Schlagwort-Archiv: Pallasseum

Häuser als Zeitzeugen

Die Zeit, sie eilt und mit ihr verändert sich die Potsdamer Straße zusehends. Heute sind die StudentInnen des HU-Career Center 2017 für eine erste Begegnung im Gebiet. Sie werden hier recherchieren, Interviews führen und in Artikeln auch uns allen neue Aspekte unseres Kiez auf ihre Art und Weise bekannt machen.

Da ist es auch Zeit eine Nachlese zu betreiben. Drei StudentInnen des letzten Kurses im Frühjar 2016 machten es sich zur Aufgabe, die Entwicklungen an der Potsdamer Straße zu beobachten und auch die Folgen zu bedenken. Das ist eine Mammutaufgabe und im Rahmen eines Semesterferienkurses nicht zu bewältigen. Doch Ihre Versuche sind Wert zu schätzen.

Hier Artikel Nummer 1
Jetzt folgt Artikel Nummer 2

Von HU-Gastblogger Lukas Grimm.

La Belle Epoque, Plattenbauten und ein „urbanes Wohnensemble“ befinden sich hier im Kiez. Am urbanen Wohnensemble wird zwar noch geschraubt, aber nicht mehr allzu lange. Miteinander verglichen, stellen das Maggihaus in der Lützowstrasse, das Pallasseum an der Potsdamerstrasse und die Neubauten in der Flottwellstraße eine bunte Mischung aus verschiedener Architektur dar.

Viel interessanter allerdings: Die jeweiligen Gebäude spiegeln vor allem auch sozialen Wandel wieder und geben historische Einblicke preis, die das Hier und Jetzt relativieren.

Das Maggi Haus
La belle Epoque und Maggi. Passt das zusammen? Anscheinend schon, denn im Jahre 1911 baute das damalige schweizer Unternehmen in der Lützowstrasse 102-104 ein neues Fabrikgebäude. Auch heute noch können sich die Fassade mit ihren vielen Skulpturen sowie die großen Höfe im Inneren blicken lassen und schaffen Einblicke in die damalige Zeit.

Collage – potseblog

La belle Epoque bezieht sich typischerweise auf die Jahre 1871 bis 1914, eine Zeit des Friedens geprägt von Optimismus, Fortschritt und Kultur innerhalb Europas. Für Berlin war dies die Zeit des Umbruchs. Aus der chaotischen Stadt, die dank der Industriellen Revolution aus allen Nähten platzte, wurde durch Eingreifen der Regierung eine Stadt der Moderne. Einerseits sorgten Museen und Theater für kulturelle Entwicklung. Andererseits wurde dank der Arbeiterbewegung die Industrie stark sozialisiert, worüber sich die Mitarbeiter Maggis vermeintlich gefreut haben.

Das Pallasseum
Wohnmaschine. Der Sozialpalast. Städtebauliche Katastrophe. Das Pallasseum. Es hat viele Namen, die meisten von ihnen schwer als Kompliment zu interpretieren. Gebaut in den Jahren 1973-76 war das Pallasseum als „zukunftsweisende Alternative zum Altwohnbaubestand“ gedacht. Ein Testament des Wiederaufbaus Berlins durch Gastarbeiter.

Es verfügt über 514 Wohnungen, von denen allerdings 1998 ein Viertel leer standen. Hauptgrund der Verwahrlosung dieser Wohnmaschine war vor allem die Umsetzung des Besetzungsrechts, welches zu „Fehlentwicklungen in der Mieterstruktur“ führte. Diese wiederum führten zu fehlenden Investitionen sowie Verbreitung von Kriminalität und Drogen. Es kam so weit, dass in politischen Gremien der komplette Abriss diskutiert wurde.

Erst 1998 gelang der Verwaltung in Zusammenarbeit mit Sozialarbeitern und Quartiersmanagement ein Neuanfang. Umstrukturierung der Mietstruktur, Sanierungsinvestitionen in Höhe von 6,5 Mio. EUR und soziale Projekte haben es letztendlich ermöglicht, das Pallasseum mit seiner bunt gemischten Gemeinschaft zu erhalten.

Flottwell Living
Wer „Flottwell Living“ googled, wird schnell fündig. Sechs verschiedene Stadthäuser werden hier aus dem Boden gestampft. Direkt am Gleisdreieck-Park gelegen fangen Quadratmeterpreise bei ca. 3000 Euro an. Insgesamt sind es 270 Wohnungen, wovon 148 als Eigentumswohnungen angedacht sind.

