Schlagwort-Archiv: Kinder

Wachsenlassen und die Grüne Bibliothek

Von HU-Gastbloggerin Luna

Wenn im Frühling die ersten Maiglöckchen zum Vorschein kommen, dann möchte man manchmal dem Alltag entfliehen und einfach die Natur genießen.

Im Gemeinschaftsgarten Wachsenlassen in der Kluckstraße 11 in Tiergarten-Süd wird den Bürgern des Kiezes genau das ermöglicht. Und wer sich vorher mit dem Thema urbanem Gärtnern vertraut machen möchte, kann in der anliegenden Grünen Bibliothek in einem der vielen Bücher zu diesem Thema schmökern.

Grüne Biblio2,1Das Fortbestehen der Bibliothek verdankt sich engagierten Bürgern, die sich im Januar 2013 zusammengeschlossen haben, um die von Schließung bedrohte Bibliothek Tiergarten Süd weiterzuführen. Gemeinsam mit dem Amt für Weiterbildung & Kultur Berlin-Mitte, Fachbereich Bibliotheken, dem Stadtteilverein Tiergarten e.V. und der IG Bibliotheken, haben sie das Konzept der Grünen Bibliothek entworfen. Sie ist ein generationsübergreifendes und interkulturelles Projekt, das Angebote im Bereich Urbanes Gärtnern, Do It Yourself und Sprach- und Leseförderung anbietet. Weiterlesen

O-TonArt Theater? Ja, unbedingt!

Von HU-Gastblogger Kay

Das Schöneberger Kieztheater kämpft ums Überleben. Es geht dabei um mehr als einen Kleinkunstbetrieb. Es ist auch die Frage nach dem Kulturverständnis einer ganzen Stadt.

Kürzlich ist mir zum ersten Mal ein Satz über Berlin zu Ohren gekommen, der normalerweise nur über Städte wie New York, Paris oder London geäußert wird: Das Tolle an Berlin sei ja, dass man zu jeder Zeit so viele verschiedene Dinge machen könne, dass man auch ruhig mal zu Hause bleiben könne.

Mal davon abgesehen, dass der kausale Zusammenhang zwischen der Vielfältigkeit der Erlebnismöglichkeiten und der Entscheidung, in seiner Wohnung zu bleiben, während draußen das wilde Leben tobt, sich mir nicht in Gänze erschließen mag, will ich nicht anzweifeln, dass das Zuhause-bleiben seinen ganz eigenen Reiz haben kann. Was allerdings die vielfältigen Erlebnismöglichkeiten angeht, so möchte ich zwar nicht laut und bestimmt widersprechen, aber doch ein wenig grüblerisch die Stirn in Falten legen. Weiterlesen

Und alle helfen mit

Von HU-Gastblogger Carsten.

Der 2003 gegründete, gemeinnützige Verein “Förderverein der Allegro-Grundschule e.V.” besteht aus Lehrern, Erziehern, Eltern und Freunden der Schule. Alle 56 Mitglieder arbeiten ehrenamtlich und auch die Kinder können sich aktiv einbringen. Die Mitglieder versuchen die pädagogische Arbeit an der Schule in allen Bereichen möglichst gut zu unterstützen und zu fördern. Dafür wurden mehrere Projekte und Aktionen ins Leben gerufen, denen noch viele weitere folgen sollen.

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Da die Allegro-Grundschule nur Gelder vom Staat über einen immer geringer werdenden Etat verwalten darf, wurde der Förderverein ins Leben gerufen. Dieser darf im Gegensatz zur Schule auch Spenden sammeln und damit gezielt Projekte mit Geldern außerhalb dieses staatlichen Etats finanzieren.

Der Verein beschränkt sich jedoch nicht nur auf Finanzielles. Ein ebenso wichtiger Bestandteil der Vereinsarbeit ist die aktive Beteiligung am schulischen Geschehen. Durch die enge Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern lässt sich der Lernweg der Kinder deutlich besser fördern. Ausdruck findet diese Zusammenarbeit z. B. in Form von Projekten zur Erlernung einer ausgewogenen Ernährung schon während der Schulzeit.

