Schlagwort-Archiv: Musik

Die vergessene Ära – Schönebergs Underground Szene

Von Gastblogger Alexander

Das Publikum kocht, der Boden bläht sich, die Wände rücken näher, die Luft ist dünn, Schweiß fließt in Strömen. Von der Bühne kreischt eine ewig junge Stimme der ersten Punkrock Generation, gesellschaftskritisch bis auf den letzten Knochen.

Der Bezirk Schöneberg war einst das Zentrum West-Berlins voll mit brodelndem Nachtleben und einer ergiebigen Kulturszene. In Klubs wie dem „Risiko“, der „Ruine“ oder dem „Dschungel“ spielte sich die Musikszene der 80er Jahre auf und ab. Die Westberliner Musikikone Blixa Bargeld gründete hier die Band „Einstürzende Neubaute“, Nick Cave formierte hier aufs Neue das Projekt „Nick Cave and the Bad Seeds“ und David Bowie fand hier zusammen mit Iggy Pop neue Inspiration für weitere Werke.

Der westliche Teil Berlins, eine westdeutsche Enklave inmitten der DDR, war dafür wie geschaffen, denn man wurde hier mit Subventionen regelrecht überschüttet. Es gab keinen Wehrdienst, geringere Steuersätze, niedrigere Preise und größere Freizügigkeit, welche man woanders so nicht kannte. Ausschlaggebend war jedoch die große Menge an Künstlern, welche der Stadt eine enorme Anziehungskraft verliehen. Gleichgesinnte aus aller Welt strömten nach West-Berlin, einem Kreativmekka der besonderen Art. Doch wie viel ist heute noch vom ruppigen Geist der wilden 80er in Schöneberg zu spüren?

Vereinsmitglied Jack an der Bar im Ex'n'Pop e.V.

Ex’n’Pop Vereinsmitglied Jack an der Bar im Ex’n’Pop e.V.

Der anarchistische Geist scheint nur noch im Gedächtnis geblieben zu sein, die Underground Szene ist so gut wie verschwunden und zahlreiche Klubs haben geschlossen. Nun säumen Matratzenläden und Apotheken all die glorreichen Ecken aus den alten Zeiten. Der zuvor stets in der Luft schwebende Nonkonformismus Westberlins scheint nicht mehr zu halten. „Der Staat ist nun viel präsenter geworden“, sagte Jack, ein Mitglied der damaligen Korona. „Das Parken auf dem Bürgersteig“, fügte er hinzu, „eine Lappalie nach damaliger Sicht und heute symbolträchtig für die ganze Entwicklung, ist nicht mehr möglich.“

Ein Stück jener Zeit wurde jedoch trotz zahlreicher Schließungen und Umzüge im Ex’n’Pop e.V. auf der Potsdamer Straße 157 erhalten. Ein Ort, den man heutzutage leicht übersehen kann, denn es finden sich hier keine großen Aushänge, offene Türen oder generell Fenster. Auffällig sind nur die auf dem Bürgersteig stehenden Badewannen gefüllt mit ungezähmter Natur. Nichts verrät jedoch über das wilde Treiben im Inneren. Der einzige Weg um hinter die Fassade zu blicken führt nach 22:00 Uhr an der Klingel, einer rabenschwarzen Schleuse und der Gesichtskon­t­rol­le vorbei.

Das Ex'n'Pop in der Potsdamer Straße 157

Das Ex’n’Pop in der Potsdamer Straße 157

Das Ex’n’Pop gibt es schon seit 30 Jahren und seit 2001 wurde daraus ein Verein. Die Betreiber sehen sich als eine Art Forum für alle möglichen kulturellen Veranstaltungen. Man bietet hier dem eingeweihten Publikum je nach Programm Musik, Theater, Kino oder Lesungen. Wenn jemand keinen Platz für seine Musik in der strikt kommerziell orientierten Nachbarschaft findet, kann er sich immer an den Verein wenden. So spielen hier freitags und sonnabends Bands aller Stilrichtungen und Gewichtsklassen. Von Anfängern über Underground-Bands bis Rock-Legenden, alle finden sie ihren Weg ins Ex’n’Pop.

