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Straßenführungen 2013 an der Potsdamer Straße
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Tag Archives: Gegenwart
Kurfürstenstraße142/Ecke Frobenstraße – neues Baugruppenprojekt
Geschrieben von HU-Gastblogger_In Katrin
Die Kurfürstenstraße 142/Ecke Frobenstraße ist wohl hauptsächlich durch die Straßenprostitution charakterisiert. Läuft man die Straße hinunter passiert man aber auch die markante Beuth Hochschule für Technik Berlin – University of Applied Sciences, welche 1914 gebaut wurde. Auf der anderen Straßenseite gibt es ein Café, diverse kleine Geschäfte, Wohnhäuser, dahinter ein großer Parkplatz und natürlich der alte Möbel’turm’ Hübner. In diesem Straßenteil klafft allerdings auch ein großes Grundstücksloch, welches ehemals vom Autohandel F.E.L.I.X Automobile GmbH geschlossen wurde. Hier soll nun ein neues Baugruppenhaus entstehen, welches durch das Architekturbüro „June 14“ umgesetzt werden soll. Momentan ist dies noch in der Planungsphase. Der Baubeginn wird wahrscheinlich Anfang 2014 sein.
Was ist eine Baugruppe?
Baugruppen, das sind meist Privatpersonen die sich zusammenschließen um ein Grundstück zu erwerben und es auch eigenständig zu bebauen. Auch werden Baugruppen oft von Architekten angestoßen um Projekte zu realisieren, also um arbeiten zu können. Hier gibt es allerdings keine Investoren, welche diese Objekte nur zur Gewinnmaximierung nutzen. Dementsprechend werden alle Risiken auch durch die Baugruppe selbst getragen. „Insgesamt sind 23 Parteien daran beteiligt, von denen wir die allermeisten bereits kannten. Die anderen sind Freunde von Freunden.“ , so Johanna Meyer-Grohbrügge. Diese neue Form des Bauens scheint sich sehr großer Beliebtheit zu erfreuen. So lassen sich selbst über Social Networks wie Twitter folgende Nachrichten finden: „Seriously want to do a #baugruppe project myself. Anyone else in? Any architects?“, von Nutzer tomdyckhofff.
Das Baugruppenprojekt und Ihre Gestalter
Johanna Meyer-Grohbrügge und Sam Chermayeff sind die leitenden Architekten bei „June 14“. Ihr Büro in Berlin ist seit 2010 aktiv. Auf die Frage wie sie auf die Idee einer Baugruppe gekommen sind, antwortet Johanna Meyer-Grohbrügge: „Wir sind junge Architekten, die natürlich erstmal bauen wollen. Wir wussten, dass viele unserer Freunde und Bekannten eine Wohnung suchen und so haben wir Ausschau nach interessanten Grundstücken gehalten und die Leute zusammengebracht.“ Auch Sie selbst werden in die Kurfürstenstraße 142 einziehen, jedoch soll das Haus nur zu Wohnzwecken genutzt werden: „Wir werden dort auch eine Wohnung haben, doch sehr wahrscheinlich nicht mit dem Büro dort einziehen. Uns gefällt unser jetziges Büro und außerdem wollen noch mehr Projekte machen.“ Die Baudamen/herren bauen also für den Eigenbedarf. Durch diese Eigenorganisation lassen sich allerdings auch die Bedürfnisse der späteren Bewohner besser planen, da jeder Mitspracherecht hat innerhalb der Gruppe.
Baugruppenprojekte im Berliner Raum
Die Baugruppenprojekte werden von offizieller Seite sehr begrüßt. „Das Land Berlin unterstützt gezielt Baugruppen mit ausgesuchten landeseigenen Grundstücken. Mehr als 80 verschiedene Wohnungsbaugenossenschaften bieten langjähriges Wohnen zur Miete und stabile Nachbarschaften an. Der Berliner Senat sichert ihnen eine breite Unterstützung zu. Genossenschaften sollen genauso wie die Wohnungsbaugesellschaften darin gefördert werden, ihren Bestand auszubauen.“, heißt es auf der Webseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Man erhofft sich hier mittelständischen Leuten einen bezahlbaren Wohnraum in der Stadt zu ermöglichen, Grundstückslücken in der Stadt zu schließen und nicht nur zum Zwecke des Gewinns zu nutzen.
Jede Baugruppe ist eigen
In der Flottwellstraße 2, unweit vom aktuellen Bauprojekt, ist ein Baugruppenhaus bereits zwischen 2008 und 2011 realisiert worden. Hier unter dem Architektenbüro Heide & von Beckerath. „Das Baugruppenprojekt in der Flottwellstraße 2 ist aufgrund der Initiative der Architekten gemeinsam mit einem befreundeten Paar entstanden”, so Verena von Beckerath. Auch hier wurden Eigentumswohnungen nach Bewohner-Bedürfnissen erstellt: „Alle Wohnungen sind entsprechend Eigentumswohnungen. Einige werden selbstgenutzt, andere vermietet, da die Eigentümer zur Zeit nicht in Berlin leben. Dadurch sind die Bewohner in unserem Haus tatsächlich relativ gemischt: zwei Familien mit Kindern, einige Paare, zwei Wohngemeinschaften mit Studenten, eine Künstlerin, die das Studio als Atelier nutzt, etc…das Zusammenwohnen, auch zwischen den Generationen, kann sich nach gemeinsamer Planungs- und Bauzeit anders darstellen und entwickeln, als bei dem Kauf einer individuellen Eigentumswohnung.”
Hier ging es also auch nicht ausschließlich um die Wohnidee an sich, was die Integration eines Studios in den Bauprozess aufzeigt. “Mischkonzepte wie Wohnen und Arbeiten sind insbesondere für Freiberufler interessant und lassen sich im Rahmen einer Baugemeinschaft eher realisieren”, so Beckerath. Eine interessante Idee zur Work-Life-Balance, da gerade Freiberufler meist mit wechselnden Mieträumlichkeiten für Studios, Büros bzw. Schreibtischen konfrontiert werden.
Baugruppen pro oder contra?