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Die Gertrud-Kolmar-Bibliothek

Von HU-Gastblogger Ulrich

Die Gertrud-Kolmar-Bibliothek in der Pallasstr. 27 blickt auf eine über hundertjährige Geschichte zurück und gehört zu den wichtigsten Bildungseinrichtungen im Schöneberger Norden. Durch den Ausbau ihres interkulturellen Angebots konnte sie ihre Besucherzahlen in den vergangenen Jahren erheblich steigern. 2012 wurde ihre geplante Schließung vorerst abgewendet, ihr Erhalt ist jedoch weiter vom kommunalen Sparwillen bedroht. „Ist eine dezentrale Bibliothek in einem Gebiet wie dem Schöneberger
Norden notwendig? Ich sage ja, weil man nur hier Kinder und Jugendliche fürs Lesen gewinnen kann, nicht in den Zentralbibliotheken“, sagt Quartierst Bertram von Boxberg. Er empfiehlt auch unkonventionelle Massnahmen der Solidarität. 

 

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Von freilaufenden Kaninchen und Diskriminierung

von HU-Blogger Christoph

Das Freizeitzentrum in der Kluckstraße ist ein Ort der Begegnung unterschiedlichster Menschen. FiPP, KomBi und Gladt – von einer Initiative zur Gartenarbeit mit Kindern, über eine Selbst-Organisation zur Hilfe bei Diskrimierung bis hin zu einer Fortbildungsinitiative für Lehrkräfte.

Wenn man in dem großen Garten in der Kluckstraße unterwegs ist, sieht man überall fleißige Gärtner_innen. Auch hinter mir raschelt es im Gebüsch. Sophia ist gerade dabei einen kleinen Graben auszuheben. Das aktuelle Projekt heißt „Bauerngarten“, wie ich erfahre.

Doch gibt es da ein kleines Problem: die freilaufenden Kaninchen. Wenn man etwas ernten will, muss also ein Zaun her. In Zusammenarbeit mit dem ‚Produktionsschule Sägewerk Grunewald‘ soll in dieser Woche ein traditioneller Lattenzaun gesetzt werden.

Bereits seit zwei Jahren läuft das Projekt „Wachsen lassen“, was man dem eindrucksvollen Garten ansieht. Das Angebot ist sehr vielfältig. Von der Arbeit mit Kleinkindern, dem Brotbacken im Lehmofen, über kleinere Gartenprojekte von Anwohner_innen bis zum Anbauen von Gemüse. Bei vielen kreativen Projekten hilft eine Künstlerin mit. So soll der neue Zaun auch später von den Kindern bemalt werden, erzählt mir Gabriele und ihre Augen leuchten dabei.

Gemeinsam Freizeit haben

Nicht weit entfernt hört man Kinder. Es wird gerade Fußball gespielt. Das Match wird kurz unterbrochen. Jan muss sich die Schuhe zumachen und Olé will einen Schluck trinken. Auch Jasmin spielt mit. Eine bunt gemischte Truppe eben.

Die großen Doppeltüren des Gebäudes stehen zum Hof hin offen, jede_r ist in den Räumlichkeiten willkommen. Einige Kinder sitzen und basteln, andere sind am Kicker aktiv. Es ist eine herzliche und vergnügte Atmosphäre.

Hier treffen sich vor allem Kinder und Jugendliche aus dem Stadtteil. Es ist ein Spiegel der Kulturen im Kiez. Ein Ort der Vielfalt, indem Menschen mit unterschiedlichen sozialen Herkünften, Sprachkompetenzen, geschlechtlichen Identitäten, Befähigungen und religiösen Anschauungen aufeinander treffen. Sicher nicht immer reibungslos.

Fotos: Gabriele Koll

Hilfe bei Diskriminierung – die Initiativen Gladt und KomBi

Im ersten Stock des Mehrzweckhauses sind die Initiativen Gladt und KomBi zuhause. Beide Organisationen setzen sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen (LSBT) ein.

Gladt ist die einzige unabhängige Selbst-Organisation, von türkeistämmigen LSBTs in Deutschland. Das Angebot richtet sich nicht nur explizit an queere Migrant_innen, sondern auch speziell an deren Angehörige und Freunde. Es werden kostenlose Beratungen zu zahlreichen Themen angeboten, die anonym und bei Bedarf auf verschieden Sprachen durchgeführt werden können.

Die Referent_innen sind unterwegs in unterschiedlichen Einrichtungen im Kiez, von der geschlechtsneutralen Erziehung in Kitas bis hin zu Gesprächsrunden in Seniorenresidenzen.

