Schlagwort-Archiv: Lützowstraße

Arbeit und Anerkennung im Lützowtopia

Von Gastbloggerin Christine

Im Maggi-Haus in der Lützowstraße liegt das einzigartige „Lützowtopia“, eine Tagesstätte für Menschen mit HIV/Aids oder Hepatitis C, die eine seelische Behinderung haben. Hier dreht sich alles um Menschen, die aus verschiedenen Gründen durch das Netz der sozialen Absicherung gefallen sind. Durch Arbeit und Beschäftigung sollen sie ihrem Leben wieder Struktur geben.

Ein freundliches Lächeln und der Duft von Kaffee – mein Empfang bei Lützowtopia ist perfekt. Karin Waltz, Leiterin der Tagesstätte, sitzt gerade mit ihren Klient_innen beim Frühstück, begrüßt mich und bietet mir etwas zu trinken an. Die Leute am Tisch unterhalten sich ruhig, die Atmosphäre wirkt entspannt. Im Gespräch erklärt mir Karin Waltz, dass das tägliche gemeinsame Frühstück und Mittag zum Programm gehören. Dazwischen finden die diversen Arbeitsgruppen statt.

Ins Lützowtopia kommen Menschen, die aus verschiedenen Gründen Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags haben, darunter hauptsächlich schwule Männer, so Karin Waltz, aber auch psychisch Erkrankte, Drogengebrauchende und Migrant_innen. Viele besitzen kein soziales Netz, leiden an Depressionen oder sind aus Krankheitsgründen berentet. Karin Waltz erzählt beispielhaft von Situationen, in denen plötzlich die Wohnung nicht mehr versorgt werden kann und verwahrlost. Im Lützowtopia finden sie Beschäftigung, Anerkennung und einen Austausch mit Anderen.

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Karin Waltz, Leiterin von Lützowtopia

Die Arbeit soll bei der Strukturierung des Alltags helfen, auf reale Arbeitsbedingungen vorbereiten und eine Wertschätzung über das eigene Schaffen ermöglichen. Bestenfalls werden die entstandenen Produkte auch verkauft, z. B. auf dem Rixdorfer Weihnachtsmarkt und in einem Geschenkartikelladen in Kreuzberg. „Arbeit soll sinnvoll sein“, sagt Karin Waltz. Gern würde sie auch Ausstellungen mit der Kunstgruppe machen. Sie ist immer auf der Suche nach weiteren Kooperationsmöglichkeiten.

Ulf Neubauer treffe ich in der Keramikgruppe. Er schätzt vor allem die Bestätigung, die er durch die Gruppe bekommt, wenn die Anderen seine Arbeiten sehen und ihn darauf ansprechen. Er habe gelernt, sich mehr zuzutrauen. „Ich bin ‚was wert. Ich kann ‚was“, beschreibt er seine innere Entwicklung bei Lützowtopia.

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Die Keramikgruppe bei der Arbeit an der Osterkollektion

Ulf Neubauer hat eine dreimonatige Alkoholentwöhnung hinter sich. Dafür hatte er die Betreuung im Lützowtopia beendet, „damit ich nicht sagen kann, ich geh‘ einfach zurück.“ Denn mit dem Lützowtopia als Ausweichmöglichkeit, wäre es zu leicht gewesen die Reha abzubrechen. Dennoch habe er gewusst, dass er immer wieder beim Lützowtopia an die Tür klopfen kann, wenn er aus guten Gründen vorzeitig mit der Reha aufhört. Das habe ihn bestärkt, die Alkoholentwöhnung durchzuziehen. Er hat starkes Vertrauen zum Team bei Lützowtopia: „Mir wurde nie der Kopf abgerissen, wenn ich wegen Alkohol oder meinen Depressionen wochenlang abgehauen bin.“

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Nach der Winterpause bereitet sich die Gartengruppe auf die Rückkehr in den Garten vor.

