Schlagwort-Archiv: Gleisdreieck

Die Zentrale Landesbibliothek am Standort Gleisdreieck

Von HU-Gastbloggerin Luna

Der Park am Gleisdreieck dient der Erholung und Entspannung. Menschen erhalten hier die Möglichkeit Sport zu treiben, sich zu treffen und spazieren zu gehen. Grüne Wiesen laden ein es sich mit einem guten Buch gemütlich zu machen und die ersten Sonnenstrahlen zu genießen.

Doch auf einer großen Fläche des Parks erstreckt sich eine Baustelle, an der Bagger am Werke sind. Es ist das letzte unbebebaute Areal der fünf Bauflächen des Projekts „Urbane Mitte.“ Die Bauflächen wurden 2005 in einem städtebaulichen Vertrag zwischen dem Land Berlin und der Vivico, der die Flächen damals gehörten, festgelegt. Hier entstehen 100.000 qm Brutto Geschossfläche, also ziemlich viel Platz mit hoher Nutzungskapazität. Geplant sind für das Gelände 60 – 70 % Büroräume, während 30-40 % einem lebendigem Nutzungsmix aus Gastronomie, Clubs, Hotels und Wohnungen dienen sollen.

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Auf eine frische Minz-Limo ins „Cafe Eule“

Von HU-Gastbloggerin Marleen

Der Frühling steckt in den Startlöchern und was gibt es da Schöneres als die ersten Sonnenstrahlen in den zahlreichen Parks und Gärten Berlins zu genießen. Ein ganz besonders schönes Sonnenplätzchen ist das „Café Eule“  im Westteil des Parks am Gleisdreieck.

eule1.2Etwas versteckt, abseits der asphaltierten Wege, befindet sich der zum Café umgebaute Container, aus dem heraus die Betreiberin Kristiana Elig und ihre Mitarbeiter täglich herrlich leckeren italienischen Kaffee sowie zahlreiche hausgemachte Leckereien verkaufen. Weiterlesen

Joseph Roth in Berlin: Modernität aus der Retrospektive

Offensichtlich ziehen sich die Resultate urbanen Wandels durch die Potsdamer Straße: Neue Ausstellungen in der ehemaligen Druckerei des Tagesspiegels, unzählige Casinos, die mit ihrer Werbung die Erdgeschosse prachtvoller Altbauten bedecken und, bei der Kreuzung zur Goebenstraße angekommen, Sozialbauten: parzellierte Hochhäuser, bei denen die dicht aneinander liegenden Balkons abwechselnd von Satellitenschüsseln verdunkelt, von tropischen Gewächsen überwuchert oder in dem kargen Grau des Betons gehalten sind. Die Eindrücke können zweifelsfrei begeistern. Angesichts der zusammenhangslosen Mischung fragt sich der ein oder andere Spaziergänger jedoch auch mal: Wo bin ich hier eigentlich?

Joseph Roth, 1926

Joseph Roth, 1926

Berlin beherbergt zahllose passionierte Flaneure, die sich von dieser Vielfalt nicht beirren lassen. Im letzten Jahrhundert haben einige von ihnen ihre Eindrücke der Stadt für die Nachwelt festgehalten. Heute noch liefern uns die Stadtchroniken von Walter Benjamin oder Franz Hessel eine detaillierte Sicht auf die Entwicklungsgeschichte von Berlin. Einer dieser Flaneure war Joseph Roth. Niemanden hat das zusammengewürfelte Gesicht der Stadt mehr gestört als den Schreiber, der in den Zwanzigern auch die Potsdamer Straße bewohnt hat.

Er liebte die Individualität und hatte einen Hang zum Mystischen, aber wenn die Geschichte und die Herkunft eines Individuums in kunterbuntem Mischmasch untergeht, fand seine Faszination keinen Ansatz mehr. Ob loyale Kriegsveteranen oder Nachfahren eines Adelsgeschlechts, begünstigt durch den Monarchen: Die Protagonisten in Joseph Roths Romanen haben diesen bewussten und meist ehrenhaften Hintergrund. Aber je frommer und gewissenhafter ihre Ursprünge, desto härter prallt ihre indolente Gesinnung auf die Grausamkeit der Gegenwart. Und damit ist keine Zeit gemeint, die ein Historiker versucht nachzusinnen – es ist die Zeit eines Epikers mit starrem Blick auf aktuelles Zeitgeschehen. Der Leser spürt diese zeitliche Spannung und eine sehnsüchtige Nostalgie in dem melodischen Prosa vom „Radetzkymarsch“, „Hiob“ oder dem „Hotel Savoy“. Die Lektüreerfahrung geht über den Schreibstil hinaus und die inhaltlichen Dissonanzen scheinen den pulsierenden Nerv einer Metropole heute noch genauso akkurat zu treffen wie das Berlin in der kulturellen Blüte der Zwanziger.