Entscheidend ist der Ansatz der Mehrfachdiskriminierung erläutert Tuğba, als eine der Projektkoordinator_innen. Die Betroffenen sind oft Opfer verschiedener Formen von Diskriminierungen, wie Homophobie, Rassismus oder Transphobie.

Die Organisation ist international aufgestellt, veröffentlicht Infomaterialien unter anderem dreisprachig und arbeitet momentan mit einer Gruppe aus Spanien zusammen.

Fortbildung von Lehrer_innen bei KomBi

Das Angebot von KomBi (Kommunikation und Bildung) richtet sich neben Schulklassen vor allem an Sozialarbeiter_innen, Erzieher_innen oder Lehrer_innen. In ein- bis zweitägigen Seminaren wird konkret zu Themen geschlechtlicher und sexueller Vielfalt fortgebildet. Gefördert werden die Projekte im Rahmen der Abgeordnetenhaus-Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz Sexueller Vielfalt“. Dies geschieht im Rahmen der Bildungsinitiative QUEERFORMAT, einem Trägerverbund von KomBi und Abqueer (Aufklärung und Beratung zu queeren Lebensweisen).

Was kann ich als Pädagog_in gegen Diskriminierung unternehmen? Wie kann ich Jugendliche beim Coming Out unterstützen? Wie kann ich Themen sexueller Vielfalt angemessen in meiner Arbeit berücksichtigen? Auf diese Fragen wird in den Seminaren eingegangen.

Im letzten Jahr veranstaltete QUEERFORMAT viele Seminare für Pädagog_innen im Bezirk Mitte.

Bei ihrer Arbeit treffen die Mitarbeiter_innen nicht nur auf Gegenliebe, aber umso wichtiger ist die Sensibilisierung der Pädagog_innen für diese Themen.

Mein Besuch in der Kluckstrasse war ein interessanter Auflug in die Arbeit mit Kinder und Jugendlichen. Es wird bestimmt nicht der letzte gewesen sein, da es noch andere spannende Initiativen unter dem Dach kennenzulernen gibt.

 

Flinke Finger statt fiese Fäuste. Musik an der Allegro-Grundschule

von HU-Gastbloggerin Katarina Wagner

Musik macht Kinder selbstbewusst. Musik macht Kinder schlau. Musik macht Kinder sozial kompetent. Das sind die oft angeführten Ergebnisse von diversen Studien zur Auswirkung von Musikerziehung. Allerdings kann es doch etwas anstrengend für ein Kind sein, wenn es eigentlich mehr Lust hätte, frei zu spielen. Umso besser erscheint also die Idee, Musikunterricht in den Schulen auszubauen, wo die Kinder miteinander, im Klassenverband oder im Schulorchester musizieren können und das Ganze dann auch vorstellen können.

Das passiert in der Allegro-Grundschule in der Lützowstraße. In deren Aula sitze ich bei einer Infoveranstaltung. Übrigens eine sehr schöne, große Aula. Farbig bemalte, hohe Wände, großen Fenstern und auf der Bühne und auf Tischen sehe ich Überbleibsel der vergangenen Leseprojektwoche: Die Kinder haben Wörterschatzkisten und Köpfe aus Pappmaché mit Worthaaren gebastelt.

Die Schule ist im August 2010 aus der Fusion der Grips Grundschule mit der Fritzlar-Homberg-Grundschule entstanden. Die erste brachte das Leseprofil mit und die zweite die Musikbetonung.  Deswegen gibt es in dem riesigen Schulgebäude eine Bibliothek, in jedem Klassenzimmer Leseecken und viele Musikräume für die AG´s und den regulären Musikunterricht.

Musik! Kostenlos und für alle

Die Musikbetonung bringt allerdings keine Kosten für die Eltern mit sich, ein großer Vorteil gegenüber Privatunterricht. Der Instrumentalunterricht, das Spielen in einer Ensemblegruppe und das Ausleihen der Instrumente sind an der Allegro-Grundschule kostenlos. So hat jedes Kind die Möglichkeit Musik und Instrumente kennen und spielen zu lernen, gemeinsam zu üben und stolz aufzuführen und zwar unabhängig vom Geldbeutel oder Förderinteresse der Eltern, von Befähigung und Herkunft.