Durch die Möglichkeit des Zusammenschlusses von Privatpersonen ohne den vorrangigen Zweck der Gewinnmaximierung blickt dennoch nicht jeder positiv auf diese neue Entwicklung der Städtebebauung. Kritiker sagen das Baugruppen keineswegs sozial handeln, da nicht jeder die Möglichkeit hat ohne weiteres einen Kredit bei Banken zu erhalten um an der Eigentumsbeschaffung teilzunehmen. Auch ist nicht jedes Baugruppenhaus als Mietshaus gedacht. Meist handelt es sich hierbei um Eigentumswohnungen und damit ist eine Integrierung sozial-schwacher von Anfang an ausgeschlossen. Einzig Baugruppenprojekte die auf Genossenschaften basieren können diesen Ausschluss abwenden, da hier Eigentum keine Voraussetzung ist und Wohnraum zur Miete angeboten werden kann. Viele befürchten auch eine Aufwertung des Kiezes durch die neuen Baugruppenhäuser und die damit verbundenen Mietpreissteigerungen für Alteingesessene.
Allerdings kommt dies auch auf den Aufwertungsstand eines Bezirkes an. Wenn dort vor der Planung des Baugruppenhauses schon horrende Mieten herrschen, kann das Baugruppenprojekt eine Möglichkeit bieten diese zu umgehen. Somit kann in solchen Fällen nicht von einer Ankurbelung des Gentrifizierungsprozesses gesprochen werden. Obwohl es unbestreitbar ein Teil dessen ist.
Und wie denken die neuen Baugruppengründer von „June 14“ über die durch Prostitution geprägte Straße: „Der Straßenstrich hat ja eine lange Geschichte und ist dort seit 100Jahren, wie wir gehört haben. Wir denken nicht und wollen auch nicht, dass diese vertrieben werden. Es kann natürlich sein, dass sich Freier dort nicht mehr so wohlfühlen und sich das Geschäft weiter nach hinten verschiebt, doch ich glaube das wird dauern und solange sie keinen neuen Ort haben, werden Sie auch dort blieben.“
Interview – Baugruppe der Marienburgerstr. 31a
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Tagged Gegenwart, HU-Career_Center, Kurfürstenstraße, Miteinander, Wohnen
Verein Berliner Künstler – Beständigkeit und Wandel am Kunst-Hotspot Potsdamer Straße
Artikel von Gastbloggerin Anne geschrieben im Rahmen des Sommerkurses 2012 “Online-Journalismus – Recherchieren und Bloggen” am Career Center der Humboldt Universität
Lange Zeit hielt sich der Verein Berliner Künstler der Tradition verpflichtet und verweigerte sich neuen Wegen der Kunst. Dies war sicherlich auch den Wirren der Nazi-Zeit geschuldet. Heute zeigt sich der Verein nicht zuletzt durch einen neuen Vorstand deutlich offener gegenüber internationalen Künstlern und Bewegungen, wie die Ausstellung ISTANBUL_related beweist.
Der Verein war seit seinen Anfängen in der Gegend um die Potsdamer Straße ansässig – nach dem Krieg befand er sich zunächst am Lützowplatz, musste sein dortiges Domizil allerdings bald aufgeben. Mitte der 1960er Jahre erwarb der VBK das denkmalgeschützte Stadthaus am Schöneberger Ufer. Dieses erfüllt bis heute die an seinen Kauf gestellten Erwartungen und beendete endlich eine lange Phase von Unklarheiten in Bezug auf die Nutzung der Räume am Lützowplatz.
Als ich die Ausstellung INSTANBUL_related betrete, ist der Landwehrkanal und der laute Berliner Verkehr des Schöneberger Ufers schnell vergessen. Ein bisschen habe ich das Gefühl in eine andere Welt einzutauchen, sobald ich die Ausstellung ISTANBUL_related des Vereins Berliner Künstler betrete. Es werden Bilder, Installationen und Performances gezeigt, die allesamt innerhalb von 11 Tagen seit Beginn der Ausstellung im Kunstlabor, d.h. vor Ort in der Galerie des VBK, entstanden sind.

Helga Ntephe, ISTANBULER FUNDSTÜCKE, 2012
Die Künstler setzten sich in dieser Zeit intensiv mit der Stadt Istanbul auseinander. Dabei könnten die Zugänge zur Stadt und ihrer Kultur unterschiedlicher kaum sein, denn jeder der Künstler experimentierte auf seine Weise mit der Laborsituation und fand eine individuelle Herangehensweise. Und so entstanden für eine Kunst-Ausstellung durchaus auch ungewöhnliche Ergebnisse wie der „Pergamon-Altar“ von der Künstlerin Nänzi und die dazugehörige „Moschee“ – nur wer seine Schuhe vorher auszieht, darf ihren Altar betreten und selbst Wasser zum Füße waschen wurde bereitgestellt.
Im Gespräch mit der Projektleiterin Helga Ntephe wird für mich deutlich, dass der Verein Berliner Künstler in den letzten Jahren eine ziemliche Entwicklung durchgemacht hat. 1993 war sie eine der ersten Frauen, die dem Verein beitraten. Dass der Verein beinahe 150 Jahre lang für ausgeprägtes Traditionsbewusstsein und eine vielmehr konservative Linie stand, ist nach dem Besuch der Ausstellung zum Thema Istanbul nur schwer vorstellbar.
Anderer Umgang mit Künstlern und Projekten
Sowohl die Initiatoren des Projekts als auch die Künstler begegnen einem mit einer angenehmen Offenheit und Frische. Besucher als auch Künstler der Ausstellung kommen aus den unterschiedlichsten Nationen und sind unterschiedlichsten Alters. Dieser Image-Wandel scheint auch für die Mitglieder des Künstlervereins ziemlich wichtig zu sein, so erklärt die Künstlerin Simone Kornfeld: „Ich bin dem Verein Berliner Künstler erst dieses Jahr beigetreten, habe die Entwicklung des Vereins allerdings über längere Zeit verfolgt. Für mich war gerade die internationale Öffnung des Vereins Voraussetzung dafür, dass ich Mitglied wurde.“
Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit
Helga Ntephe erzählt von Bildern eines jüdischen Künstlers, die erst kürzlich in den Archiven des Vereins Berliner Künstler auftauchten. Ab dem Jahr 1934 fehlt von diesem Künstler jede Spur, später ist man bei der Recherche auf eine Todesanzeige gestoßen. Auch dies gehöre zur Geschichte des Vereins. Tatsächlich ist eine kollektive Aufarbeitung der Vereinsgeschichte während der Zeit des Dritten Reichs lange Zeit nicht möglich gewesen.
