Schlagwort-Archiv: Potsdamer Straße

Ayan Filipino Streetfood: Das ist es!

Von Gastbloggerin Lisa

Seit einem Jahr kann man im „Ayan Filipino Streetfood“ traditionell philippinisch essen gehen und einen besonderen Teil der Potsdamer Straße auf sich wirken lassen.

Von der Potsdamer Brücke aus sind es fünf Minuten Fußweg zum „Ayan Filipino Streetfood“. Vorbei an Carglass, der Galerie Michael Janssen und dem Blumenstudio Bohner. Ein Kontrastprogramm zum aufgedonnerten Potsdamer Platz, von dem ich gerade komme. „Ayan“ lässt sich hier leicht als neuer Laden identifizieren. Weiterlesen

Abstrakte Computerkunst in *meiner* Potse?

Zu finden zwischen Kurfürstenstr. und Bülowstr. auf der Frobenstr.

Ich – ein HU-Gastblogger – spazierte durch den Kiez, da fiel mir dieses Graffiti auf, und ich musste erstmal genauer hinschauen, um zu begreifen, dass ich nicht schielend doppelt
sehe. Man könnte meinen, der Künstler hätte ein normales Bild genommen und durch das Deep Dream-Programm gejagt. Weiterlesen

Die Lützowbiene

Schon bei der Terminvereinbarung kommt mir Herr Krause Junior, der Chef der Lützowbiene, etwas gehetzt vor. Und bei meinem Interviewbesuch bestätigt sich dieser Eindruck; ob es zur Zeit viel zu tun gibt, frage ich – „Schulanfang, wir sind voll ausgelastet.“ Der Schulanfang ist für den Bürobedarf die Hauptsaison, quasi wie Weihnachten, Ostern und Halloween zugleich. Weiterlesen

Queen of Muffins

Das Café von vorne

Das Café von vorne

Von einem HU-Gastblogger

Queen of Muffins ist ein typisches Berliner Café am der Ecke Potsdamer Straße/Pohlstraße. Am Tag vor meinem geplanten Interview mit der Angestellten Lisa schaute ich inkognito vorbei und bestellte mir testweise einen Vanilleblaubeermuffin. Der Laden machte seinem Namen alle Ehre! Weiterlesen

„Rankommen“ zum leckeren Mittagstisch im Maiden Mother & Crone

Von HU-Gastbloggerin Nina

Die Jungs vom Maiden Mother & Crone sind Marktschreier deluxe – und zwar in der 2.0 Variante – auf facebook preisen sie ihren Mittagstisch ziemlich lautstark und unterhaltsam an.  Zum Beispiel so:

 „Die Woche endet mit ’nem Knall: Tandoori-Joghurt Chicken mit Safran-Kurkuma-Reis, Schmorkürbis & Za’atar-Chinakohl-Topping oder Koshari de luxe: ägyptisches Streetfood mit Linsen, Maccharoni-Reis, Gemüse-Harissa-Sugo, Karamell-Zwiebeln und Pistazien-crumble dazu Mango-Gurken-Möhrchen-Salat und dem BESTEN Oliven-Hummus EVER!! BAAAM!!“

Oder auch mal etwas schlichter:

„Morgen schön Jambalaya. Rankommen!“

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Von ‚Nieeje‘ und der großen Liebe – Galerien-Besucher. Eine Momentaufnahme

Dieser Beitrag ist Teil des Artikels: Kunst an der Potsdamer Straße. Begegnungen mit Künstlern, Galeristen und Besuchern.

von Christian Kaiser

Wer besucht eigentlich Galerien? Touristen? Wohlhabende? Junge Leute, für die es einfach cool ist?
Um das herauszufinden, stelle ich mich an einem sonnigen, aber ziemlich frostigen Samstagnachmittag im März für eine gute Stunde so auf die Potsdamer Straße, dass ich beide Galerien zugleich, die Krome Gallery und die Klosterfelde Galerie, im Blick habe. Denn  von Besucheranstürmen kann keine Rede sein, im Gegenteil, beide Galerien sind die meiste Zeit meiner Beobachtungsphase über einfach leer.

Besucher Krome GalleryEinige, die die Krome Gallery betreten, wollen nur in den Kunstbuchladen nebenan, der aber nur durch die Tür der Galerie zu betreten ist.
Meine ersten echten Galeriebesucher sind zwei Herren im mittleren Alter. Ich spreche sie an, doch Deutsch verstehen sie nicht. In englischen Satzstücken erklären sie mir dann, dass sie zwei Kunstlehrer aus Sienna seien und nur spontan in die Galerie gegangen wären, nein, Kunst wollten sie nicht kaufen, und eigentlich seien sie auch nur auf dem Weg ins Hotel. Ich lasse sie also schnell weiterziehen.