„Berlin ist ein Labor der Moderne“

JosephRothDiele

Joseph-Roth-Diele, Potsdamer Straße 75

Wenig scheint sich an dieser Feststellung geändert zu haben. „Die Spannung bei Roth gibt’s natürlich heute noch“ erklärt ein Kellner aus der Joseph-Roth-Diele, die vor zwölf Jahren im Nachbarhaus von Roths Unterkunft gegründet wurde. „Heute ist es eben mehr ein gesellschaftlicher Konflikt.“ Dabei deutet er auf die Prostituierten, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite dem Verkehr auf der Potsdamer Straße zuwinken. Es sind Eindrücke von einer sozialen Baustelle, von einem Schauplatz neuer Konflikte und kultureller Kollisionen – das im Licht der Kerzen und Kronleuchter schillernde Restaurant, tapeziert mit Büchern und Zitaten, bleibt ein vereinzeltes Kleinod im Geiste Roths Lieblings-Gaststätte, „Mampes gute Stube“.

Was heute eine Vielzahl unterschiedlicher Ursprünge und Kulturen ausmacht, war zu Zeiten Roths eine Spannung zwischen Kriegsflüchtigen aus allen Teilen Europas, Rückkehrende aus russischer Gefangenschaft und einem sich anbahnenden Nationalsozialismus. Aber Roth hat nie Kritik an kultureller Vielfalt geübt. Sein Blick hat die Probleme vielleicht deutlicher gesehen als wir heute dazu in der Lage sind:

„Die Fassade der neuen Zeit macht mich unsicher“

Mit dieser Anmerkung versehen veröffentlicht Roth einen Artikel über Architektur in der Münchner illustrierten Presse, 1929. Durchgehend aus der Ich-Perspektive berichtet Roth emotional aufgeladen von seiner Abneigung gegen den Eklektizismus der Moderne: Ein Kabarett, das man auch für ein Krematorium halten könnte, ein Kino, das in der Hast einer bevorstehenden Reise mit einem Bahnhof verwechselt wird. Wir können heute an seinen Erfahrungen aus der Metropole anknüpfen, die sich nicht darum bemüht einen kohärenten Stil zu bewahren: „Man kannte genau die Gesetze der Verlogenheit und agnoszierte unfehlbar den Ersatz, wo man das Echte erblickte.“

Neben den stilistischen Divergenzen nährt sich Roths Abneigung gegen Berlin auch am zwischenmenschlichen Umgang. In dem Artikel, „Bei den Heimatlosen“, den er 1920 für die die Neue Berliner Zeitung geschrieben hat, behandelt Roth die Menschlichkeit oder eher die Unmenschlichkeit, mit der Emigranten und Asylbewerber in Berlin konfrontiert werden. Grammatikalisch verschrobene Reverse, unumgängliche Bürokraten und modrige Behausungen – Hindernisse, die heute noch den Einwanderern ihr Asyl nicht gerade einladend gestalten. Die Zeit liest aus der Artikelsammlung von Joseph Roth in Berlin“  konsequenterweise heraus, dass er „für die falschen Sorgen der Gutbetuchten (…) nur Verachtung übrig“ hat. 

Ein Bekenntnis zum Gleisdreieck

Berlin ist zusammengewürfelt. Das ist keine Kritik an der Internationalität oder der Vielseitigkeit der Stadt. Es ist eine Tatsache – nur der Umgang damit scheint Roth unbeholfen. Menschliche Kooperation, einen genauen Blick auf das Umfeld und eine sinngemäße Weiterentwicklung des Bestehenden proklamiert er für die Rettung von Berlin. In seinem Artikel über das Gleisdreieck singt er deshalb eine Hymne auf die Technisierung: 

Gleisdreieck 1912

Gleisdreieck um 1912, Berlin

„Man müsste sich mit Inbrunst zu ihrer Grausamkeit bekennen, in ihren tödlichen Wirkungen die Ananke sehen und viel lieber nach ihren Gesetzen untergehen sollen als nach den Humanen der sentimentalen Welt glücklich werden.“

Heute verziert eine Parkanlage die glänzenden, eisernen Adern der Stadt und wir müssen uns erneut fragen: Ist das genuine Charisma einer Stadt im Gestaltungs- und Projektwahn verloren gegangen? Und noch entscheidender: Ist die Eigenheit in der Architektur, in der Kunst und der technischen Entwicklung von Berlin sogar eine Voraussetzung für die Offenheit gegenüber anderen Kulturen und den wachsenden Menschenmassen? – Joseph Roths Beschreibung seiner Gegenwart beantwortet es unverkennbar: Ja!

