Schlagwort-Archiv: HU-Career_Center

„Wer schreibt unsere Geschichten, wenn nicht wir selbst?“

von HU-Gastbloggerin Cagla

Kuse

Quelle: http://www.fembio.org

Die meisten jungen Erwachsenen stehen irgendwann an einem Punkt, an dem sie sich fragen müssen: „wer bin ich und wer möchte ich sein?“ Den wenigsten Menschen fällt diese Aufgabe leicht und mehr als die Hälfte können diese Frage auch im voranschreitenden Alter nicht eindeutig beantworten. So auch Käthe Kuse, genannt Kitty. Sie liebte Frauen, aber dass sie homosexuell war, kam ihr nicht in den Sinn. Als ihre damalige Freundin fragte: „Weißt du eigentlich, dass du homosexuell bist?“ war sie erst einmal verstört und fassungslos. Als sie in Ruhe darüber nachdenken konnte, suchte sie ihre Freundin auf und sagte: „Jawohl, ich bin homosexuell und ich liebe dich.“  Weiterlesen

Kleingartenidylle à la Kreuzberg

von Gastbloggerin Lisa

Die Kleingartenkolonie Potsdamer Güterbahnhof POG gibt es schon seit 1948 und ist für viele AnwohnerInnen ein Ort zum Verschnaufen. Denn hier verliert man schnell das Gefühl von Großstadt und taucht in die Kreuzberger Kleingartenidylle ein.

Eine Armee von Gartenzwergen starrt mich an. Im Hintergrund weht die Deutschlandfahne. Ich bin in einer Kleingartenkolonie. Und wenn ich mir diesen Garten so ansehe, ist es hier genauso wie in allen anderen deutschen Kleingartenkolonien. Perfekt gestutzter Rasen, konzeptionell angelegte Beete. Es erinnert an einen Minigolf-Parcours.

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Im nächsten Garten ist davon nichts zu erkennen. Hier wächst alles so, wie es will, es wurden nur zwischendurch ein paar Beete eingezogen, in denen allerdings auch die Natur die Überhand gewonnen hat. Die Laube sieht aus, als wäre sie von jemandem mit Liebe aber ohne genaueres Fachwissen selbst zusammengezimmert worden und überall in den Bäumen, am Eingang der Laube und auf dem Boden hängt und steht Krimskrams wie ein Windspiel und Skulpturen aus Fundstücken. Ein Gartenzwerg ist nicht dabei.

Ich bin in der POG Kleingartenkolonie am Gleisdreieck, die schon seit rund 60 Jahren existiert. Damals hatten die AnwohnerInnen auf den Trümmern des Potsdamer Güterbahnhofs ihre Lauben errichtet und manche stehen da immer noch genau so. 75 Kleingärten gibt es auf dem Gelände, das inzwischen an den Park am Gleisdreieck angrenzt. Dafür musste gekämpft werden. 2009 – bei der Planung des Parks sollten eigentlich 50 Parzellen sechs Sportplätzen weichen.

Gemeinsam mit vielen AnwohnerInnen und lokalen Initiativen hat Klaus Trappmann, der Vorsitzende des Vereins, jahrelang gekämpft und nun ist die POG Kleingartenkolonie Teil des Parks am Gleisdreieck. Der nördlichste Teil ist sogar in den Park integriert. „Gärten im Garten“ heißt das Konzept.

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Das Erste, was mir beim Hineingehen über den „Eingang Westpark“ ins Auge sprang, war der „Naturraum“, ein eingezäunter Bereich, in dem, wie auf einem Schild erklärt wird, die Natur machen soll, was sie will, und besonders von Kindern erlebt werden kann.