Lange Zeit kommt niemand. Mir wird langsam kalt. Ich bin schon froh über die beiden Kunstlehrer aus Sienna. Ich gönne mir erst mal eine Aufwärmpause beim Kiosk im nahegelegenen U-Bahnhof und versuche mein Glück erneut.

Und tatsächlich, in der Krome Gallery sind zwei Besucher! Erwartungsfroh gedulde ich mich, bis sie aus der Galerie kommen. Zuerst sind die beiden Herren etwas wortkarg angesichts meiner Frage, aus welchem Grund sie in der Galerie waren. Doch dann kommen sie ins Erzählen: Sie seien beide Künstler, die nach Berlin gezogen seien und eine Galerie in Paris hätten. Nein, nicht der Inspiration wegen seien sie heute hier, sondern um einen Überblick zu bekommen, um zu schauen, was andere Künstler so machten, naja, eigentlich würden sie auch eher einen gemeinsamen Spaziergang unternehmen, ein bisschen hier schauen, ein bisschen da, mit „professionellem Blick“, um sich dann schließlich dort, wo es ihnen gefalle, zu einem Kaffee niederzulassen. Na dann, noch einen sonnigen Kunstnachmittag!

Unterdessen haben drei ‚asiatisch‘ aussehende junge Leute die Galerie betreten. Ich beobachte sie, wie sie sich umschauen und durch den Durchgang zum Kunstbuchladen nebenan gehen. Sie blättern hier und da in den ausliegenden Büchern und scheinen sich tatsächlich festgelesen zu haben. Dann kommen sie schließlich doch noch heraus. Bei ihnen hilft wieder nur die englische Sprache weiter. Wie sich herausstellt, studiert der junge Mann unter ihnen Kunst und besucht seine beiden Begleiterinnen in Berlin, von denen die eine Kunstgeschichte hier an einer privaten Akademie in Berlin studiert. Sie hätten sich bloß ein bisschen umgesehen, mehr im Kunst-Buchladen als in der Galerie und wollen mich auch gleich, als sie hören, dass ich Philosophie studiere, in ein Gespräch über ‚Nieeje‘ verwickeln. Es dauert einen Moment bei mir. Ah! Sie wollen über Nietzsches Kunstphilosophie mit mir sprechen! Ich lehne dankend ab und wünsche einen schönen Tag.

Gut, das reicht jetzt, denke ich auf dem Weg zum U-Bahnhof. Da sehe ich just in diesem Moment einen jungen Besucher aus der Helga Maria Klosterfelde Galerie treten.

Besucher Galerie KlosterfeldeZügig wechsle ich die Straßenseite und spreche ihn an, während er gerade auf sein Fahrrad steigt. Klar, prinzipiell würde er mir gerne antworten, doch er habe es gerade total eilig, weil er noch unbedingt eine andere Ausstellung in einer anderen Galerie sehen wolle, die heute zu Ende gehe, er müsse jetzt wirklich schnell los. Während er anfährt, ruft er mir zu: Berliner Künstler sei er,  er werde durch eine eigene Galerie vertreten und schaue sich aus beruflichen Gründen die Ausstellungen an. Und weg ist er. Allerdings nur um 50 Meter weiter wieder sein Fahrrad an einen Baum zu lehnen und in einer Hofeinfahrt zu verschwinden.

Meine Glückssträhne reißt nicht: Ein Mann, ebenso jung wie der vorherige, tritt aus der Galerie. Hier hilft wieder nur Englisch weiter. Als er hört, wer ich bin und dass ich einen Artikel über die Kunstszene an der Potsdamer Straße schreibe, erzählt er sehr freundlich, geradezu freundschaftlich von sich: Er käme aus New York, habe dort Kunst an diversen Collages studiert und wäre dort auch gerne geblieben. Hier müsse er sich nun erst neue Kontakte in die Kunstszene hinein aufbauen, deshalb besuche er Galerien. In der Galerie Klosterfelde stelle zum Beispiel gerade ein Künstler aus, mit dem er demnächst in einem größeren Projekt zusammenarbeiten werde. Nein, nicht der Kunstszene wegen sei er nach Berlin gekommen, durch den Umzug nach Berlin habe er sich eher seiner Karriere beraubt, sagt er mit einem leichten Lächeln, in New York hätte er  nämlich die Kontakte seiner Professoren nutzen können! Er sei aus dem anderen Grund, aus dem man seine Heimat verlassen könne, nach Berlin gekommen: der Liebe wegen!

Bei meiner kleinen Befragung fällt also eines auf: die Menschen, die Galerien besuchen, sind vom Fach, oft selbst sogar Künstler. Wer dann aber dieses Kunstgeschäft überhaupt möglich macht, wer die Künstler finanziert, wer ihre Kunst kauft, bleibt ein Rätsel.