Es schreit förmlich nach Gentrifizierung, wobei 2 Drittel der Wohnungen an Berliner verkauft wurden. Nichtsdestotrotz, die Gegend wird teurer werden. Aber das wird sie ohnehin. Berlin ist eine der beliebtesten Städte der Welt, vergleichbar mit Paris, London und New York. Über 40.000 Menschen ziehen jährlich nach Berlin. Es ist also absehbar, dass der Wohnungsbedarf steigen wird.

Im Endeffekt sollten wir Projekte wie Flottwell-Living willkommen heißen, denn wir werden noch sehr viel mehr von ihnen benötigen.

Der Artikel ist entstanden im Rahmen des Kurses „Online Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ des Career Centers an der Humboldt Universität

 

Kaffeeklatsch in der Großwohnsiedlung – eine Begegnung mit der nachbarschaftlichen Solidarität durch soziale Aktionen

Die sehr gut angenommenen Angebote im Nachbarschaftstreff Kaffeeklatsch beweisen, dass im engen Zusammenleben einer Großwohnsiedlung mit verschiedensten Kulturen nicht nur soziale Konflikte entstehen, sondern auch eine Art Solidarität durch Pflege der nachbarschaftlichen Beziehungen entstehen kann. Das QM Pallaskiez hat mit seinen Bewohnern ganze Arbeit geleistet: Interkultureller Austausch für die Verbesserung des sozialen Klimas – Gemeinschaft schafft Sicherheit.

Es ist wieder etwas bunter in der Großwohnsiedlung Pallasseum an der Potsdamer Straße. Betritt man die Innenhöfe der Siedlung fallen einem sofort als bunte Farbtupfer die neuen Kinderspielplätze auf. Am Nachmittag spielt sich hier das soziale Leben der Bewohner ab. Vor allem treffen sich hier Kinder und auch die Mütter; nicht nur zur Beaufsichtigung ihrer Kinder, sondern weil sie hier gerne ihren Nachmittag verbringen. Auch Generationenübergreifend wird der Innenhof des Pallasseums genutzt. Einen Kaffeeklatsch unter den Bewohnern erwartet man in einer Großwohnsiedlung von Sozialwohnungen nicht gerade, aber genau diese gemeinschaftliche Aktion gibt es im Pallasseum.

Vom Sorgenkind zur Vorzeigegroßwohnsiedlung

DIMG_5811[1]as war nicht immer so. Der aus den 90er Jahren als sozialer Brennpunkt verschriene Wohnkomplex Pallasseum wurde aufpoliert durch verschiedenste Sanierungen und Verschönerungen der Höfe, die als gemeinschaftliche Treffpunkte funktionieren und somit für mehr Nachbarschaftlichkeit und Sicherheit sorgen sollen. Auch viele soziale Projekte sollten die Bewohner für ihre Großwohnsiedlung aktivieren. Dazu gehörte unter Anderem der Namenswettbewerb für die Siedlung, aus dem Pallasseum wurde. Bevor das  Quartiers-Management Schöneberger Norden zur Unterstützung benachteiligter Stadtquartiere – wie diesem- gegründet wurde, hatte das Bezirksamt angefangen gemeinsam mit der Hausverwaltung einen Mieterbeirat sowie eine Zeitung zu initiieren, um diesen Wohnkolloss zu retten. Befragt man die Bewohner des Pallasseums versichern Sie einem, dass hier viele Nationalitäten auf engen Raum ohne große Konflikte zusammen leben und dass sich vor allem die Sicherheit verbessert hat. Es gäbe sogar Wartelisten, um eine Wohnung im Pallasseum beziehen zu können.

Kaffeebetrieb und soziale Aktionen

kaffeklatsch

Das neue /alte Nachbarschaftscafé „Kaffeeklatsch“ ist eine der erfolgreichsten Veränderungen in der Siedlung. Bereits seit 10 Jahren gibt es dieses Café. War jedoch mit den Jahren etwas eingestaubt und wurde nun seit mehr als einem Jahr wiederbelebt mit einer sozialen Idee. Neben dem Café Betrieb findet noch etwas viel interessanteres statt: Hier trifft man sich, unterhält sich, verbringt Zeit und knüpft nachbarschaftliche Kontakte. „Der Café Betrieb ist täglich von 8 bis 13 Uhr, am Nachmittag gibt’s Aktivitäten“ erzählt mir die Bedienung hinter der Vitrine.  Das breite Angebot an Nachmittags Aktivitäten im Café lässt für jede Altersgruppe keine lange Weile mehr aufkommen. Alle Angebote und Aktivitäten wurden mit den Bewohnern in einem gemeinschaftlichen Partizipationsverfahren entwickelt.IMG_5926[1]  Im Schaufenster des Cafés lese ich mir durch, was hier alles so los ist am Nachmittag. Der Bewohnertreff bietet Tanzkurse, Singen auf Arabisch, Nähkurse, Filmabende, Hausarbeitsbetreuung für die Kinder, oder einfach die festen Treffpunktzeiten für Beisammensein bei Tee und Spiel.