Karin Waltz ergänzt: „Wir arbeiten nicht mit Enttäuschung.“ Wichtig für ihre Arbeit sei, die Menschen nicht zu verurteilen, sondern sie so zu nehmen, wie sie sind. Ulf Neubauer traut sich mittlerweile die Rückkehr auf den ersten Arbeitsmarkt zu und bereitet sich bei Lützowtopia darauf vor. Doch das gelingt nicht allen, so die Leiterin. Häufig geht es für die Klient_innen auch darum, sich darauf einzulassen, dass ihre Möglichkeiten begrenzt sind. Zwar müssen die „großen Träume“ wertgeschätzt werden, aber gleichzeitig auch die nächsten möglichen Schritte geplant werden. Und die bestehen häufig darin, eine eigene Wohnung zu bekommen und zu versorgen, die Miete regelmäßig zu zahlen, das eigene Geld zu haushalten, ärztliche Termine wahrzunehmen, die Medikamente einzunehmen und eine allgemeine Lebenszufriedenheit zu entwickeln. Die Zielsetzungen werden dabei immer individuell mit den Klient_innen entwickelt.

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Liebevoll verpackt: Samen aus dem Garten

Die Gartengruppe trifft gerade Vorbereitungen für die Rückkehr in den Garten: Balken für die Hochbeete lackieren. Alexandra Obenauf, Gartentherapeutin, zeigt mir eine Kiste mit liebevoll verpackten Samen aus dem Garten für den Verkauf. An den Wänden hängen und stehen Insektenhotels, Schmetterlings- und Vogelhäuser. Auch hier treffe ich auf freundliche Menschen, die mir bestätigen, dass sie durch die Arbeit im Lützowtopia vor allem eines erlangen: Anerkennung.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Winterkurses 2015 “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität.

Neueröffnung Maître Vite

Von HU-Gastbloggerin Senta

„Sie sind ja hier. Hallo, schön Sie zu sehen. Das ist ja klasse, Sie hier zu sehen. So geht das jetzt schon den ganzen Morgen,“ sagt Moni und strahlt. „So viele Potsdamerianer waren schon hier. Sie freuen sich sehr, dass das Maître Vite wieder einen Laden hat. Und ich freue mich, dass ich weiterhin an der Potsdamer dabei bin.

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Inhaber Dennis Pieczarka nickt bestätigend. „Seitdem die Schilder hier an den Fenster waren, habe ich immer wieder E-Mails und Nachrichten erhalten von Leuten, die wissen wollten, wann wir denn nun endlich aufmachen,“ sagt er. „Das ist schon sehr ermutigend.“ Weiterlesen

Wachsenlassen und die Grüne Bibliothek

Von HU-Gastbloggerin Luna

Wenn im Frühling die ersten Maiglöckchen zum Vorschein kommen, dann möchte man manchmal dem Alltag entfliehen und einfach die Natur genießen.

Im Gemeinschaftsgarten Wachsenlassen in der Kluckstraße 11 in Tiergarten-Süd wird den Bürgern des Kiezes genau das ermöglicht. Und wer sich vorher mit dem Thema urbanem Gärtnern vertraut machen möchte, kann in der anliegenden Grünen Bibliothek in einem der vielen Bücher zu diesem Thema schmökern.

Grüne Biblio2,1Das Fortbestehen der Bibliothek verdankt sich engagierten Bürgern, die sich im Januar 2013 zusammengeschlossen haben, um die von Schließung bedrohte Bibliothek Tiergarten Süd weiterzuführen. Gemeinsam mit dem Amt für Weiterbildung & Kultur Berlin-Mitte, Fachbereich Bibliotheken, dem Stadtteilverein Tiergarten e.V. und der IG Bibliotheken, haben sie das Konzept der Grünen Bibliothek entworfen. Sie ist ein generationsübergreifendes und interkulturelles Projekt, das Angebote im Bereich Urbanes Gärtnern, Do It Yourself und Sprach- und Leseförderung anbietet. Weiterlesen

Misstönige Fanfarenstöße für die Allegro Grundschule

ODER
Die Zementierung eines schulpolitisch unbefriedigenden Zustandes

Haben Sie schon einmal in der Philharmonie musiziert und sind von Tausenden von ZuschauerInnen beklatscht worden? Nein?