 

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„Es geht darum, den Künstler in seiner ganzen Persönlichkeit zu verstehen“ – ein Gespräch mit Selina Lai, Managerin der Krome Gallery (Potsdamer Straße 98), über die Tätigkeit einer Galerie

Über das Verkaufen von Genuss – eine Begegnung mit Alfons Klosterfelde, Galerist der Helga Maria Klosterfelde Galerie (Potsdamer Straße 97)

Urknall im Keller – eine Begegnung mit dem Künstler Rolf Hemmerich in seinem Atelier in der Pohlstaße 11

Skulpturen schaffen, um Raum zu gewinnen – Bettina Lüdicke erzählt in ihrem Atelier in der Pohlstraße 11 von ihrer künstlerischen Arbeit

„Es geht darum, den Künstler in seiner ganzen Persönlichkeit zu verstehen.“ Ein Gespräch mit Selina Lai, Managerin der Krome Gallery (Potsdamer Straße 98), über die Tätigkeit einer Galerie

Dieser Beitrag ist Teil des Artikels: Kunst an der Potsdamer Straße. Begegnungen mit Künstlern, Galeristen und Besuchern.

von Christian Kaiser

Krome GalleryNeben dem Wintergarten Varieté liegt die elegant wirkende Krome Gallery, deren Eingang, drei Stufen erhöht, vollständig verglast ist, so dass jeder ungehindert von außen  in den hohen weißen Innenraum hineinschauen kann. Ein klarer, etwas kühler Eindruck. Die ausgestellten Werke fallen dadurch umso mehr auf: Im Eingang steht ein Paar schwarzer Stiefel so zueinander versetzt, als machten die Stiefel soeben einen Schritt. An einer Wand hängt ein großer Flachbildschirm, auf dem vor schwarzem Hintergrund ständig ein weißes Ei sich dreht und dabei fortwährend sprudelnde Bläschen aufzuwirbeln scheint. Die Werke gehören zu einer Ausstellung des Künstlers Tarje Eikanger Gullaksen, die bis vor kurzem in der Krome Gallery zu sehen war.

Die Managerin der Krome Gallery, Selina Lai, wird – begleitet von ihrer Assistentin, Elisabeth Pallentin – im Folgenden erzählen, wie ihre Tätigkeit als Mitarbeiterin einer Galerie aussieht, was sie an ihrer Arbeit mit Kunst schätzt und warum die Krome Gallery gerade die Potsdamer Straße als Standort ausgewählt hat.

Wie würden Sie die Tätigkeit einer Galerie und Ihre Tätigkeit als Mitarbeiterin einer Galerie beschreiben?

Selina Lai: Eine Galerie ist der Schnittpunkt zwischen dem Künstler und dem Sammler, zwischen Künstler und Museum. Was der Besucher hier in der Galerie sieht, das fertige Produkt, ist aber nur die Oberfläche. Es geht  nicht darum, eine Ausstellung zu eröffnen, man muss hinter der Kulisse weiterarbeiten. Vor allem muss es einen ständigen Fluss zwischen Künstler, Galerist und Käufer geben: Der Künstler profitiert von den Kontakten, die der Galerist hat, und umgekehrt genauso. Ziel der Galerie ist es natürlich, den Künstler so gut zu vermarkten, dass der Künstler von seiner Kunst leben kann.

Aber es geht auch darum, einen gewissen Wert zu schaffen: Man hilft dem Künstler, eine eigene künstlerische Position zu formen. Dazu gibt es einen beständigen Austausch, nicht nur bezüglich der Arbeiten, sondern über die eigene Weltanschauung. Die Beziehung zwischen Galerist und Künstler ist daher im besten Fall sehr menschlich: Viele Künstler und Mitarbeiter von Galerien werden sogar Freunde.

Ihre Tätigkeit besteht also darin, nicht abstrakt über die ausgestellten Werke zu sprechen, sondern vielmehr mit dem Menschen, der hinter diesen Werken steht?

Selina Lai: Ich glaube, was einen guten Galeristen auszeichnet, ist die Fähigkeit, den Künstler in seiner ganzen Persönlichkeit zu verstehen. Nur so können die Mitarbeiter der Galerie auch den Wert der Arbeiten einem Sammler oder einem Museumskurator vermitteln.

Elisabeth Pallentin: Kunst ist ja generell kein anonymes Produkt, es steckt immer der Künstler und seine ganze Persönlichkeit im Kunstwerk, darauf gründet die Beziehung zwischen Galeristen und Künstler.

Selina Lai: Es ist wie so eine Art Boutique, wo sich hinter der Mode eine Geschichte versteckt.

Wonach treffen Sie denn Ihre Auswahl, welchen Künstler Sie in das Programm der Krome Gallery aufnehmen? Entscheiden Sie das subjektiv oder haben Sie irgendein Schema bewusst im Kopf? Orientieren Sie sich vielleicht an einem Trend?

