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„Wir müssen uns vergegenwärtigen, wer das Hausrecht hat.“

Carsten Spallek is not amused.

Der Bezirksstadtrat möchte gerne über seine letzte Erfolgsgeschichte in Tiergarten-Süd plaudern. Vor einem Jahr – kurz vor der Berliner Senatswahl – hatte er den langersehnten Zaun um den Magdeburger Platz eröffnet. Die Gießkanne und Schäufelchen, die ihm damals die AG Magdeburger Platz des Stadtteil-Forums Tiergarten-Süd überreichte ständen bei ihm zu Hause, erzählt er, und erinnerten ihn immer wieder daran, wie er als damaliger Bezirksrat für Bezirksstadtrat für Stadtenwicklung, Bauen, Wirtschaft und Ordnung hier Gutes her gebracht hätte.

Die Moderatorin unterbricht in sanft. Nun sei ein Jahr später, er – Carsten Spallek – sei inzwischen Stadtrat für Bezirksstadtrat und Leiter der Abteilung Schule, Sport und Facility Management sowie zuständig für die Zentrale Vergabestelle. In dieser Funktion sei er zum Stadtteil-Forum eingeladen, ein Kennen lernen soll sein. Der Paul-Gerhardt-Raum ist mit über 30 Forumsmitgliedern und Besucher*innen gut gefüllt. Und dann ist sie da – die Allegro-Grundschule und sie wird zum Hauptthema an diesem Abend Anfang September 2017. Übrigens ist es wieder kurz vor einer Wahl. Dieses Mal im Bund. Das ist aber Zufall.

Ihnen sind Kinder ein hohes Gut
Katja Kaba, Vorsitzende der Gesamtelternvertretung der Allegro-Grundschule, erhält das Wort. „Es ist viel Bewegung und das ist gut,“ schickt sie voraus. Sie redet ruhig und mit Bedacht. Kurz vor den Sommerferien, sei plötzlich das Erdgeschoss gesperrt worden. Die Kinder hätten in den letzten drei Tagen des Schuljahres nachmittags nicht mehr betreut werden können. Dass mit dem lang verhandelten Einzug der KiTa Maulwurf Umbaumaßnahmen anständen, hätten sie gewusst, doch wann es soweit sei, diese Information hätte sie nur sehr kurzfristig erreicht. Eine Umzugsfirma sei gekommen, um die Möbel, die die Lehrer*innen und Schüler*innen nicht selbst transportieren konnten, umzuräumen. Die Volkshochschule sei auch wieder eingezogen. Ja und der Computerraum und auch der Serverraum seien nun verschlossen. Es könnte sein, dass die Schule nun ohne Internet auskommen müsse.

Die Berechnung des Schulentwicklungsplan (2,1 Züge) sei falsch, es seien 2,74 Züge. Die Pläne für den Umbau, noch aufgestellt von der Vorgängerin Sabine Smentek seien im Bezirksamt verschwunden. Es gäbe jetzt auf einmal drei Räume weniger. Daraufhin hätte das Bezirksamt kreativ gerechnet und auf einmal seien die notwendigen Raumgrößen verkleinert worden, so dass auf einmal Räume als Klassenräume gälten, die vorher nicht gezählt worden seien.

Wir begrüßen, dass sich der Bauleiter bei der Schulbegehung im Juli viel aufgeschrieben hat,“ sagt Frau Kaba. „Doch wir würden uns auch freuen, wenn wir nähere Erläuterungen darüber bekämen, ob es einen Zeitplan gibt.“ Der Bauleiter hätte zu bedenken gegeben, dass die Geschwindigkeit des Umbaus sich verzögern können. Dies hänge von der Schulelternschaft ab.

Ich werde hellhörig. Was ist damit gemeint? Eine Arbeitsbeschreibung à la, dass im BA nicht gearbeitet werden könnte, wenn ständig Fragen von den Eltern kämen? Ein Hinweis nun mal Ruhe zu geben. Ich sinniere darüber etwas vor mich hin.

