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Kaffeeklatsch in der Großwohnsiedlung – eine Begegnung mit der nachbarschaftlichen Solidarität durch soziale Aktionen

Die sehr gut angenommenen Angebote im Nachbarschaftstreff Kaffeeklatsch beweisen, dass im engen Zusammenleben einer Großwohnsiedlung mit verschiedensten Kulturen nicht nur soziale Konflikte entstehen, sondern auch eine Art Solidarität durch Pflege der nachbarschaftlichen Beziehungen entstehen kann. Das QM Pallaskiez hat mit seinen Bewohnern ganze Arbeit geleistet: Interkultureller Austausch für die Verbesserung des sozialen Klimas – Gemeinschaft schafft Sicherheit.

Es ist wieder etwas bunter in der Großwohnsiedlung Pallasseum an der Potsdamer Straße. Betritt man die Innenhöfe der Siedlung fallen einem sofort als bunte Farbtupfer die neuen Kinderspielplätze auf. Am Nachmittag spielt sich hier das soziale Leben der Bewohner ab. Vor allem treffen sich hier Kinder und auch die Mütter; nicht nur zur Beaufsichtigung ihrer Kinder, sondern weil sie hier gerne ihren Nachmittag verbringen. Auch Generationenübergreifend wird der Innenhof des Pallasseums genutzt. Einen Kaffeeklatsch unter den Bewohnern erwartet man in einer Großwohnsiedlung von Sozialwohnungen nicht gerade, aber genau diese gemeinschaftliche Aktion gibt es im Pallasseum.

Vom Sorgenkind zur Vorzeigegroßwohnsiedlung

DIMG_5811[1]as war nicht immer so. Der aus den 90er Jahren als sozialer Brennpunkt verschriene Wohnkomplex Pallasseum wurde aufpoliert durch verschiedenste Sanierungen und Verschönerungen der Höfe, die als gemeinschaftliche Treffpunkte funktionieren und somit für mehr Nachbarschaftlichkeit und Sicherheit sorgen sollen. Auch viele soziale Projekte sollten die Bewohner für ihre Großwohnsiedlung aktivieren. Dazu gehörte unter Anderem der Namenswettbewerb für die Siedlung, aus dem Pallasseum wurde. Bevor das  Quartiers-Management Schöneberger Norden zur Unterstützung benachteiligter Stadtquartiere – wie diesem- gegründet wurde, hatte das Bezirksamt angefangen gemeinsam mit der Hausverwaltung einen Mieterbeirat sowie eine Zeitung zu initiieren, um diesen Wohnkolloss zu retten. Befragt man die Bewohner des Pallasseums versichern Sie einem, dass hier viele Nationalitäten auf engen Raum ohne große Konflikte zusammen leben und dass sich vor allem die Sicherheit verbessert hat. Es gäbe sogar Wartelisten, um eine Wohnung im Pallasseum beziehen zu können.

Kaffeebetrieb und soziale Aktionen

kaffeklatsch

Das neue /alte Nachbarschaftscafé „Kaffeeklatsch“ ist eine der erfolgreichsten Veränderungen in der Siedlung. Bereits seit 10 Jahren gibt es dieses Café. War jedoch mit den Jahren etwas eingestaubt und wurde nun seit mehr als einem Jahr wiederbelebt mit einer sozialen Idee. Neben dem Café Betrieb findet noch etwas viel interessanteres statt: Hier trifft man sich, unterhält sich, verbringt Zeit und knüpft nachbarschaftliche Kontakte. „Der Café Betrieb ist täglich von 8 bis 13 Uhr, am Nachmittag gibt’s Aktivitäten“ erzählt mir die Bedienung hinter der Vitrine.  Das breite Angebot an Nachmittags Aktivitäten im Café lässt für jede Altersgruppe keine lange Weile mehr aufkommen. Alle Angebote und Aktivitäten wurden mit den Bewohnern in einem gemeinschaftlichen Partizipationsverfahren entwickelt.IMG_5926[1]  Im Schaufenster des Cafés lese ich mir durch, was hier alles so los ist am Nachmittag. Der Bewohnertreff bietet Tanzkurse, Singen auf Arabisch, Nähkurse, Filmabende, Hausarbeitsbetreuung für die Kinder, oder einfach die festen Treffpunktzeiten für Beisammensein bei Tee und Spiel.

