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Sonne aus, Film ab! – Freiluftkino im Kulturforum

Von HU-Gastblogger Rob.

Die Sonne ist schon hinter den Gebäuden des Kulturforums verschwunden und eine leichte Brise zieht über den Platz. Schnell besorgen wir noch die Tickets und finden günstige Sitzplätze, während etwas Musik zur Unterhaltung dezent im Hintergrund läuft. Wie erwartet sind die Liegen ausreichend bequem und bieten unter dem klaren Himmel ein Gefühl von Freiheit. Es war klug von meiner Begleitung Decken mitzubringen, denn es wird nach und nach kühler. Noch eine kurze Ansprache zum Film und dann überträgt der Projektor auch schon das Bild auf die große aufblasbare Leinwand.

Gleich geht es los!

Gleich geht es los!

Das Sommerkino Kulturforum ist schon eine Art Tradition geworden. Seit etwa 10 Jahren(mit Unterbrechung) veranstaltet die Yorck Kinogruppe jeden Sommer ihr Freiluftkino im Kulturforum am Potsdamer Platz und so gab es auch dieses Jahr wieder vom 2. Juli bis zum 31. August ein vom Arthouse ausgewähltes und interessantes Kinoprogramm zu sehen. Dazugehörten unter anderem der für die Oscars 2013 nominierte Film „Django Unchained“, in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln sowie die mehrfach ausgezeichnete deutsche Komödie Fack ju Göhte“. Passend zur Ausstellung „Avantgarde!“ im Kulturforum wurden einige begleitende Filme angeboten, wie etwa Woody Allens „Midnight in Paris“ zur künstlerischen Bewegung nach dem Ersten Weltkrieg.

Zunächst einmal etwas Werbung – der Menge scheint der lustige Auftritt von FluxFM besonders zu gefallen. Nach einigen Trailern kommt auch schon der Film. Es läuft „Madam Mallory und der Duft von Curry“ in der Preview, aber statt Curry ist der Geruch von Popcorn und der Großstadt wahrzunehmen – eine einzigartige Mischung.

Das Sommerkino überzeugt nicht nur mit seiner Auswahl an Filmen, sondern auch mit seiner untypischen urbanen Lage, denn die meisten Berliner Sommerkinos befinden sich im Grünen. Das Kino ist schräg zwischen der Neuen Nationalgalerie und der Philharmonie am Matthäikirchplatz 4/6 zu finden und ist von Galerien und Ausstellungshallen umzingelt. Diese bieten mit dem Sony Center und der Staatsbibliothek im Hintergrund eine besondere Aussicht und nach dem Sonnenuntergang zeigt sich ein wunderschönes Panorama: Ein Meer aus Lichtern vermischt mit der beeindruckenden Architektur in näherer Umgebung. Einfach toll.

Im Hintergrund: Potsdamer Platz, Staaatsbibliothek zu Berlin

Im Hintergrund: Potsdamer Platz, Staaatsbibliothek zu Berlin

Etwa eine Stunde vor Filmbeginn wird die Kasse geöffnet. Aktuelle Informationen, wie der wetterbedingte Ausfall der Vorstellung, werden meist rechtzeitig auf der zugehörigen Facebook Page gepostet. Eine Reservierung ist online möglich, aber auf den 1000 beliebig besetzbaren Liegestühlen sollte jeder einen Platz finden. Der Film wird auf eine genügend große Leinwand projiziert, sodass man auch in der letzten Reihe etwas erkennt. Snacks werden vor und während des Filmes zu Kino-typischen preisen angeboten. Falls es doch mal zu kalt wird, kann am Eingang eine Decke für einen kleinen Betrag käuflich erworben werden.

Einige Kleinigkeiten können aber doch bemängelt werden. In manchen Reihen gestaltet sich das Durchkommen schwierig, denn die Liegen waren an dem Tag teilweise zu nah angereiht. Außerdem gibt es keine Trennung von Rauchern und Nicht-Rauchern und der Ton wurde von einigen Zuschauern als zu leise empfunden. Meine Begleitung und mich hat das persönlich nicht großartig gestört.

Gegen Mitternacht endet der Film und wir verlassen begeistert das Kino, während wir noch einmal den Ausblick genießen – gerne auch wieder nächstes Jahr.

Philharmonie und Sony Center

Philharmonie und Sony Center

 

 

Im Haus Vaterland ist man gründlich, hier gewittert’s stündlich

„Vergangener Glanz am Potsdamer Platz“ von Von HU-Gastblogger Steffen Bollmann

Donner war zu vernehmen, Blitze zuckten und es begann zu regnen. Unbeeindruckt zog ein Flugzeug weiter seine Bahn, fuhren Kähne den Wasserlauf entlang und Eisenbahnen durch das Rheintal. Nach einer Weile klärte das Wetter wieder auf, das Licht ging an und es wurde weiter Torte und Kaffee genossen.

Dies konnten die Berliner Ende der 20er Jahre mitten in ihrer Stadt erleben. Und so führten sie damals ihre Besucher aus der Provinz hierher, um sie durch diese Attraktion zu beeindrucken.