Fläche ist ein wichtiger Rohstoff geworden
Derweil bedankt sich Herr Spallek über die Erwähnung, dass das Bezirksamt und auch er schon mehrfach in der Schule gewesen sei mit verschiedenen Vertreter*innen. Die Schule bekäme mehr Aufmerksamkeit als jede anderen Schule. „Wir haben dasselbe Ziel,“ sagt er, „aber unterschiedliche Rahmenbedingungen. Wenn dann behauptet wird, man sei nicht in Kontakt, dann möchte ich das klar und deutlich zurückweisen. Ich finde es auch nicht okay, wenn dann die Umzugsfirma an der Arbeit behindert wird, erzeugt das Stress und Mehrkosten.“

Herr Spallek spricht von gemessenen und gefühlten Temperaturen, von unterschiedlichen Raumberechnungen. „Natürlich haben sie gefühlt nicht genug Räume, wenn sie Räume abgeben müssen. Doch ob die Anzahl der Räume zu wenig oder angemessen ist, das bestimmt die Schulaufsicht und das ist die gemessene Temperatur. Fläche ist ein wichtiger Rohstoff geworden.“

Er liest aus einem Brief vor, dass der Schulserver in den Ferien verlegt und wieder angeschlossen werden solle. „Es soll noch mal geschaut werden, wie Räume zusammen gelegt werden können. Ich kann mich nur auf das Schulamt beziehen, da kann ich nichts machen, wenn dann auch noch die Senatsverwaltung sagt, dass die Flächen ausreichend sind. Das ist das, worauf ich mich stütze.“

Kommunikation ist manchmal Zuhören ohne zu Hören
Eine Mutter meldet sich zu Wort und bekennt sich, eine Teilnehmer*in an der Behinderung gewesen zu sein. 5 Minuten hätten sie auf der Treppe gestanden, die Umzugsleute hätten derweil eine Zigarette geraucht. Das sei wohl keine wesentliche Störung des Ablaufes gewesen.

Andere Eltern weisen das Argument zurück, dass es anderen Schulen noch schlechter ginge. Oder dass woanders Container stehen und die Schüler*innen aus noch schwierigeren Verhältnissen kämen. Sie weisen darauf hin, dass wir in einem reichen Land wohnten, wo eine gute Schulbildung und Bildungstk doch für alle möglich sein sollten. Außerdem seien auch hier an der Schule die JÜL Klassen mit 26 Kindern so eng besetzt wie an anderen Schulen. Sie seien da alle im selben Boot und würden sich auch gegenseitig unterstützen. Ob es keine Möglichkeit gäbe, den Mangel besser zu verwalten?

In den vielen Jahren, die ich die Schule nun begleite ( von der Fusion Grips- und Fritzlar-Homberg-Schule zur Allegro-Grundschule), den Gesprächen bezüglich der Verkleinerung und des Einzugs der Kita-Maulwurf, den unzählichen Hiobsbotschaften bezüglich Umbauten, Toilettenstrangsanierung und v.m. habe ich begonnen die Allegro-Menschen – von der Schulleitung über Kollegium zu Erzieher*inne zu Eltern mit Schüler*innen – zu bewundern. Dass sie trotz all diesem den Schulalltag nicht nur abwickeln, sondern auch noch viele wertvolle Projekte durchzuführen, Musik, Kunst und Lesen nicht zu kurz kommen zu lassen. Diese Menschen halten sich doch hier täglich auf, denke ich, sie müssen doch wissen, ob Räume zu groß, zu klein, passend für Schulunterricht, für Betreuung oder für Musikunterricht sind. Ich habe den Eindruck, dass das Bezirksamt zwar hört aber nicht zuhört.

Und dann sagt er Herr Spallek diesen Satz. „Wir müssen uns vergegenwärtigen, wer das Hausrecht hat.“

Ich höre diesen Satz als Drohung und sage das auch. Und ich schlage vor, dass der Herr Spallek doch mal einen Monat in der Schule arbeiten solle. Der Vorschlag kommt auf keiner Seite gut an. War ja auch nur eine Idee!