Interkultureller Austausch verbessert hier das soziale Klima
schaufenster

Das vom Quartiers-Management geförderte Projekt „Stärkere Nachbarschaft im Pallasseum“  hat hier das Ziel, das sozial benachteiligte Quartier zu unterstützen und soziale Strukturen aufzubauen. Die Bewohner werden aktiviert und mobilisiert, ihren Kiez mitzugestalten. Ein interkultureller Austausch sei daher unter den Bewohnern unverzichtbar, weil sich das soziale Klima in der Großwohnsiedlung dadurch verbessert. Durch Erzählabende treten die verschiedensten Leute in Austausch, erzählen über ihre Herkunft und was sie nach Berlin gebracht haben. In einem anderen Treffpunkt, dem Koch-Chill-Kaffee am Mittwoch wird das Erlernen der deutschen Sprache ungezwungen verbunden mit gemeinsamem Kochen. Jeder Bewohner kann aber auch mit seinen eigenen Ideen in´s Kaffeeklatsch kommen, denn hier wird einem die Räumlichkeit geboten, die oft für soziale Aktivitäten nicht vorhanden ist. „Nachbarschaftsgefühl und Gemeinschaft“, erzählen mir die Bewohner, ist das, was durch das Kaffeeklatsch entstanden ist. „Man kennt sich nun einfach besser“.

//13.04.2016// Emmily Wiedenhöft//  HU-Gastbloggerin Emmily

 

Was wir für heute vom Schöneberger „Pallasseum“ lernen können

Von einer HU-Gastbloggerin

Die Flüchtlingskrise ist allgegenwärtig. Tag für Tag erreichen uns neue Meldungen, die das dramatische Schicksal unzähliger Menschen dokumentieren. Zurecht ist jene Problematik seit Wochen Schwerpunkt der politischen und medialen Öffentlichkeit. Gleichwohl bekommt mit der Debatte um die „Flüchtlingsproblematik“ ein weiterer Dauerbrenner erneute Aufmerksamkeit: der so genannte „Terror“ im Namen des „Islam“ im In- und Ausland. Schien Pegida („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) ihren Höhepunkt im Dezember 2014 gehabt zu haben, erleben sie derzeit wieder einen Aufschwung, der durch neue rassistische und fremdenfeindliche Stimmen ergänzt wird. Weiterlesen

Pallasstraße … Der Schein trügt …

Von HU-Gastbloggerin Abide

Die Pallasstraße ist einer der bekanntesten Straßen Schönebergs, einem Bezirk in Berlin.
Jeder, der diesen Straßennamen hört, denkt sofort an das Pallasseum, dem Hochbunker, die Satellitenschüssel und an die Lautstärke der Hauptstraße.
Doch der Schein trügt … Fangen wir mal von vorne an …
Ja, da ist das Pallasseum , ein langes, zwölfgeschossiges Wohnblock, der die Pallasstraße und den Hochbunker überspannt.


Am Anfang sollte es ein Musterbeispiel für modernes Wohnen sein, jedoch entwickelte es sich über die Jahre hinweg zu einem sozialen Brennpunkt. Aber die Bewohner sahen nicht tatenlos zu, als 1998 die Fassade abgereißt werden sollte. Zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserungen der Lebensqualität und ein engagiertes Quartiermanagment zeigten Erfolg. Die Nachfrage nach den großen Wohnungen ist so groß, dass es heute Wartelisten gibt.
Ja, da sind häßlige Satellitenschüssel, aber auch dafür haben die Bewohner eine Lösung gefunden. Die Bewohner suchten sich das Bild aus, das auf die Satellitenschüssel kommen sollte und der Künstler Daniel Knipping hat diese Bilder gemalt. Das sind nicht einfach Bilder, die auf Satelliten gemalt wurden … Jedes dieser Bilder erzählt eine Geschichte …


Genauso wie die Bilder auf den Wänden des Pallasseums. Das Ergebnis eines weiteren Projekts. 5 junge Fotograf/innen der FH Potsdam haben die Bewohner/innen professionell abgelichtet, 7 der Fotos hängen an den Wänden des Pallasseums und die restlichen Fotos konnte man in der Galerie Walden bewundern.
Und ja, es ist laut. Aber das ändert sich sobald man auf die andere Seite des Pallasseums geht. Denn da kommt man sich vor, als wäre man völlig woanders.
Direkt ins Auge sticht die Konditorei Palladin. Ein kleines schickes Cafe mit sehr vielen Leckereien.

