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„Ihr habt ein schönes Thema für die Presse“ – Gewobag möchte bis zu 15% Mieterhöhung

Offener Brief des Quartiersrates Schöneberger Norden
an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Herrn Michael Müller
an die Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Frau Katrin Lompscher
an den Stadtrat für Stadtentwicklung und Bauen des BA Tempelhof- Schöneberg, Herrn Jörn Oltmann
an den Vorstand der Wohnungsbaugesellschaft GEWOBAG, Frau Snezana Michaelis und Herrn Markus Terboven
an die Fraktionen im Abgeordnetenhaus von Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren,
im Quartier Schöneberger Norden werden zurzeit von der GEWOBAG Mieterhöhungen angekündigt, die weit über den im Koalitionsvertrag festgelegten Vereinbarungen liegen. Im Koalitionsvertrag wird als Sofortmaßnahme angekündigt, die Mietererhöhungen im Bereich der Städtischen Wohnungsbaugesellschaften für die nächsten vier Jahre auf 2% jährlich zu begrenzen.

Wir fordern Sie als Verantwortliche im Senat, im Abgeordnetenhaus, im Bezirk und bei den Wohnungsbaugesellschaften auf, diesen Teil der Koalitionsvereinbarung sofort zu verwirklichen und alle Mieterhöhungen, die ab 1. 1. 2017 wirksam wurden oder werden sollen, zurückzunehmen.

Den vollständigen Offenen Brief können Sie hier herunterladen (pdf)

Steinmetzstrasse

Steinmetzstraße: Hier sind MieterInnen betroffen

Januar 2017 in der Kiezoase Steinmetzstraße
Der Raum in der Kiezoase ist zu klein. 120 bis 140 Leute sind zu der Informationsveranstaltung zum Thema „Mieterhöhungen in GEWOBAG-Häusern im Schöneberger Kiez, begründet mit Mietspiegel!!! – Entlassung der Häuser aus der Sozialbindung ???“ Dass bei diesem wichtigen Thema überaus kurzfristig geworben wurde beklagt eine Mieterin aus der Blumenthalstraße.

Wir wollten die betroffenen Gewobag-MieterInnen gezielt ansprechen,“ erklärt Veranstalter Matthias Bauer vom Projekt ‚Mieten und Wohnen im Schöneberger Norden. „Die Gewobag hatte uns zugesichert, uns die genauen Adressen der Häuser zu geben. Doch dann haben wir bis Anfang Januar nichts gehört. Deswegen konnten wir die Betroffenen nicht gezielt einladen und haben dann die Einladungszettel in alle GEWOBAG-Häuser geklebt.“

Auch für diesen Abend seien VertreterInnen der Gewobag eingeladen, erläutert Matthias Bauer sie hätten dann aber aus terminlichen Gründen abgesagt. „Sie haben uns versichert, dass die im November 2016 verschickten Mieterhöhungen so wie alle anderen auch regelmäßig anhand eines Computerprogramms rausgegangen sind und nicht von der bald wirksamen Regelung im neuen Koalitionsvertrag motiviert wurden. Sie haben uns auch gesagt, dass sie jeden Einwand den Mietspiegel betreffend individuell prüfen und auch zu individuellen Lösungen bereit sind, wenn jemand nicht in der Lage ist, die Erhöhung zu zahlen.“

Die VeranstaltungsbesucherInnen reagieren erstaunlich diszipliniert und ruhig. Die meisten sind langjährige MieterInnen bei der Gewobag in Schöneberg Nord. Ja, der Service könnte definitiv besser sein, sagen viele, aber im Großen und Ganzen klappe doch alles ganz gut. Ist da vielleicht auch die Sorge, sich bei dem derzeit immer enger werdenden Wohnungsmarkt sich bei einer Mieterhöhung zu beschweren und damit eine Kündigung zu riskieren?