Die Moderatorin zeigt Empathie. Herrn Spallek stände ja wirklich mit dem Rücken zur Wand. Er spricht von Highlander Thematik (?), wiederholt den Begriff Schulplatztsunami, der auf Berlin zukomme, für den er schon vor Wochen kritisiert wurde. Sagt, das mit dem Hausherren sei keine Drohung, kein Downsizen, sondern schlichtweg eine Tatsache. „Sparen bis es quietscht, das sind alles Altlasten,“ sagt er. „Ich habe gelernt, dass Sparen etwas anderes ist als Streichen. Ja es geht um intelligentes Flächenmanagement. Ich habe gelernt, dass die Schülerzahlen steigen. Ich muss versuchen, rechtzeitig die Räume zur Verfügung zu stellen. Schulbau dauert 5 – 8 Jahre. Sagen sie mir später nicht, ich habe beschwichtigt.“

Stadtteilkoordinator Michael Klinnert sieht es anders. „Es geht doch nicht darum, die Mangelsituation weiter zu verwalten. Sondern in Richtung Qualität zu gehen. Es gab die Zusammenlegung der beiden Grundschulen, viel Streit um Bedarfszahlen und Flächenrechnungen. Das haben die Leute hier schon damals damals nicht verstanden. Qualität sollte unsere Zielrichtung sein, besonders bei der Schule. Diese Schule kommt überhaupt nicht zur Ruhe, weil sich ständig etwas verändert. Wir wollen, dass Eltern hier aus dem Quartier ihre Kinder einschulen.“

Und dann kommt mehrmals ein Hinweis von Herrn Spallek, der unbedingt hier dokumentiert werden muss. Der Hinweis darauf, dass doch vielleicht im Lernhaus noch Raummöglichkeiten seien. Nicht sofort, aber vielleicht später. Wenn denn die gemessene Temperatur ebenfalls steigt.

Schulanfang 2017/2018
In der Sitzung der AG Schule im Quartier des Stadtteil-Forums Tiergarten-Süd berichtet Schulleiterin Flemig, dass die Umbaumaßnahmen im Gange seien, doch kaum zu merken sind. „Bisher gibt es keine Lärmbelästigung, denn das Lernhaus ist direkt gegenüber, nicht die Klassenräume. Bisher gab es noch keine Klagen. Die Baucontainer und das Gerümpel, dass ausgeräumt werden musst, ist weg vom Hof. Und ansonsten ist die Tür jetzt halt zu. Wir bekommen nichts mit.“

Das etwas passiert, dass gebaut sei, dass sich die Situation wieder einmal ändere sei zu akzeptieren. Schwierig sei der Schwebezustand.

Chapeau vor dieser Gelassenheit.

GartenPlausch im Schöneberger Norden

von HU-Gastblogger Uwe

WASSER UND ERDE FÜR DEN SCHÖNEBERGER NORDEN

Graphik: gruppe F

Seit Anfang des Jahres 2017 gibt es den „GartenPlausch“ im Schöneberger Norden. Jeden zweiten Donnerstag im Monat treffen sich KiezgärtnerInnen in der Kiezoase Steinmetzstrasse 68, um zu fachsimpeln, sich erste Informationen zu holen oder sich zu vernetzen. Organisiert werden diese Treffen von der gruppe F, die das Projekt GartenAktiv bis Ende 2018 durchführt. Weiterlesen

„Verooonika, der Bagger ist da“ – Familiengarten Kluckstraße in Not

Von HU-Gastbloggerin Kaya

Vorabmeldung: Am Donnerstag, den 14. April zwischen 10 und 16 Uhr wird auf dem Gelände gegärtnert bzw sind GärtnerInnen dabei, das Grün vor dem Baggern zu retten. Wer dabei helfen möchte, geht am besten direkt dorthin und packt an, wo es etwas zu tun gibt. 