Miteinander und voneinander lernen

Und die Kinder kommen, typisch für den Kiez, aus Familien mit allen möglichen Nationalitäten und Migrationshintergründen. Das ist auch bei der Infoveranstaltung ein großes Thema. Manche Eltern befürchten wegen dadurch entstehender Konflikte ein schlechteres Lernklima an der Schule. Allerdings sind sich alle anwesenden Lehrer_innen einig, dass die Vielfalt an der Schule doch vor allem etwas Schönes ist.

Die Konrektorin Frau Varbelow zählt ungefähr 24 Nationalitäten auf der Schule, von denen aber eigentlich zurzeit keine überwiege. Die Kinder lernen nicht nur miteinander, sondern auch voneinander. Zum Beispiel bei den Ländertagen, an denen jedes Kind „sein“ Land und typische Musik und Gerichte vorstellt. Sie lernen also, andere (aus anderen Ländern und Kulturen und auch Kinder mit Behinderungen) zu akzeptieren und auch mit Konflikten umzugehen. So etwas könnte eine einzige Familie ja gar nicht leisten.

Flinke Finger statt fiese Fäuste

Gewaltprävention ist auch eines der Ziele des gemeinsamen Musizierens und all den anderen oft künstlerischen Projekten, bei denen die Schüler_innen lernen sich auszudrücken und zusammen zu arbeiten. Man kann natürlich nicht sagen, ob es ohne die Musikförderung an der Schule mehr Konflikte gäbe, allerdings sei hier auch keine übermäßige Aggressivität oder Ähnliches zu beobachten.

Ralph Braun, Leiter des Musikprofils, meint: „Unser subjektiver Eindruck ist, dass wir weniger Ausgrenzung haben. Schüler, die durch schlechte Leistungen im normalen Unterricht nicht akzeptiert wären, können durchaus durch eine Solostimme bei einer Aufführung mit dem Orchester unheimliche Anerkennung bekommen. Es gibt immer mal wieder Kommentare von Kollegen: ´Das ist ja toll, hätte ich nie gedacht, dass er so etwas kann, der ist ja wie ausgetauscht, da bin ich ja vollkommen beeindruckt.´

Der Musiklehrer erinnert sich: „Ich war erst einige Tage an der Schule und sah die Proben zu „Florian auf der Wolke“ und war so beeindruckt, dass mir fast die Tränen in den Augen vor Rührung standen. Ich hatte es nicht für möglich gehalten, was mit Schülern in diesem Alter möglich ist. Damit stand für mich der Entschluss fest, dass ich an dieser Schule bleiben möchte, so lange es irgend geht.”

Vom Klassenzimmer in die Philharmonie

Schon ab dem ersten Schuljahr werden alle Kinder in die Grundlagen der Musik eingeführt. Erstmal in die Rhythmik. Trommeln und so schwierig aussprechbare Sachen wie Xylophone. Dann kommt die Flöte im zweiten Schuljahr und dann, je nach Belieben, zum Beispiel die Geige oder die Gitarre. In der 4. Klasse kann noch dazu Schlagzeug gelernt werden, auch sehr beliebt.

„Es ist ja auch schön wenn die Kinder sehen, wie sie heranwachsen, wenn sie nicht mehr die Flöte brauchen, sondern schon Geige spielen können und das dann auch zeigen können. Das gibt ihnen schon viel Selbstbewusstsein, wenn sie dann auf der Bühne hochgejubelt werden. Vor allem die Schlagzeuger, das sind immer die Coolsten.“, erzählt Katrin Gödelitz, Lehrerin an der Schule, lächelnd.

Und die Kinder haben oft Möglichkeit, zu zeigen, was sie drauf haben, jedes Jahr gibt es die musischen Tage, bei denen jede Musik-AG und auch Klassenorchester auftreten. Manche Gruppen treten noch häufiger auf, z.B. bei Einschulungsfeiern, Schulkonzerten und –festen. Das Schulorchester hatte in den letzten Jahren sogar öffentliche Auftritte im ICC, im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, im Olympiastadion und im Roten Rathaus.