Wenn man weiter Richtung Winterfeldtplatz geht, sieht man, dass es trotz der Hauptstraße viel ruhiger ist und die Häuser sind viel schöner gebaut als das Pallasseum.
Am Winterfeldtplatz sticht ein weiteres Objekt ins Auge … Nein, es ist nicht die rießen große St. Matthias Kirche mitten auf dem Platz … Es ist die Sporthalle, die nicht nur bekannt für seine außergewöhnliche Architektur ist, sondern auch für die Turniere, die in dieser Halle stattfinden. Jeder Fussballer in Berlin kennt diese Halle, denn die Vorrunden der Hallenmasters finden jedes Jahr dort statt. Aber den Namen dieser Sporthalle kennt so gut wie keiner. Obwohl diese Sporthalle nach der Ausnahme-Sportlerin Lilli Henoch genannt wurde, kennt jeder Sportler diese Sporthalle als Sporthalle mit der ungewöhnlichen Architektur am Winterfeldtplatz.


Also, der Schein trügt … Denn die Pallasstraße ist doch nicht wie auf dem ersten Blick viel zu eng, viel zu grau und viel zu laut … Wer die schönen Seiten der Pallasstraße entdecken möchte, sollte auf die andere Seite des Pallaseums gehen und Richtung Winterfeldtplatz laufen.

Pallasstrasse, Berlin vom Problem zum Vorbild

Die Pallasstrasse liegt im Berliner Stadtteil Schöneberg und ist ein Highlight das in kaum einem Stadtführer aufgeführt wird. Das Pallaseum und der Hochbunker gehören zu den sehenswerten Bauten an der Pallasstrasse.

Einen Überblick erlangen Sie in diesem kurzen Video.

Pallasseum

Das Pallasseum ist vielleicht nicht jedem Berliner ein Begriff, aber gesehen hat es fast jeder schon. Wir sprechen hier von dem Gebäude, das Jahrelang als „Wohnmaschine“ oder als städtebauliche Katastrophe bezeichnet wurde –  so der Tagesspiegel im Jahr 2009. Seither hat sich einiges getan. Der Wohnpalast hat sich zu einer respektierten und nachgefragen Wohngegend entwickelt. Das hat das Pallasseum seinen gut 1500 Bewohnern zu verdanken. Die Mieter stoppten einen geplanten Abriss des Gebäudes im Jahre 1998. Die Bewohner richteten einen Präventionsrat ein, der im Jahre 1999 von einem Quartiersmanagement ergänzt wurde. Diese Maßnahme sorgte dafür das saniert- statt planiert- wurde. Zu den Highlights der vergangenen Zeit gehören die Pallasseum Portraits über die auf dem Potseblog bereits berichtet wurde hier geht´s zum Artikel->  Der Künstler Daniel Knippig verpasste dem 70er Jahre Bau mit den vielen Satallitenschüsseln in dem Projekt „Von Innen nach Außen“ einen neuen Look. Knippig arbeitete mit den Bewohnern an der Verschönerung des Erscheinungsbildes- insgesamt wurden 70 Satellitenschüsse mit individuellen Motiven verziert. Mehr Fakten zum Pallasseum findet man natürlich auch auf Wikipedia hier klicken->

 

Hochbunker

Der Hochbunker an der Pallasstrasse liegt in unmittelbarer Nähe des Pallasseum. Genau genommen liegt er direkt unter dem Pallasseum. Der Hochbunker wurde als Rohbau in Zweiten Weltkrieg fertiggestellt. Heutzutage wird er als Ort der Erinnerung, vom Kunstamt Tempelhof-Schöneberg und vom Verein Berliner Unterwelten als Veranstaltungsort genutzt.