Es ist ruhig, dafür, dass wir uns mitten in Berlin befinden. Der Familiengarten in der Kluckstraße ist ein kleines grünes Idyll. Am Zaun hängen Schilder mit Aussagen wie „Wir gärtnern ohne Torf.“ Da juckt mein nachhaltig interessiertes Näschen und ich tauche ab ins langsam aufblühende Grün und lasse die Großstadt hinter mir. Nichts scheint diesem Ort etwas anhaben zu können. Weiterlesen

Kleingartenidylle à la Kreuzberg

von Gastbloggerin Lisa

Die Kleingartenkolonie Potsdamer Güterbahnhof POG gibt es schon seit 1948 und ist für viele AnwohnerInnen ein Ort zum Verschnaufen. Denn hier verliert man schnell das Gefühl von Großstadt und taucht in die Kreuzberger Kleingartenidylle ein.

Eine Armee von Gartenzwergen starrt mich an. Im Hintergrund weht die Deutschlandfahne. Ich bin in einer Kleingartenkolonie. Und wenn ich mir diesen Garten so ansehe, ist es hier genauso wie in allen anderen deutschen Kleingartenkolonien. Perfekt gestutzter Rasen, konzeptionell angelegte Beete. Es erinnert an einen Minigolf-Parcours.

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Im nächsten Garten ist davon nichts zu erkennen. Hier wächst alles so, wie es will, es wurden nur zwischendurch ein paar Beete eingezogen, in denen allerdings auch die Natur die Überhand gewonnen hat. Die Laube sieht aus, als wäre sie von jemandem mit Liebe aber ohne genaueres Fachwissen selbst zusammengezimmert worden und überall in den Bäumen, am Eingang der Laube und auf dem Boden hängt und steht Krimskrams wie ein Windspiel und Skulpturen aus Fundstücken. Ein Gartenzwerg ist nicht dabei.

Ich bin in der POG Kleingartenkolonie am Gleisdreieck, die schon seit rund 60 Jahren existiert. Damals hatten die AnwohnerInnen auf den Trümmern des Potsdamer Güterbahnhofs ihre Lauben errichtet und manche stehen da immer noch genau so. 75 Kleingärten gibt es auf dem Gelände, das inzwischen an den Park am Gleisdreieck angrenzt. Dafür musste gekämpft werden. 2009 – bei der Planung des Parks sollten eigentlich 50 Parzellen sechs Sportplätzen weichen.

Gemeinsam mit vielen AnwohnerInnen und lokalen Initiativen hat Klaus Trappmann, der Vorsitzende des Vereins, jahrelang gekämpft und nun ist die POG Kleingartenkolonie Teil des Parks am Gleisdreieck. Der nördlichste Teil ist sogar in den Park integriert. „Gärten im Garten“ heißt das Konzept.

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Das Erste, was mir beim Hineingehen über den „Eingang Westpark“ ins Auge sprang, war der „Naturraum“, ein eingezäunter Bereich, in dem, wie auf einem Schild erklärt wird, die Natur machen soll, was sie will, und besonders von Kindern erlebt werden kann.

Hinter dem Naturraum und den ersten Kleingärten öffnet sich der Marktplatz mit dem „Café Eule“, wo einige Familien trotz des durchwachsenen Wetters selbstgemachten Kuchen auf Baumstämmen und Weinkisten genossen. Keine der Familien hat eine Laube, doch kommen sie gerne am Wochenende hierher, um ein bisschen auszuspannen. Die Kleingartenanlage sei ihre „Oase in der Großstadt“, sagte eine junge Mutter. Der ganze Park sei eine tolle Möglichkeit für Stadtkinder, auch mal wieder ein Stück Natur zu erleben. „Und wenn man mal ein bisschen Ruhe will, kommt man hier her und spaziert durch die Anlage.“

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Der Marktplatz in den „Gärten im Garten“

Tatsächlich kam sofort Kleingartenidylle auf, als ich weiter in die Anlage hineinlief. Der repräsentative Teil der Gärten ist vorbei, hier wird gelebt. Kleine, verwunschene, teilweise verwucherte Wege führen an den unterschiedlichsten Lauben vorbei. Die meisten Menschen, die ich antreffe, sind gerade dabei, ihren Garten fit für den Sommer zu machen. Es wird gepflanzt und geharkt. Das Gemeinschaftsgefühl sei durch den Kampf um den Erhalt der Kolonie auf jeden Fall größer geworden, sagt ein älterer Mann, der gerade mit einer Schubkarre zu seinem Garten geht. Ansonsten könne man hier aber trotzdem schön seine Ruhe haben, wenn man will.