Ein Gedanke, den Joseph Roth vor 90 Jahren in der Frankfurter Zeitung in seinem poetischen Stil der Berichterstattung manifestiert hat, lässt uns heute erneut die Ideale und Trends unserer Zeit überdenken. Spannung, Pessimismus, Eigenheit – sie haben ein exaktes Gesicht der Zeit gezeichnet und eine Kritik formuliert, die nicht an Aktualität verloren hat.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Centers der Humboldt Universität

von HU-Gastblogger Vincent

Architektonischer Spaziergang: Mikrokosmos Pohlstraße

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Winterkurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität

Von HU-Gastbloggerin Bettina

Bis vor kurzem kannte ich diese Gegend nur vom Hörensagen, aber das Career Center-Seminar brachte mich hierher – so bin ich also eher zufällig hier gelandet und bilde mir meine subjektive Meinung. Die Pohlstraße, die vom Gleisdreieckgelände bis zum Möbel-Hübner-Turm reicht, ist einer der Mikrokosmen, die zum Potse-Kiez gehören. Leider muss man sagen, daß die Potsdamer Straße selbst in weiten Teilen einfach nur dem Auge wehtut, abgesehen von einzelnen Altbauperlen und gelungenen Neubauten, die sich unaufdringlich in die vorhandene Bausubstanz einfügen – wie der ehemaligen Malschule für Frauen mit ihren zauberhaften Höfen als Beispiel für erstere und dem Hutatelier von Fiona Benett für letztere. Weiterlesen

Interkultureller Garten „Rosenduft“

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Winterkurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität

Von HU-Gastbloggerin Angela

004Wer in der Großstadt lebt, der muss es hinnehmen: den Mangel an Grünflächen im Alltag. Grauer Teer und Plattenbauten bilden den vorherrschenden Eindruck von Berlin. Manch einem bieten die orangenen Farbtupfer, die die Mülltonnen der Berliner Stadtreinigung in die Kulisse schmuggeln, zu wenig farbliche Abwechslung.  Gärten und Parks sollen Abhilfe schaffen; sie ermöglichen eine kurzzeitige Flucht aus dem tristen Stadtbild.

Für manche Menschen ist jedoch der Grund für die Sehnsucht nach Grünfläche viel existentieller als nur durch den ästhetischen Feinsinn begründet: Flüchtlingen aus der ganzen Welt wurde im interkulturellen Gartenprojekt „Rosenduft“ die Möglichkeit gegeben, ihre eigenen Beete zu bepflanzen. Das Ziel?  „Ankommen – bei sich selbst und der Gesellschaft.“, fasst Bosiljka Schedlich zusammen. Sie leitet den Verein Südost Europa Kultur, von dem die Initiative zum interkulturellen Garten im Jahr 2011 ausging.

Ursprünglich wurde der interkulturelle Garten „Rosenduft“ damals für traumatisierte Frauen aus Bosnien und Herzegowina gegründet. Neben den vielen schrecklichen Erlebnissen ihrer Biographie belastete sie der Verlust ihrer Heimat sehr. Die im Verein südost Europa betreuten Frauen hatten, als sie sahen, wie es Frühling wurde, geschwärmt, wie schön es überall blühe, erklärt Bosiljka Schedlich; und sie wünschten sich daraufhin, selbst Fläche zu bepflanzen. In den eher ländlichen Gebieten, aus denen die Flüchtlinge ursprünglich stammten, war ein eigener Garten normal.

 „Die Frauen haben ihre Beete bekommen, einzeln oder zur zweit. Später sind noch mehr Leute dazugekommen, aus Asien, aus Afrika. Jeder bearbeitet seine Fläche, pflanzt und erntet, während es auch noch eine Gemeinschaftsfläche gibt. Es gibt auch kleine Beete für die Kinder“, erklärt Bosiljka Schedlich, wie die Gartenarbeit organisiert ist. „Es ist ein Ort der Begegnung in jeglicher Hinsicht.“

013Der  Garten führt inzwischen Flüchtlinge und Vertriebene aus der ganzen Welt zusammen; aus Palästina, Ruanda, Afghanistan.  Der Austausch untereinander hilft den Menschen, das Leid besser zu verarbeiten. Der Austausch findet nicht nur innerhalb von Deutschland statt; der Garten ist eingebunden in ein internationales Netzwerk. Kinder aus Marseille waren beispielsweise neulich in Deutschland gewesen, in den Gärten ihrer Austauschpartner, und umgekehrt.

