Tag Archives: Kinder

Von freilaufenden Kaninchen und Diskriminierung

von HU-Blogger Christoph

Das Freizeitzentrum in der Kluckstraße ist ein Ort der Begegnung unterschiedlichster Menschen. FiPP, KomBi und Gladt – von einer Initiative zur Gartenarbeit mit Kindern, über eine Selbst-Organisation zur Hilfe bei Diskrimierung bis hin zu einer Fortbildungsinitiative für Lehrkräfte.

Wenn man in dem großen Garten in der Kluckstraße unterwegs ist, sieht man überall fleißige Gärtner_innen. Auch hinter mir raschelt es im Gebüsch. Sophia ist gerade dabei einen kleinen Graben auszuheben. Das aktuelle Projekt heißt „Bauerngarten“, wie ich erfahre.

Doch gibt es da ein kleines Problem: die freilaufenden Kaninchen. Wenn man etwas ernten will, muss also ein Zaun her. In Zusammenarbeit mit dem ‘Produktionsschule Sägewerk Grunewald’ soll in dieser Woche ein traditioneller Lattenzaun gesetzt werden.

Bereits seit zwei Jahren läuft das Projekt „Wachsen lassen“, was man dem eindrucksvollen Garten ansieht. Das Angebot ist sehr vielfältig. Von der Arbeit mit Kleinkindern, dem Brotbacken im Lehmofen, über kleinere Gartenprojekte von Anwohner_innen bis zum Anbauen von Gemüse. Bei vielen kreativen Projekten hilft eine Künstlerin mit. So soll der neue Zaun auch später von den Kindern bemalt werden, erzählt mir Gabriele und ihre Augen leuchten dabei.

Gemeinsam Freizeit haben

Nicht weit entfernt hört man Kinder. Es wird gerade Fußball gespielt. Das Match wird kurz unterbrochen. Jan muss sich die Schuhe zumachen und Olé will einen Schluck trinken. Auch Jasmin spielt mit. Eine bunt gemischte Truppe eben.

Die großen Doppeltüren des Gebäudes stehen zum Hof hin offen, jede_r ist in den Räumlichkeiten willkommen. Einige Kinder sitzen und basteln, andere sind am Kicker aktiv. Es ist eine herzliche und vergnügte Atmosphäre.

Hier treffen sich vor allem Kinder und Jugendliche aus dem Stadtteil. Es ist ein Spiegel der Kulturen im Kiez. Ein Ort der Vielfalt, indem Menschen mit unterschiedlichen sozialen Herkünften, Sprachkompetenzen, geschlechtlichen Identitäten, Befähigungen und religiösen Anschauungen aufeinander treffen. Sicher nicht immer reibungslos.

Fotos: Gabriele Koll

Hilfe bei Diskriminierung – die Initiativen Gladt und KomBi

Im ersten Stock des Mehrzweckhauses sind die Initiativen Gladt und KomBi zuhause. Beide Organisationen setzen sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen (LSBT) ein.

Gladt ist die einzige unabhängige Selbst-Organisation, von türkeistämmigen LSBTs in Deutschland. Das Angebot richtet sich nicht nur explizit an queere Migrant_innen, sondern auch speziell an deren Angehörige und Freunde. Es werden kostenlose Beratungen zu zahlreichen Themen angeboten, die anonym und bei Bedarf auf verschieden Sprachen durchgeführt werden können.

Die Referent_innen sind unterwegs in unterschiedlichen Einrichtungen im Kiez, von der geschlechtsneutralen Erziehung in Kitas bis hin zu Gesprächsrunden in Seniorenresidenzen.

Entscheidend ist der Ansatz der Mehrfachdiskriminierung erläutert Tuğba, als eine der Projektkoordinator_innen. Die Betroffenen sind oft Opfer verschiedener Formen von Diskriminierungen, wie Homophobie, Rassismus oder Transphobie.

Die Organisation ist international aufgestellt, veröffentlicht Infomaterialien unter anderem dreisprachig und arbeitet momentan mit einer Gruppe aus Spanien zusammen.

Fortbildung von Lehrer_innen bei KomBi

Das Angebot von KomBi (Kommunikation und Bildung) richtet sich neben Schulklassen vor allem an Sozialarbeiter_innen, Erzieher_innen oder Lehrer_innen. In ein- bis zweitägigen Seminaren wird konkret zu Themen geschlechtlicher und sexueller Vielfalt fortgebildet. Gefördert werden die Projekte im Rahmen der Abgeordnetenhaus-Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz Sexueller Vielfalt“. Dies geschieht im Rahmen der Bildungsinitiative QUEERFORMAT, einem Trägerverbund von KomBi und Abqueer (Aufklärung und Beratung zu queeren Lebensweisen).