Potsdamer Strasse_b

Potsdamer Straße

Prozedere bei Mieterhöhungen kein Hexenwerk – aber im Detail sehr kompliziert
Mit einer Mieterhöhung bekommen die MieterInnen die Aufforderung dieser zuzustimmen. Es ist kein Hexenwerk, aber man muss sich darum kümmern,“ sagt die eingeladene Expertin zum Mietrecht, Rechtsanwältin Frauke Roßmann. „Man wird verklagt, wenn man nicht zustimmt. Man kann auch Teilzustimmungen geben, wenn z.B. der Vermieter Sachen übersehen hat. Meist kennt der Vermieter die Wohnungen nicht genau, weiß nicht, dass nur ein kleiner Balkon oder ein gefangenes Zimmer zu der Wohnung gehört. Um solche Details kann man vor Gericht dann prima streiten.“

Auf Nachfrage räumt Frauke Roßmann ein, dass der Weg zu Gericht nicht der erste sondern nur der letzte ist. Man könne auch den eigenen Mietpreis erst online selbst prüfen und bei Zweifeln an der Gültigkeit der Mieterhöhung den Vermieter zunächst um eine Erläuterung bitten. „Sie müssen aber auf jeden Fall reagieren,“ so Frauke Roßmann. „Sie selbst können nicht vor Gericht gehen, sondern es ist die Sache der Gewobag sie zu verklagen. Wenn sie dies nicht innerhalb von drei Monaten tut, dann fängt das ganze Verfahren wieder von vorne an.“

Den Berliner Mietspiegel erstellt ein Gremium, dem Interessengruppen von VermieterInnen, MieterInnen, Politik und Verwaltung angehören. Es ist ein Instrument, mit dem man arbeiten kann und das auch vor Gericht anerkannt ist. Orientierungshilfen zum Mietspiegel und zum Thema Mieterhöhungen gibt es online z.B. beim Berliner Mieterverein und Berliner MieterGemeinschaft. Auf der Webseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen kann man online eine Mietspiegelabfrage machen.

Es geht nach Kategorien ( Bad/WC, Küche, Wohnung, Gebäude, Wohnumfeld) und Merkmale wie Badewanne und Dusche oder nur Badewanne, Güte des Bodenbelages, Energiepass, Isolierglasfenster. Die Merkmale sind genau bestimmt so z.B. auch Handtuchhalterheizung, Dunstabzugshaube, ob Kühlschrank und Herd bereits in der Wohnung waren,“ beginnt Frauke eine Aufzählung, die sehr lange dauern könnte, wenn sie in alle Einzelheiten ginge. Wenn die MieterInnen den Heizungshandtuchhalter selbst angebracht haben, dann gilt er nicht für die Wertsteigerung laut Mietspiegel. Mängel in den Wohnungen spielen bei der Mieterhöhung keine Rolle, sondern müssen durch die Meldung einer Mängelbeseitigung behoben werden. Auch Mieterhöhungen wegen Modernisierung sind außen vor. Ebenso zählen auch Anpassungen von Betriebskosten nicht in den Mietspiegel mit hinein.

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Bautzener Straße

Die Vermieter kennen den Mietspiegel natürlich auch sehr gut und kümmern sich um die Aspekte, die Pluspunkte bringen, so zum Beispiel ein Fahrradkeller, eine hübsche Müllfläche, eine Abzugshaube – all das erhöht den Wert der Wohnung. Aber nicht ein Anstrich des Treppenhaus. Der muss nicht sein. Werden in einer Straße, wie zum Beispiel der Bautzener Straße – Luxuswohnungen und neue Einkaufsmöglichkeiten gebaut, dann gelten die als Wertsteigerung des Wohnumfeldes und werden in dem neuen Mietspiegel mit berücksichtigt. Dadurch steigen dann natürlich die Vergleichsmieten.