Dann stellen Sie es sich doch einfach mal vor. Sie stehen mit 50 – 80 MusikerInnen auf der Bühne und spielen, singen, trommeln ein Stück, das sie zuvor gemeinsam einstudiert haben. Es gelingt gut, schon das ist ein Grund zur gemeinsamen Freude. Und dann kommt der Applaus des Publikums. Sie wissen, dass im Raum auch ihre Geschwister, FreundInnen oder Verwandte sitzen und jetzt ihr Können bejubeln. Vielleicht ist die Zuhörerschaft auch so begeistert, dass Sie noch eine Zugaben spielen müssen.

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Auch für Erwachsene sind das jedes Mal wieder wunderbare Momente. Für Kinder und Jugendliche sind sie jedoch noch viel einprägsamer. Ich weiß das, denn ich spreche aus jahrzehntelanger Musizier- und Konzerterfahrung. Weiterlesen

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Seit fast einem Jahr ist leuchten die drei roten Punkte nun an der saniert glänzenden Fassade Ecke Lützowstraße. Viel Beachtung habe ich ihnen nie geschenkt. Vor Weihnachten erfahre ich jedoch, dass sich in diesem Haus Europas einziges Museum zur Geschichte der Sicherheit. Und melde mich für einen Besuch an.

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Zur Vorbereitung meines Treffens mit dem Unternehmenshistoriker Erich Kupferschmidt checke ich kurz das Internet: Securitas Holding GmBH – Potsdamer Straße 88, 10785 Berlin. Ich erfahre, dass es insgesamt 120 Niederlassungen in Deutschland gibt, die Bereiche der Dienstleistungen endlos und Securitas Deutschland mit einem Umsatz von 657 Millionen Euro und rund 19.000 Beschäftigten Deutschlands „Führender Sicherheitsdienstleiter“ sei.

Aha. Weiterlesen

Auf den Spuren der Salons der 20er

von Gastbloggerin Angelina

Auf den Spuren der Salons der 20er

Image-0089_hochformatAm Eingang Sandstein –Stuckfassade. Durch die Einfahrt warten weiß verklinkerte Hinterhöfe. In hörbarer Nähe die Potsdamer Straße, die den Feierabend durch Busse und Autos einläutet. Hindurch zum zweiten Hinterhof. In den ersten Stock des ehemaligen Maggi-Hauses. Plötzliche Ruhe. In einigen Ecken hört man noch Leute in dem alten industriellen Haus arbeiten.

So auch Ralph Mayer. Er ist noch in einem Gespräch. Die Tür zum Büro steht offen. Ich sehe einen großen Loft. In einem Regal sehe ich zwischen Diercke Atlas, BGB und der Bibel, Kant und Wagners Tannhäuser, Bücher über das MOMA Berlin, über Stillleben und ein dickes Buch über die Potsdamer Straße. Auf seiner Internetseite beschreibt sich Mayer selbst als: „Bekennender Kunstfan, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat.“ Weiterlesen

Gruß an Frank Wedekind zum 150. Geburtstag

MaggikrautWas dem Einen fehlt, das findet
In dem Andern sich bereit;
Wo sich Mann und Weib verbindet
Keimen Glück und Seligkeit.

Alles Wohl beruht auf Paarung;
Wie dem Leben Poesie
Fehle Maggi’s Suppennahrung
Maggi’s Speise-Würze nie! –

So dichtete der Frank Wedekind im Alter von 22 oder 23 Jahren im Auftrag von Julius Maggi. Weiterlesen

Fortschreibung – Kiezmosaikische Integration

Fortschreibung 1
14. Juli 2014 – Wir sind Weltmeister!

Gestern beim Mitfiebern und Mitfreuen während des Finales der WM 2014 und der anschließenden Preisverleihung, fiel mir diese Geschichte des Kiezmosaiks wieder ein.