T.V. Smith auf der Bühne im Ex'n'Pop.

T.V. Smith auf der Bühne im Ex’n’Pop.

So auch T.V. Smith, eine in Vergessenheit geratene englische Punkrockgröße. Dürr, eckig und kantig in eng anliegende Stofffetzen gehüllt, verbreitet er von der Bühne mit durchdringender Stimme eine ungewohnt vertrauenserweckende Atmosphäre. Die Worte fließen mal hypnotisch weich, mal zerrissen und scharf. Das Gesicht singt mit jeder Gesichtsfalte bis zur letzten Gefühlswallung mit. Nach fast 40 Jahren auf der Bühne scheint bereits jedes einzelne Wort mehrfach durchlitten und sorgfältig in Songs verpackt zu sein. Die rohe und ungeschliffene Wände des Ex’n’Pop bieten eine Lebensfülle, wie man sie woanders noch zu finden vermag. Punk’s not dead at Potsdamer Straße!

go public! Wo Karrieren entstehen

Von Gastblogger Volker Thomas

In diesen Räumen werden Karrieren gemacht. Donata Meyer und ihre Firmenpartnerin May-Brit Stabel von GoPublic! PR & Medienberatung/Berlin, sowie einige feste Mitarbeiter verhandeln Tourneen, vereinbaren Auftritte, stellen Künstler-Programme zusammen, gehen mit TV-Gewaltigen in Klausur und versorgen die Presse mit brandneuen Nachrichten über ihre Künstlerinnen und Künstler. Kurt Krömer wurde ua. zwischenzeitlich dort promotet, Eckart von Hirschhausen, der langmähnige Bülent Ceylan und seit ein paar Jahren ua. Murat Topal, ein Neuköllner Polizist, der sein Talent als Comedian entdeckt hat, sowie der Dresdner Kultcomedian Olaf Schubert. Weiterlesen

Rauschgefühle durch Stummfilmkomponist Stephan Graf von Bothmer

Geschrieben von HU-Gastbloggerin  Lucia.

Eine Geschichte vom Wintergarten zur Potsdamer Straße

Jeder kennt das Gefühl sich auf ein Fahrrad zu setzten und loszufahren, obwohl man ein halbes Jahr nicht gefahren ist. Manche wundern sich auch, warum sie eine unbekannte Melodie summen, welche sie vielleicht zuvor im Auto eines Freundes gehört haben. Unheimlich wird es, wenn man seinen kleinen Regenschirm vor dem  Verlassen des Hauses und bei strahlendem Sonnenschein einpackt und am Abend als einziger trocken durch den Regen läuft. Das Phänomen läuft unter der Bezeichnung der unbewussten oder intuitiven Wahrnehmung. Nur was hat das alles mit dem Stummfilm und vor allem der Potsdamer Straße zu tun, fragen sie? Eine ganze Menge! Weiterlesen

Die Musikerin und der Hausbesetzer – Gehweggedenken und Stolpersteine im Süden der Potsdamer Straße

Artikel von Gastblogger Bernhard, geschrieben im Rahmen des Sommerkurses 2012 “Online-Journalismus – Recherchieren und Bloggen” am Career Center der Humboldt Universität.

Der Gehweg erzählt Geschichten. In der Gegend um den Südteil der Potsdamer Straße die von Maria Leo und Klaus Jürgen Rattay.
Sie war eine Musikerin aus Leidenschaft, er ein Berliner Hausbesetzer. Es trennt beide ein halbes Jahrhundert, doch verbindet sie ein Idealismus, der sie dazu brachte, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen – und der Ort ihres Gedenkens.

Seit Juni 2006 erinnert ein von der Leo Kestenberg Musikschule in Auftrag gegebener Stolperstein in der Pallasstraße 12 an Maria Leo. Hier hatte sie gelebt und gearbeitet.
Bereits in seinem Todesjahr wird ein an Klaus Jürgen Rattay erinnernder Gedenkstein von Unbekannten angebracht, und unerwartet von offizieller Seite nicht wieder entfernt.