Denn beeindruckend muss es gewesen sein, jenes Schauspiel am Potsdamer Platz, welches damals stündlich den Besuchern in der „Rheinterrasse“ geboten wurde. Ganz nach dem Motto des Hauses: „Im Haus Vaterland ist man gründlich, hier gewitterts stündlich.“

In der Rheinterrasse, die berühmt für ihre Wettersimulationen war, gab es ein 6 Meter tiefes Modell des Rheintals zu bewundern, welches die Gegend bei der Stadt Sankt Goar mit der Burg Rheinfels darstellte. Auf dem Wasser fuhren Modellschiffe und mittels eines Seiles flog ein Modellflugzeug der Lufthansa durch diese Szenerie.

Doch die Rheinterrasse war nur eine von vielen Attraktionen im sogenannten „Haus Vaterland“, wie der ganze Gebäudekomplex am Potsdamer Platz bezeichnet wurde.

12 Restaurantbetriebe boten hier Erlebnisgastronomie für jeden Geschmack. Stand den Gästen der Sinn nach einem bayerisches Bierrestaurant, einem Besuch im Wiener Café, im Türkischen Café, der Entspannung einer japanischen Teestube oder etwas zünftiger der Bremer Kombüse? Das alles wurde hier geboten! Sogar noch mehr! So gab es auch eine Wild-West-Bar, ein italienisches Spezialitätenrestaurant, ein Tanzlokal- den Palmensaal– und ein Filmtheater mit 1200 Plätzen.

Dies alles war aufwendig, ja geradezu pompös ausgestattet. Was jedoch auch nötig war, um mit anderen Angeboten im Glanze des Berlins der „Goldenen Zwanziger Jahre“ mithalten zu können.

Die Chancen gegen die Konkurrenz zu bestehen, standen nicht schlecht, als das „Haus Vaterland – Betrieb Kempinski“ nach einem Jahr Umbau Ende August 1928 wieder eröffnet wurde.

Ursprünglich wurde der gesamte Gebäudekomplex am Potsdamer Platz im Februar 1912 als „Haus Potsdam“ eingeweiht. Das Haus beherbergte damals neben Büroräumen das Filmtheater „Kammerlichtspiele“ und das mit 2500 Sitzplätzen damals größte Caféhaus Berlins, das Café Piccadilly.

In der patriotischen Augustbegeisterung, in welcher die Deutschen nicht den Wahnsinn des ausbrechenden Weltkriegs erkannten, wurde 1914 das Cafe Piccadilly in „Kaffee Vaterland“ umbenannt, ein Name der sich schnell für den gesamten Komplex einprägte.

Den ersten Weltkrieg überstand das Haus Vaterland unbeschadet, das Dritte Reich jedoch nicht. Denn im Jahr 1937 wurde im Zuge der Arisierung den Kempinskis, die 1928 das Gebäude für 15 Jahre gepachtet hatten, das wunderbare Haus entrissen und es wurde von der Aschinger AG übernommen. Diese führten es unter dem Namen „Betrieb Borchardt“ weiter.

Nach Beginn des Zweiten Krieges ging das Geschäft zuerst normal weiter. Zwar wurden Lebensmittelkarten in den Restaurants und Cafés benötigte, aber daran waren die Deutschen gewöhnt, wie auch an die nächtliche Verdunkelung. Doch im August und November 1943 wurde das Gebäude von mehreren Fliegerbomben getroffen und schwer beschädigt. Danach stand das vom gesamten Komplex nur noch nutzbare „Kaffee Vaterland“ als Wehrmachtsheim für durchreisende Soldaten zur Verfügung. Hier fanden jede Nacht Unterhaltungsveranstaltungen statt, wo die Soldaten die Realität für einige Stunden zu vergessen suchten.

Im Februar 1945 brannte schließlich auch das Kaffee aus. Nach dem Ende des Krieges lag das halbzerstörte Gebäude im russischen Sektor Berlins.

Daher übernahm auch die HO, die Handelsorganisation der DDR, den Komplex und führte sogar den Namen „Haus Vaterland“ weiter. Mit dem Glanz der ehemaligen Erlebnisgastronomie war es jedoch vorbei, auf schlichtem Mobiliar nahmen nun die Gäste Platz.

Doch nicht allzu lange. Denn beim Volksaufstand des 17. Juni 1953 entlud sich der Zorn der Menschen auch hier, sie legten Feuer und das Haus Vaterland stand in Flammen. Diesmal dachte niemand mehr an einen Neuaufbau. Zurück blieb eine trostlose Ruine, die mit dem Mauerbau 1961 mitten auf dem Grenzstreifen stand.

Zusammen mit dem Gelände des stillgelegten Potsdamer Bahnhofs kam die Ruine 1972 durch einen Gebietstausch im Rahmen des Viermächteabkommen über Berlin in den Besitz Westberlins. Das alte Haus Vaterland stand nun mitten in der riesigen Brache, den Kopf zur Mauer geneigt. 1976 kam dann das endgültige Aus und die Ruine wurde abgerissen.

Heute, 34 Jahre später, steht an derselben Stelle ein großes, modernes Bürogebäude, die Parkkolonnaden. Entfernt soll die Stirnseite des Gebäudes an das ehemalige Haus Vaterland erinnern. Und bei Sonnenschein glänzt auch die verspiegelte Fensterfront. Doch ist dies ein völlig anderer als der vergangene Glanz.