Schlagwort-Archiv: Flottwellstraße

Häuser als Zeitzeugen

Die Zeit, sie eilt und mit ihr verändert sich die Potsdamer Straße zusehends. Heute sind die StudentInnen des HU-Career Center 2017 für eine erste Begegnung im Gebiet. Sie werden hier recherchieren, Interviews führen und in Artikeln auch uns allen neue Aspekte unseres Kiez auf ihre Art und Weise bekannt machen.

Da ist es auch Zeit eine Nachlese zu betreiben. Drei StudentInnen des letzten Kurses im Frühjar 2016 machten es sich zur Aufgabe, die Entwicklungen an der Potsdamer Straße zu beobachten und auch die Folgen zu bedenken. Das ist eine Mammutaufgabe und im Rahmen eines Semesterferienkurses nicht zu bewältigen. Doch Ihre Versuche sind Wert zu schätzen.

Hier Artikel Nummer 1
Jetzt folgt Artikel Nummer 2

Von HU-Gastblogger Lukas Grimm.

La Belle Epoque, Plattenbauten und ein „urbanes Wohnensemble“ befinden sich hier im Kiez. Am urbanen Wohnensemble wird zwar noch geschraubt, aber nicht mehr allzu lange. Miteinander verglichen, stellen das Maggihaus in der Lützowstrasse, das Pallasseum an der Potsdamerstrasse und die Neubauten in der Flottwellstraße eine bunte Mischung aus verschiedener Architektur dar.

Viel interessanter allerdings: Die jeweiligen Gebäude spiegeln vor allem auch sozialen Wandel wieder und geben historische Einblicke preis, die das Hier und Jetzt relativieren.

Das Maggi Haus
La belle Epoque und Maggi. Passt das zusammen? Anscheinend schon, denn im Jahre 1911 baute das damalige schweizer Unternehmen in der Lützowstrasse 102-104 ein neues Fabrikgebäude. Auch heute noch können sich die Fassade mit ihren vielen Skulpturen sowie die großen Höfe im Inneren blicken lassen und schaffen Einblicke in die damalige Zeit.

Collage – potseblog

La belle Epoque bezieht sich typischerweise auf die Jahre 1871 bis 1914, eine Zeit des Friedens geprägt von Optimismus, Fortschritt und Kultur innerhalb Europas. Für Berlin war dies die Zeit des Umbruchs. Aus der chaotischen Stadt, die dank der Industriellen Revolution aus allen Nähten platzte, wurde durch Eingreifen der Regierung eine Stadt der Moderne. Einerseits sorgten Museen und Theater für kulturelle Entwicklung. Andererseits wurde dank der Arbeiterbewegung die Industrie stark sozialisiert, worüber sich die Mitarbeiter Maggis vermeintlich gefreut haben.

Das Pallasseum
Wohnmaschine. Der Sozialpalast. Städtebauliche Katastrophe. Das Pallasseum. Es hat viele Namen, die meisten von ihnen schwer als Kompliment zu interpretieren. Gebaut in den Jahren 1973-76 war das Pallasseum als „zukunftsweisende Alternative zum Altwohnbaubestand“ gedacht. Ein Testament des Wiederaufbaus Berlins durch Gastarbeiter.

Es verfügt über 514 Wohnungen, von denen allerdings 1998 ein Viertel leer standen. Hauptgrund der Verwahrlosung dieser Wohnmaschine war vor allem die Umsetzung des Besetzungsrechts, welches zu „Fehlentwicklungen in der Mieterstruktur“ führte. Diese wiederum führten zu fehlenden Investitionen sowie Verbreitung von Kriminalität und Drogen. Es kam so weit, dass in politischen Gremien der komplette Abriss diskutiert wurde.

Erst 1998 gelang der Verwaltung in Zusammenarbeit mit Sozialarbeitern und Quartiersmanagement ein Neuanfang. Umstrukturierung der Mietstruktur, Sanierungsinvestitionen in Höhe von 6,5 Mio. EUR und soziale Projekte haben es letztendlich ermöglicht, das Pallasseum mit seiner bunt gemischten Gemeinschaft zu erhalten.