Was kann ich als Pädagog_in gegen Diskriminierung unternehmen? Wie kann ich Jugendliche beim Coming Out unterstützen? Wie kann ich Themen sexueller Vielfalt angemessen in meiner Arbeit berücksichtigen? Auf diese Fragen wird in den Seminaren eingegangen.

Im letzten Jahr veranstaltete QUEERFORMAT viele Seminare für Pädagog_innen im Bezirk Mitte.

Bei ihrer Arbeit treffen die Mitarbeiter_innen nicht nur auf Gegenliebe, aber umso wichtiger ist die Sensibilisierung der Pädagog_innen für diese Themen.

Mein Besuch in der Kluckstrasse war ein interessanter Auflug in die Arbeit mit Kinder und Jugendlichen. Es wird bestimmt nicht der letzte gewesen sein, da es noch andere spannende Initiativen unter dem Dach kennenzulernen gibt.

 

Flinke Finger statt fiese Fäuste. Musik an der Allegro-Grundschule

von HU-Gastbloggerin Katarina Wagner

Musik macht Kinder selbstbewusst. Musik macht Kinder schlau. Musik macht Kinder sozial kompetent. Das sind die oft angeführten Ergebnisse von diversen Studien zur Auswirkung von Musikerziehung. Allerdings kann es doch etwas anstrengend für ein Kind sein, wenn es eigentlich mehr Lust hätte, frei zu spielen. Umso besser erscheint also die Idee, Musikunterricht in den Schulen auszubauen, wo die Kinder miteinander, im Klassenverband oder im Schulorchester musizieren können und das Ganze dann auch vorstellen können.

Das passiert in der Allegro-Grundschule in der Lützowstraße. In deren Aula sitze ich bei einer Infoveranstaltung. Übrigens eine sehr schöne, große Aula. Farbig bemalte, hohe Wände, großen Fenstern und auf der Bühne und auf Tischen sehe ich Überbleibsel der vergangenen Leseprojektwoche: Die Kinder haben Wörterschatzkisten und Köpfe aus Pappmaché mit Worthaaren gebastelt.

Die Schule ist im August 2010 aus der Fusion der Grips Grundschule mit der Fritzlar-Homberg-Grundschule entstanden. Die erste brachte das Leseprofil mit und die zweite die Musikbetonung.  Deswegen gibt es in dem riesigen Schulgebäude eine Bibliothek, in jedem Klassenzimmer Leseecken und viele Musikräume für die AG´s und den regulären Musikunterricht.

Musik! Kostenlos und für alle

Die Musikbetonung bringt allerdings keine Kosten für die Eltern mit sich, ein großer Vorteil gegenüber Privatunterricht. Der Instrumentalunterricht, das Spielen in einer Ensemblegruppe und das Ausleihen der Instrumente sind an der Allegro-Grundschule kostenlos. So hat jedes Kind die Möglichkeit Musik und Instrumente kennen und spielen zu lernen, gemeinsam zu üben und stolz aufzuführen und zwar unabhängig vom Geldbeutel oder Förderinteresse der Eltern, von Befähigung und Herkunft.

Miteinander und voneinander lernen

Und die Kinder kommen, typisch für den Kiez, aus Familien mit allen möglichen Nationalitäten und Migrationshintergründen. Das ist auch bei der Infoveranstaltung ein großes Thema. Manche Eltern befürchten wegen dadurch entstehender Konflikte ein schlechteres Lernklima an der Schule. Allerdings sind sich alle anwesenden Lehrer_innen einig, dass die Vielfalt an der Schule doch vor allem etwas Schönes ist.

Die Konrektorin Frau Varbelow zählt ungefähr 24 Nationalitäten auf der Schule, von denen aber eigentlich zurzeit keine überwiege. Die Kinder lernen nicht nur miteinander, sondern auch voneinander. Zum Beispiel bei den Ländertagen, an denen jedes Kind „sein“ Land und typische Musik und Gerichte vorstellt. Sie lernen also, andere (aus anderen Ländern und Kulturen und auch Kinder mit Behinderungen) zu akzeptieren und auch mit Konflikten umzugehen. So etwas könnte eine einzige Familie ja gar nicht leisten.