Sie spielen also anhand des Mietspiegels Detektiv und klicken sich durch Merkmalgruppen,“ fasst Frauke Roßmann zusammen. „Dann errechnen Sie den Nettopreis und teilen das dem Vermieter mit, falls er von der geforderten Mieterhöhung abweicht. Entweder die akzeptieren das oder Sie werden verklagt. Treten Sie in einen Mieterverein ein, denn die nächste Mieterhöhung kommt bestimmt. Doch suchen Sie dennoch immer als erstes das Gespräch.“

Wenn das mal so einfach wäre. „Früher wussten wir wer unsere Kundenbetreuer sind, konnte die mit ihrer Telefonnummer direkt erreichen und im Telefonat Probleme und Unklarheiten beseitigen,“ sagt Alfons Schröder, Sprecher des Mieterbeirats Steinmetzkiez. „Inzwischen gibt es diese Service-Hotline, da kommt man natürlich mit irgendjemand in Kontakt und kann da wenig klären. Also empfiehlt es sich, die Angelegenheit entweder per Post oder Email den Kundenservice zu senden, der es dann an die entsprechende Stelle weiterleitet. Und was den Mietspiegel betrifft, da schickt uns die Gewobag in ihrem Mieterhöhungsverlangen gleich mit, wo wir uns im Mietspiegel befinden. In der Regel ist nicht viel daran auszusetzen, aber einige Merkmale haben sich vielleicht im Laufe der Jahre so geändert, dass die Mieterhöhung nicht, wie gefordert, rechtens ist.“

projekt mieten und wohnen

Matthias Bauer kündigt noch einmal die Sprechstunde des Projektes „Mieten und Wohnen im Schöneberger Norden“ an, die immer Montags von 16:30 bis 18:00 Uhr im Nachbarschaftszentrum Kiez-Oase in der Steinmetzstraße 68 stattfindet.

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Der Mieterbeirat ist in der Steinmetzstraße anzutreffen. Kontaktiert werden kann er per Email mieterbeirat-steinmetzkietz@gmx.de Mehr Informationen und Sprechzeiten gibt es unter www.gewobag.de/steinmetzkiez-1446.html

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ebenen des Kiezes und der Politik – oder – sofort = jetzt?

Aus dem Offenen Brief des Quartierrats:
Auf der Präventionsratsitzung im Schöneberger Norden im Dezember 2016 ist durch den Hinweis einer Mieterin bekannt geworden, dass die GEWOBAG an Mieter in ihrem Haus in der Steinmetzstraße Mieterhöhungsverlangen von über 13 % herausgeschickt hat. Und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem in der Koalitionsvereinbarung des neuen Senats von Berlin zu den städtischen Wohnungsbaugesellschaften folgendes vereinbart wurde: „Als Sofortmaßnahmen werden die Mieterhöhungsmöglichkeiten für Bestandsmietverträge für vier Jahre auf maximal zwei Prozent jährlich beschränkt.“

Ein Veranstaltungsbesucher behauptet die Mieterhöhungen seien direkt nach Schließen der Lokale zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhaus im Herbst heraus gegangen. Wenn auch dies eher nach Verschwörungstheorie klingt, so ist es doch eine Tatsache, dass Berlin sich auch mietenpolitisch zur Zeit in einem Vakuum befindet.

In der Koalitionsvereinbarung 2016-2021 heißt es auf Seite 29: „Als Sofortmaßnahmen werden die Mieterhöhungsmöglichkeiten für Bestandsmietverträge für vier Jahre auf maximal zwei Prozent jährlich beschränkt.“

In einem Interview mit der Berliner zeigte am 6. Januar 2016 sagte Katrin Lompscher (Die Linke), seit Dezember 2016 Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen:

Den größten Einfluss haben Sie auf die sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen. Was planen Sie hier als Erstes?
Wir werden die Vereinbarung mit den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften aktualisieren, in denen stärkere Schutzrechte für die Mieter verankert sind. Das alte Bündnis ist Ende Dezember ausgelaufen. Unser Ziel ist, dass wir das in den ersten 100 Tagen schaffen.