Für viele der älteren Vereinsmitglieder war eine Aufarbeitung gerade wegen des Gefühls eigener Betroffenheit nicht einfach. Obwohl die Bereitschaft dazu wohl da war, wussten sie eine lange Zeit einfach nicht wie eine Aufarbeitung aussehen kann. Erst jetzt, mit dem Einhergehen einer gewissen Distanz zu der Zeit des Dritten Reichs, sei eine Aufarbeitung für den Verein wirklich möglich.
Denn nicht nur ein Mal befand sich der VBK auf der Suche nach neuen Wegen, die er zum Teil auch fand. Nach dem Krieg konnte der Verein erst im Jahr 1949 wiederbelebt werden, was vor allem dem Engagement des Bildhauers Arthur Hoffmann zu verdanken war. Spätestens seit den 1950er Jahren versuchte der Verein von seinem Altherren-Image loszukommen und damit auch attraktiv für jüngere Künstler zu werden.
Dies dauerte allerdings längere Zeit, zumal der Verein erst 40 Jahre später die erste Frau aufnahm. Inzwischen hat sich der Verein Berliner Künstler vor allem auch international geöffnet, was insbesondere von den jüngeren Mitgliedern sehr begrüßt wird. Dank neueren künstlerischen Ansätzen des Vereins kommt es verstärkt zum Dialog zwischen älteren und jüngeren Mitgliedern. Und gerade die älteren Mitglieder merken, dass ihnen ein solcher Austausch gut tue, erklärt mir später Helga Ntephe.
Neue Wege der Kunst
Eine Ausstellung des Vereins Berliner Künstler wie ISTANBUL_related wäre vor 60 Jahren oder gar darüber hinaus nicht denkbar gewesen. In den letzten Jahren ist ein Ruck durch das Bewusstsein der Vereinsmitglieder gegangen, der es ermöglicht neue Wege der künstlerischen Arbeit zu bestreiten. Dass der Verein sich auch internationalen Künstlern gegenüber geöffnet hat, wurde höchste Zeit – ein „Neuanfang“ ist gemacht, wenngleich ein solcher Wandel noch viel mehr Zeit in Anspruch nehmen wird. Man darf gespannt sein, was folgt und welche Wege der Verein in Zukunft bestreiten wird.
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Tagged Gegenwart, Geschichte, Kunst, Verein Berliner Künstler
Die Musikerin und der Hausbesetzer – Gehweggedenken und Stolpersteine im Süden der Potsdamer Straße
Artikel von Gastblogger Bernhard, geschrieben im Rahmen des Sommerkurses 2012 “Online-Journalismus – Recherchieren und Bloggen” am Career Center der Humboldt Universität.
Der Gehweg erzählt Geschichten. In der Gegend um den Südteil der Potsdamer Straße die von Maria Leo und Klaus Jürgen Rattay.
Sie war eine Musikerin aus Leidenschaft, er ein Berliner Hausbesetzer. Es trennt beide ein halbes Jahrhundert, doch verbindet sie ein Idealismus, der sie dazu brachte, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen – und der Ort ihres Gedenkens.
Seit Juni 2006 erinnert ein von der Leo Kestenberg Musikschule in Auftrag gegebener Stolperstein in der Pallasstraße 12 an Maria Leo. Hier hatte sie gelebt und gearbeitet.
Bereits in seinem Todesjahr wird ein an Klaus Jürgen Rattay erinnernder Gedenkstein von Unbekannten angebracht, und unerwartet von offizieller Seite nicht wieder entfernt.
Manchmal bleibt jemand stehen um die Namen zu lesen, meist jedoch nicht. Das bedeutet aber nicht, dass Gedenksteine sinnlos wären.
„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ lautet das Motto des Stolpersteinprojekts. Die Hauptauseinandersetzung mit der Geschichte und den Menschen, denen gedacht werden muss, findet nicht durch zufällig vorbeilaufende Menschen statt, sondern in der Vorbereitung und dem Akt des Verlegens an sich. Die Gedenksteine stehen symbolisch für die Erkenntnis, dass Erinnerung und Gedenken nichts ist, was von oben verschrieben werden kann, sondern etwas ist, das in persönlicher Auseinandersetzung und Engagement erarbeitet werden muss.
Maria Leo – Ein Stolperstein für eine Musikpädagogin
Frage ich Menschen, die an den Gedenktafeln vorbeigehen, ob sie diese bemerkt hätten oder sogar etwas über die Personen, denen gedacht wird, wüssten, so lautet die Antwort meist nein. Viele bemerken sie nicht einmal, wenn sie darüber stolpern.
Das ist schade, denn hinter jedem Stein steht eine eigene Geschichte.
Die 1873 geborene Maria Leo war in ihrem Leben vieles. Studentin, Frauenrechtlerin, Seminarleiterin und Lehrerin.Vor allem aber war sie Pianistin und Musikpädagogin.![]()
Als Leiterin eines Musikseminars sorgte sie dafür, dass auch Frauen Zugang zu qualifizierter Ausbildung erhielten, die ihnen das Institut für Kirchenmusik in Berlin versagte.
Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten verlor sie durch antisemitische Gesetzgebungen alle Anstellungen und Ämter, am Ende sogar ihren Pass, was ihr eine Ausreise unmöglich machte.
Um einer Deportation nach Theresienstadt zu entgehen setzte sie 1942 ihrem Leben ein Ende.
Stolpersteine wie der, der an Maria Leo erinnert wurden ursprünglich vom Begründer des Konzeptes, Gunter Demnig, auf eigene Faust verlegt. Heute ist das Gedenkkonzept offiziell anerkannt und hat Ausmaße angenommen, die eine einzelne Person längst nicht mehr bewältigen kann.