Manchmal bleibt jemand stehen um die Namen zu lesen, meist jedoch nicht. Das bedeutet aber nicht, dass Gedenksteine sinnlos wären.
„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ lautet das Motto des Stolpersteinprojekts. Die Hauptauseinandersetzung mit der Geschichte und den Menschen, denen gedacht werden muss, findet nicht durch zufällig vorbeilaufende Menschen statt, sondern in der Vorbereitung und dem Akt des Verlegens an sich. Die Gedenksteine stehen symbolisch für die Erkenntnis, dass Erinnerung und Gedenken nichts ist, was von oben verschrieben werden kann, sondern etwas ist, das in persönlicher Auseinandersetzung und Engagement erarbeitet werden muss.

Maria Leo – Ein Stolperstein für eine Musikpädagogin

Frage ich Menschen, die an den Gedenktafeln vorbeigehen, ob sie diese bemerkt hätten oder sogar etwas über die Personen, denen gedacht wird, wüssten, so lautet die Antwort meist nein. Viele bemerken sie nicht einmal, wenn sie darüber stolpern.
Das ist schade, denn hinter jedem Stein steht eine eigene Geschichte.

Die 1873 geborene Maria Leo war in ihrem Leben vieles. Studentin, Frauenrechtlerin, Seminarleiterin und Lehrerin.Vor allem aber war sie Pianistin und Musikpädagogin.Stolperstein Pallasstr 12 (Schön) Maria Leo
Als Leiterin eines Musikseminars sorgte sie dafür, dass auch Frauen Zugang zu qualifizierter Ausbildung erhielten, die ihnen das Institut für Kirchenmusik in Berlin versagte.
Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten verlor sie durch antisemitische Gesetzgebungen alle Anstellungen und Ämter, am Ende sogar ihren Pass, was ihr eine Ausreise unmöglich machte.
Um einer Deportation nach Theresienstadt zu entgehen setzte sie 1942 ihrem Leben ein Ende.

Stolpersteine wie der, der an Maria Leo erinnert wurden ursprünglich vom Begründer des Konzeptes, Gunter Demnig, auf eigene Faust verlegt. Heute ist das Gedenkkonzept offiziell anerkannt und hat Ausmaße angenommen, die eine einzelne Person längst nicht mehr bewältigen kann.
Deshalb unterstützt uns hier in Tempelhof-Schöneberg seit zwei Jahren das Oberstufenzentrum Bautechnik aus Spandau mit seinen Schülern und projektbegleitenden Lehrern bei der Verlegung der Steine “ erklärt Hannelore Emmerich von der AG Stolpersteine des Schöneberger Kulturarbeitskreis e.V.
Stolpersteine sind nicht nur eine Inschrift, sondern auch Symbol: Da sie aus Messing gemacht sind laufen sie mit der Zeit an. Sie müssen regelmäßig wieder aufgearbeitet werden und stehen sinnbildlich für eine Vergangenheit, die nicht vergessen werden darf sondern immer wieder aktiv erinnert werden muss.
Trotz parteipolitischer und rechtlicher Anerkennung des Projekts werden Entscheidungen, für wen und wo Stolpersteine verlegt werden nicht von oben getroffen. Es sind im Gegenteil Einzelpersonen, Hausgemeinschaften, Vereine, Schulklassen und in Schöneberg zu 40 Prozent Angehörige, die einen Stolperstein beantragen.
Hinter einem Stolperstein steht also das Interesse und vor allem das persönliche Engagement von Menschen, die sich intensiv mit der Vergangenheit auseinandersetzen wollen. Denn zum Beantragen eines Stolpersteins reicht es nicht aus, diesen lediglich zu bezahlen. Es ist eine intensive Recherche zu den Personen notwendig, denen gedacht werden soll.