Flinke Finger statt fiese Fäuste

Gewaltprävention ist auch eines der Ziele des gemeinsamen Musizierens und all den anderen oft künstlerischen Projekten, bei denen die Schüler_innen lernen sich auszudrücken und zusammen zu arbeiten. Man kann natürlich nicht sagen, ob es ohne die Musikförderung an der Schule mehr Konflikte gäbe, allerdings sei hier auch keine übermäßige Aggressivität oder Ähnliches zu beobachten.

Ralph Braun, Leiter des Musikprofils, meint: „Unser subjektiver Eindruck ist, dass wir weniger Ausgrenzung haben. Schüler, die durch schlechte Leistungen im normalen Unterricht nicht akzeptiert wären, können durchaus durch eine Solostimme bei einer Aufführung mit dem Orchester unheimliche Anerkennung bekommen. Es gibt immer mal wieder Kommentare von Kollegen: ´Das ist ja toll, hätte ich nie gedacht, dass er so etwas kann, der ist ja wie ausgetauscht, da bin ich ja vollkommen beeindruckt.´

Der Musiklehrer erinnert sich: „Ich war erst einige Tage an der Schule und sah die Proben zu „Florian auf der Wolke“ und war so beeindruckt, dass mir fast die Tränen in den Augen vor Rührung standen. Ich hatte es nicht für möglich gehalten, was mit Schülern in diesem Alter möglich ist. Damit stand für mich der Entschluss fest, dass ich an dieser Schule bleiben möchte, so lange es irgend geht.”

Vom Klassenzimmer in die Philharmonie

Schon ab dem ersten Schuljahr werden alle Kinder in die Grundlagen der Musik eingeführt. Erstmal in die Rhythmik. Trommeln und so schwierig aussprechbare Sachen wie Xylophone. Dann kommt die Flöte im zweiten Schuljahr und dann, je nach Belieben, zum Beispiel die Geige oder die Gitarre. In der 4. Klasse kann noch dazu Schlagzeug gelernt werden, auch sehr beliebt.

„Es ist ja auch schön wenn die Kinder sehen, wie sie heranwachsen, wenn sie nicht mehr die Flöte brauchen, sondern schon Geige spielen können und das dann auch zeigen können. Das gibt ihnen schon viel Selbstbewusstsein, wenn sie dann auf der Bühne hochgejubelt werden. Vor allem die Schlagzeuger, das sind immer die Coolsten.“, erzählt Katrin Gödelitz, Lehrerin an der Schule, lächelnd.

Und die Kinder haben oft Möglichkeit, zu zeigen, was sie drauf haben, jedes Jahr gibt es die musischen Tage, bei denen jede Musik-AG und auch Klassenorchester auftreten. Manche Gruppen treten noch häufiger auf, z.B. bei Einschulungsfeiern, Schulkonzerten und –festen. Das Schulorchester hatte in den letzten Jahren sogar öffentliche Auftritte im ICC, im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, im Olympiastadion und im Roten Rathaus.

Frau Gödelitz bemerkt, dass die Musikbetonung der Schule in dem Sinne ja auch Elternbildung sei. „Viele der Eltern waren ja zum Beispiel noch nie in der Philharmonie und trauen sich ja dort auch gar nicht rein. Die Eltern werden also auch an klassische Musik herangeführt und haben mal Gelegenheit in ein Konzerthaus zu gehen.“

Es ist also tatsächlich eine Schule für alle: für Kinder jeglicher Herkunft und Befähigung und sogar die Eltern können noch was lernen

Eine tolle Zeit am Falk Realgymnasium

Von HU Gastblogger Ines Sieland

„Kein Kind darf allein gelassen werden“, sagt  Jutta Schauer-Oldenburg.
Wir sitzen bei einer Tasse Tee in ihrer gemütlichen Wohnung in Berlin-Moabit. Die 72 Jahre merkt man ihr wirklich nicht an. Sie ist eine lebensfrohe Frau mit einem sehr guten Gedächtnis und nimmt mich mit auf eine Reise zurück in ihre Schulzeit.

Das Falk Realgymnasium war eine Mischung aus Realschule und Gymnasium, geteilt in einen technischen und wissenschaftlichen Zweig. Jutta Schauer Oldenburg besuchte von 1950 bis 1954 (7. bis 10. Klasse) den technischen Zweig und erwarb den Realschulabschluss.

In dem damaligen Gebäude ist heute die Grundschule Tiergarten-Süd untergebracht, welche 2010 aus der Fusion der Fritzlar-Homburg Schule mit der Grips-Grundschule entstanden ist.