Selina Lai: Wenn man versucht, nach dem Trend zu gehen, ist man schon gescheitert. Natürlich ist man trotzdem auch davon beeinflusst, was man in den anderen Galerien sieht, aber eher  unbewusst.
Was ist also stattdessen wichtig? Es ist das Gefühl, dass Galerist und Künstler auf der gleichen Ebene stehen, dass sie sich auch persönlich gut verstehen, dass man Gemeinsamkeiten findet. Dann ist es auch leichter, die Kunst des Künstlers zu verstehen. Der Unterschied macht auch, was man denn eigentlich in den Arbeiten sieht. Wenn man ein Werk ansieht, ist es zunächst wie eine geschlossene Schachtel. Aber du stellst keine geschlossene Schachtel einfach aus. Du musst erst mal die Schachtel aufmachen, verstehen, was drinnen ist, und dann entscheiden, ob du das ausstellst oder nicht.
Du musst die Kunst des Künstlers strukturieren, auseinandernehmen und verstehen.

Wie haben sich denn die Kontakte zu den Künstlern, deren Werke Sie ausstellen, ergeben?

Selina Lai: Man trifft Künstler bei Eröffnungen oder Events, etwa bei Biennalen oder bei Messen, man liest Magazine, Interviews in Blogs. Und plötzlich stellt man fest, dass man mit einem Künstler gemeinsame Freunde oder Bekannte hat.

Gibt es denn auch Gründe, dass Sie einen Künstler aufgeben? Ist das schon mal vorgekommen?

Selina Lai: Es gibt auch Sammler, die zum Beispiel einen Künstler aufgeben. Es ist eine Frage der Entwicklung. Das ist so wie in einer Beziehung: Manchmal leben sich die zwei Partner auseinander. Man kann dann nicht mehr eine gemeinsame Sprache finden. Das ist sicherlich traurig, muss es aber auch nicht sein.

Welche Rolle spielt das Interesse, Kunstwerke auch verkaufen zu wollen, für Ihre Tätigkeit als Beraterin eines Künstlers? Gibt es spezielle Erwartungen der Kundschaft, auf die Sie Künstler hinweisen müssen?

Selina Lai: Es ist klar, dass man nicht die Arbeiten von allen Künstlern auf dieselbe Art und Weise bzw. in derselben Menge verkaufen kann. Es gibt Künstler, die sich besser verkaufen, und andere weniger…

Elisabeth Pallentin: … aber das liegt einfach auch daran, dass es gut verkaufbare Kunstwerke gibt, und dann wiederum welche, die schlechter verkaufbar sind, Videoarbeiten zum Beispiel lassen sich nicht so leicht verkaufen wie etwa ein kleines Gemälde von dreißig mal dreißig Zentimetern oder eine Fotografie.

Selina Lai: Es gibt tatsächlich Kategorien, die leichter zu verkaufen sind, aber es ist immer eine Frage, an welches Publikum man sich wendet.
Aber es kommt immer eine Zeit, in der ein Künstler besonders viel Aufmerksamkeit genießt, so eine Art 15-Minuten-Ruhm und in diesem Moment ist es sicherlich einfacher seine Arbeiten zu verkaufen. Aber ob man es schafft, ist in erster Linie eine Frage der Vermittlung, wie und was man dem Kunden erzählt.

Man könnte diesen ‚15-Minuten-Ruhm‘ ja auch negativ verstehen. ‚15 kurze Minuten‘ berühmt sein und dann?! Dass es einfach nach ‚15 Minuten‘ vorbei ist…

Selina Lai: Vorbei ist es nur in dem Moment, wenn der Künstler aufhört zu arbeiten.
Und Ruhm ist auch nicht immer positiv. Es gibt viele Künstler, denen es lieber ist, ganz langsam zu wachsen, und immer ein wenig im Untergrund zu bleiben.

Visieren Sie denn ein spezielles Publikum, eine spezielle Kundschaft an? Hat sich die Krome Gallery deshalb gerade die Potsdamer Straße als Standort ausgesucht?

Selina Lai: Der Grund, warum wir hierher an die Potsdamer Straße gezogen sind, war mehr eine Frage der Synergie: Auf Grund der hohen Anzahl von Galerien in diesem Viertel kann man bei Eröffnungen von einem gemeinsamem Publikum profitieren. Es macht auch viel mehr Spaß, an einem Ort zu sein, wo zu gewissen Events viele Leute unterwegs sind, die einfach so in die Galerie kommen, die fragen und interessiert sind. So haben sich auch in vielen anderen Städten Kunstquartiere entwickelt. Es blieb nie eine Galerie alleine, es sei denn, die Galerie ist so stark, dass sie nicht diese Synergie braucht. Das ist aber eher die Ausnahme und nicht die Regel.