Interkultureller Austausch verbessert hier das soziale Klima
schaufenster

Das vom Quartiers-Management geförderte Projekt „Stärkere Nachbarschaft im Pallasseum“  hat hier das Ziel, das sozial benachteiligte Quartier zu unterstützen und soziale Strukturen aufzubauen. Die Bewohner werden aktiviert und mobilisiert, ihren Kiez mitzugestalten. Ein interkultureller Austausch sei daher unter den Bewohnern unverzichtbar, weil sich das soziale Klima in der Großwohnsiedlung dadurch verbessert. Durch Erzählabende treten die verschiedensten Leute in Austausch, erzählen über ihre Herkunft und was sie nach Berlin gebracht haben. In einem anderen Treffpunkt, dem Koch-Chill-Kaffee am Mittwoch wird das Erlernen der deutschen Sprache ungezwungen verbunden mit gemeinsamem Kochen. Jeder Bewohner kann aber auch mit seinen eigenen Ideen in´s Kaffeeklatsch kommen, denn hier wird einem die Räumlichkeit geboten, die oft für soziale Aktivitäten nicht vorhanden ist. „Nachbarschaftsgefühl und Gemeinschaft“, erzählen mir die Bewohner, ist das, was durch das Kaffeeklatsch entstanden ist. „Man kennt sich nun einfach besser“.

//13.04.2016// Emmily Wiedenhöft//  HU-Gastbloggerin Emmily

 

Ein Nachmittag im Nachbarschaftstreff

Von HU-Gastbloggerin Kerstin Litty

Im nördlichen Berlin Schöneberg nahe der Potsdamer Straße liegt die Steinmetzstraße. Ruhig wirkt die Straße auf mich, schattig kühl. Wie eine Oase in der man sich vom lauten Großstadttrubel erholen kann.

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Foto: Kerstin Litty

Was mich hierher führt? Ich interessiere mich für den Nachbarschaftstreff in der Steinmetzstraße 68. Der Nachbarschaftstreff ist ein sehr wichtiger Ort hier im Kiez an dem die die soziale Vernetzung von Migranten und Nichtmigranten ermöglicht wird.

Hamad Nasser, Leiter des Nachbarschaftstreffs begrüßt mich herzlich. Leider hat er gerade nicht viel Zeit, weil gleich eine Schüleraustauschgruppe aus Palästina hier eintreffen wird. Deshalb ist hier auch gerade viel los. Einige Frauen sind eifrig mit dem Zubereiten von Speisen an der offenen Küche beschäftigt und unterhalten sich angeregt auf Arabisch.

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Foto: Kerstin Litty

Eine nette junge Frau bietet mir einen Tee an und ich komme mit zwei arabischen Herren ins Gespräch, die gemütlich an einem Tischchen sitzen und das Geschehen beobachten. Hassan ist 63 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Palästina. Fast jeden Tag ist er hier im Nachbarschaftstreff, trinkt Kaffee und unterhält sich mit anderen Kiezbewohnern. Auch seine fünf Kinder besuchen regelmäßig den Treff. Nehmen Nachhilfeunterricht und Musikunterricht. Seine Kinder bedeuten ihm alles und er wünscht sich, dass sie eine gute Zukunft haben und eine gute Ausbildung bekommen. Dabei ist er sehr stolz dass drei seiner Kinder bereits studieren. Was er besonders gut kann? „Fußball spielen. Das hat ihm schon immer Spaß gemacht“. Auch seinen Sohn begleitet er zum Fußballverein und ist beim Training und beim Spiel immer dabei.

Hier im Nachbarschaftstreff wird diese Einbeziehung der Väter in die Bedürfnisse der Kinder sehr gefördert, erklärt Hamad Nasser.

Unser Gespräch wird unterbrochen. Die palästinensische Schülergruppe ist jetzt angekommen und begrüßt uns nacheinander mit einem freundlichen As-salamu Alaikum.

Der andere Gesprächspartner ist Ali, 60 Jahre und ursprünglich aus dem Libanon. Er geht auch sehr oft in den Treff und wohnt gleich nebenan. Ali ist handwerklich begabt und hat ebenso viele Jahre als Koch gearbeitet. Der Nachbarschaftstreff ist für ihn etwas Besonderes. Seit 2005 gibt es hier den Treffpunkt und er war „vom ersten Stein an“ dabei. Ali lebt seit 35 Jahren in Berlin und hat schon viel gesehen, aber einen Ort wie diesen gebe es nicht in der Stadt. Das Besondere ist, das hier nicht nur eine Familie unter sich ist. Viele kommen zusammen und lernen sich kennen.

Ali hat selbst keine Kinder, aber die Kinder hier im Nachbarschaftstreff sind mittlerweile fast wie seine eigenen.

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Foto: Kerstin Litty

Auch Hamad Nasser ist stolz, dass es hier eine starke arabische Kommunity gibt.

Mittlerweile haben die Frauen ein lecker aussehendes arabisches Buffet für die palästinensische Gruppe gezaubert. Herr Nasser lädt mich noch freundlich zum Essen ein, aber ich muss leider gehen. Die warme angenehme Atmosphäre hier werde ich aber so schnell nicht vergessen.