Klaus Jürgen Rattay – Erinnerung an einen Hausbesetzer

Klaus Jürgen Rattay starb am 22. September 1981 mit gerade mal 18 Jahren.
Begeistert von der Energie, Solidarität und gemeinsamen Arbeit, die einer als ungerecht und nicht sozial empfundenen Wohnungsmarktpolitik entgegengesetzt wurde schloss er sich der Berliner Hausbesetzer_innenbewegung an. Bei einer Demonstration gegen Räumungen und den damaligen Innensenator Lummer werden die Protestierenden von der Polizei auf die nicht gesperrten Potsdamer Straße gedrängt.
An der Kreuzung Potsdamer Straße/Bülowstraße wird Klaus Jürgen Rattay von einem Bus frontal angefahren und stirbt.
Ermittlungen finden nicht wirklich statt und bis heute wurde niemand für den Tod zur Verantwortung gezogen.
Gedenktafel Potsdamer Str 127 (Schön) Klaus Jürgen RattayDer Gedenkstein für Klaus Jürgen Rattay wurde spontan als direkte Reaktion auf den Tod des Hausbesetzers verlegt und ist gleichzeitig politischer Protest. Auch wenn nicht genau klar ist, wer den Stein angebracht hat, lassen sich ein paar allgemeine Aussagen darüber treffen.
Im Gegensatz zu Stolpersteinen, denen eine intensive Recherche und Auseinandersetzung mit der Vergangenheit vorausgeht entsprang Rattays Gedenkstein einer gelebten Gegenwart.
Dies ist auch in der Form des Steines sicht- und spürbar. In Form eines Kreuzes wurden Steine aus dem Gehweg entfernt. Das Loch wurde mit Zement aufgegossen, in den dann eilig Name und Todesdatum geschrieben wurden.

Gehweg und Gedenken

Gedenksteine bringen vielleicht nicht jeden dazu, zu stolpern und stehenzubleiben.  Aber sie sind lebendiges Mahnmal dafür, dass sich Menschen mit der Vergangenheit und Gegenwart kritisch auseinandersetzen. Sie zeigen uns, dass es immer noch nötig ist, sich zu erinnern und dass es immer noch Menschen gibt, die bereit sind, das auch zu tun.

Flinke Finger statt fiese Fäuste. Musik an der Allegro-Grundschule

von HU-Gastbloggerin Katarina Wagner

Musik macht Kinder selbstbewusst. Musik macht Kinder schlau. Musik macht Kinder sozial kompetent. Das sind die oft angeführten Ergebnisse von diversen Studien zur Auswirkung von Musikerziehung. Allerdings kann es doch etwas anstrengend für ein Kind sein, wenn es eigentlich mehr Lust hätte, frei zu spielen. Umso besser erscheint also die Idee, Musikunterricht in den Schulen auszubauen, wo die Kinder miteinander, im Klassenverband oder im Schulorchester musizieren können und das Ganze dann auch vorstellen können.

Das passiert in der Allegro-Grundschule in der Lützowstraße. In deren Aula sitze ich bei einer Infoveranstaltung. Übrigens eine sehr schöne, große Aula. Farbig bemalte, hohe Wände, großen Fenstern und auf der Bühne und auf Tischen sehe ich Überbleibsel der vergangenen Leseprojektwoche: Die Kinder haben Wörterschatzkisten und Köpfe aus Pappmaché mit Worthaaren gebastelt.

Die Schule ist im August 2010 aus der Fusion der Grips Grundschule mit der Fritzlar-Homberg-Grundschule entstanden. Die erste brachte das Leseprofil mit und die zweite die Musikbetonung.  Deswegen gibt es in dem riesigen Schulgebäude eine Bibliothek, in jedem Klassenzimmer Leseecken und viele Musikräume für die AG´s und den regulären Musikunterricht.

Musik! Kostenlos und für alle

Die Musikbetonung bringt allerdings keine Kosten für die Eltern mit sich, ein großer Vorteil gegenüber Privatunterricht. Der Instrumentalunterricht, das Spielen in einer Ensemblegruppe und das Ausleihen der Instrumente sind an der Allegro-Grundschule kostenlos. So hat jedes Kind die Möglichkeit Musik und Instrumente kennen und spielen zu lernen, gemeinsam zu üben und stolz aufzuführen und zwar unabhängig vom Geldbeutel oder Förderinteresse der Eltern, von Befähigung und Herkunft.