Heutige Grundschule Tiergarten-Süd

Es war eine sehr bewegte Schulzeit: der Zweite Weltkrieg war vorbei, Nachkriegsjahre, Berlin war besetzt und geteilt. „Die Besetzungszeit haben wir durch den 17. Juni 1953 erlebt und die Nachkriegszeit an der Schulspeisung gemerkt“, erinnert sie sich. Sie strahlt, wenn sie an ihre Schulzeit zurückdenkt, denn es war eine „schöne Zeit“.

Die Schule hatte einen musischen und sportlichen Schwerpunkt. Es gab einen Schulchor, die Schüler konnten bei Theateraufführungen oder Sportwettkämpfen ihr Können unter Beweis stellen. Es wurde auch viel gefordert. Den Anspruch könnte man mit dem des heutigen Gymnasiums vergleichen, meint Jutta Schauer-Oldenburg.

Neben ihrem Vater hat sie auch ihr damaliger Schuldirektor Dr. Franke geprägt. „Er war sehr dafür, dass die jungen Menschen, die in seiner Obhut waren, auch etwas lernten. Aber er hat auch sehr viel Wert darauf gelegt, dass wir soziale Kompetenzen, wie Zivilcourage und Demokratieverständnis erlernten.“

Jutta Schauer-Oldenburg war 45 Jahre Krankenschwester mit ganzem Herzen und zeigt heute immer noch Zivilcourage. Sie engagiert sich als Quartiersrätin für ihren Kiez Moabit und ist als Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte tätig.

„Der Klassenverbund war spitze!“ sagt sie freudig über ihre Schulzeit. Noch heute haben die ehemaligen Schülerinnen und Schüler guten Kontakt und veranstalten regelmäßig Klassentreffen.

Verglichen mit der heutigen Zeit stellt sie fest, dass die sozialen und wirtschaftlichen Unterschiede nicht so groß waren. Es gab nicht so viel; man war auf dem gleichen Level. Die Schere zwischen arm und reich, Chancengleichheit und -ungleichheit ist heute viel größer.

Für Jutta Schauer-Oldenburg war die Schule sehr wichtig, denn sie war nicht nur Lernanstalt sondern gab auch Rüstzeug für das Leben mit. „Lernen ist der Faktor, um später Chancengleichheit zu haben und eine gesellschaftliche Teilhabe zu erleben. Die Kinder heute sind nicht schlechter oder besser als wir früher waren, doch sie scheinen irgendwie vergessen.“

Sie wünscht den Kindern eine solche Persönlichkeit, wie ihren Direktor
Dr. Franke, der ihnen etwas mit auf den Weg gibt. Die Schule muss stabilisieren. Es sind vielleicht kleine Einsteins, nur es merkt keiner.“, sagt sie. „Kein Kind darf allein gelassen werden.“

Nach der Schule ist vor der Schule – Nachhilfe bei Kiezbildung e.V.

Von HU-Gastblogger Verena Schöbel

Draußen dämmert es schon, als Feti Bayram in der Kluckstr. 11 die Treppen zum 2. Stock erklimmt. Bis zu unserem Treffen war er noch unterwegs und in einer halben Stunde muss er auch schon wieder weg – ein vielbeschäftigter Mann. Wir treten in einen kahlen Gang, von dem kahle Zimmer abgehen. „Noch sind wir noch nicht ganz angekommen, wir nutzen diese Räume erst seit Kurzem“, erklärt er.

‚Wir’ ist in diesem Fall die Kiezbildung Tiergarten e.V., eine von engagierten Eltern gegründete Initiative, die sich vor allem um schulische Nachhilfe für Kinder im Kiez kümmert. Die Idee zu diesem Projekt ist entstanden, als zwei vom Senat geförderte Nachhilfeprojekte aus finanziellen Gründen eingestellt wurden. So war Eigenengagement der Eltern gefragt, welches leider auch mit einigen Problemen einhergeht: Da die Initiative ehrenamtlich ist, gibt es keine Einnahmequelle, und wo kein Geld ist, kann weder Miete noch Mitarbeiter bezahlt werden. Kiezbildung Tiergarten e.V. ist daher auf kostenlose Räume sowie auf freiwillige Helfer angewiesen.

Momentan unterrichten in der Kluckstraße circa fünf Eltern und einige weitere Anwohner des Kiezes um die 15 Grundschüler jeweils montags und freitags ab 18 Uhr. Bis zu den Sommerferien dürfen sie den zweiten Stock des Jugendtreffs nutzen, dann muss neu verhandelt werden.