Welches sind die wichtigsten Ziele, die Sie vereinbaren wollen?
Wir wollen den Mietanstieg weiter begrenzen. In bestehenden Mietverhältnissen sollen die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften die Mieten für die nächsten vier Jahre nur um maximal zwei Prozent jährlich anheben können – und zwar bei jedem einzelnen Mieter, nicht nur im Durchschnitt der Wohnungsunternehmen.

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Potsdamer Straße

Sofort heißt also nicht ab jetzt. Bei der Gewobag scheint jedoch sofort sehr rasch zu bedeuten. “In ihren Mieterhöhungsschreiben gibt die Gewobag immer einen Wunschtermin für die Zustimmung an, der 14 Tage vor dem vom Gesetz gegebenen liegt. Dieses Mal haben wir freundlicher Weise schon bevor der Wunschtermin abgelaufen war, eine Erinnerung bekommen und gleich, nachdem dieser Termin verstrichen war, noch mal eine,“ sagt Mieterbeirat Alfons Schröder. „Die Gewobag ist also sehr besorgt um uns und darum, dass sie vielleicht Prozesse anstrengen muss. Deswegen von mir als Mieterbeirat die Aufforderung an den Mieterrat, die Gewobag zu fragen, wie viele Gerichtsverfahren sie in den letzten Jahren wegen Mieterhöhungen gegen Mieter geführt hat oder noch führen wird.“

Bertram von Boxberg, ehemaliger Quartiersrat und jetzt Fraktionsmitglied Bündnis 90/Die Grünen in der Bezirksverordenetenversammlung Tempelhof-Schöneberg weist darauf hin, dass der Koalitionsvereinbarung erst vom Abgeordnetenhaus umgesetzt werden muss und es deshalb zur Zeit kein Mietenbündnis zwischen dem Senat und den sechs Wohnungsbaugesellschaft gäbe. „Es ist notwendig, dass wir uns überlegen, wie wir damit umgehen,“ unterstreicht er.

Diese Einschätzung wird von Mieterrat Rainer Felkemeyer geteilt. „Vermieter rechnen damit, dass circa 80% der MieterInnen einfach zahlen. Das lohnt sich schon für die Vermieter. Die Interessen von Mietern und Vermietern gehen nicht zusammen. Der Koalitionsvertrag ist nur eine Willensbekundung, das ist noch kein Gesetz. Die vorige Regierung hatte auch einen Koalitionsvertrag, doch von den dort aufgeführten Punkten haben viele niemals eine Gesetzeskraft erhalten. Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass die Wohnungsbaugesellschaften jetzt ein soziales Gewissen haben.“

Christine Scherzinger, ebenfalls ehemalige Quartiersrätin und nun für Die Linke in der BVV Tempelhof Schöneberg, fügt hinzu. „Es gibt diese Nische und man muss Druck ausüben. In der BVV wird es dazu eine mündliche Anfrage geben, die fragt, wie damit umgegangen wird, dass es diese Nische gibt, was gedenkt die Gewobag in diesem Fall zu tun. Solch eine Anfrage an die BVV könnte auch von allen BewohnerInnen gestellt werden.“

Auch Quartiersmanager Remzi Uyguner schließt sich an und stellt dann die wichtige Frage, in welchen Häusern denn bereits eine Mieterhöhung erfolgt sei. Für den Quartiersrat und das Quartiersmanagement sei es wichtig, darüber genaue Kenntnis zu haben. Viele Arme fliegen in die Höhe und die Informationen nimmt der Quartiersrat in seinen offenen Brief auf:

Auf dieser Mieterversammlung wurde festgestellt, dass in mindestens 20 Häusern im Schöneberger Norden Mieterhöhungsverlangen erklärt wurden. Die Liste der Häuser können wir Ihnen bei Bedarf zur Verfügung stellen. Es geht hier um unterschiedliche Straßenzüge und um unterschiedliche Gebäude- und Förderarten. Und es sind keine Einzelfälle sondern offensichtlich eine breit gestreute Strategie.