 

Standort:


Größere Kartenansicht

Artikel, Fotos und Video von Jan Radoch

PALLASSEUM PORTRAITS

EIN FOTOGRAFISCHES AUSSTELLUNGSPROJEKT VON NORMAN BEHRENDT, OLE JENSSEN, CAROLIN MEYER, TOBI MORAWSKI UND SZILVIA SZTANKOVITS

20.—29. Januar 2012

Offizielle Eröffnung mit Stadträtin Sibyll Klotz:
20. Januar, 17 Uhr
am Pallasseum, Treffpunkt vor dem VorOrtBüro des QMs, Pallasstraße 5
Vernissage: 20. Januar, 19 Uhr
Galerie Walden – Potsdamer Strasse 91 – 10785 Berlin

Zeitgleich wird eine Auswahl großformatiger Porträts direkt am Pallasseum an Der Galerie über der Pallasstraße im öffentlichen Raum zu sehen sein.

Mit Gastautor Daniel Klemm (Pressemitteilung)

Ähnlich anderen großen Wohnungsbauprojekten wie etwa die ‚Cité Radieuse’ in Marseille, das ‚Edifício Copan’ in São Paolo oder das ‚Barbican’ in London ist das sogenannte ‚Pallasseum’ in Berlin-Schöneberg ein Ort, dessen architektonische Form und Konzeption dem Zusammenleben der dort lebenden Menschen außergewöhnliche Rahmenbedingungen bietet. In dem in den späten 1970ern von Jürgen Sawade errichteten Gebäudekomplex, der mitunter als sozialer Brennpunkt in die Schlagzeilen geriet, treffen ca. 2.000 Menschen zahlreicher Kulturen, Religionen und sozialer Schichten auf engstem Raum aufeinander, wobei eine bunte Mischung unterschiedlicher Lebensentwürfe und –vorstellungen ihren Platz finden.

Gleichzeitig hat sich in den vielen Jahren ein Nachbarschaftsfeeling entwickelt, dass die StudentInnen Ole, Tobias, Norman, Szilvia und Carolin von der Fachhochschule Potsdam nicht erwartet hatten, als sie sich im Wintersemester 2010/11 die Potsdamer Straße als Lehrobjekt auserkoren. Dennoch bemerkten sie sehr schnell, dass im Pallasseum Nachbarschaft groß geschrieben wird. „Wir waren extrem überrascht über die Offenheit der Leute,“ sagt Norman. „Manche haben uns gleich nach Hause eingeladen. Es ist einfach großartig, dass sie uns so viel Vertrauen geben.“

Deshalb kamen sie im Frühsommer 2011 zurück und widmeten sich den Bewohnern des ‚Pallasseums’ . Im Kaffee Klatsch und auf dem Parkhausdach bauten sie ein Fotostudio auf. Die Möglichkeit, sich professionell ablichten zu lassen sprach sich durch Mundpropaganda sehr schnell herum und bald waren die jungen Fotograf/innen überall bekannt. Wenn sie dann mal nicht so viel zu tun hatten, standen sie im Hof und redeten mit den Pallasseumbewohner/innen. Wie man es unter Nachbar/innen halt so tut.

Letzendlich fertigten sie hunderte von Porträts an. Darauf sind Frauen, Männer und Kinder aus allen Altersklassen und Kulturkreisen zu sehen, die im Gebäude leben und arbeiten. Es entstand eine einzigartige Sammlung von Porträts, welche annähernd die bunte Vielfalt der dort lebenden Menschen verdeutlicht.

Eine Auswahl dieser Arbeiten ist in der Ausstellung ‚Pallasseum Portraits’ zu sehen. Sie zeigt einen charakteristischen Querschnitt der Menschen, welche diesen besonderen Ort in Berlin prägen. Im Unterschied zum alltäglichen Nebeneinander, bei dem Nationalität, Religiosität, äußeres Erscheinungsbild und politische Ausrichtungen weiterhin als wesentliche Bestimmungs- und Abgrenzungsmerkmale im Zusammenleben der Bewohner angewendet werden, stellen die Fotografien mit ihrer einheitlichen Ästhetik die Porträtierten auf ein und dieselbe Ebene. Durch diese Betrachtungsweise nivellieren sich zunächst die vordergründigen Unterschiede und geben jeder/jedem Einzelnen die gleichberechtigte Aufmerksamkeit, die ihr/ihm zusteht.

Mit ihrem Projekt haben die Fotografen ein nahezu umfassendes Abbild der aktuellen Bewohnerschaft des ‚Pallasseums’ geschaffen und geben so Einblick in die internen Strukturen des Wohnkomplexes. Es ist damit die Dokumentation der modellhaften Durchmischung von Wohnquartieren, eines sozialen Experiments, welches trotz seiner potentiell problematischen Implikationen aufgrund des Engagements seiner Bewohner mehr oder minder zu funktionieren scheint. Das ‚Pallasseum’ ist somit ein Ort des Nebeneinanders, welches zwar nicht immer reibungslos verläuft, bei dem sich jedoch zeigt, dass sich die beteiligten Kulturen miteinander arrangieren können. Das Projekt selbst hat mit seinem kommunikativen Ansatz zu diesem Miteinander beigetragen und Berührungsängste der Bewohner – sowohl untereinander als auch mit dem Medium der Fotografie – abgebaut.

