetzt drängt die Zeit.

Ich sehe viele Gesichter, ich vergesse viele Gesichter. In der Großstadt bist du nie allein, aber schnell einsam.

Was geht vor in diesen Menschen? Welche Gedanken hängen hinter der nassen Stirn? Jeder hat seine Ziele und Wünsche. Jeder eilt durch die Welt, den Kragen hochgeschlagen, die Kapuze ins Gesicht gezogen.

Die Menschen gehen ihrem Tagwerk nicht nach – sie hetzen.

Ich passe mich dem Tempo an. Das Herz der Stadt diktiert unhörbar seinen Takt in die Seelen der Menschen. Es ist schwer sich dem Rhythmus zu entziehen. Aber den Versuch ist es wert.

Nicht gegen den Strom schwimmen – aber langsamer schwimmen. Auch das ein Kuriosum. In Berlin beeilt sich der Mensch. Immer hat man das Gefühl, gerade zu spät zu kommen, zu spät zu sein. Ob du zur S-Bahn oder Bushaltestelle läufst, es treibt dich; etwas treibt dich an. Beweg dich schneller, flüstert es. Sonst verpasst du den Zug. Sonst verpasst du die Vorlesung. Sonst verpasst du den Frisörbesuch. Irgendetwas verpasst du immer.

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Und so eile ich Straße entlang. Weil das Leben nicht wartet. Und Berlin schon gar nicht. Da muss sich auch die Zukunft ranhalten, damit sie nicht überholt wird.

Ich versenke die Hände in den Tiefen meiner Taschen. Natürlich zu Fäusten geballt. Zwischen einem Geschäft, das Kleidung für Bauchtänzer verkauft und Wintergarten-Plakaten, liegt mein Ziel. Ich bin viel zu früh am Freien Museum.

Eine halbe Stunde. Eine Ewigkeit.

Also noch eine Runde. Ich wandere weiter.

Der Potsdamer Platz erhebt sich gegen den grauen Himmel. Riecht nach Tourismus und Geld. Aber am Anfang der Potsdamer Straße mischt sich ein modriger Hauch hinzu.

Viele Gebäude stehen leer. Die Fenster sind blind. Die Türen verschlossen, in den Schaufenstern liegen nur vertrocknete Insektenpanzer und Staub. Die Investoren warten ab. Hast schadet den Geschäften. Ich blicke auf die Uhr – nur noch vier Minuten. Schnell zurück!

Ich muss mich beeilen.

Ist das neue Studio fit?

Nachdem das Fitness Studio xs in der letzten Woche eine Infopost verschickte, um die Eröffnung eines neuen Studios in der Bülowstraße anzukündigen, standen im Studio in Pankow die Telefone nicht mehr still. Doch die AnruferInnen wollten sich nicht anmelden, sondern erstmal Fragen beantwortet haben. Die wichtigste: Hat der neue Betreiber des Studios in der Bülowstraße 57 wirklich nichts mit dem Alten zu tun?

Die Frage ist nur zu verständlich, denn allen sitzt die unerwartete Insolvenz von Axxel24 und den damit verbundenden Verlust von Jahrestickets und Trainingsplatz noch in den Knochen.

„Wir gehen davon aus, dass zwischen dem neuen Mieter und dem alten Betreiber keine Verbindung besteht,“ sagt Ronald Panicke vom Vermieter A. Türklitz Grundstücks GmbH & Co. KG. auf Nachfrage von potseblog.

Durch mehrere Informationsveranstaltungen will auch Fitness Unlimited xs diesen Sorgen begegnen.
5. September und 19. September
jeweils 10.00 bis 14.00 Uhr
Sportstudio Bülowstraße 57-58

Folgende Angaben hat Fitness Unlimited xs schon vorweg geliefert:
Fitness Unlimited xs gibt es seit knapp 6 Jahren. In Berlin bald 3x in Pankow, Schöneberg (Oktober) und in Mitte-Alexanderplatz (November). Bis dato haben wir einen Kundenstamm von ca 10 000 Kunden in 4 Städten (Erfurt, Leipzig, Weißenfells und Berlin).
und
– wir eröffnen im Oktober
– Sie sparen 100,-€ (Aufnahme- und Servicegebühr)
– die ersten 200 schnell Entschlossenen erhalten einen Sonderrabatt

Wer sich also persönlich ein Bild machen möchte, sollte die Gelegenheit nutzen. Dabei kann dann auch gleich noch geklärt werden, was es mit der Aufnahme- und Servicegebühr auf sich hat und ob es weitere Zusatzkosten gibt. Danach geht’s nicht anders: jeder entscheidet für sich selbst.

Couch potato ade – ab Oktober wieder Fitness in der Bülowstraße 57

Kurs und los Alle, die seit der Schließung des Fitnessstudios in der Bülowstraße im vergangenen Frühjahr in Depression verfallen, auf der Couch angeklebt oder mit wachsendem Bauchfett in Kontakt gekommen sind, können sofort die Sporttasche packen.

Ab Oktober gibt es Fitness unlimited XS

24 Stunden Fitness  – 5***** Sterne Fitness zum 2** Sterne Preis.

So der Slogan des Betreibers, der bereits Studios in Leipzig, Erfurt, Weißenfels und Pankow hat. Die akute Umbauphase in der Bülowstraße hat begonnen. Die endgültige Gestaltung des Studios lässt sich auf den Bildern erahnen, denn so ähnlich soll es hier dann auch aussehen.

fur-die-muckis

Für die Muckis

Ab Mitte Oktober soll der Sportbetrieb losgehen. Ab Anfang Oktober gibt es bereits den Baustellenvorverkauf, das heißt man kann das Studio besichtigen und Mitglied werden. Wenn es denn mit dem Umbau alles so läuft wie geplant. potseblog bleibt dran und informiert.

Die Preise pro Monat
Fitness € 16,90
Fitness plus Kurse oder Sauna € 19,90
Fitness plus Kurs plus Sauna € 24,90

Na dann: Abspecken ahoi und herzlich willkommen.

Herzlich willkommen

alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Fitness Unlimited XS