Hinter dem Naturraum und den ersten Kleingärten öffnet sich der Marktplatz mit dem „Café Eule“, wo einige Familien trotz des durchwachsenen Wetters selbstgemachten Kuchen auf Baumstämmen und Weinkisten genossen. Keine der Familien hat eine Laube, doch kommen sie gerne am Wochenende hierher, um ein bisschen auszuspannen. Die Kleingartenanlage sei ihre „Oase in der Großstadt“, sagte eine junge Mutter. Der ganze Park sei eine tolle Möglichkeit für Stadtkinder, auch mal wieder ein Stück Natur zu erleben. „Und wenn man mal ein bisschen Ruhe will, kommt man hier her und spaziert durch die Anlage.“

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Der Marktplatz in den „Gärten im Garten“

Tatsächlich kam sofort Kleingartenidylle auf, als ich weiter in die Anlage hineinlief. Der repräsentative Teil der Gärten ist vorbei, hier wird gelebt. Kleine, verwunschene, teilweise verwucherte Wege führen an den unterschiedlichsten Lauben vorbei. Die meisten Menschen, die ich antreffe, sind gerade dabei, ihren Garten fit für den Sommer zu machen. Es wird gepflanzt und geharkt. Das Gemeinschaftsgefühl sei durch den Kampf um den Erhalt der Kolonie auf jeden Fall größer geworden, sagt ein älterer Mann, der gerade mit einer Schubkarre zu seinem Garten geht. Ansonsten könne man hier aber trotzdem schön seine Ruhe haben, wenn man will.

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„Hier geht es zum Glück nicht so streng zu wie in anderen Kleingartenkolonien“, erzählt mir ein Gartenbesitzer, den ich ungefähr auf dreißig schätzen würde. Zusammen mit einem Freund befreit er gerade den Rasen von Laub. „Bis jetzt habe ich von niemandem mitbekommen, dem irgendwie reingeredet wurde.“ So wirkt es hier auch. Die Kulisse der U-Bahnbrücke, die über die Gärten führt, und die bemalten Häuserwände passen zum Lebensgefühl. HobbygärtnerInnen seien auch viele junge Leute, „und auch nicht immer nur Deutsche.“

Er empfiehlt mir noch im Deutschen Technikmuseum, das auch an den Park am Gleisdreieck angrenzt, das Modell der früheren Bahnhofsanlage rund um den Anhalter Bahnhof und das Gleisdreieck anzusehen, dann verabschiedet er sich und harkt weiter Laub.

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Bienen gibt es auch in der POG Kleingartenkolonie

 

 

Die obligatorischen Deutschlandfahnen wehen hier zwar und Gartenzwerge bewachen das ein oder andere Grundstück, aber trotzdem scheinen in der Kleingartenkolonie am ehemaligen Potsdamer Güterbahnhof alle ihr Plätzchen gefunden zu haben. Und da kriegt man sie so schnell auch nicht mehr weg.

An einem schwarzen Brett am Wegesrand hängt ein Zettel, auf dem steht: „An alle Interessenten für Lauben: Bitte NICHT anrufen, mailen oder faxen! Die Warteliste für Lauben ist unendlich groß und es wird kaum was frei! Tut uns Leid!“

 

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität

 

Ernährung für Geist und Seele im Café Tietz

Das Café Tietz besticht mit Energie in Raum und Speisen. Ein neues Kaffeehaus in der Potsdamer Straße 77.

von HU-Gastbloggerin Miriam

Aus dem M85 an der Haltestelle Lützowsztraße/Potsdamer Straße gesprungen, einmal über die Straße und nach rechts geguckt, fallen einem Neuling in  der Potsdamer Straße sofort die dunkelbeigefarbenen Flaggen des Café Tietz & Cie ins Auge, die sich im seichten Frühlingswind wiegen. Wie die eines Hoteleingangs erscheint die Tür des Cafés, die in das biologisch wertvolle Geschmacksparadies führt. Ich bin heute überpünktlich dort und werde auf Englisch von den drei Mitarbeiterinnen begrüßt. Herr Tietz würde gleich kommen sagen sie, ob ich die drei Minuten Wartezeit mit einem Café Latte überbücken könnte? Kann ich. Weiterlesen

Forward-Fashion im Kiez


Skandinavisches Flair zwischen Edelstahl und Beton, geradlinig und schlicht. Im minimalistischen Stil präsentiert Acne Studios an der Potsdamer Straße seine neue Kollektion.
 