„Deshalb unterstützt uns hier in Tempelhof-Schöneberg seit zwei Jahren das Oberstufenzentrum Bautechnik aus Spandau mit seinen Schülern und projektbegleitenden Lehrern bei der Verlegung der Steine “ erklärt Hannelore Emmerich von der AG Stolpersteine des Schöneberger Kulturarbeitskreis e.V.
Stolpersteine sind nicht nur eine Inschrift, sondern auch Symbol: Da sie aus Messing gemacht sind laufen sie mit der Zeit an. Sie müssen regelmäßig wieder aufgearbeitet werden und stehen sinnbildlich für eine Vergangenheit, die nicht vergessen werden darf sondern immer wieder aktiv erinnert werden muss.
Trotz parteipolitischer und rechtlicher Anerkennung des Projekts werden Entscheidungen, für wen und wo Stolpersteine verlegt werden nicht von oben getroffen. Es sind im Gegenteil Einzelpersonen, Hausgemeinschaften, Vereine, Schulklassen und in Schöneberg zu 40 Prozent Angehörige, die einen Stolperstein beantragen.
Hinter einem Stolperstein steht also das Interesse und vor allem das persönliche Engagement von Menschen, die sich intensiv mit der Vergangenheit auseinandersetzen wollen. Denn zum Beantragen eines Stolpersteins reicht es nicht aus, diesen lediglich zu bezahlen. Es ist eine intensive Recherche zu den Personen notwendig, denen gedacht werden soll.
Klaus Jürgen Rattay – Erinnerung an einen Hausbesetzer
Klaus Jürgen Rattay starb am 22. September 1981 mit gerade mal 18 Jahren.
Begeistert von der Energie, Solidarität und gemeinsamen Arbeit, die einer als ungerecht und nicht sozial empfundenen Wohnungsmarktpolitik entgegengesetzt wurde schloss er sich der Berliner Hausbesetzer_innenbewegung an. Bei einer Demonstration gegen Räumungen und den damaligen Innensenator Lummer werden die Protestierenden von der Polizei auf die nicht gesperrten Potsdamer Straße gedrängt.
An der Kreuzung Potsdamer Straße/Bülowstraße wird Klaus Jürgen Rattay von einem Bus frontal angefahren und stirbt.
Ermittlungen finden nicht wirklich statt und bis heute wurde niemand für den Tod zur Verantwortung gezogen.
Der Gedenkstein für Klaus Jürgen Rattay wurde spontan als direkte Reaktion auf den Tod des Hausbesetzers verlegt und ist gleichzeitig politischer Protest. Auch wenn nicht genau klar ist, wer den Stein angebracht hat, lassen sich ein paar allgemeine Aussagen darüber treffen.
Im Gegensatz zu Stolpersteinen, denen eine intensive Recherche und Auseinandersetzung mit der Vergangenheit vorausgeht entsprang Rattays Gedenkstein einer gelebten Gegenwart.
Dies ist auch in der Form des Steines sicht- und spürbar. In Form eines Kreuzes wurden Steine aus dem Gehweg entfernt. Das Loch wurde mit Zement aufgegossen, in den dann eilig Name und Todesdatum geschrieben wurden.
Gehweg und Gedenken
Gedenksteine bringen vielleicht nicht jeden dazu, zu stolpern und stehenzubleiben. Aber sie sind lebendiges Mahnmal dafür, dass sich Menschen mit der Vergangenheit und Gegenwart kritisch auseinandersetzen. Sie zeigen uns, dass es immer noch nötig ist, sich zu erinnern und dass es immer noch Menschen gibt, die bereit sind, das auch zu tun.
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“Downstairs” in der Goebenstraße: Von Null auf Hundert im Hip Hop – Rhythmus
von HU-Gastbloggerin Lena
Wie sich der anfängliche Underground – Hip Hop – Store „Downstrairs“ zu einem erfolgreichen und populären Versandhandel entwickelte.
Hip Hop Läden in Berlin gibt es viele. Doch was ist genau das Erfolgsrezept, was „Downstairs“ so beliebt macht? Schließlich gibt es den Shop schon seit 1993 und nächstes Jahr wird das 20-jähirge Bestehen gefeiert.
Ein Blick in den Laden und schon wird deutlich, dass „Downstairs“ nicht ein einfacher Hip Hop – Laden wie jeder andere ist, der Kleidung vertreibt. Es werden darüber hinaus Zubehör für Graffiti angeboten und andere Dinge, die mit Hip Hop in Verbindung stehen.
Auffällige Fassaden als Dauer-Gespächsthema

So bunt und vielfältig wie es innen im Laden aussieht, so präsentiert sich der Laden auch nach außen: In der Fassadengestaltung lässt man sich bei „Downstairs“ immer wieder neue Motive einfallen. Von einem Logo in auffälligem Grasgrün oder einem starken Blauton bis hin zu einem U-Bahn-Motiv, was so präzise gemalt ist, dass es ein Foto sein könnte.
Aktuell werden die Kunden von einem weit aufgerissenes Bärenmaul empfangen.
So wird immer wieder alle Aufmerksamkeit auf den Laden in der Goebenstraße 5 in Berlin-Schöneberg gerichtet und kein Passant kann die Straße durchqueren, ohne dass ihm das beeindruckende Graffiti nicht ins Auge fällt. Die Fassaden von „Downstairs“ bleiben ein Gesprächsthema.
Begriff und Entwicklung des Hip Hop
Aber was ist Hip Hop eigentlich genau, wo kommt der Stil her und was macht ihn aus?
Hip Hop ist eine kulturelle Bewegung, die in den 1970er Jahren entstanden ist. Vorallem durch afroamerikanische Wurzeln geprägt, breitete sich Hip Hop auch schnell nach Europa aus. Den großen Boom in Deutschland erlebte der
Hip Hop – Stil in den 1990er Jahren.
Auch das Sprayen von Graffiti ist ein fester Bestandteil der Hip Hop – Szene.
Und so ist Hip Hop nicht mehr nur eine Bewegung, sondern auch ein Lebensgefühl geworden.
Lässig trifft „Bling Bling“ – die Mode des Hip Hop
Die Mode ist von weiten und sportlichen Schnitten der Oberteile und Hosen geprägt. Wichtigstes Ziel ist es, besonders „lässig“ zu wirken. Daneben sind die Kleidungsstücke auffällig mit großen, oft glitzernden Schriftzügen und Bildern verziert: „Bling-Bling“!