Flottwell Living
Wer „Flottwell Living“ googled, wird schnell fündig. Sechs verschiedene Stadthäuser werden hier aus dem Boden gestampft. Direkt am Gleisdreieck-Park gelegen fangen Quadratmeterpreise bei ca. 3000 Euro an. Insgesamt sind es 270 Wohnungen, wovon 148 als Eigentumswohnungen angedacht sind.

Es schreit förmlich nach Gentrifizierung, wobei 2 Drittel der Wohnungen an Berliner verkauft wurden. Nichtsdestotrotz, die Gegend wird teurer werden. Aber das wird sie ohnehin. Berlin ist eine der beliebtesten Städte der Welt, vergleichbar mit Paris, London und New York. Über 40.000 Menschen ziehen jährlich nach Berlin. Es ist also absehbar, dass der Wohnungsbedarf steigen wird.

Im Endeffekt sollten wir Projekte wie Flottwell-Living willkommen heißen, denn wir werden noch sehr viel mehr von ihnen benötigen.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität

 

Seit 268 Minuten neu eröffnet – BIOSFERA

Donnerstag, 15. Januar, 2015, 12.28 Uhr
Elzbieta und Halil Bekmez haben dieses innere Lächeln von Menschen, die einen neuen, guten Weg einschlagen. Okay, ein bisschen müde wirken sie auch; kein Wunder. Denn vor gerade mal vier Stunden haben sie ihren Laden eröffnet.

BIOSEFRA – Naturkostladen Cafe&Bistro – Flottwellstraße 14.

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Mo – Fr 8.00 – 19.00 Sa 8.00 – 14.00

Wir beide wollten schon seit längerem selbstständig arbeiten,“ sagt Elzbieta Bekmez. Da sie beide im Kiez, genauer in der Pohlstraße, leben und ihre Kinder hier in die KiTa gehen, ist es klar, dass ihnen die Bautätigkeiten in der Flottwellstraße nicht verborgen blieben. „Wir haben den Laden hier gesehen und alles weitere hat sich dann ergeben.“ Weiterlesen

Herr Odes hinter der Säule ODER Hinter einige Fassaden der Flottwellstraße geschaut

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Beim Anblick des Schriftzuges muss ich lachen. Und gleich tauchen Fragen auf. Ist Herr Odes groß, kraushaarig, jung, dich, dünn, bartlos? Warum steht er hinter der Säule? Steht da wirklich jemand hinter der Säule?

Belustigt und neugierig betrete ich das Flottwell Berlin. Herrn Odes kann ich nicht finden, doch sehe „Palme“ an den Säulen, „hohe Tür“ an einer Glastür und „Shalom“ an der Rezeption. „Was soll das?“ ist mein erster Satz an Geschäftsführer Stephan Kühne.

Flottwellstrasse_1000px_11„Als mir diese Weihnachtsdekoration, nachempfunden der Bauhaus-Krippe, vorgeschlagen wurde, hab ichs nicht ganz verstanden, aber ich habe der Frau, die mir es vorgeschlagen hat, vertraut,“ antwortet er. „Der Gepäckwagen heißt jetzt heißt Kamel.“

Wenig später im Gespräch fügt er – passend zur Jahreszeit – hinzu, er sei zu seiner Position als Geschäftsführer gekommen, „wie die Jungfrau zum Kind.“ Der Vorschlag hier in der Flottwellstraße ein Hotel zu eröffnen, sei an ihn herangetragen worden. Als IT-Fachmann hätte er keine Ahnung von der Hotellerie gehabt. „Da hab ich in München erstmal ein zweiwöchiges Praktikum in einem Hotel gemacht, bin überall mitgelaufen und hab ganz viel mitgeschrieben,“ erzählt er. „Danach wusste ich, dass ich im Team unbedingt gute Hotelfachleute haben musste.“ Weiterlesen

Dennewitzstraße & Flottwellstraße: Einblick in zwei unscheinbare Straßen

Von HU-Gastblogger Lisa

Abseits der großen Straßen gibt es Flecken, zu denen sich keiner verirrt, weil es dort scheinbar nichts zu entdecken gibt. Dennewitzstraße und Flottwellstraße, die im Süden Tiergartens parallel zur Potsdamerstraße verlaufen, gehören zu diesen vergessenen Flecken, an die sich kaum jemand verirrt. Aber vom ersten Eindruck sollte man sich nicht täuschen lassen, denn auch über diese beiden Straßen gibt es Geschichten zu erzählen.