von HU-Gastbloggerin Cagla

Ein Dönerladen neben einem Sexshop, zwischen verschiedenen Galerien und der Kurfürstenstraße. So lässt sich die Potsdamer Straße in Berlin – Schöneberg wohl am einfachsten skizzieren. Die verschiedensten Unternehmen bilden einen Nachbarschaftskreis, jedes mit eigenen Charme. Die im Volksmund gern als  „Potse“ bezeichnete Straße punktet also mit Diversität, nicht nur bei Touristen –
„Teilweise zwielichtig, aber lebhaft“, beschreibt eine Passantin aus Berlin lächelnd die Umgebung. Die Straße wandelt sich und ihr Publikum mit ihr. Besonders durch die aneinandergereihten Modelabels. Weiterlesen

Portrait Magda

Porträtiert von Cagla

Die Entfernung zwischen Berlin und ihrer Heimat beträgt 516,72 km.
Nach dem Abitur und einer bestandenen Staatsprüfung hat sich Magda entschieden, in Deutschland zu studieren. In der Hauptstadt Polens ist sie bilingual aufgewachsen – „ich dachte mir, ich könnte das nutzen“.Magda
Polen sei nicht weit weg, gleichzeitig sei ein Besuch der Familie immer mit einer kleinen Rundreise verbunden, da alle Familienmitglieder in Polen verteilt wären- besonders in Breslau, wo Magda geboren wurde. „Wir stehen die ganzeZeit in Kontakt, das finde ich wichtig“.

Viele ihrer Freunde studieren auch in Deutschland, keiner in Berlin, jedoch vermehrt in Frankfurt an der Oder „[Frankfurt] ist nicht ganz in Deutschland und auch nicht ganz in Polen“, zitiert sie lächelnd den deutschen Kabarettisten Steffen Möller, der in Polen mittlerweile seine Wahlheimat gefunden hat.

Im Großen und Ganzen ist sie aber zufrieden damit, alleine nach Berlin gereist zu sein. Der Vorteil bestehe darin kontaktfreudiger gegenüber Fremden zu sein. Ihre erste Erfahrung mit Deutschland hat sie schon im Alter von fünf Jahren gemacht. In einem Kindergarten in Polen, der mit dem deutschen Konsulat zusammen arbeitet, wurden Kinder aus Deutschland und Polen in Gruppen gemischt. Von zwei Betreuerin war einer jeweils deutsch beziehungsweise polnisch:
Ab und zu habe ich Zuhause unbewusst deutsch mit meinen Eltern gesprochen“. Auf die Frage, ob sie einen Unterschied zwischen den deutschen und den polnischen Kindern feststellen konnte antwortet sie schlicht:
„Wir waren einfach Kinder“.

Mehrere Jahre später bot sich ihr somit die Möglichkeit auf ein Studium in Deutschland in der Fachrichtung Volkswirtschaftslehre.
Berlin und Warschau seien gar nicht so unterschiedlich: „ z.B. [den] Prenzlauer Berg könnte man mit [dem Warschauer Bezirk] Powisle vergleichen“.

Auch auf kulinarischer Ebene lassen sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Deutschland und Polen finden. „Ich koche sehr gern…“ sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln. Sie experimentiert gern in der Küche. Lebensmittel seien im Vergleich zu den polnischen sehr ähnlich, dennoch gäbe es den ein oder anderen feinen Unterschied, der beispielsweise für die Zubereitung der berühmten Maultauschen pierogi von Bedeutung sei.

 

  • Wie würdest du dich mit drei Worten beschreiben?

    „ironisch, weltfreudig, kontaktfreudig“.

Das Portrait ist entstanden im Rahmen des Kurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Centers an der Humboldt Universität

Ayan Filipino Streetfood: Das ist es!

Von Gastbloggerin Lisa

Seit einem Jahr kann man im „Ayan Filipino Streetfood“ traditionell philippinisch essen gehen und einen besonderen Teil der Potsdamer Straße auf sich wirken lassen.