Aber es ist nicht so sehr das anonyme Laufpublikum, das eine Galerie eigentlich interessiert. Ich will jetzt dieses Publikum nicht abwerten, weil es auch schön für uns ist, uns mit genau solchen Leuten zu unterhalten. Aber das Publikum, die Kundschaft, die die Arbeiten der ausgestellten Künstler als Multiplikator weiterverbreitet, ist eine andere Art von Publikum, das nur bei ausgewählten Ausstellungen auftaucht und sich gezielt herauspickt, was sie interessiert.
Wer ist unsere Kundschaft? Das ist ganz unterschiedlich: Von Studenten bis Museums- oder Sammlerdirektoren. Je nachdem, kommuniziert man dann mit diesen Leuten auf eine andere Art und Weise.

Sie sprechen von Synergien mit anderen Galerien. Nun gibt es im Gebiet der Potsdamer Straße ja auch einige Ateliers. Arbeiten Sie denn auch mit lokal ansässigen Künstlern zusammen? Gibt es auch in dieser Hinsicht Synergien?

Selina Lai: Im Programm haben wir keinen Künstler, der hier auf der Potsdamer Str. ein Atelier hat. Denn es spielt eigentlich keine Rolle, wo der Künstler sein Atelier hat.

Hat sich denn das Profil der Krome Gallery durch den Umzug von der Karl-Marx-Allee an die Potsdamer Straße verändert?

Selina Lai: Das Programm der Galerie hat sich nach dem Umzug nicht verändert. Es entwickelt sich jedoch vielmehr ständig weiter. Das eigene Interesse des Galeristen verändert sich und deshalb ist es immer eine Art ‚Work in Progress‘.

Ihre Galerie ist ja seit April 2011 hier. Zu diesem Zeitpunkt gab es aber schon einige Galerien hier. Wie hat sich das Kunstquartier hier an der Potsdamer Straße aus ihrer Sicht entwickelt?

Selina Lai: Es waren, glaube ich, zwei Faktoren, die den Umzug von Galerien hierher verursacht haben:

Erstens der Umzug von Giti Nourbakhsch, die hier, in der Kurfürstenstraße, im Jahr 2005 oder 2006 als Erste eine Galerie eröffnet hat, die es heute allerdings nicht mehr gibt. Giti Nourbakhsch war schon davor in der Gegend um den Rosenthaler Platz eine der ersten überhaupt, die dort eine Galerie aufgemacht hatten.  Berlin lebt ja gerade von solchen Orten, die an der Schnittstelle zwischen zwei Welten sind. Und die Potsdamer Straße ist so ein Ort: Man erreicht den Potsdamer Platz in fünf Minuten, aber gleichzeitig liegt der bekannteste Straßenstrich Berlins vor der eigenen Haustür. Es ist ein Ort mit einer widersprüchlichen Identität. Der Charme von Berlin, wenigstens bisher, war, dass es immer noch solche Orte gibt.

Elisabeth Pallentin: …die aber immer weniger werden.

Selina Lai: Der zweite Grund für den Umzug vieler Galerien waren wahrscheinlich die Mietpreise in den Jahren 2005 / 2006.
Mittlerweise hat sich aber eine feste Struktur von mitunter auch ziemlich großen Galerien gebildet, unter anderem im ehemaligen ‚Tagesspiegel‘-Gebäude. Dadurch wird es länger dauern, bis dieser Hotspot nicht mehr interessant sein könnte.

Abschließend würde ich gerne noch von Ihnen wissen, wie Sie eigentlich selbst Managerin einer Galerie geworden sind. Haben Sie Kunst in irgendeiner Weise studiert?

Selina Lai: Ich habe Kunstgeschichte studiert, auf eine sehr humanistische Art und Weise, sehr akademisch auch, in Italien und an der Humboldt-Universität in Berlin.
Ja, warum diese Arbeit? Es ist das Gefühl, jedes Mal neu in eine Welt einzutauchen, in der andere Regeln gelten, Regeln, die von den Künstlern geschaffen werden. Ich bin fasziniert von diesen Künstlerpersönlichkeiten, die eine Vision der Welt geben, die nicht unbedingt der entspricht, die man normalerweise sieht. Man fängt an, die eigene Welt anders zu sehen, dank dieser Visionen, die die Künstler haben.

Frau Lai, Frau Pallentin, ich danke Ihnen für das Gespräch.

 

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Über das Verkaufen von Genuss – eine Begegnung mit Alfons Klosterfelde, Galerist der Helga Maria Klosterfelde Galerie (Potsdamer Straße 97)

Urknall im Keller – eine Begegnung mit dem Künstler Rolf Hemmerich in seinem Atelier in der Pohlstaße 11

Skulpturen schaffen, um Raum zu gewinnen – Bettina Lüdicke erzählt in ihrem Atelier in der Pohlstraße 11 von ihrer künstlerischen Arbeit

Von ‚Nieeje‘ und der großen Liebe – Galerien-Besucher. Eine Momentaufnahme

Über das Verkaufen von Genuss – eine Begegnung mit Alfons Klosterfelde, Galerist der Helga Maria Klosterfelde Galerie (Potsdamer Straße 97)

Dieser Beitrag ist Teil des Artikels: Kunst an der Potsdamer Straße: Begegnungen mit Künstlern, Galeristen und Besuchern

von Christian Kaiser

Was mag das bloß für ein Geschäft sein, über dessen Schaufenstern in großen Schreibschrift-Lettern prangt „Vincenz Sala“? Dessen Schaufenster bisweilen mit Pergamentpapier zugehängt werden, bis auf ein extra ausgespartes, kleines rechteckiges Guckloch, das die Sicht ins Innere ermöglicht, auf eine große, dunkelbraune Regalwand an der rechten Seite?