Flottwellstraße/Dennewitzstraße

Im Süden beginnt die Dennewitzstraße dort, wo die Bülowstraße die Bezirksgrenze erreicht und schlängelt sich an dieser entlang nach Norden, bis die Flottwellstraße ihren Weg fortführt.

Tafel über das

Beginnt man seinen Weg am Beginn der Dennewitzstraße, endet der befestigte Weg bereits nach gut 100 Metern in einem der vielen grünen Flecken Berlins, dem Nelly-Sachs-Park. Dieser verdankt seinen Namen der jüdisch-deutschen-Schriftstellerin Nelly Sachs, die bereits Erwähnung auf dem Potsblog gefunden hat. Abseits der Hektik der Potsdamerstraße kann man hier ein paar ruhige Minuten verbringen, Kinder können sich auf dem Spielplatz austoben, Radfahrer fern von schmalen Radwegen der Hauptstraßen ihre Runden drehen. Verabschiedet man sich von der Ruhe des Parks und folgt gedanklich der Dennewitzstraße, findet man sich dort wo der Park aufhört an der Abzweigung zur Kurfürstenstraße wieder.

Nelly-Sachs-Park

An dieser Ecke fällt ein freistehendes Gebäude auf, das weder zu den Gründerzeitbauten passt, von denen die Straßen hier gesäumt sind, noch zu den Häusern aus den 70er oder 80er Jahren. Was hier spitz zur Straße hinausragt wurde von dem Architekten Rainer Oefelein entworfen und die Fassade aus Glas ermöglicht einen Blick nach innen. Im Erdgeschoss befindet sich eine der vielen Galerien im Gebiet um die Potsdamerstraße, wo eindrucksvolle bunte Leinwände der Künstlerin Margret Ulrich wie Plakate auf Demonstrationen still gegen Atomkraft protestieren.

Spitz zulaufendes Haus und Galerie

Folgt man der Straße weiter zwischen Häusern auf der einen und alten Gewerbeanlagen auf der anderen Seite glaubt man zu wissen, wieso die Straße so unbekannt ist. Außer einem Hotel gibt es hier scheinbar nichts, was einen Blick wert ist. Seinen Eindruck stellt man infrage, sobald man einen überirdischen Tunnel bemerkt, der in einem der Häuser verschwindet. Überirdisch vom Glasdreieck kommend überquert hier die U-Bahnlinie 1 die Grenze zu Tiergarten, durchbricht den Häuserkomplex und steigt hinab in den Untergrund, um an der Station Kurfürstenstraße Halt zu machen. Worüber man sich vielleicht nie Gedanken gemacht hat, wenn man auf diesem Teil der U1 unterwegs war, ist etwas Besonderes. Die oberirdische Durchquerung eines Hauses ist nicht nur in Berlin einmalig.

Das

Diese Besonderheit ist allerdings schnell vergessen, wenn man seinen Weg fortsetzt. Beim Laufen entlang der Grenze zu Kreuzberg wird aus Dennewitzstraße beinahe unbemerkt Flottwellstraße. Auf der linken Seite zur Potsdamerstraße hin wird zwischen den Gewerbeflächen gebaut, auf der Rechten zum Gleisdreieck ist eine andere große Baustelle. Beim Blick auf die ersten fertigen neuen Häuser wird einem klar: Hier passiert etwas. Eine Ecke, die früher irgendwo zwischen Industriegebiet und Bezirksgrenze lag, wird in ein paar Jahren ganz anders sein. Die Neubauten werden neue Bewohner in die Gegend bringen und auch das Gebiet, das jenseits der Bezirksgrenze mit einem großen Park und neuen Wohnungen ensteht, wird Auswirkungen auf die bisher unscheinbare Flottwellstraße haben.