Miteinander und voneinander lernen

Und die Kinder kommen, typisch für den Kiez, aus Familien mit allen möglichen Nationalitäten und Migrationshintergründen. Das ist auch bei der Infoveranstaltung ein großes Thema. Manche Eltern befürchten wegen dadurch entstehender Konflikte ein schlechteres Lernklima an der Schule. Allerdings sind sich alle anwesenden Lehrer_innen einig, dass die Vielfalt an der Schule doch vor allem etwas Schönes ist.

Die Konrektorin Frau Varbelow zählt ungefähr 24 Nationalitäten auf der Schule, von denen aber eigentlich zurzeit keine überwiege. Die Kinder lernen nicht nur miteinander, sondern auch voneinander. Zum Beispiel bei den Ländertagen, an denen jedes Kind „sein“ Land und typische Musik und Gerichte vorstellt. Sie lernen also, andere (aus anderen Ländern und Kulturen und auch Kinder mit Behinderungen) zu akzeptieren und auch mit Konflikten umzugehen. So etwas könnte eine einzige Familie ja gar nicht leisten.

Flinke Finger statt fiese Fäuste

Gewaltprävention ist auch eines der Ziele des gemeinsamen Musizierens und all den anderen oft künstlerischen Projekten, bei denen die Schüler_innen lernen sich auszudrücken und zusammen zu arbeiten. Man kann natürlich nicht sagen, ob es ohne die Musikförderung an der Schule mehr Konflikte gäbe, allerdings sei hier auch keine übermäßige Aggressivität oder Ähnliches zu beobachten.

Ralph Braun, Leiter des Musikprofils, meint: „Unser subjektiver Eindruck ist, dass wir weniger Ausgrenzung haben. Schüler, die durch schlechte Leistungen im normalen Unterricht nicht akzeptiert wären, können durchaus durch eine Solostimme bei einer Aufführung mit dem Orchester unheimliche Anerkennung bekommen. Es gibt immer mal wieder Kommentare von Kollegen: ´Das ist ja toll, hätte ich nie gedacht, dass er so etwas kann, der ist ja wie ausgetauscht, da bin ich ja vollkommen beeindruckt.´

Der Musiklehrer erinnert sich: „Ich war erst einige Tage an der Schule und sah die Proben zu „Florian auf der Wolke“ und war so beeindruckt, dass mir fast die Tränen in den Augen vor Rührung standen. Ich hatte es nicht für möglich gehalten, was mit Schülern in diesem Alter möglich ist. Damit stand für mich der Entschluss fest, dass ich an dieser Schule bleiben möchte, so lange es irgend geht.”

Vom Klassenzimmer in die Philharmonie

Schon ab dem ersten Schuljahr werden alle Kinder in die Grundlagen der Musik eingeführt. Erstmal in die Rhythmik. Trommeln und so schwierig aussprechbare Sachen wie Xylophone. Dann kommt die Flöte im zweiten Schuljahr und dann, je nach Belieben, zum Beispiel die Geige oder die Gitarre. In der 4. Klasse kann noch dazu Schlagzeug gelernt werden, auch sehr beliebt.

„Es ist ja auch schön wenn die Kinder sehen, wie sie heranwachsen, wenn sie nicht mehr die Flöte brauchen, sondern schon Geige spielen können und das dann auch zeigen können. Das gibt ihnen schon viel Selbstbewusstsein, wenn sie dann auf der Bühne hochgejubelt werden. Vor allem die Schlagzeuger, das sind immer die Coolsten.“, erzählt Katrin Gödelitz, Lehrerin an der Schule, lächelnd.

Und die Kinder haben oft Möglichkeit, zu zeigen, was sie drauf haben, jedes Jahr gibt es die musischen Tage, bei denen jede Musik-AG und auch Klassenorchester auftreten. Manche Gruppen treten noch häufiger auf, z.B. bei Einschulungsfeiern, Schulkonzerten und –festen. Das Schulorchester hatte in den letzten Jahren sogar öffentliche Auftritte im ICC, im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, im Olympiastadion und im Roten Rathaus.

