Schlagwort-Archiv: Pohlstraße

Queen of Muffins

Das Café von vorne

Das Café von vorne

Von einem HU-Gastblogger

Queen of Muffins ist ein typisches Berliner Café am der Ecke Potsdamer Straße/Pohlstraße. Am Tag vor meinem geplanten Interview mit der Angestellten Lisa schaute ich inkognito vorbei und bestellte mir testweise einen Vanilleblaubeermuffin. Der Laden machte seinem Namen alle Ehre! Weiterlesen

Skulpturen schaffen, um Raum zu gewinnen – Bettina Lüdicke erzählt in ihrem Atelier in der Pohlstraße 11 von ihrer künstlerischen Arbeit

Dieser Beitrag ist Teil des Artikels: Kunst an der Potsdamer Straße. Begegnungen mit Künstlern, Galeristen und Besuchern.

von Christian Kaiser

Als ich zum ersten Mal an den U-Bahnbögen der hofartigen Grünanlage in der Pohlstraße 11 entlang ging, um zu sehen, welche Künstler hier tätig sind, spielten drei Kinder vor dem Jugendtreff gleich neben dem Torbogen, die mich, kaum dass sie mich sahen, ansprachen und neugierig wissen wollten, was ich denn hier suche. Ich fragte sie, ob es denn hier in der Pohlstraße 11 Ateliers gäbe. „Aber klar“, antworteten sie, „kommen Sie mal mit!“ Und schon liefen sie voran, ich hinterher, bis wir vor den Fenstern einiger Werkstätten stehenblieben. Es war allerdings kein Künstler da, die Werkstätten waren geschlossen. „Was wollten Sie denn von denen?“, fragten mich die Kinder. „Ein Gespräch mit ihnen führen, über ihre Kunst sprechen.“ „Wollen Sie da nicht lieber mit uns sprechen? Wir malen nämlich auch! Wollen Sie mal sehen?“ Und zurück liefen sie in ihren Jugendtreffpunkt, kamen wieder heraus und zeigten mir stolz drei große selbstgemalte Osterbilder mit Eiern, Schleifen und Gräsern. „10 Euro!“, riefen sie. Doch da kam die Leiterin des Jugendtreffs herbei, verwickelte mich in ein Gespräch und die verkaufsbegeisterten jungen Künstler zogen ab.

Atelier Bettina LüdickeAn einem kühlen Montag Mittag im März bin ich dann mit der Bildhauerin Bettina Lüdicke verabredet, die sich vor acht Jahren ihr Atelier in einem dieser sonnenbelichteten Gewölbe unter der U-Bahnlinie 1 in der Pohlstraße 11 eingerichtet hat. Lächelnd empfängt sie mich an der Tür ihres Ateliers und bittet mich herein. Wir setzen uns an einen kleinen weißen Tisch und ich sehe mich erst mal um.

Die rechte Seite des Raumes ist wohl ihr Arbeitsbereich, hier steht jedenfalls ihr Zeichentisch, hier lagern ihre Materialien, während den größeren Teil des Raumes linkerhand fertige oder zumindest fast fertige Skulpturen einnehmen, die auf weißen Podesten stehend den Blick des Betrachters einfangen.

Bettina Lüdicke, Schattenrot

Bettina Lüdicke, Schattenrot, 2012, 42x42x30cm,
Foto: Bettina Lüdicke

„Meine Arbeiten kann man als Zeichnungen im Raum sehen“, erläutert mir Bettina Lüdicke. „Diese metallischen Linien, die ich verwende, umschreiben einen Raum, bilden aber auch gleichzeitig einen Körper. Es geht mir darum, die Welt nicht immer weiter mit Masse zu füllen, sondern Skulpturen zu schaffen, um Raum zu gewinnen.
Damit das Offene sichtbar wird, muss ich andere Teile verdichten und schließen. Diese verdichteten Partien bringen auch eine Dynamik hinein, je nachdem, in welche Richtung diese Linien gespannt sind oder ob sie kreisförmig oder spiralförmig verlaufen.
Die Arbeit besteht aus Linien und Punkten und aus einem ständigen Kreisen, von dem kleinsten Punkt bis zur größten Form, so dass letztlich offene Räume entstehen, die durchlässig und transparent sind, in die man von allen Seiten schauen kann.“