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„Hier geht es zum Glück nicht so streng zu wie in anderen Kleingartenkolonien“, erzählt mir ein Gartenbesitzer, den ich ungefähr auf dreißig schätzen würde. Zusammen mit einem Freund befreit er gerade den Rasen von Laub. „Bis jetzt habe ich von niemandem mitbekommen, dem irgendwie reingeredet wurde.“ So wirkt es hier auch. Die Kulisse der U-Bahnbrücke, die über die Gärten führt, und die bemalten Häuserwände passen zum Lebensgefühl. HobbygärtnerInnen seien auch viele junge Leute, „und auch nicht immer nur Deutsche.“

Er empfiehlt mir noch im Deutschen Technikmuseum, das auch an den Park am Gleisdreieck angrenzt, das Modell der früheren Bahnhofsanlage rund um den Anhalter Bahnhof und das Gleisdreieck anzusehen, dann verabschiedet er sich und harkt weiter Laub.

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Bienen gibt es auch in der POG Kleingartenkolonie

 

 

Die obligatorischen Deutschlandfahnen wehen hier zwar und Gartenzwerge bewachen das ein oder andere Grundstück, aber trotzdem scheinen in der Kleingartenkolonie am ehemaligen Potsdamer Güterbahnhof alle ihr Plätzchen gefunden zu haben. Und da kriegt man sie so schnell auch nicht mehr weg.

An einem schwarzen Brett am Wegesrand hängt ein Zettel, auf dem steht: „An alle Interessenten für Lauben: Bitte NICHT anrufen, mailen oder faxen! Die Warteliste für Lauben ist unendlich groß und es wird kaum was frei! Tut uns Leid!“

 

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen” des Career Center der Humboldt Universität

 

Ernährung für Geist und Seele im Café Tietz

Das Café Tietz besticht mit Energie in Raum und Speisen. Ein neues Kaffeehaus in der Potsdamer Straße 77.

von HU-Gastbloggerin Miriam

Aus dem M85 an der Haltestelle Lützowsztraße/Potsdamer Straße gesprungen, einmal über die Straße und nach rechts geguckt, fallen einem Neuling in  der Potsdamer Straße sofort die dunkelbeigefarbenen Flaggen des Café Tietz & Cie ins Auge, die sich im seichten Frühlingswind wiegen. Wie die eines Hoteleingangs erscheint die Tür des Cafés, die in das biologisch wertvolle Geschmacksparadies führt. Ich bin heute überpünktlich dort und werde auf Englisch von den drei Mitarbeiterinnen begrüßt. Herr Tietz würde gleich kommen sagen sie, ob ich die drei Minuten Wartezeit mit einem Café Latte überbücken könnte? Kann ich. Weiterlesen

Auf eine frische Minz-Limo ins „Cafe Eule“

Von HU-Gastbloggerin Marleen

Der Frühling steckt in den Startlöchern und was gibt es da Schöneres als die ersten Sonnenstrahlen in den zahlreichen Parks und Gärten Berlins zu genießen. Ein ganz besonders schönes Sonnenplätzchen ist das „Café Eule“  im Westteil des Parks am Gleisdreieck.

eule1.2Etwas versteckt, abseits der asphaltierten Wege, befindet sich der zum Café umgebaute Container, aus dem heraus die Betreiberin Kristiana Elig und ihre Mitarbeiter täglich herrlich leckeren italienischen Kaffee sowie zahlreiche hausgemachte Leckereien verkaufen. Weiterlesen

Wachsenlassen und die Grüne Bibliothek

Von HU-Gastbloggerin Luna

Wenn im Frühling die ersten Maiglöckchen zum Vorschein kommen, dann möchte man manchmal dem Alltag entfliehen und einfach die Natur genießen.