Etablierung von „Downstairs“ in Berlin
Das Konzept, alles rund um das Thema Hip Hop im Laden „Downstairs“ zu vereinen, ging auf und mittlerweile ist „Downstairs“ nicht nur in Insiderkreisen bekannt. Mit einem Laden in Friedrichshain und einem in Schöneberg ist „Downstairs“ nun auch von der Entfernung in Berlin weit verbreitet.
Für den Vertrieb über Berlin hinaus wurde ein Online-Shop eingerichtet. Nun kann man die Kleidung online bestellen und innerhalb weniger Tage werden die Sachen kostengünstig versandt. Ab einem bestimmten Mindestbestellwert ist der Versand sogar kostenlos.
Und dies ist keineswegs nur auf Deutschland beschränkt: auch Bestellungen aus aller Welt werden angenommen, denn der Versand ist weltweit möglich!
Damit kann der Versandshop von „Downstairs“ durchaus mit großen internationalen Versandhäusern mithalten.
Sogar ein Buch hat Geschäftsinhaber Hasan Gögremis über die Hip Hop – Szene in Berlin geschrieben. „Berlin Graffiti“ heißt es und begeistert sowohl mit anschaulichen Fotografien, als auch mit leicht verständlichem Fachwissen.

Die Geschichte von „Downstairs“ ist ein interessantes Beispiel, wie man mit einer Spezialisierung auf eine bestimmte Szene sehr erfolgreich werden kann und sich auch mit einem kleinen Souterrain-Shop im großen Berlin behaupten kann.
Fotos der Fassaden: innerfields.de
Fotos des Buch-Covers: amazon.de
Fotos der Mode: wikipedia, hip-hop.de
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Der Tod ist bunt – und blüht
Von HU-Gastbloggerin Nadine Arndt
Wir kennen uns schon lange
Der Phönix und ich
Ich lehrte ihn zwei Worte
Damit er mit mir spricht:
Ende Neu
(Einstürzende Neubauten – Ende Neu)
Düster wirkende alte Eiben und Efeu, verwitterte Grabmale mit schon lange nicht mehr lesbaren Inschriften, gebeugte Frauen in Schwarz die mühsam das welke Laub auf einem Grab entfernen. Stille und Trauer.
So stellt man sich einen typischen Friedhof vor. Doch der Alte Sankt Matthäus-Kirchhof in der Großgörschenstraße entspricht diesem Bild nicht.
Im Norden Schönebergs, am äußersten Rand der berühmten „Roten Insel“ liegt er – ein traditionsreicher Friedhof mit wechselvoller Geschichte.
1856 geweiht war er Begräbnisstätte wohlhabender Kaufleute, Künstler und Wissenschaftler.

Noch heute zeugen viele opulent gestalteten Gräber, Gruften und Mausoleen aus der Gründerzeit vom Reichtum der hier Begrabenen und bieten einen ungewöhnlichen Kontrast zu den vielen, mit Pflanzen, Keramikkatzen, Windspielen, Regenbogenflaggen und roten AIDS-Schleifen liebevoll geschmückten Gräbern aus neuerer Zeit.
Doch beinahe wären die Wirren der Zeit auch dem Kirchhof zum Verhängnis geworden: die Umbettungen auf den Südwestkirchhof in Stahnsdorf, die zunächst Platz schaffen sollten für Albert Speers monumentale Nord-Süd-Achse, wurden abgelöst von Krieg und Zerstörung und Vergessen & Verfall bis in die 1970er Jahre tat ein Übriges.
Die Liste der hier begrabenen mehr oder weniger bekannten Persönlichkeiten ist lang: Neben den Gebrüdern Grimm, Kaufmann Bolle und dem Mediziner Rudolf Virchow liegen hier auch die Frauenrechtlerinnen Hedwig Dohm und Minna Cauer und die Schriftstellerin May Ayim; den Verschwörern vom 20. Juli 1944 um Graf von Stauffenberg ist ein Gedenkstein gewidmet – nach ihrer Hinrichtung wurden sie hier begraben, aber später von den Nazis ausgegraben und verbrannt, ihre Asche wurde in den Riesenfeldern verstreut.
Auch Ton Steine Scherben-Sänger Rio Reiser hat hier inzwischen seine letzte Ruhestätte gefunden. Vor einem Jahr wurde er von Fresenhagen auf den Matthäus-Kirchhof umgebettet.

Der „König von Deutschland“ ist allerdings nicht der einzige schwule Aktivist der hier begraben ist. Neben der berühmten Berliner Tunte „Ovo Maltine“ findet sich hier auch das Grab des im Jahr 2000 verstorbenen Napoleon Seyfarth, der mit seinem autobiographisch inszenierten Roman „Schweine müssen nackt sein“ als erster deutschsprachiger Autor offensiv mit seiner AIDS-Erkrankung umging.


Da paßt es dann auch ins gar nicht düstere Bild, daß das auf dem Friedhofsgelände gelegene „Café Finovo“ von Bernd Boßmann – in der Berliner Tuntenszene besser bekannt als „Ichgola Androgyn“ – betrieben wird.

Das in einem alten Latrinenhaus gelegene Café ist wohl DAS Aushängeschild einer der ungewöhnlichsten Friedhöfe der Stadt. Das Café nebst Blumenladen „Roter Mohn“ bietet neben Blumen, Kränzen und Trauergestecken auch täglich frisch gebackenen Kuchen und kleine Leckereien, einen Raum für Trauerfeiern, die Selbsthilfegruppe für die Eltern von „Sternenkindern“ sowie für die mobile Sozialberatung durch den „Hartzer Roller“.
Doch wie kommt man dazu, ein Café auf einem Friedhof zu eröffnen?
Bernd Boßmann ist schon um das Jahr 2000 das leer stehende Haus aufgefallen. Der Tod des engen Freundes Ovo Maltine im Jahr 2005 führte dann zu regelmäßigen Besuchen auf dem Friedhof und zur Idee, einen Ort für die existenziellen Bedürfnisse von Menschen schaffen: Weinen, Lachen, Essen und Trinken, Ausruhen und vor allem: Kommunikation.