Frau Gödelitz bemerkt, dass die Musikbetonung der Schule in dem Sinne ja auch Elternbildung sei. „Viele der Eltern waren ja zum Beispiel noch nie in der Philharmonie und trauen sich ja dort auch gar nicht rein. Die Eltern werden also auch an klassische Musik herangeführt und haben mal Gelegenheit in ein Konzerthaus zu gehen.“

Es ist also tatsächlich eine Schule für alle: für Kinder jeglicher Herkunft und Befähigung und sogar die Eltern können noch was lernen

Eine tolle Zeit am Falk Realgymnasium

Von HU Gastblogger Ines Sieland

„Kein Kind darf allein gelassen werden“, sagt  Jutta Schauer-Oldenburg.
Wir sitzen bei einer Tasse Tee in ihrer gemütlichen Wohnung in Berlin-Moabit. Die 72 Jahre merkt man ihr wirklich nicht an. Sie ist eine lebensfrohe Frau mit einem sehr guten Gedächtnis und nimmt mich mit auf eine Reise zurück in ihre Schulzeit.

Das Falk Realgymnasium war eine Mischung aus Realschule und Gymnasium, geteilt in einen technischen und wissenschaftlichen Zweig. Jutta Schauer Oldenburg besuchte von 1950 bis 1954 (7. bis 10. Klasse) den technischen Zweig und erwarb den Realschulabschluss.

In dem damaligen Gebäude ist heute die Grundschule Tiergarten-Süd untergebracht, welche 2010 aus der Fusion der Fritzlar-Homburg Schule mit der Grips-Grundschule entstanden ist.

Heutige Grundschule Tiergarten-Süd

Es war eine sehr bewegte Schulzeit: der Zweite Weltkrieg war vorbei, Nachkriegsjahre, Berlin war besetzt und geteilt. „Die Besetzungszeit haben wir durch den 17. Juni 1953 erlebt und die Nachkriegszeit an der Schulspeisung gemerkt“, erinnert sie sich. Sie strahlt, wenn sie an ihre Schulzeit zurückdenkt, denn es war eine „schöne Zeit“.

Die Schule hatte einen musischen und sportlichen Schwerpunkt. Es gab einen Schulchor, die Schüler konnten bei Theateraufführungen oder Sportwettkämpfen ihr Können unter Beweis stellen. Es wurde auch viel gefordert. Den Anspruch könnte man mit dem des heutigen Gymnasiums vergleichen, meint Jutta Schauer-Oldenburg.

Neben ihrem Vater hat sie auch ihr damaliger Schuldirektor Dr. Franke geprägt. „Er war sehr dafür, dass die jungen Menschen, die in seiner Obhut waren, auch etwas lernten. Aber er hat auch sehr viel Wert darauf gelegt, dass wir soziale Kompetenzen, wie Zivilcourage und Demokratieverständnis erlernten.“

Jutta Schauer-Oldenburg war 45 Jahre Krankenschwester mit ganzem Herzen und zeigt heute immer noch Zivilcourage. Sie engagiert sich als Quartiersrätin für ihren Kiez Moabit und ist als Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte tätig.

„Der Klassenverbund war spitze!“ sagt sie freudig über ihre Schulzeit. Noch heute haben die ehemaligen Schülerinnen und Schüler guten Kontakt und veranstalten regelmäßig Klassentreffen.

Verglichen mit der heutigen Zeit stellt sie fest, dass die sozialen und wirtschaftlichen Unterschiede nicht so groß waren. Es gab nicht so viel; man war auf dem gleichen Level. Die Schere zwischen arm und reich, Chancengleichheit und -ungleichheit ist heute viel größer.

Für Jutta Schauer-Oldenburg war die Schule sehr wichtig, denn sie war nicht nur Lernanstalt sondern gab auch Rüstzeug für das Leben mit. „Lernen ist der Faktor, um später Chancengleichheit zu haben und eine gesellschaftliche Teilhabe zu erleben. Die Kinder heute sind nicht schlechter oder besser als wir früher waren, doch sie scheinen irgendwie vergessen.“

Sie wünscht den Kindern eine solche Persönlichkeit, wie ihren Direktor
Dr. Franke, der ihnen etwas mit auf den Weg gibt. Die Schule muss stabilisieren. Es sind vielleicht kleine Einsteins, nur es merkt keiner.“, sagt sie. „Kein Kind darf allein gelassen werden.“

Nach der Schule ist vor der Schule – Nachhilfe bei Kiezbildung e.V.