Im Gemeinschaftsgarten Wachsenlassen in der Kluckstraße 11 in Tiergarten-Süd wird den Bürgern des Kiezes genau das ermöglicht. Und wer sich vorher mit dem Thema urbanem Gärtnern vertraut machen möchte, kann in der anliegenden Grünen Bibliothek in einem der vielen Bücher zu diesem Thema schmökern.

Grüne Biblio2,1Das Fortbestehen der Bibliothek verdankt sich engagierten Bürgern, die sich im Januar 2013 zusammengeschlossen haben, um die von Schließung bedrohte Bibliothek Tiergarten Süd weiterzuführen. Gemeinsam mit dem Amt für Weiterbildung & Kultur Berlin-Mitte, Fachbereich Bibliotheken, dem Stadtteilverein Tiergarten e.V. und der IG Bibliotheken, haben sie das Konzept der Grünen Bibliothek entworfen. Sie ist ein generationsübergreifendes und interkulturelles Projekt, das Angebote im Bereich Urbanes Gärtnern, Do It Yourself und Sprach- und Leseförderung anbietet. Weiterlesen

Diskussionen als Selbstzweck

Von HU-Gastbloggerin Marleen

Vorbei unter den Schienen der S-Bahn, biege ich in die MansteinstraßeSAM_4005 ein, eine kleine, eher unauffällige Seitenstraße der Yorckstraße. Hier fällt mir zuallererst ein großes, hell erleuchtetes Werbeschild mit der Aufschrift „Weinhandlung“ auf, welches sich über die gesamte Ladenfront der Mansteinstraße 4 erstreckt. Erst auf den zweiten Blick entdecke ich das Café Manstein4 unter der Reklame. An der Bartheke des gemütlichen Cafés im Kaffeehaus-Stil empfängt mich Inhaber Michael Heermant und wir kommen sofort in ein freundliches Gespräch..

Das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert hat eine ganz besondere Geschichte, wie mir Micha erzählt. Damals beherbergte es eine Schnaps- und Likörbrennerei mit angrenzender Weinhandlung. Die Likörfabrik und Kneipe Leydicke ist geblieben. Die Weinhandlung ist erst einem Künstleratelier gewichen und nach mühevoller Renovierungsarbeit entstand 2011 dieses gemütliches „Wohnzimmer“ für den Kiez. Einzig das große Werbeschild über dem Café erinnert noch an vergangene Zeiten und ist ein fester Bestandteil der denkmalgeschützten Fassade. Allerdings unterscheiden sich beide Läden vom Konzept ganz klar voneinander, wie Micha betont – nicht einmal die hausgebrannten Spirituosen des Nachbarns werden bei ihm ausgeschenkt.

Das Konzept des Ladens ist absolut einzigartig in Berlin und ich hake genauer nach. Micha erzählt mir, wie aus der Idee ein Diskussionsforum für Menschen zu schaffen das heutige Café Manstein4 entstanden ist. Zuvor traf man sich zu Diskussionsrunden privat in den Wohnungen von Freunden, doch da wurde das anschließende Aufräumen schnell lästig. Also werden nun die Räumlichkeiten des Cafés als Forum allabendlicher Diskussionsrunden und Lesungen genutzt. Und der Erfolg gibt Micha recht, wie ich im weiteren Verlauf unseres Gespräches erfahren werde.

Ursprünglich kommt Micha aus der Finanzwirtschaft, in der er nebenbei auch weiterhin arbeitet. Denn er habe den Laden im Jahre 2014 nicht als „Umsatzmaschine“ übernommen, sondern im Vordergrund stehe die Verbesserung der humanistischen Bildung, wie er mir versichert. Man solle verschiedene Erkenntnismethoden erlernen, um selbständig zu einer neuen Erkenntnis zu gelangen. Genau etwas, wonach man heutzutage an der Uni vergeblich suche, wie Micha sagt.