Frau Gödelitz bemerkt, dass die Musikbetonung der Schule in dem Sinne ja auch Elternbildung sei. „Viele der Eltern waren ja zum Beispiel noch nie in der Philharmonie und trauen sich ja dort auch gar nicht rein. Die Eltern werden also auch an klassische Musik herangeführt und haben mal Gelegenheit in ein Konzerthaus zu gehen.“

Es ist also tatsächlich eine Schule für alle: für Kinder jeglicher Herkunft und Befähigung und sogar die Eltern können noch was lernen

„Wer sich ausziehen will, zieht sich aus“

Von HU-Gastblogger Lukas Hecht

Aus der Vitrine hinter dem Tresen blickt mir ein gewaltiger Dildo entgegen. Umgeben von barocken Gemälden im Goldrahmen und penetrant blinkenden Lichterketten baumelt ein Segelschiff unter der uralten Diskokugel. Lady Diana lächelt mir freundlich von einem Wandteppich zu.

Geschmacklos – sagen die einen. Kult – die anderen. Sicher ist, dass es nur wenige Orte auf der Welt gibt, an denen Geschmacksverirrung und kuschelige Wohlfühlatmosphäre so nah beieinander liegen wie im Kumpelnest 3000. Weiterlesen

Stummfilme sind keine Nische

Von HU-Gastblogger Elisabeth Müller

Woher er seine Inspiration nehme? Dass wisse er eigentlich auch nicht so genau. Er lasse sich vom Unbewussten leiten. Wie uns unser Unterbewusstsein wahrscheinlich klar gemacht hat, dass es draußen zu kalt ist. Wir gehen rein.

In der Peter-Rubens-Grundschule laufen noch immer viele Kinder umher, seine Tochter hat er gerade zur Orchesterprobe gebracht, einige werden gerade von ihren Eltern abgeholt. Doch davon lassen wir uns nicht stören. Ziehen uns in eine Ecke zurück und setzten unser Gespräch fort. „Ich habe geübt mich auf das Unterbewusstsein zu verlassen, weil ich gemerkt habe, dass, wenn der Verstand und das Unterbewusstsein in verschiedene Richtungen drängen, Verspieler auftreten.“ Verspieler?

Foto: Birgit Meixner 2008

Carsten-Stephan Graf von Bothmer ist Pianist, Stummfilmpianist. Seit seinem achten Lebensjahr spielt er Klavier, studierte an der UdK Berlin Musik und ist mittlerweile erfolgreicher Initiator, Organisator und Durchführer der Veranstaltungsreihe StummfilmKonzerte. „Ich wollte, dass die Leute, wenn sie darüber nachdenken, was sie abends unternehmen können, nicht nur an Oper oder Theater denken. Stummfilme mit Livemusik sollen gleichwertig dazu sein, den Leuten soll das auch gleich als Möglichkeit einfallen.

Also fing er einfach an. Er mietete die Passionskirche, Projektionstechnik, lud Wissenschaftler ein, die eine Einführung in das Thema Stummfilme und zum ersten gezeigten Film (Faust – eine deutsche Volkssage) gaben. Das war der Anfang, Oktober 2004. Danach ging es weiter mit Auftritten im Planetarium am Insulaner, im Kino Babylon, Open Air Konzerten, auf verschiedenen Filmfesten (u.a. beim internationalen U-Bahn-Filmfestival Going Underground), auf den Philippinen, im Zeughaus Kino, in Leipzig, in Hamburg, … Die Reihe lässt sich endlos (so scheint es zumindest) fortsetzen. „Ich wollte einfach zeigen, dass Stummfilme keine Nische sind.“ Das scheint ihm gelungen zu sein. Gibt man bei Google z.B. ‚Stummfilme Berlin’ ein, erscheint die Website www.stummfilmkonzerte.de unter den ersten drei Links.