Fotos mit freundlicher Genehmigung der Fotografengruppe

“ Das Projekt wurde gefördert mit Mitteln aus dem Programm Soziale Stadt, Quartiersmanagement Schöneberger Norden und der Pallasseum Wohnbauten KG. „

Wowereit im HAUS am KLEISTPARK mittemang

Die Nachricht, dass der Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit bei seiner Tour durch Tempelhof-Schöneberg auch im Pallasseum Station machen würde kam recht kurzfristig. Dennoch war das Gedränge dann so groß, dass es echt schwer war, ihn vor die Kamera zu bekommen.

Er ist da!

Er ist da!

Wowereit im Scherenschnitt

wäre bei 'nem Quiz schon zu erkennen

Wowereit hinter Kollegen

Dahinter isser!

Wowereit im QM-Büro Schöneberger Norden

Herzlich willkommen im Schöneberger Norden

Doch dann saß er im VorOrt Büro des QM-Büros, mit seinem Bürgermeister-Kollegen Ekkehard Herrn Bandt und hörte zu. Sigrid Witthöft von der Pallasseum Wohnbauten KG sprach über die Erfolge des Pallasseums sprach, das längst kein Moloch mehr ist. Sie sagte auch, dass dort die Mieten sozial verträglich bleiben sollen. Denn nicht nur neue MieterInnen sind erwünscht und tummeln sich teilweise auf Wartelisten, sondern auch die MieterInnen, die bereits in der zweiten und dritten Generation hier wohnen, sollen nicht verdrängt werden.

Dann kamen AkteurInnen der Sozialen Stadt zu Wort. Unter anderem war es lustig, dass Frau Gut die bezirkliche Koordinatorin Quartiersmanagement ist und auch eine Frau Glück in die Arbeit eingebunden ist. Und lustig war es auch, als Quartiersmanager Peter Pulm von den manchmal hitzigen Debatten mit dem Quartiersrat sprach und Bürgermeister Wowereit entgegnete „Warum soll es Ihnen denn besser gehen als mir mit dem Parlament.“

Die Stimmung war also bestens und Wowereit hatte dann noch die technische Frage, ob denn die vielen Satellitenschüssel wirklich sein müssten. Schön sei ja das Projekt „Von Innen nach Aussen“ des Künstlers Daniel Knipping, mit dem die BewohnerInnen auch etwas von sich nach außen preisgeben. Ach wirklich – individuelles TV-Geschehen sei also nur mit individuellen Schüsseln möglich. Nun gut.

Dann begann der Rundgang durch diese Wohnanlage, in der eine Kleinstadt von circa 1.500 bis 2.000 Menschen lebt. Die laute Potsdamer Straße, Ex-Standort des Sportpalastes, Standortentwicklung und auch die ganz Kleinen waren da.

Wowereit und Kita Kinder

Kita im Pallasseum

Irgendwann kamen dann die QuartiersrätInnen Gerhard Haug und Heide Rienits zum Zuge und sofort zur Sache. Das Bezirksamt, respektive Stadtrat Bernd Krömer, möchten die alt-ehrwürdige Kulturinstitution HAUS am KLEISTPARK mitsamt der Leo-Kestenberg-Musikschule aus Kostengründen schließen.

In einem Antrag fordert der Quartiersrat Schöneberger-Norden die BVV Tempelhof-Schöneberg nun auf, die von der Bezirksverwaltung geplante Schließung des Standortes Haus am Kleistpark und Leo-Kestenberg-Musikschule abzulehnen und sich für den Erhalt dieses kulturell bedeutenden Schöneberger Standortes einzusetzen.

In dem Antrag wird die kommunale Galerie Haus am Kleistpark und die Leo-Kestenberg-Musikschule als Schönebergs kultureller Leuchtturm auf überregionaler und internationaler Ebene und wichtiger Stabilisierungsfaktor für das Quartiersmanagementgebiet Schöneberger Norden und als das wesentliche Bindeglied zur neuen Galerienszene im Gebiet der Potsdamer Straße und Kurfürsten-/Bülowstraße bezeichnet. Außerdem wird auf die historisch bedeutsame Tradition verwiesen, denn es ist das einzig erhaltene Gebäude am ehemaligen Standort des Botanischen Gartens, hier wurde der Naturschutz begründet. Der Quartiersrat bemängelt, dass eine Verlagerung von Galerie und Musikschule erheblich höhere Kosten für den Bezirk verursachen würden.