„Im Studium machte jeder Student eine Abformung vom eigenen Oberkörper. Als ich die Abformung dann in der Hand hatte, ist mir aufgefallen, dass der Blick hinein viel interessanter war als der Blick von außen! Mein eigener Oberkörper war mir von der anderen Seite her gesehen unbekannt, das führte zu einer ganz anderen Welt.“

Bettina Lüdicke, Besucher 4

Bettina Lüdicke, Besucher 4, 2011, 70x40x38cm,
Foto: Bettina Lüdicke

„Meine Arbeit braucht einen Betrachter, der um das Werk herumgeht und wirklich hineinguckt und sich fragt: Was sehe ich denn da?
In einer Skulptur gibt es immer Achsen, verschiedene Richtungen: Ein bestimmter Punkt, die Spitze einer Form deutet ja auf eine Vertiefung einer anderen Form. Die eine Form antwortet auf die andere, es ist ein Dialog zwischen verschiedenen Teilen.
Eine für mich spannende Frage ist es, wie ein an sich fremdes Teil, ein Fundstück oder ein farbiges Segment, eine Verbindung mit einem Raum eingehen kann. Was passiert dann zwischen beiden Formen? Da gibt es dann auch einen Raum dazwischen, wo sie sich noch nicht berühren, aber doch gegenüberstehen. Ab wann fängt dann die Spannung an?“

„Nach dem Studium habe ich erst mal gedacht, weg von diesen ganzen feinen Sachen, jetzt mal was ganz Schweres, also das genaue Gegenteil.“ Sie zeigt mir ihre ersten Arbeiten, verborgen in einer Nische hinter einer Pappwand: schwere Steine, Marmorblöcke usw.

Studiert hat Bettina Lüdicke zunächst Design und Textildesign, bevor sie einen künstlerischen Studiengang zur Textilgestaltung an der Hochschule der Künste in Berlin besuchte. „Ich konnte mich dort frei entfalten, weg von der Anwendung hin zur Kunst. Das Wissen um Textiles habe ich natürlich im Gepäck gehabt. Die älteste Form des Verbindens ist ja das Wickeln, dass man zwei Teile zusammenlegt, überkreuzt und darum etwas wickelt. Auf diese Weise werden ja auch immer noch die Gerüste in Asien gebaut, mit Bambusstäben. So bin ich auf diese Methode gekommen, mit der ich eine Form von innen heraus entwickeln und auch sehen kann. Anfangs waren die Arbeiten zwar noch viel statischer, aber bei diesem Material (Kupferlegierung) bin ich geblieben.“

Neben ihrer eigentlichen künstlerischen Arbeit kümmert sich Bettina Lüdicke auch um die Präsenz ihrer Kunstwerke in Ausstellungen. Über ihre beiden, übrigens nicht in Berlin ansässigen Galerien, die sie vertreten, verkauft sie ihre Kunstwerke, vor allem, so ihr Eindruck, an Menschen, die sich schon lange mit Kunst beschäftigt hätten. Mitunter hat sie die Gelegenheit, sich ihre eigenen Kunstwerke im Hause eines Käufers anzuschauen: „Ich habe mich manchmal schon sehr gefreut, wenn eine Arbeit einen richtig guten Platz in einem Haus gefunden hat. Wenn man denkt, genau da passt diese Arbeit toll hin, und wenn ich dann auch von den Leuten höre, dass sie damit glücklich sind und gerne damit leben, ist das schön! Das freut mich natürlich.“

Von einem aktuellen Kunst-Boom spürt Bettina Lüdicke allerdings wenig. „Es gibt vielleicht ein paar wenige, die davon profitieren. Es wird eher ein Rahmen geboten für Leute, sich unterhalten zu lassen. Aber wer kauft denn dann wirklich die Kunst? Ich sehe da viel Show und Entertainment.“

Auf das Verhältnis zwischen Vermarktung und künstlerischem Schaffen angesprochen, hat sie eine klare Meinung: „Ich wüsste schon, was man tun müsste, um am Markt anzukommen! Aber das kann ich selber doch nicht machen! Da würde ich mich doch selbst belügen.“
Denn, so betont sie zum Ende unseres Gespräches, es ist doch „die Freiheit, schöpferisch zu arbeiten und weitgehend unabhängig zu sein“, auf die es ihr ankommt.