Von der Potsdamer Brücke aus sind es fünf Minuten Fußweg zum „Ayan Filipino Streetfood“. Vorbei an Carglass, der Galerie Michael Janssen und dem Blumenstudio Bohner. Ein Kontrastprogramm zum aufgedonnerten Potsdamer Platz, von dem ich gerade komme. „Ayan“ lässt sich hier leicht als neuer Laden identifizieren. Weiterlesen

Die vergessene Ära – Schönebergs Underground Szene

Von Gastblogger Alexander

Das Publikum kocht, der Boden bläht sich, die Wände rücken näher, die Luft ist dünn, Schweiß fließt in Strömen. Von der Bühne kreischt eine ewig junge Stimme der ersten Punkrock Generation, gesellschaftskritisch bis auf den letzten Knochen.

Der Bezirk Schöneberg war einst das Zentrum West-Berlins voll mit brodelndem Nachtleben und einer ergiebigen Kulturszene. In Klubs wie dem „Risiko“, der „Ruine“ oder dem „Dschungel“ spielte sich die Musikszene der 80er Jahre auf und ab. Die Westberliner Musikikone Blixa Bargeld gründete hier die Band „Einstürzende Neubaute“, Nick Cave formierte hier aufs Neue das Projekt „Nick Cave and the Bad Seeds“ und David Bowie fand hier zusammen mit Iggy Pop neue Inspiration für weitere Werke.

Der westliche Teil Berlins, eine westdeutsche Enklave inmitten der DDR, war dafür wie geschaffen, denn man wurde hier mit Subventionen regelrecht überschüttet. Es gab keinen Wehrdienst, geringere Steuersätze, niedrigere Preise und größere Freizügigkeit, welche man woanders so nicht kannte. Ausschlaggebend war jedoch die große Menge an Künstlern, welche der Stadt eine enorme Anziehungskraft verliehen. Gleichgesinnte aus aller Welt strömten nach West-Berlin, einem Kreativmekka der besonderen Art. Doch wie viel ist heute noch vom ruppigen Geist der wilden 80er in Schöneberg zu spüren?

Vereinsmitglied Jack an der Bar im Ex'n'Pop e.V.

Ex’n’Pop Vereinsmitglied Jack an der Bar im Ex’n’Pop e.V.

Der anarchistische Geist scheint nur noch im Gedächtnis geblieben zu sein, die Underground Szene ist so gut wie verschwunden und zahlreiche Klubs haben geschlossen. Nun säumen Matratzenläden und Apotheken all die glorreichen Ecken aus den alten Zeiten. Der zuvor stets in der Luft schwebende Nonkonformismus Westberlins scheint nicht mehr zu halten. „Der Staat ist nun viel präsenter geworden“, sagte Jack, ein Mitglied der damaligen Korona. „Das Parken auf dem Bürgersteig“, fügte er hinzu, „eine Lappalie nach damaliger Sicht und heute symbolträchtig für die ganze Entwicklung, ist nicht mehr möglich.“

Ein Stück jener Zeit wurde jedoch trotz zahlreicher Schließungen und Umzüge im Ex’n’Pop e.V. auf der Potsdamer Straße 157 erhalten. Ein Ort, den man heutzutage leicht übersehen kann, denn es finden sich hier keine großen Aushänge, offene Türen oder generell Fenster. Auffällig sind nur die auf dem Bürgersteig stehenden Badewannen gefüllt mit ungezähmter Natur. Nichts verrät jedoch über das wilde Treiben im Inneren. Der einzige Weg um hinter die Fassade zu blicken führt nach 22:00 Uhr an der Klingel, einer rabenschwarzen Schleuse und der Gesichtskon­t­rol­le vorbei.