Auch die Initiative proHaK, in der sich KünstlerInnen und AnwohnerInnen zusammen geschlossen haben, erklärten in einer Pressemitteilung, die ebenfalls bei dem Wowereit-Besuch verteilt wurde:

Damit schießen sie ein Eigentor! Sie koppeln sich damit endgültig davon ab, zur Mitte Berlins zu gehören, denn anders als in Charlottenburg, Mitte und vielen anderen Bezirken gibt es in Tempelhof-Schöneberg keine überregionalen Kultureinrichtungen.
Wir sehen, dass diese Bezirksentscheidung von gesamtstädtischer Bedeutung ist.
Wenn das Haus am Kleistpark – als eine der drei wichtigsten kommunalen Galerien – fällt, könnte dies einen Domino-Effekt erzeugen und nach und nach könnten auch die anderen dezentralen Einrichtungen wegbrechen.
Ein Desaster für die Kulturstadt Berlin, die von ihrer Vielfalt lebt.

Praktisch so ein vor-Ort-Termin. Da ist die Bevölkerung dran.

Noch vor der HAUS am KLEISTPARK Sache

Gemeinsam Wowereit und Band

Und der Regierende Bürgermeister reagierte empathisch und prompt und forderte gleich mal seinen Bürgermeisterkollegen auf, das Haus nicht zu verkaufen. Sprach’s und spazierte weiter durch’s Quartier.

Doch noch ist das Haus am Kleistpark nicht winterfest. Hier zwei wichtige Termine:

Montag, 25.10.:  Sitzung der Fraktionen um 18.00 Uhr Rathaus (nicht öffentlich)

Mittwoch, 27.10.: BVV Sitzung 17.00Uhr, entscheidende Sitzung (öffentlich)

Das Pallasseum

Von HU Gastbloggerin Natalii Iwaniec

Das Pallasseum, kurz wird es auch Pallas genannt, ist eine große Wohnanlage, welche sich in Berlin Schöneberg befindet. Das Pallasseum befindet sich, wie der Name auch schon sagt, in der Pallasstraße. Wenn man sich das Gebäude heute anschaut, ist man auf der einen Seite erschrocken wie groß dieses Gebäude ist, aber auf der anderen Seite ist dieses Gebäude doch sehr interessant und faszinierend, somit schaut man es sich gerne etwas Näher an.

Das Gebäude wurde 1977 nach den Entwürfen eines Architekten Namens Jürgen Sawade erbaut. Bevor das Gebäude erbaut wurde, befand sich vorher genau an diesem Ort der Berliner Sportpalast. Dieser wurde aber am 13. November 1973 abgerissen. Die Wohnanlage wird seit ca. 2001 offiziell „Pallasseum“ genannt. Die Jahre zuvor trug das Wohngebäude den Namen „Berliner Sozialpalast“. Erst durch einen Bewohnerwettbewerb wurde ein neuer Namen für das Wohngebäude gefunden. Ein Schüler hatte mit diesem Namen damals den ersten Preis gewonnen.

Mit den Jahren nahm der Migrantenanteil unter den Bewohnern zu. Da die Wohnanlage sehr groß war, vergrößerte sich ebenfalls die Wohndichte. Aufgrund dessen verlor die Gegend an Attraktivität. Dadurch standen immer mehr Wohnungen leer und das Gebäude wurde auch immer öfter durch Vandalismus beschädigt. Die Eigentümer – die Pallasseum Wohnbauten KG – überlegten sich das Wohngebäude zu sanieren, aber dennoch den Stil den das Gebäude hatte beizubehalten. Es wurde alles verschönert und einiges an Geld investiert, damit dieses Wohngebäude wieder bewohnbar und attraktiver wurde, sowie als normale Wohnanlage galt. Der Erfolg dieser Maßnahmen ist mittlerweile zu sehen. Kaum Wohnungen stehen noch leer und die Mieter fühlen sich sichtlich wohl.

Als Mieter gelten nicht nur Privatpersonen, sondern auch Kindergärten und etliche Firmen. Die Arbeit des Kindergartens will nicht nur die interkulturelle Arbeit fördern, sondern legt auch einen Schwerpunkt auf Sprachförderung. Eine tolle Mischung, die in Berlin immer öfter in den Kindergärten praktiziert wird.