Hierfür sei eine lockere und entspannte Atmosphäre äußerst wichtig – ganz ohne Hierarchien, ohne Fixpunkte. Das gemeinsame Diskussionsziel sei nicht, andere von seiner eigenen Meinung überzeugen zu wollen, sondern sich gemeinsam zu begegnen, um zusammen vielleicht etwas klüger zu werden. Die Produkte, die aus einem solchen Diskussionsabend hervorgehen sollen sind bestenfalls Offenheit und die Irritation des Anderen. So spricht Micha auch von der „Diskussion als Selbstzweck“, denn alle sind Veranstalter, die den Abend gestalten und zusammen etwas produzieren – gemeinsam zu einer Erkenntnis zu gelangen.

Dadurch dass an jedem Wochentag ein bestimmter Themenbereich behandelt wird, sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Ganz entspannt beginnt die Woche mit Methoden zum Thema „Feldenkrais“ – erst theoretisch und danach „werden dann auch mal die Gymnastikmatten im Café ausgerollt und es wird etwas geturnt“. Am Dienstag geht es dann weiter rund um das Thema „Philosophie“. Der „Politische Salon“ und die „Debattierlounge“ wechseln sich mittwochs im zweiwöchentlichen Rhythmus ab. Einzig an diesem Tag werden Experten eingeladen, die über bestimmte Themen referieren. Doch an allen anderen Tagen wird gezielt auf eine „Frontalbeschallung“ verzichtet, vielmehr sollen alle Diskussionsteilnehmer gemeinsam entscheiden, wie der Abend gestaltet wird. Der Donnerstag Abend steht unter dem Motto der „Kapitalwirtschaft“ und am Freitags beschließt „Logik und Argumentation“ das Wochenprogramm. Und wer am Wochenende das Tanzbein schwingen möchte, bekommt am Samstag Abend reichlich Gelegenheit dazu. Beim „Tanztee“ werden Standart- und Lateinamerikanischen Tänze aufs Parkett gelegt. Das Wochenende lässt sich dann gut ab Sonntag Nachmittag rund um das Thema Liebe und Partnerschaft in „Die Beziehungskiste“ im Café Manstein4 ausklingen.

Doch damit nicht genug- das Café bietet auch Raum für wechselnde Kunstausstellungen. Aktuell sind die „Kaltnadelradierungen“ von Eberhard Franke zu bewundern. Ab April werden dann, pünktlich zum Frühlingsbeginn, „Vespa“-Fotos zu sehen sein. Ich frage, ob bei der Kunstauswahl ein besonderer thematischer Schwerpunkt festgelegt sei. Doch auch hierbei, ebenso wie bei allen allabendlichen Veranstaltungen, sei der Rahmen völlig frei. Wichtig sei nur, betont Micha, dass fundamentalistischen Strömungen kein Forum geboten werde.

Die Nachfrage nach Diskussions- oder Leseabenden ist mittlerweile so gestiegen, dass derzeit meist zwei Veranstaltungen pro Abend stattfinden. Und es kommen auch Leute weit über die Nachbarschaft hinaus regelmäßig zum Diskutieren hierher. Und das obwohl auf Werbung komplett verzichtet wird. Die meisten Gäste, fast nur Stammgäste, finden durch die Mundpropaganda in den Laden. „So wie wir beim Essen darauf achten, dieses ohne Zusatzstoffe zuzubereiten, genauso tun wir es bei den Diskussionen auch“, sagt Micha.

Selbst Größen aus Politik und Wirtschaft sind immer häufiger Gäste des Manstein4. Neulich waren sogar die Geschäftsführerin der Parlamentarischen Linke und der Nigerianische Botschafter aus Frankfurt zu Gast. Das nächste angestrebte Ziel ist die Eröffnung eines zweiten Ladens. So richtig spruchreif ist das allerdings noch nicht, denn erstmal sollen alle Tage noch weiter mit Veranstaltungen gefüllt werden.