Bringt Licht ins Dunkel: Nachhilfe der Kiezbildung e.V. in der Kluckstraße (2.OG)

Gerne würde Herr Bayram das Angebot ausbauen und mehr Schüler betreuen, denn die Nachfrage ist riesig. Doch es mangelt an Helfern. „Es wäre schön, wenn wir auch Oberschülern helfen und sie auf den Schulabschluss vorbereiten könnten. Dazu benötigen wir aber Lehrer.“ Und die sind noch nicht in Sicht.

Als zweites großes Ziel will sich Kiezbildung Tiergarten e.V. auch der Beratung von Eltern und Senioren widmen. Viele ältere Anwohner sprechen nur geringfügig deutsch und sind mit Amtsgängen und dem deutschen Schulsystem überfordert, weiß Feti Bayram zu berichten. Informationen sickern meist nicht bis zu ihnen durch, so wissen schätzungsweise nur 1-2 % der ausländischen Eltern, dass sie ihre Grundschulkinder nach der vierten Klasse auch auf ein Gymnasium schicken können. Empfehlungen dafür werden von der Schule kaum ausgeschrieben – „die Lehrer wollen die guten Schüler solange wie möglich in der Grundschule halten.

Spricht Herr Bayram über die Schule und die dortigen Probleme, merkt man sofort: Bildung ist sein Thema hier im Kiez. Hier sieht er die größten Probleme und den Schlüssel zu einer gelungenen Integration. Es fange schon damit an, dass die Grundschule Tiergarten-Süd eine Ganztagsschule ist und damit ein außerschulisches Nachhilfeangebot eigentlich überflüssig macht. Zumindest in der Theorie. In der Realität kommen die Schüler abends trotzdem mit ungelösten Hausaufgaben nach Hause.

Auch befinden sich in den Klassen kaum deutsche Schüler, da die deutschen Familien im Kiez ihre Kinder lieber auf außerhalb liegende Schulen verteilen: „Die Deutschen haben Angst, dass ihre Kinder schlechter in der Schule werden, wenn sie mit zu vielen ausländischen Kindern in einer Klasse sind. Da stellt sich doch die Frage, wer sich hier nicht integriert.

Eine Mitschuld am negativen Bild von ausländischen Jugendlichen und Kindern sieht Herr Bayram auch bei den Medien, die in Sachen Integration konstant über Negativbeispiele berichten. „Wenn den Kindern ständig vorgehalten wird ‚So seid ihr!’, dann ist es ihnen irgendwann egal und sie denken sich ‚Nagut, dann sind wir halt so’“, sagt er. Und „wir brauchen mehr Positivbeispiele in den Medien, Cem Özdemir zum Beispiel.

Am Ende des Interviews ist klar: Feti Bayram ist wütend, und das zu Recht. Engagiert man sich in der Bildungs- und Integrationsarbeit, ist der Aufwand hoch und der Ertrag verhältnismäßig klein. Doch er gibt nicht auf und hofft, dass sich auch die neue Initiative Kiezbildung Tiergarten e.V. langfristig etablieren und ausbauen lässt.

Mit einem Schulhof-Schwimmbad gelingt jede Fusion

Die Endjahresferien 2010 haben sich die SchülerInnen der Grundschule Tiergarten – Süd wirklich verdient.

Grundschule Tiergarten – Süd: hinter diesem Abstraktum verbergen sich die ehemalige Grips-Grundschule und die Fritzlar-Homberg-Schule, die seit der Bekanntgabe ihrer Fusion vor mehr als einem Jahr einen wahren Wirbelwind hinter sich haben. Mit vielen Mitteln kämpften Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen der Grips- Grundschule gegen die Schließung, die angeblich aufgrund Mangel an zukünftigen SchülerInnen zustande kam.

Im Februar 2010 musste es auf einmal ganz ganz schnell gehen. Umzug hieß es, Fusion und damit Chaos und viel Konfrontion.

Denn die beiden Schulen hatten nicht nur unterschiedliche Profile – Grips / Lesen und Fritzlar-Homburg / Musik – sondern waren auch Ganztags- und Halbtagsschule. Die Grips-SchülerInnen sollten in die Fritzlar-Homberg-Schule ziehen, und es war nicht ganz klar, wie aus Gästen wirkliche MitschülerInnen werden könnten. Der Umzug bedeutete auch den Abschied von einer Direktorin. Außerdem war die Schule zu klein, deshalb musste das Lernhaus Pohlstraße leergemietet werden und diese Entwicklung bedeutete das Aus für VHS, Berufsberatung und andere Initiativen im Stadtteil.