Das Ex'n'Pop in der Potsdamer Straße 157

Das Ex’n’Pop in der Potsdamer Straße 157

Das Ex’n’Pop gibt es schon seit 30 Jahren und seit 2001 wurde daraus ein Verein. Die Betreiber sehen sich als eine Art Forum für alle möglichen kulturellen Veranstaltungen. Man bietet hier dem eingeweihten Publikum je nach Programm Musik, Theater, Kino oder Lesungen. Wenn jemand keinen Platz für seine Musik in der strikt kommerziell orientierten Nachbarschaft findet, kann er sich immer an den Verein wenden. So spielen hier freitags und sonnabends Bands aller Stilrichtungen und Gewichtsklassen. Von Anfängern über Underground-Bands bis Rock-Legenden, alle finden sie ihren Weg ins Ex’n’Pop.

T.V. Smith auf der Bühne im Ex'n'Pop.

T.V. Smith auf der Bühne im Ex’n’Pop.

So auch T.V. Smith, eine in Vergessenheit geratene englische Punkrockgröße. Dürr, eckig und kantig in eng anliegende Stofffetzen gehüllt, verbreitet er von der Bühne mit durchdringender Stimme eine ungewohnt vertrauenserweckende Atmosphäre. Die Worte fließen mal hypnotisch weich, mal zerrissen und scharf. Das Gesicht singt mit jeder Gesichtsfalte bis zur letzten Gefühlswallung mit. Nach fast 40 Jahren auf der Bühne scheint bereits jedes einzelne Wort mehrfach durchlitten und sorgfältig in Songs verpackt zu sein. Die rohe und ungeschliffene Wände des Ex’n’Pop bieten eine Lebensfülle, wie man sie woanders noch zu finden vermag. Punk’s not dead at Potsdamer Straße!

Leben mit Hund im Kiez um die Potsdamer Straße

Von HU-Gastbloggerin Vanessa

Auf dem Spaziergang durch den Kiez mit unserem Kurs der Humboldt-Uni fragte ich mich, wie wohl das Leben mit Hund hier wäre. Welche Vor- und Nachteile oder Besonderheiten bietet die Gegend um den Kiez der Potsdamer Straße für Hundehalter*innen und ihre Vierbeiner?

Der Eingang zum Hundeplatz

Der Eingang zum Hundeplatz

Ich mache mich also mit meinem eigenen Hund Dexter auf den Weg aus Neukölln nach Schöneberg, zuerst einmal Kontakte knüpfen auf dem Hundeplatz im Gleisdreieckpark.
Hundeplätze meide ich in der Regel lieber, weil die Menschen ihre Hunde dort oft machen lassen, was sie wollen und es deshalb regelmäßig Stress unter den Hunden gibt. So leider auch hier. Zur „Begrüßung“ bekommt mein Hund als erstes von einem Golden Retriever auf die Mütze, dessen Ball er zu nahe gekommen ist. Ich bitte die Frau, den Ball einzupacken, ernte aber nur einen bösen Blick.
Kurze Zeit später ist sie weg. Schon hängt der nächste Hund, ein Terrier, an meinem dran und belästigt ihn unentwegt. Als dann noch ein zweiter, ebenfalls ein Terrier, Interesse zeigt, kommt es zur Klopperei. Auch diese zwei Streithähne verschwinden kurz darauf.

Mein Begleiter Dexter

Mein Begleiter Dexter

Nun ist Ruhe und ich kann mit Manuel sprechen, der mit seiner zweijährigen Französischen Bulldogge Cash – benannt nach Johnny Cash – auf dem Platz ist. Unsere Hunde verstehen sich gut und wir haben Gelegenheit für ein nettes Gespräch. Manuel wohnt im Kiez und ist Stammgast auf dem Hundeplatz im Gleisdreieckpark. Cash benötige nicht so viel Auslauf, nach einer Runde Toben und Ballspielen auf dem Platz sei er glücklich. Trotzdem wünscht sich Manuel, der eingezäunte Bereich wäre größer. Das ist auch mir gleich aufgefallen – viel Platz ist hier wirklich nicht. Da ist es auch kein Wunder, dass vom Rasen nicht mehr viel übrig und es sehr staubig ist. Mit meiner schwarzen Hose und meinem schwarzen Hund, der sich gerne mal auf dem Boden wälzt, wird man uns den Besuch hier noch den Rest des Tages ansehen.
Durch den Mangel an anderen Möglichkeiten im Kiez, den Hund mal von der Leine zu lassen, kenne man sich hier im Gleisdreieckpark, erzählt Manuel. Er trifft sich hier regelmäßig mit anderen Besitzer*innen Französischer Bulldoggen – jedes Mal ein großer Spaß für Mensch und Tier. Hin und wieder würde er auch mal in das beliebte große Hundeauslaufgebiet im Grunewald fahren für ausgedehntere Spaziergänge, aber um die Ecke wäre das ja auch nicht gerade.