 

Hier geht`s weiter:

Von ‚Nieeje‘ und der großen Liebe – Galerien-Besucher. Eine Momentaufnahme

„Es geht darum, den Künstler in seiner ganzen Persönlichkeit zu verstehen“ – ein Gespräch mit Selina Lai, Managerin der Krome Gallery (Potsdamer Straße 98), über die Tätigkeit einer Galerie

Über das Verkaufen von Genuss – eine Begegnung mit Alfons Klosterfelde, Galerist der Helga Maria Klosterfelde Galerie (Potsdamer Straße 97)

Urknall im Keller – eine Begegnung mit dem Künstler Rolf Hemmerich in seinem Atelier in der Pohlstaße 11

Galerie cubus-m – Kunst an der Potsdamer Straße

Geschrieben von Gastblogger Jan im Rahmen des Sommerkurses 2012 „Online-Journalismus – Recherchieren und Bloggen“ am CareerCenter der Humboldt-Universität

Das Bild der Potsdamer Straße befindet sich im Wandel. Einen festen Bestandteil  bilden dabei die vielen Galerien, die sich in den letzten Jahren rund um das Gebiert niedergelassen haben. Im Jahr 2010 wurde in der Pohlstraße 75 schließlich die Galerie cubus-m eröffnet. Auf zwei Ebenen und rund 80 m² finden hier pro Jahr bis zu acht Ausstellungen statt. Weiterlesen

Afrika zieht um

oder: ein Bretterzaun, eine Künstlerin, viele Jugendliche, ein Besuch im Völkerkundemuseum und zwei Kiezaktionen

Kapitel 1
Wie Afrika in die Pohlstraße kam

In den Sommerferien kann man auf viele Weise verreisen. Die Künstlerin und die Jugendlichen gingen ins Völkerkundemuseum und schauten auf den Kontinent namens Afrika. Welche Länder, welche Sitten, welche Menschen? Dann gingen sie an einen Bretterzaun in der Pohl11. Malten mit gelb, orange, blau, grün farbenfroh was sie gesehen hatten.

So kam Afrika 2009 in die Pohlstraße 11 und wollte eigentlich dort bleiben.

Afrika - Pohl11

Kapitel 2
Wie Afrika in Gefahr geriet

Nun ist es soweit, hieß es vor einigen Monaten. Alle hatten es gewusst, doch niemand hatte es wahrhaben wollen, dass die Freifläche mit Beachvolleyball, Festen und Open Air Kino eines Tages wirklich einmal bebaut würde. Mit Wohnungen für Kinder, die nie in dem großen Sandkasten spielen und NeuwohnerInnen, die sich dort nie zum Grillen treffen würden. Die Bagger kamen und Afrika war in Gefahr zersägt und zu Müll zu werden.

Kapitel 3
Wie Afrika gerettet wurde

Eines Tages radelte eine Frau durch die Pohlstraße. Blickte auf Afrika in der Pohl11. Wurde wehmütig. Radelte weiter, kam noch nicht mal ganz bis zur Pohl52 und wusste: das isses, hier kanns hin. KiezbewohnerInnen waren schnell von der Idee begeistert und auch Retter zur Stelle.

berieten

schraubten

kippten

kippten

sägten

sägten

Kapitel 4
Wie Afrika auf Transport ging

Und dann kam der große Moment. Afrika war schwer, doch mit zwei Schubkarren und kräftigen Männern rollte es bald die Pohlstraße entlang.


los geht's

los geht's

fast da

Ebe Ano

Pohl52

Kapitel 4
Wo Afrika ein neues Zuhause fand

Denn was liegt näher als Afrika dorthin zu bringen, wo nix ist als eine weiße kahle Stelle und „wo es passiert“. Das ist die deutsche Übersetzung für Nigerianisch „Ebe Abo.“ Doch noch war Afrika nicht ganz am Ziel.

Es

es

wurde

aufgerichtet

aufgerichtet

ausgebessert

eingepasst

eingepasst

zurecht gerückt


Danke an alle, die geholfen haben. Stellvertretend für alle: dem Oberbaumeister Josef Lückerath.

Oberbaumeister

Afrika - Pohl52

Unser Kiez soll schöner werden – die Gestaltung von Baumscheiben

Von HU-Gastblogger Antje Drobig

Auch wenn es so klingt, sind Baumscheiben keine zersägten Bäume oder Holzfenster. Als Baumscheiben bezeichnet man den Bereich um einen Stadtbaum herum, der nicht betoniert, gepflastert oder geteert ist.