Von HU-Gastblogger Verena Schöbel

Draußen dämmert es schon, als Feti Bayram in der Kluckstr. 11 die Treppen zum 2. Stock erklimmt. Bis zu unserem Treffen war er noch unterwegs und in einer halben Stunde muss er auch schon wieder weg – ein vielbeschäftigter Mann. Wir treten in einen kahlen Gang, von dem kahle Zimmer abgehen. „Noch sind wir noch nicht ganz angekommen, wir nutzen diese Räume erst seit Kurzem“, erklärt er.

‚Wir’ ist in diesem Fall die Kiezbildung Tiergarten e.V., eine von engagierten Eltern gegründete Initiative, die sich vor allem um schulische Nachhilfe für Kinder im Kiez kümmert. Die Idee zu diesem Projekt ist entstanden, als zwei vom Senat geförderte Nachhilfeprojekte aus finanziellen Gründen eingestellt wurden. So war Eigenengagement der Eltern gefragt, welches leider auch mit einigen Problemen einhergeht: Da die Initiative ehrenamtlich ist, gibt es keine Einnahmequelle, und wo kein Geld ist, kann weder Miete noch Mitarbeiter bezahlt werden. Kiezbildung Tiergarten e.V. ist daher auf kostenlose Räume sowie auf freiwillige Helfer angewiesen.

Momentan unterrichten in der Kluckstraße circa fünf Eltern und einige weitere Anwohner des Kiezes um die 15 Grundschüler jeweils montags und freitags ab 18 Uhr. Bis zu den Sommerferien dürfen sie den zweiten Stock des Jugendtreffs nutzen, dann muss neu verhandelt werden.

Bringt Licht ins Dunkel: Nachhilfe der Kiezbildung e.V. in der Kluckstraße (2.OG)

Gerne würde Herr Bayram das Angebot ausbauen und mehr Schüler betreuen, denn die Nachfrage ist riesig. Doch es mangelt an Helfern. „Es wäre schön, wenn wir auch Oberschülern helfen und sie auf den Schulabschluss vorbereiten könnten. Dazu benötigen wir aber Lehrer.“ Und die sind noch nicht in Sicht.

Als zweites großes Ziel will sich Kiezbildung Tiergarten e.V. auch der Beratung von Eltern und Senioren widmen. Viele ältere Anwohner sprechen nur geringfügig deutsch und sind mit Amtsgängen und dem deutschen Schulsystem überfordert, weiß Feti Bayram zu berichten. Informationen sickern meist nicht bis zu ihnen durch, so wissen schätzungsweise nur 1-2 % der ausländischen Eltern, dass sie ihre Grundschulkinder nach der vierten Klasse auch auf ein Gymnasium schicken können. Empfehlungen dafür werden von der Schule kaum ausgeschrieben – „die Lehrer wollen die guten Schüler solange wie möglich in der Grundschule halten.

Spricht Herr Bayram über die Schule und die dortigen Probleme, merkt man sofort: Bildung ist sein Thema hier im Kiez. Hier sieht er die größten Probleme und den Schlüssel zu einer gelungenen Integration. Es fange schon damit an, dass die Grundschule Tiergarten-Süd eine Ganztagsschule ist und damit ein außerschulisches Nachhilfeangebot eigentlich überflüssig macht. Zumindest in der Theorie. In der Realität kommen die Schüler abends trotzdem mit ungelösten Hausaufgaben nach Hause.

Auch befinden sich in den Klassen kaum deutsche Schüler, da die deutschen Familien im Kiez ihre Kinder lieber auf außerhalb liegende Schulen verteilen: „Die Deutschen haben Angst, dass ihre Kinder schlechter in der Schule werden, wenn sie mit zu vielen ausländischen Kindern in einer Klasse sind. Da stellt sich doch die Frage, wer sich hier nicht integriert.

Eine Mitschuld am negativen Bild von ausländischen Jugendlichen und Kindern sieht Herr Bayram auch bei den Medien, die in Sachen Integration konstant über Negativbeispiele berichten. „Wenn den Kindern ständig vorgehalten wird ‚So seid ihr!’, dann ist es ihnen irgendwann egal und sie denken sich ‚Nagut, dann sind wir halt so’“, sagt er. Und „wir brauchen mehr Positivbeispiele in den Medien, Cem Özdemir zum Beispiel.

Am Ende des Interviews ist klar: Feti Bayram ist wütend, und das zu Recht. Engagiert man sich in der Bildungs- und Integrationsarbeit, ist der Aufwand hoch und der Ertrag verhältnismäßig klein. Doch er gibt nicht auf und hofft, dass sich auch die neue Initiative Kiezbildung Tiergarten e.V. langfristig etablieren und ausbauen lässt.