Ein Din-A4-Blatt neben dem Guckloch erläutert mir: Eine neue Ausstellung werde gerade aufgehängt, am kommenden Mittwochabend sei Vernissage!

Galerie KlosterfeldeEinige Tage später nimmt sich Alfons Klosterfelde, Galerist der Helga Maria Klosterfelde Galerie, Zeit für ein Gespräch mit mir. Dabei klärt sich auch, was es mit der rätselhaften Namensbezeichnung und der alten hölzernen Einrichtung auf sich hat. „Die Einrichtung stammt von dem Schreibwarenladen, der hier vorher war, ‚Vincenz Sala‘ steht ja noch draußen dran, sie ist hier geblieben, weil sie hier einfach gut hineinpasst.“

Im Jahr 2009 ist die Klosterfelde Galerie hier eingezogen. Geleitet wird sie von Alfons Klosterfelde und seiner Mutter, Helga Maria Klosterfelde: „Ich bin damit aufgewachsen“, erzählt Herr Klosterfelde. „Meine Eltern haben sich für Kunst interessiert, das hat mich geprägt. Ich habe Jura studiert und nebenher in Galerien gearbeitet, bis ich irgendwann beschlossen habe, das ganz zu machen.“

Die Tätigkeit des Galeristen, die er heute ausübt, hat aus seiner Sicht zwei Facetten: „Man hat ein kaufmännisches Büro für die Buchhaltung, da müssen Lagerbestände auf dem Laufenden gehalten werden und es muss in die Zukunft geplant werden, und man hat einen Ausstellungsraum, da kommen Besucher herein und man leistet Vermittlungsarbeit. Ich glaube, dass Leute immer denken, es sei so anders als irgendeine andere Geschäftstätigkeit. Das ist es gar nicht, es ist nur so, dass der Gegenstand, mit dem man sein Geld verdient, Bilder oder Skulpturen sind.
Das Schöne und zugleich Schwierige ist, dass man mit etwas handelt, das zum Glück auch noch etwas mit Subjektivität zu tun hat, so dass die Bewertung anders funktioniert als sonst.“

Ähnlich wie andere Geschäfte kauft die Galerie Klosterfelde auch wieder Kunst von Käufern an. „Man handelt mit Kunst, so wie ein Möbelhändler mit Möbeln oder ein Autohändler mit Autos handelt.“ Nur mit einem Unterschied: „Das Auto ist vor allem ein Gebrauchsgegenstand, es hat einen anderen Nutzen und einen anderen Stellenwert. Ein Bild anzusehen hat ja im Grunde genommen mit Genuss zu tun, es soll ja anregen, so wie man ins Theater geht oder wie man ein Konzert hört oder ein Buch liest … Genuss ist vielleicht nicht so ein schönes Wort… Genuss klingt irgendwie nach Kaffeebohnen…“

Die Galerie Klosterfelde konzipiert etwa fünf Ausstellungen im Jahr. Eine solche Ausstellung betrachtet Herr Klosterfelde dann als gelungen, „wenn viele Leute sie gesehen und wir Reaktionen erhalten haben – und wenn wir etwas aus der Ausstellung verkauft haben. Denn eine Galerie ist ja ein kommerzieller Betrieb. Man macht die Ausstellung, um Kunstwerke aus der Ausstellung zu verkaufen. Man freut sich, wenn man noch mehr verkauft, als man vorher verkauft hat. Und man hat Freude daran, den Besuchern die Kunst zu vermitteln und die eigene Begeisterung auf andere Leute zu übertragen.“
Seine Kundschaft, auf die Herr Klosterfelde seine Begeisterung bereits übertragen hat, sei aber so heterogen, dass er diese nicht mit bestimmten Kategorien umschreiben kann.

Derzeit sieht Herr Klosterfelde vermehrte öffentliche Aufmerksamkeit und Berichterstattung über moderne Kunst. Denn „Ausstellungseröffnungen und Kunstmessen werden zusehends zu einem Life-Style-Thema“. Dass aber schlage sich nicht unbedingt in den Verkaufszahlen von Kunst wieder: „Der kleinste Teil der Künstler in Berlin kann von der Kunst leben. Auch für die Galerien ist es nicht einfach.“ Dennoch gibt es ja viele Galerien in Berlin, was Herr Klosterfelde darauf zurückführt, dass es auch viele Künstler in Berlin gibt. Diese Kunstszene habe sich hier entwickelt, „weil man hier günstig leben kann bzw. weil man hier günstig leben konnte – das ändert sich ja gerade massiv – und weil es schon immer eine interessante Stadt war, in der man sich gegenseitig angeregt hat“.