Bosiljka Schedlich fügt hinzu: „Und sie haben etwas, worauf sie stolz sind.“  Ein eigenes Beet, eine Aufgabe. Die Möglichkeit, mit neugierigen Besuchern des Gartens ins Gespräch zu kommen und von ihrer Gartenarbeit zu erzählen. „Der Garten ist ein Ort der Integration geworden“ , weiß Bosiljka Schedlich.

Der Interkulturelle Garten „Rosenduft“ ist über den Eingang zum Park am Gleisdreieck in der Möckernstr. 44 zu erreichen; am Gleis entlang Richtung Yorckstr. findet sich der 2000 qm große Garten, in denen Birnen und Blumen gepflanzt sind, Kräuter  wachsen und Bienen schwirren – denn auch zwei Imker zeigen Interessierten dort gerne ihr Handwerk.

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Begzada Alatović

Neuwahlen zur Anwohnervertretung Gleisdreieck

Neuwahlen der Anwohnervertreterinnen Gleisdreieck am 25. Mai 2011Die Wahlen finden am 25.5.2011 um 19.00 Uhr im Gemeindesaal Wartenburgstraße 7 in Kreuzberg statt. Wahlberechtigt ist jede/r, die/der in den angrenzenden Stadtteilen wohnt, dort arbeitet oder in Projekten, Vereinen usw. engagiert ist. Das Wahlgebiet: das Stadtgebiet östlich des Gleisdreieckparks bis zum Mehringdamm, im Norden bis zum Landwehrkanal, im Süden bis zur Kreuzbergstraße / Monumentenstraße und westlich des Parks bis zur Potsdamer Straße.

Auf der Sitzung der Initiativenplattform Gleisdreieck am Mittwoch, den 18. 05. 2011 haben neun Personen sich bereit erklärt, bei den Neuwahlen zur Anwohnervertretung Gleisdreieck am 25. 05. 11 zu kandidieren. Zwei Kandidaten haben ihre Kandidatur per Email an die Wahlkommission erklärt. Hier die elf KandidatInnen in alphabetischer Reihenfolge:

  • Edelgard Achilles
  • Wolfgang André
  • Achim Appel
  • Frieder Beckmann
  • Ruth Dittmar
  • Martin Laubermark
  • Elisabeth Meyer-Renschhausen
  • Norbert Rheinlaender
  • Matthias Seidenstücker
  • Klaus Trappmann
  • Volkmar Wohlgemuth

Zum Ablauf der Wahlveranstaltung:

  • Begrüßung
  • Bericht der bisherigen AnwohnervertreterInnen
  • Aussprache
  • Vorstellung und kurze Fragen an die elf KandidatInnen: ca.5 Minuten pro Person
  • geheime Wahl: jeder Teilnehmer hat sechs Stimmen und wählt damit Vertreter und Stellvertreter in einem Wahlgang. (Die 3 KandidatInnen mit den meisten Stimmen werden als AnwohnerverterterInnen und Platz 4 bis 6 der Zählliste als StellvertreterInnen gewählt, die Plätze 7 bis 11 sind NachrückerInnen.)
  • Auszählung der Stimmen und Feststellung des Ergebnisses
  • Ausblick und Verabschiedung

Externe Moderation der Wahlveranstaltung:

Katrin Fleischer, Initiative Berlin 21

Die Wahlkommission der Initiativenplattform Gleisdreieck

Gabriele Hulitschke und Matthias Bauer

Kettensägemassaker an Bäumen und Bürgerbeteiligung

Warum kam kein Anruf, keine email, keine Information? Nicht von den Bezirksämtern, nicht von Grün Berlin, nicht von der Vivico oder sonstwem.

Statt Informationen: Kahlschlag am 26. Januar 2011.

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Es ist nicht zu erwarten, dass die Arbeiter von den Vorgängen wissen. Doch die Mitarbeiter der Firma Berolina-Baumpflege nannten einer aufmerksamen Bürgerin zumindest die Bahn als Auftraggeber. Sie sagten, ihr Auftrag sei es, Pflegemaßnahmen durchzuführen. Das hieße, nicht mehr standsichere Bäumen unter 30 cm Stammumfang zu entfernen. Ahorne und Eschen hätten sie alle entfernt.

Jedoch: Stämme unter 30 cm sehen anders aus.