So bitte nicht mehr!

So bitte nicht mehr!

Kiesgrube - schön ist anders

Kiesgrube? Aus unerklärlichen Gründen wurde diese Baumscheibe bekieselt.

Josef Lückerath, seines Zeichens reguläres Mitglied des Quartiersrats Tiergarten Süd, hat einen ganz besonderen Faible für diese Nischen. Er kümmert sich im Projekt Quartiersbegrünung darum, dass besagte Baumscheiben nicht mehr nur NICHT betoniert, gepflastert oder geteert sind, sondern eine ganz besondere Nutzung erfahren, nämlich die der Begrünung, der Gestaltung, kurzum: der Aufwertung. Weiterlesen

MieterInnen in der Pohlstraße zwischen Angst und Wut

Hallo, wir unsere Studenten-WG sind auch ein Opfer der „Baumafia“ gängige Begrifflichkeit im Berliner Abgeordnetenhaus geworden. Im Juli wurden unsere 6 Häuser in der Pohlstraße sozialer Wohnungsbau aus der Insolvenz heraus an die Fa. D.V.I. / Mamrud & Smuskovics dazu gehörend die Hausverwaltung Walther Property Management und die Haus-/Gebäudeservicefirma Certus – alle unter der gleichen Adresse zu finden. Als im September der Eintrag im Grundbuch vollzogen war, kam auch gleich Mitte Oktober das erste Mieterhöhungsschreiben – 250 Euro sollten wir im Monat nun mehr zahlen wofür?, binnen 14 Tagen zum 1.11.. Müssen nun aus finanziellen Gründen auch raus hier, werden auch schon seit Monaten gemobbt Baulärm, Plündern unserer Briefkästen, Müllablagerungen im Garten, alles wurde dunkelgrau gestrichen usw..

Liest man diesen Kommentar auf  Berlin: Vom Sozialen Wohnungsbau zum Spekulationsobjekt « Gentrification Blog denkt man an Wild-West. Doch das Ganze spielt sich in Berlin-Mitte ab. Und gleich noch eine Unglaublichkeit: Gerade weil die Gebäude aus dem Sozialen Wohnungsbau stammen, sind sie mietpreislich nicht gebunden. Insgesamt sind gerade 30.000 Sozialwohnungen von ähnlichen Entwicklungen bedroht. Der Blog Sozialmieter sammelt alle Informationen.

Das ist der Hintergrund vor dem in der Pohlstraße und in der weiteren Umgebung der Potsdamer Straße Häuser entmietet werden und die Bevölkerung langsam ausgetauscht werden können. Neben den hier erwähnten Häusern, sind aus einem anderen Objekt in der Pohlstraße bereits viele Mieter ausgezogen. Angst spielt dabei eine große Rolle. Und da viele MieterInnen auch nicht genügend Informationen haben, verlässt sie schnell der Mut sich zumindest mit den legalen Mitteln zu erwehren, die Ihnen zur Verfügung stellen.

Mit gutem Grund: Robert Händler, Bewohner in der Pohlstraße und Mitglied des Quartiersrats Magdeburger Platz, ist Sprecher der MieterInnen-Initiative und versucht mit all seinen Kräften sich gegen die Entwicklung anzustemmen. Er nimmt kein Blatt vor seinen Mund. Er redet mit der Presse. Und was passiert: Kurz nach einem Artikel in der Berliner Zeitung , der die Sachlage schilderte, wird ihm gekündigt. Verständlich, dass viele aus Angst den Mund halten.

Die ganze Materie ist zugegebenermaßen hochkomplex. Der bereits erwähnte Artikel auf dem Gentrification Blog ist zum Verständnis sehr hilfreich.

Gleichzeitig ist zu beachten, dass es durchaus politischen Handlungsspielraum gibt. Der Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain hat im vergangenen November eine Verwaltungsvorschrift erlassen, „nach der die Nutzung von zu Eigentumswohnungen umgewandelten Sozialwohnungen durch Käufer nur möglich ist, wenn diese die für den Wohnberechtigungsschein (WBS) geltenen Eigentumsgrenzen einhalten.“

Hallo, Berlin-Mitte, übernehmen Sie!