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Kulmer Straße

Neben den für die Kiezen gewählten Mieterbeiräte der Gewobag, sind an diesem Abend auch zwei Vertreter des landesweiten Mieterrat der Gewobag zugegen. Sie sichern zu, dass sie auf Antworten bezüglich der bereits geführten Mieterhöhungsverfahren und deren Ausgang drängen werden.

„Wohnungsbaugesellschaften haben nur einen gewissen Entscheidungsspielraum und der ist gar nicht so weit, wie sie glauben,“ sagt Rainer Felkeneyer. „Da ist letzten Endes der Senat zuständig. Ich vermute mal, dass alle sechs Wohnungsbaugesellschaften diese Lücke ausnutzen. Wir vernetzen uns auch mit den Mieterräten der anderen Wohnungsbaugesellschaften, um mittelfristig politischen Druck auf den Senat auszuüben.“
[Anmerkung 24.1.2017: Seine Vermutung hat sich inzwischen bestätigt]

Er und sein Kollege weisen darauf hin, dass die Mieterbeiräte und die Mieterräte bei allen Berliner Wohnungsbaugesellschaften leider nur ein Mitwirkungsrecht und kein Mitbestimmungsrecht hätten. Hinzu kommt, dass es die Mieterräte überhaupt erst seit Herbst 2016 gibt. „Wir haben uns jetzt alles angehört und werden das besprechen,“ sichert Mieterrat Klemens Witte, der als gewählter Vertreter des Mieterrates auch im Aufsichtsrat der Gewobag sitzt, zu. “Wir wollen politische Veränderungen anzustoßen. Doch können wir beide nicht individuell handeln, sondern werden uns zuerst mit den anderen sieben Mieterräten beraten. Wenn ein Beschluss zustande kommt, dann können wir tätig werden. Der Aufsichtsrat tagt im März zum ersten Mal.“
[Anmerkung: Am 22. Januar teilte Klemens Witte per Email mit, dass der Mieterrat beschlossen hat, den Offenen Brief des Quartiersrates zu unterstützen.]

Ihr habt ein schönes Thema für die Presse“
All dies klingt zäh, bürokratisch. In keinster Weise peppig motivierend. Doch ein später Redebeitrag bei der Veranstaltung lässt aufhorchen. „Wir waren erfolgreich, wir haben uns gegen Modernisierung gewehrt. Die Gewobag wollte damit eine 100% Mieterhöhung bewirken,“ berichten MieterInnen aus dem Prenzlauer Berg. „Letztendlich war das ein Geschenk. Denn wir sind in den ganzen Monaten so schlau geworden. Die Gewobag hat die Modernisierungsankündigung zwar gestoppt, doch jetzt versuchen sie die nächsten Schritte und sind dabei ganz vorsichtig.“

Sie hätten demonstriert und konnten die Presse gewinnen, über ihre Aktionen zu berichten. „Das hat uns wirklich geholfen und es ist notwendig,“ sagen sie. „Ihr habt eine schönes Thema, dass man an die Presse tragen kann. Doch muss man jetzt geschehen. Wir müssen immer Druck machen und zwar politisch.“

Ein erster Schritt in diese Richtung ist der Offene Brief des Quartiersrates:

Zu diesem Zeitpunkt, an dem die neue Regierungskoalition in Berlin Maßnahmen vereinbart hat, die die Kosten des Wohnens eindämmen sollen, beschädigen diese Mieterhöhungsverlangen die Glaubwürdigkeit der neuen Wohnungspolitik.