Nicht zu Letzt hat wahrscheinlich auch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Kino Babylon dazu beigetragen. Insgesamt 12 Staffeln gab es mit wenigstens vier Konzerten pro Staffel. Jede Staffel für sich war ein Erfolg, vom Anfang 2006 bis zum Ende 2009. Doch wieso Ende, wenn es doch so gut lief? „Es ging nicht mehr, ich stand vorm Burnout. Ich hab ja fast alles alleine organisiert, das Programmheft geschrieben (die Programmhefte waren und sind ihm immer noch sehr wichtig, sie sollen den Blick der Menschen auf den Film verändern, sodass sie Dinge sehen, die ihnen sonst vielleicht gar nicht aufgefallen wären), die Filme ausgesucht und nebenbei musste ich ja auch noch üben.“ Richtig, die Musik ist schließlich der wichtige Teil an der ganzen Sache. Außerdem kamen immer größer werdende Probleme in der Zusammenarbeit mit dem Chef des Kinos Babylon hinzu. Also zog er einen Schlussstrich.

In der Schule wird es langsam ruhiger, es ist kurz nach 17:00 Uhr, vereinzelt hört man ein paar Blockflöten. Und wie sieht es mit der Zukunft aus? „Tempelhof, Hangar 2.“ Wie? „Das wäre toll. Ich möchte einfach eine richtig große Konzertbühne und eine geile Projektion. Wenn man die ganzen Leute, die den Newsletter von StummfilmKonzerte bekommen (das sind ungefähr 2000), miteinbeziehen könnte, wäre das großartig. Z.B, dass die, die sowieso gerne dabei sind Karten abreißen und dafür keinen Eintritt zahlen.“ Eine sehr interessante Idee, gefällt mir. Vielleicht sollte ich den Newsletter abonnieren, nur vorsorglich.

Bildquelle: Portrait und Grafik: www.stummfilmkonzerte.de

Wie, ich hab ihn doch grad‘ noch gesehen!

Bruno S. ist tot.

Als ich dies in einer Redaktionssitzung heute erzählte, glaubten sie mir nicht. „Vor ein paar Tagen noch ist er doch hier vorbeigegangen.“ Dann ging es an die Computer, um es nachzuprüfen. Auf Wikipedia – da ist es schon eingetragen. Da war es auch für die Zweifler amtlich, obwohl Bruno Schleinstein. nie auf Wikipedia zu Hause war.  Auch nicht in der New York Times doch er schaffte es auch dorthin: From Berlin’s Hole of Forgottenness, a Spell of Songs

Bruno S. wurde bekannt als Kaspar Hauser in Werner Herzogs Film „Jeder für sich und Gott gegen alle„. Dann noch „Stroszek.“ Das ist schon lange, seitdem ist viel passiert und nachzulesen, zum Beispiel im Nachruf von Thomas Loy im Tagesspiegel „Welche Farbe hat das Gewissen? Wissen Sie das?“.

Bruno S. lebte in der Kurfürstenstraße und war in dieser Gegend und elsewhere ständig mit Akkordeon und Glockenspiel unterwegs. Kam spätnachts nach Hause. Machte sich seine Gedanken, malte sie, schrieb sie nieder, sprach und spielte sie aus. Hier bei einer Ausstellung von Miron Zonwir im Bongout im Prenzlauer Berg am April 22, 2009.

Ich kannte Bruno S. nicht persönlich. Dank der modernen Technik ist eine Begegnung mit Bruno S. auch jetzt noch möglich machen. Hier ein faszinierendes Portrait von Tom Littlewood für VBS.tv ( Klick Bild – skip ad – oben links – dann geht’s gleich zum Film)

Spieltag 17 – WM an der Potse

Deutschland

Bundesrepublik Deutschland

Anita Staud
Malerin, die ihre Werke in ganz engen Bezug zu ihrem Arbeitsumfeld stellt, sei es in Militäranlage, Kirche, Krankenhaus, Atelier, Straße, seit 16 Jahren an der potse in künstlerischen und sozialen Projekten unterwegs, initiierend, neu entwickelnd, nun auf dem Absprung, denn neuer Vermieter setzt auf money, money, money, die Gentrifizierungs-Debatte an der Potsdamer Straße zeigt sich in konkretem Licht, hier auf potseblog am 30. Juni, Alternativen sind zu finden, um Künstlerinnen hier zu halten.