Leerer Kotbeutelspender, machte sich leider auch auf dem Platz bemerkbar

Leerer Kotbeutelspender, machte sich leider auch auf dem Platz bemerkbar

Ein weiterer Hund auf dem Platz ist Susi, eine Mischlingshündin, ca. 10 Jahre alt. Susi ist jedoch nicht mit ihrer Besitzerin unterwegs, sondern mit Freundinnen von ihr, eine davon Mascha. Auch wenn sie nicht alles über Susis Alltag weiß, ergibt sich ein interessanter und netter Gedankenaustausch Es stellt sich heraus, dass Susis Frauchen einen Laden für Hundebedarf, handgefertigten Hundeschmuck und Accessoires hat. Das Geschäft mit dem Namen SusiWau befindet sich auf der anderen Seite des Parks in der Hornstraße. Eins der selbstgemachten Halsbänder trägt Susi gerade und eigentlich wären sie auf dem Platz, um Fotos von Susi zu machen, damit Mascha Susis Portrait auf eine Tasche malen könne. Sie ist Künstlerin und verkauft handbemalte Taschen.
Ich frage, warum sie mit Susi spazieren gehen, abgesehen vom heutigen Fototermin. Der Hund hätte Probleme mit dem Alleinbleiben und ihnen würde es viel Spaß machen, sich zeitweise um Susi zu kümmern. Da ich ein ähnliches Problem habe, kommt uns die Idee eines Kiez-Netzwerks für Hundebesitzer*innen, die gegenseitig mal auf ihre Vierbeiner aufpassen könnten, als Gelegenheit für Teenager, um sich das Taschengeld aufzubessern, oder Menschen, die einfach keinen eigenen Hund halten können, aber trotzdem gerne Vierbeiner um sich herum haben. Durchaus eine spannende Idee, die es sich zu verfolgen lohnt, aber ich muss hier leider passen, da ich ja aus einer ganz anderen Ecke Berlins komme.

True Filou, Bülowstr. 65

True Filou, Bülowstr. 65

Viel mehr los ist an diesem Nachmittag auf dem Hundeplatz im Gleisdreieckpark nicht, aber mein Hund hatte Spaß und ich konnte einen guten ersten Eindruck gewinnen.
Wir ziehen weiter in die Bülowstraße. Dort befindet sich true FILOU, ein kleines aber feines Geschäft für Hunde- und Katzenaccessoires. Den Laden in der Nr. 65 gibt es seit Dezember 2012 und es war nicht einfach, passende Räume und einen Vermieter zu finden, der sich für die Geschäftsidee begeistern ließ, erzählt mir Inhaberin Ana-Luisa Buthenhoff. Diese Geschäftsidee besteht zum einen Teil aus dem Ladengeschäft, zum anderen aus einem Online-Shop. Die Kundinnen und Kunden, die den Laden besuchen, kämen sowohl aus dem Kiez als auch aus dem Rest Berlins und Umgebung. Gute Beratung spricht sich herum, davon kann ich mich direkt vor Ort überzeugen. Ana-Luisa Buthenhoff zeigt mir das Biothane (ein besonders robuster Kunststoff, den es in vielen verschiedenen Farben gibt), aus dem sie selbst Leinen und Halsbänder nach Maß anfertigt. Außerdem darf mein Hund ein paar Maulkörbe anprobieren. Ladenhund Satchmo lässt ihn dabei nicht aus den Augen und auch bei mir holt sich der freundliche Mischling hinter der Theke ein paar Streicheleinheiten ab. Ich verabschiede mich für heute und werde bestimmt noch mal zum Einkaufen zurück kehren.