Daher appellieren wir an den Vorstand der GEWOBAG sowie an Sie als Verantwortliche in Politik und Verwaltung:

  • Bitte sorgen Sie dafür, dass diese Mieterhöhungsverlangen zurückgenommen werden, bis die Festlegungen der Koalitionsvereinbarung in Kraft gesetzt werden.
  • Bitte erklären Sie die Rücknahme der Mieterhöhungsverlangen öffentlich und den einzelnen betroffenen Mieter/innen gegenüber, damit diese nicht unnötig einem Gerichtsprozess ausgesetzt werden.

Wir erwarten Ihre Antwort bis zum 27. Januar, denn in vielen Fällen läuft die Überlegungsfrist der Mieter/innen am 31. Januar 2017 ab.

Der Quartiersrat Schöneberger Norden wird diesen Appell auch an die Fraktionen der BVV Tempelhof-Schöneberg senden und um Unterstützung bitten.

An die Presse gehen diese Informationen natürlich auch. Und für Mietertreffen nach dem 27. Januar werden größere Räume belegt.

Schimmel, Ratten und jetzt auch noch Asbest

Tarsap_01Neue Schilder hängen seit letzter Woche an den Eingangstüren und in den Hausfluren der sechs „TARSAP-Häuser“ in der Kulmer Straße 1-4 und Alvenslebener Straße 12 und 12a.

Sie ersetzen Einladungen zu der folgenden Veranstaltung. Um sie anzubringen, sind Einladungen zu einer Veranstaltung entfernt worden.

Informationsveranstaltung  zur Asbestbelastung in den Häusern
Alvenslebenstraße 12 und 12 a und Kulmerstraße 1 bis 4
am Mittwoch, den 11. März 2015 um 17 Uhr
im Gemeindesaal der Ev. Luther-Kirchengemeinde
Bülowstraße 70/71, 10783 Berlin Weiterlesen

O-TonArt Theater? Ja, unbedingt!

Von HU-Gastblogger Kay

Das Schöneberger Kieztheater kämpft ums Überleben. Es geht dabei um mehr als einen Kleinkunstbetrieb. Es ist auch die Frage nach dem Kulturverständnis einer ganzen Stadt.

Kürzlich ist mir zum ersten Mal ein Satz über Berlin zu Ohren gekommen, der normalerweise nur über Städte wie New York, Paris oder London geäußert wird: Das Tolle an Berlin sei ja, dass man zu jeder Zeit so viele verschiedene Dinge machen könne, dass man auch ruhig mal zu Hause bleiben könne.

Mal davon abgesehen, dass der kausale Zusammenhang zwischen der Vielfältigkeit der Erlebnismöglichkeiten und der Entscheidung, in seiner Wohnung zu bleiben, während draußen das wilde Leben tobt, sich mir nicht in Gänze erschließen mag, will ich nicht anzweifeln, dass das Zuhause-bleiben seinen ganz eigenen Reiz haben kann. Was allerdings die vielfältigen Erlebnismöglichkeiten angeht, so möchte ich zwar nicht laut und bestimmt widersprechen, aber doch ein wenig grüblerisch die Stirn in Falten legen. Weiterlesen

Lass dich verführen !

Von Gastbloggerin Uta

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Sommerkurses  2011 “Onlinejournalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität

Cafés gibt es in Berlin zu genüge, da ist es wirklich schwierig die richtige Wahl zu treffen. An nahezu jeder Ecke findet man die verschiedensten Anbieter von kleinen Snacks, Kuchen und Kaffee.  Wer die Wahl hat der hat auch die Qual. Meistens entscheidet man danach wo es am besten schmeckt, was bezahlbar ist, eine angenehme Atmosphäre herrscht und nicht so weit entfernt vom Standort ist, so ist es bei mir zumindest.

Doch manchmal lohnt es sich auch einen etwas weiteren Weg auf sich zu nehmen.  Besonders dann, wenn man ein wenig Ruhe, fernab von der Hektik der Großstadt oder etwas anderes als eine der großen Caféketten sucht, etwas was nicht der Masse der Cafés entspricht. Da wo alles noch echt wirkt und nicht auf den neuesten Standard getrimmt ist, sondern gemütlich mit Niveau und einer ganz besonderen Atmosphäre.