Die Wohnanlage ist wie auch schon vor Jahren zu einem multikulturellen Ballungszentrum herangewachsen. Dies sieht man sofort, wenn man sich das Pallasseum anschaut. Das komplette Wohngebäude ist mit mehreren tausend Satellitenschüsseln bestückt. Diese dienen den Haushalten zum Fernsehempfang, jedoch ist das auch ein Stück Heimat für sie. Denn so haben sie die Möglichkeit ebenso Sender in ihrer Landessprache zu empfangen und sich somit in gewissem Maße heimisch zu fühlen.

Diese große Anzahl an Satellitenschüsseln bewogen den Künstler Daniel Knipping dazu ein Verfahren zu entwickeln, welches dazu führte, dass diese eine Bildergalerie formten. Viele Bewohner nahmen an diesem Projekt teil und ließen ihre Satellitenschüsseln mit Motiven bestücken. Seit Anfang Juni kann diese Galerie bestaunt werden.

Jedoch war dies nicht das einzige Projekt, welches am Pallasseum durchgeführt wurde. Auch zur WM wurden alle National-Flaggen aller WM Teilnehmer aufgehängt und die WM so begrüßt.

Lebendig, Schlag für Schlag

Von HU-Gastblogger C.M.

Die Potsdamer Straße pulsiert; sie lebt.

Mit jeder neuen Grünphase pumpen die Ampeln neue Bewegung in die Straße. Bewegung, die auf den Bürgersteigen und Fußgängerübergängen nicht einmal durch rote Männchen zum Stehen kommt.

Die Luft schmeckt bitter nach Stadt, dennoch brodelt das Leben.

Was diese Lebendigkeit ausmacht, ist schwer zu sagen; es mag daran liegen, dass in diesem Schmelztiegel verschiedenste Gruppen aufeinander treffen: Türken auf Deutsche, Araber auf Südamerikaner, Christen auf Muslime, arm auf reich, jung auf alt.

Hinter jedem Fenster scheint sich etwas Interessantes zu verstecken. Entlang der Potsdamer Straße werden einem diese Unterschiede bewusst: Die großen Flächen des Potsdamer Platzes und der umliegenden Museen und Bibliotheken bieten Platz für Bildungsbürgertum und Touristen aus aller Welt; so setzt sich das Straßenbild hier aus vielen Luxushotels und roten Teppichen zusammen.

Die Potsdamer Brücke öffnet nicht nur das Tor zum bewohnten Teil der Straße, sie birgt auch ein Geheimnis: Noch in den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges wurde sie zur Bühne einer Heldentat, an die eine Gedenktafel am Brückengeländer erinnert.

Ein Stück weiter entstehen neue Ateliers und bieten einen interessanten Kontrast zu den öffentlichen Kunsteinrichtungen; nicht aber zu den Gemüsehändlern, die ihre Waren auf 10 Meter langen Holztischen feilbieten. Nur einen Katzenwurf entfernt arbeitet der Verein Goldrausch e.V., hier werden Frauen kostengünstige Kredite für die Existenzgründung ermöglicht. Das klingt nach Aufbruch, nach Veränderung. Dafür steht auch das soziale Wohnprojekt, Pallasseum. Dieser Wohnkoloss wurde auf dem Gelände des alten Sportpalastes erbaut. Joseph Goebbels stimmte hier die Deutschen auf den totalen Krieg ein; heute leben an diesem Ort viele verschiedene Nationalitäten friedlich miteinander.

In der Straße steckt noch mehr Geschichte: Auch Spuren der preußischen Herrschaft lassen sich finden. Die 1780 fertiggestellten Königskolonnaden wurden 1910 vom Alexanderplatz an den Eingang des Kleist-Parks versetzt und bietet einen Blick durch die Geschichte auf das alte preußische Kammergericht.

Der Kleist-Park markiert den Abschluss der Potsdamer Straße; und ob gewollt oder nicht: So verwoben und schön die Sätze des Altmeisters, so verwoben und schön stellt sich die Straße mit ihren Bewohnern vor.

Man kann die Potsdamer Straße als Beispiel für ganz Berlin verstehen; als kleinen Auszug, der einen Blick auf das große Ganze erlaubt: Hier treffen die unterschiedlichsten Menschen aus den verschiedensten Regionen auf die facettenreiche Geschichte der Stadt und kreieren eine neue Moderne; immer in Bewegung; immer im Geschehen; immer am Puls.