(Warum musste es eigentlich alles so schnell gehen? Vom Collège Voltaire – einer französischen Privatgrundschule, die der staatlichen Pariser Zentralstelle für französische Auslandsschulen untersteht – fehlt bis heute jede Spur. An sie verkaufte der Bezirk Mitte das Gebäude, weil sie von Reinickendorf nach Tiergarten-Süd ziehen wollten. Doch die ehemalige Grips-Grundschule ist bis heute verwaist).

Zurück zu den Schulen. Wir alle haben schon Wohnungsumzüge erlebt, weitaus weniger Menschen den Umzug einer ganzen Firma – doch ein Schulumzug und dann gleich in eine Gemeinschaftsunterkunft und dann unter den oben beschriebenen negativen Vorzeichen.

Schön ist anders! Was also tun?

Theaterpädagogen der GRIPS Werke e.V. und dem GRIPS Theater Berlin mischten in einer Projektwerkstatt kurzerhand die SchülerInnen von sechs Klassen samt LehrerInnen und ErzieherInnen. An jeweils vier Tagen erkundeten sie Orte der neu-gemeinsamen Schule, spielten Theater, improvisierten, malten, erzählten, führten Interviews, erfanden Kurzszenen und machten Fotos.

Expedition Neuland – Logbuch einer Annäherung“

Dieses Kunst-Theaterspektakel kam Anfang Dezember auf die Bühne. Da waren Bolzplatz-Konflikte, Mediathek-Abenteuer, Flur-Rhythmen, eine Schulhofinsel „Neuland“ zu sehen. Nicht zu sehen war, welche Kinder nun aus welcher Schule kamen, welche LehrerIn schon länger kannten, wer sich was für den neu-oder-alten Schulhof wünschten und wer zuvor eher musiziert oder gelesen hatte.

Der Wunschschulhof

Publikum und Theaterleute waren sich einig: die Fusion funktioniert nicht nur auf der Bühne sondern auch im Alltag.

Dann auf ein Frohes Jahr 2011. Mit diesen Vorzeichen gelingt sicherlich auch die Reise zu einem neuen Namen.

Sonder-Medienpreis MediaMax an “Sidney in Berlin” verliehen

Per klick zum Hörspiel

Herzlichen Glückwunsch an das Team um Schauspielerin und Kinder-Coach Christiane Carstens, die unterstützt durch das Medienzentrum Clip mit ihrem Hörspiel-Stadtführer “Sidney in Berlin” diesen Preis gewonnen haben.

Die Auszeichnung wurde  von Parlamentspräsident Walter Momper zur Eröffnung des 10. Berliner Jugendforums verliehen.

Die Story in Kürze: Sidney ist ein Hund und kommt mit zwei Jungs nach Berlin. Na ja und dann passiert sehr viel nach dem Motto des Titelsongs: “Es gibt nichts Schöneres als in Berlin zu sein”. Und übrigens: sie kommen natürlich auch nach Schöneberg.

Hier geht’s gleich zum MP3-Download

Und auf der Webseite gibt’s ein Quiz, die Route und vieles mehr.

Sehen Sie selbst, wie dieses Projekt zustande kam

Sidney in Berlin – Das Making Off from Sidney in Berlin on Vimeo.

Frisch gefeuert – Pizza ahoi

Der Lehmofen im Familiengarten Kluckstraße ist fertig. Ein großes Dankeschön an Jörg Borchardt, Anwohner und Quartiersrat, der die Bauarbeiten ehrenamtlich und mit viel zeitlichem Engagement betreut hat.

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Wo ist die Pizza? Wann ist es denn endlich soweit?

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Die Herstellung jeder Pizza erfolgt nach eigenen Rezepten, Herstellungmethoden und so ist die Freude und der Hunger noch mal doppelt so prima.

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Guten Appetit!

Die Pallas hat sich ausgerast

Wer dieser Tage zu Fuß von der Goebenstraße kommend die Potsdamer Straße überquert, am Pallasseum vorbeigeht und dort vielleicht erst noch mal die Satellitenschüsseln bestaunt, bemerkt die Veränderung vielleicht gar nicht sofort. Doch allmählich sickert es ein. Autos fast im Schritttempo, weniger Geräusche, weniger Hektik. Was ist da los?