Boßmann merkt kritisch an: „Friedhöfe sind nicht für die Lebenden gemacht, der Gang auf den Friedhof ist für die meisten Menschen reine Pflicht.“
Auf den Matthäus-Kirchhof hingegen soll man gerne kommen.
Der Name „Finovo“ ist abgeleitet von den lateinischen Wörtern für „Ende“ und „neu“ – das einzelne „n“ in der Mitte des Wortes soll daran erinnern, daß aus dem, was endet (finis), immer auch schon das Neue beginnt (novus). In diesem Sinne steht es auch für die ewige Wiederkehr.
Der ehemalige Krankenpfleger mag es nicht, daß der Tod so häufig einseitig negativ dargestellt und das Leben überbewertet wird. Leben und Tod gehören zusammen und was „besser“ ist, sollte aus der Perspektive des Einzelnen betrachtet werden. Für einen Sterbenden, für einen Kranken mit unerträglichen Schmerzen, für einen Hoffnungslosen kann der Tod das Ziel der Sehnsucht werden und die Erlösung versprechen während das Leben nur noch eine Bürde ist. So sind auch Geboren-Werden und Sterben für ihn einfach nur Phasen des Übergangs die nicht pauschal positiv oder negativ gewertet werden sollten.
Der Cafébesitzer ist auch im Vorstand es Vereins „Efeu e.V.“ der sich nicht nur der Erhaltung des Friedhofs widmet, sondern auch mit Infomappen zu Themen wie „Frauen“ oder „Kreuz und Queer“, Vorträgen & Führungen die Lebendigkeit des Kirchhofs unterstreicht. Das Projekt „Kinder und Kirchhof“, das Kindern den Friedhof mit all seinen existenziellen Themen näher bringen soll, wird nicht ganz so häufig in Anspruch genommen, dafür ziehen die verschiedenen Themenführungen immer wieder Interessierte an.
Der „Garten der Sternenkinder“ ist ein Platz für die „Sternenkinder“, die während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt verstarben. Hier finden sie ihre liebevoll von Eltern & Geschwistern gestaltete letzte Ruhestätte.

Die Elterngruppe, die sich in den Räumen des Cafés trifft, ist eine Selbsthilfegruppe – abseits von professionellen Therapien wird hier auf das Prinzip „von Mensch zu Mensch“ gesetzt.
Im Eingangsbereich des „Finovo“ finden sich dann neben den Themenmappen auch Bücher zu Trauerarbeit, Begräbnisritualen und Werke der Gebrüder Grimm, von Rio Reiser, Hedwig Dohm oder May Ayim.
Individualität und Selbstentfaltung werden hier groß geschrieben – niemandem soll ein „richtiger“ Umgang mit dem Tod, mit dem Begräbnis, mit dem Glauben, eine „richtige“ Art zu leben und zu fühlen aufgezwungen werden, und so ist auf diesem besonderen Fleckchen Erde jeder ein gern gesehener Gast – die regelmäßigen Besucher mit Harke und Gießkanne ebenso wie die neugierigen amerikanischen Touristen, der ältere, türkische Anwohner, der hier seinen schwarzen Tee trinkt, ebenso wie die junge Mutter, die hier nur schnell ein paar Blumen für eine Feier kaufen will.
Für den Idealisten Boßmann ist das „Gemeindearbeit“. Gemeinde definiert er als Gemeinschaft – das Zusammengehörigkeitsgefühl und die gewachsenen Strukturen im Kiez, die Offenheit für neue Menschen, die Rechte und Pflichten, die sich aus dem Zusammenleben verschiedener Menschen ergeben. Füreinander da sein: für ihn ist das die Basis der Religionen, sich in aller Unterschiedlichkeit respektvoll begegnen können, die Idee des Cafés. Von Besuchern aufgrund seines Schwul-Seins diskriminiert wurde er noch nicht, merkt er an. Und sagt weiter: „Es ist das absolut Unsinnigste, sich selbst zu verleugnen.“ Er ist überzeugt davon, daß, wer sich & sein Sein versteckt, so erst recht Ablehnung, Feindschaft & Diskriminierung herausfordert.
Einfach ist das Leben als Engagierter trotzdem nicht – das ewige Ringen mit den Behörden um die verschiedenen Genehmigungen, fehlende Subventionen, immer wieder die Angst um die Existenz der vielen Projekte.
„Mit Hartz IV hätte ich mehr Geld“, so der trockene Kommentar zum nicht enden wollenden Kampf als Selbstständiger und Ehrenamtlicher.
Einen Kampf hat er allerdings schon gewonnen: Seine „Berlinade“, eine in zwei Geschmacksrichtungen erhältliche Limonade, deren Verkaufserlös in alternative Projekte fließen soll, darf auch weiterhin so heißen. Die Klägerin Bionade scheiterte vor Gericht mit ihrem Vorwurf der Produktpiraterie.
Einen leckeren Birnen-Käsekuchen und viele Eindrücke später, in der Beobachtung des bunten, herzlichen Treibens auf dem Friedhofsgelände wird mir dann eines klar: Friedhöfe sind lebendige Wesen mit einem ganz eigenen Charakter.
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Von freilaufenden Kaninchen und Diskriminierung
Das Freizeitzentrum in der Kluckstraße ist ein Ort der Begegnung unterschiedlichster Menschen. FiPP, KomBi und Gladt – von einer Initiative zur Gartenarbeit mit Kindern, über eine Selbst-Organisation zur Hilfe bei Diskrimierung bis hin zu einer Fortbildungsinitiative für Lehrkräfte.
Wenn man in dem großen Garten in der Kluckstraße unterwegs ist, sieht man überall fleißige Gärtner_innen. Auch hinter mir raschelt es im Gebüsch. Sophia ist gerade dabei einen kleinen Graben auszuheben. Das aktuelle Projekt heißt „Bauerngarten“, wie ich erfahre.
Doch gibt es da ein kleines Problem: die freilaufenden Kaninchen. Wenn man etwas ernten will, muss also ein Zaun her. In Zusammenarbeit mit dem ‘Produktionsschule Sägewerk Grunewald’ soll in dieser Woche ein traditioneller Lattenzaun gesetzt werden.