1. Veröffentlichung: 11. September 2010:

Seit Frühling 2009 gehen die Künstlerin Anita Staud und die Rechercheurin und Kulturmanagerin Regine Wosnitza immer wieder mit Gruppen zum Kiezmosaik am Seniorenstift der Elisabeth-Klinik in der Lützowstraße. Inzwischen haben dort SchülerInnen der Fritzlar-Homberg/Grips Grundschule, SeniorInnen, Geschäftsführer und Personal der Elisabeth Klinik, PassantInnen, Frauentreff Olga, AnwohnerInnen, der Kontaktbereichsbeamte, MalschülerInnen einen Stein bemalt und zur Erstellung dieses Gesamtkunstwerkes beigetragen.

Irgendwann entstand der Deutschlandflaggenstein Weiterlesen

Geheimtipps Potsdamer Straße

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Anfang Mai 2014 erschien die zweite Auflage des Booklets „Geheimtipps Potsdamer Straße“, das Geschäfte und Restaurants im Gebiet vorstellen, die in ihrer Art einzigartig sind. In ihrer Gesamtheit zeigen sie die vielen Kleinodien, die AnwohnerInnen und BesucherInnen der Potsdamer Straße entdecken können. Sie machen den Charme der Straße aus, die von dem international geprägten Einzelhandel geprägt ist.

Die Texte des Booklets, das von LOK.a.Motion GmbH im Rahmen des Projektes „gemeinsam wirtschaften an der Potsdamer Straße“ erstellt worden ist, basieren auf ausführlichen Interviews mit den GeschäftsführerInnen. Dr. Sibyll Klotz, Stadträtin für Gesundheit, Soziales, Stadtentwicklung, war begeistert, denn auch sie als gute Kennerin des Gebietes entdeckte in ihm neue Orte: „Es zahlt sich aus, dass das Quartiersmanagement Schöneberger Norden seit Jahren einen hohen Wert auf das Arbeits- und Wirtschaftsleben im Kiez legt“, lobte sie und betonte, dass durch die persönlichen Geschichten und guten Informationen die Vernetzung von UnternehmerInnen im Kiez bestens gefördert werden.

Insgesamt 16 Geschäfte entlang der Potsdamer Straße und in den Nebenstraße sind portraitiert worden. Hier findet man sie im Überblick. Das Booklet im Printformat erhält man in den jeweiligen Geschäften und im VorOrtBüro des Quartiersmanagements Pallasstraße 5, 10781 Berlin .

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Fotos: Carmen Jasmyn Hoffmann | Text & Layout: Göran Halit

Auf der Bühne

Interview mit Ilona Maennchen, von freiberuflichen zur sozialen Perspektiven.

Von HU-Gastbloggerin Elsa

Als vielfältige Künstlerin in ihrem Beruf verkörpert Ilona Maennchen heutzutage ein ausgezeichnetes Beispiel von einer kreativen Berufstätigen in Berlin: freiberuflich, anpassungsfähig, teamfähig, von lokalen Berliner Projekten zu internationalen Bühnenmalereiprojekten, von Kunstwerken zu sozialen Medien. Sie definiert ihren Beruf unter Freelance Kommunikation Designerin. Ihr Unternehmen nennt Sie Art&Scenography-Designund beschreibt ihre Beschäftigung als „unique creator Design“.

Neulich hat Ilona Maennchen an der Aktion „mein Kiez“ der KinderKUNSTmagistrale teilgenommen, die von Gabriele Hulitschke konzipiert und geleitet wurde. Mit der Klasse S6 der Allegro Grundschulein der Lützowstraße gestaltete sie einen Workshop zum Thema: Variete Wintergarten gestaltet. Sie strebt an, in ihrem Berufsfeld eine Transparenz zu finden, zwischen Kunst und wirtschaftlichem Austausch. Dementsprechend interessiert sie sich auch für Crowdfunding, wo sie auch bestens vernetzt ist:

I am working in the field between culture and art´s. Cooperation between art and economic aim. If we can try to change something than we have to be open to each other.” Weiterlesen