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Damit ist ein monatelanges Tauziehen zu einem guten Ende gekommen. Erfolgreich gezogen hat das “Aktionsbündnis Verkehrssituation Pallasstraße”, ein Zusammenschluss von AnwohnerInnen, Quartiersmanagement, QuartiersrätInnen, Schulen, Bibliothek. Pünktlich zum Schulanfang war dann auch die Senatorin für Stadtentwicklung Frau Ingeborg Junge-Reyer vor Ort und eröffnete die Tempo-30-Zone Pallasstraße. Bertram von Boxberg war mit der Kiezkamera dabei.

Nun trug sich vor ein paar Tagen folgende absurde Situation zu. Ein Anwohner trat aus dem Haus, freute sich an der neuen Verkehrsituation, bestieg sein Fahrrad, wunderte sich und fuhr über den neuen Zebrastreifen. Ganz fertig sah der noch nicht aus, doch die Autofahrer hatten ja nun in dem langsamen Tempo genügend Zeit, dieses Verkehrslenkungsmittel zu beachten und hielten korrekt an. Der Fahrradfahrer radelte hinüber UND kam jäh zum Stop. Ein Polizeibeamter hielt ihn an und sprach: “Ich muss Ihnen sagen, dass Sie einen Fußgängerüberweg nur zu Fuß, nicht aber auf dem Fahrrad fahrend überqueren dürfen. Ich muss Ihnen aber auch sagen, dass dies gar kein offizieller Fußgängerüberweg ist.”  Was also ist das: darf man nun oder nicht, oder wie? Weder Radfahrer noch Polizist wussten Antwort und trennten sich darob einvernehmlich kopfschüttelnd.

Da hatte sich ein Spaßvogel einen Eimer Farbe geschnappt und die Verkehrsberuhigung noch einmal beruhigt. Welch Kommunikation und Ideen Verkehrsberuhigung doch hervor bringt!

Einen Tag, nachdem ich diese Anekdote vernehmen durfte, begab ich mich an den Ort des Geschehens. Konnte nur noch schmähliche Überreste dokumentieren.

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Und auch nicht klären, wer da so fix zu einem “Wisch-weg-die-falschen-Zebrastreifen”-Mittel gegriffen hatte.

Dafür konnte ich sehen, dass Beamte die Tempo 30-Zone zur Geltung lassen kommen wollen. Immer wieder wiesen sie AutofahrerInnen freundlich auf die neuen Schilder hin.

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Das ist ja für AutofahrerInnen auch erstmal zu verdauen. Die Pallasstrasse ist 500 Meter lang und eingebettet in einen Straßenzug, auf dem man mal ruckzuck von Südwesten (Schönefeld-Süd) bis Südosten (Stahnsdorf) 25 Kilometer quer durch die gesamte Stadt fahren kann, ohne das Steuer zu sehr nach rechts oder links reißen zu müssen. Und da – auf einmal: Tempo 30!

Super!Herzlichen Glückwunsch an das Aktionsbündnis.

Denn die Geschwindigkeitsbegrenzung ist hier genau richtig. Hier sind die Spreewaldgrundschule, die Sophie-Scholl-Oberschule, die Stadtteilbibliothek Schöneberg Nord, die Katholische Schule St. Franziskus. Also jede Menge junger Menschen unterwegs.

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Kinderkunstmagistrale – Rundgang durch die Gärten

KinderKunstAktionen zum Mitmachen für Kinder und Jugendliche im Alter von 3 – 15 Jahren
am Samstag, dem 04. September 2010 von 14.00 – 18.00 Uhr auf dem Gelände des Beachvolleyballplatzes Pohlstraße 11

Für Eltern und AnwohnerInnen
Rundgang durch die Gärten der Kleingartenanlage auf dem Gleisdreieck
Start: 15.00 Uhr am Eingang der kindermagistrale (Dauer: ca. 1 – 1,5 Stunden)

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Kindermagistrale 2010

Liebe Kinder und Jugendliche,

Zum dritten Mal verwandelt sich in diesem Jahr der Beachvolleyballplatz in der Pohlstraße 11 in eine Kreativwerkstatt.

Gemeinsam mit Künstlern und Kunsthandwerkern probiert ihr in 9 Kunstaktionen aus, was ihr so alles mit ‘Druck machen könnt. Und dabei ist nicht nur an das Drucken von Bildern gedacht, sonder auch an das Aufblasen von Luftballons, aus denen ihr dann Figuren formt oder ihr tretet ganz fest in den Sand, gießt den Fußabdruck dann mit Gips aus, malt ihn bunt an und am Ende des Tages leuchtet eine bunte Fußspur im Sand.