Bereits seit zwei Jahren läuft das Projekt „Wachsen lassen“, was man dem eindrucksvollen Garten ansieht. Das Angebot ist sehr vielfältig. Von der Arbeit mit Kleinkindern, dem Brotbacken im Lehmofen, über kleinere Gartenprojekte von Anwohner_innen bis zum Anbauen von Gemüse. Bei vielen kreativen Projekten hilft eine Künstlerin mit. So soll der neue Zaun auch später von den Kindern bemalt werden, erzählt mir Gabriele und ihre Augen leuchten dabei.
Gemeinsam Freizeit haben
Nicht weit entfernt hört man Kinder. Es wird gerade Fußball gespielt. Das Match wird kurz unterbrochen. Jan muss sich die Schuhe zumachen und Olé will einen Schluck trinken. Auch Jasmin spielt mit. Eine bunt gemischte Truppe eben.
Die großen Doppeltüren des Gebäudes stehen zum Hof hin offen, jede_r ist in den Räumlichkeiten willkommen. Einige Kinder sitzen und basteln, andere sind am Kicker aktiv. Es ist eine herzliche und vergnügte Atmosphäre.
Hier treffen sich vor allem Kinder und Jugendliche aus dem Stadtteil. Es ist ein Spiegel der Kulturen im Kiez. Ein Ort der Vielfalt, indem Menschen mit unterschiedlichen sozialen Herkünften, Sprachkompetenzen, geschlechtlichen Identitäten, Befähigungen und religiösen Anschauungen aufeinander treffen. Sicher nicht immer reibungslos.
Hilfe bei Diskriminierung – die Initiativen Gladt und KomBi
Im ersten Stock des Mehrzweckhauses sind die Initiativen Gladt und KomBi zuhause. Beide Organisationen setzen sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen (LSBT) ein.
Gladt ist die einzige unabhängige Selbst-Organisation, von türkeistämmigen LSBTs in Deutschland. Das Angebot richtet sich nicht nur explizit an queere Migrant_innen, sondern auch speziell an deren Angehörige und Freunde. Es werden kostenlose Beratungen zu zahlreichen Themen angeboten, die anonym und bei Bedarf auf verschieden Sprachen durchgeführt werden können.
Die Referent_innen sind unterwegs in unterschiedlichen Einrichtungen im Kiez, von der geschlechtsneutralen Erziehung in Kitas bis hin zu Gesprächsrunden in Seniorenresidenzen.
Entscheidend ist der Ansatz der Mehrfachdiskriminierung erläutert Tuğba, als eine der Projektkoordinator_innen. Die Betroffenen sind oft Opfer verschiedener Formen von Diskriminierungen, wie Homophobie, Rassismus oder Transphobie.
Die Organisation ist international aufgestellt, veröffentlicht Infomaterialien unter anderem dreisprachig und arbeitet momentan mit einer Gruppe aus Spanien zusammen.
Fortbildung von Lehrer_innen bei KomBi
Das Angebot von KomBi (Kommunikation und Bildung) richtet sich neben Schulklassen vor allem an Sozialarbeiter_innen, Erzieher_innen oder Lehrer_innen. In ein- bis zweitägigen Seminaren wird konkret zu Themen geschlechtlicher und sexueller Vielfalt fortgebildet. Gefördert werden die Projekte im Rahmen der Abgeordnetenhaus-Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz Sexueller Vielfalt“. Dies geschieht im Rahmen der Bildungsinitiative QUEERFORMAT, einem Trägerverbund von KomBi und Abqueer (Aufklärung und Beratung zu queeren Lebensweisen).
Was kann ich als Pädagog_in gegen Diskriminierung unternehmen? Wie kann ich Jugendliche beim Coming Out unterstützen? Wie kann ich Themen sexueller Vielfalt angemessen in meiner Arbeit berücksichtigen? Auf diese Fragen wird in den Seminaren eingegangen.
Im letzten Jahr veranstaltete QUEERFORMAT viele Seminare für Pädagog_innen im Bezirk Mitte.
Bei ihrer Arbeit treffen die Mitarbeiter_innen nicht nur auf Gegenliebe, aber umso wichtiger ist die Sensibilisierung der Pädagog_innen für diese Themen.
Mein Besuch in der Kluckstrasse war ein interessanter Auflug in die Arbeit mit Kinder und Jugendlichen. Es wird bestimmt nicht der letzte gewesen sein, da es noch andere spannende Initiativen unter dem Dach kennenzulernen gibt.
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Klein aber Oho! – Ein Spaziergang durch die Goebenstraße in Berlin-Schöneberg
von HU-Gastbloggerin Lena
Mein Blick fällt auf historische Altbauten, deren Fassaden mit reichlich Stuck verziert und gut erhalten sind. Daneben reihen sich nicht sehr gepflegte und mit der Zeit heruntergekommene Gebäudefronten. Besonders ins Auge sticht der leicht verblasste türkis-farbende ARWO-Bau, der sich so gar nicht ins Straßenbild einfügen will.
Mit diesen Eindrücken von den auffallend unterschiedlichen architektonischen Stilen beginnt mein Spaziergang durch die Goebenstraße, die im Berliner Stadtteil Schöneberg liegt.
Die Goebenstraße ist ein kleines Stück zwischen der Pallasstraße und der Yorckstraße. Obwohl sie sehr kurz ist und nur ca. 400 Meter lang ist, ist sie dennoch viel befahren und viel besucht. Sowohl Mehrfamilienhäuser, als auch ein paar Geschäfte reihen sich dort aneinander. Zu den wichtigsten Geschäften gehören Lidl und KiK. Außerdem sind ein Kinderarzt und eine Vollreinigung ansässig. Auch das Restaurant Hodori für asiatische Spezialitäten ist durchaus bekannt.
Und plötzlich stehe ich vor einem weit aufgerissenen Bärenmaul! „Downstairs“ steht als Graffiti gesprüht daneben und eine kleine Tür führt in einen angesagten Hip Hop – Laden, der nicht nur Kleidung, sondern auch Zubehör für das Graffiti-Sprayen und Artikel rund um das Thema Hip Hop vertreibt. Das hätte ich nun wirklich nicht von der „kleinen“ Goebenstraße erwartet und bin erstaunt über die bunte Mischung an Geschäften!