Der Kontakt zu den Künstlern ist wesentlicher Teil seiner Arbeit. Künstler für Ausstellungen in der Galerie auszuwählen, sei ein „laufender Prozess, man fängt an, mal mit neuen Künstlern zu arbeiten. Dann macht man mal wieder etwas mit jemandem, den man schon lange kennt“. Dabei spielen Künstler, die im Umfeld der Potsdamer Straße ihr Atelier haben, bisher keine Rolle im Programm der Klosterfelde Galerie.

Welche Künstler und welche Werke hier in der Galerie ausgestellt werden, entscheidet Herr Klosterfelde nach einem naheliegenden Kriterium: „Entweder es gefällt einem oder eben nicht.“

 

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„Es geht darum, den Künstler in seiner ganzen Persönlichkeit zu verstehen“ – ein Gespräch mit Selina Lai, Managerin der Krome Gallery (Potsdamer Straße 98), über die Tätigkeit einer Galerie

Von ‚Nieeje‘ und der großen Liebe – Galerien-Besucher. Eine Momentaufnahme

Urknall im Keller – eine Begegnung mit dem Künstler Rolf Hemmerich in seinem Atelier in der Pohlstaße 11

Skulpturen schaffen, um Raum zu gewinnen – Bettina Lüdicke erzählt in ihrem Atelier in der Pohlstraße 11 von ihrer künstlerischen Arbeit

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Artek – Von der Potsdamer Straße nach Kopenhagen

Geschrieben von Tobias

Im Tagesspiegelgebäude in der Potsdamer Straße 85C befindet sich Artek, ein finnischer Anbieter von Designermöbeln. Der Besuch des versteckten Ladens gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht.

Artek

Mit dem Aufzug zu Artek

In der Kiezzeitung mitteNdran fand ich auf Seite 8 der aktuellen Ausgabe einen kurzen Artikel zur Artek Deutschland Gmbh. Im 10. und 11. Stock des ehemaligen Tagesspiegelgebäudes werden demnach finnische Designmöbel angeboten. Per Fahrstuhl in den Laden, à la „Beam me up Scotty“? Das klang von Anfang an vielversprechend und außergewöhnlich. Denn wie Ikea von innen aussieht, wissen wir alle. Die individuellen Produkte von echten Designstars wie Alvar Aalto zu sehen, ist dagegen etwas besonderes. Weiterlesen

Die Musikerin und der Hausbesetzer – Gehweggedenken und Stolpersteine im Süden der Potsdamer Straße

Artikel von Gastblogger Bernhard, geschrieben im Rahmen des Sommerkurses 2012 “Online-Journalismus – Recherchieren und Bloggen” am Career Center der Humboldt Universität.

Der Gehweg erzählt Geschichten. In der Gegend um den Südteil der Potsdamer Straße die von Maria Leo und Klaus Jürgen Rattay.
Sie war eine Musikerin aus Leidenschaft, er ein Berliner Hausbesetzer. Es trennt beide ein halbes Jahrhundert, doch verbindet sie ein Idealismus, der sie dazu brachte, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen – und der Ort ihres Gedenkens.

Seit Juni 2006 erinnert ein von der Leo Kestenberg Musikschule in Auftrag gegebener Stolperstein in der Pallasstraße 12 an Maria Leo. Hier hatte sie gelebt und gearbeitet.
Bereits in seinem Todesjahr wird ein an Klaus Jürgen Rattay erinnernder Gedenkstein von Unbekannten angebracht, und unerwartet von offizieller Seite nicht wieder entfernt.

Manchmal bleibt jemand stehen um die Namen zu lesen, meist jedoch nicht. Das bedeutet aber nicht, dass Gedenksteine sinnlos wären.
„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ lautet das Motto des Stolpersteinprojekts. Die Hauptauseinandersetzung mit der Geschichte und den Menschen, denen gedacht werden muss, findet nicht durch zufällig vorbeilaufende Menschen statt, sondern in der Vorbereitung und dem Akt des Verlegens an sich. Die Gedenksteine stehen symbolisch für die Erkenntnis, dass Erinnerung und Gedenken nichts ist, was von oben verschrieben werden kann, sondern etwas ist, das in persönlicher Auseinandersetzung und Engagement erarbeitet werden muss.

Maria Leo – Ein Stolperstein für eine Musikpädagogin

Frage ich Menschen, die an den Gedenktafeln vorbeigehen, ob sie diese bemerkt hätten oder sogar etwas über die Personen, denen gedacht wird, wüssten, so lautet die Antwort meist nein. Viele bemerken sie nicht einmal, wenn sie darüber stolpern.
Das ist schade, denn hinter jedem Stein steht eine eigene Geschichte.

