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Über Erinnerung stolpern

Von HU-Gastbloggerin Hannah Frühauf

Eine Musiklehrerin die den Freitod wählt um einer Verschleppung nach Theresienstadt zu entkommen. Ein Geschäftsmann der mit seinen beiden Söhnen deportiert und ermordet wird. Eine Familie die im Widerstand aktiv war und dafür sterben musste.

Über diese drei Schicksale kann man – neben vielen anderen – rund um die Potsdamer Straße „stolpern“. Kleine Messingplatten, die in den Boden gesetzt wurden erinnern als „Stolpersteine“ an das Leben von Maria Leo, an das von Abraham Fromm und an das von Betty, Peter und Hans Lippmann. Sie alle wurden von den Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg ermordet.

Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat mit der Verlegung von so genannten „Stolpersteinen“ in den 90er Jahren begonnen. Er möchte so an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Die „Stolpersteine“ enthalten die biographischen Eckdaten einzelner Personen. Ihr Name, ihr Geburtsjahr, das Datum ihrer Deportation oder der Ort ihrer Ermordung – werden in eine Messingplatte eingraviert und von Demnig in den Boden gesetzt. Die Steine werden meist dort verlegt, wo die Menschen gelebt oder gearbeitet haben – bevor sie deportiert beziehungsweise ermordet wurden.

Vor den Hausnummern 3 und 12 der Pallassstraße (Berlin-Schöneberg) findet man die „Stolpersteine“ die an Betty, Peter, Hans Lippmann und an Maria Leo erinnern. Der Stein, der in Gedenken an Abraham Fromm gesetzt wurde, befindet sich in der Potsdamer Straße 102 (Tiergarten-Süd).

Hinter den „Stolpersteinen“ verbergen sich zahlreiche ergreifende Biographien – wie beispielsweise die von Maria Leo (1873-1942). Maria Leo war eine engagierte Musiklehrerin und gründete das erste private Musik-Seminar für Frauen. Diesen war um 1911 offiziell der Zugang zum Institut für Kirchen- und Schulmusik verwehrt. Lange war das Seminar die einzige Möglichkeit für Frauen, ein Musikstudium zu absolvieren. Unter der Nationalsozialistischen-Herrschaft musste Maria Leo all ihre Ämter aufgeben, da sie Jüdin war. 1942 wählte sie den Freitod, um einer Verschleppung in das Konzentrationslager Theresienstadt zu entkommen.

Wer sich genauer über einzelne Schicksale informieren möchte, für den ist die Ausstellung „Wir waren Nachbarn“ im Rathaus Schöneberg eine interessante Anlaufstelle. Hier werden Biographien von Menschen vorgestellt, die im Zweiten Weltkrieg aus dem Bayerischen Viertel – genauer aus Schöneberg und Friedenau – deportiert wurden oder geflüchtet sind. Kleine Markierungen, die an einigen Portraits zu finden sind, deuten daraufhin, dass für diese Person auch ein Stolperstein verlegt wurde.

Eine Karteikartensammlung gehört ebenfalls zu der Ausstellung. Im Stil der „Stolpersteine“ findet man auf den Kärtchen biographische Eckdaten von 6.069 jüdischen Frauen und Männern, die während des Zweiten Weltkriegs gezwungen waren das Bayerischen Viertel zu verlassen. Die Informationen stammen aus Unterlagen der Geheimen Staatspolizei. Die Gestapo hatte damals ausführlich dokumentiert, welches Vermögen die Menschen bei ihrer Deportation aus Schöneberg zurückließen.  

Die Straßen und Hausnummern in denen die Jüdischen Familien zuletzt wohnten sind ebenfalls auf den Kärtchen vermerkt. Eine Mitarbeiterin der Ausstellung erzählt, dass viele Menschen aus der heutigen Nachbarschaft des Bayrischen Viertels die Ausstellung besuchen. Sie kommen um nachzusehen ob und wer aus dem Haus – in dem sie jetzt wohnen – deportiert wurde. Von manchen Adressen aus – wie zum Beispiel aus der Bozenerstr. 9 – wurden bis zu 30 Familien deportiert. Berührt von den Geschichten, die sich in ihren Häusern und Wohnungen abgespielt haben, entschließen sich einige der Besucher Stolpersteine für die Deportierten verlegen zu lassen. Aus bloßen Namen und Daten werden so lebendige und berührende Geschichten, die an den Schrecken und den Terror des Nationalsozialistischen Regimes im Zweiten Weltkrieg erinnern.

Gertrude Sandmann – eine Entdeckung

Was für eine Ausstellung!

Der Besuch im Haus am Kleistpark fand statt, um für eine Recherche dieses Haus zu sehen. Es ist von Schließung bedroht. Und dann die lichtdurchfluteten Räume im dritten Stock. Blick auf Zeichnungen von klarer Schönheit, kraftvolle Pinselstriche, wundervolle Frauenporträts.

Gedanken an andere, wichtige Ausstellungen, die das Haus am Kleistpark kuratiert hat. Im August 2009 gelang es ihnen mit der Ausstellung „Maikäfer flieg“ die Anwohner/innen für die Geschichte des Hochbunkers in der Pallasstraße zu begeistern. Sie zeichnen verantwortlich für die Ausstellung „Wir waren Nachbarn“, die jetzt zur Dauerausstellung geworden ist. Und das will der Bezirk Tempelhof-Schöneberg durch Schließung aufs Spiel setzen? Doch das ist eine andere Geschichte.

Gertrude Sandmann war Künstlerin und kämpfte Zeit ihres Lebens um die Emanzipation der Frauen. Ihre Zeichnungen sprechen für sich. Und dankenswerter Weise sind in der Ausstellung derer viele zu sehen.

In Vitrinen sind unter anderem Tagebücher der Künstlerin ausgestellt. Ebenso ein Katalog von einer Ausstellung der Künstlerin aus dem Jahr 1968. Gemeinsam mit der Bildhauerin Annemarie Haage waren ihre Werke schon einmal im Haus am Kleistpark zu sehen. Zu einer Zeit also, als Gertrude Sandmann nicht mainstream war, wurde sie hier der Öffentlichkeit präsentiert.

Gertrude Sandmanns außergewöhnliche Biographie vereint gleich mehrere Geschichten. Man kann sie als Beispiel für die Geschichte der künstlerischen Emanzipation der Frau, als ein Beispiel für die Geschichte der Emanzipation der Frau im Allgemeinen und den Überlebenskampf einer Jüdin während der Schoah lesen. Obwohl die Zeit in vielerei Hinsicht gegen sie war, ist sie sich Zeit ihres Lebens treu geblieben, ist für ihre Überzeugungen eingetreten und hat um ihr Recht auf Selbstbestimmung gekämpft.

Anna Havemenn - Getrude Sandmann

So Anna Havemann in einer Biographie, die im Zusammenhang mit der Ausstellung in der Reihe Jüdische Miniaturen des Hentrich&Hentrich Verlages und Centrum Judaicum erschien.

In der Biographie zeigt sich, dass Gertrude Sandmann vieles mit der Potsdamer Straße verbindet. Geboren 1893 im Prenzlauer Berg geboren, wuchs sie auf Am Karlsbad 11 (Ecke Flottwellstraße). Ihre Eltern hatten eine 20.000 Bände umfassende Bibliothek. Darunter viele Kunstbücher, denn ihr Vater sammelte Kunst.

Als sie studieren wollte, war der Zugang von Frauen zu den Universitäten fast unmöglich. In Berlin,…., setzte sich der konservative akademische Maler Anton von Werner (1843-1915) während seiner Zeit als Akademiedirektor (1874-1915) nachdrücklich gegen die Aufnahme von Studentinnen zur Wehr. (14)

Anton von Werner lebte und arbeitete damals in einer privaten Stichstraße, die von der Potsdamer Straße abging. Das Haus ist heute noch erhalten, Teil des leerstehenden Tagesspiegel-Geländes und unter Denkmalschutz.

Schräg gegenüber, im Hof der heutigen Potsdamer Straße 98, eröffnete der erste Berufsverband für Künstlerinnen in Deutschland eine Schule für Malerinnen. Paula Modersohn-Becker und Käthe Kollwitz studierten dort. Letztere unterrichtete von 1898 bis 1903 an der Schule, lernte Gertrud Sandmann kennen und schätzen.

Käthe Kollwitz über Gertrude Sandmann

Trotz der beruflichen Schwierigkeiten nahmen Ausstellungen von Frauen zu. Im Umkreis der Potsdamer Straße waren diese in der Sturm-Galerie von Herwarth Walden, dem Kunstsalon Gurlitt und der Galerie Paul Cassirer zu sehen. Die Ausstellungsbeteiligung von Frauen stieg im Druchschnitt seit dem Ende des Ersten Weltkrieges von 10 auf 27 Prozent am Ende der 20er Jahre. (20). Es ist anzunehmen, dass Gertrude Sandmann dabei war, denn sie beendete ihr Studium 1923 und lebte gemeinsam mit ihrer Mutter Am Karlsbad 11, in dem sie eine eigene Wohnung hatte.

Bereits in den 20er Jahren bekannte sich Gertrude Sandmann zu ihrer Homosexualität und war auch damit in Schöneberg gut aufgehoben, denn in der Bülowstraße, der Zieten- und Schwerinstraße gab es unzählige lesbische Clubs und Vereine. Die ablehnende Haltung der Jüdischen Gemeinde gegenüber gleichgeschlechtlichen Beziehungen war mit ein Grund dafür, dass Gertrude Sandmann 1926 aus der Jüdischen Gemeinde austrat. (24)

Durch ihre politische Aktivierung sah sie das nationalsozialistische Unheil früh und klar:

Nazi! – Kulturfeindlich! Antiliberal! Anti-Geist! Rückschritt!
Sie schaffen Gegensätze zwischen den Menschen statt Menschheit, Grenzen zwischen den Ländern, statt Erdgemeinschaft.
Gegen die Frauen! Muskel statt Kopf! Faust statt Geist! Gegen die Juden!
Ich war, leider, ich schäme mich, nie judenfreundlich, (Abwehr!) […] will nicht so sein, das Ähnliche ist am verhasstesten. Aber jetzt, es wäre feige, sich jetzt nicht als Jude zu bekennen! Die Juden müssen jetzt betont Juden sein […]. Tagebucheintragung, Mai 1932 (6)


1934 wurde sie aus dem Reichsverband bildender Künstler ausgeschlossen. 1935 bekam sie Berufsverbot.

Die emanzipatorischen Bestrebungen der homosexuellen Bewegung wurden von den Nationalsozialisten unterbunden. Lesbische Frauen wurden jedoch nicht explizit verfolgt, da die Nationalsozialisten diesen Lebensentwurf schlichtweg nicht ernst nahmen. Wenn sie inhaftiert wurden, dann aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur jüdischen Glaubensgemeinschaft oder kommunistischen Partei.

Gertrude Sandmann war als Jüdin, als Frau und als Vertreterin der modernen Kunst Repressalien ausgesetzt. In ihrem Tagebuch schildert sie die Situation und Demütigungen genau. Sie ging 1942 in den Untergrund, täuschte einen Selbstmord vor und konnte so überleben. Die Kapitulation Nazideutschlands erlebte sie im Versteck in der Eisenacher Straße 103.

Sie bekam eine Wohnung in der Eisenacher Straße 89 zugewiesen und stellte einen Antrag auf Entschädigung im Falle von „Schaden im beruflichen Fortkommen“. Der Stadtbezirk Schöneberg stellte ihre Werke mehrmals aus.

1974 schrieb Eva Kollwitz, die Tochter von Käthe Kollwitz in einem Katalog über sie: Sie tritt nicht nach außen: wörtlich, wie sinngemäß, aber in ihrer Zurückgezogenheit ist sie von heiterer Ruhe und dem Menschen zugewandt. Sie schafft ihre eigenen Paradiese, […] Es gibt Arbeiten der reinen Freude neben dem Schweren […]. Eine Eierschale schimmert wie Mondlicht, eine Frucht vermittelt das sinnliche Erlebnis des Schmeckens. […] Es gibt kein Frühwerk und kein Spätwerk der Sandmann: ein Akt der Zwanzigjährigen ist genauso ein zeichnerischer Wurf, wie er der Achtzigjährigen eigen ist. (78/79)

Gertrude Sandmann starb 1981.

Die Ausstellung ist bis 3. April 2011 geöffnet
Öffnungszeiten: Di – So von 10 bis 19 Uhr
Eintritt frei.
HAUS am KLEISTPARK,
Kunstamt Tempelhof-Schöneberg
Grunewaldstraße 6 – 7
10823 Berlin
Tel.: 90 277-6964

Kettensägemassaker an Bäumen und Bürgerbeteiligung

Warum kam kein Anruf, keine email, keine Information? Nicht von den Bezirksämtern, nicht von Grün Berlin, nicht von der Vivico oder sonstwem.

Statt Informationen: Kahlschlag am 26. Januar 2011.

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Es ist nicht zu erwarten, dass die Arbeiter von den Vorgängen wissen. Doch die Mitarbeiter der Firma Berolina-Baumpflege nannten einer aufmerksamen Bürgerin zumindest die Bahn als Auftraggeber. Sie sagten, ihr Auftrag sei es, Pflegemaßnahmen durchzuführen. Das hieße, nicht mehr standsichere Bäumen unter 30 cm Stammumfang zu entfernen. Ahorne und Eschen hätten sie alle entfernt.

Jedoch: Stämme unter 30 cm sehen anders aus.

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Statt Informationen: Unzuständigkeiten

Ein Anruf führte über die für die Flächen zuständige Vivico, zur Firma EPM, die die Grundstücke für die Vivico verwaltet. Konkrete Aussagen waren nicht zu haben. Viele wussten nichts und niemand hatte Ahnung.

Statt Informationen: Unbestätigte Gerüchte

Alles sei bereits an zwei Baufirmen verkauft ist, heißt es aus anderer Quelle. Eine, die da schon mehr gebaut hat und irgendeine aus Freiburg. Aber es seien noch nicht alle Wohnungen verkauft. Bis das erreicht sei, passiere nichts.

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So entsteht: Erneut aufflammendes Mißtrauen. Ein herber Rückschlag in der Bürgerbeteiligung am entstehenden Park auf dem Gleisdreieck.

Den aktiven AnwohnerInnen und QuartiersrätInnen, die sich hier seit Jahren engagieren, ist klar, dass die Fläche, die gerade massakriert wird, nicht zum Westpark gehören. Ja, es sind Bauflächen. Ja, es ist allen klar, dass sie irgendwann bebaut werden.

Doch die letzten Angaben, die auch ich von Grün Berlin gehört habe, waren: nichts ist entschieden, nein, es noch nicht mal irgendetwas angedacht.

Also ist von dem, was hier gerade passiert, auch dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, in dessen Zuständigkeit das gesamte Gleisdreieck gehört, nichts bekannt? Wenn dies so ist, dann ist etwas super faul. Aber auch sonst.

In Kreuzberg gibt es eine lange Tradition der Bürgerbeteiligung. In den östlich an das Gleisdreieck angrenzenden Quartiersmanagementgebieten Schöneberg Nord und Tiergarten Süd ist Bürgeraktivierung und Bürgerbeteiligung ein seit über zehn Jahren aus Steuermitteln finanziertes Ziel.

Die Bezirksämter in Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg und Mitte wissen, die beteiligten Planungsämter, Grün Berlin und die Vivico wissen, dass die BürgerInnen, die produktiv in der planungsbeteiligten Arbeitsgruppe mitarbeiten, sich auch für diese Fläche und die Entwicklungen entlang der Flottwellstraße interessieren.

AnwohnerInnen und Bürgerbeteiligten beobachten alle Baumaßnahmen um das Gleisdreick und entlang der Flottwellstraße mit sehr gemischten Gefühlen betrachtet. (siehe: Was bringt das neue Jahr 2011 am Gleisdreieck? )

Die Freifläche vor den S-Bahn Bögen in der Pohlstraße 11, die in den letzten Jahren auch der Jugendarbeit zur Verfügung stand, musste in der ersten Januarwoche an den Liegenschaftsfonds zurückgeben werde. Dieser hat die Fläche an den Projektentwickler des Bauprojektes “Dennewitz Zwei” übergeben. Im März wird voraussichtlich Baubegin für die drei Wohnhäuser (Bauherrenmodell) sein. Im Augenblick beginnen die vorbereitenden Maßnahmen, wie Vermessen, Bodengutachten und ganz aktuell die Rodung von (wenigen) Bäumen, welche bis spätestens Ende Februar bewerkstelligt sein muß.

Einige der Baugemeinschaften haben den Kontakt zu den hier lebenden Menschen aufgenommen. Da ist zu hoffen, dass sich ein nachbarschaftliches Verhältnis entwickelt. Bei anderen sind nur Luxuswohnungen im Internet zu bestaunen.

Das lässt nichts gutes erwarten. Besonders nicht in Tiergarten Süd, wo AnwohnerInnen in den letzten Wochen von Investoren missachtend und brutal behandelt werden. In der Pohlstraße, zum Beispiel, gibt es Mieterhöhungen von bis zu 60%, das heißt MieterInnen werden auf dem finanziellen Weg rausgemobbt. Die Vermutung ist, dass die Wohnungen alle in Eigentum umgewandelt werden sollen.

Im Bezirksamt Mitte waren bis vor einer Woche weder diese Vorgänge bekannt, noch die Initiativen aus Friedrichshain-Kreuzberg, diese Umwandlungen zu verhindern.

Investoren, Wohnungsspekulanten und Hausverwaltungen haben keine gesetzliche Pflicht, MieterInnen gut zu behandeln, sie zu informieren oder mit ihnen zu sprechen.

Bei öffentlichen Stellen ist das anders. Und auch nicht kompliziert. Es gibt in Verbindung mit den Planungen am Gleisdreieck ein sehr gutes Netzwerk (online und offline), an das leicht Informationen gegeben werden können. Per Fax, per Telefon, per email. Meinetwegen auch per Trommel.

Aber nicht mit Kettensägen.

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Photos:

MieterInnen in der Pohlstraße zwischen Angst und Wut

Hallo, wir unsere Studenten-WG sind auch ein Opfer der „Baumafia“ gängige Begrifflichkeit im Berliner Abgeordnetenhaus geworden. Im Juli wurden unsere 6 Häuser in der Pohlstraße sozialer Wohnungsbau aus der Insolvenz heraus an die Fa. D.V.I. / Mamrud & Smuskovics dazu gehörend die Hausverwaltung Walther Property Management und die Haus-/Gebäudeservicefirma Certus – alle unter der gleichen Adresse zu finden. Als im September der Eintrag im Grundbuch vollzogen war, kam auch gleich Mitte Oktober das erste Mieterhöhungsschreiben – 250 Euro sollten wir im Monat nun mehr zahlen wofür?, binnen 14 Tagen zum 1.11.. Müssen nun aus finanziellen Gründen auch raus hier, werden auch schon seit Monaten gemobbt Baulärm, Plündern unserer Briefkästen, Müllablagerungen im Garten, alles wurde dunkelgrau gestrichen usw..

Liest man diesen Kommentar auf  Berlin: Vom Sozialen Wohnungsbau zum Spekulationsobjekt « Gentrification Blog denkt man an Wild-West. Doch das Ganze spielt sich in Berlin-Mitte ab. Und gleich noch eine Unglaublichkeit: Gerade weil die Gebäude aus dem Sozialen Wohnungsbau stammen, sind sie mietpreislich nicht gebunden. Insgesamt sind gerade 30.000 Sozialwohnungen von ähnlichen Entwicklungen bedroht. Der Blog Sozialmieter sammelt alle Informationen.

Das ist der Hintergrund vor dem in der Pohlstraße und in der weiteren Umgebung der Potsdamer Straße Häuser entmietet werden und die Bevölkerung langsam ausgetauscht werden können. Neben den hier erwähnten Häusern, sind aus einem anderen Objekt in der Pohlstraße bereits viele Mieter ausgezogen. Angst spielt dabei eine große Rolle. Und da viele MieterInnen auch nicht genügend Informationen haben, verlässt sie schnell der Mut sich zumindest mit den legalen Mitteln zu erwehren, die Ihnen zur Verfügung stellen.

Mit gutem Grund: Robert Händler, Bewohner in der Pohlstraße und Mitglied des Quartiersrats Magdeburger Platz, ist Sprecher der MieterInnen-Initiative und versucht mit all seinen Kräften sich gegen die Entwicklung anzustemmen. Er nimmt kein Blatt vor seinen Mund. Er redet mit der Presse. Und was passiert: Kurz nach einem Artikel in der Berliner Zeitung , der die Sachlage schilderte, wird ihm gekündigt. Verständlich, dass viele aus Angst den Mund halten.

Die ganze Materie ist zugegebenermaßen hochkomplex. Der bereits erwähnte Artikel auf dem Gentrification Blog ist zum Verständnis sehr hilfreich.

Gleichzeitig ist zu beachten, dass es durchaus politischen Handlungsspielraum gibt. Der Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain hat im vergangenen November eine Verwaltungsvorschrift erlassen, “nach der die Nutzung von zu Eigentumswohnungen umgewandelten Sozialwohnungen durch Käufer nur möglich ist, wenn diese die für den Wohnberechtigungsschein (WBS) geltenen Eigentumsgrenzen einhalten.”

Hallo, Berlin-Mitte, übernehmen Sie!

Toleranz ist kein Gen – Homophobie auch nicht

Klar war Botschaft von Larissa Neu bei der Vorstellung des Projektes Raduga auf dem Präventionsrat Schöneberger Norden: „Russische Jugendliche haben ein Problem sich zu outen,“ sagte sie. „Viele verlieren dann ihren Familienzusammenhalt. Jugendliche dürfen oft ihre homosexuelle Freunde nicht zu sich nach Hause bringen.“

Projektträger ist das Integrationszentrum Berlin , das sich vornehmlich mit Fragen der Integration von Spätaussiedlern und Kontingentflüchtlingen aus den GUS-Staaten befasst und seit kurzem in der Katzlerstraße lokalisiert ist.

Raduga ist russisch und heißt Regenbogen. Das Projekt wird gefördert im Rahmen der LADS/Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt“

Raduga wird Multiplikatoren schulen, um die Einstellung in der russischen Einwanderungsgesellschaft zu sexuellen Orientierungen zu liberalisieren. Hilfesuchende homosexuelle Menschen werden beraten, russischen Migrantinnen mit einer Transidentität soll aus der Isolation geholfen werden.

„Wir sind das erste Projekt, in dem heterosexuelle Russen sich dieses Problems annehmen,“ sagte Frau Neu. „Das ist eine große Verantwortung für uns, und es ist ganz wichtig, das viele von uns wissen.“

Ja, das ist es.

Im Juni 2010 wurden fünf Männer Opfer einer homophoben Attacke vor dem Eingang des Pallasseums. Sie gingen die Potsdamer Straße entlang, als sie sich plötzlich von circa 50 Jugendlichen umringt sahen, die sie wüst beschimpften, mit Wasserbomben bewarfen und aus Wasserpistolen bespritzten. Erwachsene, die in der Nähe standen, schauten zu.

„Schminke bei Männer, das ist doch einfach so eklig,“ warf ihnen ein Junge entgegen. Beherzt und verbal verteidigten sie sich. „Menschen müssen respektiert werden, ganz egal wie sie aussehen oder wo sie herkommen,“ sagte einer von ihnen. Als die Situation weiter eskalierte, riefen sie die Polizei.

Die fünf Männer gingen die Straße nicht in dezenten Nadelstreifenanzügen entlang. Sie waren unterwegs als AgentInnen des Ministeriums für Tuntensicherheit ( kurz: TunSi ). Dann werfen sie sich in weibliche Stasiklamotten, donnern sich auf mit Make-up und Perücke. Hören sie auf der Straße dumme Sprüche oder Bemerkungen, machen sie auf dem Absatz kehrt, gehen auf die Person zu und stellen sie zur Rede.

Provokation und Überzeichnung sind Merkmale ihrer Mission. Sie gehen bewusst in heterosexuelle Milieus. An diesem Tag sollten sie bei einem Einsatz an einem ganz anderen Ort in Berlin für einen Bericht im rbb gefilmt werden. Ihr Aufenthalt auf der Potsdamer Straße war lediglich einem vergessenen Schlüssel zu verdanken. Was dann passierte, kam für alle als ein Schock. (Direkt zum Vorfall: Minute 2:41 )

Von dem gedrehten Material des rbb wurden nur wenige Minuten in diesen Abendschaubericht eingebaut, denn andere Szenen hätten für einige der Jugendlichen strafrechtliche Konsequenzen haben können.

„Wir haben lange überlegt, ob wir mit dem Vorfall überhaupt an die Öffentlichkeit gehen sollen,“ sagte Agentin Ginnifer Hartz alias Agentin G auf der Veranstaltung „Der Schöneberger Norden gehört uns allen“, die Marijke Höppner, SPD Sprecherin für Integrationspolitik in der BVV Tempelhof-Schöneberg, am 15. Oktober im Rathaus Schöneberg organisiert hatte. „Doch es war für uns alle eine sehr einschneidende Situation. Was die Leute denken, ist mir schnurzpiepegal. Aber wenn ich unterwegs bin, dann will ich tun und lassen können, was ich will, ohne belästigt zu werden.“

Schwule und Lesben sind in Schöneberg – von der Bülowstraße bis zu Motzstraße – schon seit den 1920er Jahren zu Hause. Ihre Bars, Kneipen, Geschäfte belebten und beleben den Kiez. Mal schmückt sich die heterosexuelle Gesellschaft mit ihrem Flair, mal werden die Homosexuellen massiv bekämpft.

Im Februar 2010 gründeten 29 Vereine, Institutionen und Unternehmen den Regenbogenschutzkreis – Schöneberg gegen Rassismus und Homophobie. Sie alle wollen ein Zeichen setzen gegen Fremden- und Homosexuellenfeindlichkeit, gegen Hass, Diskriminierung und Gewalt.

„Unsere Aufgabe ist es, Schwule, Lesben und Transmenschen in ihren Rechten zu bestärken,“ sagte Bastian Finke vom schwulen Anti-Gewalt Projekt Maneo in der Bülowstraße. „Keiner kann ihnen verbieten, Hand in Hand zu gehen. Und wenn das passiert, können sie Strafanzeige erstatten.“

Doch wie umgehen mit Pöbeleien, schrägen Blicken. „Was die Kinder in der Potsdamer Straße gesagt haben, ist in den Köpfen von vielen Menschen drin,“ gab Saideh Saadat-Lendle zu bedenken. Sie vertrat LesMigraS das Antidiskriminierungs- und Antigewaltbereich der Lesbenberatung Berlin e.V.. Die Lesbenberatung ist seit den 80er Jahren in der Kulmer Straße angesiedelt. LesMigraS steht für Lesbische/bisexuelle Migrant_innen und Schwarze Lesben und Trans*Menschen. Saideh Saadat-Lendle wies darauf hin, dass 50% deutscher männlicher Jugendlicher es abstoßend finden, wenn sich zwei Männer auf der Straße küssen.

Gegen öffentliche Zeichen der Zuneigung zwischen Schwulen und Lesben hatte sich im Frühjahr auch der Betreiber des Eiscafés „Dolce Freddo“ in der Maaßenstraße vehement und verbal verwehrt. Er pöbelte Lesben und Schwule an und weigerte sich, sie zu bedienen, wenn sie sich seinem Tresen Hand in Hand näherte. Im Mai 2009 reagierte die Szene mit einem Kiss-In.

Doch humorvolle Aktionen können nicht die Kränkungen und auch Ängste beheben, die durch homophobe Attacken entstehen. 2004 zog das Café Posithiv aus der Alvenslebenstraße in die Bülowstraße nahe Nollendorfplatz. Das 1989 gegründete Selbsthilfeprojekt war 1994 aus der Großgörschenstraße hierher gezogen. Es bot HIV-erkrankten Menschen einen Raum, in dem sie sich mit ihrem veränderten Lebenssituation auseinandersetzten konnten, ohne sich zu verstecken. Neben den Problemen durch ihre Krankheit waren die Pöbeleien aus der Nachbarschaft irgendwann nicht mehr zu ertragen.

„Es sind meistens männliche Jugendliche, die auffällig werden,“ sagte Koray Yılmaz-Günay , von GLADT e.V. , der einzigen unabhängigen Selbst-Organisation von türkeistämmigen Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen und Transgendern (LSBTT) außerhalb der Türkei und in der Kluckstraße lokalisiert. „Es ist ganz schwierig für sie /Sexualität zwischen Männern/ auszuhalten, wenn man sie damit konfrontiert.“

Im August 2009 wurde eine Sexarbeiterin in der Frobenstraße so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. In dieser Attacke kulminierten die Beleidigungen und Angriffe mit Eisenstangen und Flaschen gegen Trans*frauen, die bereits vorher stattgefunden hatten.

Im September 2009 riefen die Berliner Vereine GLADT, Hydra, Subway, Treberhilfe und TransInterQueer gemeinsam zu einer Demonstration gegen Gewalt an Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter in Schöneberg auf. Doch bereits auf der Kundgebung kam es zu weiteren homophoben, verbalen Attacken durch AnwohnerInnen.

Darunter auch die Ökumenische Rogate-Initiative e.V., die sich im kurz zuvor in der Zwölf-Apostelgemeinde gegründet hatte. Neben einer ökumenischen Andachtsarbeit, will sie gegen Hassgewalt und Homophobie eintreten und übergemeindlich-überkonfessionell nachhaltig zusammenarbeiten.

Der Schöneberger-Norden gehört uns allen.

Die Veranstaltung im Schöneberger Rathaus hat einen Weg aufgezeigt, wie TunSi sich mit StreetworkerInnen und SozialarbeiterInnen in Kontakt setzen können. Gespräche ermöglichen dann vielleicht einen Kontakt mit Jugendlichen, die das im Juni noch nicht wussten und sich nicht danach verhielten.

Potse Eindrücke

Von HU Gastblogger Christian Döring

Potsdamer Straße 91 Freies Museum Berlin war die Adresse. Ich bin sowieso schon spät dran und nun find ich die Hausnummern nicht. Und das ganze Gewusel auf den Straßen und Bürgersteigen. Überall Läden im Erdgeschoss, und darüber Wohnungen. Die Straße wirkt wie ein Kanal für jegliche Bewegungen, es geht nur vorwärts. Hm Nr. 71, ich muss dran vorbei gelaufen sein. Also doch nochmal zurück. Ein Glück da hinten sind sie, ich hab sie noch erwischt. Und die Tour durch die Potse beginnt.

Man kann Orte erst richtig kennenlernen, wenn man sie durchläuft, durchquert und alles auf sich wirken lässt um ein Gefühl für das Lokale zu bekommen. Wir betreten Hinterhöfe, die spannender und geschichtsträchtiger sind, als sie im ersten Augenblick scheinen. Ein unscheinbarer Wohnblock Ecke Pallasstraße, der sog. Berliner Sozialpalast, ist der ehemalige Standort des Sportpalastes, einer im Jahr 1910 erbauten Mehrzweckhalle. Sie war Veranstaltungsort u. a. für Boxkämpfe, Reitturniere und Radrennen. Traurige Berühmtheit erhielt sie vor 67 Jahren als Joseph Goebbels seine berüchtigte Rede hielt, in welcher er den totalen Krieg ausrief. 1973 wurde die Halle abgerissen und der Sozialpalast errichtet.

Weiter geht’s auf unserer Tour. Doch halt! Warum ist es plötzlich so ruhig? Vor gut zweihundert Metern sind wir in eine quer zur Potse verlaufende Straße eingebogen. Der Stimmungswechsel auf so kurzer Distanz ist verblüffend. Nur vereinzelt befahren Autos die Straßen, die Anzahl an Bäumen sowie an Sträuchern hat sich vervielfacht und der Geräuschpegel ist drastisch gesunken. Ein Gefühl von Entspannung macht sich breit, das im völligen Gegensatz zum hektischen Gewusel auf der Potsdamer Straße steht.

Unser Rundgang führt uns zum Potsdamer Platz und in der Nähe gelegenen Haus Vaterland. Das Haus Vaterland war eine von der Firma Kempinski betriebene Vergnügungsstätte mit zwölf Restaurants, dem größten Café der Stadt, einem Ballsaal, einer amerikanischen Wild-West-Bar sowie musikalischen und artistischen Veranstaltungen. An selber Stelle befinden sich heute die Park Kolonnaden, ein Gebäudekomplex mit Raum zum Arbeiten, Wohnen und Einkaufen.
Wir beenden unsere Erkundungstour wieder südlich des Landwehrkanals mit der aktuellen Problemlage beim ehemaligen Wegert-Haus. Hier sollte über dem Erotikkaufhaus LSD ein Laufhaus entstehen, mit dem Ziel, die Prostitution von der Straße und aus dem Blickfeld der Anwohner zu holen. Dieser Ansatz war jedoch umstritten, da es keinen Beleg dafür gab, dass ein solches Laufhaus tatsächlich die Prostitution in die eigenen Betriebsräume verlagere. Vielmehr hatte man die Befürchtungen es entstünde lediglich ein neuer Zweig desselben Business und alles bliebe beim Alten oder verschlimmere sich sogar. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg lehnte den Bauantrag ab und wurde zuletzt vom Verwaltungsgericht bestätigt in seiner Entscheidung bestätigt.

Mit diesen vielfältigen, völlig unterschiedlichen, z. T. voneinander abweichenden Eindrücken verlassen wir die Potsdamer Straße. Hoffentlich schaff ich noch die nächste S-Bahn!

Mitspielen – WM 2010 an der Potse

Herzliche Einladung zum Mitspielen

Wie funktioniert es?
Es geht darum für jedes Spiel bei der WM 2010 eine Person zu finden, die einen Bezug zur Potsdamer Straße zwischen Kleistpark und Landwehrkanal hat. Entweder weil er/sie hier lebt, hier arbeitet, in der Vergangenheit etwas getan hat oder großes Pläne für die Zukunft hat.

Schicken Sie mir Ihre Vorschläge mit kurzen Beschreibungen und gerne auch Verlinkungen zu Webseiten.  Es wäre gut, wenn ich Ihre Vorschläge ein oder sogar zwei Tage vor dem Spiel hätte.  Bitte schicken Sie Ihre Vorschläge an potseblog/@/wosnitza-berlin.de

Ich garantiere Ihnen, dass alle Vorschläge mit aufgenommen werden. Vielleicht nicht gleich am nächsten Spieltag, aber auf jeden Fall innerhalb der WM 2010.

Viel Spaß bei Mitspielen und beim Entdecken der WM-Vielfalt an der Potsdamer Straße wünscht Regine Wosnitza

Die Spiele und Mannschaften der kommenden Woche

Montag, 14. Juni
Niederlande – Dänemark
Japan – Kamerun
Italien – Paraguay

Dienstag, 15. Juni
Neuseeland – Slowakei
Elfenbeinküste – Portugal
Brasilien – Nordkorea

Mittwoch, 16. Juni
Honduras – Chile
Spanien – Schweiz
Südafrika – Uruguay

Donnerstag, 17 . Juni
Frankreich – Mexiko
Griechenland – Nigeria
Argentinie – Südkorea

Freitag, 18. Juni
Deutschland – Serbien
Slowenien – USA
England – Algerien

Samstag, 19. Juni
Ghana – Australien
Niederlande – Japan
Kamerun – Dänemark

Sonntag, 20. Juni
Slowakei – Paraguay
Italien – Neuseeland
Brasilien – Elfenbeinküste

Danach geht’s selbstverständlich weiter

Bach swingt den Kiez

Swinging Bach”
Konzert der vocal-concertisten in der Zwölf-Apostel-Kirche

Swinging Bach_5.Juni2010.jpgKlick Bach und hör vocal-concertisten

Mit dem semi-professionellen Chor der vocal-concertisten hat der Kiez Potsdamer Straße einen erfreulichen musikalischen Zuzug erfahren. Seit November proben sie in der Zwölf-Apostel-Kirche. Im Juni geben sie ihr erstes Konzert in der neuen Location (Kirche).

Samstag, 5. Juni 2010, 19 Uhr
Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde
An der Apostelkirche 1, Berlin-Schöneberg

Die vocal-concertisten scatten und singen Werke von Johann Sebastian Bach – und betreten damit ein weiteres Mal musikalisches Neuland.

Das als ‘scat’ oder ‘scat-singing’ bezeichnete Singen von aneinandergereihten Silbenfolgen ohne Wortbedeutung, etwa wie ‘da ba da’, war besonders in der Swing-Ära verbreitet, z.B. durch Jazz-Ikonen wie Ella Fitzgerald oder Louis Armstrong. Mit dieser Vortragsform ist es dem Chor möglich, Werke von Bach zu singen, die ursprünglich nur für Instrumente komponiert worden waren.

Und damit das Ganze auch so richtig swingt, ergänzt ein Jazz-Ensemble mit Schlagzeug und Kontrabass.

Diesen ‘geswingten’ Bearbeitungen werden vokale Kompositionen Bachs gegenübergestellt, so etwa Auszüge aus den Kantaten ‘Himmelskönig, sei willkommen’ und ‘Christ lag in Todesbanden’, die von Cello und Orgel begleitet werden – und die mindestens genauso swingen…

Die Aufnahme des Chores am neuen Probenort war ungemein herzlich. Und so schätzen die über 40 MitsängerInnen diesen Kiez inzwischen aufgrund seiner Vielfalt – wir begegnen in unserer Probenzeit den Kindern in der arabischen Schule, den Mitgliedern der koreanischen Gemeinde und anderen Gruppen. Auch die Situation auf der Straße können viele nun besser einschätzen als aus reißerischen Zeitungsartikeln.

Inzwischen überlegen die vocal-concertisten, die Zwölf-Apostel-Kirche auch in Zukunft als Konzertkirche zu nutzen. Für den Kiez wäre das eine kulturelle Bereicherung. Sie brächten mit ihrem Stammpublikum neue BesucherInnen in den Stadtteil. Zahlreiche neue HörerInnen aus der Umgebung beim ersten Konzert würden diese Entscheidung sicherlich positiv beeinflussen.

Die vocal-concertisten freuen sich darauf, für Sie singen und swingen zu können.

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Laufhaus – NEIN DANKE!

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Petition des Quartiersrates Magdeburger Platz
19. Mai 2010

Wir, Bürger und Anwohner im Quartier um die Kurfürstenstraße, appellieren an die Verfahrensbeteiligten auf ein Laufhaus endgültig zu verzichten. In langjähriger Arbeit wurde mit vielen Bemühungen, Geld und großem ehrenamtlichen Engagement hier ein soziales Umfeld geschaffen, welches eine erträgliche Lebenssituation für die hier lebenden Bürger bietet. Jedoch steht dies nicht auf so stabilen Füßen, dass es ein Laufhaus ohne nachhaltige Einbuße von Lebens- und Wohnqualität verkraften kann.

Wir sehen die unbedingte Gefahr, dass die Einrichtung eines Laufhauses eine Erweiterung des Straßenstriches und damit eine verstärkte Konkurrenz nach sich ziehen wird. Der Straßenstrich ist schon seit langem ein Bestandteil des Kiezes und rechtlich nicht zu verhindern. Die Eröffnung eines Sexshops war da zwangsläufig. Mit der EU-Erweiterung stieg die Zahl der Prostituierten, eine weitere Folge des Straßenstriches und des Sexshops. Die gesundheitlichen Standards verschlechterten sich und die Kleinkriminalität wuchs.

Die Behauptung, das Laufhaus wird den Straßenstrich zu großen Teilen absorbieren, halten wir für unhaltbar. Eine Umfrage unter den Prostituierten bestätigte, das ein Großteil von ihnen nicht im Laufhaus arbeiten will. Außerdem ziehen ihre Freier den schnellen und vor allem anonymen Vollzug auf der Straße vor.

Wird die Einrichtung eines Laufhauses genehmigt, so wird es zum einen mehr Autoverkehr geben, verbunden mit einer höheren Luftverschmutzung und Lärmbelästigung. Eine weitere Folge wird ein Anstieg des Prostitutionsgewerbes auf der Straße sein, denn die Frauen werden aller Voraussicht nach versuchen, die Freier schon vor Erreichen des Laufhauses für sich zu gewinnen.

Deshalb sehen wir uns in unserer Lebensqualität in allen Facetten erheblich bedroht. Wir befürchten, dass sich nach der Genehmigung niemand mehr als verantwortlich und zuständig sehen wird, die sozialen Konsequenzen hier im Gebiet aufzufangen.

In unmittelbarer Nähe Verbrauchermärkte, Drogerie, Kindertagesstätten, – Anwohner durch massiveren Straßenstrich im Alltag stark beeinträchtigt. Straße wird zum erweiterten Laufhaus, Bürgersteige sind zu schmal. Dieses Gewerbe verdrängt Alltagsstruktur, Gehwege verlieren Funktion als sozialer Ort, werden zweckentfremdet genutzt.

Wir – über 8.000 Bürger allein in Tiergarten Süd – müssten mit den negativen Folgen leben, nur weil hier sogenanntes Kerngebiet ist – für Gewerbe, aber nicht für ein Großbordell.

Wir appellieren daher nochmals dringend an das Gericht und die Bezirksverwaltung ein Laufhaus an diesem Standort abzulehnen.

Im Namen des Volkes – und dazu gehören auch wir!

Für den Quartiersrat
Regine Wosnitza  und Josef Lückerath
Kontakt: 23639903

Kommunikation und Kunst – auf dem Straßenstrich

Es liegt in der Natur des Gewerbes, dass die Arbeit der sozialen Dienste an der Kurfürstenstraße und Umgebung langfristig angelegt sind. Den Straßenstrich im Gebiet gibt es schließlich seit mehr als 100 Jahren. Er hat viele Veränderungen hinter sich und vielem widerstanden.

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In den letzten Jahrzehnten ist es Organisationen wie dem Frauentreff Olga, der Treberhilfe, Fixpunkt, der Mittwochsinitiative der Zwölf Apostel Kirche und Neustart e.V. gelungen, einen vertrauensvollen Kontakt ins Milieu aufzubauen. Da sie alle unterschiedliche Schwerpunkte haben, ist es ihnen gemeinsam ist es zu verdanken, dass die Umgebung trotz aller Schwierigkeiten ein relativ konfliktfreies Feld ist.

EU-Erweiterung

Gleichzeitig waren alle trotz ihrer reichen Erfahrung von den Konsequenzen der EU-Osterweiterung im Jahr 2005 überrascht. Der Kurfürstenstraße brachte diese politische Veränderung einen hohen Anstieg an Prostituierten, einen anschließenden Preis- und Verdrängungskampf, Schwierigkeiten mit den AnwohnerInnen und ein Kommunikationsproblem. Denn die Frauen verstanden kein Deutsch. Die Sozialarbeiterinnen hingegen, konnten sich weder auf polnisch, noch auf ungarisch, rumänisch oder bulgarisch verständlich machen. Doch inzwischen ist auch hier viel geschehen.

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Frauentreff Olga

Der Frauentreff Olga, zum Beispiel, erhielt seit seinem Umzug von der Derfflinger Straße in die Kurfürstenstraße ein neues Profil. Seit über 20 Jahren ist Olga eine Anlaufstelle für Prostituierte, wo sie Essen, Gespräche, medizinische Versorgung und eine Verschnaufpause erhalten. „Wir haben das Olga völlig neu aufgestellt,“ sagt die stellvertretende Leiterin des Drogennotdienstes Petra Israel-Reh. „In der Derfflinger Straße kamen 20 – 30 Frauen pro Abend, hier in der Kurfürstenstraße sind es 40 bis 70 Frauen.”

Olga gründete ein Kommunikationszentrums, was durchaus wörtlich zu verstehen ist. Zum einen wollten sie den Prostituierten im Frauentreff die Möglichkeit geben, mit ihren Familien zu Hause per Telefon und Internet in Kontakt zu bleiben. Zum anderen wollten die Sozialarbeiterinnen mit den Frauen auf Deutsch kommunizieren und boten deshalb Sprachkurse an.

Doch die Rechnung ging nicht auf, die Frauen kamen weiterhin ins Olga, aber nicht zum Sprachkurs. Das Projekt musste an die Wirklichkeit angepasst werden. Zumal den polnischen Frauen andere aus aus der Tschechischen Republik, Ungarn, Bulgarien und Rumänien gefolgt waren.

„Wir arbeiteten wie die Feuerwehr,“ erinnert sich Michaela Klose, seit 2008 Leiterin des Frauentreffs. „Immer wieder mussten wir raus, um kleine Brände zu löschen. Wir hatten nur wenige Arbeitsstunden. Die Frauen hatten Angst vor uns. Sie konnten nicht glauben, dass wir ihnen wirklich helfen, sie nicht ausbeuten oder der Polizei ausliefern wollten.“

Sprachmittlerinnen

Mit Hilfe der Quartiersmanagements und der Quartiersräte in Schöneberg-Nord und Magdeburger Platz wurde ein Projekt aufgelegt, bei dem die Sozialarbeiterinnen gemeinsam mit Sprachmittlerinnen auf die Straße gingen, um mit den Frauen in Kontakt zu kommen. Neben rechtlichen und gesundheitlichen Fragen, machten sie den Frauen auch klar, dass die Kurfürstenstraße ein Wohngebiet ist, baten sie, sich nicht genau vor den Kindergärten und der Moschee zu positionieren und die Werbung nicht rabiat zu gestalten. Dadurch entspannte sich die Sitaution im Kiez merklich.

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Doch die finanzielle Situation fürs Olga blieb mehr als prekär bis endlich – mit Hilfe aus dem Bezirksamt Mitte – das Thema auf Senatsebene gehoben werden konnte und eine finanzielle Bewilligung über den Fraueninfrastrukturfonds die Arbeit nun auf mehrere Jahre sichert.

UnterstüzterInnen

Im April nun lud der Frauentreff Olga all diejenigen ein, die den Treffpunkt in den letzten Jahren finanziell, beraterisch, ideell und politisch unterstützt haben. Dazu gehört neben dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg vor allem das Bezirksamt Mitte mit Bürgermeister Dr. Christian Hanke und der Gleichstellungsbeauftragten Kerstin Drobick. Ebenfalls anwesend war die SPD-Bundestagsabgeordnete von Berlin-Mitte, Dr. Eva Högl, die seit neuestem Vereinsmitglied bei Olga ist. Weiterhin vertreten waren die sozialen Träger, die Präventionsbeauftragte von Schöneberg und VertreterInnen des Quartiersmanagements und Quartiersrates Magdeburger Platz.

Der Frauentreff bedankte sich auf ungewöhnliche Weise und mit sehr viel Offenheit. Michaela Klose nahm uns zunächst auf einen imaginierten Spaziergang mit. So hatten wir Gelegenheit, indirekt einige Prostituierte kennen zu lernen, denen wir sonst nur anonym und fremd auf der Straße begegnen.

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Spaziergang

In Gedanken gingen wir die Frobenstraße entlang und vor zur Potsdamer Straße, vorbei an Prostituierten, die häufig Drogen nehmen. Vor dem LSD wurden uns die circa 15 bulgarischen Frauen vorgestellt, die dort regelmäßig stehen. Sie sind zwischen 30 und 40, arbeiten teilweise mit Zuhältern, teils mit Beschützern. Sie haben Probleme mit ihrer steuerlichen Anmeldung, versorgen zu Hause ihre Familien und Kinder. Manche von ihnen sind drogenabhängig, andere nicht.

Uns wurde gesagt, dass auf der anderen Straße häufig eine deutsche Prostitutierte von den Sozialarbeiterinnen angetroffen wird. Sie arbeitet seit drei Jahren hier, ist obdachlos, ihr geht es körperlich schlecht, sie ist Mehrfachkonsumentin von Drogen. In Gesprächen bei Olga wird ihr die Begleitung durch den Entzug oder in ein Methadonprogramm angeboten. Langsam ist das Olga für sie ein fester Anlaufpunkt geworden und vertrauensvoll hat sie sich auf einen HIV und Hepatitis Test eingelassen und auch einer Impfung zugestimmt.

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Eine Ungarin lernten wir duch die Erzählung einer Sprachmittlerin kennen. Sie ist 42 Jahre und sehr glücklich, dass ihr hoher Blutdruck in der medizinischen Abteilung bei Olga versorgt wird. Eine Freundin hat sie ursprünglich ins Olga gebracht. Doch hätte die Sprachmittlerin sie nicht in ihrer eigenen Sprache angesprochen, hätte sie diesen Schritt wohl nie getan.

Eine 21-jährige Ungarin hat dieses Vertrauen noch nicht gefasst. Sie ist erst vor vier Monaten hier angekommen. Sie spart ihren Verdienst, denn sie will studieren und Tierärztin werden. Ihr Freund in Ungarn glaubt, sie kellnert. Es ist nicht sicher, ob sie Drogen nimmt. Sie ist froh über den Kontakt zur Sprachmittlerin. Doch ins Olga hat sie sich bisher noch nicht getraut.

Es ist klar zu sehen, dass es allen Mitarbeiterinnen des Olgas wichtig ist, nicht nur ÜBER sondern MIT den Frauen zu reden. Um dies auch den Gästen zu ermöglichen, waren an diesem Vormittag auch drei Prostituierte ins Olga gekommen. Sie wurden vor den Gästen interviewt und waren hinterher zu weiteren Gesprächen bereit. Hier sind ihre Aussagen:

O-Töne

Jessica: ich arbeite seit 1983 hier. Früher hab ich das Geld für Fun, Urlaub und Luxusgüter ausgegeben. Heute reicht das Geld gerade zum Überleben. Ins Olga komme ich seit 15 Jahren. Ich hörte davon über Mundpropaganda und war begeistert, dass es dort Gummis umsonst gab. Das war damals nicht selbstverständlich. Auch Angelika, die Krankenschwester, kenne ich seitdem. Ihre Versorgung war ganz wichtig, denn wir bekamen nur schwer eine Versicherung. Mein Vorschlag ist, einen Runden Tisch hier einzurichten, denn die Feindschaft zwischen den Frauen ist zur Zeit sehr groß. Als Politikerin würde ich dafür sorgen, dass die Polizei das Zuhälterproblem anders angeht. Die Frauen hier stehen sehr unter Druck, sie passen sich zu sehr an. In fünf Jahren bin ich nicht mehr hier. Es ist nicht mehr, wie es war. Das verruchte, schöne Feeling gibt es nicht mehr. In fünf Jahren arbeite ich selbstständig in einer Kaffeebar.

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Svenja: Ich kam vor zwei Jahren hierher, ein Jahr nach meiner Schwester. Ich bin hier um Geld zu verdienen für meine Familie, die Wohnung. Vor zwei Jahren hat mir ein tschechisches Mädchen vom Olga erzählt und ich komme hierher, weil man hier offen reden kann. Ich schlage vor, eine Frauenärztin hierher zu holen, denn es gibt keine im Gebiet. Als Politikerin würde ich viel mehr Gewicht auf die gesundheitliche Untersuchung legen. Viele benutzen kein Kondom, doch es ist wichtig sich zu schützen. Die Polizei sollte das kontrollieren.
Bis hierher hatte Svenja teilweise selbst Deutsch gesprochen, war jedoch auch in vielem auf die Hilfe der Sprachmittlerin angewiesen. Doch auf die Frage wo sie sich in fünf Jahren sieht, antwortete sie mit einem kleinen Aufseufzer und ohne zu überlegen: „Zu Hause.“

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Gabriela: Als ich 1979 hierher kam, war ich mit 12,5 Jahren die jüngste Prostituierte Berlins. Ich suchte nach Liebe. Zu Hause war ich vergewaltigt worden und bin abgehauen. Ich kenne den Kiez hier ganz anders. Wenn sich früher rumsprach, dass eine Frau ohne Kondom arbeitete, dann ist ihr zugesetzt worden. 1.000 Mark am Tag zu verdienen war möglich, und ich baute mir eine Scheinwelt auf, nahm viele Drogen und dachte es ist Liebe, was ich hier finde. Jetzt schaffe ich nicht mehr an. Ich habe Jesus Christus getroffen und es geht mir von Tag zu Tag besser. Ich erlebe viele Wunder, die Leute sind nett zu mir. Morgen beginne ich in Hessen eine Therapie in einer christlichen Einrichtung. Ich selbst habe nie mit Zuhältern gearbeitet und habe mir nie etwas von Männern gefallen lassen. Ich hatte hier Narrenfreiheit, musst nie an irgendjemanden zahlen. Ich war nie der Opfertyp. Doch andere lassen sich viel zu viel gefallen. In fünf Jahren bin ich wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt. Ich bin ehrgeizig und kann mich selbst gut vertreten. Aus der Scheinwelt gehe ich wieder in die Welt.

Kreativität

„Uns sind hier alle Frauen mit all ihren Lebensfacetten willkommen,“ sagt Michaela Klose, „und seit neuestem auch mit ihrer Kreativität.“ Denn die entdecken die Frauen seit Ende 2008 gemeinsam mit Anita Staud. Die Malerin hat seit 15 Jahren ein Atelier an der Potsdamer Straße und dachte während des Streits um das geplante Laufhaus zum ersten Mal an ein Projekt mit Prostituierten. Kurz vor Weihnachten 2008 ging sie das ersten Mal mit Stift und Malblock ins Olga und kam dann drei Monate regelmäßig wieder. Jedes Mal tat sie nicht anderes, als sich ruhig dazu zu setzen und die Frauen in einem Malbuch zu skizzieren.

„Sie fanden es ganz toll, als Individuen wahrgenommen zu werden,“ erinnert sich Anita Staud. Schließlich wollten die Frauen selbst malen, und als dies sich als nachhaltiger Wunsch und nicht als Eintagsfliege entpuppte, wurde ein Projekt daraus.

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Zu Beginn mit zwei Papierrollen auf den Tischen. Wer mit am Tisch saß, konnte malen, einfach nur zuschauen, sich an der Unterhaltung teilnehmen. Im Frühsommer 2009 ging Anita Staud mit den Frauen zum Elisabeth-Stift in der Lützowstraße und sie beteiligten sich an dem lokalen Gemeinschaftsprojekt „Kiezmosaik“. Im Herbst inszenierten sie im Rahmen der Schaufensterausstellung im Sexkaufhaus LSD eine Malaktion im Schaufenster. Hier gestaltete Anita Staud ein Fenster mit ihren eigenen Bildern und Skizzen einiger Frauen.

Inzwischen bringen die Frauen eigene Wünsche und Ideen ein. Anita Staud sieht sich mehr und mehr als Anleiterin, als Vermittlerin von Kunstfertigkeit. Zur Zeit steht das Zeichnen von Mandalas im Vordergrund und alle dürfen gespannt sein, was sich als nächstes entwickelt.

Ausblick

Doch neben diesen kreativen Ruhepausen vergessen weder die Prostituierten noch die Sozialarbeiterinnen im Olga die Welt draußen. Dort bleibt noch eine Menge zu tun. In den nächsten Wochen sollen alle Prostituierten im Gebiet direkt angesprochen werden. Herausgefunden werden soll, welche Drogen an der Straße im Spiel sind. Mittelfristig soll der Kontakt zu helfenden Organisationen in den Heimatländern aufgebaut werden.

Gleichzeitig möchte Olga den Frauen Berufsalternativen aufzeigen. Dafür sind die Ausbildungsstände abzufragen. Wünschenswert ist auch ein Runder Tisch, an dem die Themen Konkurenz und Verdrängung der Frauen untereinander zur Sprache gebracht werden.

Und es soll weiter daran gearbeitet werden, die Anliegen und Besorgnisse der AnwohnerInnen im Bewusstsein der Prostituierten zu verankern. Nur so besteht eine Chance, die immer wieder auftretenden Konflikte zu lösen und das gegenwärtig funktionierenden Nebeneinander zu noch mehr gegenseitigem Respekt und Verständnis zu bringen.

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