Mit einem Schulhof-Schwimmbad gelingt jede Fusion

Die Endjahresferien 2010 haben sich die SchülerInnen der Grundschule Tiergarten – Süd wirklich verdient.

Grundschule Tiergarten – Süd: hinter diesem Abstraktum verbergen sich die ehemalige Grips-Grundschule und die Fritzlar-Homberg-Schule, die seit der Bekanntgabe ihrer Fusion vor mehr als einem Jahr einen wahren Wirbelwind hinter sich haben. Mit vielen Mitteln kämpften Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen der Grips- Grundschule gegen die Schließung, die angeblich aufgrund Mangel an zukünftigen SchülerInnen zustande kam.

Im Februar 2010 musste es auf einmal ganz ganz schnell gehen. Umzug hieß es, Fusion und damit Chaos und viel Konfrontion.

Denn die beiden Schulen hatten nicht nur unterschiedliche Profile – Grips / Lesen und Fritzlar-Homburg / Musik – sondern waren auch Ganztags- und Halbtagsschule. Die Grips-SchülerInnen sollten in die Fritzlar-Homberg-Schule ziehen, und es war nicht ganz klar, wie aus Gästen wirkliche MitschülerInnen werden könnten. Der Umzug bedeutete auch den Abschied von einer Direktorin. Außerdem war die Schule zu klein, deshalb musste das Lernhaus Pohlstraße leergemietet werden und diese Entwicklung bedeutete das Aus für VHS, Berufsberatung und andere Initiativen im Stadtteil.

(Warum musste es eigentlich alles so schnell gehen? Vom Collège Voltaire – einer französischen Privatgrundschule, die der staatlichen Pariser Zentralstelle für französische Auslandsschulen untersteht – fehlt bis heute jede Spur. An sie verkaufte der Bezirk Mitte das Gebäude, weil sie von Reinickendorf nach Tiergarten-Süd ziehen wollten. Doch die ehemalige Grips-Grundschule ist bis heute verwaist).

Zurück zu den Schulen. Wir alle haben schon Wohnungsumzüge erlebt, weitaus weniger Menschen den Umzug einer ganzen Firma – doch ein Schulumzug und dann gleich in eine Gemeinschaftsunterkunft und dann unter den oben beschriebenen negativen Vorzeichen.

Schön ist anders! Was also tun?

Theaterpädagogen der GRIPS Werke e.V. und dem GRIPS Theater Berlin mischten in einer Projektwerkstatt kurzerhand die SchülerInnen von sechs Klassen samt LehrerInnen und ErzieherInnen. An jeweils vier Tagen erkundeten sie Orte der neu-gemeinsamen Schule, spielten Theater, improvisierten, malten, erzählten, führten Interviews, erfanden Kurzszenen und machten Fotos.

Expedition Neuland – Logbuch einer Annäherung“

Dieses Kunst-Theaterspektakel kam Anfang Dezember auf die Bühne. Da waren Bolzplatz-Konflikte, Mediathek-Abenteuer, Flur-Rhythmen, eine Schulhofinsel „Neuland“ zu sehen. Nicht zu sehen war, welche Kinder nun aus welcher Schule kamen, welche LehrerIn schon länger kannten, wer sich was für den neu-oder-alten Schulhof wünschten und wer zuvor eher musiziert oder gelesen hatte.

Der Wunschschulhof

Publikum und Theaterleute waren sich einig: die Fusion funktioniert nicht nur auf der Bühne sondern auch im Alltag.

Dann auf ein Frohes Jahr 2011. Mit diesen Vorzeichen gelingt sicherlich auch die Reise zu einem neuen Namen.

Frisch gefeuert – Pizza ahoi

Der Lehmofen im Familiengarten Kluckstraße ist fertig. Ein großes Dankeschön an Jörg Borchardt, Anwohner und Quartiersrat, der die Bauarbeiten ehrenamtlich und mit viel zeitlichem Engagement betreut hat.

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Wo ist die Pizza? Wann ist es denn endlich soweit?

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Die Herstellung jeder Pizza erfolgt nach eigenen Rezepten, Herstellungmethoden und so ist die Freude und der Hunger noch mal doppelt so prima.

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Guten Appetit!