Und auch das leibliche Wohl kommt natürlich nicht zu kurz. So reicht das Speise- und Getränkeangebot von italienischen Kaffeespezialitäten über Kuchen bis hin zu Suppen und einfachen Gerichten. Bei allen Produkten wird besonders auf die Qualität Wert gelegt, wie mir Micha versichert. So werde mit regionalen Zulieferern gearbeitet und weitestgehend der Biostandard eingehalten. Und das alles zu einem äußerst erschwinglichen Preis – ab 1€ pro Gericht. Denn der gemeinsame Diskussionsgedanke stehe im Fokus und die Teilnahme daran solle auch sozialschwächeren Menschen ermöglicht werden, wie Micha mir erklärt.

Darüber hinaus können die Räumlichkeiten des Cafés auch für private Feierlichkeiten aller Art gemietet werden.

Wer jetzt neugierig geworden ist sollte unbedingt mal im Café Manstein4 vorbeischauen. Zu finden in der Mansteinstraße 4, nahe des S- und U-Bahnhofs Yorckstraße. Öffnungszeiten sind Montag-Samstag ab 12:00Uhr, Sonntag ab 13:00Uhr und weiter Informationen gibt es unter Tel: 030 – 54 46 49 86.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Winterkurses 2015 “Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen”des Career Center der Humboldt Universität

Heut/Morgen bleibt die Küche kalt

Christiane Latendorf_Urzeitvogel_2013

Christiane Latendorf „Urzeitvogel“ 2013

Mittwoch und Donnerstag sind die kulinarischen Tage in der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde in der Kurfürstenstraße. Nur selten schließen die Pforten so wie heute und morgen zur Feier der Jahreswende 2014/2015.

Sonst wird – wochein/wochaus – am Nachmittag wird geschnippelt und gekocht. Am Abend wird geschlemmt.

Und wie bei jeder köstlichen Mahlzeit trägt jedes Ingredienz zum Wohlgeschmack bei. Wobei zur Zeit wieder Menschen gesucht werden, die Lust haben, die Kochtöpfe zu füllen und die Gäste zu bewirten. *(Infos am Ende des Artikels)

Wie Sie auf den Geschmack zum Mitmachen kommen, erfahren Sie in der folgenden Suppenküchen-Kochanleitung Weiterlesen

Herr Odes hinter der Säule ODER Hinter einige Fassaden der Flottwellstraße geschaut

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Beim Anblick des Schriftzuges muss ich lachen. Und gleich tauchen Fragen auf. Ist Herr Odes groß, kraushaarig, jung, dich, dünn, bartlos? Warum steht er hinter der Säule? Steht da wirklich jemand hinter der Säule?

Belustigt und neugierig betrete ich das Flottwell Berlin. Herrn Odes kann ich nicht finden, doch sehe „Palme“ an den Säulen, „hohe Tür“ an einer Glastür und „Shalom“ an der Rezeption. „Was soll das?“ ist mein erster Satz an Geschäftsführer Stephan Kühne.

Flottwellstrasse_1000px_11„Als mir diese Weihnachtsdekoration, nachempfunden der Bauhaus-Krippe, vorgeschlagen wurde, hab ichs nicht ganz verstanden, aber ich habe der Frau, die mir es vorgeschlagen hat, vertraut,“ antwortet er. „Der Gepäckwagen heißt jetzt heißt Kamel.“

Wenig später im Gespräch fügt er – passend zur Jahreszeit – hinzu, er sei zu seiner Position als Geschäftsführer gekommen, „wie die Jungfrau zum Kind.“ Der Vorschlag hier in der Flottwellstraße ein Hotel zu eröffnen, sei an ihn herangetragen worden. Als IT-Fachmann hätte er keine Ahnung von der Hotellerie gehabt. „Da hab ich in München erstmal ein zweiwöchiges Praktikum in einem Hotel gemacht, bin überall mitgelaufen und hab ganz viel mitgeschrieben,“ erzählt er. „Danach wusste ich, dass ich im Team unbedingt gute Hotelfachleute haben musste.“ Weiterlesen