Die 1873 geborene Maria Leo war in ihrem Leben vieles. Studentin, Frauenrechtlerin, Seminarleiterin und Lehrerin.Vor allem aber war sie Pianistin und Musikpädagogin.Stolperstein Pallasstr 12 (Schön) Maria Leo
Als Leiterin eines Musikseminars sorgte sie dafür, dass auch Frauen Zugang zu qualifizierter Ausbildung erhielten, die ihnen das Institut für Kirchenmusik in Berlin versagte.
Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten verlor sie durch antisemitische Gesetzgebungen alle Anstellungen und Ämter, am Ende sogar ihren Pass, was ihr eine Ausreise unmöglich machte.
Um einer Deportation nach Theresienstadt zu entgehen setzte sie 1942 ihrem Leben ein Ende.

Stolpersteine wie der, der an Maria Leo erinnert wurden ursprünglich vom Begründer des Konzeptes, Gunter Demnig, auf eigene Faust verlegt. Heute ist das Gedenkkonzept offiziell anerkannt und hat Ausmaße angenommen, die eine einzelne Person längst nicht mehr bewältigen kann.
Deshalb unterstützt uns hier in Tempelhof-Schöneberg seit zwei Jahren das Oberstufenzentrum Bautechnik aus Spandau mit seinen Schülern und projektbegleitenden Lehrern bei der Verlegung der Steine “ erklärt Hannelore Emmerich von der AG Stolpersteine des Schöneberger Kulturarbeitskreis e.V.
Stolpersteine sind nicht nur eine Inschrift, sondern auch Symbol: Da sie aus Messing gemacht sind laufen sie mit der Zeit an. Sie müssen regelmäßig wieder aufgearbeitet werden und stehen sinnbildlich für eine Vergangenheit, die nicht vergessen werden darf sondern immer wieder aktiv erinnert werden muss.
Trotz parteipolitischer und rechtlicher Anerkennung des Projekts werden Entscheidungen, für wen und wo Stolpersteine verlegt werden nicht von oben getroffen. Es sind im Gegenteil Einzelpersonen, Hausgemeinschaften, Vereine, Schulklassen und in Schöneberg zu 40 Prozent Angehörige, die einen Stolperstein beantragen.
Hinter einem Stolperstein steht also das Interesse und vor allem das persönliche Engagement von Menschen, die sich intensiv mit der Vergangenheit auseinandersetzen wollen. Denn zum Beantragen eines Stolpersteins reicht es nicht aus, diesen lediglich zu bezahlen. Es ist eine intensive Recherche zu den Personen notwendig, denen gedacht werden soll.

Klaus Jürgen Rattay – Erinnerung an einen Hausbesetzer

Klaus Jürgen Rattay starb am 22. September 1981 mit gerade mal 18 Jahren.
Begeistert von der Energie, Solidarität und gemeinsamen Arbeit, die einer als ungerecht und nicht sozial empfundenen Wohnungsmarktpolitik entgegengesetzt wurde schloss er sich der Berliner Hausbesetzer_innenbewegung an. Bei einer Demonstration gegen Räumungen und den damaligen Innensenator Lummer werden die Protestierenden von der Polizei auf die nicht gesperrten Potsdamer Straße gedrängt.
An der Kreuzung Potsdamer Straße/Bülowstraße wird Klaus Jürgen Rattay von einem Bus frontal angefahren und stirbt.
Ermittlungen finden nicht wirklich statt und bis heute wurde niemand für den Tod zur Verantwortung gezogen.
Gedenktafel Potsdamer Str 127 (Schön) Klaus Jürgen RattayDer Gedenkstein für Klaus Jürgen Rattay wurde spontan als direkte Reaktion auf den Tod des Hausbesetzers verlegt und ist gleichzeitig politischer Protest. Auch wenn nicht genau klar ist, wer den Stein angebracht hat, lassen sich ein paar allgemeine Aussagen darüber treffen.
Im Gegensatz zu Stolpersteinen, denen eine intensive Recherche und Auseinandersetzung mit der Vergangenheit vorausgeht entsprang Rattays Gedenkstein einer gelebten Gegenwart.
Dies ist auch in der Form des Steines sicht- und spürbar. In Form eines Kreuzes wurden Steine aus dem Gehweg entfernt. Das Loch wurde mit Zement aufgegossen, in den dann eilig Name und Todesdatum geschrieben wurden.

Gehweg und Gedenken

Gedenksteine bringen vielleicht nicht jeden dazu, zu stolpern und stehenzubleiben.  Aber sie sind lebendiges Mahnmal dafür, dass sich Menschen mit der Vergangenheit und Gegenwart kritisch auseinandersetzen. Sie zeigen uns, dass es immer noch nötig ist, sich zu erinnern und dass es immer noch Menschen gibt, die bereit sind, das auch zu tun.