Da wäre zum Beispiel das Café Savarin. Ein echter Geheimtipp ist es wahrscheinlich nicht mehr, selbst auf Wikipedia wird das Café im Zusammenhang mit der Kulmer Straße erwähnt. Da sich das Café Savarin in einer Nebenstraße, nahe der Potsdamer Straße befindet, kann man sich hier noch ohne Straßenlärm oder überfüllten Fußwegen eine Pause gönnen. Die Auswahl an Kuchen und Quiches ist wirklich groß. Alles ist selbstgemacht und lässt besonders bei Kuchen- und Tortenliebhabern die Herzen höher schlagen. Sonntags gibt es zusätzlich ein Frühstücksbuffet, mit allem was zu einem leckeren Frühstück dazugehört. Den frisch gepressten Orangensaft und Wasser gibt es umsonst dazu erklärt mir die freundliche Serviererin. Übrigens gibt es hier auch keine Karte, wer etwas bestellen möchte muss an der kleinen Tafel im Café seine Auswahl treffen oder schaut am besten gleich an der Theke welcher Kuchen verköstigt werden soll.

Die große Holztheke nimmt eine gesamte Wandseite ein. Auf der gegenüberliegenden Seite fällt mir ein Tisch mit einem Untergestell von eine alten Nähmaschine und einer Marmorplatte auf. Runderherum stehen weitere Holztische- und Stühle. Im anderen Raum, weiter hinten, steht ein schwarzes Klavier und weitere Tische. Von innen sieht das Café  insgesamt größer aus als ich erwartet hätte.  

Wenn das Wetter angenehm ist kann man sich auch an einen der kleinen Tische vor dem Café setzen.  Schaut man nach oben sieht man Kabel mit bunten Glühbirnen um die Bäume geschlungen und an den Seiten der Fassade befestigt. Das verleiht dem Ganzen einen besonderen Charme.

 

 

Die Sonne scheint am wolkenlosen Spätsommerhimmel deshalb entscheiden wir, uns an einem der kleinen Tische vor dem Café niederzulassen, um die vielleicht letzten wärmenden Sonnenstrahlen, die durch die Bäume am Straßenrand zu uns gelangen, genießen zu können. Kurze Zeit später kommt auch schon die Serviererin und bringt mir einen Schokokuchen und meiner Begleitung eine Schwarzwälder-Kirsch Torte. „Unglaublich lecker sieht das hier alles aus, normalerweise esse ich ja lieber herzhafte Sachen, aber die Torte sah einfach zu gut aus,“  sagt sie mir, lächelt mich an und macht sich auch schon über das Stück auf ihrem Teller her.

„Schon verrückt wie viele verschiedene Ecken Berlin hat, sonst finde ich die Gegend hier ja etwas gewöhnungsbedürftig, anders halt als bei mir Kreuzberg, wo alles überladen ist und jeder Dritte einen Latte Macchiato trinkt“, sagt sie mit Blick auf die andere leere Straßenseite. Hier sehe ich keinen einzigen Latte Macchiato auf den Tischen stehen. Es sind auch nicht mehr alle Tische besetzt wie einige Zeit zuvor als wir ankamen. Auch wir sind fertig mit unseren Kuchen und müssen wieder los. Einen Besuch war es auf alle Fälle wert und es war mit Sicherheit auch nicht der letzte.

Durch den Regen

Von Gastblogger Frank Haberland

Ich muss mich beeilen.

Mit der U-Bahn gibt es Probleme. Die BVG baut. Also steige ich schon Yorckstraße aus.

Nieselregen hängt wie feiner kalter Dunst in der Luft. Durchnässt mich so vollständig wie ein Bad im Landwehrkanal.