Wir spazieren noch ein wenig durch den Kiez und ich ziehe ein Fazit des heutigen Tages. Die Hunde und ihre Menschen unterscheiden sich auf jeden Fall nicht groß von denen in anderen Teilen Berlins. Es gibt freundliche und es gibt weniger freundliche, das ist halt überall so. Die Umgebung kam mir mit meinem Hund, der viel Auslauf im Grünen gewohnt ist, nicht ganz ideal vor. Der Hundeplatz im Gleisdreieckpark ist klein und schmutzig und kann einen ausgedehnten Spaziergang niemals ersetzen. Der Rest des Parks werde relativ streng vom Ordnungsamt überwacht, wurde mir erzählt, ein Spaziergang ohne Leine sei dort fast unmöglich. Was bleibt da noch? Der Tiergarten, in dem ebenfalls Leinenpflicht gilt? Der Grunewald, das nächste größere offizielle Hundeauslaufgebiet, das allerdings deutlich weiter weg ist? Es müssen auf jeden Fall größere Strecken zurück gelegt werden, ohne Auto umständlich.
Die sonstige kanine Infrastruktur ist jedoch gut – auch bei Hellweg gibt es eine Zooabteilung und diverse Tierärzt*innen stehen im Kiez ebenfalls zur Verfügung. Mit einem weniger lauffreudigen Hund oder einem Auto lässt es sich hier bestimmt gut leben, für Dexter und mich geht es jetzt aber zurück nach Neukölln.

Auf den Spuren der Salons der 20er

von Gastbloggerin Angelina

Auf den Spuren der Salons der 20er

Image-0089_hochformatAm Eingang Sandstein –Stuckfassade. Durch die Einfahrt warten weiß verklinkerte Hinterhöfe. In hörbarer Nähe die Potsdamer Straße, die den Feierabend durch Busse und Autos einläutet. Hindurch zum zweiten Hinterhof. In den ersten Stock des ehemaligen Maggi-Hauses. Plötzliche Ruhe. In einigen Ecken hört man noch Leute in dem alten industriellen Haus arbeiten.

So auch Ralph Mayer. Er ist noch in einem Gespräch. Die Tür zum Büro steht offen. Ich sehe einen großen Loft. In einem Regal sehe ich zwischen Diercke Atlas, BGB und der Bibel, Kant und Wagners Tannhäuser, Bücher über das MOMA Berlin, über Stillleben und ein dickes Buch über die Potsdamer Straße. Auf seiner Internetseite beschreibt sich Mayer selbst als: „Bekennender Kunstfan, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat.“ Weiterlesen

Jahrhundertwende an der Potsdamer Straße

Von HU-Gastblogger Pascal

Während eines Interviews mit dem Direktor des Berliner Hotels „Alt-Berlin“ kommen familiäre Geschichte, persönliche Ambitionen und das Hotel an der Potsdamer Straße zur Rede. Wir fingen mit seiner Mitgliedschaft in der Interessengemeinschaft Potsdamer Straße an.

DSC00520Im Innenhof neben den restaurierten Brunnen fand das Interview statt. Es begann mit Fragen um sein Gewerbe. Der Direktor des Hotel Altberlin betont den Charme und das Ambiente seines Hauses. Es ist im Stil der Gründerzeit gehalten, vom Interieur bis zum Kleidungsstil der Angestellten.  Das Hotel ist außerdem Mitglied im „Verbund für historische Gasthäuser und Hotels“ und gleichzeitig das einzige aus Berlin. Seine Eltern sind Gesellschafter des Hotels, speziell seine Mutter hatte die Idee für das Ambiente im Stil der Jahrhundertwende. Von ihr stammt auch „Rikes Gasthaus“, wo Gäste mit den preußischen Rezepten seiner Urgroßmutter gespeist werden. Rikes Gasthaus ist im Hotel ansässig. Weiterlesen