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Statt Informationen: Unzuständigkeiten

Ein Anruf führte über die für die Flächen zuständige Vivico, zur Firma EPM, die die Grundstücke für die Vivico verwaltet. Konkrete Aussagen waren nicht zu haben. Viele wussten nichts und niemand hatte Ahnung.

Statt Informationen: Unbestätigte Gerüchte

Alles sei bereits an zwei Baufirmen verkauft ist, heißt es aus anderer Quelle. Eine, die da schon mehr gebaut hat und irgendeine aus Freiburg. Aber es seien noch nicht alle Wohnungen verkauft. Bis das erreicht sei, passiere nichts.

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So entsteht: Erneut aufflammendes Mißtrauen. Ein herber Rückschlag in der Bürgerbeteiligung am entstehenden Park auf dem Gleisdreieck.

Den aktiven AnwohnerInnen und QuartiersrätInnen, die sich hier seit Jahren engagieren, ist klar, dass die Fläche, die gerade massakriert wird, nicht zum Westpark gehören. Ja, es sind Bauflächen. Ja, es ist allen klar, dass sie irgendwann bebaut werden.

Doch die letzten Angaben, die auch ich von Grün Berlin gehört habe, waren: nichts ist entschieden, nein, es noch nicht mal irgendetwas angedacht.

Also ist von dem, was hier gerade passiert, auch dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, in dessen Zuständigkeit das gesamte Gleisdreieck gehört, nichts bekannt? Wenn dies so ist, dann ist etwas super faul. Aber auch sonst.

In Kreuzberg gibt es eine lange Tradition der Bürgerbeteiligung. In den östlich an das Gleisdreieck angrenzenden Quartiersmanagementgebieten Schöneberg Nord und Tiergarten Süd ist Bürgeraktivierung und Bürgerbeteiligung ein seit über zehn Jahren aus Steuermitteln finanziertes Ziel.

Die Bezirksämter in Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg und Mitte wissen, die beteiligten Planungsämter, Grün Berlin und die Vivico wissen, dass die BürgerInnen, die produktiv in der planungsbeteiligten Arbeitsgruppe mitarbeiten, sich auch für diese Fläche und die Entwicklungen entlang der Flottwellstraße interessieren.

AnwohnerInnen und Bürgerbeteiligten beobachten alle Baumaßnahmen um das Gleisdreick und entlang der Flottwellstraße mit sehr gemischten Gefühlen betrachtet. (siehe: Was bringt das neue Jahr 2011 am Gleisdreieck? )

Die Freifläche vor den S-Bahn Bögen in der Pohlstraße 11, die in den letzten Jahren auch der Jugendarbeit zur Verfügung stand, musste in der ersten Januarwoche an den Liegenschaftsfonds zurückgeben werde. Dieser hat die Fläche an den Projektentwickler des Bauprojektes „Dennewitz Zwei“ übergeben. Im März wird voraussichtlich Baubegin für die drei Wohnhäuser (Bauherrenmodell) sein. Im Augenblick beginnen die vorbereitenden Maßnahmen, wie Vermessen, Bodengutachten und ganz aktuell die Rodung von (wenigen) Bäumen, welche bis spätestens Ende Februar bewerkstelligt sein muß.

Einige der Baugemeinschaften haben den Kontakt zu den hier lebenden Menschen aufgenommen. Da ist zu hoffen, dass sich ein nachbarschaftliches Verhältnis entwickelt. Bei anderen sind nur Luxuswohnungen im Internet zu bestaunen.

Das lässt nichts gutes erwarten. Besonders nicht in Tiergarten Süd, wo AnwohnerInnen in den letzten Wochen von Investoren missachtend und brutal behandelt werden. In der Pohlstraße, zum Beispiel, gibt es Mieterhöhungen von bis zu 60%, das heißt MieterInnen werden auf dem finanziellen Weg rausgemobbt. Die Vermutung ist, dass die Wohnungen alle in Eigentum umgewandelt werden sollen.

Im Bezirksamt Mitte waren bis vor einer Woche weder diese Vorgänge bekannt, noch die Initiativen aus Friedrichshain-Kreuzberg, diese Umwandlungen zu verhindern.

Investoren, Wohnungsspekulanten und Hausverwaltungen haben keine gesetzliche Pflicht, MieterInnen gut zu behandeln, sie zu informieren oder mit ihnen zu sprechen.

Bei öffentlichen Stellen ist das anders. Und auch nicht kompliziert. Es gibt in Verbindung mit den Planungen am Gleisdreieck ein sehr gutes Netzwerk (online und offline), an das leicht Informationen gegeben werden können. Per Fax, per Telefon, per email. Meinetwegen auch per Trommel.

Aber nicht mit Kettensägen.

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Photos: