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Laufhaus – NEIN DANKE!

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Petition des Quartiersrates Magdeburger Platz
19. Mai 2010

Wir, Bürger und Anwohner im Quartier um die Kurfürstenstraße, appellieren an die Verfahrensbeteiligten auf ein Laufhaus endgültig zu verzichten. In langjähriger Arbeit wurde mit vielen Bemühungen, Geld und großem ehrenamtlichen Engagement hier ein soziales Umfeld geschaffen, welches eine erträgliche Lebenssituation für die hier lebenden Bürger bietet. Jedoch steht dies nicht auf so stabilen Füßen, dass es ein Laufhaus ohne nachhaltige Einbuße von Lebens- und Wohnqualität verkraften kann.

Wir sehen die unbedingte Gefahr, dass die Einrichtung eines Laufhauses eine Erweiterung des Straßenstriches und damit eine verstärkte Konkurrenz nach sich ziehen wird. Der Straßenstrich ist schon seit langem ein Bestandteil des Kiezes und rechtlich nicht zu verhindern. Die Eröffnung eines Sexshops war da zwangsläufig. Mit der EU-Erweiterung stieg die Zahl der Prostituierten, eine weitere Folge des Straßenstriches und des Sexshops. Die gesundheitlichen Standards verschlechterten sich und die Kleinkriminalität wuchs.

Die Behauptung, das Laufhaus wird den Straßenstrich zu großen Teilen absorbieren, halten wir für unhaltbar. Eine Umfrage unter den Prostituierten bestätigte, das ein Großteil von ihnen nicht im Laufhaus arbeiten will. Außerdem ziehen ihre Freier den schnellen und vor allem anonymen Vollzug auf der Straße vor.

Wird die Einrichtung eines Laufhauses genehmigt, so wird es zum einen mehr Autoverkehr geben, verbunden mit einer höheren Luftverschmutzung und Lärmbelästigung. Eine weitere Folge wird ein Anstieg des Prostitutionsgewerbes auf der Straße sein, denn die Frauen werden aller Voraussicht nach versuchen, die Freier schon vor Erreichen des Laufhauses für sich zu gewinnen.

Deshalb sehen wir uns in unserer Lebensqualität in allen Facetten erheblich bedroht. Wir befürchten, dass sich nach der Genehmigung niemand mehr als verantwortlich und zuständig sehen wird, die sozialen Konsequenzen hier im Gebiet aufzufangen.

In unmittelbarer Nähe Verbrauchermärkte, Drogerie, Kindertagesstätten, – Anwohner durch massiveren Straßenstrich im Alltag stark beeinträchtigt. Straße wird zum erweiterten Laufhaus, Bürgersteige sind zu schmal. Dieses Gewerbe verdrängt Alltagsstruktur, Gehwege verlieren Funktion als sozialer Ort, werden zweckentfremdet genutzt.

Wir – über 8.000 Bürger allein in Tiergarten Süd – müssten mit den negativen Folgen leben, nur weil hier sogenanntes Kerngebiet ist – für Gewerbe, aber nicht für ein Großbordell.

Wir appellieren daher nochmals dringend an das Gericht und die Bezirksverwaltung ein Laufhaus an diesem Standort abzulehnen.

Im Namen des Volkes – und dazu gehören auch wir!

Für den Quartiersrat
Regine Wosnitza  und Josef Lückerath
Kontakt: 23639903

Zehlendorf oder Neukölln – Egal – Hauptsache weg!

Im Mai fand in der Kita Sonnenschein, Pohlstraße, ein Elterncafé zum Thema Prostitution statt. Elterncafés sollen die Begegnungs-, Gesprächs- und Informationsmöglichkeiten für Eltern in Schulen und Kitas in Tiergarten-Süd ermöglichen. Ein weiteres Ziel ist die Eigeninitiative und Teilhabe von Eltern zu stärken und ihr Bewusstseins und ihre Bereitschaft für die Erziehungsverantwortung zu mehren.

In Tiergarten-Süd gibt es seit Ende 2009 Elterncafés und und für diesen Tag im April stand das Thema „Prostitution im Kiez“ auf dem Programm. Circa 40 Mütter waren anwesend, die überwiegende Mehrheit mit Migrationshintergrund, denn trotz einer fünfzig-fünfzig Mischung in der Gesamtbevölkerung von Tiergarten-Süd sind Kinder mit Migrationshintergrund in den Bildungseinrichtungen überproportional vertreten.

Zusammenhänge interessieren nicht

Ich war von der Projektleiterin Yasmin Masch gebeten worden, die Geschichte der Prostitution zu behandeln. Durch die 3.000 jährige Prostituionsgeschichte flog ich ein etwa vier Minuten und widmete mich dann der Situation vor Ort. Hier gibt es den Straßenstrich in verschiedenen Ausformungen seit ungefähr 1880.

Doch schon nach wenigen Minuten wurde ich unterbrochen: „Die Geschichte interessiert uns nicht, wir sind aus anderen Gründen hier.“ Als andere Mütter widersprachen fuhr ich mit meiner Schilderung fort. Doch mit der Erwähnung des Prostitutionsgesetz von 2002 und der damit verbundenen grundsätzlichen Legalisierung von Prostitution auch auf dem Straße um die Kurfürsten- und Frobenstraße war mein Vortrag zu Ende.

„Immer hören wir von den Rechten der Prostitutierten,“ kam eine erboste Reaktion. Es folgte: „Was sind denn unsere Rechte?“ und „Ich möchte wissen, ob die Frauen auf dem Podium Kinder haben, sonst können Sie überhaupt nicht mitreden.“

Erboste AnwohnerInnen gegen den Strich.

Ich habe mir die Namen der circa fünf Frauen, die sich an der eineinhalbstündigen Diskussion am intensivsten beteiligten nicht notiert. Es geht nicht um Einzelpersonen. Sondern um die Bevölkerungsgruppen, die den Straßenstrich hier weg haben wollen und dabei wenig kompromissbereit sind.

So gab es vor einiger Zeit eine Initiative von AnwohnerInnen in der Zietenstraße hinter der Zwölf-Apostel-Kirche, die nachts auf die Straße gingen, um Freier und Prostituierte von unziemlichen Treiben in dieser Sackgasse und den Nachbarstraßen abzuhalten. Beim letzten Sonderpräventionsrat Prostitution im November 2009 in Schöneberg-Nord ging es so lautstark und heftig zu, wie es meistens der Fall ist, wenn dieses Thema verhandelt wird.  In diesen beiden Fällen waren AnwohnerInnen ohne Migrationshintergrund die protestierenden WortführerInnen. Die Argumente beider Gruppen sind kongruent.

Verständnis erbeten

An dem erwähnten Morgen wurden zumindest die erklärenden und zum Verständnis auffordernden Statements von Michaela Klose, der Leiterin des Frauentreffs Olga in der Kurfürstenstraße, höflich angenommen, doch eigentlich auch nicht weiter beachtet.

Anzeigen von Straftaten

Großes Interesse hingegen fand der Kontaktbereichsbeamte. Heftigen Vorwürfen, dass die Polizei ja doch nichts tue, erklärte er mehrere Male die einzige Vorgehensweise mit der AnwohnerInnen einen vermehrten Einsatz der Polizei erreichen können: Anzeigen, Anzeigen, Anzeigen von Straftaten.

Denn die Frauen berichteten von Vorkommnissen, bei denen eine Anzeige notwendig gewesen wäre. Eine Mutter berichtete, dass ihr Sohn und sein Großvater auf dem Weg zur Schule durch die Kurfürstenstraße gefahren seien und eine Prostituierte den Großvater sehr deutlich und vehement durch das offene Fenster hindurch als potenziellen Kunden angesprochen hatte. Eine andere Frau hatte offenen Vollzug der sexuellen Dienstleistung auf dem Parkplatz von Möbel Hübner beobachtet, einer weiteren war dies an der Schnittstelle Kluck- und Pohlstraße passiert. Glücklicherweise schauten ihre Kinder zu dem Zeitpunkt in eine andere Richtung. Eine weitere Frau berichtete von dem regelmäßigen Vollzug von Dienstleistungen in einem Hinterhof in der Pohlstraße.  Die nächste hatte eine Messerstecherei im Umkreis des LSD Sexkaufhauses beobachtet.

Die Frauen hätten Angst, sagte eine ihrer Sprecherinnen, die Polizei zu rufen. Sie wollten in Zukunft jedoch die Vorfälle auflisten und diese dann einmal im Monat an die Polizei übergeben. Doch auch dies kann von der Polizei nicht als ein Hinweis vermehrter Straftaten im Kiez angenommen werden.

Den Frauen wurde geraten, sich in sichere Entfernung zu der von ihnen beobachteten Straftat begeben und dann die Polizei rufen und eine Anzeige machen. Unumgänglich ist dabei die Nennung des Names. Anonyme Anzeigen tauchen in keiner Statistik auf. Doch es sei nicht gefährlich den Namen zu nennen, wurde immer wieder versichert, denn in den seltensten Fällen würden die Täter den Menschen nachstellen, die sie angezeigt hätten.

Doch warum ist es so wichtig, diese Fälle zur Anzeige zu bringen? Solange kein vermehrtes Anzeigenaufkommen statistisch nachweisbar ist, fährt die Polizei nicht vermehrt Streife durch die Straßen im Kiez. Auch die Zahl der Zivilbeamten, die regelmäßig vor Ort sind und natürlich nicht von der Bevölkerung als solche erkannt werden, kann nicht aufgestockt werden.

Die Frauen horchten auch interessiert auf, dass sie Vorfälle auch bei Olga melden könnten. Die Sozialarbeiterinnen suchen dann das Gespräch mit den Prostituierten und weisen immer wieder darauf hin, dass hier kein Sperrbezirk ist, sondern sie sich in einem Mischgebiet mit einem hohen Anteil an kinderreichen Familien befinden. Sie werden dann gebeten, sich an gewisse Spielregeln und Gesetze zu halten, zum Bespiel nicht direkt vor Kitas, Schulen und Jugendeinrichtungen zu stehen, PassantInnen nicht auf Deubel komm raus akquirieren zu wollen und auch das Umfeld der Moschee in Ruhe zu lassen.

Sperrbezirk oder am besten ganz weg

Der Kampf gegen den Straßenstrich hat die Mütter inzwischen soweit aktiviert, dass sie eine Unterschriftenaktion gestartet haben. „Wir Anwohner in Berlin-Tiergarten,“ heißt es da, „freuen uns über die Initiative von Stadtrat Carsten Spallek, die Prostitution örtlich und zeitlich zu begrenzen (Berliner Woche vom 14.4.2010). Es ist uns unbegreiflich, warum Bezirksbürgermeister Hanke seit Jahren nichts unternommen hat. Wir fordern eine zeitliche Begrenzung von 21 bis 6 Uhr und weitere Maßnahmen.“

Ob ein Sperrbezirk in Berlin durchsetzbar ist, ob er die Situation entschärfen oder im Gegenteil kriminalisieren wird – diese Fragen wurden im Elterncafé nicht diskutiert. Es war anscheinend nicht von Interesse. Die Mehrzahl der Frauen wollen den Straßenstrich nicht, Punktum.
Und so brausten zum Schluss die Emotionen auch noch einmal hoch. Soll der Straßenstrich doch woanders hin verlagert werden! Nach Zehlendorf? „Gute Idee, da haben wir keine Verwandte und Bekannte“. Nach Neukölln? „Egal, Hauptsache weg.“

Peep Show ohne Freier

Passanten schenken den Auslagen des Sex Kaufhauses LSD in der Kurfürstenstraße aus verschiedenen Gründen keine bemerkenswerte Aufmerksamkeit: Scham …. entdeckt zu werden, sich zu langweilen, ästhetisch unbefriedigt zu bleiben.

Plakat

Nun laden drei Künstler und eine Künstlerin von der Potsdamer Straße zum expliziten Hinschauen ein. Unter dem Titel FATA MORGANA wollen Walter Gramming, Gerhard Haug, Rolf Hemmerich und Anita Staud mit ihren Kunst-Installationen auf Konfliktthemen reagieren, die sie als Liebe, Sex und Triebe. Das Verhältnis von Mann und Frau. Mythologie und Religion. Ethik und Moral beziffern. Mit ihrer Kunst im Schaufenster machen sie eine eigene Rechnung auf: Love+Sex+Dreams : Emotionen = Kunst.

Zur Vernissage gab es eine laszive Tanzperformance von Dame in rot und einen kunsthistorischen Schnelldurchlauf durch die lange Geschichte der Kunst/Prostitution, in dem alle dem Thema verwandten Klischees, Merkmale, Phänomene angerissen wurden.

Mit diesen arbeiten auch die Künstler. Rolf Hemmerich weist mit Obst, Schlange, Plüsch-nicht-Playboy-Hasen auf die „Sündenfalle“ (ja der kleine Unterschied zum Sündenfall ist gewollt). Und lässt die Schlüssellochperspektive auf mehrere seiner schön gestalteten Skulpturen zu.

Rolf Hemmerich - Sündenfalle (Ausschnitt)

Rolf Hemmerich - Schlüssellöcher (Ausschnitt)

Gerhard Haug setzt geöffnetes Obst vor Füße, Scham, Knie, Oberkörper zweier Menschen. Die „Geteilte Realität“ ist auf mehren Monitoren zerstückelt und die recht androgynen Personen kopflos.

Gerhard Haug - Die Teilung des Realen (Frau)

Gerhard Haug - Die Teilung des Realen (Mann)

Walter Gramming geht die ganze Sache gesellschaftskritisch an und plädiert „Gute Arbeit (für alle)“ auf einem roten Banner aus Demokreisen. Gelber Gummihandschuh, abgeschabte Kleidung auf Wäscheständer passen nicht zu der schick aufreizend bekleideten Dame daneben. Würde sie für die Rechte ihrer sehr wohl und sehr schlecht bezahlten Kolleginnen auf dem lokalen Straßenstrich  demonstrieren. Ihnen bessere Lohnchancen verschaffen?

Walter Gramming - Gute Arbeit (für alle)

Allein Anita Staud nähert sich den auf der Kurfürstenstraße arbeitenden Frauen ganz persönlich. Vor einigen Monaten begann sie die Prostituierten im Frauentreffpunkt „Olga“ zu porträtieren. Seit die Frauen Interesse am eigenen Malen bekundeten, trifft sie sich regelmäßig mit ihnen. Nun hängen Stauds Skizzen und Malereien neben denen der anonymen Frauen. Porträts berühmter Mätressen lassen ahnen, dass diesen Frauen sehr wohl auch Respekt gezollt wird.

Anita Staud - Eine Schaufensterinstallation in drei Ebenen

Anita Staud - Eine Schaufensterinstallation in drei Ebenen

Weder Prostitution noch Konflikte sind neu im langjährigen Straßenstrichmilieu auf der Potsdamer, Kurfürsten-, Froben-, Bülow-, Genthinerstraße. Vor zwei Jahren kochte die Auseinandersetzung hoch, als der Betreiber des LSD Sven Hurum an den Betreiber eines Laufhauses vermieten wollte. Fast war das Projekt schon durch die Bezirksamtsgenehmigung geflutscht, da gingen die AnwohnerInnen erfolgreich dagegen auf die Straße.

Seitdem hat es Gesprächsversuche gegeben, doch viel zu häufig enden sie in unversöhnlichen Positionsbestimmungen dafür/dagegen. Wenig geredet wird von der allgemeinen Bevölkerung mit den Prostituierten selbst. Deshalb ist die Initiative der KünstlerInnen begrüßenswert. Schade es, dass niemand aus der Geschäftsleitung des LSDs das Gespräch bei der Vernissage suchte.

Und noch jemand bleibt in dieser Runde der künstlerischen Visualisierung und Annäherung an den realen Straßenstrich außen vor: der Freier. Ob sich in den nächsten Tage beim künstlerischen Betrachten der Schaufenster Dialoge ergeben?

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P.S. War eigentlich jemand bei Puff-Trödel, der am selben Tag nachmittags bei Molly Luft stattfand? Eine amüsante Ankündigung finden Sie hier

13. Venus Berlin – Teil 2 – Bild und Rammstein

Das wäre ja unglaublich gewesen! Der BZ das Feld an der Kurfürstenstraße überlassen! (potseblog berichtete über die dreiteilige Serie unter „13.Venus Berlin“ vor einigen Tagen) Nein! Am vergangenen Samstag war auch Bild mit der Berichterstattung dabei. Und fand glatt noch eine Frage, die bisher noch nicht gestellt worden war:

Sex für 5 Euro auf Berlins härtestem Strassenstrich

Was sind das für Männer, die diese armen Frauen ausbeuten?

Bild fragt und „ein Kioskbesitzer“ antwortet:  „Diese Männer sind auf der Suche nach dem ganz billigen Sex. Und meistens finden sie eine, die es für noch weniger macht, als ihre Konkurrentin.“

Nun sind es noch 3:00:58:40 Tage/Stunden/Minuten/Sekunden bis die 13.Venus Berlin eröffnet.

Und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat ihren LeserInnen die Möglichkeit gegeben mehr über die neue Single „Pussy“ von der Band Rammstein zu erfahren. Eine ganze Seite plauderte eine Redakteurin mit Christian Lorenz und Paul Landers. Nicht nur über Sex, aber auch:

FRAGE: Das neue Rammstein-Video ist ein richtiger Porno. War es schwer, noch ein Tabu zu finden?

Christian „Flake“ Lorenz:

ANTWORT:  Eigentlich wollten wir den schon vor Jahren drehen. Man wird sonst zu alt dafür.

…..

FRAGE: Wie finden Ihre Partnerinnen das „Pussy“-Video?

Christian „Flake“ Lorenz:

ANTWORT: Meine Frau ist begeistert. Sie findet das logisch: Porno und Rock’n Roll ist eins.

FRAGE: Und wie war der Dreh?

Paul Landers:

ANTWORT: Erstmal ein bisschen wie Zahnarzt…….

Hui!

Bei Rammstein läuft übrigens auch ein Zähler: 3:14:40:38 Tage/Stunden/Minuten/Sekunden. Dann erscheint das Album Liebe ist für alle da.

13. Venus Berlin – BZ und Feministischer Pornofilmpreis

Auf der Seite der 13. Internationalen Fachmesse Venus läuft der Countdown in Sekundenschnelle rückwärts: Gerade noch 4:1:19:01 – jetzt nur noch 4:1:18:24 Tage/Stunden/Minuten/Sekunden bis zur Eröffnung der grossen Sexmesse, die vom 15. bis zum 18. Oktober in Berlin stattfindet. Hier eine Eigendarstellung von der Internetseite:
Die VENUS Berlin – eine Erfolgsgeschichte, die sich sehen lassen kann. Womit wir auch schon beim Stichwort wären, denn sehen kann man bei der VENUS so einiges: Waren seit dem Startschuss im Jahre 1997 ‚erst’ 128 Aussteller aus rund 18 Ländern auf der Messe vertreten, so hat sich diese Zahl bis zum Jahr 2008 vervielfacht und wir begrüßen mittlerweile 400 Aussteller aus über 36 Ländern, die mit ihrer Produktvielfalt Jahr für Jahr die Konsumenten begeistern. Und auch in Bezug auf unsere Besucherzahlen lohnt sich ein Blick auf die Statistik: Jahr für Jahr öffnet die VENUS ihre Pforten für circa 27.500 Konsumenten, Tendenz steigen.

Der Vertretungsberechtigter Geschäftsführer ist Sven Hurum, der auch das LSD in der Kurfürstenstraße betreibt.

Der Zulauf zur Messe ist also groß und deshalb bereiten auch die Zeitungen der Stadt sich und ihre Leserschaft auf das Ereignis vor. Hier eine Auswahl:

Ist Porno gucken okay?

fragt die taz in ihrer Wochenendausgabe. Und führt so in das Thema ein: Vor Beginn der internationalen Fachmesse der Sexindustrie kritisiert Ex-Emma-Chefin und WDR-Moderatorin Lisa Ortiges altfeministische Kampagnen gegen Pornofilme. „Eine PorNo-Kampagne wie in der Emma, die 30 Jahre alte Pornofilme zitiert oder Stringtangas und Tarrantino-Filme in denselben PorNO-Topf wirft, ist genauso struktur- und ziellos wie die Angriffe linker Chaoten auf Luxusautos, weil die ‚irgendwie‘ für Kapitalismus stehen“, schreibt sie im „Streit der Woche“ der sonntaz. Eine solche Definition von Porno hinke dem Sprachgebrauch und dem Markt hinterher.

Einen klick weiter weist die taz darauf hin: Ebenfalls am kommenden Wochenende verleihen die InitiatorInnen der „PorYes“-Kampagne um die Berliner „Sexpertin“ Laura Meritt den „1. Feministischen Pornofilmpreis Europa“.  Ist Porno jetzt also endgültig auch in linken, feministischen Kreisen angekommen?. Bis zu diesem Zeitpunkt am frühen Sonntag morgen (8:56 Uhr) ist die Frage 137 mal kommentiert worden.

Viel früher aufgestanden ist dagegen die BZ für ihre dreiteilige Vor-Ort Reportage, die sie am 7. Oktober begann unter dem Titel Doppeltitel

Knochenjob

Berlins härtester Straßenstrich
7.30 Uhr, Kurfürstenstraße, Ecke Potsdamer Straße. Die Kälte zieht in jedes Knopfloch. Die junge Frau mit der rotblonden Löwenmähne und den pinken Stöckelschuhen hat sich gegen den Stromkasten gelehnt. Ihre Augenlider sinken hinab vor Müdigkeit. Es ist ihre elfte Arbeitsstunde. Sie wartet auf Freier. Täglich. Knochenjob Straßenstrich.

1. Tag: Prostituierte kommen zu Wort. Die „schüchterne“ Tinka und die „aufgestiegene“ Reni.

2. Tag:  Wir Anwohner vom Straßenstrich
In der B.Z. berichten Anwohner des Straßenstrichs vom Leben zwischen Heim und Huren.

Zu Wort kommen Opa Kurt, Monika und Pfarrer Fuhr.

3. Tag:  Geständnisse eines Freiers
Seit 13 Jahren ist Paul* aus Schöneberg Stammkunde bei den Mädchen der Kurfürstenstraße.
Der Vorteil für ihn: nicht so viel Genörgel wie bei einer Freundin. Er sagt er gäbe bis zu € 400 für Sex im Monat aus.

Wobei wir wieder beim Geschäft wären. Jetzt sind’s nur noch 4:00:51:17 Tage/Stunden/Minuten/Sekunden bis zur Eröffnung.

(*Der Name von Paul ist übrigens der einzige, der in der Reportage geändert wurde.)

Gegen transphobe Gewalt in der Frobenstraße

Am Freitag, den 4. September fand in Berlin-Schöneberg eine Kundgebung statt. Anlass waren mehrere gewalttätige Übergriffe einer lokalen Gang in dem Teil der Frobenstraße, wo transsexuelle Sexarbeiterinnen arbeiten. Die Berliner Vereine GLADT, Hydra, Subway, Treberhilfe und TransInterQueer hatten zu dieser Demonstration gegen Gewalt aufgerufen.

Der folgende Beitrag von Siegessäule TV gibt eine Zusammenfassung der Kundgebung. Ich werde dort zitiert mit den Worten, dass Gewalt gegen Menschen, weil einem/einer die Nase, das Gender oder der Beruf nicht passt, einfach nicht sein darf. Hier möchte ich noch hinzufügen, dass ich natürlich auch Gewalt gegen Menschen aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit ablehne.

Der Beitrag macht die zur Zeit noch unversöhnlichen Positionen deutlich, die hier im Kiez existieren. Im Gebiet Bülowstraße, Potsdamer Straße, Kurfürstenstraße hat die Prostitution eine über 100jährige Tradition. Fast ebenso lang ist Schöneberg das Zentrum der Schwulenbewegung in Berlin.

Die immer wieder kehrenden Probleme und die Tatsache, dass in dieser langen Zeit keine für alle Seiten einvernehmliche Lösung gefunden worden ist, darf nicht zu Resignation führen. Die Situation zeigt eher die Komplexität des Themas. Zum Glück arbeiten verschiedene Gruppen, Gremien und Institutionen (z.B. die Mittwochs-Initiative) weiterhin für eine Lösung. Schritt für Schritt, beharrlich.

GLADT e.V., die einzige unabhängige Organisation türkeistämmiger Lesben, Schwuler, Bi- und Transsexueller und Transgender (LSBTT) außerhalb der Türkei, ist hier im Gebiet zu Hause. Koray Yilmaz-Günay von GLADT apellierte in seinem Beitrag am vergangenen Freitag für gegenseitigen Respekt.

Die Mittwochs Initiative – ein Drogenprojekt der Zwölf Apostel Gemeinde

An Prostitution und Drogen dachte 1874 niemand, als die Zwölf Apostel Kirche nach Plänen des Schinkel-Schüler Friedrich August Stüler zwischen Mühlen in der Kurfürstenstraße ihrer Bestimmung übergeben wurde. Doch Industrialisierung, Mietkasernenbau und Bevölkerungswachstum sollten die örtliche Idylle bald beenden.

125 Jahre später – genauer 1991 – schuf die Gemeinde ein zu der Zeit für kirchliche Sozialarbeit einzigartiges Projekt. Seit den 1960er Jahren hatte sich die Kurfürstenstraße in Schöneberg in einen bekannten Straßenstrich verwandelt. Ein „Runder Tisch“ aus Vertretern von Stadtteilvereinen, Bezirksämtern, Polizei und Drogenhilfeprojekten suchte nach Möglichkeiten, die Lebenssituation von AnwohnerInnen zu verbessern und die Not von DrogenkonsumentInnen zu lindern.

Aus dieser Kooperation entstand die Mittwochs-Initiative e.V., die mit Fix-Punkt e.V. kooperiert. Das Projekt ist ein niedrig schwelliges Kontaktangebot für die Drogenszene in der Kurfürstenstraße.

Ende August 2009 besuchte Bischof Dr. Wolfgang Huber auf Einladung von Miguel-Pascal Schaar die Mittwochs-Initiative e.V.. Danach gab es eine Andacht in der Gemeindekirche für die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Initiative, die Gemeinde, Betroffene, AnwohnerInnen und andere Interessierte.

Bischof Huber stellte seine Ansprache unter das Motto: Jakobus 2,8 „Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift (3. Mose 19,18): »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst«, so tut ihr recht.“

Andacht Bischof Huber Mittwochs Initiative (Teil 2)

Dieses Motto ist bei der ehrenamtlichen Arbeit jeden Mittwoch zu spüren. Gemeindepfarrer Andreas Fuhr beschreibt es so: Mittags bringt die Berliner Tafel Essen, das zumeist Märkte und Geschäfte sozialen Einrichtungen überlassen. Daraus wird für die Drogenkonsumenten ein Essen frisch zubereitet. In der Küche haben in den letzten zwei Jahren vor allem drei langjährige Mitarbeiterinnen – Ariane Schütz, Gundula Conseur und Berndt Weiß – viel Zeit und Arbeit investiert.

Ab 19 Uhr arbeiten dann noch weitere ehrenamtlichen Helfer mit beim Spritzentausch, weiterer Gesundheitsvorsorge und der Essensausteilung für die Drogenkonsumenten. Momentan stellen Medizinstudentinnen und -studenten der Humboldt-Universität den Großteil derer, die mittwochs hier tätig sind, unterstützt werden sie von einigen erfahrenen Mitarbeitern. Prof. Dr. Persson, der in der Charité lehrt und in unserem Gemeindegebiet wohnt, stellt das Projekt seinen Studentinnen und Studenten vor und einige sind nun schon über zwei Jahre dabei. Das Essen ist nicht nur ein wichtiger Gesundheitsfaktor, sondern auch ein Zeichen von Nähe, ausgedrückt in der sorgfältigen Vorbereitung von Raum und Essen. Gespräche sind erwünscht, müssen aber nicht sein. Es sind dankbare Gäste. Alles wenig spektakulär, aber wie sinnvoll dieser Einsatz ist, kann spätestens erfahren, wer die Arbeit einmal gemacht hat.

Doch die Initiative möchte auch die Situation für die AnwohnerInnen verbessern. Für viele ist das Leben mit dem Straßenstrich angespannt. Drogenabhängige kommen hierher um auf dem Straßenstrich anzuschaffen. Es gibt „öffentliche Druckräume“, wie Hausflure, Spielplätze und U-Bahnhöfe, in denen sich Drogenabhängige unter unmenschlichen Bedingungen ihre Spritze setzen. Herumliegende benutzte Spritzbestecke sind eine Dauergefährdung für die AnwohnerInnen, insbesondere für Kinder.

So waren die Fürbitten in der Andacht auch für die Menschen, die alltäglich mit dieser Situation konfrontiert sind. Barmherziger Gott, wir danken dir, dass du uns beistehst, wenn wir Kraft brauchen oder uns die Worte fehlen. Wir sehen hier täglich die Not der Menschen, die Frauen, die anschaffen gehen, die sich anbieten, Menschen, die auf der Suche nach Geld für Drogen sind, Menschen, die hungern und die Mülltonnen nach Essbarem durchsuchen. Lass uns nicht bitter werden, sondern nach Wegen suchen, dass alle satt werden und ihre Würde nicht beschädigt wird. Hilf uns aus dem Trübsinn, dass wir helfen, wo die Sucht und die Not besiegt werden muss. Hilf uns, wo wir hilflos sind.

Denn Hilflosigkeit macht sich oft breit unter den AnwohnerInnen. Obwohl inzwischen zahlreiche soziale Dienste, die Quartiersmanagements in Tiergarten-Süd und Schöneberg-Nord, die Bezirksämter und auch der Senat nach Vereinbarkeit zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen suchen, scheint sich die Situation nicht zu verbessern. Was hier im einzelnen geschieht, wird demnächst in einem weiteren Artikel auf potseblog berichtet.

Zunächst zurück zur Mittwochsinitiative. Als sie 1991 gegründet wurde hatten sich gerade die politischen Rahmenbedingungen durch eine neue Regierung in Bonn verändert. Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung war nicht mehr dem Innenministerium, sondern dem Gesundheitsministerium zugeordnet. Im Rückblick schrieb Pfarrer Heinz-Hermann Wittrowsky 1999 in der Kiezzeitung des Quartiersmanagement, dem Schöneberger Morgen: Deutlicher kann man nicht zeigen, dass die neue Bundesregierung im Umgang mit Drogenabhängigen weg von der Repression und hin zur Gesundheitspolitik will. Also „Hilfe statt Repression“ und die Erkenntnis, dass Sucht eine Krankheit ist.

Im selben Artikel macht der Pfarrer die deutliche Aussage, dass krimineller Drogenhandel verfolgt und bestraft werden muss. Doch er kommentierte auch die gesellschaftliche Verantwortung. Die normalen Bürgerinnen und Bürger, die die illegalen Drogen dämonisieren, projizieren ihre legalen Süchte wie Nikotin- und Alkoholsucht auf eine kleine Gruppe. Das ist ein typischer Sündenbockmechanismus. Damit betreibt man einen kollektiven Exorzismus und glaubt, man sei das Problem los. Pfarrer Wittrowsky forderte die verantwortlichen PolitikerInnen auf, sich vor Ort ein Bild von den Verhältnissen zu machen.

Die angesprochenen Verhältnisse verdeutlichte die Mittwochs-Initiative 2005 in einer Statistik : Während 2001 durchschnittlich nur knapp 25 Leute jeden Mittwoch zum Spritzentausch kamen, waren es 2002 schon im Schnitt über 29 und 2003 nahezu 42. Im letzten Jahr (2004) waren es nur gut 39 Besucher, bis September diesen Jahres knapp 39. Der Rücklauf gebrauchter Spritzen in die Gefahrengutbehälter der Mittwochs-Initiative lag im letzten Jahr bei knapp 97,6 %, in diesem Jahr bis September sogar bei knapp 98,2 %. Wo heute noch eine Spritze in einem Hauseingang liegt, lagen früher einmal fünfzig!

Den Zahlen folgt ein Bild:

Alle die seit März 2001 abgegebenen und fast vollständig wieder bekommenen knapp 45.000 Spritzen ergeben aneinandergereiht eine Strecke von mehr als 4,8 Kilometern. Aufeinander gestellt wäre dieser Spritzenturm sogar etwas höher als der Mont Blanc, der höchste Berg der Alpen und zweit höchste Berg Europas. Seit dem Beginn unserer Spritzentausch-Arbeit im Winter 1991/1992 dürften da vielleicht schon zwei Mont Everests zusammengekommen sein.

Dies zeigt, wie dankbar alle Betroffenen sein können, dass sich die Zwölf Apostel Gemeinde kontinuierlich und in Kooperation mit anderen Initiativen in der Drogenprophylaxe und Drogenarbeit engagiert.

Und da die Drogenproblematik eng mit der Prostitution hier an der Kurfürstenstraße verknüpft ist, findet man auch zu diesem Thema bei der Gemeinde immer offene Türen. Im Frühjahr 2008 konnte eine Informationsveranstaltung des Quartiersrates Magdeburger Platz zum Thema Prostitution im Gemeindehaus stattfinden. Damals kochten die Gemüter hoch, als ein Laufhaus an der Potsdamer Straße eröffnet werden sollte. Bei der Veranstaltung wurde der große Unmut deutlich, der in der Bevölkerung herrscht.

Im Juni 2009 wiederum konnte anlässlich des Internationalen Hurentages die szenische Lesung „Sexarbeit – eine Welt für sich“ in der Kirche selbst stattfinden. Deutschlands älteste autonome Beratungsstelle für Prostituierte, HYDRA e.V., bot in Kooperation mit dem Museum der Arbeit in Hamburg Einsicht in die soziale Realität von Freiern, Prostituierten und BordellbetreiberInnen. Die Schauspieler Ulrike Johannson und Thor W. Müller trugen zehn Milieugeschichten vor, begleitet von einer Toncollage. Die Lesung will Augenöffner sein für das vielschichtige Phänomen Prostitution zwischen stark nachgefragter, dennoch verdrängter Schatten-Arbeit sowie krimineller Ausbeutung. Zwar ist Sexarbeit keine Dienstleistung wie jede andere, aber sie ist eine legale Tätigkeit hierzulande, nicht mehr sittenwidrig nach dem Gesetz, ein einträglicher Wirtschaftsfaktor, trotzdem nahezu ein Tabuthema, sagten die VeranstalterInnen.

Gespräche und Dialoge über das Thema Drogen und Prostitution sind selten einfach. Auch hier im Gebiet gibt es viele scheinbar unversöhnliche Positionen dazu. Die Zwölf-Apostel-Gemeinde und die MittwochsInitiative sind Partner, die den Dialog immer wieder suchen.

Dazu sagte Bischof Huber Ende August 2009 in der Andacht: „Wir sehen die Welt im Spiegel eines jeden Antlitzes, mit Abgründen und Hoffnung, Aufbrüche und Verzagtheit. Die Kultur des Helfens, wie sie sich hier in einer einzelnen Gemeinde und in unserer Diakonie darstellt, ist ein Garant dafür, dass Menschen nicht allein gelassen werden.“

Kundgebung – Stoppt die Gewalt gegen Sex-Arbeiterinnen

Dies ist ein Aufruf von
GLADT e.V. , Hydra, SubwayTreberhilfe Berlin, TrIQ e.V.

4. September 2009, Kundgebung in Berlin-Schöneberg
Stoppt die Gewalt gegen Sex-Arbeiterinnen in der Frobenstraße

In der Nacht vom 5. auf den 6. August 2009, also vor ziemlich genau einem Monat, ist an der Ecke Froben- und Bülowstraße kurz vor Mitternacht eine Sexarbeiterin durch einen Messer-Angriff so schwer verletzt worden, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Bereits einige Tage zuvor hatte eine zahlenmäßig große Gruppe junger Männer aus der Nachbarschaft begonnen, die Frauen zu beleidigen und mit Eisenstangen, Baseballschlägern, Flaschen und anderen Gegenständen zu bedrohen. Seitdem wurden weitere Menschen leicht, zum Teil aber auch sehr schwer verletzt.
Zum Alltag in der Frobenstraße gehören insbesondere die Erfahrungen von Trans*-Frauen, die beinahe jede Nacht angepöbelt und körperlich angegangen werden. Einerseits gelten sie Freiern als «exotisch» und so mancher nimmt lange Wege auf sich, um zur Frobenstraße zu gelangen. Andererseits sind sie aber immer auch vermeintlich leichte Opfer, die aufgrund transphober Gewalt durchaus gesellschaftliche Solidarität erwarten können. Ihre grundlegenden (Menschen-) Rechte, z.B. auf körperliche Unversehrtheit, werden durch solche gewalttätigen Übergriffe und alltägliche Anfeindungen massiv verletzt, häufig haben sie es aufgrund ihrer Mehrfachidentität als Sexarbeiterin und Trans*-Frau und gegebenenfalls Migrantin schwerer als andere Sexarbeiterinnen.

Wir versammeln uns am
4. September 2009, um 1800 Uhr,
an der Froben-/ Ecke Bülowstraße,
um zu zeigen, dass dem nicht so ist! Die Trans*-Frauen in der Frobenstraße sind unsere Schwestern, Freundinnen, Nachbarinnen oder Kolleginnen – die Trans*-Frauen in der Frobenstraße sind zum Teil wir selbst!

So lange es den Straßenstrich rund um die Kurfürstenstraße gibt, so lange gibt es sicher auch schon die Beschwerden der Anwohner und Anwohnerinnen. Sie ärgern sich über benutztes Spritzbesteck und gebrauchte Kondome, die sie tagsüber finden, und über den Lärm und ein überdurchschnittliches Verkehrsaufkommen in der Nacht. Wenn sich aber eine Gruppe junger Männer zusammenschließt und sich bewaffnet über einzelne Frauen hermacht und sie schwer verletzt, hat das mit einem berechtigten Anliegen nichts mehr zu tun! Wir bitten Sie als Anwohnerinnen und Anwohner, mit Verantwortung dafür zu übernehmen, dass im Kiez nicht Selbstjustiz um sich greift.

Wir rufen alle Anwohnerinnen und Anwohner, Aktiven im Kiez und alle engagierten Menschen dazu auf, sich an der Kundgebung zu beteiligen!

ViSdP: Koray Yilmaz Günay (c/o GLADT e.V., Kluckstraße 11, 10785 Berlin)

Der Bischof kommt zur Mittwochsinitiative (Aids-Praevention und Drogen-Projekt)

Kurz bevor er im November 2009 in den Ruhestand geht, wird Bischof Huber von der Berlin-Brandenburgischen Kirche in die Kurfürstenstraße kommen, die für Straßenstrich, Café Einstein und Grips Grundschule. Hier wird er einer Andacht in der Zwölf – Apostel – Kirche teilnehmen.

Ja, das machen Bischöfe von Amts wegen, kann man sagen. Nix besonderes. Ist es aber doch.

Denn diese Andacht wird gemeinsam mit der Mittwochsinitiative gestaltet und damit richtet sich die Aufmerksamkeit auf eine soziale Gruppe, die am Rande der Gesellschaft leben – den Drogenabhängigen und Prostitutierten.

Nun zitiere ich die Pressemitteilung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz:

Gegründet wurde die Mittwochs-Initiative e. V. Anfang der 90er Jahre als Ergebnis eines „Runden Tisches“ aus Vertretern von Stadtteilvereinen, Bezirksämtern, Polizei und Drogenhilfeprojekten. Der Verein arbeitet seit 10 Jahren in Kooperation mit Fixpunkt e. V. ehrenamtlich in den Bereichen Drogenprophylaxe und Aids-Prävention. Das Projekt in den Räumen der Evangelischen Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde ist ein niedrigschwelliges Kontaktangebot für die Drogenszene Kurfürstenstraße; Ziel ist auch, die Situation für Anwohnerinnen und Anwohner zu verbessern.

Jeden Mittwoch von 19 bis 22 Uhr werden in den Räumen der Kirchengemeinde Spritzen getauscht, Kleidung und warme Mahlzeiten ausgegeben. Darüber hinaus bestehen Möglichkeiten der Beratung und der Weiterleitung in andere Drogenhilfeeinrichtungen. Nicht zuletzt aufgrund der weiterhin angespannten Situation rund um die Kurfürstenstraße setzt sich die Mittwochs-Initiative e. V. für neue Wege in der Drogenpolitik ein, beispielsweise für die Einrichtung von Druckräumen. Die Initiative ist Mitglied des Diakonischen Werkes.

Mittwoch 26.08.2009
19:30 Uhr
Zwölf-Apostel-Kirche
An der Zwölf Apostelkirche 1
U-Bahn Kurfürstenstraße