Ich gehe weiter und frage mich, woher die Goebenstraße ihren Namen bekam. Dank Smartphone erfahre ich noch an Ort und Stelle meines Spaziergangs, dass sie nach August Karl Friedrich Christian von Goeben benannt ist. Dieser Herr von Goeben lebte von 1816 – 1880 und war ein bekannter Generalsoffizier beim Militär. So diente er bei der Niederschlagung des Badischen Aufstands und ebenso beim Deutsch-Dänischen und Deutsch-Französischen Krieg. Die Goebenstraße hat ihren Namen seit 1874 und wurde vom Berliner Bankverein angelegt.
Jetzt, da ich weiß, dass die Goebenstraße als Ehrung für Herrn von Goeben gedacht ist, kommt sie mir gleich nicht mehr so kurz und unbedeutend vor. Jede Straße hat eben doch ihre Geschichte und ist nicht aus Berlin weg zu denken. Dies war vielleicht auch einer der Gründe, warum die Goebenstraße nicht wie geplant im Jahr 1945 mit der Pallasstraße zusammengelegt wurde, sondern erhalten blieb.
Und das ist auch gut so! Denn trotz ihrer Kürze besticht die Goebenstraße mit einer großen Vielfalt an Geschäften, Wohnhäusern und Anwohnern. Bei einem Spaziergang durch die Goebenstraße gibt es viel zu sehen und ein Eindruck einer kurzen, aber doch sehr typischen Straße von Berlin bleibt in Erinnerung.
Lass dich verführen !
Von Gastbloggerin Uta
Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Sommerkurses 2011 “Onlinejournalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität
Cafés gibt es in Berlin zu genüge, da ist es wirklich schwierig die richtige Wahl zu treffen. An nahezu jeder Ecke findet man die verschiedensten Anbieter von kleinen Snacks, Kuchen und Kaffee. Wer die Wahl hat der hat auch die Qual. Meistens entscheidet man danach wo es am besten schmeckt, was bezahlbar ist, eine angenehme Atmosphäre herrscht und nicht so weit entfernt vom Standort ist, so ist es bei mir zumindest.
Doch manchmal lohnt es sich auch einen etwas weiteren Weg auf sich zu nehmen. Besonders dann, wenn man ein wenig Ruhe, fernab von der Hektik der Großstadt oder etwas anderes als eine der großen Caféketten sucht, etwas was nicht der Masse der Cafés entspricht. Da wo alles noch echt wirkt und nicht auf den neuesten Standard getrimmt ist, sondern gemütlich mit Niveau und einer ganz besonderen Atmosphäre.
Da wäre zum Beispiel das Café Savarin. Ein echter Geheimtipp ist es wahrscheinlich nicht mehr, selbst auf Wikipedia wird das Café im Zusammenhang mit der Kulmer Straße erwähnt. Da sich das Café Savarin in einer Nebenstraße, nahe der Potsdamer Straße befindet, kann man sich hier noch ohne Straßenlärm oder überfüllten Fußwegen eine Pause gönnen. Die Auswahl an Kuchen und Quiches ist wirklich groß. Alles ist selbstgemacht und lässt besonders bei Kuchen- und Tortenliebhabern die Herzen höher schlagen. Sonntags gibt es zusätzlich ein Frühstücksbuffet, mit allem was zu einem leckeren Frühstück dazugehört. Den frisch gepressten Orangensaft und Wasser gibt es umsonst dazu erklärt mir die freundliche Serviererin. Übrigens gibt es hier auch keine Karte, wer etwas bestellen möchte muss an der kleinen Tafel im Café seine Auswahl treffen oder schaut am besten gleich an der Theke welcher Kuchen verköstigt werden soll.
Die große Holztheke nimmt eine gesamte Wandseite ein. Auf der gegenüberliegenden Seite fällt mir ein Tisch mit einem Untergestell von eine alten Nähmaschine und einer Marmorplatte auf. Runderherum stehen weitere Holztische- und Stühle. Im anderen Raum, weiter hinten, steht ein schwarzes Klavier und weitere Tische. Von innen sieht das Café insgesamt größer aus als ich erwartet hätte. 
Wenn das Wetter angenehm ist kann man sich auch an einen der kleinen Tische vor dem Café setzen. Schaut man nach oben sieht man Kabel mit bunten Glühbirnen um die Bäume geschlungen und an den Seiten der Fassade befestigt. Das verleiht dem Ganzen einen besonderen Charme.
Die Sonne scheint am wolkenlosen Spätsommerhimmel deshalb entscheiden wir, uns an einem der kleinen Tische vor dem Café niederzulassen, um die vielleicht letzten wärmenden Sonnenstrahlen, die durch die Bäume am Straßenrand zu uns gelangen, genießen zu können. Kurze Zeit später kommt auch schon die Serviererin und bringt mir einen Schokokuchen und meiner Begleitung eine Schwarzwälder-Kirsch Torte. „Unglaublich lecker sieht das hier alles aus, normalerweise esse ich ja lieber herzhafte Sachen, aber die Torte sah einfach zu gut aus,“ sagt sie mir, lächelt mich an und macht sich auch schon über das Stück auf ihrem Teller her.
„Schon verrückt wie viele verschiedene Ecken Berlin hat, sonst finde ich die Gegend hier ja etwas gewöhnungsbedürftig, anders halt als bei mir Kreuzberg, wo alles überladen ist und jeder Dritte einen Latte Macchiato trinkt“, sagt sie mit Blick auf die andere leere Straßenseite. Hier sehe ich keinen einzigen Latte Macchiato auf den Tischen stehen. Es sind auch nicht mehr alle Tische besetzt wie einige Zeit zuvor als wir ankamen. Auch wir sind fertig mit unseren Kuchen und müssen wieder los. Einen Besuch war es auf alle Fälle wert und es war mit Sicherheit auch nicht der letzte.
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Tagged Café Savarin, Gegenwart, gemütlich, HU-Career_Center, Kuchen, Kulmer Straße, lecker, Quiche, Schöneberg, Schwarzwälder Kirschtorte, Vergnügen


