England

England

Sir Simon Rattle
yes, just walk across the bridge and you are here, in Tiergarten-Süd, wir heißen Sir Simon herzlich willkommen, umjubelter Dirigent der Berliner Philharmoniker, was bleibt da noch zu sagen, denn schließlich waren einige von uns schon ganz nah dran, SchülerInnen der Fritzlar-Homberg-Schule haben mit ihm gearbeitet, im Education Projekt 2006.

Argentinien

Argentinien

Fernando Miceli
geboren in Argentinien, Buenos Aires, seit 1992 in Berlin, Repertoire Tango, Tango, Tango, traditionell, klassisch, modern, eigene, Tango zirkelt und buhlt und vermeidet, und so sind seine Auftritte in der Kyffhäuser, Kammermusiksaal, Weinhaus Huth, doch nie direkt bisher auf der Potsdamer Straße, doch klingen herüber, Nostalgias“, „Sus ojos se cerraron“, „Sur“, „Reina de Barro„.


Mexiko

Mexiko

Karakas Bar
Rosenhimmel und Kaffee ziehen dicke Verbindungslinie aus der Karakas-Bar (Kurfürstenstraße) nach Mexiko, ansonsten Besitzer, Musik und kitschiger bunter Dekokram in Keller-Kneipe-Disco = deutsch, zurück zum Rosenhimmel vom mexikanischen Künstler El Diablo entworfen, überwuchert Barbereich und wächst sich fort, aus mexikanisch blauer Agave gewonnen, hat goldener Tequila einen süßlichen Geschmack und heißt hier aufgrund wärmender Wirkung Karakas-Kaffee, wird gebraucht bei heißen morgenstündlichen Partys.

Spieltag 8 – WM an der Potse

Deutschland Flagge Bundesrepublik Deutschland

Andi
hat den vollständigen Durchblick, ist nämlich seit 30 Jahren als Fensterputzer im Quartier unterwegs, er findet es zwar schade, dass es in Südafrika grad so kalt ist, andererseits verdienen ja die Profis auch ein „Schweinegeld“ befindet er, das tut wärmen, Fußball guckt er immer beim Araber in der Pohlstraße, da steht das TV draußen, die Unterhaltung ist gut, und das Getröte hält sich in Grenzen, na gegen Serbien muss natürlich gewonnen werden und außerdem weiß er zu berichten, dass sich der neue Kneipenbesitzer von „Hottes Bunte Bühne“ mit Pferde- und Kuhmaniküre auskennt.

Serbien Flagge Serbien

napred naši*
Aber nicht hier im Quartier? Auch der Tagesspiegel hat auch nur welche in Neukölln und Charlottenburg ausfindig gemacht – das kann doch nicht sein!

*“Vorwärts Jungs“ – zeigt euch an der potse

Slowenien Flagge Slowenien

Wer kennt wen?

Vereinigte Staaten von Amerika (USA) Flagge USA

Bernhard J. Butler
betörte unlängst bei einem Gottesdienst in der Zwölf-Apostel-Kirche mit einer Interpretation „Amazing Grace“, kann wunderbar lachen und hat mit sanfter Soul-Stimme und großem Herz das Stevie Nicks Original „Has Anyone Ever Written Anything“ für die „vergessenen Kinder“ / AIDS Kinder in Deutschland neu aufgenommen, bewegt sich in den Genres Soul, Jazz, Funk und Gospel und ist Postulant beim Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz.

England Flagge England

Michael O’ Meara
war er nun gestern für Frankreich oder Mexiko, heute ist es wohl ganz klar, Pause beim Planen, Entwerfen und Bauen von individuellen Möbelstücken und Fußball geschaut, hat schon einige andere Berufe hinter sich, doch jetzt in Pohl11 konzentriert und an Umgebung interessiert, zum Beispiel an den Entwicklungen zum Gleisdreieckpark … and beyond.

Algerien Flagge Algerien

Wer kennt wen?