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Zeitreise – Die Potsdamer Straße vor 100 Jahren

Europa und die Welt gedenken dieses Jahr dem 1. Weltkrieg, der vor einem Jahrhundert begann. Gerade Historische Ereignisse regen zum Nachdenken an. Wie sah sie aus, unsere Stadt? Wie war es vor 100 Jahren an der Potsdamer Straße?

Die Potsdamer Straße , ehemals vornehme Ausfallstraße, entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts rasant zu einer der verkehrsreichsten Straßen Deutschlands. Ursprünglich eine Chaussee, wurde sie zuerst zur Allee und  danach zu einer ordentlich befestigten Straße ausgebaut. Einem weit verbreiteten Mythos zu Folge gehörte sie zur Reichsstraße 1, die dem mittelalterlichen West-Ost-Handelsweg von Aachen nach Königsberg folgte.  Jedoch erst die NS-Regime erklärte den Verlauf durch Potsdam und Berlin zum Teil der Reichsstraße 1. Heute gehört sie zur Bundesstraße 1, die nahezu dem Verlauf der Reichsstraße 1  folgt.

Zuschnitt Potse

Potsdamer Straße um 1902

Auf der Straße waren vor ca. 100 Jahren nicht nur Privatmenschen mit ihren Kutschen, Fahrrädern und immer mehr Automobilen unterwegs. Damals fuhren auf der Potsdamer Straße Straßenbahnen und zwar gleich mehrere Linien. In und um Berlin wuchs schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts ein Straßenschienennetz. Die Bahnen wurden anfangs von Pferden gezogen und hießen Pferdebahnen, doch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurde auf die elektrische Straßenbahn umgerüstet und ausgebaut.

Während der Teilung Berlins wurde im Westen der Stadt jedoch fast das gesamte Straßenbahnnetz entfernt. Die Verkehrspolitik in West-Berlin betrachtete es als veraltet und überflüssig. So wurde es nach und nach bis Oktober 1967 zurückgebaut. Heute fahren jedoch viele Metrobuslinien beinahe genau (bzw. exakt) die ehemaligen Straßenbahnstrecken ab.

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Der U Bülowstraße um 1902

Die Potsdamer Straße war schon immer ein Magnet für Kreative. Künstler aller Art, sowie die Zeitungsindustrie siedelten sich hier an. Ein Beispiel ist der Architekt Bruno Möhring, einer der bedeutendsten deutschen Architekten des Jugendstils. Ab 1892 hatte er sein Büro in der Potsdamer Straße 109. Er entwarf unter anderem den U Bülowstraße der 1902 eröffnet wurde. Er ist auch nach den Bombardierungen währed des 2. Weltkrieges, immer noch zum Großteil Original erhalten. Gemeinsam mit Rudolf Eberstadt und Richard Petersen entwarf er 1910 einen Bebauungsplan für Groß-Berlin, der vor allem auf den Ausbau des Verkehrsnetzes und eine enge Wohnhausbebauung mit Innenhöfen setzte. Der Architekt Albert Speer, der für das NS-Regime arbeitete, übernahm eine Vielzahl der Ideen in seinen Bebauungsplan für Groß-Berlin. Auch  noch heute prägen die Berliner Innenhöfe und ein großes öffentliches Verkehrsnetz die Stadt.

Eine der berühmtesten Bewohnerinnen der Potsdamer Straße ist die deutsche Schauspielerin Marlene Dietrich. Als Kind wohnte Sie in dem 1906 errichteten Wohnhaus in der Potsdamer Straße 116.

Zwischen 1910 und 1911 wurde das Bild der Straße dauerhaft verändert. An den gerade neu angelegten Heinrich-von-Kleist-Park wurden die Königskolonnaden transloziert.

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Königskolonnaden an der Königstraße vor der Translozierung um 1909

Ursprünglich standen Sie als Ensemble mit der Königsbrücke am Alexanderplatz und flankierten die Königsstraße. Sie mussten nach Schöneberg ziehen, da für die Errichtung des Warenhauses Wertheim und der damit verbundenen Verbreiterung der Königsstraße der Platz fehlte. Viele Zeitgenossen sahen in der Translozierung eine Degradierung der Wertigkeit der Kolonnaden. Nachdem Sie eine Hauptverkehrsstraße flankiert hatten, zogen sie nun an eine mäßig große Parkanlage, wo seit 1909 das neue Kammergerichtsgebäude gebaut wurde. Die Kolonnaden wurden auf den Eingang des zukünftigen Gebäudes ausgerichtet. Erst 1913 waren die Bauarbeiten beendet und das Kammergericht zog in den Neubau ein. Nach einiger Zweckentfremdung während der Nachkriegszeit und der Deutschen Teilung ist seit 1989 das Berliner Kammer- und Verfassungsgericht wieder in dem Gebäude ansässig.

In den vergangenen 100 Jahren hat sich das Stadtbild drastisch verändert. Durch die Bombardierung im 2. Weltkrieg, Teilung und Wiedervereinigung. Doch trotz allem ist vieles, was vor über 100 Jahren der Potsdamer Straße ihr Aussehen verlieh noch immer vorhanden.

Dieser Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online-Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Center der Humboldt Universtität zu Berlin.

von Gastbloggerin Janina