Ganz starke Kinder können sich ihren Zaubertrank selbst herstellen. Aus Früchten, aber auch aus Obst, presst ihr Euch einen supergesunden und ganz einmaligen Zaubertrank, der nicht nur gut schmeckt sondern auch soooo gesund ist.

Und nach diesem Zaubertrank habt ihr genug Kraft, um Wolle zu filzen oder um Bilder in Abdrucktechnik herzustellen oder Seifenblasen zu pusten ….

Für einen kleinen Imbiss sorgen wie im letzten Jahr Frauen vom türkischen Frauenkreis. Gegen kleines Entgelt gibt es leckere Speisen und Getränke.

Rundgang durch die Gärten:

Die Kleingärten auf dem Gleisdreieck werden Teil des neuen Parks. Um schon jetzt einen kleinen Einblick und Ausblick auf die Zukunft zu geben laden sie ein zum Besuch.

Beginnend am Treffpunkt auf der kindermagistrale werden die Teilnehmer von Klaus Trappmann über das Gelände des Gleisdreiecks durch die Gärten geführt und erfahren dabei Vieles über die Geschichte der Gartenanlage. In einigen Gärten gibt es musikalische Darbietungen der Gartenbesitzer und Zeit genug sich umzuschauen. Vele Infos zum neuen Park auf dem Gleisdreieck runden den Rundgang ab. Gegen 16.30 Uhr endet der Rundgang wieder auf der kindermagistrale.

Die kindermagistrale 2010 wird ermöglicht durch das ehrenamtliche Engagement von Künstler, Kunsthandwerkern und Anwohnern, in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendrat, dem Jugendteam des Stadtteilvereins und den Kleingärten auf dem Gleisdreieck. Sponsoring herzlich willkommen!

Text, Kontakt und Information:
Gabriele Hulitschke
- Koordination -
Fon: 030 262 30 27
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Kindermagistrale 2010 - Programm

Potse grün – Kluckstrasse

Kennen Sie die Atmosphäre kurz vor Partybeginn, wenn sie eingeladen haben? Es gibt hier noch etwas aus dem Wege zu räumen, dort noch etwas zu erledigen, alle laufen geschäftig hin und her und die Vorfreude steigt.

So war auch auf dem Gelände Kluckstraße gestern deutlich zu spüren, dass innerhalb des Projektes „Familiengarten“ etwas Besonderes bevorstand. Bereits seit Monaten wird auf Treffen geplant und diskutiert. Denn viel soll auf dem Gelände Ecke Kluck/Lützowstraße passieren: Spiel- und Ruhemöglichkeiten, interkultureller Garten, Streetsoccerplatz, Pizza- und Kräutergarten, Lehmofen zum Brot- und Pizzabacken und und und.

Ab dem späten Samstag vormittag tummelten sich viele Menschen auf dem Gelände. Die einen waren mit Mülltüten unterwegs, andere harkten Laub, ein Bagger brachte große Planzen von rechts nach links, Frauen griffen zur Gartenschere und trimmten Hecken, Kinder grabschten sich Spaten und huben Löcher aus.

Es wirkt von außen unscheinbar, doch bereits jetzt ist die Kluckstraße 11 ein Kinder- und Jugendzentrum, in dem Träger wie zum Beispiel Fipp e.V., Stadtteilverein Tiergarten, Gladt e.V. und andere Angebote machen. Das Außengelände war zwar zum Toben gut geeinigt, wartete aber immer noch auf eine weitere Gestaltung.

Ein großer Schritt ist nun mit der Eröffnung des Interkulturellen Gartens getan. Und darauf waren natürlich alle am meisten gespannt. Denn es sollten all die kleinen Ableger und erkennbaren Büschen in die Erde kommen.

Dreißig Beete gibt es dort, die von AnwohnerInnen zu hegen und pflegen und bepflanzen sind. Um 14 Uhr fand die Verlosung unter den nachbarschaftlichen HobbygärtnerInnen statt. Sie werden auch eigene Pflanzen mitbringen und dann kann gefachsimpelt werden über die Tomaten, Paprika Blumen aus der Türkei, dem Kosovo, Bulgarien Sri Lanka oder Deutschland, je nachdem woher die GärtnerInnen stammen.

Sie sind nun alle Teil eines lebendigen Kiezzentrums, das dort zum Blühen und Gedeihen gebracht wird.