Ich folge der Kulmer Straße, bis sie in die Bülow übergeht. Auf dem Dennewitzplatz freut sich ein Hund. Er darf einem Stock hinterherjagen, den sein Frauchen gerade weggeworfen hat. Das Tier bringt ihn sogar zurück. Hoffentlich macht er das nicht auch mit dem Hausmüll. Oder Schienbeinen.

Vorsorglich wechsle ich die Straßenseite. Gehe an der Commerzbank vorbei. Ich mochte das alte Logo lieber. Aber ich verstehe den Wechsel. Irgendwie muss man den Mitarbeitern der Dresdner Bank zeigen, dass sie ein willkommener Teil des Konzerns sind – und nicht nur zusätzliche Kapitalmasse.

Die Potsdamer Straße schneidet meinen Weg. Ein Strom aus Geschäften und Wohnhäusern und Autos und Menschen, der sich durch die halbe Innenstadt ergießt.

Es nieselt nicht mehr. Jetzt regnet es. Der Beton ist nass. In Pfützen spiegelt sich die Werbung eines Telekommunikationsgeschäfts. Die Luft ist durchwebt von Abgasen und Feuchtigkeit. Aber ich sehe nur wenige Regenschirme. Vielleicht fehlt die Zeit, sie aufzuspannen?

Der Wind treibt die Gerüche eines Asiaimbisses heran, vermengt mit den Stimmfetzen eines Obsthändlers. Orangen sind im Angebot. Vielleicht später, jetzt drängt die Zeit.

Ich sehe viele Gesichter, ich vergesse viele Gesichter. In der Großstadt bist du nie allein, aber schnell einsam.

Was geht vor in diesen Menschen? Welche Gedanken hängen hinter der nassen Stirn? Jeder hat seine Ziele und Wünsche. Jeder eilt durch die Welt, den Kragen hochgeschlagen, die Kapuze ins Gesicht gezogen.

Die Menschen gehen ihrem Tagwerk nicht nach – sie hetzen.

Ich passe mich dem Tempo an. Das Herz der Stadt diktiert unhörbar seinen Takt in die Seelen der Menschen. Es ist schwer sich dem Rhythmus zu entziehen. Aber den Versuch ist es wert.

Nicht gegen den Strom schwimmen – aber langsamer schwimmen. Auch das ein Kuriosum. In Berlin beeilt sich der Mensch. Immer hat man das Gefühl, gerade zu spät zu kommen, zu spät zu sein. Ob du zur S-Bahn oder Bushaltestelle läufst, es treibt dich; etwas treibt dich an. Beweg dich schneller, flüstert es. Sonst verpasst du den Zug. Sonst verpasst du die Vorlesung. Sonst verpasst du den Frisörbesuch. Irgendetwas verpasst du immer.

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Und so eile ich Straße entlang. Weil das Leben nicht wartet. Und Berlin schon gar nicht. Da muss sich auch die Zukunft ranhalten, damit sie nicht überholt wird.

Ich versenke die Hände in den Tiefen meiner Taschen. Natürlich zu Fäusten geballt. Zwischen einem Geschäft, das Kleidung für Bauchtänzer verkauft und Wintergarten-Plakaten, liegt mein Ziel. Ich bin viel zu früh am Freien Museum.

Eine halbe Stunde. Eine Ewigkeit.

Also noch eine Runde. Ich wandere weiter.

Der Potsdamer Platz erhebt sich gegen den grauen Himmel. Riecht nach Tourismus und Geld. Aber am Anfang der Potsdamer Straße mischt sich ein modriger Hauch hinzu.

Viele Gebäude stehen leer. Die Fenster sind blind. Die Türen verschlossen, in den Schaufenstern liegen nur vertrocknete Insektenpanzer und Staub. Die Investoren warten ab. Hast schadet den Geschäften. Ich blicke auf die Uhr – nur noch vier Minuten. Schnell zurück!

Ich muss mich beeilen.